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Mittwoch. 4. April 1928
178. Zahrgang
Nr. 8* Erstes Blatt
poincare und das Reparaiionsproblem
DieSestechungMärebeimAeichsbahnzenlralamt
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
ikorn-
■amte
seinerzeit die Ratifizie- den Alliierten
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer Dts zum Nachmittag vorher.
Preis für i mm höhe für?lnzeigen von 27 mm Brett« örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20° mehr.
Chefredakteur.
Dr. Friede. Wich. Lang«. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange-, für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.
Mo »kau , 3. April, (prio.) Der vom deutschen Botschafter nach Rostow am Don entsandte Lega- tionssekretar Dr. Schliep Hai folgenden Bericht telegraphiert:
Ich hatte am 3. April im Gefängnis der GPU.. in dem Maier. Otto und B a b ft i e b e r unter- gcbracht sind, in Gegenwart dreier Beamten der GPU. eine Unterredung mit den verhafteten, die auf zehnMlnnten beschränkt war. Die verhafteten, die einzeln vorgefiihrt wurden, erklärten, daß sie feit dem 15. März in Linzelzellen untergebracht feien, und daß feitbem bic Unterbringung keinen Anlaß zu Befchwerben gebe. Sauberkeit. Wafchgelegenhelt. Toilettenverhältniffe und Esten feien zufriedenstellend. Maier klagte über feine Unterbringung vor dem 15. März. Bis dahin feierineinemengenRaum mtt 1 5 Ulann jufammtn gewesen. Auch Babftleber bezeichnete seine Unterbringung bis zum 15. März als sehr beengt; doch seien, nachdem eine Kommission erschienen war, Erleichterungen, insbesondere die Unterbringung in Linzelzellen angcorbnet worden. Otto erklärte dagegen, er fei auch anfangs, als er mit Russen zusammen untergebracht war, bevorzugt behandelt worden. Der Gesundheitszustand von Otto und Badstieber ist gut Maier erklärte, am Samstag nach seiner Vernehmung einen Rervenchock erlitten zu haben, so daß sein linker Arm bewegungslos sei. Lr suhle sich matt und liege den ganzen lag. Maier, der 52 Iahre alt ist, erklärte, daß er früher niemals krank gewesen sei. £ega- tionssekretär Dr. Schliep beantragte beim Unter-
§
zus icherten.
Die Anschuldigungen find im einzelnen bekannt, und durch die Veröffentlichung der „‘Boffi- schen Zeitung" weitestgehend auseinandergeseht worden. Man kaim selbstverständlich jetzt noch nicht überblicken, inwieweit all diese Anschuldigungen zutreffen. Der Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, hat jedoch schon jetzt erklärt. daß rücksichtslos durchge- grisfen werden solle, wenn auch nur der leiseste Verdacht bestätigt würde. Die vorläufige Amtsenthebung und die Einleitung des formalen Disziplinarverfahrens gegen Direktor Reumann ist ein Zeichen dafür, daß man auf feiten der Reichsbahndirektion vor keinem Wittel zurück- schreckt, um die Angelegenheit restlos aufzuklären.
Es ist jedoch vollkommen verfehlt, drese Affären zu prinzipieller Stellungnahme heranzuziehen. All diese Angelegenheiten, deren Anfänge zumeist in die Jahre der Inflation zurückreichen, sind immer rwch Symptome einer Zeit, in der es in Deutschland nicht so recht nach Gesetz und Wahrheit vor sich ging. Es ist traurig, daß diese Zeit über Deutschland hereinbrechen mußte, und manche Existenzen erfaßte, die vielleicht in beruhigteren Zeiten nicht aus dem Sattel geworfen worden wären. Vielleicht wird der Reinigungsprozeh, den der allmähliche
(Er|d)etnttaghd),anbei Sonntag» snb Feiertag» Beilagen
Gießener FamiliendlSttei Heimat im Bild Die Scholle
Wonair.Bezvgrpreir.
2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- fche inen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112.
Anschrift für Drahtnach- richten: Sttjeiget Gieße». Postscheckkonto-.
Krankfurt am Main 11688.
Berlin. 4. April. Wieder einmal steht eine Affäre im Wittep>unkt der öffentlichen Erörterungen, die keinesfalls geeignet erscheint, den Ruf der deutschen Beamtenschaft zu förderm Es wäre aber verfehlt, von derartigen Einzelfällen auf die Allgemeinheit zu schließen, zumal bis jetzt auch noch nicht die Angelegenheit geprüft ist und zum anderen doch eins nicht außer acht gelassen werden darf, nämlich daß all solche Fälle überall vorkommen können und selbstverständlich bei derartigen Verwaltungsstellen. wie das Reichsbahn-Zentralamt, erhöhtes Aufsehen erregen. Rach der Affäre Schulze und dem Fall Müller ist nun der des Direktors bei der Reichsbahn, Reumann, gek men. Die Beschuldigungen gegen diese Be< find zu einem Teil von Kreisen der Industrie erhoben worden, die sich zurückgesetzt fühlt. Man behauptet, daß die Verteilung der Aufträge nicht lediglich nach rein sachlichen Gesichtspunkten erfolgt sei. sondern daß zwischen maßgebenden Beamten und Industriefirmen Abmachungen bestünden, die den Leitern der Beschaffungsabteilung private Vorteile
Die Hast der deutschen Ingenieure.
Der Bericht des LegaiionSsetreiärs Dr. Schliep über seinen Besuch in Kostow.
Die Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau.
Essen, 3. April. (WTD.) Die Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau verliefen ergebnis- l o s, weil über die Anträge der Gewerkschaften, die neben anderen Abänderungen der Lohn-
El N Bündnis Aman tlllahs mit England?
DaS politische Ergebnis des Londoner Besuchs des Afghanenkönigs.
(Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Bettln. 4. April, wie die „Boff. Ztg." au» Conbon meidet, wirb König Aman llllah am Donnerstag von Conbon an» über Paris bic Reife nach Konstantinopel an treten. 3n gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß eine u m f a f f c n b e politische Decftänbigung zwischen (Englanb und Afghanistan, und zwar auf Grund eine» Vertragsentwurf», den König Aman Allah eigenhändig aufgesetzt haben soll, zustande gekommen Ist, nachdem englische Vorschläge über einen Vertragsabschluß zunächst von afghanischer Seite recht küht aufgenommen wurden.
wenn die in Umlauf befindlichen Rachrichten über den Vertrag zutreffen, so stellt ereinengtische» Vffensiv. und Vefensiv-Bündnis mit Afghanistan gegen Rußland und die Türkei bar. Englische Offiziere sollen bic Ausbildung der afghanischen Truppen und die Anlagen des Wegebaues, der Eisenbahnen und der Flugplätze in Afghanistan übernehmen. Die Bewaffnung des afghanifchen Heeres soll, nachdem König Aman Ullah in Birmingham eingehend persönlich die neuen Modelle der Handfeuerwaffen für das indische Heer ausprobiert hat, mit der Bewaffnung des indischen Heeres in Ueberein ft immung gebracht werden. Um die industrielle Aufschließung von Afghanistan zu erleichtern, erhält die afghanische Regierung bas Recht, größere Anleihen in regelmäßigen Zwischenräumen in Conbon zu emittieren, für bic die englische Regierung die Zins- und Tilgung »garantic übernimmt
Eine indirekte Bestätigung dieser Rachrichten — der Vertragsabschluß soll bis zur Rückkehr Aman Ullah» »ach Kabul ..geheimgehalten" werden — Ist in der optimistischen Stimmung englischer Militärkreise zu erblicken. Rack der Inspektionsreise des englischen Kriegsministers an der indischen Rordwestgrenzc urteilte man über die Möglichkeit Indien gegen äußere Angriffe, vor allem von Rorden her, zu verteidigen, sehr pessimistisch. von Flugplätzen in Afghanistan aus konnten die großen Bevölkerungszentren Indiens, Kalkutta. Bombay und Delhi, in Tagesslügen von 6 bi» 12 Stunden Dauer erreicht werden. Ferner machte die Rekrutierung eines zuverlässigen eingeborenen Soldatenmaterials immer mehr Schwierigkeiten, da die nationalistische Agitation bis in die entlegensten Dorfgegenden, die bisher die zuverlässigsten indischen Truppen geliefert haben, gedrungen ist. Afghanische Truppen unter cnglisck)er Führung würden bas Rekrutierungsproblem am günstigsten lösen, ba bic afghanischen Berg- ftämme seit Jahrhunberten gegen bic inbische Bevölkerung Todfeinbschaft hegen, so daß es schwer fallen würde, sie für eine von Indien ausgehende nationalistische oder panasiatische Bewegung zu gewinnen.
Wiederaufbau Deutschlands durchmacht, noch andere Affären auf decken, man darf nur hoffen, daß es bei den bisherigen verbleibt. Aber gerade, daß man jetzt in der Lage ist, diese Affären aufzudecken, ist doch ein Zeichen dafür, daß wir in Deutschland wieder geordnete Verhältnisse'haben. Die eingesetzte Prüfungskommission, der Leute wie Schmalenbach und der Reichssparkommissar Saemisch angehören und in der führende Vertreter der Industrie sitzen, wird sicherlich alles restlos aufklären können, so daß keinerlei Verdachtsmomente mehr vorhanden sein werden. Hoffentlich werden aber die Vorfälle ein Lehrbeispiel dafür bleiben, wie es nicht gemacht werden darf.
Dienststrafverfahren gegen Direktor Reumann. Berlin, 3. April. (WTB.) Die weiteren Untersuchungen von ilnregelmäfcigtciten beim Reichsbahnzentralamt haben dazu geführt, daß gegen den Direktor bei der Reichsbahn, Reumann, das Dienststrafverfahren eingeleitet und die vorläufige Amtsenthebung verfügt worden ist. Der unter der Führung des Präsidenten. Freiherrn v. E l h, Karslruhe. stehende Untersuchungsausschuß der Deutschen Reichsbahn wird im engsten Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft arbeiten und für restlose Aufklärung Sorge tragen. Die Ermittlungen werden voraussichtlich geraume Zeit in Anspruch nehmen, da das Material sehr umfangreich ist. Die Voruntersuchung gegen den Regierungs- und Baurat Hugo Müller in Göttingen hat bisher den Verdacht einer ftraf^ baren Handlung nicht bestätigt, ist aber noch nicht abgeschlossen. Hüter Benutzung sämtlichen bei der Staatsanwaltschaft und der Hauptverwaltung der Reichsbahn eingehenden ilnter- suchungsmaterials wird die Angelegenheit in strafrechtlicher Hinsicht von der Staatsanwaltschaft. in wirtschaftlicher Beziehung durch die von der Hauptverwaltung der Reichsbahn eingesetzte Hnterluchungskommission geprüft.
Die Steuersenkung in den Vereinigten Staaten.
Washington, 3. April. (WTD.) Schatzsekretär Mellon teilte im Finanzausschuß des Senats mit, daß die vom Senat beschlossene Steuerherabsetzung im Betrage von 290 Millionen Dollars nicht durchführbar sei. Man müsse sich mit einer Steuersenkung von 201 Millionen, vielleicht sogar von 182J2Rulionen begnügen. Die zuletzt genannte Summe ist sogar geringfügiger als die vom Repräsentantenhaus im vergangenen Jahre in Vorschlag gebrachte. Der Schatzsekretär erklärte, cs sei weniger wegen der Verminderung der Staatseinnahmen. sondern wegen der Zunahme der Staatsausgaben notwendig geworden, auf eine Steuerverminderung in dem beschlossenen Ausmaße zu verzichten.
Die Hetze gegen Calonder.
Polens Kampf in Lbcrfchlcfien.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, -1. April. 2n Oberschlesien, wie überhaupt in ganz Polen, ist seit einigen Wochen eine maßlose Hetze gegen den Präsidenten Ealonder im Gange, der in einer Entscheidung erklärt hatte, daß cs u n z u l ä s s i g sei. von den Schulkindern deutscher Rationalität daS Singen des berüchtigten Haßliedes „R o t a“ zu verlangen. Täglich werden Massenversammlungen abgcbaltcn. die Resolutionen annehmen, worin man so weit geht, daß sogar die Abberufung Ealonders verlangt wird. Der Schweizer. der sich in der Vergangenheit stets als ein tapferer Mann gezeigt hatte, wenn ihm auch derartige Angriffe stets sehr nahe gegangen sind, wird sich sicherlich durch diese polnische Hetze nicht einschüchtern lasten, sondern weiter auf seinem Posten zum Ruhen der ihm anver- trauten deutschen Bevölkerung ausharren. Zu bedauern ist aber, daß man in Genf bisher nichts unternommen hat, um diesen Bevollmächtigten des Völkerbundes in Schutz zu nehmen.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 4. April. Wider Erwarten ist das gesamte Reparationsproblem, das nach den ursprünglichen Dispositionen an und für sich wohl in diesem Jahre einer eingehenden ileber- prüsung unterzogen werden sollte, in den Mittelpunkt der öffentlichen Auseinandersetzung gestellt worden. Rlcht zuletzt dürften die Aeuherungen des franzost- schen Ministerpräsidenten P o i n c a r 6 dazu beigetragen haben, daß man dieser Frage erneut daS Interesse zuwendet. So weih der ..OH a- tin" heute bereits zu berichten, daß angebliche internationale Verhandlungen zwecks Regelung des Reparationsproblems und der interalliierten Schulden schon geplant seien. Es soll sich darum handeln, den Gesamtbetrag der Reparationen auf 32 Milliarden herabzusehen. wobei dieser Schuldbetrag Deutschlands durch die Emission deutscher Bonds in entsprechender Höhe gedeckt werden würde. Die Hälfte, also 16 Milliarden, würden aus den 11 Milliarden Eisenbahn- und 5 Milliarden Industrieobligationen aus dem Dawesplan bestehen. Der Zinsendienst (5 Prozent) und der Amortisationsdienst (1 Prozent) dieser Bonds würden durch die Einnahmen aus der Reichs- eisenbahn und gewissen deutschen Industrien reichlich gesichert sein. Die übrigen 16 Milliarden Goldmark würden zu Lasten des deutschen Budgets gehen, was im Vergleich zu den Dawes-Annuitäten eine Reduzierung um 40 Prozent ausmachen würde. Der Ertrag aus der Placierung der Eisenbahn- und Industrieobligationen würde dazu benutzt werden, die interalliierten Echul- d e n zu liquidieren, während die übrigen 16 Milliarden Goldmark Frankreich und Belgien auf Reparationskonto gutgeschrieben würden. Man nehme gemeinhin an, daß der gegenwärtige Wert der zur Tilgung aller Schulden bei Amerika vorgesehenen Zahlungen 16 Milliarden Goldmark nicht übersteigen dürfte.
Die Verquickung des Reparationsproblems mxt dem Schuldenprvblem war allgemein zu erwarten. Trotzdem scheint der Artikel des Matin, der von dem Pariser Korrespondenten der Rew Bork Times verfaßt worden ist, mehr ein Versuchsballon zu sein. Interessant ist aber in diesem Zusammenhang, daß auch die Rew Bork World in ihrem Kommentar zu der Rede Poin- carc-s betont, daß die amerikanische Regierung angesichts der Opfer, die fettens der europäischen Alliierten bei Fixierung der Reparativnssumme gebracht werden müßten, ihren gegenwärtigen Widerstand gegen die Revision ihrer Schuldforderungen fallen ließe und eine den realen Rotwendigkeiten mehr entsprechende Haltung einnehmen würde. Man erkennt daraus, daß die Beratungen über den Gesamtkomplex dieses Problems in Fluß gekommen sind. Es wäre indessen verfehlt, schon jetzt nach irgend einer Richtung hin optimistischen Hoffnungen Ausdruck zu geben. Das Reparationsproblem als solches ist eine Frage, die gerade deutscherseits der strengsten Zurückhaltung bedarf und deshalb auch nur mit größter Sachlichkeit angefaßt werden kann. Wir haben von jeher den Standpunkt vertreten, daß der Dawes- plan einer Revision bedürfe, vor allem was die Silierung der Endsumme anbelangt, damit sich die deutsche Wirtschaft ihrer Belastung klar sei und dementsprechend disponieren könne. Die Reise des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht nach Amerika wird ja schon jetzt vielfach in Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen gebracht. Es ist aber irrig, bereits anzunehmen, daß konkrete Verhandlungen bevorstünden. Alles ist vielmehr noch so in Fluh und bedarf vorsichtigster Erwägungen, ehe endgültige Verhandlungen einsehen können. Die Wiederaufnahme der Thoiry-Pläne durch Poincare zeigt jedenfalls daß man auch auf dieser Seite erkannt hat, daß nur auf diese Weise eine Lösung gefunden werden kann.
Amerikanischer Optimismus.
Washington zur Rede Poincarss.
Reuhork. 3. April. (WB.) Die „Times" meldet aus Washington, amtliche Krerse erwarteten nicht, daß für den Rest der Amtszeit von Eoolidge irgendwelche Entscheidungen und Schritte im Zusammenhang mit der Revision de' Dawes- planes erfolgen können. Dagegen meldet „Herold and Tribüne", daß der Rede Poincare s namentlich auch in Kongreßkreisen größtes Interesse entgegengebracht werde, und das auch dos Schatzamt Porncares Vorschläge prüfe, obwohl amtliche Kreise befürchteten, daß eine allgemeine Erörterung über den Revisionsplan gegenwärtig Jbem Erfolg der Verhandlungen eher schaden könnte. Ein m Washington weilender prominenter Reuhorker Bankier habe bemerkt, falls die vorgesehene Dondsemission zu 4 Prozent erfolgen könne, wäre eine Fixierung der Reparationssumme auf 10 Milliarden möglich, während sie bei 5 Prozent acht Milliarden betragen würde. .
Die „World" bezeichnet die Rede Pomcares in Carcassonne als Akzeptierung der Wirklichkeit und weist darauf hin, die Ankündigung der Bereitschaft zu Verhandlungen über Reparationen und interalliierte Schulden
erfolge ein Vierteljahr nach Parker Gilberts Besuch in Paris und seinen Vorschlag zur Fixierung der Reparationssumme. Eine derartige Erklärung seitens eines der ausgesprochensten Rationalisten Europas und entschiedenen Verteidigers des Versailler Vertrages liefere den besten Beweis für den 11 m - schwang in der Haltung, die die politischen Führer Europas nunmehr gegenüber den Finanz- problemen der Rachkriegs^eit einnehmen. „World" meint, die bekannte Stellungnahme des Staatsdepartements gegen eine Verbindung der interalliierten Schulden mit dem Reparationsproblem fei insofern
suchungsrichter die sofortige ärztliche Untersuchung Maiers und seine Uebersüh- rung ins Krankenhaus, und es wurde Dr. Schliep zugesagt, daß Maier noch heute zu diesem Zweck ärztlich untersucht werden solle. Maier steht im Briefwechsel mit seiner Frau, die fick in Rutschenkowo befindet und hat auch von ihr einen Brief erhalten. Er bittet die deutsche Bolschaft, sich seiner Frau anzunehmen. Badslicber und Otto haben von der Genehmigung.des Briefwechsels mit ihren Angehörigen keinen Gebrauch gemacht. Otto bittet, feinen Angehörigen mitzuteilen. daß er gefunb ist. Babftieber bittet" mitzuteilen, bah et vorläufig gut aufgehoben fei. Maier erhielt eine Gelbuntersiühung seitens ber Botschaft, während Babftieber und Otto mit Gelb genügenb versehen sinb. Diese beiben baten um Unterhaltungslektüre. Sämtliche verhafteten beantragen bie Bestellung eines verteibi- g e r s. Die Beamten ber GPU. erklärten auf eine Frage Dr. Schliep», baß eine Lntfcheibung über ben Termin unb den Ort ber Gerichtsverhanblung noch nicht getroffen sei.
Todesurteile in Rußland.
Moskau, 3. April. (9BBJ Telegraphenaaentur der Sowjetunion. In einem Prozeß gegen sechs Konterrevolutionäre, ehemalige Sozial revolutionäre, stellte das Gericht Kungur (Ural) fest, daß bie Angeklagten 40 Sowjetfunktionäre an Kol- tschak, als dieser sich im Ural befand, a u s g e l i e - fert hatten, und verurteilte Ryzew unb Tscha stichln zumTode unb bie übrigen zu verschiedenen Freiheitsstrafen.
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verständlich, als die Regierung größten Schwierigkeiten hatte, die r u ng der Schuldenabkommen mit zu erreichen. Immerhin fei Grund vorhanden, anzunehmen, die amerikanische Regierung werde angesichts der allgemeinen Opfer, die seitens der europäischen Alliierten bei der Fixierung der Reparationssumme gebracht werden müßten, ihren gegenwärtigen Widerstand gegen eine Revision ihrer Schuldforderungen fallen laf- s c n und eine den realen Rotweirdigkeiten mehr entsprechende Haltung einnehmen, ebenso wie dies seitens der Regierung PoincareS geschehen sei.
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