Nr. 28H Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 3. Dezember 1928
Hessen und die Neugliederung des Reiches.
Geographische Voraussetzungen.
Von Dr.$. Mute, o. ö. Professor der Geographie an der Universität Gießen.
11.
Doch gehen wir zur Frage der Neueinteilung an sich über. Es liegen dafür schon eine große Reihe von Entwürfen vor, von denen diejenigen unberücksichtigt bleiben können, die zu kleine Gebiete als neue Einheiten zusaminenfassen. Als Grundsätze der Einteilung müssen gelten, Wirtschaftlichkeit der Verwaltung, Zusammenschluß volkswirtschaftlich einheitlicher Gebiete, wobei auf Industrie und Landwirtschaft Gewicht zu legen ist, Berücksichtigung der natürlichen Gliederung des Landes und der kulturellen Verschiedenheiten. Bei der praktischen Grenzziehung müssen sich natürlich Gegensätze ergeben, da die einzelnen neuen Länder das Bestreben einer möglichst günstigen Abrundung haben. Andererseits müssen dem Reich Mittel und Wege zur Verfügung stehen, einen Ausgleich zu schaffen und schwächere Gebiete zu stützen. Wenn sich die westlichen Provinzen Preußens heute darüber beklagen, daß sie zur Bestreitung der Knlturausgaben des Ostens beitragen müssen, jo ist bei einer Neu- reaeluna darauf Rücksicht zu nehmen, daß Schwäche- gebiete im Interesse des Ganzen unterstützt werden. Gerade der Osten liefert ja einen Teil jener Industriearbeiter, die dem Westen nötig sind und man darf die landwirtschafllichen Gebiete nicht allein nach ihrem Steuer, oder Wirtschaftsertrag einschätzen, sondern muß auch ihren Volkswert berücksichtigen.
Betrachten wir den von A. Weitzel, Frankfurt (Erde und Wirtschaft, 1928, Seite 1) mitgeteilten Entwurf, der in seiner großzügigen Aufteilung manches für sich hat (siehe ..arte 2), so sehen wir das rheinisch-westfälische Industrie- gebiet als Einheit zulammengefaßt. Köln als drittgrößte Stadt des Reiches gebührt der Rang als Hauptstadt, schon im Einklang mit seiner Vergangenheit. Gegen eine Vereinigung spricht der Unterschied in der Stammesart zwischen Westfalen und Niederrheinfranken, der sich aber zu Gunsten der Einheit des größten Industriegebietes über* brücken ließe. Die Grenze wäre etwa so zu ziehen, daß sie von der deutsch-holländischen Grenze auf den Teutoburger Wald zuläust, diesem etwa folgt und dann nach Süden auf das Rothaargebirge hinzieht, das Geoiet der Sieg einschließt, den Westerwald überschreitet, unterhalb Neuwied den Rhein überquert und über die Eifel wieder die belgische Grenze erreicht.
Nach Süden anschließend wird von Weitzel ein Gebiet zusammengefaßt unter dem Namen Rhein- fronten, das von der Grenzlinie des rheinisch- westfälischen Gebietes (Niederrhein) bis über Nauheim herausreicht und im Osten über die Fulda yinausgreift. Frankfurt ist Hauptstadt und das Gebiet des Volksftaates Hessen ist ganz einbegriffen, wie auch die Rheinpfalz. Diese großzügige Aufteilung hat den Vorteil, daß sie nicht in Versuchung kommt, die Mainlinie als Grenze einzusetzen, was bei anderer Einteilung geschieht, oder daß das rechts- und linksrheinische Gebiet getrennt wird. Diese Art der Grenzziehung wäre zu verurteilen, denn sie schneidet natürliche und wirtschaftlich zusammengehörige Gebiete mitten auseinander. Derweilen mir bei diesem Hessen am nächsten stehenden Gebiet etwas länger. Bei der Betrachtung dieses neuen Länderraums kann man einerseits von seinem neuen Mittelpunkt Frankfurt ausgehen und fragen, wie groß ist feine Reichweite in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung, oder welches Einzugsgebiet ist nötig als Wirtschaftsbereich. Andererseits ist die Frage auch von der Seite der Eigeninteressen der Landesteile zu betrachten, die sich in das neue Gebilde begeben. Was wird durch das Aufgehen in einer größeren Gemeinschaft an Eigeninteressen evtl, zurückgestellt?
Das unter Rheinfranken mit Frankfurt als Mittelpunkt zusammengefaßte Gebiet schließt fränkisches und hessisches Stammeskum ein, geht bis an die Grenze Niedersachsens
Das Hessische Stammestum ist durch den Lauf der Geschichte geteilt und wieder vereint ge- —■III», ' ~ — - B
Obechefsischer Kunstverein.
Weihnachtsansstellung Künstlerhilfc 1928.
lieber 30 oberhessifche Künstler haben sich in der diesjährigen, gestern eröffneten Weihnachtsausstellung Künstlerhilfe 1928, deren Durchführung dem Oberhessischen Kun st verein übertragen wurde, mit ihren Arbeiten gufammengetan; man sieht nebeneinander Oelgernälde, Aquarelle. Handzeichnungen, Gra- phik, Plastik und Kunstgewerbe. Die Delmalcret, der Tradition entsprechend, überwiegt weitaus, Plastik ist nur in wenigen Exemplaren vertreten.
3m ganzen ist ein achtbarer Durchschnitt der künstlerischen Leistung sestzustellen, was bei einer Verkaufs- und Terlosungs-Ausstellung wie dieser besonders begrüßenswert ist: es dürfte hier stofflich und stilistisch den verschiedensten Geschmacksrichtungen Rechnung getragen sein: dies scheint uns im Hinblick auj die wirtschaftliche Bedeutung der Ausstellung von erheblicher Wichtigkeit zu sein.
3m einzelnen wäre bei einem Rundgang durch die Ausstellungsräume etwa folgendes zu notieren, woraus sich ein ungefährer Ueberblicf über die Kollektion, jedoch keine erschöpfende Aufzählung ergeben soll, die sich schon im Hinblick auf die begrenzten Raumverhältnisse verbieten würde.
Don Barnas z. B., hier bereits bekannt, findet man Landschaften, meist heimatlichen Charakters, und die halbdunklen, sachlichen 3n- terieurs aus einer Eisenhütte. Ein malerisches Schwarzwaldmotiv bringt u. a. List, während von G e i st etwa ein Architekturstück aus der schönen alten Stadt Wimpfen hervorzuheben wäre. Fries, ebenfalls hier kein Reuling mehr, zeigt gute Freilichtmalereien nach oberhessischen Motiven, auch ein tonig behandeltes Stilleben.
Lorh wird mit Aquarellen vorteilhaft eingeführt, worunter ein B umenstück und eine Landschaft vornehmlich auffallen. Ebenfalls landschaftliche Szenerien - die motivisch überhaupt ganz überwiegend bevorzugt werden -. findet man von Huth und in vielfachen Abwandlungen von dem verstorbenen Gießener Barthel.
Margarete Kranz ist mit sehr sachlich, aber gleichwohl liebevoll ausqeführten Blumenstücken
wejen und ist häufig mit den ihm benachbarten fränkischen Gebieten zusammengegangen. Die Stammesoerschiedenheit dürste m. E. kein Grund sein, das fränkische Gebiet südlich des Mains und die südliche Wetterau von dem hessischen Stammes- aebict nördlich davon zu trennen. Das eigentlich hessische Stammesgebiet, von der nördlichen Wetterau bis zur Vereinigung von Fulda und Werra trägt in sich als Gebirgsland mit kleineren Senken nicht die Bedingungen für eine größere wirtschaft liche Selbständigkeit.
Ebensowenig ist das fränkische von der Pfalz bis an die böhmische Grenze reichend als stark bewußtes Volkstum hervorgetreten, war es doch unter Bayern, Württemberg, Baden, Hessen und Preußen aufgeteilt, ohne daß aus der starnrn- lichen Verschiedenheit Schwierigkeiten erwachsen wären, im Gegenteil haben sich solche fränkischen
zücht von Wichtigkeit und durch seine Waldungen würde Rheinfranken zu den waldreicheren deutschen Ländern gehören. Sind nun auch dies olles Eigen schosten, die auch bei der augenblicklichen Trennung ebensogut bestehen, so darf nicht übersehen werden, daß ein größeres Staatsgebiet manche Kulturaufgabe, die sich auf die Landwirtschaft erstreckt, besser durchzuführen in der Lage ist. An der gegenwärtigen Kleinheit und geringen Finanzkraft der Gebiete scheitert doch häufig die Losung größerer Aufgaben. Die großzügigere Durchführung der Losung bestimmter Fragen Dirat auch wieder die Gefahr in sich, daß Sonderwünsche oft nicht so stark berücksichtigt werden können, doch ist der Vorteil der Wirtschaftlichkeit bei einem größeren Gemeinwesen einleuchtend.
In diesem neuen Verwaltungsgebiet liegen industrielle Zentren, vor allem Frankfurt und Mann
Karte 2. Reugliederung nach Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturgebieten nach A. Weitzel. Die regionale Gliederung Deutschlands nach Wirtschafts- und Verkehrsgebieten (Erde und Wirtschaft 11/1928.)
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Teile den zur napoleonischen Zeit vollzogenen staatlichen Angliederungen sehr gut angevaßt und ihr Stammesbewußtsein gegen das staaniche zurück- gestellt.
Konfessionell gehört das Gebiet, in dem frühere geistliche Besitzteile von Mainz, Fulda und Trier liegen, mit zu den zersplittertsten Deutschlands, so daß eine Grenzlinie mit Berücksichtigung der konfessionellen Unterschiede zu ziehen unmöglich ist.
Landwirtschaftlich sind folgende Ueberein- ftimmungen wichtig. Im ganzen Gebiet überwiegt der klein- und mittelgroße bäuerliche Besitz weitaus gegenüber dem Großbesitz. Es sind dadurch keine sozial-wirtschaftlichen Gegensätze da, die sich, wie es in Gebieten Norddeutschlands möglich ist, zu Interessengegensätzen auswachsen könnten. Allerdings bestehen Gegensätze im Anbau. Die fruchtbaren Gebiete der Ebene gehören mit zu den klimatisch günstigsten Deutschlands. Im Weinbau vereinigen sich die Interessen des Mosel- und Rheintals. Die fruchtbaren Gebiete der Ebenen reichen allerdings für die Versorgung der Stadtbevölkerung nicht aus, doch bedeutet die städtische Bevölkerung einen günstigen Abnehmer, was allerdings nicht so sehr für die Getreide- und Ackerfrüchte gilt, deren Preis durch die gesamte Marktlage bestimmt wird, wie für Obst, Gemüse, Fleisch und Molkereiprodukte, die günstige Derkehrsbedingungen haben. Die Gebirgsgegenden sind als Gebiete der Vieh-
— MR »i —Win» i «i»!■■»■ nmm li ,» iii>,n»7il»irr—im von dekorativer Wirkung zur Stelle. Küchel, Gießen, zeigt diesmal et ich: kunst. ewerb iche Zier- stiicke in Bronze und Silber, ornamentale Kleinarbeit. Scheid, Darmstadt, ist wiederum mit seinen wohlbekannten und mit Recht beliebten Pferde- und Reiterbildern zu nennen: -es sind durchweg gute Sachen, in verschiedenartiger Technik.
Don Eimer, Darmstadt, sollte, neben hübschen Radierungen, ein gut gruppiertes, appetitliches Früchtestilleben Beachtung finden. Einige Stücke der Gräfin Solms- Rödelheim erscheinen um ihrer lebhaften Farbwirkung willen bemerkenswert. Handzeichnungen und Lithographien von Walther behandeln vorwiegend landschaftliche Motive: von Reuter, Gießen, sieht man ebenfalls Freilichtmalereien, ein Motiv aus der Gießener Umgebung sei von Rohrbach erwähnt, von Oncken vor allem ein Stilleben mit Tulpen.
Unter den Bildern W i l l s gefallt ein groß angelegtes Gießener Stadtbild: apart kolorierte Stilleben unk Bildnisse sind ferner zu erwähnen. Eine ganze Wand gehört Steinbach: er bringt qualitätvolle Malereien von gemäßigter Sachlichkeit, llare und starke Farben. Groß- Haus ist hauptsächlich mit einem vortrefflichen Selbstporträt und mehreren sehr guten Landschaften zu empfehlen.
Eine Ditrine vereinigt Aquarelle und Zeichnungen von Steinbach, Will, Kranz, Manz und Scheid: durchweg hochwertige Arbeiten, welche die Aufmerksamkeit aller Besucher auf sich lenken sollten.
Auch S o e d e r ist hier im Kunstverein bereits gezeigt worden: wir weisen auf zwei Helle und malerisch belebte Schneelandschaften im Hinteren Ausstellungsraum hin. Der eigenartige und in stets wertvollen Bildern sich ausprägende Walstll des in Lang-Göns ansässigen jungen Alfred K i e h l ist wiederum an einigen neuen Stücken zu beobachten, die zum Besten zählen, was diese Ausstellung bietet.
Weiterhin sei auf Blumenstücke von Veite und Zeichner hingewiesen, während von Maus in erster Linie die Aquarell-Landschaften und ein feines und interessantes Stilleben hervorzuheben wären. Müller, Offenbach, bringt u. a. ein starkfarbig gemaltes Motiv aus der
heim-Ludwigshafen, die stark in bie Umgebung aus- strahlen. Es ist dies vor allem bie chemische In- buftrie, Maschinenindustrie, das Hauptgebiet für Gerberei, fieber und fieberroaren, sowie Schuhe, welch letztere Industrie auch in der Pfalz stark beheimatet ist. Ferner Papierindustrie in Mannheim und Aschaffenburg; Tabakverarbeitung, Weberei und manch anderes Unternehmen von Wichtigkeit.
Diesen beiden großen Industriezentren stehen kleinere gegenüber in Koblenz und Kassel. In der Grenzziehung ist nur ein Entwurf zur Diskussion gestellt. Rheinfranken kommt etwa der heutigen Provinz Hannover an Fläche gleich und würde über 5,5 Millionen Einwohner zählen. Damit würde es die rein landwirtschaftlichen östlichen Länder überragen, wie dies auch bie übrigen In- buftriegebiete tun. Es würde aber ungünstig sein, bie westlichen Gebiete deshalb kleiner aufzuteilen. Man würde eine wesentliche Verringerung der Ein- wohnerzahl ja nur durch das Teilen der volkreichen Industriegebiete erreichen, wodurch Zusammengehöriges zerschnitten würbe.
Als Landschaft bildet der Rheintalaraben eine Einheit, da ihm trotz kleinerer Unterschiede klimatische Begünstigung und solche des Bodens und Durchgängigkeit für den Verkehr gleichmäßig zukommt. Wäre Elfaß-Lothringen noch deutsch, so könnte die Aufteilung günstiger getroffen werden. Würde man das ganze Gebiet des Rheintalgrabens als einheitliches totaatengebilbe zufammenfaffen, so
Silvretta-Gruppe. Daneben drei hübsche Federzeichnungen von Stephan. Allerlei nützliches Kunstgewerbe in gefälligen Gebrauchsformen und Farben findet man von Thea Schenck. Ein Porträtkopf von Reuter ist schon aus motivischen Gründen zu beachten, desgleichen die Landschaften von Metzger, Viehmann und Stegmeyer: ein Aquarell des Darmstädters Toller wurde aus der vorhergehenden Ausstellung übernommen. Als einziger Plastiker ist Schmidt, Friedberg, mit einem hübschen Putto in Gips zu notieren. —
Die Ausstellung wurde am gestrigen Sonntag- vormittag der Oeifentlichkeit übergeben. Der erste Vorsitzende des Kunstvereins, Landgerichksdirek- tor B ü ck i n g, hieß in seiner Eröffnungsansprache die zahlreich Erschienenen will/ommen und gab weiterhin einen kurzen lleberb'.ick über Deran- las ung. Zusammen etzung und Einrichtung der Ausstellung; diese ist Sonntags, Mon ags, Mitwochs, Freitags von 11 bis 1, außerdem Sonntags von 3 bis 6 und Mittwochs von 3 bis 7 Uhr für jedermann bei freiem Eintritt zugänglich. —y—
Frankfurter Theater.
3m Schauspielhaus spielte man zum ersten Male „Krankheit der 3ugend" von Ferdinand Bruckner. Anscheinend ist es nicht zu umgehen, daß die Dichter unserer Zeit in so überaus häufigen Fällen ihre Fähigkeiten an Stücken beweisen, die sich mit den widerw irrigsten menschlichen Prob emen befassen. So werden auch hier wieder alle Laster sexueller Art so faustdick zusammengetragen, daß es schon einer starken dramatischen Kraft und einer großen schauspielerischen Leistung bedarf, um uns den @tel überwinden zu las en, der uns überfällt.
Dieses starke Talent ist zweifellos vorhanden. Die dramatischen Effekte sind geschickt herausgearbeitet, bie Sprache ist klar und eindringlich, Der Dialog ist gut gebaut. Die schauspielerische Leistung war eine Der besten, die das Schauspielhaus je gezeigt hat. Diese Studenten und Studentinnen, die mit ihrer körperlichen und seelischen Rot ringen, wurden durchweg ausgezeichnet verkörpert. DaS Zusammenspiel war virtuos.
Probleme der neuen Tanzkunst.
Rudolf von Laban, der bekannte deutsche Choreograph und Theoreirier d?r modernen Tanzkunst, hat sich kürzlich in einem interessanten und instruktiven Vortrag über die Prob teme der neuen Tanzkunst ausgelassen, der bei dem großen Einfluß, den Laban und sein künstlerisches Wirken auf die Entwicklung der Tanzkunst genommen hat, auch das Intereße der Liebhaber Chorrog aphen verdient: „Für uns gibt es keine alte und keine neue Tanzkunst", sagt Laban, „sondern lediglich eine Tanzkunst, die durch alle Zeiten toei:ergebt. Es kann sich höchstens darum handeln, von einer heutigen Tanzkunst zu sprechen, und in ihr wird alles das begriffen sein, was von alter Zeit her in unsere Zeit hineinragt, was sich neu bildet und was keimhaft auf die Zukunft hindeutet. Es gibt aber eine Tanzwissenschaft. die es als Choreo- sophie schon auf pythagoreischen Quellen und Anregungen fußend, bei Plato gab. Die ge- aeschichtliche Entwicklung fuhrt dann weiter zu der berühmten Choreographie des französischen Ballettmeisters F e u i l l e t, die Laban in gewissem Sinne zu seiner eigenen macht. 3m übrigen stellt sich der Theoretiker auf den Standpunkt, daß im Sinne der Derufserziehung. d. h. der Tanzerziehung, das tatsächliche tänzerische Element eine immer größer werdende Rolle spielt, was bei der Betrachtung der Probleme der neuen Tanzkunst außerordentlich erfreulich ist.
Die Damen Menz, Daub, Erika Mann (Thomas Manns Tochter) und Winter, die Herren Diberti, Arie und R e w a l t boten charakteristische Figuren in Spiel und Maske. Der schau pielerischen Leistung aller galt mit Recht der Beifall. Mit gleichem Recht ist das S!ück abzulehnen. Man sollte sich ernstlich überlegen, ob man die neuzei liche dichterische Produk.ion nicht in gesündere Bahnen lenken würde, wenn man auf die Aufführung solcher Sriicke verzichtete. Für unsere 3ugend sind diese Krankh:iten, wie sie hier dargestellt werden, got lob nicht symptomatisch. Sie führt in ihrer großen Masse andere Kämpfe, die einem Dichter sicher ein dankbareres Thema bieten können, als eine solche Sammlung von Abnormitäten. Dr. W.
würde es zu groß, da man die fruchtbare Ebene nicht von den Gebirgen, die man als besondere Landschaft betrachten muß, trennen kann.
Die Teilung kann nicht nach Landschaften in dem Sinne erfolgen, daß Gebirge und Ebene getrennt werden, sondern die Gebirge müssen als Außen- gebiet der Ebene zugeteilt werden, und zwar derjenigen, nach der sie vor allem wirtschaftlich hin« neigen. Dies entspricht auch meist der natürlichen Abdachung. Die Grenzen sind in die siedlungsarmen Gebiete zu legen, welche natürlicherweise meist mit in den Gebirgen zusammenfallen, in Norddeutschland mit den Heidegebietcn. Hier ist die Grenzführung meist eindeutig und man wird leicht zur Einigung gelangen können. Schwieriger ist sie in den Durchgangslandschaften der Ebene und hier sind auch Einsprüche zu Weitzels Entwurf schon gemacht worden oder sind noch zu erwarten. Niedersachsen hat in einem Artikel von E. Obst (Zeitschrift für Geopolitik, 1928, I. S. 33) Kassel beansprucht, neben anderen Erweiterungen gegen Hamburg. Die Stadt Kassel ist dort mit ihrem wirtschaftlichem Einzugs- gebiet zu Niedersachsen gezogen. Das bedeutet, daß das Gebiet südlich Kassel bis zur Schwalm einbe- zogen ist, denn soweit reicht der Marktbereich Kassels. Nur der geringere Teil der Schwälmer beschickt den Marburger Markt, der wie der Gießener, schon teilweise von der Zentrale Frankfurt versorgt wird. Die Frage der Eingliederung der Pfalz wird bei Bayern auf Widerspruch stoßen, bei den Pfälzern selbst sicher nicht in gleichem Maße.
Ain schwierigsten liegt die Frage der Grenzziehung in der Rheinebene. Wenn sich Baden und Württemberg zusammenschließen, wird dies neue Land nur schwer zu bewegen sein, auf Mannheim, (ein wirtschaftliches Ausfalltor nach Norden, zu verzichten. Trotzdem bestehen wirtschaftliche Verknüpfungen, z. B. in der chemischen Industrie, deren Leitung nach Frankfurt verlegt wird, zwischen bei- den Städten.
Es sind noch eine Reihe von Reibungsflächen wegzuschaffen, doch ist es wichtig, auf sie aufmerk- (am zu machen. In der Verwaltung wird die regionale Zentralisierung günstig sein. Das gilt auch besonders für die Handelskammern, Landwirtschaftskammern ujw., die jetzt in den staatlich getrennten Gebieten nebeneinander existieren, wie auch für die Wirtschaftsverbände jeder Art, die häufig schon über die innerftaatlidjen Grenzen hinweggreifen. Bei der Unterteilung in Kreise kann den totalen Bedürfnissen auf zweckmäßige Einteilung weitgehend Rechnung getragen werden. Der Gedanke der Neueinteilung wird sich in den größeren Län- dem und Provinzen leichter durchsetzen, während er in kleineren Gebieten häufig Durch den Glauben unterdrückt wird, daß man sich den Ast absäge, auf dem man sitzt. Die lledernahme der Beamtenschaft in den neuen Verwaltungsbezirk müßte ohne persönliche Härten geschehen, was auch sicher nfög« lieh ist.
Manches wäre noch über die Kulturfragen zu sagen, über das Fortbestehen von vier ober fünf Hochschulen, wobei vieles für die Beibehaltung der Hochschulen in Mittelstädten spricht. Es wird auch im neuen Verwaltungsgebiet selbst wieder eine gewisse Dezentralisation günstig bleiben, soweit sie sich mit Rücksicht auf die Verwaltung durchführen läßt. Don großem Interesse ist auch die Frage, wie wird sich die innerpolitische Sage durch die Neugestaltung verändern, wie wird sich die Politik der preußischen Provinzen im Deutschen Reich gestalten, wenn sie im Reichsrat durch selbstgewählte und ihrem Landtag verantwortliche Vertreter und durch eine Stimmenzahl vertreten sind, die ihrem wirklichen Größenverhältnis entspricht?
Die Neueinteilung, von der die Verwaltungsreform erwartet wird, ist lebten Endes nicht ohne Verfassungsänderung möglich. Auch hier Harri noch ein Fragenkomplex der Beantwortung, der sich vor allem um den Grad der Selbstverwaltung der neuen Bundesstaaten dreht und auch hier bedarf es der sorgsamen Abwägung, bevor der Gedanke der Neueinteilung verwirklicht werden kann. Heber* schlägt man die Vorteile und Nachteile einer Neugliederung im Ganzen, so überwiegen meines Erachtens die Vorteile und manche Gebietsteile werden durch sie eine neue Belebung, andere einen weiteren Aufstieg, die Gesamtheit einen nicht nur zweckentsprechenden, sondern auch kulturfördernden Innenbau erhalten. Auch außenpolitisch ist die Neugliederung nicht von Nachteil, wäre dadurch


