Ausgabe 
3.12.1928
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 28H Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 3. Dezember 1928

Hessen und die Neugliederung des Reiches.

Geographische Voraussetzungen.

Von Dr.$. Mute, o. ö. Professor der Geographie an der Universität Gießen.

11.

Doch gehen wir zur Frage der Neueinteilung an sich über. Es liegen dafür schon eine große Reihe von Entwürfen vor, von denen diejenigen unberück­sichtigt bleiben können, die zu kleine Gebiete als neue Einheiten zusaminenfassen. Als Grundsätze der Einteilung müssen gelten, Wirtschaftlichkeit der Ver­waltung, Zusammenschluß volkswirtschaftlich ein­heitlicher Gebiete, wobei auf Industrie und Land­wirtschaft Gewicht zu legen ist, Berücksichtigung der natürlichen Gliederung des Landes und der kul­turellen Verschiedenheiten. Bei der praktischen Grenzziehung müssen sich natürlich Gegensätze er­geben, da die einzelnen neuen Länder das Bestre­ben einer möglichst günstigen Abrundung haben. Andererseits müssen dem Reich Mittel und Wege zur Verfügung stehen, einen Ausgleich zu schaffen und schwächere Gebiete zu stützen. Wenn sich die westlichen Provinzen Preußens heute darüber be­klagen, daß sie zur Bestreitung der Knlturausgaben des Ostens beitragen müssen, jo ist bei einer Neu- reaeluna darauf Rücksicht zu nehmen, daß Schwäche- gebiete im Interesse des Ganzen unterstützt werden. Gerade der Osten liefert ja einen Teil jener In­dustriearbeiter, die dem Westen nötig sind und man darf die landwirtschafllichen Gebiete nicht allein nach ihrem Steuer, oder Wirtschaftsertrag ein­schätzen, sondern muß auch ihren Volkswert berück­sichtigen.

Betrachten wir den von A. Weitzel, Frankfurt (Erde und Wirtschaft, 1928, Seite 1) mitgeteilten Entwurf, der in seiner großzügigen Aufteilung manches für sich hat (siehe ..arte 2), so sehen wir das rheinisch-westfälische Industrie- gebiet als Einheit zulammengefaßt. Köln als drittgrößte Stadt des Reiches gebührt der Rang als Hauptstadt, schon im Einklang mit seiner Ver­gangenheit. Gegen eine Vereinigung spricht der Unterschied in der Stammesart zwischen Westfalen und Niederrheinfranken, der sich aber zu Gunsten der Einheit des größten Industriegebietes über* brücken ließe. Die Grenze wäre etwa so zu ziehen, daß sie von der deutsch-holländischen Grenze auf den Teutoburger Wald zuläust, diesem etwa folgt und dann nach Süden auf das Rothaargebirge hin­zieht, das Geoiet der Sieg einschließt, den Wester­wald überschreitet, unterhalb Neuwied den Rhein überquert und über die Eifel wieder die belgische Grenze erreicht.

Nach Süden anschließend wird von Weitzel ein Gebiet zusammengefaßt unter dem Namen Rhein- fronten, das von der Grenzlinie des rheinisch- westfälischen Gebietes (Niederrhein) bis über Nau­heim herausreicht und im Osten über die Fulda yinausgreift. Frankfurt ist Hauptstadt und das Gebiet des Volksftaates Hessen ist ganz einbegriffen, wie auch die Rheinpfalz. Diese großzügige Auftei­lung hat den Vorteil, daß sie nicht in Versuchung kommt, die Mainlinie als Grenze einzusetzen, was bei anderer Einteilung geschieht, oder daß das rechts- und linksrheinische Gebiet getrennt wird. Diese Art der Grenzziehung wäre zu verurteilen, denn sie schneidet natürliche und wirtschaftlich zu­sammengehörige Gebiete mitten auseinander. Der­weilen mir bei diesem Hessen am nächsten stehen­den Gebiet etwas länger. Bei der Betrachtung die­ses neuen Länderraums kann man einerseits von seinem neuen Mittelpunkt Frankfurt ausgehen und fragen, wie groß ist feine Reichweite in wirtschaft­licher und kultureller Beziehung, oder welches Ein­zugsgebiet ist nötig als Wirtschaftsbereich. Anderer­seits ist die Frage auch von der Seite der Eigen­interessen der Landesteile zu betrachten, die sich in das neue Gebilde begeben. Was wird durch das Aufgehen in einer größeren Gemeinschaft an Eigen­interessen evtl, zurückgestellt?

Das unter Rheinfranken mit Frankfurt als Mit­telpunkt zusammengefaßte Gebiet schließt fränkisches und hessisches Stammeskum ein, geht bis an die Grenze Niedersachsens

Das Hessische Stammestum ist durch den Lauf der Geschichte geteilt und wieder vereint ge- III», ' ~ - B

Obechefsischer Kunstverein.

Weihnachtsansstellung Künstlerhilfc 1928.

lieber 30 oberhessifche Künstler haben sich in der diesjährigen, gestern eröffneten Weih­nachtsausstellung Künstlerhilfe 1928, deren Durchführung dem Oberhessischen Kun st verein übertragen wurde, mit ihren Arbeiten gufammengetan; man sieht nebeneinander Oelgernälde, Aquarelle. Handzeichnungen, Gra- phik, Plastik und Kunstgewerbe. Die Delmalcret, der Tradition entsprechend, überwiegt weitaus, Plastik ist nur in wenigen Exemplaren vertreten.

3m ganzen ist ein achtbarer Durchschnitt der künstlerischen Leistung sestzustellen, was bei einer Verkaufs- und Terlosungs-Ausstellung wie dieser besonders begrüßenswert ist: es dürfte hier stoff­lich und stilistisch den verschiedensten Geschmacks­richtungen Rechnung getragen sein: dies scheint uns im Hinblick auj die wirtschaftliche Bedeutung der Ausstellung von erheblicher Wichtigkeit zu sein.

3m einzelnen wäre bei einem Rundgang durch die Ausstellungsräume etwa folgendes zu no­tieren, woraus sich ein ungefährer Ueberblicf über die Kollektion, jedoch keine erschöpfende Aufzählung ergeben soll, die sich schon im Hin­blick auf die begrenzten Raumverhältnisse ver­bieten würde.

Don Barnas z. B., hier bereits bekannt, findet man Landschaften, meist heimatlichen Cha­rakters, und die halbdunklen, sachlichen 3n- terieurs aus einer Eisenhütte. Ein malerisches Schwarzwaldmotiv bringt u. a. List, während von G e i st etwa ein Architekturstück aus der schönen alten Stadt Wimpfen hervorzuheben wäre. Fries, ebenfalls hier kein Reuling mehr, zeigt gute Freilichtmalereien nach oberhessischen Motiven, auch ein tonig behandeltes Stilleben.

Lorh wird mit Aquarellen vorteilhaft ein­geführt, worunter ein B umenstück und eine Land­schaft vornehmlich auffallen. Ebenfalls landschaft­liche Szenerien - die motivisch überhaupt ganz überwiegend bevorzugt werden -. findet man von Huth und in vielfachen Abwandlungen von dem verstorbenen Gießener Barthel.

Margarete Kranz ist mit sehr sachlich, aber gleichwohl liebevoll ausqeführten Blumenstücken

wejen und ist häufig mit den ihm benachbarten fränkischen Gebieten zusammengegangen. Die Stammesoerschiedenheit dürste m. E. kein Grund sein, das fränkische Gebiet südlich des Mains und die südliche Wetterau von dem hessischen Stammes- aebict nördlich davon zu trennen. Das eigentlich hessische Stammesgebiet, von der nördlichen Wet­terau bis zur Vereinigung von Fulda und Werra trägt in sich als Gebirgsland mit kleineren Senken nicht die Bedingungen für eine größere wirtschaft liche Selbständigkeit.

Ebensowenig ist das fränkische von der Pfalz bis an die böhmische Grenze reichend als stark bewußtes Volkstum hervorgetreten, war es doch unter Bayern, Württemberg, Baden, Hessen und Preußen aufgeteilt, ohne daß aus der starnrn- lichen Verschiedenheit Schwierigkeiten erwachsen wären, im Gegenteil haben sich solche fränkischen

zücht von Wichtigkeit und durch seine Waldungen würde Rheinfranken zu den waldreicheren deutschen Ländern gehören. Sind nun auch dies olles Eigen schosten, die auch bei der augenblicklichen Trennung ebensogut bestehen, so darf nicht übersehen werden, daß ein größeres Staatsgebiet manche Kulturauf­gabe, die sich auf die Landwirtschaft erstreckt, besser durchzuführen in der Lage ist. An der gegenwärti­gen Kleinheit und geringen Finanzkraft der Ge­biete scheitert doch häufig die Losung größerer Auf­gaben. Die großzügigere Durchführung der Losung bestimmter Fragen Dirat auch wieder die Gefahr in sich, daß Sonderwünsche oft nicht so stark berück­sichtigt werden können, doch ist der Vorteil der Wirtschaftlichkeit bei einem größeren Gemeinwesen einleuchtend.

In diesem neuen Verwaltungsgebiet liegen indu­strielle Zentren, vor allem Frankfurt und Mann­

Karte 2. Reugliederung nach Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturgebieten nach A. Weitzel. Die regionale Gliederung Deutschlands nach Wirtschafts- und Verkehrsgebieten (Erde und Wirtschaft 11/1928.)

0

Maßstab 17 Mill.

Porr SA]

<» c 'S %

>e\qD. och

e / X

1 / d>. > l

Teile den zur napoleonischen Zeit vollzogenen staatlichen Angliederungen sehr gut angevaßt und ihr Stammesbewußtsein gegen das staaniche zurück- gestellt.

Konfessionell gehört das Gebiet, in dem frühere geistliche Besitzteile von Mainz, Fulda und Trier liegen, mit zu den zersplittertsten Deutsch­lands, so daß eine Grenzlinie mit Berücksichtigung der konfessionellen Unterschiede zu ziehen unmög­lich ist.

Landwirtschaftlich sind folgende Ueberein- ftimmungen wichtig. Im ganzen Gebiet überwiegt der klein- und mittelgroße bäuerliche Besitz weit­aus gegenüber dem Großbesitz. Es sind dadurch keine sozial-wirtschaftlichen Gegensätze da, die sich, wie es in Gebieten Norddeutschlands möglich ist, zu Interessengegensätzen auswachsen könnten. Aller­dings bestehen Gegensätze im Anbau. Die frucht­baren Gebiete der Ebene gehören mit zu den kli­matisch günstigsten Deutschlands. Im Weinbau ver­einigen sich die Interessen des Mosel- und Rhein­tals. Die fruchtbaren Gebiete der Ebenen reichen allerdings für die Versorgung der Stadtbevölkerung nicht aus, doch bedeutet die städtische Bevölkerung einen günstigen Abnehmer, was allerdings nicht so sehr für die Getreide- und Ackerfrüchte gilt, deren Preis durch die gesamte Marktlage bestimmt wird, wie für Obst, Gemüse, Fleisch und Molkerei­produkte, die günstige Derkehrsbedingungen haben. Die Gebirgsgegenden sind als Gebiete der Vieh-

MR »iWin» i «i»!» nmm li ,» iii>,n»7il»irrim von dekorativer Wirkung zur Stelle. Küchel, Gießen, zeigt diesmal et ich: kunst. ewerb iche Zier- stiicke in Bronze und Silber, ornamentale Klein­arbeit. Scheid, Darmstadt, ist wiederum mit seinen wohlbekannten und mit Recht beliebten Pferde- und Reiterbildern zu nennen: -es sind durchweg gute Sachen, in verschiedenartiger Technik.

Don Eimer, Darmstadt, sollte, neben hüb­schen Radierungen, ein gut gruppiertes, appetit­liches Früchtestilleben Beachtung finden. Einige Stücke der Gräfin Solms- Rödelheim erscheinen um ihrer lebhaften Farbwirkung willen be­merkenswert. Handzeichnungen und Lithogra­phien von Walther behandeln vorwiegend landschaftliche Motive: von Reuter, Gießen, sieht man ebenfalls Freilichtmalereien, ein Mo­tiv aus der Gießener Umgebung sei von Rohr­bach erwähnt, von Oncken vor allem ein Stilleben mit Tulpen.

Unter den Bildern W i l l s gefallt ein groß angelegtes Gießener Stadtbild: apart kolorierte Stilleben unk Bildnisse sind ferner zu erwäh­nen. Eine ganze Wand gehört Steinbach: er bringt qualitätvolle Malereien von gemäßigter Sachlichkeit, llare und starke Farben. Groß- Haus ist hauptsächlich mit einem vortrefflichen Selbstporträt und mehreren sehr guten Land­schaften zu empfehlen.

Eine Ditrine vereinigt Aquarelle und Zeich­nungen von Steinbach, Will, Kranz, Manz und Scheid: durchweg hochwertige Ar­beiten, welche die Aufmerksamkeit aller Besucher auf sich lenken sollten.

Auch S o e d e r ist hier im Kunstverein be­reits gezeigt worden: wir weisen auf zwei Helle und malerisch belebte Schneelandschaften im Hin­teren Ausstellungsraum hin. Der eigenartige und in stets wertvollen Bildern sich ausprägende Walstll des in Lang-Göns ansässigen jungen Alfred K i e h l ist wiederum an einigen neuen Stücken zu beobachten, die zum Besten zählen, was diese Ausstellung bietet.

Weiterhin sei auf Blumenstücke von Veite und Zeichner hingewiesen, während von Maus in erster Linie die Aquarell-Landschaften und ein feines und interessantes Stilleben hervor­zuheben wären. Müller, Offenbach, bringt u. a. ein starkfarbig gemaltes Motiv aus der

heim-Ludwigshafen, die stark in bie Umgebung aus- strahlen. Es ist dies vor allem bie chemische In- buftrie, Maschinenindustrie, das Hauptgebiet für Gerberei, fieber und fieberroaren, sowie Schuhe, welch letztere Industrie auch in der Pfalz stark be­heimatet ist. Ferner Papierindustrie in Mannheim und Aschaffenburg; Tabakverarbeitung, Weberei und manch anderes Unternehmen von Wichtigkeit.

Diesen beiden großen Industriezentren stehen kleinere gegenüber in Koblenz und Kassel. In der Grenzziehung ist nur ein Entwurf zur Diskus­sion gestellt. Rheinfranken kommt etwa der heuti­gen Provinz Hannover an Fläche gleich und würde über 5,5 Millionen Einwohner zählen. Damit würde es die rein landwirtschaftlichen östlichen Länder überragen, wie dies auch bie übrigen In- buftriegebiete tun. Es würde aber ungünstig sein, bie westlichen Gebiete deshalb kleiner aufzuteilen. Man würde eine wesentliche Verringerung der Ein- wohnerzahl ja nur durch das Teilen der volkreichen Industriegebiete erreichen, wodurch Zusammen­gehöriges zerschnitten würbe.

Als Landschaft bildet der Rheintalaraben eine Einheit, da ihm trotz kleinerer Unterschiede klima­tische Begünstigung und solche des Bodens und Durchgängigkeit für den Verkehr gleichmäßig zu­kommt. Wäre Elfaß-Lothringen noch deutsch, so könnte die Aufteilung günstiger getroffen werden. Würde man das ganze Gebiet des Rheintalgrabens als einheitliches totaatengebilbe zufammenfaffen, so

Silvretta-Gruppe. Daneben drei hübsche Feder­zeichnungen von Stephan. Allerlei nützliches Kunstgewerbe in gefälligen Gebrauchsformen und Farben findet man von Thea Schenck. Ein Porträtkopf von Reuter ist schon aus motivi­schen Gründen zu beachten, desgleichen die Land­schaften von Metzger, Viehmann und Stegmeyer: ein Aquarell des Darmstädters Toller wurde aus der vorhergehenden Aus­stellung übernommen. Als einziger Plastiker ist Schmidt, Friedberg, mit einem hübschen Putto in Gips zu notieren.

Die Ausstellung wurde am gestrigen Sonntag- vormittag der Oeifentlichkeit übergeben. Der erste Vorsitzende des Kunstvereins, Landgerichksdirek- tor B ü ck i n g, hieß in seiner Eröffnungsansprache die zahlreich Erschienenen will/ommen und gab weiterhin einen kurzen lleberb'.ick über Deran- las ung. Zusammen etzung und Einrichtung der Ausstellung; diese ist Sonntags, Mon ags, Mit­wochs, Freitags von 11 bis 1, außerdem Sonn­tags von 3 bis 6 und Mittwochs von 3 bis 7 Uhr für jedermann bei freiem Eintritt zu­gänglich.y

Frankfurter Theater.

3m Schauspielhaus spielte man zum ersten MaleKrankheit der 3ugend" von Ferdinand Bruckner. Anscheinend ist es nicht zu umgehen, daß die Dichter unserer Zeit in so überaus häufigen Fällen ihre Fähigkeiten an Stücken beweisen, die sich mit den widerw irrigsten menschlichen Prob emen befassen. So werden auch hier wieder alle Laster sexueller Art so faustdick zusammengetragen, daß es schon einer starken dramatischen Kraft und einer großen schauspiele­rischen Leistung bedarf, um uns den @tel über­winden zu las en, der uns überfällt.

Dieses starke Talent ist zweifellos vorhanden. Die dramatischen Effekte sind geschickt heraus­gearbeitet, bie Sprache ist klar und eindringlich, Der Dialog ist gut gebaut. Die schauspielerische Leistung war eine Der besten, die das Schauspiel­haus je gezeigt hat. Diese Studenten und Stu­dentinnen, die mit ihrer körperlichen und seeli­schen Rot ringen, wurden durchweg ausgezeichnet verkörpert. DaS Zusammenspiel war virtuos.

Probleme der neuen Tanzkunst.

Rudolf von Laban, der bekannte deutsche Choreograph und Theoreirier d?r modernen Tanz­kunst, hat sich kürzlich in einem interessanten und instruktiven Vortrag über die Prob teme der neuen Tanzkunst ausgelassen, der bei dem großen Ein­fluß, den Laban und sein künstlerisches Wirken auf die Entwicklung der Tanzkunst genommen hat, auch das Intereße der Liebhaber Chorrog aphen verdient:Für uns gibt es keine alte und keine neue Tanzkunst", sagt Laban,sondern lediglich eine Tanzkunst, die durch alle Zeiten toei:ergebt. Es kann sich höchstens darum handeln, von einer heutigen Tanzkunst zu sprechen, und in ihr wird alles das begriffen sein, was von alter Zeit her in unsere Zeit hineinragt, was sich neu bildet und was keimhaft auf die Zukunft hindeutet. Es gibt aber eine Tanzwissenschaft. die es als Choreo- sophie schon auf pythagoreischen Quellen und Anregungen fußend, bei Plato gab. Die ge- aeschichtliche Entwicklung fuhrt dann weiter zu der berühmten Choreographie des französischen Ballettmeisters F e u i l l e t, die Laban in ge­wissem Sinne zu seiner eigenen macht. 3m übrigen stellt sich der Theoretiker auf den Standpunkt, daß im Sinne der Derufserziehung. d. h. der Tanzerziehung, das tatsächliche tänzerische Ele­ment eine immer größer werdende Rolle spielt, was bei der Betrachtung der Probleme der neuen Tanzkunst außerordentlich erfreulich ist.

Die Damen Menz, Daub, Erika Mann (Thomas Manns Tochter) und Winter, die Herren Diberti, Arie und R e w a l t boten charakteristische Figuren in Spiel und Maske. Der schau pielerischen Leistung aller galt mit Recht der Beifall. Mit gleichem Recht ist das S!ück abzu­lehnen. Man sollte sich ernstlich überlegen, ob man die neuzei liche dichterische Produk.ion nicht in gesündere Bahnen lenken würde, wenn man auf die Aufführung solcher Sriicke verzichtete. Für unsere 3ugend sind diese Krankh:iten, wie sie hier dargestellt werden, got lob nicht sympto­matisch. Sie führt in ihrer großen Masse andere Kämpfe, die einem Dichter sicher ein dankbareres Thema bieten können, als eine solche Samm­lung von Abnormitäten. Dr. W.

würde es zu groß, da man die fruchtbare Ebene nicht von den Gebirgen, die man als besondere Landschaft betrachten muß, trennen kann.

Die Teilung kann nicht nach Landschaften in dem Sinne erfolgen, daß Gebirge und Ebene getrennt werden, sondern die Gebirge müssen als Außen- gebiet der Ebene zugeteilt werden, und zwar der­jenigen, nach der sie vor allem wirtschaftlich hin« neigen. Dies entspricht auch meist der natürlichen Abdachung. Die Grenzen sind in die siedlungsarmen Gebiete zu legen, welche natürlicherweise meist mit in den Gebirgen zusammenfallen, in Norddeutsch­land mit den Heidegebietcn. Hier ist die Grenz­führung meist eindeutig und man wird leicht zur Einigung gelangen können. Schwieriger ist sie in den Durchgangslandschaften der Ebene und hier sind auch Einsprüche zu Weitzels Entwurf schon gemacht worden oder sind noch zu erwarten. Niedersachsen hat in einem Artikel von E. Obst (Zeitschrift für Geopolitik, 1928, I. S. 33) Kassel beansprucht, neben anderen Erweiterungen gegen Hamburg. Die Stadt Kassel ist dort mit ihrem wirtschaftlichem Einzugs- gebiet zu Niedersachsen gezogen. Das bedeutet, daß das Gebiet südlich Kassel bis zur Schwalm einbe- zogen ist, denn soweit reicht der Marktbereich Kassels. Nur der geringere Teil der Schwälmer beschickt den Marburger Markt, der wie der Gie­ßener, schon teilweise von der Zentrale Frankfurt versorgt wird. Die Frage der Eingliederung der Pfalz wird bei Bayern auf Widerspruch stoßen, bei den Pfälzern selbst sicher nicht in gleichem Maße.

Ain schwierigsten liegt die Frage der Grenz­ziehung in der Rheinebene. Wenn sich Baden und Württemberg zusammenschließen, wird dies neue Land nur schwer zu bewegen sein, auf Mannheim, (ein wirtschaftliches Ausfalltor nach Norden, zu verzichten. Trotzdem bestehen wirtschaftliche Ver­knüpfungen, z. B. in der chemischen Industrie, deren Leitung nach Frankfurt verlegt wird, zwischen bei- den Städten.

Es sind noch eine Reihe von Reibungsflächen wegzuschaffen, doch ist es wichtig, auf sie aufmerk- (am zu machen. In der Verwaltung wird die regio­nale Zentralisierung günstig sein. Das gilt auch besonders für die Handelskammern, Landwirtschafts­kammern ujw., die jetzt in den staatlich getrennten Gebieten nebeneinander existieren, wie auch für die Wirtschaftsverbände jeder Art, die häufig schon über die innerftaatlidjen Grenzen hinweggreifen. Bei der Unterteilung in Kreise kann den totalen Bedürfnissen auf zweckmäßige Einteilung weit­gehend Rechnung getragen werden. Der Gedanke der Neueinteilung wird sich in den größeren Län- dem und Provinzen leichter durchsetzen, während er in kleineren Gebieten häufig Durch den Glauben unterdrückt wird, daß man sich den Ast absäge, auf dem man sitzt. Die lledernahme der Beamtenschaft in den neuen Verwaltungsbezirk müßte ohne per­sönliche Härten geschehen, was auch sicher nfög« lieh ist.

Manches wäre noch über die Kulturfragen zu sagen, über das Fortbestehen von vier ober fünf Hochschulen, wobei vieles für die Beibehaltung der Hochschulen in Mittelstädten spricht. Es wird auch im neuen Verwaltungsgebiet selbst wieder eine gewisse Dezentralisation günstig bleiben, soweit sie sich mit Rücksicht auf die Verwaltung durchführen läßt. Don großem Interesse ist auch die Frage, wie wird sich die innerpolitische Sage durch die Neugestaltung verändern, wie wird sich die Politik der preußischen Provinzen im Deutschen Reich ge­stalten, wenn sie im Reichsrat durch selbstgewählte und ihrem Landtag verantwortliche Vertreter und durch eine Stimmenzahl vertreten sind, die ihrem wirklichen Größenverhältnis entspricht?

Die Neueinteilung, von der die Verwaltungs­reform erwartet wird, ist lebten Endes nicht ohne Verfassungsänderung möglich. Auch hier Harri noch ein Fragenkomplex der Beantwortung, der sich vor allem um den Grad der Selbstverwaltung der neuen Bundesstaaten dreht und auch hier bedarf es der sorgsamen Abwägung, bevor der Gedanke der Neueinteilung verwirklicht werden kann. Heber* schlägt man die Vorteile und Nachteile einer Neu­gliederung im Ganzen, so überwiegen meines Er­achtens die Vorteile und manche Gebietsteile wer­den durch sie eine neue Belebung, andere einen weiteren Aufstieg, die Gesamtheit einen nicht nur zweckentsprechenden, sondern auch kulturfördernden Innenbau erhalten. Auch außenpolitisch ist die Neugliederung nicht von Nachteil, wäre dadurch