Einzelbild herunterladen

Ookumentenfälscher.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 3. Febr. Es ist noch in aller Er­innerung, daß der Reichsauhenminister Dr. Stresemann auf einer der letzten Rats­tagungen sich mit schärfsten Ausdrücken gegen deutsche Pazifisten vom Schlage eines Friedrich Wilhelm Förster wandte. Seine damalige Rede erregte allgemeines Aufsehen, ihre Gründe hierfür hat jetzt der Prozeß gegen den Doku­mentenfälscher Schreck enthüllt. Ihm war es zu verdanken, wenn man uns vom Aus­land gerade in der letzten Zeit immer wieder zu verstehen gab, daß man die Ehrlichkeit unserer Friedenspolitik in Zweifel ziehen müsse. Das Auswärtige Amt kam auch sehr bald dahinter, weshalb man im Auslairde immer wieder behauptete, daß die Reichs­wehr für einen Revanchekrieg gegen Frankreich rüste. Sie kam in den Besitz sogenannter Dokumente, die aus der Fabrik des jetzt zu fünf Zähren Zuchthaus verurteil.en Schreck stammten. Dieselben Dokumente hatte Schreck auch an die deutschen Pazi- f ist en verkauft, die sich in der Liga für Menschenrechte zusammengefunden haben.

Wir alle haben ihre Tätigkeit in der Ver­gangenheit zur genüge kennengelernt, die nur darin bestand, Deutschland zu verdächtigen, nie­mals aber ein Wort über die ungeheuren Rüstun­gen namentlich Frankreichs zu verlieren. Diese Pazifisten" nun erkannten sofort, daß es sich bei dem^ Material, das ihnen Schreck in die Hände gespielt hatte, um Fälschungen han­delte, sie taten aber nichts, um dieDokumente" als das zu kennzeichnen, was sie waren. Sie haben also ein noch größeres Verbrechen am deutschen Volke begangen, als Schreck, weil sie wußten, daß Schreck ein Fälscher war und daß sein Material dem Deutschen Reich außen­politisch ungeheuren Schaden bereiten muhte.

Ist es da ein Wunder, wenn man das Rhein­land nicht räumt und wenn man immer wieder die eigenen Rüstungen mit derdeutschen Gefahr" begründet? Uns will scheinen, als sei das Leipziger Urteil noch viel zu milde. Ein Mann, der sich in den Dienst deS Aus­landes stellte, der die feindliche Spionage be­lieferte. der Mai.rial zur Aufrechte,halturg der Rheinlandbesatzung anfertigte, würde auch mit lebenslänglichem Zuchthaus noch milde bestraft fein. Wer ein Sechzig-Millionen-Volk fortgesetzt

-en im besetzten Gebiet. Vit der rücksichtslosen Ein- heibung der alten Steuerrückstände müsse Schluß ge­macht werden. Die Verteilung des 800 000 Mark- Fonds sollte nicht allein den Gewerkschaften über­lassen werden. Der gewerbliche Mittelstand müsse auch feinen Anteil erhalten.

Abg. Dr. Q u e s s e l (Soz.) forderte eine stärkere Beteiligung des hessischen besetzten Gebietes an den ausgeworfenen Mitteln. Er begründet einen sozialdemokratischen Antrag auf Erhöhung des Kulturfonds um eine Million auf vier Millionen.

Abg. K u b c (Rat.-Soz.) meint, der hessische Landtag habe ja dem sozialdemokratischen Staatspräsidenten einen großen Fonds zur Verfügung stellen können.

Abg. Dr. Q u e s s e l (Soz.) erwidert, der Fonds von 4000 Marl sei vollständig aufgebraucht, zugunsten der notleidenden Familien des besetz­ten Gebiets, die sich an den Staatspräsidenten direkt mit Unterstützungsgesuchen wandten.

Abg. Kühe (Natt-Soz.) erwidert, er glaube an die Richtigstellung erst, wenn sie von den hessischen Regierungsstellen selbst komme. Er nennt auf einen Zwischenruf den Abg. L a n d s - berg (Soz.):Moische Landsberg' und erhalt dafür einen Ordnungsruf. Einen Ordnungsruf erhält auch Abg. Künstler (Spz.), der den Abg. Kube in einem Zwischenruf alsDreck­schleuder" bezeichnet.

Der Etat wird angenommen. Das Haus vertagt sich auf Dienstag.

MeRegienmgsbildimg mHessen.

Um die Neubesetzung der Ministerien.

Von unserer Darmstädter Redaktion.

Darmstadt, 2. Febr. Die sozialdemokra­tische Landtagsfraktton veröffeittlrcht über die gestrige Besprechung der Fraktionen der Deut­schen Vollspartei. der Demokratischen Partei und der Sozialdemokrattschen Partei die folgende Mitteilung:Die Sitzung, die von der sozial­demokrattschen Fraktton mit den Fraktionen der Deutschen Dolkspartei und der Demokraten für Mittwoch vereinbart worden war, ist ergeb­nislos verlaufen, nachdem die Demo­kraten und nach ihnen die Deutsche Volkspartei erklärt hatten, daß sie weitere Verhandlungen zunächst für aussichtslos hielten. D'.e sozial- demotrattsche Fraktion hat daraufhin den be­reits am Montag bekanntgegebenen, im Einver­nehmen mit den Vertretern des Landesausschusses gefaßten Beschluß erneuert, nunmchr die weiteren Verhandlungen im Rahmen der Wei­marer Koalition zu führen. Die nächste Sitzung der Unterhändler findet Frettagnach- mittag statt. Die Fraktion hat ferner mit großem Bedauern von der Erklärung ihrer bisherigen Vertreter in der Regierung, der Genossen II l - r i ch und Raab. Kenntnis genommen, daß diese beiden hochverdienten Führer Her Partei nicht mehr in der Lage seien, eine Kan­didatur für einen Ministerposten an­zunehmen. Die Fraktion hat ihren scheidenden bisherigen Ministern den herzlichsten Dank für ihre aufopfernde Tätigkeit ausgesprochen und mit Freuden davon Kenntnis genommen, daß die Genossen Ulrich und Raab sich bereit erklärt haben, im Rahmen der Fraktion und der Parte, alle ihre Kräfte auch weiterhin zum Wohle des arbeitenden Volkes und der Partei einzusetzen."

Für die Aeubesetzung der durch diesen Beschlich freiwerdenden Ministerposten werden bereits Damen genannt, und zwar der deS Demokraten K o r e l l für das Arbeitsministerium, der des Landtagspräsidenlen Adelung (Soz.) für das Amt des Staatspräsidenten und der des sozial­demokratischen Abg. L e u s ch n e r, Gewerkschafts- sekretär in Darmstadt, für das Innenministerium. Dem Vertreter des Zentrums, Kirnberger, verbliebe dann das wenig begehrte Finanzmini­sterium. Nach anderer Lesart soll dieses jedoch dem demokratischen Pfarrer K o r e l l und das Arbeitsministerium dem Zentrumsmann Kirn- berget zugedacht sein. Schließlich hört man noch die Version, daß das Zentrum den Posten des Staatspräfidenten für sich beanspruche. Die nächsten Tage dürften wohl endlich über die Zu­sammensetzung des Ministeriums Klarheit bringen.

England fordert Revision des Arbeitszeitabkommens. Ein Vorstoß im Benvaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts.

Genf, 2. Febr. (WTB.) Im Verwaltungsrate des Internationalen Arbeitsamtes gab der Se­kretär des britischen Arbeitsministeriums. B et­ter t o n, eine Erklärung üb ex die Stellung­nahme der britischen Regierung zum Washingtoner Abkommen über den Acht-Stunden-Tag ab, in der es u. a. heißt: Die britische Regierung erkennt voll und ganz das in Washington vollbrachte Werk an, doch glaubt sie, daß der Text der Konvention etwas in Eile und ohne genügende Er­fahrung über die Auswiriung einer Herab­setzung der Arbeitszeit sestgelegt worden ist. Die britische Regierung glaubt, daß der Augenblick gekommen ist, um eine Revision des Washing­toner Abkommens vorzunehmen, anstatt sich an den gegenwärtigen mit Interpretationen über­lasteten Text zu llammern. Ich schlage daher dem Verwaltungsrat vor, den Beschluß zu fassen, die Revision der Washingtoner Konfe­renz auf die Tagesordnung der Internationalen Arbeitskonferenz von 1929 zu setzen. Das Rats­bureau soll beauftragt werden, den Entwurf eines Berichtes über die Anwendung der Kon­vention vorzubereiten. Dieser Entwurf wäre dann in der Aprilsession dem Vevwaltungsrate vor- zulegen. Wird er angenommen, so soll er allen Mitgliedsstaaten mit dem Ersuchen um Stellung­nahme und Formulierung von Revisionsvor­schlägen vorgelegt werden.

2 o u h a u x vertrat demgegenüber den A r- beitnehmerstandpunkt. der dein der bri- ttschen Regierung völlig entgegengesetzt ist. Er verwies darauf, daß sich die kontinen­talen Länder auf der Washingtoner Konferenz der englischen Auffassung anzuschliehen bemüht hätten, um etwaige Hindernisse zu beseitigen. Er hob hervor, daß die britischen Delegierten ohne Vorbehalt dem Text z u st i m m t e n , der von der Konferenz angenommen wurde. Die Stunde sei gekommen, nicht für die Anpassung der Konventton an die gegenwärtigen wirtschaft­lichen Verhältnisse, sondern dafür, daß die bri- ttsche Regierung, nachdem sie ihre Verpflichtun­

gen eingegangen fei, für ihre Unterschrift ein st eh en solle. Der deutsche ReAierungs- vertreter, Geheimrat Feig, erklärte: Die deutsche Regierung werde diese Frage mit aller Sorg­falt prüfen, denn sie habe einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Ratifikation der Konventton vorsehe. Der Delegierte verlangte, daß der Entscheid des Verwaltungsrates über den britischen Vorschlag auf die Aprilsestton vertagt werde.

Der französische Vertreter, Piquenard, er­suchte den Verwaltungsrat, die Geschäftsord­nungskommission zu beauftragen, ihm in der nächsten Session einen Bericht über das Vor­gehen bezüglich der Vorschläge auf eventuelle Re­vision von Konventionen zu unterbreiten. Erst auf die Tagesordnung der nächsten Session des Verwaltungsrates solle die Frage gesetzt werden, ob die Revision der Washingtoner Konven­tton auf die Tagesordnung der Konferenz von 1929 zu fetzen sei.

Der englische Regierungsdelegierte, Vetter- t o n, erklärte hierauf, daß er den Vorschlag -Piquenards annehme und hoffe, dieser werde vom Verwaltungsrat gutgeheihen werden.

Albert Thomas stellte fest, daß die Dis­kussion ergeben habe, daß die achtstündige Ar­beitszeit allgemein anerkannt werde. Er sei der Auffassung, der Vorschlag der britischen Re­gierung sei aus verschiedenen Gründen ver­früht. Bevor man an eine Revision heran- treten könne, müßten die allgemeinen Regeln für das Verfahren festgelegt werden. Im Rhein­land steht Frankreich nicht allein. Auch die Alliierten stehen dort, und Frankreich kann allein nicht über die Aufrechterhaltung oder Beseitigung der Besetzung entscheiden. Man darf also nicht bei dieser Frage heute von Heuchelei sprechen. Ebenso täuscht man sich auch, wenn man be­hauptet, daß man in der Welt die Haltung Frankreichs in dieser Frage nicht versteht. Am Rhein ist nichts zu fürchten. Aber man kann unmöglich die Solidarität verkennen, die mit dem anderen Teile Europas herrscht.

dem Ausland ausliefert und dafür Sorge trägt, daß deutsches Land unter feindlichem Druck bleibt, kann nicht schwer genug bestraft werden.

Oer finanzpolitische Ausschuß der Länderkonferenz.

Berlin, 2. Febr. (WTB.) Der finanzpoli- ttsche Ausschuß der Länderkonferenz hat heute unter dem Vorsitz des Reichsministers der Fi­nanzen Dr. Köhler seine Arbeiten aufgenom­men. Er hat sich in erster Linie mit den praktisch gebotenen Schritten zur Herbeiführung größerer Durchsichtigkeit der Fi­nanz g e b a h r u n g der öffentlichen Körperschaften und mit den Möglichkeiten beschäftigt, die es gestatten sollen, die Haushalts- führung von Reich, Ländern und Gemeinden (Gemeindeverbände) mehr als bisher vor nicht notwendigen Belastungenzu schützen, die Arbeiten werden mit dem Ziel fortgeführt werden, so schnell wie möglich zu wirksamen Maßnahmen der beteiligten Körperschaften zu gelangen.

Oas Reichsschulgesetz. Initiative des Reichskabinetts?

Berlin, 3. Febr. <Priv.-Tel.) Mehrere Blät­ter wissen von einer Reihe von unverbindlichen Einzelbesprechungen zu berichten, die im Laufe des gestrigen Tages über die Frage einer Verständigung über das Reichsschulge e.z statt- gesunden haben. Zu einem Ergebnis kamen die Besprechungen nicht, da sowohl das Zentrum als auch die Deutsche Volkspartei auf ihrem Standpunkt verharrten. DemB. T." zufolge wird es für wahrscheinlich gehalten, daß nunmehr das Reichskabinett von sich aus den Regierungsparteien neue Vor­schläge zur Erzielung eines Kompromisses unterbreiten werde.

Das Liquidationsschädengeseh.

Berlin. 3. Febr. (Priv. Tel.) Zu den ge­strigen interfraktionellen Verhandlungen der Re­gierungsparteien mit dem Reichsfinanzminister über die Frage des Liquidationsschädengesetzss teilt derLok. Anz." mit. daß die Regierungs­parteien sich über die fernere Behandlung des Gesetzentwurfes einig geworden sind. Wie das Blatt hört, soll das Gesetz nicht als Schluß- l ö s u n g gedacht sein. Das Kabinett werde über diese Fragen noch eine Sitzung abhalten, da starke Bedenken über die finan­zielle Tragweite bestehen.

Das Gchankstättengeseh.

Berlin, 2. Febr. (VDZ.) Im Bolkswirtschaft- lichen Ausschuß des Reichstages wurde heute die Aussprache über den §2 des Schankstättengesetzent­wurfs fortgesetzt. Er führt die Fälle auf, in denen die Erlaubnis zum Betrieb einer Schankstätte zu versagen ist. Die Aussprache drehte sich vor allem um die Frage, ob auch die E i g n u n g des am eine Konzession Nachsucheirden unter die Voraus­setzungen zu rechnen sei, nach denen die Konzessions- erteilung erfolgen darf. Angenommen wurde eine Entschließung aller bürgerlichen Parteien mit Aus­nahme des Zentrums, in der die P r ü f u n g der Eignung durch die Ausführungsbestimmungen verlangt wird. Ministerialdirektor Dr. Reichardt erklärte, die Regierung sei bestrebt gewesen, auch in diesem Gesetz zu verhüten, daß das Gastwirts- gewerbe noch mehr in Abhängigkeit vom Brau kapital gerate.

Aus aller Welt.

Der Reichspräsident auf derGrünen Woche".

Der Reichspräsident besuchte in Beglei­tung des Reichsernährungsministers Schiele und des Majors v. Hindenburg dieGrüne Woche". Er wurde in der neuen Ausstellungs­halle im Namen der Stadt Berlin von Ober­bürgermeister Dr. Böß. den Herren Graf Kalckreuth. Prinz Isenburg, Präsi­dent der Landwirtschaftskammer von Oppen und zahlreichen anderen Vertretern der Land- und Forstwirtschaftsorganisationen begrüßt. Der

Reichspräsident besichtigte insbesondere die Qlb-

teilungenIagd und Forstwirtschaft",Garten­bau" undFischerei" und stattete zum Schluß auch den AbteilungenDie Milch",Die Kar­toffel" undSchlachtbetrieb auf dem Lande" in der alten Ausstellungshalle einen Besuch ab. Nach P/oftünbigem Rundgang, über den der Reichspräsident sich außerordentlich befriedigt äußerte, verlieh er, von der Besuchermenge be­grüßt, die ..Grüne Woche".

Eine neue Bluttat des Posträubers Hein

3n dem kolrukg benachbarten Untersiemau wollte der Stationskommandant S ch e l e r auf der Landstraße in der Näße des Dorfes einen ver­dächtigen Reisenden untersuchen, weshalb er vom Rade stieg. 3n demselben Augenblick gab der Wann eine Anzahl Schüsse aus ben Be­amten ab, die ihn tödlich verletzten. Der Täter er­griff dann das Rad des Beamten und floh in fiib- licher Richtung davon. Der Beamte ist bereits ge­storben. Es sieht unzweifelhaft fest, daß der Mör­der der po ft räuber Hein ist. Rach der Mord­tat wurde er von einem Gendarmeriewachtineister mit dem Rade verfolgt und in der Rahe des Dorfes Großheirath e i n g e y o l t. Hein sprang vom Rade und warf sich in den Straßengraben, worauf er mit einem Revolver auf den Beamten schoß. Es entwickelte sich ein Feuer gef echt, in dem mehr als dreißig Schüsse fielen. Hein gelang es abermals, zu entfliehen, nachdem der Be­amte feine 711 unition v erschossen hatte. Er wurde nach den Angaben des Wachtmeisters am rechten Handgelenk verletzt. Auf die Berichte über das neue Vorkommnis entstand im ganzen Südthuringer Bezirk eine ge­waltige Aufregung. Viele Männer ans den um­liegenden Ortschaften ttoburgs beteiligen sich an der Verfolgung. Die auch während der Rächt oorgenom- menen Streifen blieben jedoch erfolglos. Der Pan- zerwald ist ein sehr unübersichtliches Gelände, mit vielen Bergen und Tälern, so daß sich darin leicht ein Mensch verbergen kann.

Der Dortmunder Mörder Schwalm nach einem Selbstmordversuch feffgenommen.

In Dortmund wurden in der vergangenen Nacht zwei Kriminalbeamte, als sie vor dem Burgwalltheater den schon seit längerer Zeit gesuchten Bergmann Schwalm festnehmen woll­ten, von diesem durch Schüsse lebensgefähr­lich verletzt. Schwalm stand im dringenden Ver­dacht, mit einem bereits festgenommenen Helfer die drei Uebcrfälle auf die Reichsbahn- kaffe der Station Lütgen-Dortmund verübt zu haben. Weiter war er dringend verdäch­tig, am 24. Januar 1928 in Waltrop einen Chauffeur erschossen zu haben. Er wurde am Nachmittag wieder von Beamten er­kannt. Er versuchte zu fliehen. Bei der Flucht wandte er sich plötzlich um und gab s e ch s S ch ü s s e auf die Beamten ab, ohne jedoch zu treffen. Die Beamten erwiderten das Feuer und ver­wundeten Schwalm schwer, der nun, als er sah, daß er nicht mehr entkommen konnte, die Waffe gegen sich selbst richtete und sich eine lebens­gefährliche Wunde beibrachte. Er liegt jetzt im be­denklichen Zustande im Krankenhause. Auch am Aufkommen eines der gestern von ihm ver­wundeten Beamten wird gezweifelt.

Konkurs über das Lombardhaus Bergmann.

Der Konkursrichter des Amtsgerichts Berlin- Mitte hat das Konkursverfahren über das Lom­bardhaus Bergmann eröffnet. Dem Anträge der zahlreicher Gläubiger auf Eröffnung des Ver­fahrens ist stattgegeben worden, nachdem durch die Ermittlungen des Konkursverwalters Schuster sestgestellt worden ist, daß die Aktiven, die noch vorhanden sind, ausreichen, um die außer­ordentlich hohen Kosten des Verfahrens zu decken. Durch die Nachforschungen der Polizei hat sich ergeben, daß noch erhebliche Ak­tiven vorhanden sind, so daß die Gläubiger bei der späteren Konkursverteilung mit aller­dings geringen Quoten rechnen können. Schon jetzt steht fest, daß sich das Konkursverfahren Iahre lang hinziehen wird, ehe es zu einer Verteilung kommen kann. Der Konkursverwalter muh außerordentlich schwierige Prozesse füh­ren, um bestimmte Stücke für die Konkursmasse zurückzugewinnen. Die Vernehmung des ver­hafteten Staatsanwalts Iacoby l wurde fort* - gesetzt. Im Laufe der Vernehmung gab Iacoby

zu, von Dergmgyn Provisionen für -ie guten Auskünfte erhalten zu haben.

Ein zweiter Fall Bergmann?

Der Fall Bergmann hat die Behörden auf Hie Spur anderer zwei e,Hafter ^Unternehmungen gebracht, die sich mit ähnlichen, sogar nochge­winnbringenderen" Geschäften befassen. An erster Stelle steht hier dasStandardwaren- k a u f h a u s" in Berlin, Fried richstrckße 186. Wie dasBerliner Tageblatt" hört, beschäftigt sich bereits die Staatsanwaltschaft mit den Geschäften dieser Firma. Die Persönlichkeit, die der Firma vorsteht, ist der ehemaligeIournalist" Arthur Keil, der als Herausgeber eines Skandal­blattes in Berlin vor längerer Zeit dadurch bekannt wurde, daß er wegen Erpressung zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt wor­den ist. Bereits am 27. Februar wird ein neuer Strafprozeß gegen Keil zur Verhandlung kom­men, in dem sich dieser wegen mehrfacher Be­trügereien zu verantworten haben wird. In dieser Verhandlung werden nicht weniger als 300 Zeugen aufmarschieren, die sich durch die Geschäftspraxis des Herrn Keil betrogen fühlten. Außerdem sollen die Geschäftsbücher des Stan­dardwarenkaufhauses beschlagnahmt und noch nicht wieder freigegeben worden sein.

Kindertragödie.

In der L a p b e feiner Eltern wurde ein 14 Iahre alter Schüler aus Dichtenberg bei Berlin mit geringen Verletzungen tot aufge­funden, doch ließ sich die eigentliche Todesursache nicht ermitteln. Wie sich f ter herausstellte, hatte der Knabe, bem infolge einer Gehim- krankheit das Lernen schwer fiel, die Schule geschwänzt und bei seiner Heimkehr aus Furcht vor Entdeckung durch feinen strengen Stiefvater die Schulmappe versteckt. Als er sie wiederholen wollte, war sie verschwun­den. Der Knabe irrte nun tagelang auf der Suche nach seiner Mappe umher, ohi^ sie jedoch zu finden. Darauf versuchte er, wie aus einem hinterlassenen Zettel hervorgeht, sich aus Angst die Pulsadern durchzuschneiden und. da ihm dies nicht gelang, sich zu erhängen. Bei diesen Versuchen muh der Knabe, der außerdem noch schwer herzleidend war, vor Angst g eftorben sein.

Schneegewitter am Schwarzen Meer.

Ein starkes Schneegewitter in Odessa ver­ursachte die Einstellung des Stadtverkehrs und der Hafenarbeiten. Die Stadt ist vom Schnee verschüttet; die Dächer vieler Häuser wur­den zerstört und Telegraphenstangen umgestürzt. Auf dem Meer erreichte der Sturm die Stärke neun. Die Odessaer Funkstation empfing von mehreren Stellen Notrufe von Schiffen, die vom Sturm überrascht wurden.

Oie Wetterlage.

o.

'<Ud"Sui

7A

2

"TTv;

£-7-4

Donnerstag, den 2 Februar 7 h abends

M.

Wien 0 .9 wäget*

La

® i PCHm

o

IW

G wolkenlos <9 neuer. 0 halb Bedeckt. 0 wolkig. O Gedeckt Regen * Schnee ä Graupeln « Nebel K öewit'/r.(g)Windstille. KS sehr leichte' Osi g> massiger Südsüdwest Q stürmische- Nordwest die biene fliegen mit dem Winde Die beiden Stationen stenenoen Zah­len geben die Temperatur an. Pie Limen verbinde® Orte mlf.gleichem auf neeresniveau umaercchneten Lultdrua

Wettervoraussage.

Ein Ausläufer des nördlichen Tiefdruckgebietes greift südwärts bis über Fraickreich vor und hat bereits zu stellenweisen Niederschlägen ge­führt. Die an der Rückseite des Tiefs folgenden kühleren Luftmassen sind im raschen Vorwärts- schrciten begriffen. Infolgedessen haben wir morgen wieder mit veränderlichem Wetter zu rechnen. Dabei sind Niederschläge, jedoch nur strichweise, nicht ausgeschlossen. Die Temperaturen ändern ihre Werte nur wenig, so daß es weiter­hin zum Auftreten von leichtem Bodenfrost kommt.

Wettervoraussage für Samstag: Wechselnd tooltig mit Aufheiterung, Tempe­raturen weiterhin nachts um- den Gefrierpunkt unter 0. Nur vereinzelt Niederschläge.

Witterungsaussichten für Sonn­tag: Wolttg-nebeliges Wetter, stellenweise auch aufheiternd, Temperaturen wenig verändert.

Lufttemperaturen am 2. Februar: mittags 5,1 Grad Celsius, abends0,1 Grad Celsius; am 3. Fe­bruar: morgens 1,4 Grad Celsius. Maximum 5,2 Grad Celsius, Minimum 1,7 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 2. Februar: abends 0,3 Grad Celsius: am 3. Februar: morgens 0,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer. 4% Stun­den.

Wintersport im Vogelsberg (hoherodskopf):

Wind: Oft: Temperaturen:5 Grad Celsius: Schneehöhe: 18 Zentimeter: Beschaffenheit: ver­harscht: Sportmöglichkeit: gut.

herchenhainer höhe:

Schneehöhe: 8 Zentimeter, verharscht: Tempera­turen 0 Grad: Sportmöglichkeit für Ski und Rodel: möglich.

Sauerland (Winterberg):

Temperaturen:2 Grad: Rauhreif: Schneehöhe 15 Zentimeter; Sportmöglichkeit für Ski und Rodel: gut.

Willingen (Sauerland):

Temperaturen:3 Grad: in Höhenlagen 10 bis 20 Zentimeter Schnee; Sportmöglichkeit für Ski und Rodel vorhanden.