Nr. |28 Drittes Blatt
siebener Anzeiger (General-Anzeiger für ©berljeffeu)
Samstag, 2. Juni 1928
Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen.
Wenn man sich verlaufen Hai. Ratschlagt an die wandernde Jugend Der Wanderer muh mit zwei Wörtchen rechnen, die ihm nicht gerade ang.mehm im Ohre Hingen verirrt - verlaufen Don dem erheren, als dem Schweren»:egenden, sei hier nicht die Rede Verirrt kann gar folgenschweres ilnglüd bedeuten, verlausen jedoch ist meist nut Pech DaS man aber darum nicht mm er gerne vermeiden möchte. Denn e» wohnt nicht fernab von der Blamage Wie kann nun der Wandernde diese für ihn peinliche, für andere vielleicht Schadenfreude erweckend« Ange egcnh.it vermeiden? Biclleicht beherzigt der junge Wanderer folgende wohlgemeinte Ratschläge
1. Won wandere nie ohnc Karte. Eine Binsenwahrheit für den vielleicht, bet im Marschieren und Wandern Meister ist. Und doch nicht ganz übetslüfsig angc ichtS der Tatsache, dah eS auch Wan^crlehrlinge gibt, die sich erhaben suhlen über solch eine Bevormundung tbreß Wandertriebs. Und zudem: Kartenlesen ist eine Kunst, die man nicht von heute auf morgen rasch erlernen, sondern nur durch sorgfältiges Studium und vor allem durch fortgesetzte Hebung gewinnen kann. Datum:
2. Lerne die Karte verstehen. Sie ist schweigsam, weih aber unendlich Diel. Schon daS Studium d«S für die Wanderung g?wählten Weges vor Antritt der Wanderung zu Hause bringt viel Freude. Denn man kann sich da schon ein genaues Bild machen, wie das zu durchwandernde Gelände an jedem Punkte ausschaut. Also:
3. Die Karte zu Hause befragen. Sie ist ein Spieglein an der Wan), das allerdings nur dem Eingeweihten verrät, wo eS in der Ratur am schönsten ist. Genau prüfen und wägen, welche Strohe man wählen will, wie man die Wanderung so abwechslungstcich wie möglich gestalten kann, wie man seinen Wanderplan verbessern und verschönern kann, wie lange man zu den einzelnen Strecken brauchen wird und wann man daS Ziel wird errciH.'n können.
4. Die Wanderung selbst beginne mit der zurecht gelegten und gefalteten Karte in der Hand. Auch wenn dir die erste Wegstrecke vielleicht belonnt ist.
5. Prüfe deinen Weg und dich selbst und kontrolliere dabei auch die Karte, ob sie richtig ist, ob und wo sie etwa veraltet oder überhott ist, wo sie schwindelt oder gar betrügt, oder wo sie nicht vollständig ist.
Bei Befolgung dieser fünf Ratschläge ist ein Sichverlaufen cigcnt ich ausgeschlossen. Wenigstens bei klarem, sichtigem Wetter. Es kann aber nicht immer schör.eS Wetter sein. eS muh mal auch regnen zwischendrein. Wir nehmen an, dah man sich durch solche Launen deS WetterS Dom Wanderplan und Wanderziel nicht hat abhalten lassen. Reaen und un'ichtigeS Wetter, Rebel und Ungewißheit aber sind Geschwister. Und sie treiben gerne ihren Schabernack mit dem Wanderer. Coden ihn aus Holzwege, und mit einem Male schaut sich der einsame Wan
derer dumm um und brummt: .Verdammt! Verlausen I" Kann jedem passieren, ist keine Schande. Aber waS nun?
6. Kompah hervor. Dessen Radel zeigt bekanntlich mit ihrer blauen Spitze nach stlvrdcn. AuSpendeln laHcn Mari? genau nach Rorden stellen. W:r sind mitten im Wald. Aus einem WirtschastSweg Wo liegt nun die Strohe, der wir Aufheben wollen, die Ortschaft, die unser WanderAie! ist? Geradeaus im Rorden? halbrecht»? halblinks? in unserer rechten oder linlen Flanke, recht» oder link», rückwärts oder gar hinter unß. 3ft die» gelungen; genau den Winlel sich merken, den man au Der nordwärts zeigen» den Magnetnadel einhatten muh. Unter allen Umständen. auf dem Weg? bleiben, oder versuchen. so rasch wie möglich auf einen Weg. einen wirklichen, keinen der berühmten Holzwege. zu kommen, der in der Richtung führt, wo da» Ziel liegt Lieber jedoch einen Umweg machen, als psadio» durch bebedte» Gelände wandern. Doppelt ratsam, wenn
7. Die Rächt hereinbrechen will. Denn sie ist ein Kobold, der mit dem Wanderer ein teuflische» Spiel treibt Stehen S erne am Himmel. suche man nach dem Polarstern. Der steht bekanntlich Im Rorden und ist durch bretmadge Verlängerung der hinteren S ite de» Drohen Bären zu finden Ist der nächtliche Himmel bedeckt und e» ist rabenschwarz im Walde ober auf einsamer Heide, bann. Wanderer, rat ich dir. horch, ob du Hundegebell hörst. Autohupen vernimmst. Eisenbahnrol'en an dein Ohr bringt, ob du Lichtschein erspähen, ober auf begangene Pfade und Wege kommen kannst — einen von diesen Rettungsanker ergreife und gehe dem Ziel nach — das Weitere zu finden, überlasse ich dir und deinem Scharfsinn. R. A.
Wanderfahrten.
Dalduinstela — Geilnau — Charlottenberg — Geläachial — Oe nhof.
Zu den anmutigste' Seitentälern der Lahn gehört unstreitig bas Gelbachtal, dessen Besuch äußerst lohneill) ist. Der Anmarsch in bas Tal geschieht zweckmäßig folgendermaßen: M.i bem Frühzuge fahren wir nach Balduinstein, gehen über die Lahndrüde und wandern von her eine der schönsten Strecken des unteren Lahnta.'es über den Geilnauer Brunnen nach dem lieblich gelegenen Dorfe Geilnau. Don hier leitet uns ein „L" über die freundlichen Städtchen Holzappel und Charloltenberg nach der Groblei, einem hoch über dem Gelbachlal gelegenen Felsvorsprung mit einem entzückenden Blick auf baß zu unseren Füßen liegende DieS unb das reizende Tal. Ein ziemlich steiler Waldpsab bringt unß in wenigen Minuten nach Dies, wo wir bei Gastwirt Wilhelmi gut aufgehoben sink». Durch bas überaus liebliche, vielgewundene Gelbachtal toanbern wir nun abwärts, gehen bei ber Obern- Hofer Hütte auf blc anberc Seite beß Daches unb gelangen nach Ueberfchreiten einer Höhe mit überraschenbem Blick auf Kloster Arnstein unb baß Lahntal nach bem anmutig an der Lahn
gelegenen Obernhof, von wo wir b.c Heimfahrt antreten. Dauer der Wanderung fünf Stunden.
Die; — Schaumburg — Burg Hohlen el» — Zollhaus.
Wi! Sonntagska.1c Cimburg fahren wir nach Diez, m Limburg ist genügend deit, um eine Marte nach D ej nachzulöfen. Don D cz letten un» ro.e Striche in emer Stunde über Dirlenbach. teilweise durch schönen Buchenwald, nach dem herrlichen Schloß Schaumburg, das auf eine n waldurnk.änz.en Dafaltkegel. hoch über ber Cahn liegt. Dom Turm beß Sch.ofies genießt man c.ne wei.e, prächtige Rundschau. Gute Einlehr ist in ber am Fuße des Schloßen ge- Iebenen GastwirZcha.t. Zunächst roten Punkten fol.jnb bis zum Schnittpunkt rotes Kreuz, gehen wir nunmehr nach rechts biesem Zeichen nach, das uns teil» au ester Straße, te Is auf brr uralten Renn- ober Rinistraße, stets durch Wald in 2'/t Stunben na^' ber malerisch gc.egcncn, noch wvhlerhal e en Dur t Hohlen e s mit guter Wirlscha t leitet Eine Desich igunq der inter- essan e r 'Burganlage mit hübschem Ausblick vom Turm ist sehr zu emp eh len. Das x c chen führt uns in eine: halben S.unde nach unterem Endziel Zollhaus im Aaclal, wo wir uns wieder zur Rüd ahrt eine Karte nach Limburg lösen.
Deisewinke.
Platzkarte und Ptatzbrtegung
Immer wieder zeigt es sich, daß das reifende Publikum nicht genau darüber unterrlchiet ist, wann ein Platz im Qlbteif als belegt gilt, ober unter welchen Umständen d.r Rci ende das Anrecht auf den bereit» innegrha'ten Platz verliert. Wer eine Reife antritt, ber be-ege al o seinen Platz — es ist in allen vierWagen- klassen möglich - ordnungsgemäß. Er lege ein K cibunqßftüd. Hut ober Mantel, ober auch ein ©epädftüd a u f ben Sitzplatz — nicht etwa in das über dem Platz befind iche Gepäcknetz, denn baß gilt nicht — bann kann er getrost bas Abteil für einige Zeit ver afien. Zum Belegen des Platzes genügen jedoch nicht Zeitungen, leere Zigarcttenschachtcln, Pa >pte ler u. bgL Derartige Gegenstände werb.n oft von ben Reisenden nach Beendigung ber Fahrt zuradgelas en. so daß eine Platzbelegung damit nicht genügend kenntlich gemacht wäre.
In ber gleichen Art muß auch ein Platz in den O Zügen b l gt werden. Die an der Rummcrn'.a .el neben ber Abteiltür al» „belegt'' kenntlich gemachten Plätze werben ben Inhabern ber dazugehörigen Platzkarten, die 50 Ps. in der 3. und 1 Mk. in ber 2. Klasse kosten, nur bis Aur Abfahrt beS Zuges freigehalten. Auch hier muß also ber Reisende seinen Platz in der oben beschriebenen Art belegen, um ben Anspruch nicht zu Verlierern Bei jebem Verlassen beß Zuges unterwegs auf brr Reise ist ber Platz durch ein Gepädstück zu belegen. Sonst kann es vorkommen, daß ber Reisende feinen Platz besetzt findet und er sich einen neuen suchen muh.
6<nc WiHtlieftätte bei Aad-Natt l-cim
Zu ben neuerdings von Bad-Ra ah.in, a iß vielb such en Au.c lug^ort r gefrört jetzt aach DaS im Usata' geLge c Lor' u d Schloß Ziegen- berg, das verschiedene E.tt meru gen an Goethe birgt Go.ih' war bäu Ga > auf diesem Schloß unb ia.no hier Vorbild r für ;c .Wahlverwa dtscha ten“ Die Go therämne | nb ben B.such.r, zugäng ich Im Schfo i ar.' ist ein Denkmal ,Da> g?fcff;ltc Glüct' au g stellt, da» von Goethe entworfen wurde.
6ad Laizjchkirf
Bei herrlichstem Früh'ingswet er hat Bab Salzschlirf am 1. Mai einen Ä :rb<trieb in vollem Umsonae wicbrr cr.f net Reges Leben herrscht überall, beionbrr» im K rrpark. der ei: e bebeutenbe Srtixltcrung durch eine Reu an lag« linttfeidg der Cinbena lee mit e.ncr Pergola erfahren hat. Im jungen Grün leuchtend, qmf.cn Ine holen Buchen und Fichten bei, K :rga!. der vorbei an bunten Beeten unb blühenden Sträuchern ;um heil spendenden Boni a iusbrum c n wandelt K rbauß raße und Ko o n bc:;<ta ce laden zur Deestunbr im Freien bei guter Mu ik ein. gep l:gtc R u:ne im Bab.’bo und Kar! 3 bieten G kg.nb.it zu angenrhrnem Aulen.halt wahrend dcS Abe.ndZ Kar.on e.tc, T eatcr 5 ins, RcunionS. Parttstw i atbnen, Q-er.; a Ische Rächte und andere Deransta tunien der Karver- toal.ung sorgen auch in d e em Jahre für Unterhaltung und Zerstreuung.
Reiseiiicrafur.
Deutscher Hotel-Führer 1 92 8. Hrinr. EiUer Verlag Hamburg 3. - Der .Deutsche Hotel- Führer 1926" enthält s.ttntliche dem Rtt verbände der Deutschen Hotels. Restaurants u d verwandt.r Betriebe E. V. argZchlossencn Hoicls, Restaurants. Fremdcnpensionen und ähnlichen Betriebe, die durch ihre Zugehörigkeit au den Provinzial- und Landevverü..irden des Qlcu.). - Verbandes Gewähr für ordentliche und rccLe EeschästSsührui'g bieten. Oluf geführt sind die Hotels nach Städten unter jeweiliger Angabe der Entfernung vom Bahnhof, des Te!i \ r» oder Leiters, der Zimmer- und Pensionspreise. Ferner ist hingewiesen auf die in den einzelnen Betrieben in technischer Beziehung gebotenen Leistungen wie: Bäder, fließendes Wasser, Heizung. Auszug, Garagen, Telephon usw. Der Führer ist somit ein lückenloser unb aufschlußreicher Ratgeber für das reisende Publikum. Seine handliche Form und der geringe Preis von 1 Mark wird ihn zu einem unentbehrlichen Reisebegleiter machen.
— Arnstadt, am Fuße de» Thüringer WaldeS. eine an alten Türmen und Brunnen reiche Stadt, hat einen hübschen kleinen Werbeführer herauSgebracht. Dieser Prospekt zeichnet sich neben einer gediegenen Ausmachung vor allem durch seine romantisch wirkenden Pho o» aus. Textlich ist der Führer übersichtlich e- stattet und enthält kurze Angaben über Lage i«r Stadt, ihrer Geschichte, Sehenswürdigkeiten und der näheren Umgebung.
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