Ausgabe 
2.1.1928
 
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Montag, 2. Januar 1928

178. Jahrgang

Ur. 1 Erster Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

VniS Verlag: vrühl'fche UntoerfttSts-Bedp and Steteörnderei R. tauge hi Sietzen. Schrtstlettang unö SeschSftrtzelle: Zchnltzratze 7.

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Dt. Fnevr IBtll). Lange. Verantwortlich für Politik Dt Fr. Wilh Lange, für Feuilleton Dr tz Ibpnot; für den übrigen Ted Ernst Blumlchei»; für den An­zeigenteil Rurt tzillmann. sämtlich in Gießen.

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Aeujahrsempfänge beim Reichspräsidenten.

Oie Glückwünsche des Oiplomaiischen Korps, der Veichsregiemng und der Länder für das Staatsoberhaupt.

Berlin, L Ian (XU.) Veich « Präsi - denl von Hindenburg empfing am Tleu- iabrStagc um 12 Uhr mittag« die EhefS der hiesigen fremden diplomatischen Vertretungen, denen im Shrenhos de« ReichSpräsibiumS von einer Abteilung Reichswehr die üblichen mili­tärischen öbrcnlx-icugungcn erwiesen wurden. Die Glückwünsche de« Diplomatischen Korps brachte

Der Apostolische

Nuntius Monsignore Pacelli

Erzbischof von Sarde«, al« Doyen »um Ausdruck. Seine Ansprache lautet in UcbcrleOung: .Da« abgelausene Iahr Hai froh immer neu auf- tauchender Schwierigkeiten und vielfacher Hem­mungen neue Fortschritte auf dem fchwe- ren Wege der Befriedung und Zusammenschlie- Yung der Dotter gebracht. Unsere Bewunderung und Hochachtung gilt den hochherzigen Männern, die obwohl sie die Flamme der Vaterlandsliebe nicht erlöschen lassen und in der ständigen Pflege und Wahrung der berechiigten Intercfsen ihre- Lande« ihre höchste Aufgabe sehen, e« dennoch verstehen, chr Trachten und Bemühen auf das hohe Ideal der Brüderlichkeit unter den Menschen zu richten. Das Gefühl des Ver­trauen«. das die Wohltaten des Friedens und die internationalen politischen und wirt­schaftlichen Uebereinkommen bei den Völkern Her­vorrufen und nähren, hat dazu beigetragen, in den verschiedenen Staaten da« ganze Werl de« Wiederaufbaus auf dem Trümmer­feld. da« die furchtbare Geißel des Krieges hinterlassen hat. zu sördem. Unter diesen Staa­ten nimmt einen wichtigen Platz die Vation ein, deren oberste- Amt Sie, Herr RelchSPräsl- dent. inne haben, wer hinuntersteigt in das Innere der Erde. die mühevolle und ohren­betäubende Arbeit der Bergwerke sieht oder wer die rastlose Arbeit der gewaltigen Werke mit rauchenden Schornsteinen und glühendei' Hochöfen beobachtet oder wer hoch in den Lüsten die kühnen Unternehmungen der modernen Lust- schissahrt überschaut, der ist von Bewunde­rung für diesen erneuten Auswand an Geist und Lebenskraft ergriffen. Mögen diese unge­heuren Triumphe der Technik überall von einem klaren Erkennen und einer gerechten und friedlichen Lösung dergrohen sozia- len Fragen, die sich aus den wirtschaftlichen Umwälzungen der letzten Zeiten ergeben, be­gleitet fein? Möge das gewaltige Wie^e aufleben des menschlichen Fortschritt- von dem erhabenen Lichte der Wahrheit erleuchtet und getragen werden von einem geistigen und sittlichen Em- vorstreben der Seelen, von dem Gefühl der Ge­rechtigkeit und Liebe: denn dieses ist da- Band der Einigkeit, aus der Wohlstand und Ordnung fliehen. In der Morgenstunde des ncucn Jahres. von dem wir wünschen, dah es reich an Friede und Wohlergehen sei. ist es mir eine besondere Freude. Ihnen. Herr Reichs­präsident. im Damen der hochgeschätzten Kol­legen deS Diplomatischen Korp«. dessen Dol­metsch zu sein ich die Ehre habe, die verchrungS- voNsten und beizeiten Glückwünschelur Ihre Person zu überbringen, für Ihre Familie sowie für die gesamte grobe deutsche Vation. Möge derienige. von dem alles Gute kommt, diesen wünschen Erfüllung bringen und der Welt den Frieden geben, der der schönste Lohn ist für Die Menschen voll guten und reinen wollens."

Oer Reichspräsident

erwiderte u. a. mit folgenden Worten: ..Mit wärmstem Danke nehme ich die Glückwünsche ent­gegen. die Sic im 17amen des Diplomatischen Korps dem deutschen Volke und mir als seinem Vertreter in so herzlichen Worten dargebracht haben. Ich hoffe und wünsche, dah die harten Prüfungen der Vergangenheit und die toirt- schaflUchen. sozialen und geistigen Vote der Ge­genwart in den Völkern, von denen ledes einzelne im Zusammenleben der Menschheit seine wichtigen und unentbehrlichen Ausgaben zu erfüllen hat. den willen zur Zusammen­arbeit und das Verständnis für die Lebens- nvtwcndigleiten jedes einzelnen Dolles ixrtie'cn und verstärken werden. Op erwillige Hingabe an das Da ter land schließt den Dienst an der Menschheit nicht aus. Die Völler aber wer- den sich um die Herbeiführung einer wahren Friedensgemeinschaft der Vationen um so freu­diger bemühen, wenn sie von der Ueberzcugung erfüllt sein können, dah dieser Friede zugleich die Herrschaft der Gerechtigkeit und ihres höch­sten Gutes, der Freiheit, begründet. So sehr das deutsche Voll noch von eigenen Sorgen berückt ist. die es weder vergessen noch zu­rückstellen kann, wird es sich doch an allen Bemühungen um einen echten Frieden entschlos­sen und ausrichtig beteiligen, in der Erwartung, dah fo die Erreichung jenes Menschheitsideals der ®cuxi)agleit in den Beziehungen der Völler untereinander am besten ge ördert wird. Ihnen. Herr Vuntius. und Ihnen, meine Herren, spreche ich Migleich für Ihre Staatsoberhäupter. Regie- rungen und Völler, im Hamen des deutschen Dolles und ün eigenen Hamen meine au'rich­tigsten und her-lichsten Veujahrswünsche aus."

Hierauf begrüßte der Reichspräsident die e.n- jelnen Botschafter. Gesandten und Geschäftsträger

unb wechselte mit ihnen Veujahrswünsche. Bei dem Empfang touren, anher Staatssekretär Dr. IPeibner und den anderen Herren der Um­gebung des Reichspräsidenten. Reichskanzler Dr. Marx, der S.aatssekretär des Auswärtigen Amts Dr. v. Schubert sowie der Ches des Protokoll». Gesandter Köster, zuaegen. Im An­schlich hieran empsing der Herr Reichspräsident den Reichskanzler sowie bie hier anwesenden Reichsminister und Staatssekretäre der Reichs» regicrung.

Reichskanzler Or. Marx

richtete an den Herrn Reichspräsidenten ebenfalls eine Ansprache, in bet er u. a. folgendes sagte: ,E« ist mir wiederum die Ehre vergönnt. Ihnen. Hers Reichspräsident, die ehrfurchtsvollen, von den Gefühlen inniger Verehrung getragenen GMckwünsche der Reichsregierung zu überbringen, wenn ich in diesem feierlichen Augenblicke die Erinnerung an den Tag vor einem Iahre Suruc^ rufen darf, so will es mir nicht als überheblich erscheinen, auf das abgelaufene Iahr mit dem Gefühl dankbarer Befriedigung zu- rückzublicken. Vicht aU ob irgendwie besondere Geschehnisse die Lage unter:6 Reiches oder Volkes entscheidend geändert hätten, wir erwarten sie nicht und wisfen, dah der Wiederaufstieg unseres Volkes nur schrittweise und in unab- lässigerArbeit zu erringen ist. Zwar ist der Herzenswunsch des gesamten beutfeb n Volkes, die Befreiung des besetzten Gebiete« noch nidjt in Erfüllung gegangen, aber dennoch ist eine Besserung und Festigung unserer aus­wärtigen Lage unDcrtermbar. Mit groh r Freude darf ich seststellen, dah die errtfte Sorge der unS im Vorjahre drückenden Arbeitslosig­keit mit allen ihren schweren Schädigungen seelischer und materieller Rot zu einem groben Teile von uns genommen ist: auch dah wir von schweren wirtschaftSkämpsen verschont blieben, trugt von der immer mehr sich durchsetzenden Erkenntnis, das) Arbei.gebec und Arvennehmer gemeinsam an der Meisterung der schw ren Wirtschaftsprobleme arbeiten müssen, die uns die VachkriegSzeit zurückgelassen hat. Dah es gelungen ist. unserer treuen und bewährten Beamtenschaft zum Schluß de« Iahres daS zu geben, was nach Lage unserer <2 aat-ffaanzen und unter Bcrücksich.igung der WirtschaftSvn> hälmlsse möglich war. erfüllt uns mit betont)t r Genugtuung. Schwere Aufgaben sind auch im kommenden Iahre zu läsen. Aber wenn wir dabei hofsnungsfreudia ans Werk gehen, so be­freit uns der Gedanke an die Feier, die wir dank der göttlichen Vorsehung vor kurzem be­geben konnten. Zur Vollendung Ihre- achtzigsten Lebensjahres fand sich da« deutsche Volk zusammen und schirte sich um Sie. hochverehrter Herr Reichspräsident al- seinem bewährten Führer, in erhebender Ein­mütigkeit. wir vertrauen, dah auch in den pol h- fchen Kämpfen des kommenden Iahres diese« Gefühl der neu empfundenen Eini­gung nicht verloren gehen möge, unserer Einig­keit. die nicht nur ein Unterpfand d's Glückes, sondern im erfolgreichen Ringen für Recht und Freiheit die unerlähliche Vorbedin­gung ist. Mit solcher Zuversicht treten wir in das neue Iahr ein, das für 6t sehr verehrter Herr ReichSpeä'iden', und unf t deutsches Doll ein glückliches und gesegnete- sein möge!"

Oer Herr Reichspräsident

erwiderte hierauf u. a. mit folgenben Worten:

.Ich danke Ihnen herzlichst, Herr Reichs­kanzler. für die Glückwünsche, die Sie mir na­mens der Reichsregierung in fo freundlicher Weise ausgesprochen haben. Ich erwidere sie mit meinen aufrichtigsten wünschen für Ihr aller persönliches Wohlergehen unb den Srfola Ihres wirken«: zugleich danke ich Ihnen allen für die hingebende und unermüdliche Arbeit, die Sie im letzten Iahre im Dienste deS Vaterlandes geleistet haben. Gerne erkenne ich rückblickend an. dah das nun abgelaufene Iahr in mancher Beziehung eine Besserung unserer Lage gebracht hat. Aber die Hoffnung, mit der das getarnte deutsche Doll das nun zu Ende gegangene Iahr begrüßte, dah eS unteren Brüdern am Rhein die Freiheit bringen möge, ist leider noch nicht erfüllt worden, wir gedenken daher heule wiederum in schmerzlicher Anteilnahme der Dollsgenossen im besetzten Gebiete und geben im Bewußtsein, in diesem Wunsche mit txr.n ganzen deutschen Volke eins zu sein, auch heute der Erwartung Ausdruck, dah ihnen bald Befreiung werde. Fremde Militärgewalt und Besatzung hn Land ist unvereinbar mit einer enbgültigen Befriedung. Vur auf freiem Boden und zwilchen freien Dollem können die Gedanken der Verständigung und de« Ausgleichs voll zur Auswirkung ge­fangen. Das Iahr 1928 wird im Zeichen der Dahlen stehen. Mein bringenber wunlch an diesem Veujahrstag an alle Deutschen, beson­ders aber an die führenden Männer im Parteileben, in der Preise unb in ben Volksvertretungen, ist be~, bah bic Wahlbewe­gung nicht zur Vertiefung bes Zwie­spaltes unb der Gegensätze führen und nicht zu persönlicher Dekämpung und De hetzung au«- arten möge. Auch im Wahlkampf soll der Ge- banfe an das Vaterland irab die Gemein­

schaft des Deutschen Volles vor dem Streben nach parteipolitischem Vorteil ftebenl Denn nur in diesem Gedanken unb im selten vertrauen- den Zusammenhalt aller Deutschen können wir die so schwierigen Probleme und Ausgaben lösen, die noch vor uns liegen. Dah Gott unS hier­für Äraft und Stärke gebe, dah unserem schwer­geprüften Dolle weitere Gesundung und fried­licher Fortschritt beschieden seien, ist der stleu- jahrSwunsch. mit dem ich Sie, meine Herren, und da« deutsche Doll von Herzen grüßeI"

Später übermitelten der Reichstagsprästdent Lobe und die Vize Präsidenten Dr. Riester und Oraef bic Wünsche des Reichstags, der Staats­sekretär im preustischen Staatsminifterium Dr. W e i s m a n n , der bayerische Reichsratsbevoll­mächtigte Gesandter Dr. von Greger und bet braunschweigische Reichsratsbevollmächtigte, Ge- sanbter Boden die Glückwünsche des Reichsrats und der preußische Ministerpräsident Dr. h. c. Brann die Glückwünsche der preußischen Staats- regicrung. Die Glückwünsche der Wehrmacht sprachen der Chef der Hecrcsmacht, General der In- anterie Heye, und der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, aus. Generaldirektor Dr. D o r p- Müller und die Direktoren Dr. W e y r a u ch unb Vogt brachten fobann bic Glückwünsche ber Haupt­verwaltung unb bes Personals ber Deutschen Reichsbahngesellschaf t unb Rcichsbank- präfibent Dr. Schacht mit bem Vizepräsidenten Dreyse unb bem Direktor Dr. o o n G r i m m die Glückwünsche der R e i ch s b a n k bar. Der Herr Reichsprösibent bankte all blefen Mahnun­gen mit herzlichen Worten für ihre guten Wünsche. Weilervorwätts und aufwärts"

Tclegrammwechfel zwischen Hindenburg und dem österreichischen BundeSpräsidenktn

Berlin, 31. Dez. (WTB.) Anlählich be« Jahreswechsel» sandte der österreichisch« V n n - des prastoenr Hainisch folgendes Tele­gramm an den Herrn Reichspräsidenten.

DaS End« de« IahreS. in dem die «hrfurcht- aebietende Persönlichkeit Eurer Sk-ellenz da« acht« Jahrzehnt vollendet haben, bietet mir den er­wünschten Anlaß. Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, die wärmsten Wunsche für Ihr fernere- Wohlergehen sowie für dasDlühenund Gedeihende- gro­ben Deutschen Reiche-, das in so enger Gefühl«- und Kullurgemeinschast mit unserem deutschen Daterlande steht, auszusprechen. Möge es dem Deutschen Reiche vergönnt sein, wie b.S- her ein mächtiger Faktor auf dem Gebiete der Befriedung der ganzen Welt zu bleiben/

Vorstehendes Telegramm Hal sich mit folgen- dein Telegramm de« Herrn Reichs­präsidenten gekreuzt:'

..SS ist mir ein lebhaft gefühlte« Bedürfnis. Ihnen. Herr Bundespräsident, und dem öfter- reichischen Dolle zum Jahreswechsel die herz­lichsten Glückwünsche auSzusprechen. Möge die schwere Arbeit am nationalen Wiederaufbau Oesterreichs und Deutschlands im kommenden Jahre weiter vorwärts und aufwärts führen."

Reujahrswünsche an die Wehrmacht.

Berlin. 31.Dez. (Wolff.) Der ReichS- präf ident hat an die Wehrmacht folgende Veujahrswünsche gerichtet:

An die Wehrmacht!

Ter deutschen Wehrmacht rufe ich zum Jahres­wechsel meine herzlichsten Grüße und wünsche zu. T e r i e st c w i lle zur treuen Pflicht- erfüllung für da- Daterland wird uns. wie bisher, auch im neuen Iahre unseren weg vor­zeichnen.

Ter Reichspräsident.

gez. von Hindenburg.

An die Reichswehr sind ferner folgende Oleu- jahrsgrühe ergangen;

An die Reichswehri

Tie Retchswehr wird weiterihrePslicht tun wie vi-her und den Glauben an Deutsch­lands Ausstieg stärken Helsen. Dank unb heimlichen Veujahrswunsch jedem Angehörigen der Reichs­wehr!

gez. Dr. Gehler, Reichswehrmtnister.

An das Reichsheer!

Allen Angehörigen de« Reich-Heeres spreche ich für die treue Pflichterfüllung Im vergangenen Iahre Dank und Anerkennung aus und ruse ihnen zum Iahveswechsel ein herzliches Glück­auf zu.

gez. H«Y«.

General der Infanterie und Ehe, der Heeresleitung.

An die Reichsmarine!

Tank und Anerkennung für die im verflossenen Jahre geleistete p lichitrcue Arbeit. Beste wünsche für eine Iraf.lge, gesunde Weiterentwicklung auch im kommenden Iahre zum Wohle unseres Vater­landes.

gcx. Zenker.

Admiral unb Ches der Marineleitung.

Brian-s außenpolitische Bilanz.

Oie europäische Politik

Berlin, 31. Deg. Aus Anlaß des Jahreswechsels hat ber französische Minister des Auswartfaen, tz r i a n b , dem Pariser Berichterstatter berBoss. Zei ung' ein Iittcrvc w gewährt, in dem er sch zu ben wichtigsten Problemen der europäischen Po- litik äußerte. Er bezeichnete cs als feinen schnliä sien Wunsch, für bas neue Jahr, daß das große fiktl der Wiederannäherung ber Völker un­ter der Aegide des Völkerbundes mehr und mehr fei­ner Vollendung entgegen reiftDas gilt," führte der Minister u.a. aus,insbesondere von der Politik deutsch - französischer Wiederannäherung, die ich zusammen mit Herrn Stresemann inauguriert habe unb von der ich hoffe, daß sie im Jahre 1928 eine konsequenteWeiterentwicklunzer. fahren wirb." Der Minister wanbt« sich in entgehen- ben Ausführungen gegen die Kritik, die oon franxo- sjjcher Seite an feiner Politik geübt worben lei. Deutschland sei ein aroßes Land. Man könne ein Volk von mehr als 60 Millionen Menschen nicht einfach übergehen. Mit dem Belegten zu verhandeln, zu ocrfuchen, ihn zum F r e u n d e zu gewinnen, sei für den Sieger die einzige mög­liche, die einzig gute Politik.

Die Frage der (Soenlualität einer vorzeitigen Räumung ber Rheinlande war, fo stellt der Berichterstatter fest, vriand sichtlich unerwünscht. ..Das Rbcinlanbproblem. erklärte er,ist im Augenblick nicht aktuell. Ls dürfte sich deshalb erübrigen, darauf heule jurürfjufammen.

Der Berichterstatter wies dann auf Litwi­nows rabiLIm Entwaffnung-Vor­schlag in Genf hin, worauf Driand erklärt«: .Mit dem gleichen Rech' könnte man behaupten, daß man nur die Gefängnisse schsiehen müsse, um die Verbrechen auszurotten. Damit will rch irdvch keineswegs sagen, dah ich der Idee «ner all­gemeinen Abrüstung abl:hnend geqenubersteye. Im Gegenteil, der Artikel 8 der Völl rbundS- satzung hat eine internationale Forde­rung daraus gemach', die unbedingt ver­wirklicht werden muh. Franlreich htt sein Möglichstes getan, um auf dem Gebiete der Ab­rüstung mit gutem Beispiel voravzug frm. Die Gesam'stärke der frrnzSsisch^i 2lrme? b trug 1914 rund 1050 003 Mann: 1927 nur noch 755 030 Mann, also um 28 Prozent weniger. Mit der einjährigen Dienstz'it unb der damit t>nfnm-

an der Jahreswende.

denen HecreSorganisa ion w rden sie auf 45 Proz. wachsen. Weiter erklär:« Dri.'.nd dann,

ber Verzicht auf jede Rüstung wäre Unfl nn. weitere veschränkungen würden möglich fein In bem Maße, in dem die Sicherheit der einfeinen Länder unb d e Garantien für die Durchführung der vom Völkerbund gefaßten veschtü je Fort­schritte machten. L» genüge nun einmal nicht, daß ein Gerichtshof ein Urteil fällt: es bedürfe daneben noch bet Genbarmen, um ble Voll­streckung biefes Urteils ficher;ustellen.

Ter Berichterstatter kam dann auf die Be­ziehungen zwischen Frankreich und Italien zu iprechen und berührte u. a. da« Thema einerBe­gegnung zwischen Briand unb Mussolini. Briand erklärte dazu: .In der Red.', die td> vor kurzem in der Kammer gehalten habe, habe ich bereits daraus angespielt, dah ich mied freuen würde, m i ch mit Herrn Mussolini persönlich zu treffen. Auf die Frage nach dem Wo und Wann erwiderte Briand: .Ich ergehe mich nicht gern in Provhezeiungen. Alles, was ich darüber zu sagen habe. ist. dah ich begründete Hoffnung habe, daß es zwischen Italien und Frankreich zu einer Verständigung kommen wird. .Ich bin davon absolut überzeugt." 3m Zusam­menhang mit dem Abschluß deS französisch- südslawischen Vertrage- gab Driand dann ber Ucöerzeugung Au-druck. dah e« möglich sein müsse, für die Sicherung der Grenzen auf dem Balkan eine ähnliche Lösung zu finden, wie sie im Vertrage von Locarno für andere Grenzen gefunden worden fei. Diese- Balkan- Locarno würde, so erklärte Briand. in enger Verbindung stehen mit dem VichtangriffS- p a k t. den die Sowjetregieruno vorgeschlagen habe und über den die Verhandlungen beginnen würben, sobald ber neue russische Botschafter seinen Posten angetreten habe.

Reujahrsempsang in Paris.

Paris, l.Ian (ZH.) Unter Ausbietung bes gewohnten militärischen Gepränge- falben heute die VeujahrSempfange beim Präsibenten Dou- m e r g u e statt. Im Laufe des Dorwi'.tagS emp­fing ter Präsident die Mitglieber deS Kabinetts unb bie Präsidien von ß^oat unb Kammer, um