Ms der provinzialhcmptsiadi.
Gi eh en, den 1. Oktober 1928.
O dieses porio.
Nun jährt es sich, daß die Post die Fridericus- Marke (10 Pf.) auf dem gewöhnlichen Brief durch die Kant-Marke (15 Pf.) ersetzte und damit eine SOproz. Er Höhung des Portos schuf. Wie haben wir darüber gescholten und über all die anderen Erhöhungen, mit denen unsere Korrespondenz damals belastet wurde! Wir Private vielleicht noch mehr als die Geschäftsleute.
Aber nrcht davon will ich heute sprechen. Das gehört nun der Vergangenheit an. Ich möchte einmal die Medaille von der anderen Seite betrachten und daran erinnern, wie leichtsinnig das scheltende Publikum auch nach der Erhöhung mit seinem Portogeldbeutel umzugehen pflegt. Da ist zunächst der Stadtpostbrief! Wie viel solcher Briefe habe ich im vergangenen Jahr mit der Fridericusmarke erhalten, weil der Absender nicht wußte oder nicht wissen wollte, daß es in diesem Fall der Deethovenkopf (8 Pf.) getan hätte. Und nun gar die „Fünf-Wvrte-Briefe". zu denen unsere weit ausgedehnten Beziehungen immer wieder Anlaß geben! Es gilt nun einmal nicht als „fcm", Beileids- oder Glückwunschbezeugungen anders als unter geschlossenem Umschlag zu versendeir, obwohl damit doch eine nicht mrerhebliche Verteuerung verbunden ist, vollends, wenn es sich um Versendung außerhalb des Stadtgebietes handelt. Auch daß Drucksachen innerhalb einer bestimmten Stufe 8 Pf. kosten, scheinen manche Leute nicht zu wissen. Sie tuns nicht unter zehn.
Daß ein Dries ins Ausland 25 Pfennig kostet, sollte männiglich bekamst sein, ist es aber nicht. 3m Gegenteil, manche Leute leben der Einbildung, so ein Brief müsse doppelt so teuer sein, als der Inlandsbrief, und statt einen Goethelopf (25 Pf.) darauf zu Neben, nehmen sie zwei Kantprofile (15 Pf.). Bei der Postkarte ist es schon beinahe die Regel, daß man neben den Beethoven oder den Ebertlopf (8 Pf.) einen Atoeiten drückt, weil gerade keine Kantkarte (15 Pf.) zur Hand war, trotz sich mit den ohnehin schon gut bemessenen 15 Pfennigen zu begnügen. Daß eine Drucksache unter 50 Gramm nach Valparaiso nicht teurer ist als nach Lollar, gehört gewiß zu den Wunderlichkeiten unseres Portotarifs. Aber da's nun mal so ist, ist doch kein Grund vorhanden, statt eines Schillers (5 Pf.) zwei zur Frankierung zu benutzen.
Endlich das Strafporto! 5)ter kommt erschwerend die Rücksicht auf den Geldbeutel des Empfängers in Betracht. Aber solche Nächstenliebe scheint es für manche nicht zu geben. Besonders junge Leute geben sich nicht die Mühe, festzustellen, ob ein Brief die Gewichtsgrenze überschreitet, und lassen es ruhig darauf ankommen, daß der Empfänger den Obolus, um die Strafe vermehrt, bezahlt.
And die Moral von der Geschichte? Die Post wird schwerllch eine Statistik darüber führen, welche mrberechtigte. aber sicher willkommene Sondereinnahmen ihr aus solcher Aeberschreitung ihrer Portosätze zufließen. Aber man überlege einmal in einer müßigen Stunde, was sich Da zusammenläppert, wenn man es auf das ganze große Reichsgebiet mit seinem Riesenverkehr ausschlägt. Vielleicht wäre die Post selbst erstaunt, toetdjen Gewinn sie aus dem Leichtsinn oder der
SelbßanschW im Srtsseruspmhnrtz Gießen.
3m Ortsfernsprechneh Gießen werden, wie allen Fernsprechteilnehmern bekannt ist, die Gesprächsverbindungen sowohl innerhalb des Ortsfernsprechnetzes, als auch nach anderen Orten durch Vermittlung von Beamtinnen hergestellt, d. h. die Beamtinnen fragen durch ihre Worte „hier Amt" den anrufenden Teilnehmer nach seinem Wunsch und stellen dann durch ihrer Hände Arbeit die verlangte Verbindung her.
Don etwa Mitte nächsten 3ahres ab sollen nun nach Einrichtung eines Fernsprech- Selbstanschlußamtes die Fernsprechverbindungen innerhalb des Ortssernsprechnetzes Gießen selbsttätig H^rgestellt werden. Durch Drehen einer am Fernsprechapparat befindlichen Rummernscheibe „wählt' der Fernsprechtellneh- mer künftig den von ihm gewünschten Fernsprechanschluß eigenbänbig. Die bei der Zusammen" schaltung zweier Fernsprechteilnehmeranschlüsse jetzt noch nötigen Handgriffe der Beamtinnen beim „Qlmt“ werden später also ganz in Wegfall kommen. Fehlvecbindungen durch Hörfehler seitens der Beamtinnen sind daher ausgeschlossen. Ebensowenig kann es künftig noch vorkommen, daß bestehende Verbindungen nach dem Einhän- gen des Hörers infolge Versagens des Schlußzeichens üsw. nicht rechtzeitig getrennt werden. Der Fernsprechteilnehmer wird also leine Zeit mehr nutzlos aufwenden müssen.
Mit der Einführung des Selbstanschlußbetriebs ist nun allerdings die Aenderung der Fernsprech anschlußnummern fast sämtlicher hier angeschlossenen Teilnehmer verbunden. Die Art und Schaltung der für das hiesige Selbstanschlußamt zu verwendenden technischen Einrichtung ist abhängig von der Zahl der Teil- irehmer. Sv kommt es, daß alle Teilnehmer hier künftig vierstellige Anschlußnummern haben müssen, daß also alle hiesigen Teilnehmer, bte
jetzt die Anschlußnummern 1 bis 999 haben, mit der Aenderung ihrer Anschluhnummer zu rechnen haben. Aber auch die jetzt schon hier vorhandenen vierstelligen Anschlußnummern 1000 bis 1999 sind für den Selbstanschluhbetrieb nicht geeignet, well durch die am Anfang der Rümmer stehende Ziffer „1“ leicht Fehl Verbindungen hervorgerufen werden. Den Teilnehmern mit den Rummern 1000 bis 1999 können danach ihre Anschlußnummern ebenfalls nicht belassen werden.
Aus den vorerwähnten Gründen ist bei der Vergebung der neuen Anschlußnummern von der Rümmer 2000 ausgegangen worden.
Weitere Maßnahmen technischer Ratur — u. a. gleichmäßige Verteilung aller Teilnehmer auf die siirs erste vorgesehenen, in Hunderkergruppen eingeteilten Anruforgane hinsichtlich 'der Belastung mit Ortsgesprächen - lassen es nicht zu, daß die Rummernänderung durch eine gleichmäßige Verschiebung aller Rummern zu erreichen ist.
Wie aus vorstehenden Ausführungen zu ersehen ist. ist die Rummernänderung im hiesigen Ortsfernsprechnetz eine ganz allgemeine; sie betrifft alle Teilnehmer, mit wenigen Ausnahmen. Es können deshalb besondere Wünsche einzelner Teilnehmer in keinem Falle berücksichtigt werden.
3n den letzten Jahren sind im Deutschen Reich schon in zahlreichen Städten und Ortschaften Selbstanschlußämter eingerichtet worden, wobei in den meisten Fällen Nummernänderungen von bedeutendem Amfang — besonders in Großstädten haben vorgenommen werden müssen. Schwierigkeiten haben sich daraus jedoch nirgends ergeben. weil, wie es auch hier geschehen wird, durch Herausgabe von Fernsprech-Sonderverzeichnissen und durch sonstige besondere Maßnahmen für eine glatte Amstellung des Betriebs Sorge getragen wird.
Bequemlichkeit ihrer Kontributivnspflichligen herausschlägt. Darum: präge dir den Tarif ein, und nicht nur das. sondern handele auch nach der gewonnenen Einsicht. Wer den Pfennig mcht ehrt, na, wir wissen ja. Kr.
Borrwtizerr.
— Tageskalender für Montag. Vor- tragsvereintgung: Lichtbildervortrag von Dr. Wilh. Filchner über „Meine Tibet-Expedition 1925—28", 8 Uhr, Neue Aula. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mein Freund Harry". — Astoria-Lichtspiele: „Der größte Gauner des Jahrhunderts".
— S t a d 11 h e a t e r G i e ß e n. In der morgigen Erstaufführung von Kkwund „Das Kirschblütenfest" spielen die Hauptrollen Jngeborg Scherer und Otto Knur. Oberspielleiter Hans Tannert, Bühnenbild Karl Löffler.
** Von der Landesuniversität. Gc- heimerat Professor Dr. B e h a g h e l kann heute, am 1. Oktober, auf eine 40jährige Wirksamkeit als Ordinarius unserer Landesuniversität zurückblicken. Ferner sind es heute 25 Jahre, daß Geheimer Hofrat Professor Dr. G i s e v i u s als Ordinarius an unserer Landesunioersität wirkt.
•• Personalien. Ernannt wurden: der Schulamtsanwärter Wilhelm Hach aus Weiters- hain, Kreis Gießen, zum Lehrer an der evangeli
schen Volksschule zu Eich, Kreis Worms, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts ab; der Strafanstaltsoberwachtmeister bei dem Landes- zuchthaus Marienschloß Karl Orth zum 6traf- anstaltsoberwachtmLister bei dem Landgerichtsgefängnis in Gießen mit Wirkung vom 1. Dezember ab.
** Polizeijubiläum. Die Gießener Schutzmannschaft beging gestern abend im Saale des Cafes Leib in Gegenwart zahlreicher Vertreter der verschiedensten Behörden in stimmungsvoller Weise die Feier des 50jährigen Bestehens der hiesigen Polizei. Von zahlreichen Seiten wurden unserer treuen Hüterin der öffentlichen Ordnung herzliche und wohlverdiente Ehrungen bereitet. Die Jubiläumsfeier wird in der Geschichte der Gießener Polizei einen denkwürdigen Platz einnehmen. Wir werden über die Veranstaltung morgen berichten.
** Da s Volksbegehren über das Panzerkreuzerverbot, das bekanntlich von der Kommunistischen Partei in die Wege geleitet worden ist, wird im heutigen Anzeigenteil zum Gegenstand einer Bekanntmachung der Stadtverwaltung gemacht.
** Zur Schmückung der Kriegergräber an Allerseelen, Totensonntag und Weihnachten fordert der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Ortsgruppe Gießen, in einer Anzeige am Samstag auf. Der Volksbund ist bereit, die Gräberschimuckung auf den Friedhöfen
im ehemaligen Schkachbengebiet im Auftrage der Angehörigen zu übernehmen. Die dortigen Sarn- melgräber wird der DolkSbund von sich aus schmücken. Dazu bedarf er aber der verständnisvollen Hilfe aller Volksgenossen. Dine Haus- fammhmg für diesen edlen Zweck, die auch in unserer Stadt vorgenommen werden wird, sei der allseitigen besten älnterftühung empfohlen.
*• Rächtliche Schlägerei. 3n der Rächt zum Sonntag spielte sich im Reuenweg eine wüste Schlägerei ab. Zwei aus einer dortigen Gastwirtschaft kommende Männer gerieten in einen heftigen Wortwechsel, in dessen Verlauf der Arbeiter G. G. von hier das Messer zog und den 26 3ahre alten Arbeiter E. W durch einen Stich in den rechten Oberschenkel sehr schwer verletzte. Die sofort herbeigerufene Freiwillige Santtatskolonne vom Roten Kreuz leistete dem Verletzten die erste Hilfe und verbrachte ihn schleunigst nach der Chirurgischen Klinik, wo wegen des starken Blutverlustes eine
Verkehrsordnung erfordert Rechts gehen!
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sofortige Operation vorgenommen werden mußte. Der Mann befindet sich, wie wir hören, dank der sofortigen Hilfeleistung zur Zeit auf dem Wege der Besserung. Auch der Messerheld mußte noch in derselben Rächt verbunden werden, da er außer leichten Kopfwunden noch eine Verletzung des rechten Auges davongetragen hatte.
** D ie 28. Verbandsschau des Verbandes Oberhessischer Geflügelzucht vereine findet vom 9. bis 11. Rovember in der Festhalle zu Alsfeld unter dem Pro- teltorat des Kreisdirektors Dr. Stammler statt. Der Kreisgeflügelzuchfoerein Alsfeld feiert damit gleichzeitig sein 25jähriges Bestehen. Die Verbandsschau findet unter Mitwirkung des Landwirtschaftskammerausschusses für Oberhessen und unter Beteiligung von etwa 45 Geflügel- zuchtvereinen statt. Fünf bewährte Preisrichter sind bereits verpflichtet. Die Schauordnung und Meldevapiere kommen am 1. 10. zum Versand. Meldeschluß 27. Oktober. Die Bewertung erfolgt nach Punkten. Es stehen außer Geldpreisen noch viele Ehrenpreise zur Verfügung, darunter solche von der LandwirtschaftsLammer, vom Verband Oberhessischer Geflügelzuchtvereine, von vielen Vereinen und Privaten.
* Auftrieb zum heutigen Frankfur- terSchlachtviehmarkt: 421 Ochsen, 118 Bullen, 669 Kühe, 410 Färsen, 522 Kälber, 97 Schafe, 6090 Schweine.
Berliner Börse.
Berlin, 1. Oft. lWTB. Funkspruch.) Der erste Frühverkehr der neuen Woche ist vorläufig noch ohne Geschäft. Die Tendenz scheint aber im Einklang mit der festen Reuhorker Börse vom Samstag weiter freundlich zu fein. Für Spezial- werte ist wieder einige Rachfrage festzustellen, doch Kurse sind noch nicht zu hören.
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Bekanntmachung Bett.: Volksbegehren „Panzerkreuzer- verbot".
Nachdem die Zulassung des Volksbegehrens mit dem Kennwort „Panzerkreuzerverbot" genehmigt worden ist, findet das Einttagungsversahren hierzu in der Zeit vom 3. bis einschließlich 16. Oktober 1928 statt. Während dieser Zeit liegen im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13, an Werktagen von 10—12 Uhr vormittags und 2—7 Uhr nachmittags, an den beiden Sonntagen (7. und 14. Oktober) von 10Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags die Ein- tragungslisten zur Ahgabe von Unterschriften offen. Eintragungsberechtigt ist jeder Stimmberechtigte, der in Gießen das Wahlrecht zum Reichstag hat oder einen besonderen Eintragungsschein besitzt. Durch die (Eintragung wird das Begehren ausgedrückt, dem Reichstag einen Gesetzentwurf über das Verbot des Baues von Panzerschiffen und Kreuzern zu unterbreiten.
Bie Einttagungsberechtigten werden darauf hingewiesen, alle Spalten der Ein- tragungslisten vollständig und leserlich auszufüllen, da Eintragungen, die die Person des Einttagenden mcht zweifelsfrei erkennen lassen, nach § 39 des Gesetzes über den Bollsentscheid ungültig sind.
Eintragungsschcine, die nach § 79 der Reichsstimmordnung für besondere Anlässe ausgestellt werden können (z. B. wenn ein Eintragungsberechtigter aus zwingenden Gründen während der ganzen Ein- tragungsfrist sich außerhalb seines Wohn- ottes aufhält) sind nur bis zum 16. Oktober d. I. bei der obengenannten Stelle erhältlich. Der Eintragungsberechtigte hat den Grund zur Ausstellung eineö Eintragungsscheines auf Ansordern glaubhaft zu machen und über feine Berechtigung den Antrag zu stellen oder den Eintragungsschein in Empfang zu nehmen sich gehörig auszuweisen. 8667 B
Gießen, den 1. Oktober 1928.
Der Oberbürgermeister. I. B.: l)r. Seid.
Arbeitsvergebung.
Unter Zugrundelegung der Reichsver- dingungsordnung für Bauleistungen sollen nachstehende Arbeiten für den Um- und Erweiterungsbau der Gewerbeschule vergeben werden:
1. Zimmerarbeiten
2. Dachdeckerarbetten
3. Spenglerarbeiten.
Angebote auf Vordruck sind bis zum Freitag, dem ».Oktober 1928, vorm. 10 Uhr, bei uns einzureichen.
Zeichnungen und Unterlagen liegen bei uns offen. Zuschlags- und Bindefrist 4 Wochen.
Gießen, den 29. September 1928.
Stadt. Hochbauamt:
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WsOWserMt rigeroünf[fiten AusslaMM Mein u.oreiswerk öle Ml W UnlD.-SrüilereL B. Sange. Sieben. SlWstc.r.
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