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Nr. 102 (Erffes Blaff
178. Jahrgang
Dienstag, 1. Mai 1028
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Beilegen;
Dietzen« Familiendlätter Heimat >m Bill» Di, Scholle.
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GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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Dr. Fnedr. Dtlh. Lange. Derantworiltch für Politik Dr. Fr. Wilh Lang, für Feuilleton Dr H.lhyrtot, für den übrigen Tetl Ernst Blumschein; für den An» zeigenteil Äurt HtNmann, sämtlich in Dietzen.
Deuischlands Antwort auf den amerikanischen Paktvorschlag.
AI« erster der Staaten, an die Herr Kellogg seine Anregung wegen der Ablchliehunq eines AntikriegSpakteS ergehen lieh, hat Deutschland geantwortet und hat sich, was ja eigentlich selbstverständlich war, zustimmend geäußert. Ds muh überraschen, daß die deutsche Sntaegnung schneller erfolgte. alS ursprünglich in Aussicht genommen war. Vermutlich spielen da irgendwelche diplomatischen Treibereien eine Rolle, die es der deutschen Regierung wünschenswert machen muhten, sich sofort fest- » u l e g e n und zu zeigen, dah Herr Kellogg bei uns in der Durchführung seiner Absichten einen Helfer findet Da» wird ihm nicht un- wichtig sein, weil er mit mancherlei Schwierigkeiten bei der Durchführung feiner Pläne zu rechnen hat; hauptsächlich von Frankreich her, das ja der unschuldige Anlaß dieser ganzen diplomatischen Aktion geworden ist.
Herr Briand hatte sich das so schön aedacht, eine Friedcnsgeste machen und hatte deshalb den Amerikanern einen Vertrag angeboten, der zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten künftighin Kriege unmöglich machen sollte. DaS sah ersten- gut auS und hatte, wenn es ein Sinzelvertrag war, für Frankreich den Vorteil nicht nur einer politischen, sondern unter Llmständen auch einer militärischen Rückendeckung, während eS im übrigen in Europa seine Dünd- nispolitik ruhig weiter verfolgen konnte. Durch diese Rechnung hat Herr Kellogg einen dicken Strich gemacht, indem er auS dem Sondervertrag einen allgemeinen Vertrag machen will, der alle Großmächte bindet. Das aber will eben Frankreich nicht oder will eS wenigsten- nur bann, wenn ihm die Möglichkeit gegeben ist, das Reh von Verträgen aufrecht xu erhalten, das es unter dem Schutze des Versailler Friedens rund um Deutschland mit unseren sämtlichen Rachbarn geschlossen hat und das ihm praktisch gerade bei der Wehrlosigkeit Deutschlands die militärische Hegemonie in Europa sichert.
Herr Driand hat daher den Versuch gemacht. Kellogg- Ideen umzugestalten und ihnen wentg- stenS die Giftzähne auszubrechen, die ihnen nach französischer Auffassung gewachsen sind. Er wird vermutlich auch versucht haben, England dafür zu gewinnen, und bei der Franzosenfreundlichkeit Chamberlain- hat er aller Wahrscheinlichkeit nach dabei mindesten- einen halben Erfolg erzielt. Durch die deutsche Antwort ist er aber jetzt nach der einen Seite hin isoliert, und vielleicht wirkt diese Zustimmung auch anregend auf andere Mächte, daß sie sich dem französischen Licbes- wcrben entziehen. Aber auch dann wird Kellogg noch eine harte Arbeit haben, biS er sich am Ziele sieht. Driand ist ein zäber Gegner, und ein Antikriegspakt, wie ihn sich die Amerikaner denken, ist eben mehr als eine leere Entschlie- ftung, die lediglich auf dem Papier steht. Aber die Vereinigten Staaten sind in der angenehmen Lage, daß sie auch sehr st arke finanzielle D r u ck m i t t c l zur Verfügung haben. Wenn sie wollen, sind sie einflußreich genug, ihren Willen selbst gegen den Widerstand Frankreichs durchzusetzen. Sie sind zudem durch ihren Ka- pitalübcrfluß jetzt an allen europäischen Staaten beinahe lebenswichtig interessiert. Es ist also nur natürlich, wenn die amerikanische Diplomatie die Enthaltfamkeit gegenüber den europäischen Angelegenheiten. die sie in den letzten Jahren tätigte, aufgibt und sich wieder entscheidend in die Dinge einmischt. weil jeder europäische Krieg eine schwere Gefährdung von Dollarmilliarden bedeuten würde. Das ist aber gerade der Punkt, bei dem in Amerika die Freundschaft aufhört.
Die Note.
Derlin. 30. April. (WD.) Die von» 27. d.W. datiert«, an den 'Botschafter der Vereinigten Staaten in Derlin, Ehurman. gerichtete Antwortnote der Reichsregierung auf den amerikanischen Vorschlag eines Kriegsächtungspaltes Hal folgenden Wortlaut:
Herr Botschafters
.Sure Exzellenz haben mir in der Rote vorn 13. April und ihren Anlagen von den Verhandlungen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der französischen Regierung über den Abschluß eines internationalen Paktes zur Aech- tung des Krieges Mittellung gemacht. Zugleich haben Sie an mich die Frage gerichtet, ob die deutsche Regierung geneigt sei, einen solchen Pakt nach dem von der Regierung der Vereinigten Staaten aufgestellten Entwurf abzu- schließen, oder ob sie bestimmte Aenderungen dieses Entwurfes für notwendig halte.
Die deutsche Regierung hat Ihre Frage mit der Sorgfalt geprüft, die der außerordentlichen Bedeutung der Angelegenheit entspricht. Eie konnte in diese Prüfung auch den Vertragsent- wurs einbeziehen, der inzwischen von der fran- zösischen Regierung ausgestellt und den beteiligten Mächten übermittelt worden ist. Als Er» Sebnis der Prüfung beehre ich mich Euerer xzellenz im Rainen der deutschen Regierung folgendes mitzuteilen:
Die deutsche Regierung begrüßt die (Eröffnung von Verhandlungen über dcn Abschluß eines internationalen Paktes zur Aechtung des Krieges auf das wärmste. Die beiden großen Gedanken. die der Initiative des französischen Herrn
Außenministers und dem aus ihr hervorgegangenen Vorschläge der Regierung der vereinigten Staaten zugrunde liegen, entsprechen vollkommen den Grundsätzen der deutschen Politik.
Deutschland hat fein größeres Intereste, als die Möglichkeit kriegerischer Aonflikte ausgeschaltet und im Leben der Bölter eine Entwicklung gesichert zu sehen, die den friedlichen Ausgleich aller Gegen- fötze zwischen den Staaten gewährleistet. Der Abschluß eines Paktes, wie ihn die Regierung de» Bereinigten Staaten jetzt im Auge hat. würde die Völker der Erreichung dieses Zieles sicherlich um ein weites Stück näherbringen.
Da das Bedürfnis der Volker nach Sicherung des Friedens seit Beendigung des Weltkrieges bereits zu anderen internationalen Abmachungen geführt hat. ergibt sich für die daran beteiligten Staaten die Notwendigkeit, sich klar darüber au werden, in welchem Verhältnis der letzt geplante Pakt zu diesen schon in Kraft befindlichen internationalen Abmachungen stehen würde. Sie haben, Herr Botschafter, in Ihrer Note auf die Erwägungen hingewiesen, die in diefer Hinsicht von der französischen Regierung in ihrem Meinungsaustausch mit der Negierung der Vereinigten Staaten zum Ausdruck, gebracht worden sind Was Deutschland anlangt, so kommen als internationale Abmachungen, die sich mit dem Inhalte des neuen Paktes berühren könnten, die Dölkerbundsfatzung und derRheinpaft von Locarno in Betracht: sonstige internationale Verpflichtungen dieser Art ist Deutschland nicht eingegangen.
Die Achtung der Verpflichtungen au» der Völ- kerbundssatzung und dem Rheinpakl muß nach Ansicht der deutschen Regierung unverrückbar seststehen. Die deutsche Regierung ist aber der Ucbcncugung, daß diese Verpflichtungen nichts enthalten, was mit den Verpflichtungen, die der paklentwurf der vereinigten Staaten vorsteht, irgendwie in Widerstreit geraten könnte. 3m Gegenteil glaubt sie, daß die bindende Verpflichtung, den Krieg nicht als ein Werkzeug nationaler Politik zu benutzen, gut oedgnrt fein würde, den Grundgedanken der Völkerbundssatzung und des Rheinpaktes zu verstärken.
Die brutsche Regierung g?5t davon auS, dah rin Pakt nach dem Muster der Regierung der Vereinigten Staaten das souveräne Recht eines jeden Staate« zur Selbstverteidigung nicht in Zweifel stellen würde. Es versteht sich von selbst, daß. wenn ein Staat den Pakt bricht, die anderen Kontrahenten diesem Staate gegenüber ihre Ha idlungsfrnheit wieder gewinnen. Der von der Verletzung des Pakte« betroffene Staat ist deshalb nicht gehindert, sich seinerseits gegen den Fried.-nsbrecher zur Wehr zu setzen. In einem Pakte dieser Art den Fall seiner Verletzung ausdrücklich vorzu- sehen, erscheint der deutschen Regierung nicht notwendig.
3n Uebereinftimmung mit der Regierung der Vereinigten Staaten und mit der französischen Regierung ist auch die deutsche Regierung der Auffastung. dah das letzte Ziel die Universalität des neuen Paktes fein muß. Diese Universalität berbeizu<ühren, dürfte der Entwurf der Vereinigten Staaten einen praktischen Weg eröffnen. Wenn die zunächst als Signatarmächte in Aussicht genommenen Staaten den Pakt abgeschlossen haben, kann erwartet werden, daß die anderen Staaten von dem ihnen ohne Einschränkung und Bedingung gewährten Rechte des Beitritts alsbald Gebrauch machen.
Die deutsche Regierung kann demnach die (Erflä- rung abgeben, daß sie bereit ist, einen Pakt nach dem Vorschläge der Regierung der vereinigten Staaten a b , u s ch l 1 eß e n , und ,u diesem Zwecke in die erforderlichen Verhandlungen mit den befeiligfen Regierungen einzu- treten.
Mit dieser Erklärung verbindet jedoch die deutsche Regierung die bestimmte Erwartung, daß da« Zustandekommen eines Pakte« von solcher Tragweite nicht verfehlen wird, alsbald seinen Einfluß auf die Gestaltung der internationalen Beziehungen geltend zu machen. So müßte diese neue Garantie für die Erhaltung des Friedens den Bemühungen um die Durchführung der allgemeinen Abrüstung einen wirksamen Imvuls geben. Außerdem aber müßte der Verzicht auf den Krieg als notwendiges Gegenstück den Ausbau der Möglichkeiten fördern, vorhandene und entstehende Gegensätze der Dölkerinteressen auf friedliche Weise zum Austrag zu bringen.
Genehmigen Eie. Herr Botschafter, die erneute Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung. gez. 6trefcmauTL
Günstiger Eindruck in Washington.
Washington. 30. April. (XU.) Die deutsche Antwortnote auf die amerikanischen Kriegsverzichtsvorschläge hat im Staatsdepartement in Washington einen überaus günstigen (Sin- druck hervorgerusen. Der wesentliche Inhalt der Rote ist die generelle und grundsätzliche Einverständniserklärung der deutschen Regierung mit den amerikanischen Vorschlägen zum Abschluß eine« zunächst die Großmächte umfassenden Kriegsverzichtspaktes. Es wird ferner die Hoff
nung ausgedrückt, daß es gelingen möge, in absehbarer Zeit alle Einzelheiten sowie die endgültige Formulierung de« Kriegsverzichtspakte« zu beraten und so die amerikanischen Vorschläge zu verwirklichen.
In diplvncatischen Kreisen ist man davon überzeugt. dah die deutsche Rote auch die Haltung Der interessierten Staaten maßgebend, wenn nicht entscheidend, beeinflussen wird, besonders In England wird die deutsche Stellungnahme chren Eindruck nicht verfehlen. Die französischen Vorbehalte seien, wie auch Staatssekretär Kellogg, wenn auch nicht so scharf, zum Ausdruck brachte, für die Vereinigten Staaten völlig unannehmbar. Soviel stehe jedenfalls fest, daß die deutsche Antwort in der gesamten amerikanischen Oefsentlichkeit ein nachhaltiges und mehr alS in einer Hinsicht wirksames Echo ftnden wird.
Ein Kommentar der Wilhelmstraße.
Die offiziöse Meinung.
Berlin. 30. April. (Privatinformation.) In Berliner politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß die Reichsregierung von Anfang an den Standpunkt vertreten hat, daß auf die klare Frage der amerikanischen Rote eine klare Antwort gegeben werden müßte. Diese Stellungnahme kommt in der deutschen Rote deutlich zum Ausdruck. Sie geht in ihrer Konstruktion von der Situation des Deutschem Reiches au«, ohne sich mit den internationalen Zusammenhängen unter den übrigen Mächten zu beschäftigen und vertritt klar den Standpunkt der deutschen Regierung, daß der amerikanische Paktentwurf den beiden Verträgen, bie In dieser Hinsicht für Deutschland allein In Frage kommen, dem VöllerbundS- und dem Rhein- Pakte, nicht widerspricht. Ebenso Hat wird der deutsche Standpunkt zu den beiden Fragen der Selbstverteidigung und de« Paktbruche«, ferner der Universalität des KriegsächtungS- t>ettrage« vertreten. Dieser Dell der Role kann keineswegs al« Vorbehalt gegen die
amerikanische Fassung betrachtet werden. Deutschland und die Vereinigten Staaten gehen hierin durchaus konform. D^ Rote gipfelt in der Erklärung. daß die Reichsregierung bereit ist. den Vertrag abzuschließen und zu diesem Zwecke in die ersorderlichen Verhandlungen mit den beteiligten Regierungen einzutreten. Dee wichtige Stelle der Rote läßt die Tür für die Festlegung der Einzelheiten offen und vermeidet damit bei aller Klarheit, dah die ReichSregierung schon jetzt in allen diesen Fragen festgelegt wird.
Schließlich wird in politischen Kreisen noch darauf hingewiesen, daß die politische Situation natürlich von der Tatsache des französischen Paktentwurfes beeinflußt war. Die franzö- sifche Demarche beschränkte sich auf die Ueber- reichung des Entwurfes, der gewiffcrmaßen die Quintesfenz des Gedankenaustausches zwischen Paris und Washington darstellt. Eine Beg'.eit- notc hat die sra izöfische Regierung in Derlin nicht überreichen lassen: es befielt deshalb auch keine Veranlassung, mit einer Rote nach Paris zu antworten. 3m übrigen enthält die deutsche Rote an die Vereinigten Staaten naturgemäß viele-.. auS dem sich der Standpunkt der ReichSregierung zu dem französischen Entwurf herauslesen läßt. Wemr übrigen« d i e französische Presse bereit- Sturm gegen bie deutsche Rote läuft, ohne ihren Inhalt zu kennen, fo wird in politischen Kreisen daraus hingewiesen. daß ja nicht wir eS gewesen sind, die die ganze Angelegenheit in Fluß gebracht haben, man tun3 also kaum einen Vorwurf daran- machen kann, daß wir im Verlause der Entwicklung des ganzen Problem- aus die Frage der amerilanischen Regierung geantwortet gaben. Ebenso wie die französische Regierung ihren Standpunkt ausführlich bargelegt bat, hat auch die ReichSregierung da« Recht, ihre Ausfassung vor aller Welt -um Ausdruck zu bringen. Die deutsche Antwort kann unter keinen Umständen al« rin Angriff auf die französische Dündni-Politik ausgelegt werden, auf der anderen Seite ist eS aber unmöglich, daß die ReichSregierung ihre Politik unter den Gesichtspunkt ber Aufrechterhaltung ber französischen Bündnisverträge stellt.
Der Triumphzug der „Bremen"-Uieger.
Begeisterter Empfang in Neuyorl. — Großartige Kundgebungen der Weltstadt.
R e u b o r t, 30. April. (WD.) Rach den inoffiziellen Dorempfängen bereitete heute die Stadt Reuyork den .Dremen"-Fliegern einen offiziellen Empfang, der fünf Stunden dauerte und nur die Einleitung zu dem mehrtägigen Festprogramm bildete. Wie offizielle Festteilnehmer erllärten, habe ber Empfang mit dem gewaltigen Enthusiasmus und der allgemeinen ‘Beteiligung an einen Eiegeszug im alten Rom erinnert. Unter einem anbertbalbftünbigcn Geheul der Sirenen aller mit Wimpeln geschmückten Fahrzeuge, unter den grüßenden Strahlen der Feuerlöschboote und unter einem Regen von Papierschnitzeln, Papierschlangen, Kurszetteln, Telegramm- und Rechnungsformularen sowie Dlättern aus Telephonbüchern hielten die ,'Bremen“-Flieger ihren Einzug durch die von Hunberttausenden besetzten, mit den brutschen, den irischen und den amerikanischen Flaggen geschmückten Feststrahen. Ein Iubelsturm begann, alS da« Empfangskomitee die Flieger am Morgen vom Hotel zu dem Stabt- da m p f er ,M acom" brachte, welcher den Hudson verlieh, al« ber Lloyddampfer ,Dres - ben“ am Pier anlegte. Es folgte
eine Schiffsparade unter Führung des Bundesmarinekutters
Die am Pier siegenden Dampfer .Leviathan" und .Berengaria“ sielen in da« allgemeine Geheul der Sirenen ein. Die Mannschaften aut den Schiffen, die in einer meilenlangen Reihe im Hudson lagen, stimmten in den Jubel ein. An ber Freiheitsstatue schwenkte die Schiffsparade um, als die .Macom" an der Südfpihe Reuyork« anlegte. Es folgte wiederum ein 20 Minuten langes Sirenengeheul aller begleitenden Fahrzeuge, der Schlepper, de« MarinekutterS, der Polizeiboote und der Fährboote. Während der Schufsparade wurden bie Flieger fortwährend von einer Riesenzahl von mitfahrenden Photographen und Zeitungsleuten geknipst. Dann begann die Landparabe ber al« Ehreneskorte dienenden 10 000 Mann der Dundes- armec, der Dundcsmarine und ber Staatsmiliz, sowie anderer militärischer Verbände. Die Flieger folgten in dem ersten ber zahlreichen Autos der Ehrenestorte. Iubelnbe Menschen- massen füllten bie Fenster und bie Dächer der Wolkenkratzer und aller anderen Gebäude, der gesamten etwa 5 Meilen langen Einzugs- straßc. Der canonathge Droadway, in dem der Festzug sich nach ber City Hall bewegte, glich einem stürmischen Menschenmeer. Immer wieder oerfuchte die begeisterte Menge ben Po- lizeikordon zu burchbrechen. Der Papierregen glich zeitweise einem Schneesturm. Viele Zuschauer vollführten halsbrecherische Kletterhinftftüde, um
sehen zu können. Die Flieger erklärten ben Empfang al« überwältigend.
Bei dem Empfang in der Eity Hall wies Bürgermeister Walker auf die herzliche Ausnahme jettens aller Völkerschaften Neuyarks, ob Burger oder Nichtbürger, für die „Bremen".Flieger hin, die um so größer sei, als kein Element der v.el- rassigen Metropole mehr zu ihrer Entwickelung bei- getragen hätten, als Deutsche und Iren. Die Wahl Neuyorks als Ziel des Oft West-Flugs über ben Atlantik fei eine schöne Geste seitens Deutsch- lanbs und Irlands gewesen, die Amerika nicht ver- flejjen werde. Nach den Begrüßungsworten des Bürgermeisters überreichte ©eneralmajor Haskel! als Vertreter des verhinderten Gouverneurs Smith StaatsmebaiUen für die Flugleitung ber „Bremen" im Interesse der Aviatik und des Fortschrittes der Zivilisation. Die Flieger, welche ferner ft ä b t i f d) e Ehrenurkunden erhielten, dankten bewegt. Die riesige Menschenmenge jubelte erneut den Fliegern zu, als sie von ben Gattinnen Köhls und Fitzmaurices, die durch ein Ehren- Komitee mit Frau Chamberlain an der Spitze ein- geholl worden waren, begrüßt wurden. Frau Köhl umarmte ihren Gatten und dann den Bürgermeister Walker.
Nachdem der Festzug die Fifth Avenue passiert hatte, begab er sich wieder nach demMadifon- Square, wo die Flieger am „EwigenLicht" zu Ehren der im Weltkrieg Gefallenen unter den Klängen des Deutschlandsieoes, der amerikanischen und der irischen Nationalhymne drei Kränze nieberleaten. Nach dem Vorbeimarsch der Truppen an den Fliegern und Bürgermeister Walker, erfolgte der Weitermarsch nach dem Zentra Ivark, wo sich der Festzua auflöste. Neben den grauen der Flieger nahm Konsul Heuser an dem Festzug von der City Hall an teil.
^Sehr gut abgeschnitten."
Nach dem Pavierkonsum bemessen, ber hier als Grabmesser der allgemeinen Begeisterung bient, haben die .Bremen"-Flieger sehr gut abgeschnitten. Lindbergh erhielt 180C Tonnen, am Waffenstillstanbstag würben 1702 Tonnen ausgestreut, Byrd erhielt nur 700 und Gertrud Eberle 400 Tonnen, so daß es in ben Kommentaren ber Blätter burchaus zutreffend heißt, ber Empfang fei von äußer st erHerz- lichkeit unb Aufrichtigkeit getragen gewesen. Die Flieger erllärten, dah bie Eindrücke des gestrigen Tage« alles hinter sich ließen, was sie bereits an Begeisterung bei ber ersten Ankunft am Pennsylvania-Bahnhof erfahren hätten. Seit den Tagen des alten Rom dürfte kaum mehr ein so überwältigender Anblick geboten worden fein, wie der ihnen von Neuhork bereitete Empfang.


