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Beim Boxkampf.

Am Abend wohnten die Flieger als Gäste des Bürgermeisters Walter dem Boxkampf Sharkey- Delaney bei. Es war von vornherein klar, daß die Schaustellung darunter zu leiden hatte, dah die Zuschauermasse von 12 000 Personen offenbar inehr zu dem Zweck gekommen war, die Helden des atlantischen Fluges zu sehen, als wegen des Boxkampfes. Die beiden Kampfer be­stiegen den Ring beinahe unbemerkt, während die drei Flieger, Hauptmann Köhl, Baron v. Hüne- feld und Major Fihmaurice mit einer über­wältigenden Kundgebung empfan­ge n wurden. Kohl und Baron v. Hünefeld trugen Gesetlichastslleidung. Major Fiymaurice seine irische Uniform. Äachdem der Kampf zu Ende war, muhtendie drei Unerschrockenen" auf Verlangen der Menge in den Ring kom­men, wo sie mit erneuten Kundgebungen begrüßt wurden. Die drei Flieger schienen sich bei diesem Erlebnis ziemlich unbehaglich zu fühlen. Der An- kundiger folgte den Fliegern und erhob gegen jeden der drei Flieger nacheinander die Hand, um der Menge zu verstehen zu geben, dah ein jeder von ihnen als Sieger über den Atlantischen Ozean zu betrachten fei. Die Huldigung war so stürmisch, daß es mehrere Minuten dauerte, bevor die Flieger den Ring verlassen konnten.

Stresemann zu dem Mussolini-Interview.

Deutschland und Südtirol.

Köln. 30. April. (MTV.) 3n einer Versamm­lung der Deutschen volkrparlei in der großen 2Neh- holle sprach heute abend Reichsoutzenminister Dr. Stresemann. Lr führte u. a. aus: Lin Berliner Blakl hat eine angebliche Unterredung mit Mussolini veröffentlicht, von der ich nicht an­nehmen kann, datz sie in allen Einzelheiten die Auffassung des italienischen Ministerpräsidenten wiedergibt. Angeblich hat der italienische Minister­präsident Deutschland den Vorwurf gemacht, datz er nicht Real-, sondern Gefühlspolitik treibe, wenn es den Blick immer auf die 200 000 Südtiroler richte, während es der Millionen von Volksgenossen in anderen Ländern nicht ge­dächte. Das letzte ist unrichtig. Aber, wenn wirklich der Gegensatz zwischen Gefühls- und Realpolitik aus diese Frage zuträfe, dann wäre dazu auch an Italien die Frage zu richten, ob es Real­politik sei, wenn dies in den letzten Jahren un­zweifelhaft emporsteigende Volk von 40 Millionen Italienern es nicht ermöglichen wollte, jenen 2 00 000 Deutschen die Sicherheit ihrer Sprache und ihrer Kultur zu gewähr­leisten. Der Berichterstatter des Berliner Blattes will weiter gehört haben, datz der italienische Mi­nisterpräsident ihm beruhigende Erklärungen über die Aufnahme gegeben hätte, die eine nationale Regierung bei der Lnlente finden würde. Dr. Stresemann erklärte dazu, datz er bisher die gegenwärtige Regierung für eine natio­nale Regierung gehalten habe und er verstehe des­halb diese Bemerkung nicht. Im übrigen, so führte Dr. Stresemann weiter aus, halte ich die ganze Unterredung für u n r i cht i g. Der Gedanke, aus­ländische Staatsmänner in Mahlzeiten über ihre Ansichten bezüglich der deutschen Verhältnisse zu befragen, ist im übrigen sicherlich nicht nach­ahmenswert.

Arbeiterschaft und Faszismus.

Eine Kundgebung für Mussolini.

' Rom, 29. April. (Tel.) Gestern trafen in Rom 10 000 Mailänder Arbeiter zu einer großen Kundgebung ein. Sie blieben bis Montag Gäste der faszistischen Berbände in Rom. Reben der üblichen Kranzniederlegung am Grabe des un­bekannten Soldaten und den Königsgräbern im Pantheon und an der Gedenktafel für die 'ge­fallenen Faszisten im Kapitol fand gestern mittag die große Kundgebung statt, die Mussolini von den Mailänder Arbeitern im Kollosseum darge­bracht wurde. Zahlreiche Mitglieder der Re­gierung, die Spitzen der Behörden und der saszi- stischen Partei, der Bürgermeister von Mai­land und Bertreter der faszistischen Verbände Mailands wohnten der Kundgebung bei. 3n einer kurzen Ansprache wies Mussolini u, a. daraus hin. datz einem Regierringschef wohl noch nie In der Geschichte der Welt eine der- artige eindrucksvolle Kundgebung seitens der werktätigen Bevölkerung bereitet worden sei und unterstrich, datz dieS gerade im faszistischen Ita­lien der Fall sei. Ferner kam Mussolini auf die Einstellung dcS FasziSmus zur Erzeugung und Arbeit zu sprechen und tief zum Schluß den Mailänder Arbeitern zu, sie sollten nach Rück­kehr zu ihren Arbeitsstätten ihren Kameraden sagen, daß der FasziSmus feststehe und nichts gegen ihn zu machen fei. Die Worte Musso­linis wurden mit stürmischem Beifall ausge­nommen.

Der englisch-ägyptische Konflikt.

Ein britisches Ultimatum.

London. 30. April. (TU.) Die weitere Z u - sPitzung deS englisch-ägyptischen Streitfalles läßt alles aichere in d.'n Hintergrund treten. Der Außenminister Ehamberlain halte heutevor- mitiag Besprechungen mit den leitenden Beamten der ägyptischen Abteilung des AuhenamteS. Mi­nisterpräsident Baldwin ist früher als ge- wohnlich zurückgekehrt und hat für den späten Abend eine Sondersitzung des Kabinetts einbe­rufen. Am Rachmittag gab der Außenminister im Unterhaus eine Erklärung ab. die die Uebcr- retcbung eines bis zum 2. Mai. 19 Uhr. be- fristeten Ultimatums bestätigte. Eng'ische KricgSschifse werden am 2. Mai um sieben Uhr morgens in den ägyptischen Ge­wässern eintresfen. Ehamberlain beschränkte sich auf die Erklärung, datz die britische Regierung für den Fall, daß Aegypten die im Ultimatum verlangten Zusicherungen nicht geben sollte, nach Ablauf der Frist ihre volle Handlungs- f r e i h e i t zurückgewinnen würde. Das dem ägyptischen Parlament vorliegende neue Ver­sa m m l u na S g e s e tz würde die Macht der ägyptischen BollzugSbehörden stark schwächen und Leben und Eigentum der Ausländer ernstlich bedrohen. Großbritannien sei auf Grund der Deklaration vom Jahre 1922 verantwort­

lich für die Sicherheit des Suez­kanals. Die von der britischen Regierung be­reits getroffenen Dorsichtsmaßnahmen begrün­dete Ehamberlain u. a. mit dem Hinweis auf die Unruhen in Alexandrien im Jahre 1921. in deren Verlauf 20 Ausländer getötet und über 60 verwundet wurden. Srst vor wenigen Tagen habe eine erregte Menge auS politischen Grün­den Ausländer angegriffen und deren Eigentum beschädigt.

Aegypten weicht zurück.

Vertagung

des strittigen Versarnrnlungsgesetzes.

London, 30. April. (TU.) Der Wortlaut de» am Sonntagabend der ägyptischen Regierung überreichten englischen Ultimatums ist folgender: Ich bin beauftragt, Lw. Exzellen; als Führer der

ägyptischen Regierung zu ersuchen, sofort die not­wendigen Schritte zu ergreifen, um zu verhin­dern, dah die Gesetzesvorlage auf Neurege­lung der Bestimmungen für öffent­liche Versammlungen und Demonstrationen Gesetzeskraft erhält. Vir verlangen die be­stimmteste und schriftliche Zusicherung, dah die Dor­lage nicht weiter gefördert wird und wenn diese Zusicherung mich nicht bis;um2. Mai,7Uhr nachmittag», erreicht, wird die britische Re­gierung ihre Handlungsfreiheit für die ihr notroea- dig erscheinenden Schritte zurückgewonnen haben." Rach einem noch unbestätigten Funkspruch aus Kairo beschloßen in geheimer Sitzung Kammer und Senat die Vertagung der weiteren Diskussion über da» versammlungsgeseh bis zur Rovembersitzung. Da» würde der erste Schritt zum Rückzug vor dem britischen Ultimatum sein.

Rotfront vor dem SiaalMichishos.

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 1. Mai. Am 2. Mai findet vor dem als Staatsgerichtshof fungierenden vierten Straf­senat des Reichsgerichts die Verhandlung über das Keudellfche Verbot des Rotfront- b un des statt. Die Verhandlung ist nicht öffenb l'ch, und eine Voraussage über ihren Verlauf ist einigermaßen schwierig.

Trotzdem scheint es angebracht, die Gesichtspunkte klarzumachen, die bei dieser Verhandlung die Haupt­rolle spielen werden, Es handelt sich um eine Ver­ordnung des an sich zweifellos zuständigen R e i ch s m i n i st e r s, der sie mit seiner ressort­mäßigen Verantwortung deckt, zu ihrer Durchfüh­rung aber der Exekutive der Länder be­darf. Diese Länder haben fast ausnahmslos, näm­lich in der Zahl von 16 dem Verbot wider­sprochen, so daß die Entscheidung des Staats­gerichtshofs notwendig wird. Rur Bayern und Württemberg haben keinen Einspruch eingelegt, aber bisher auch ihrerseits das Verbot nicht durch­geführt. Natürlich übt es auf die Entschließungen der obersten gerichtlichen Instanz einigen Einfluß aus, daß die für die Durchführung verantwortlichen Länderregierungen dem Verbot widersprechen. Denn schließlich tun sie dies nicht aus irgendeinem Bestreben, einen Reichsminister ins Unrecht zu setzen. Weiter scheint die Entscheidung des Staats­gerichtshofs dadurch präjudiziert. daß der gleiche Senat Anfang April bereits das preußische Verbot des Roten Frontkämpferbunds in Dort­mund aufgehoben hat. Und schließlich liegen andere Vorgänge vor, wonach Verbote von Orga­nisationen bisher stets ausschließlich mit neuen, akuten Vorfällen begründet worden sind, wahrend im vorliegenden Falle die alten Taten und Plane des Rotfronloundes aus einer früheren Zeit, obwohl sie schon lange notorisch sind, zur Be­gründung des Keudellschen Verbots herangeholt wurden. Freilich haben sich inzwischen wieder ver-

chiedene Vorfälle ereignet, die nachträglich ür diese Begründung herangeholt werden konnten, o der Feuerkampf in Essen, bei dem oerschie- )ene Polizeibeamte und politische (Beaner in einem Zusammenstoß zwischen Rechtsradikalen und Rot- fronträmpfern schwerverletzt worden sind und an­dere Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Andersdenkenden, bei denen die Rotfrontbewegung oerantworllich gemacht werden kann.

3m allgemeinen kann man annebmen. daß der Standpunkt des Reichsinnenministers durch­aus gebilligt würde, wenn er so argumentiert hätte: ..Die sog. Kainpfverbände sind geeignet, den Wahlkampf zu erschweren und Zusammenstöhe in der ohnehin erregten Atmo­sphäre der Wahlbewegung hervorzurufen. Sie müssen deshalb für die Dauer des Wahlkampfes lahmgelegt, also verboten werden. Dabei ist keine Rücksicht auf die parteipoli­tische Gesinnung und auf die juristischen Handhaben des Augenblicks zu nehmen, sondern nur auf die allgemeinen Erfahrungen und auf die Bedürfnisse der Sicherheit und Ruhe. Des­halb sind alle sog. Kampsverbände zunächst für die Frist bis zum 21. Mai dieses Jahres zu verbieten." Es wäre schwer gewesen, einer so begründeten Maßnahme zu widersprechen, die gerecht nach rechts und links hin gleichermaßen scharf vorgeht, aber es hätte vielleicht auch genügt, wenn durch einige Verwarnungen, durch das Verbot von Kundgebungen während dieser Frist usw. ein nachteiliger Einfluß der Kampf- verbände aus dem Wahlkampf auSgeschaltet wor­den wäre. Ohne datz irgendeine der wider­sprechenden Regierungen mit der kommunisti- schon Organisation sympathisiert. haben sie ge­glaubt, widersprechen zu müssen, weil die Maß­nahme einseitig und nicht zwingend begrün­det verhängt worden ist. Das Gericht wird nun zu entscheiden haben, was geschehen soll.

SeuWlandunddieKammerderMien"

Die ßeftion, die die französischen Mittel- und Linksparteien beim ersten Wahlgang am 22. April e rhalten hatten, hat ihnen doch einen solchen Schrecken eingejagt, daß sie sich schleunigst darauf besannen, ihre Uneinigkeit zu beseitigen und wenigstens für die Stich­wahl eine möglichst geschlossene Front herzustellen. Das ist ihnen gelungen, und damit Sahen sie auch einen Teil drr Verluste, die sie beim ersten Wahlgang erlitten hatten, wieder wettgemacht. Aber das alles ändert nichts an der Tatsache, daß der vor einigen Monaten in ge­wissen Kreisen bei uns vorausgesagte Linksruck in Frankreich sich in einen Rechtsruck ver­wandelt hat. freilich nicht in dem Umfange, wie er nun wieder bei uns auf der rechten Seite prophezeit wurde. Man kann im großen ganzen das Urteil über baS Ergebnis der französischen Wahlen dahin zusammenfassen, daß sich der Zu­wachs der Rechten an Mandaten ungefähr ebenso hoch beläuft, wie der Zuwachs an Mitgliedern der neuen Kammer im Vergleich zur alten, näm­lich von 584 auf 612 Sitze.

Die politische Bedeutung des Wahlausganges liegt, wie bereits hervorg hoben, darin begründet, daß P o i n c a r 6 zweifellos ein sehr starkes Vertrauensvotum des französischen Vol­kes erhalten hat. Gs ist vollkommen richtig, wenn weiter behauptet wird, daß die Außenpoli­tik als solche, d. h. die Briandsche Politik, im Wahlfeldzug k e i ne nennenswerte Rolle gespielt hat. Wie in allen Ländern bei allen Wahlen mit geringen Ausnahmen hat sich auch diesmal in Frankreich der Wahl'a npf fast ausschließlich um innerpolitische Fragen gedreht. Die große Mehrheit des französischen Dolles hat nicht vergessen, daß Poincarö tatsächlich der Retter aus der finanziellen Rot des Landes gewesen ist. Er hat die Regierung über­nommen in einem Augenblick, als sich der fran- zösische Franken unmittelbar vor dem lebten Sturz in den Abgrund befand infolge der Unfähigkeit einer ganzen Reihe von Kabinetten, die in schneller Folge einander abgewechselt hatten. Der Zähigkeit, Beharrlichkeit, dem Fleiß, der Spar» f am feit Poincaräs und seiner nüchternen Beur­teilung der Dinge ist es zu verdanken, dah Frankreich vor einem solchen Rui ', feiner Wäh­rung bewahrt geblieben ist. wie ihn Deutschland kurz vorher durchgemacht hatte. 3n sehr kluger Berechnung hatte sich zugleich Poincarö. der ebenso wie jeder andere Politiker die Macht nicht gerne aus der Hand gibt, sehr woh! gehütet, das Werk der Stabilisierung der französischen Währung so schnell zu vollenden, wie es manche Gewünscht Hütten. Er hat die letzte Tat. nämlich ,e gesetzliche Festl'gung der Währung, noch nicht getan, weil er dieses Machtmittel nicht aus der Hand geben wollte.

Poincar^ konnte immer und immer wieder öatauf Hinweisen, daß nur mit Hilfe einer großen Mehrheit im Parlament, der sog nationa­len Einheit, eine Rückkehr der Inflation Dermieben und die Stabilisierung der Währung vollendet werden könne. Unter rücksichtsloser An­wendung dieses Druckmittels Hal er in der letzten Kammer alles durchzesetzt. was er durchsetzen wollte, inbem er ein über das andere Mal die Dertrauensfrage stellte, mit dem Erfolge daß jedesmal eine noch so ungeuärbige Mehrheit sich feiner Fuchiel fügte. Vielleicht im einzelnen etwas verändert, aber doch im großen gan­

zen die gleiche Mehrheit, tolrb ihm in der neuen Kammer ebenso Gehorsam leisten, wie in der alten. Nun wird er auch nicht allzu lange mehr damit zögern können, den Schluß­stein in das Gebäude der Währungsreform einzufügen, und dann wird sich zeigen, ob Poin- care auch ohne ein solche- Druckmittel imstande sein wird, seine Mehrheit beisammen zu halten, die doch aus sehr verschiedenartigen und widerstrebenden Elementen zusammengesetzt ist. Gleichzeitig muh sich auch zeigen, ob die unter dem Zwang des ersten Wahlergebnisses wieder hergestellte Einigkeit der Linkspar­teien besser halten wird, als in der vorigen Kammer. Innerpolitisch also ist die weitere Zu­kunft auch in Frankreich noch ziemlich unklar.

Außenpolitisch kann man das Ergebnis der Gesamtwahl nunmehr dahin zusammenfassen, daß es von Poincarö abhängen wird, in wel­chem Umfange er Briand freien Weg l a f s e n wird. Wenn er bisher trotz gelegentlichen Aus- brechens einige Zurückhaltung bewahrt hat und bei der bekannten Rede in Carcasfone sogar einmal einzulenken schien, so steht dem auf der anderen Seite entgegen, daß gerade die nationalistische Gruppe Marins am meisten gestärkt aus der Wahl hervorgegangen ist. Daß das auf die Außen' Politik Frankreichs, auch wenn sie von Briand weitergeführt werden sollte, von Einfluß fein muß, ist klar. Es märe möglich, daß sich der Gegensatz zwischen Poincars und Briand zu einem Kon« flikt zuspitzt, wahrscheinlich ist das jedoch nicht. Zunächst muß einmal abgewartet werden, ob Bn- and demnächst wieder von seiner Krankheit genesen und vollkommen frisch in die politische Arena zu­rückkehren wird. Ist das nicht der Fall, bann hat Poincars völlig freies Spiel. Angesichts aller die­ser Verhältnisse, die für uns keineswegs erfreulich find, ist es geradezu unverständlich, wie man sich bei uns in Deutschland vielfach selbst Scheuklappen umbindet und von einem Wahlsieg der Linken, von einem Ruck nach links sprechen kann. Man darf auch nicht übersehen, daß Bri­an d in seiner Wandelbarkeit, selbst wenn er neu- gestärkt die Leitung der Außenpolitik wieder über­nimmt, schnell bereit sein wird, s i ch den ver­änderten Verhältnissen anzupassen. Die Politik, die er gegenüber dem Kelloggschen Paktvorschlag zur Zeit befolgt, steht |o vollständig im Zeichen Poincarsschen und MarinschenRationa­lismus, daß diese Gruppen wohl mit ihr zufrieden fein können. Um so mehr müssen wir die Augen offen halten.

Die neue Mehrheit für poincare.

Paris, 30. April. (TU.) Im Laufe des heuti­gen Vormittags fand im Finanzministerium eine Konferenz zwischen Poincarä und Innen- Minister S a r r a u t über die durch die Wahl ge­schaffene Loge und eine Prüfung des allgemeinen Wahlergebnisses statt, um hieraus Schlüffe auf die Mehrheit zu ziehen, auf die sich die Regierung in der neuen Kammer stützen kann. Hierbei wurde auf die Zugehörigkeit der wiedergewählten Deputierten ZU den verschiedenen fiammergruppen und den ein Zeinen Parteien Rücksicht genommen, die sehr oft nicht überein stimmten. Aus Grund dieser Prüfung wurde heute nachmittag von dem Innen­minister folgende offizielle Statistik mit- geteilt:

konservative fS,

Republikanisch-demokratische Union 131, Demokraten ne

£inf»republllaner 106,

Radikale und Radikalfozialislen 123,

Republikanische Sozialisten 47,

Sozislisleo S. F. 1.0. 101,

Kommunisten B. 0. p. (Arbeiter-und

Bauernblock) 14,

Sozialistische Kommunisten 2.

Insgesamt 611.

Da» Ergebnis van Guadeloupe fleht noch au».

Diese amtlich: Statistik weiß zum Teil er­hebliche älnterschiedc von den Ausstel­lungen auf Grund der Wahlergebnisse auf. Ho teilt sie beispielsweise der Gruppe Morin (Republik.-demokratische Union) 27 und den Konservativen drei Mandate weniger zu, während sie die Mandatszahlen der Links- r e p u b l i k a n e r um 13, der Radikalsozio- listen um sechs, der Republik Sozia­listen um drei erhöht und die Republik. Radikalen sowie die A u 10 n 0 in i st e n die meist unter der Bezeichnung Unabhängige El­sässer ausgesührt werden nicht anführt. Dies« Unterschiede sind auf die Leichtigkeit zurück- zusühren, mit der die von einer bestimmten Par­tei ausgestellten und auf Grund des Parteipro­gramms gewählten Abgeordneten sich ihre par­lamentarische Grupp« selbst aussuchen und von einer Fraktion in die andere überg.hen fönnep. Die Regierung rechnet mit etwa 460 Depu­tierten, die sich alS Anhänger d e r P v- litik PoincareS erklären. Wenn man tn der neuen Kammer nur die Abgeordneten tablen- mäßig zusaminenfaht. auf bereu Unterstützung die Regierung bet dieser Gelegenheit rechnen kann, kommt man zu einer feften Mehrheit, di« derTemps" mit 370 bis 380 und bet »Intransigent" mit etwa 400 Stimmen berechnet. Sxcelsior" verzeichnet Gerüchte, nach dmen außer Dem nicht wiedergewählten Arbeitsminister F a l- l i ö re s weitere Vakanzen im Kabinett Pomcars eintreten könnten. Man spreche davon, (Innen­minister 6 a r r a u t zum Gouverneur von 3nbo» ch'.na zu machen. H« r r i 0 t habe di« Absicht kundgegeben, in Südamerika literarische Vorträge zu halten. Kolonialminister Perrier und Hcrn- delsminister Bokanowski würden vielleicht aus besonderen Gründen ihre Ministerposten auf­geben.

Aus aller Wett.

Grohseuer in Schlesien.

3n Dammer im Kreise RamSlau brach em Feuer aus, das sich bei dem herrschenden Ost­wind rasch ausbreitete, so daß in kurzer Zeit fünf Wirtschaften mit insgesamt 15 Ge­bäuden ein Opfer der Flammen wurde.' Die sieben anwesenden Feuerwehren hatten alle Mühe, die benachbarten Gebäude zu retten. Oie niedergebrannten Gebäude waren aus Hoh er­richtet. Eine Frau, deren Besitzung nom Feuer ergriffen wurde, ist durch den Schreck ge­tötet worden. Das Feuer soll durch Funken» flug von einem brennenden Queckenhaufen ver­ursacht worden sein.

Lin Telephougesproch

zwischen Genf und üruna (Bordschweden).

Das erste Telephongespräch zwischen Gens und der Stadt Tiruna In Nordschweden eint Ent­fernung von 3900 Kilometer wurde von dem schwedischen Konsul in Genf mit Mitglie­dern des Völkerbundsfekretoriats und dem Direktor der Tuollavaara Aktiengesellschaft in Tiruna ge­führt. Es ist dies das erste Telephongespräch, das bisher in Europa über eine solche Entfernung ge­führt wurde. Die Verständigung war tadellos.

Die Wetterlage.

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<vettcrvoraussage.

Flache Druckstörungen, die über Mitteleuropa vorherrschen, lassen noch keine beständige Wetter­lage auskomnien und ihre verschiedenen Lust­strömungen führen zu Bewölkung und zum Auf­treten von Riederschlägen

Wetteroorausfage für Mittwoch: Wollige», etwas kühleres Wetter mit zeitweisen Niederschlägen.

Witternngsaussichten für Donner»- t a a : Veränderliche» Wetter mit vereinzelten Nie­derschlägen, Temperaturen schwankend.

Lufttemperaturen am 30. April: mittags 20 Grad Celsius, abends 13,8 Grad Eelsius, am 1. Mai: morgens 14 Grad Celsius Maximum 21 Grad Eel­sius, Minimum 12 Grad Celsius.Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 30. ÄpriL abends 18,4 Grad Celsius: am 1. Mai: morgens 13,8 Grad Cel­sius. Niederschlag 0,1 Millimeter. Sonnen- scheindauer 11K Stunden.

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