Nr. 76 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Donnerstag, 31. März |92i
Die Verteidiger sprechen
Ungctlogtrn von Salomon und Schwing
vo Fortjetzung.
Nachdruck verboten
ior, wenn sie das Kind ausfindig machten!"
Angeklagte Heinz wird wegen Wan- ausreichenden Deweifea freigefpro»
Der qel- an ch e n.
Die
.. 3d) werde schon jemand finden. Geh _ etwas spazieren und atme tief. Lauf meinetwegen bis an den Hochwald. Oder nein! Sei punkttich bis 12 Uhr in Ludwigsthal. Du kannst dann mtt mir heimfahren!"
Märtyrer drr Liebe
Roman von 3. Schneide'-Förstl.
Das Urteil.
® l eben, 31. Mar-
Pünftl.ch um 11 Uhr vormittags betrat dat Schwurgericht Den Sitzungssaal Der Ik-rnncjibe Landgerichtsdirettor «L ra m er. verkündete alsbald Mgtnbrt Urteil:
-Der Angeklagte von Salomon wird we- gen Körperverletzung unter Einbeziehung seiner ZochtbauSstrale von 5 Jahren wegen der Ao- thenau^ache zn einer GefamtzvchtbauS« strafe von 6 Jahren 3 Monaten
der Angeklagte Schwing wegen Beibille jum versuchten Totschlag zu einer f fing» nisstrase von 1 Jahr 6 Monaten, woraus 8 Monate UntersnchungSbasi angerechnet Verden, verurteilt.
Der Gießener Femeprozeß.
'LLLw SÄ
„Danke!" rief sie in überschwenglicher Freude und warf ganz selig beide Arme um ihn.
„Du zerdrückst mein« Blumen!" zankte er.
Sie wurde rot. Der Chauffeur stand bereits am Wagen und sah noch ihr herüber.
Als dos Auto außer Sicht war, lief sic nach dem Schlafzimmer und begann -arte, weiße Rüschen auf eines ihrer schwarzen Kleider au nahen. Sie trug noch Halbtrauer. Die fianna lochte übers ganze Gesicht. „Mach' dich nur schön, klein« Liese. Das haben alle Männer gern. Wenn fie auch nichts tagen, sehen tun sie's doch." Sie sollte nur laufen, so weit ihre Füße sie trügen, an so einem gottvollen Frühlings- tag. Das rüttelt den ganzen Menschen auf, meinte die gute Alte.
.Und wenn du so viel Zeit hast, dann besuch' des seligen Herrn Grab und leg' ein paar Tannen- 3mc:g« darauf. Weißt du von den rolblühenden, die hat er so gern gehabt. Der Friedrich hält den Hügel in Ordnung. Das Hot er mir versp-ochen. Aber nachsehen kannst du jo einmal, ob alles schön qe- richtet ist!"
Elisabeth versprach alles. Als sie sich an der Straßenecke nochmals umwandte, stand Hanna ‘am Zaun und soh ihr nach. Sie winkt« grüßend zurück und schlug «ine rösche Gehört an, um die Stadt möglichst bald im Rücken zu haben. Rach kaum einer halben Stunde nahm der rauschende Hochwald sie auf. Sie stellte sich oeratmend aus di« Zehen und trank gierig die harzgeschwängerte Lust. Mit hell- grünen, kosenden Spitzen tasteten di« Deißtannen in die connenflut. Ein paar Anemonen lugten schüchtern aus dem Moos und wogten kaum, ihre Kelche zu öffnen, schlankgliedrig schoß feingeäftelter Farn aus dem feuchten, dunkelgrünen Moos. Unten rannte und sprang der Walüquell mit hurtigen Knaben- süßen, und über ihr in den Wipfeln schmetterte und schallte es aus hundert Kehlen.
Lochet und finget, nun ziehet der Len; über Berg und Wiesen und Wälder!
Don Blumen und Blüten und Lerchenschlag und Nachtigallen erzählt er!"
haben die Kosten de» Verfahrens zu tragen, die Kosten In der Sache Heinz werden der Staats- koste auferlegt."
Die Urteilsbegründung.
Anschließend an die Urteilsverkündung gab ’Vr Vorsitzende die Begründung des Rechrs- 'prucheS. aus der wir folgendes wiedergeben
Dos Schwurgericht Hot die Heberzeugung gewonnen, daß der Angeklagte Schwing' hinsichtlich der Tot nicht unvorbereitet war. Salomons Beteiligung an der Tot ist ebenfalls scsi- gestellt, von Aothttfe kann keine Rede sein. Aach der Heberzeugung de- Schwurgericht- hatte der Mittäter Kern von vornherein die Absicht, Wagncrzu beseitigen, d. h. zu töten. Die Acile v. Salomons noch Bad-Aouheim vor der Tal diente der Vorbereitung der strafbaren Handlung. Aach der Heb erzeug ung des Schwurgerichts konnte v. S a l o in o n nicht darüber im Zweifel fein, was Kern vorhatte, d. h . daß er Wagner töten wollte, v. Salomon hat hiernach in Kenntm- der beabsichtigten Tötung Wagners in bewußtem und gewolltem 3ufammentoirfcn mit Kern dessen Pläne zu verwirklichen und herbei- zusühren versucht, und hat hierbei mit Heber- legung gehandelt. Da- Schwurgericht steht auf Dem Standpunkt, daß Die Tat nicht In mehrere Abschnitte zerfällt, sondern al- eine einzige Handlung anzusehen ist. Da- Gericht ist weiter der Ansicht, daß v. Salomon dem Kern den Revolver abgenommen hat. Hiernach ist do« Gericht zu Der Heberzeugung gelangt. Daß der Angeklagte v. Salomon von dem Versuch der Tötung freiwillig zurückgetreten ist. Wohl aber hat er sich Dadurch, daß er vorher gemeinschaftlich mit Kern auf Wagner einlchlug. einer Körperverletzung im Sinne des 8 223 des Strafgesetzbuches schuldig gemacht.
Dem Angeklagten Schwing konnte efl nicht zweifelhaft sein. waS beabsichttgt war. unzweifelhaft hat Schwing erfamxl, um waS es sich handelte, al- Wagner am Boden lag. ®r hat die Handlung Der anderen Täter unterstützt, aber ohne Heberlcgung. Aach der Heberzeugung de- Schwurgenchtcs kann die Anwendung des tz 51 StGB, für Schwing nicht in Betracht kommen, Da Die freie Willensbeftinimung Schwing- nicht ausgeschlossen war. Schwing üft deshalb wegen Beipilfe zum versuchten Totschlag zu verurteilen.
Hinsichtlich de« Angeklagten Heinz ist eine Anstiftung zu Der Tat und Beihilfe nicht fest- gestellt und nicht erwiesen. Er mußte daher mangel- ausreichenden Beweise- sreigesprochen werden.
3n bezug auf die Angaben bei Zeugen Schmidt ist zu bemerken, daß dieser Angaben gemacht hat in einer Weise, die dem Gericht nicht Die Möglichkeit gab, zweifelsfrei« Feststellungen zu machen. Diese Zeugenaussagen waren zu unbestimmt und unklar, sichere Feststellungen ermöglichten fie nicht. Auch die Aussagen Schmidts übet Heinz gaben keine Möglichkeit, Belastendes für Heinz sestzustellen.
Hinsichtlich Der Kosten wurde nach den gesetzlichen Vorschriften verfahren.
„Ein nettes Kind das, mit dreiunddreißig Zähren!" warf er gutgelaunt ein.
.Lch hab' sie immer auf dem Strich gehabt . . ." „Weiß ich schon", sagte er lachend.
„Lassen Sie «inen doch ausreden, Herr Doktor!" ereiferte sie sich. „3ch meine ja die gnädige Frau von Ludwigstal."
.So? . . . Also die Nella! . . . Na, ich will's gelten lassen!"
„3a!" nickte sie fest. „Aber jetzt bin ich ausgeföhnt mit ihr. 3d) hält' es nicht für möglich gehalten, daß diese Frau sich so um die Frau Doktor annimmt und noch obendrein behilflich fein will, den kleinen 3un- gen zu finden!"
„Und nun möchte man eben zu gerne wißen, was in dem Briefe steht", sagte er belustigt. „Daß Sie mir nichts verlauten lasten von der ganzen Sache. Schließlich kommt eines Tages so ein Vagabund und stellt sich mir als Schwager vor!"
Die Hanna entrüstete sich ehrlich. Wie er nur so etwas denken könne. So'n feines Kind sei das gewesen und sicher etwas ganz Hohes geworden.
„Hm!..." Reichmann schnitt den Umschlag sorg, faltig auf und überflog rasch die wenigen Zeilen. „Nichts Neues!" teilte er ihr etwas enttäuscht mit. „Die Spur ist durch die Länge der Zeit zu sehr verwischt. Ist ja nicht anders möglich. Er kann geradeso gut auch schon gestorben sein!"
Hanna nickte wottlos und ging nach der Küche. Reichmann faltete den Bogen zusammen und steckte ihn in seine Brusttasche. Ehe er das Haus verließ, sprang Elisabech die wenigen Stufen vom Vorgarten herauf. Sie hielt ihm ein Büschel Schneeglöck- chen entgegen.
„Schenk' sie einem deiner Kranken, Georg!"
„Einer Dame?"
„3a, auch! Der eben am nötigsten einer Freude bedarf!"
bauen. Man ist also nut auf die Aussagen Salomons und. Schwings angewiesen. Daß von den Aussagen -chwmgs nichts zu halten ist. wurde schon von den beiden anderen Verteidigern und auch vom ctaalsanroaH gesagt- diese Auslagen scheiden also aus, insbesondere auch die Steingeschichte, an die id) ebenfalls nicht glaube. Dagegen steht die Glaubwürdigkeit Salomons außer ledern Zweifel Weiter müssen wir auf die außerordentlich klaren Aussagen des Zeugen Tillesien zurückgreisen. Die ganz« Sache ist nur die: es handelt sich um ein« Abreibung", um eine spontane Körperverletzung Die Anklage gegen Heinz fällt damit von vornherein, denn bei Körperverletzung gibt es keine Anstiftung. Von Mordversuch kann gar feine Rede fein. Wir haben hier ein ganz ungewöhnliches Zeugenaufgebot gehabt. das nicht gegen Salomon und Schwing qe- richtet war sondern lediglich gegen Heinz. Wie wenig die Anklage gegen Heinz non vornherein ge rechi'ertigt war, beweist am besten das Erhalten des Oberstaatsanwalts, der zu der Ansicht gekommen war, daß die Anklage gegen Heil z sich nicht halten ließ und infolgcbeffen im Einverständnis mit dem Untersuchungsrichter Hein; aus der Untersuchung:- haft entließ: das beweist ferner, daß der Staats- anwalt erst zu Weihnachten die Sach« bekommen hat und daß van oben angeordnet war, die Anklage zu erheben. 3ch führe dos nur an. um zu zeigen, auf wie schwachen Füßen die Anklage gegen Hein; steht. Da die Anklagebchorde dem Angeklagten immer die schuld nachweisen muß, könnte ich ja sagen „Sprechen Sie den Angeklagten frei!", und ich wurde damit nur dem folgen, was der Staatsan- ivalt selbst gesagt hat. Ich muß aber weiter noch einige Streislichter auf den Mangel an Schuldbewei •en bezüglich Heinz' werfen. Hierin- kritisiert der Redner vor allem die Aussagen des Zeugen Schmidt „Halbfchuh", dessen Zeugen f a h i g k e i t er ablehnt und dabei bemerkt, daß die Angaben dieses Zeugen „im Halbschuh stecken geblieben" seien. Wei- ler tagt der Verteidiger- Daß der Zeuge Schmidt- „Halbschuh" glaubwürdig sei, dafür ist wohl nur Der Wunsch der Vater des Gedankens, aber Tat- ; lachen hierfür find nicht da. Ich pflichte dem Staats- i anwalt darin bei, daß gegen Heinz keine Verdachts- Momente vorliegen, die die Anklage rechtfertigen. Die Beweisaufnahme hat einwandfrei ergeben, daß Hein; mit dieser Sache gar nichts zu tun hat. Durch die eingehende Beweisaufnahme ist der unzweideutige Nachweis erbracht, daß Heinz an dieser Tat völlig unschuldig ist. Ich lege Wert darauf, daß durch einen Beschluß des Gerichts diese Unschuld Heinz' ausdrücklich feflgeftellt und Heinz für die unschuldig erlittene Untersuchungshaft eine Entschädigung ge- währt wird. Geben Sie, meine Herren Geschworenen und Richter, Heinz die Genugtuung, die er verdient hat, sprechen Sie ihn frei, beftätigen Sie i h rn feine Unschuld, ge- währen Sie ihm ferner eine angemessene Entschädigung für die unschuldig erlittene Untersuchungshaft und legen Sie die Kosten (einer Verteidigung der Staatskasse auf.
„Ich bin ganz fiebrig," gestand sie, näher an den Tisch tretend. „O Gott, o Gott, wäre das eine 5reube für die Liese, das heißt für die Frau Dok
Schlußworte von der Anklagebank.
Im Anschluß an die Plädoyers der Verteidiger erklärte der Angeklagte o. Salomon nochmals, daß er zu dem stehe, was er hier ausgesagt habe, und daß er bereit sei, das jederzeit zu beeiden.
Angeklagter Heinz bittet um weitestgehende Milde für seine Kameraden
Hierauf zieht sich der Gerichtshof gegen 5S Uhr nachmittags zur Beratung zurück.
Die Urteilsverkündung auf Donnerstag vormittag anderaumt.
Nach etwa dreistündiger Beratung erscheint das Gericht kurz vor 84 Uhr abends wieder im Sitzungssaal. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor C r a me r, verkündet als Gerichtsbeschluß, daß die Weiterbe- ratung auf Donerslagoormittag vertagt sei und die Urteilsverkündung am Donnerstag, 11 Uhr vormittags, stattfinden werde.
DerDerLeidiger des Angeklagten Schwing, RA. Lu ey
sagt u. a.. Wenn man Schwing gerecht werden will, muß man seine krankhafte Eigenart als schwerer Psychopath und willensschwacher Mensch beachten und zum Ausgang nehmen. Dieser Eigenschaft hat der Staatsanwalt selbst schon insofern 'Jtedjnung getragen, als er das Zeugnis Schwings als unglaubwürdig fallen gelassen hat. Trotzdem hat aber der Staatsanwalt einen so schweren Strafantrag gegen «chwing gestellt, daß ich ihn nicht verstehen kann. Es ist durd; nichts bewiesen, daß Schwing irgendeinen Mordplan^gehabt hat. Für den Vorgang zwischen Stern und Schwing vor Der Tat haben wir nur einen Zeugen, nämlich Schwing selbst, der unglaubwürdig ist und auf dessen Zeugnis man nichts geben kann. Auch ich bin der Auffassung, daß die Steingeschichte eine Phantasie ist: ursprünglich war davon nicht die Rede, sondern erst seit den Frank- furter Protokollen tritt diese Geschichte auf. Im Gegensatz zum Staatsanwalt stehe ich auf dem Standpunkt, daß dem Angeklagten Schwing für den Vorgang am Nauheimer Teich der Schutz des § 51 voll zuzubilligen ist. Die Handlungen vor der stellen sich lediglich als Vorbereitungshandlungen dar. Deshalb ist es sehr wohl möglich, daß die Tat sich auch ohne Schwings Mitwirkung zugetragen hätte. Nach meiner Aussassung kommt bei -schwing unter gar keinen Umständen eine oorsätz. Uche Tötungsabsicht in Betracht. Dafür spricht \a auch das Zeugnis Tillessens. Eine Bestrafung Schwings kommt auch nxgen Körperverletzung nicht in Frag«, denn nach keiner Richtung liegt ein Vor- satz vor. Für Schwing kommt nach meiner Auffassung überhaupt keine strafbare Handlung in Betracht. Zudem handelt es sich hier um einen schwer kranken Mann. Ich bitte deshalb um die Frei- sprechung Schwings und Auferlegung der Kosten auf die Staatskasse.
Der Verteidiger Heinz', RA. Schlink
bemerkt einleitend, daß hier ein großes Aufgebot um nichts gemacht worden fei. Weiter sagt Der Red- ner: Der Hauptzeuge Wagner weiß nicht das geringste mehr von der Tat. Einen Tatbestand kann man auf den Aussagen dieses Zeugen nicht auf-
3n Der AachmittagssiNung, Die kurz, nach 2y, Hhr beginnt, spricht als erster
der Verteidiger o. Salomons, RA. Lütgebrune.
Sr erinnert zunächst an Die von VöSle im Jahre 1620 gesproa-e.en Worte, Der Den Freikorps Dank sagte für Deren Eintreten für Den Deutschen Staat, für Oberschlc icn. Weiter er- Härt Der VerteiDiger. Daß er Die Sache lediglich als Jurist betrachten welle, und sagt Dann u. a.: Die Organisation C hat niemals bestanden, ein entsprechender Statuten.n:tourf ist nie in Straft getreten Durch Feststellungen Des Oberreichs- anwalts ist DaS Märchen von Der Feme endgültig aus Der Wett geschafft worden. 2lui Die Bewertung Der Aussagen e.ner ganzen Reihe von Zeugen (Stengel, Dr. Schmidt, Maslak usw.) will ich hier verzichten. Was rind) interessiert, liegt auf Dem Gebiete Der Zeugnis sähigkeit, Denn auf Die ganze Einstellung De5 Zeugen kommt es an. Ein solch?r Zeuge, wie SchmiDt- .Halbschuh", ift kein \kuge. dieser ft ein Mann, Der irgendwelche kurze politische Mitteilungen, Die ihm gemacht wurden, mit irgendwelchen Kombinationen in Verbindung brach!« Das ist Das Gefährliche solcher Zeugen. Denen man vom Staudpuickl Der vft)chologischen Wissenschaft die Zeugnisfähigkeil abspricht weil sie irgendetu Zipfeld-en von tatsächlichen Ereignissen mtt allen möglichen Kombinationen vermischen. Das ist auch die 2lrt Schmidt-,Halbschubs '. Gegen einen solchen Zeugen ist größte Bor'.chi geb-len. Denn hier ist eine -3eug.iiS-ä igfeit, Die eipentlid) le i n c Zeugnissähigkeit ist. Es ist ein Glück für von Salomon, daß er dos Gegenteil von Dem naa>- gewiesen hat, was Schmidt-.Halbschuh' hier aus- sagte. Bezüglich Der Glaubwürdigkeit bzv Der Verwendbar leit Der Bekundungen Schmidt-,.Halbschuhs" braucht man sich nach alledem wohl nicht mehr zu unterhalten. Zeuge Kauter hat Doch auch ausdrücklich bekundet, daß eine Feme-Bestimmung in dem Sinne, daß man einen Menschen ohne weiteres über den Haufen schießen könne, nicht bestanden hat. Wenn man jetzt Die .Schwarze Reichswehr" zu Hilfe nimmt, so macht man einfach einen Salto mortale. Mit diesem Mordplanersatz im Femegrist ist es also nichts. Für mich steht als wirkliche Hrfadje Der stier zu beurteilenden Tat feft: Wagner feierte Den gelungenen Sieg von Baumburg in seiner Weise recht länglich, währenD sick) Die andern jungen Leute mit Pfennigen mühsam Durchschleppen mußten. AuS Dem Berger der jungen Leute, daß Wagner aus feiner Mitwirkung bei der Sittmar- sache lustiges Kapital schlug, en.stand Die Bau- Heimer Tot. Die eine „Abreibung" als Ausfluß d«S Aergers fein sollte. Ich kann nicht einsehen, wie aus Dieser Sache ein ausgeklügelter MorD- plan entstanden sein soll, geylt doch jedes Motip für einen ernsten Mordplan. so Dermag ich auch nicht zu übersehen, wo ein solcher Plan besprochen worden sein soll. Ich bin der Auffassung; Daß Kern dem Wagner lediglich einen DenkzettÄ geben wollte, damtt dieser sein Luderleben in Frankfurt aufgebe. Es kann keine Rede davon fein, Daß Kern Den Wagner umoringen wollte, sondern er wollte ibn in. ö. lediglich von Frankfurts teurem Pflaster wegbringen und ihm zu diesem Zwecke sogar eine Stelle in Aorddeutsch- lanD besorgen. -Ich bin auf Grund Der ganzen Feststellungen im Prozeßverlauf Der festen Heber- Beugung, daß Stern auch noch in der Hupseld- Diele in Aauheim keine Lötungsabsicht hatte. Mit nichts ist erwiesen, daß irgendeine Absicht oder eine Abrede über eine Lotung Wagners bestand' sicher ist. daß Kern selbst bis zu dem Augenblick, wo er an Wagner heranging, von Dem Tatverlauf noch gar keine Vorstellung hatte. Ich bin Der Meinung, daß Kern auch noch am Aauheimcr Teich Dein Wagner lediglich einen .Abreiber" versetzen wollte. Ich bin ferner der
Merkwürdig, was so eine Frau alles zuwege bringt, dachte er halb verärgert, halb gerührt Sic macht noch einen ganzen Pantoffelhelden aus mir, schloß er seine Gedankenreihe. Roch ehe Elisabeth sich ausgekleidet hatte, war er schon im Einschlafen. Urti) fie war selig darüber, daß ihm nun ein paar Mehrftunden der Ruhe gegeben waren. —
Der Lenz ist da! So über Nacht war er gekommen. Elisabech konnte es nicht fasten, nicht glauben. Als fie am Morgen die Läden öffnete, lag strahlende Frühlingssonne über dem ©arten. 3m Birnbaum, der das Rondell ausfüUte, lärmten die Stare, flatterten und schrien und vollbrachten einen Heidenlärm, als seien fk nun die alleinigen Herren von Eisenbach. Drunten auf der Straße rannen glitzernde Wässerlein, eine Spatzensamilie fluberte vergnügt in dem Naß, bebuschte sich und flatterte schwatzend in die Sonne. Aus dem Rasen, der die Wege säumte, sproßte helles, lachendes Griin. Ein Schneeglöckchen guckte vorwitzig in die Lenzespracht, mb nebenan streckte eine Primel ihren dicken Stengel in die warme Luft.
„Lachet und finget, nun ziehet der Lenz
Ueber Berg und Wiesen und Wälder!" jubelte Elisabeth in den herrlichen Morgen. Sie mußte die Arme ausbreiten als könne sie dann alles umfassen, was sich dem Auge Holdseliges bot.
„Fragen Sie meine Frau, was ihr fehlt," sagte Reichmann zu Hanna, bi« ihm eben den Kasse« ins Wohnzimmer trug.
„Fehlen?" meinte sie höchlichst verwunbert.
„Nun, sie schreit ja bie ganze Stabt wach! Hören Sie’s denn nicht?" Er verbiß mühsam ein Lachen.
„Alle Heiligen, das ist doch gesungen, Herr Doktor!"
„So! . . . Hm . . . also gesungen ist das."
Hanna merkte erst jetzt, daß er sie ulkte. Sie nahm bas Seroicrbrctt mit festem Griff und verließ das Zimmer, kam bann noch einmal zurück und reichte ihm mit einem verstohlenen Lächeln einen Brief in fliederfarbenem Leinen, dem hauchzarter
Verletzung, Schwing wegen Beihilfe zum versuchten Totschlag verurteilt.'^Heinz fr7i/espr°chen
- - Ä MÄÄÄ ^-n. ... .... .... -...... — -
geschtchte < bekanntlich sollte Wagner beim Hin- euxtnerfen in Den Teich mit einem Stein be- schweri werden. D. Red.) ist m E nicht er- wiesen. Der Behauptung des Staatsanwalts, daß b ®a 1 ® m,°n und nicht Kern am Teich ge- schallen habe, stehe ich völlig verstänDnisft»- gegenüber. Diese Acuherung ist nicht- anderes als eine pure einseitige Behauptung Des Staatsanwalts, für Die in Der Beweisaufnahme kein Beweis erbracht worben ist. Hctt Salomon hier irgend etwas unternommen, um einen Teil Der ^DuID auf Kern abzuschieben? Ich kann lagen, P°B ©alomon Der BertciDigung sogar Die schuer- Uen Hindernisse in Der Richtung gemacht hat. Daß er verlangte Kern nicht zu belasten, er wolle nicht. Daß sein toter Freund belaste: werde woviel über Die sachlich« Sette der Angelegem?eii. Hnd nun zur rechtlichen Seite bei Sache ° Der Aedner weist in diesem Zusammenhang auf mehrere grunDlegenDc AeichsgerichtSentscheidungen in analogen Fällen und auf Kommentare hin, und sagt dann weiter' Ich halte Den Standpunkt Des Staatsanwalts nicht für richtig. Gs kann keinem Zweifel unterliegen, daß Salomon hier nicht als selbständiger Blittäter, sondern nur als G« Hilfe seines älteren Freundes, den er verehrte und auch als militärischen Vorgesetzten aniah, in Betracht kommt. Ich.bin der Ausfassung, daß v. Salomon lediglich wegen Beihilfe an der Körperverletzung zur TerantDoitung ju ziehen ift Alles andere muß nach meinem Dafürhalten ausscheiden. Ein Hrteil, wie es der Staatsanwalt verlangt, ist juristisch unhaltbar und menschlich unfaßbar
Elisabeth legte den Arm um einen Birkenstamm, der zwischen den ersten Weißtannen lehnte, und fang mit den Vögeln um die Wette.
Zwei Kinderhände katschten Beifall.
„Wie schön du fingen kannst, Tante Elisabech!" Ein feines Rot auf Den Wangen, streckte die junge Frau der kleinen Annrnearie Die Rech'e entgegen. -Wo kommst du denn her,- Waldvöglein?" frug sie lächelnd.
..Direkt von zu Hause, Tante. Es war so langweilig. Der Onkel Doktor sitzt schon über eine halbe Stunbe bei Mutti. Aber er ist gar nicht luftig. Und die Mama auch nicht. Sie sprechen sehr ernst und bi« Mutti hat etwas gesagt von Verreisen. — Hier ist «s schöner!"
„Welcher Onkel Doktor?" forschte Elisabech.
.Dnkel Reichmann boch!" gab bas Kinb erstaunt zurück.
An Elisabechs blasser, beinah« ins Graue spielen- der Farbe trug bas weich«, grüne Licht ber Tannen keine Schuld. Die ©lieber waren ihr plötzlich wie mit einer lähmenden Masse durchsetzt.
.Was tat er bei ihr? Das wollte er mit feinen Be'uchen bezwecken? Die alten Beziehungen wieder anknüpfen? — Pfui! Wie häßlich, so schlecht von ihm zu denken!" strafte sie sich im Herzen selbst. Aber die Gedanken waren wie unartiae Kinder. Sie ließen sich nicht oerfcheucben und kamen immer wieder. Der Kleinen siel ihre Dortkargheit nicht im mindesten auf. Unentaeat plauderte fie weiter und hüpfte bald hier, bald dorchin, etwas zu pftücken oder genau in Augenschein zu nehmen.
„Wozu brauchst du das lannengrün, Xante?" erkundigte sie sich.
„Für Vaters Grab!" kam es gedrückt.
brauchst du dich nicht so abzuschleppen," meinte sie altflun. .Mama schickt schon seit Wochen Blumen aus unserem Treibhaus hinüber in Den Friedhof. Dein Vater liegt schon. Gan; unter
Die rosige Farbe auf Elisabechs Wangen vertiefte sich ;u einem brennenden Rot. Rella schmückte ihres Vaters Grab. Dafür wurde sie von ihm oerbädiftat. Die undankbar.
Jtomm mit zu uns!" forderte Annemarie sie nun auf.
„Nein."
(Fortsetzung folgt)
Duft ber gleichen Blüten entströmte. Am frühesten I „Gut!. Morgen, als Elisabech noch schlief, hatte ihn der | gleich jetzt Ludwigstaler Bote gebradjt und ihn ihr übergeben. Die Hanna war verschwiegen wie ein Grab, wenn es sein mußt«.


