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den Vertretern der Serrfforfcn kn DrtNfch»-Zen­tral- und Ostafrika, die die jüngst stattgehabte Kolonialkonferenz besucht haben: daß irgendeine Form engerer Vereinigung zwischen den Terri­torien von Zentral- und Ostafrika wünschens­wert erscheint, besonders in Hinsicht auf die Ent­wicklung des Transport- und Verkehrswesens, des Zolltarifs und der Zoll-Verwaltung, wissen­schaftlicher Versuche und der Verteidigung."

Zu den Territorien« in Zentral- und Ost­afrika unter Englands Herrschaft gehört natür­lich auch Tanganyika, d. h. D e u t s ch - O st - a f r i k a , das mit Kenya und Uganda von dem Mandatar, also England, in eineZoll-, Fis­kus- und Verwaltungs-Llnion oder Föderation" gebracht werden soll.

Daß der vage Zusatzunter eigener Kon­trolle oder Souveränität, vorausgesetzt, dah die Maßnahme zu diesem Zweck nicht die Fürsorge des Mandates beeinträchtigen", dabeisteht, hat höchstens Bedeutung insofern, als er der Völ- terbundkommissivn für das Mandats­wesen Sand in die Augen streut. England pfeift auf diese Kommission, wie die Fälle Aegyp­ten-Sudan, Abessinien, Irak, Kerak und noch andere es hinlänglich beweisen. Dann wird der Zusatz illusorisch dadurch, daß auch dieVer­teidigung" in dieseUnion" gehört. Das heißt, im Ernstfälle nimmt England seine schwarzen Rekruten ebenso aus Derttschostafrika, um sie nach irgendeinem beliebigen Kriegsschauplatz zu sen­den, wie es die Inder, *;?gcn Recht und Ver­pflichtung, nach Europa gesandt Hot.

Zum Schluß kommt ein sehr wichtiger Punkt. DieTreuhänderschaft" als Mandotsmacht soll nicht Mehr ausschließlich von der englischen Re­gierung, sondern teilweise von denKolonisten und Residenten" in diesen Gebieten ausgeübt werden. Das ist der wundeste Punkt des Weiß­buches, der von Mr. Thomas aufgegrisfen wurde. Das Mandat als solches wird durch eine solche Verwaltung illusorisch. Denn gerade diese Kreise sind es, die von einer Selbstbestimmung und Selbstregierung der eingeborenen Bevölkerung nichts wissen wollen, der sie nicht einmal Gleich­berechtigung zugestehen, obwohl der kleinste Reger- besiher in diesen Gebieten mehr Steuer bezahlt als der schwerste Weiße Millionär. Llnd alles, was weiß ist, ist gegen alles, was Deutsch ist. wie uns Südwestasrika beweist, wo Buren und Engländer getreulich gegen die Deutschen zu­sammenhalten, um nur ja die evtl. Rückgabe dieses Mandates zu verhindern.

Klingen muß es ja immer, als wenn die Satzungen des Völkerbundes aufs peinlichste er­füllt würden. So heißt es in dem Weißbuche: Jedes Jahr gewähren wir mehr Erleichterungen in bezug auf Eingeborenenerziehung, und obwohl in manchen Orten viele Jahre vergehen mögen, ehe der Eingeborene direkten Anteil an der Zentral-GeseLgebung nehmen kann, sein Platz in der Politik muß vorbereitet, Schritte müssen unternommen werden, eine Maschinerie zu schaf­fen, durch die die Selbstregierung der Einge­borenen entwickelt werden kann, zuerst rein lokal, dann in größeren Gebieten."

Der Welt und dem Völkerbund gegenüber hat England so das Gesicht gewahrt, wenn auch kein Kolonialpolitiker Englands auch nur im Traume glaubt, daß je ein Tag kommen könnte, an dem von England einer Kolonie völlige Un­abhängigkeit zugestanden werden würde.Das gehört in eine entferntere Zukunft", meinte Ko­lonialminister A m e r h nach dem Bericht eng­lischer Zeitungen. Diese Zukunft liegt wo? Und wann?

Uns bleibt bei der gegenwärtigen Lage der Verhältnisse zur Zeit nichts übrig als zu pro­testieren. Und das Recht haben wir, und wir können es mit Recht: Denn Deutsch- Ostafrika. heute Tangantzika-Territory, ist nicht englischesTerritory", es ist und bleibt nach Friedensvertrag und Völkerrecht Mandatsge­biet so lange, bis die eingeborene Bevölkerung fähig ist, sich selbst zu regieren, d. h. ihr eigenes Geschick zu bestimmen. Und bann, und darum braucht uns nicht bange zu sein.

Evangelische Volksgemeinschaft und Neichsschulgesetz.

Die Evangelische Volksgemein­schaft hat, wie sie uns mitteilt, folgende Stel­lung zum Reichsschulgesehentw urf ein­genommen:

.T/rsaexaaTCTeeeeaHHBDBeeaHBäDSBMeroeeeeeeBie

Dke SvcmgeUsche VvIkSgemelnschaft begrüßt, daß endlich ein Rex chsschulg^seh entwarf vorliegt. Sie steht auf dem Standpunkt, daß das Reichs- schulgeseh die Form eines Rahmengesetzes ver­lassen hat und den einzelnen Ländern und Landes­teilen nicht die Möglichkeit der freien Entwicklung der dem Lande und der Tradition angepcrßten Schulformen gibt. So gut die Evangelische Volks­gemeinschaft aber die den einzelnen Ländern angepaßten Schulformen durch Landesgeseh fest­gelegt sehen möchte, wird sie sich mit Entschieden­heit dafür einsehen, daß die auf jahrzehntelanger Erfahrung aufgebaute Simultanschule christlichen Charakters in den Ländern Hessen, Baden, Hessen-Rassau, Thüringen. Frank­furt a. M. usw. erhalten bleibt, da durch ihre Zerschlagung die seither bestehende Volks­verbundenheit zerstör! wurde. Sollte dieser Reichsschulgesehentwurf zur Annahme gelangen, damit die christliche Simultanschule der füdwrst- deutschen Länder vernichtend, so steht die Evan­gelische Volksgemeinschaft vor einer neuen Sach­lage, zu der sie sich ihre Stellungnahme, genau wie die übrigen Parteien, vorbehält."

Oderhesien.

Landkreis Gießen.

£. Wieseck, 30. Äug. Vor einigen Tagen stürzte der 74 Jahre alte Landwirt Karl Schäfer I. so unglücklich von seinem Wa­gen, daß er sich mehrere Rippenbrüche zuzog. Er wollte während des Fahrens vom Wagen aus die Bremse anziehen, wobei er das Gleichgewicht verlor und herabstürzte. An den bei dem Sturze erlittenen Verletzungen ist der Verunglückte gestern gestorben. Rachdem seit gestern nachmittag der Wiesecker Weg für den Verkehr wieder frei gegeben wurde, konnte der Autobetrieb des Gemeindever­bandes Wieseck-Alten-Buseck von heute morgen ab wieder in normaler Weise ausgenommen werden. Dadurch kommen zur allgemeinen Zufriedenheit die durch den ilmtocg bedingten, hier und da vorgekommenen Verspätungen in Forffall.

n. Trohe, 26. Aug. In einer gemeinsamen Sitzung des Orts - und Schulvorstan­des sowie der hiesigen Mitglieder des Kir- chenvorstandes und der Kirchenge- meindevertretung wurde heute beschlos­sen, daß vom 2. Oktober d. I. an allmonatlich einmal hier regelmäßig Gottesdienst stattsinden soll, und zwar vorerst im Schulsaale. Der Schulvorstand hatte schon vorher dazu seine Zustimmung gegeben. Mit dieser Einrichtung selbständiger Gottesdienste wird einem Wunsche namentlich älterer Gemcindealieder entsprochen, für die der Besuch der Kirche zu Alten-Buseck vom Herbst bis zum Frühjahre sehr erschwert, bei ungünstigem Wetter oft geradezu unmöglich war.

t Allendorf a. d. Lda., 29. Aug. Wäh­rend unser erstes diesjähriges M i s s i o n s f e st an Himmelfahrt der äußeren Mission gewidmet war, führte das gestern beim schönsten Sonnen­schein gefeierte zweite in die Arbeit der Volks- Mission ein xmd stand unter dem Gedanken: Kirchengemeinde und Jugend." Zuerst sprach der Vvlksschriftsteller Heinrich R a u m a n n Ranzhausen int Anschluß an ein Psalmwort über dieses Thema und ermahnte in ernsten Worten Eltern und Kinder, bei GotteS Wort zu bleiben. Der zweite Redner, Pfarrer Hill (Dalsheim), der schon im Dormitlagsgottesdienst gepredigt hatte, redete über Daniel Kap. 1 und stellte der Jugend den jungen Daniel als Vorbild eines wahren Gotteskindes hin, der furchtlos und treu den Geboten seines Gottes folgt unb allen Ver­suchungen zum Abfall widersteht. Gemeinde­gesänge und Vorträge eines Posaunenchors, der sich allerdings den in der hessischen Landeskirche gebräuchlichen Melodien etwas mehr hätte an- baffen sollen, verschönten die Feier, die von dem Ortspfarrcr mit einer biblischen Ansprache er­öffnet und geschlossen wurde.

V Lich, 29. Aug. Die Stadt Lich laßt gegen­wärtig eine Reihe baulicher Arbeiten ausführen: Der Neubau der Kl e i n k i n d e r s ch u l e ist begon­nen und schreitet rüstig vorwärts. Mil diesem Bau will die Stadt nicht nur für die Kleinsten in schöner Weise sorgen, denen hier ein würdiges, neuzeitlich ausgestattetes Heim bereitet werden soll, sondern sie lindert auch die Wohnungsnot, in dem sie zwei Woh­nungen in dem neuen Gebäude einrichtet. Auch die »Iiinmii», mc9w»iiui»m IMUL'WH

Wischen simsml) sieben

Roman von Liesbet Dill.

Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin.

2. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Weshalb dieser Brief?

Bon wem konnte er sein?

Wer mar dieser Feind ... der ihm das antat, in letzter Minute? Diese Botschaft... so raffiniert und grausam war nur eine Frau . . . Aber wer, wer, wer? ...

Er ging alle Frauen durch, die er gekannt und geliebt . . . und vergessen hatte . . . Gesichter tauchten auf . . . eine junge Violinistin . . . eine blonde Schwedin . . . die kleine Gräfin, die Toch­ter eines spanischen Gesandten . . . Schülerinnen, die ihm Briefe geschrieben hatten und leidenschaft­liche Geständnisse abgelegt. Erlebnisse, die man mitnahm, genoß und vergaß . . . Was bedeuteten sie ihm nach Melitta? Seit ihr hatte er keine ander« Frau mehr angesehen.

Die sieben Jahre ihrer Ehe, in einem Glücks­rausch begonnen, hatten nie ein Mißverständnis ge­bracht, nie eine Szene nie einen Kampf. Dar es möglich, daß er in dem letzten Jahr mehr an feine Gesundheit gedacht hatte als an Melitta? Kam es ihm jetzt nur so vor, als habe sie sich feit einiger Zeit von ihm entfernt? ... Sie ging viel aus, meist ohne ihn, und er war ihr dankbar, daß sie ihm gesellige Pflichten, die ihn von seiner Arbeit a'.chie'.ten, abnaym. Diese oberflächliche Welt, in deren Luft sie groß geworden war, langweilte ihn, denn sie gab ihm nichts. Er rounberte sich oft, daß sie so gern mit diesen äußerlichen Menschen umging, die seiner und ihrer Kunst innerlich so fern stan­den. Trotzdem es war schließlich ihre Welt... Sollte---sie... zum erstenmal kam ihm ein

entsetzlicher Verdacht ... daß sie ihn täuschen rennte ...Er empfand einen Stich in die Brust. Ein anderer vielleicht? Mer wer--9

Das Trompetengeschmetter klang ihm unerträg­lich in die Ohren.

Melitta! Wenn etwas mit ihr märe!... Nicht daran denken ... es ist nicht gut... ernste Prognose ... viele haben Herzleiden ... Schmidt hat es schon

seit zwanzig Jahren... heul' ist er siebzig. Da saß der Alte und geigte Strich für Strich... nur sein Gesicht sah so sonderbar verfallen aus... Melitta, Melitta... schlug dex Hammer in feiner Brust. Nur nichts erleben mit ihr... nur keine Enttäuschung, keinen Betrug ... Das würde alles vollenden, ganz rasch... Ich sollte sie vorbereiten ... meine Ange­hörigen ... Seine Familie bestand nur in dieser jungen Frau und ein paar armen Verwandten in einer entlegenen pornmerschen Stadt am Meer... Die erste Frau?--Ach nein. Sie schrieb keine

Bries mehr. Sie war nun still geworden, lebte in dem kleinen mecklenburgischen Städtchen. Er hatte nie mehr etwas von ihr gehört ... Wie kam er auf diesen Zusammenhang? Dieser Bries bedeu­tete etwas ... einen Anfang ... ober ein Enbe...

Manfreb fühlte feinen Arm schwer werben, als fei er mit Blei gefüllt. Er hob und senkte ihn nur noch mechanisch. Die Opale in der Marmorwand erinnerten ihn an Frauenaugen ... Sie funkel­ten grün und falsch im Licht der strahlenden Kri- stalleuchter, die zwischen Marmorsäulen herab- hingen.

Hoch oben, dicht unterhalb der goldglänzenden Decke, brauste die Glücksgöttin in ihrem Sieges­wagen, gezogen von silbernen Rossen, dahin. Wie oft hatte er sie anaeschaut, zerstreut und gedanken­los ... Heute empfand er die byzantinische Pracht des Saales wie einen körperlichen Schmerz.

Plötzlich, mitten im süßen Gesang der Geige, tauchte dort an der bunten Marmorwand ein Schat­ten auf. Er hatte nie an seine erste Frau denken können, ohne sich den Vorwurf zu machen, daß er undankbar an ihr gehandelt hatte. Er hatte auch sie einst geliebt ... damals, es war so lange her, als sie noch jung, hübsch und reizvoll gewesen ... aber im täglichen Zusammenleben war bas langsam verblaßt, es war so wenig übrig geblieben ... seine Ehe so bumpf und gleichgültig geworden ... wie' die meisten Ehen ... Melitta löschte alles aus ... Bedenken, Gewissensbisse, Vorwürfe und die (Er­innerung an bas Einst... Als er sie sah, gehörte er ihr, unb von ba ab war er für sie eingetreten, sie zu erobern, zu besitzen, zu besiegen ... nervenauf­reibende Jahre, ein Kampf feine erste Frau, die ihn nicht freigeben wollte, ihn mit Drohungen, Anwälten, Vorwürfen und Tranen peinigte bis zum letzte« Tage des Prozesses. 3n

derzeitigen Schulraume werden voraussichtlich zu Wohnzwecken umgebaut. Eine weitere dringende Arbeit, die ihrer Vollendung «ntgegengeht, ist die Schaffung eines zweiten Wasferzuführungs- stranges nach dem Bahnhofsviertel. Die Wasserleitung in der Bahnhofstraße konnte in­folge des steten Wachsens dieses Stadtteils die dort nötigen Wassermengen nicht mehr in der wünschens­werten Weise fördern, was sich bei Ausbruch eines größeren Brandes sehr unangenehm hätte bemerk­bar machen können. Dem wirb nun durch den neuen in einer größeren Dimension ausgeführten Rohrstrang durch bie sogenannte Ringstraße abge­holfen. Mit ber N e u p f la st e r u n g der Innen­stadt soll jetzt auch Ernst gemacht werden. Ein Teil der notwendigen Kleinpflastersteine ist bereits hier eingetroffen, so daß, wie man hört, mit den Ar­beiten in aller Kürze begonnen werben kann. Die vielen Klagen wegen bes schlechten Pflasters wer­ben bann hoffentlich auch verstunnngn.

Kreis Friedberg.

= Friedberg. 29. Aug. Unter dem Vor­sitz von Rektor Koch sand dieser Tage im Poly­technikum eine gut besuchte Kreislehrer- versammlung statt, die sich mit dem neu­zeitlichen naturkundlichen Unterricht in der Dolks- und Fortbildungsschule beschäftigte. Schulrat Senner, der bekannte Reformer auf diesem Gebiete, war zu einem Vortrag gewonnen wor­den. Seine hochinteressanten Ausführungen gip­felten in ber Forderung, die Raturkunde auf der Grundlage der heimischen Scholle zu erteilen und feinen Unterrichtsstoff zu behandeln, der nicht durch das Experiment fundiert werden könne. Pädagogische und volkswirtschaftliche Erwägungen verlangen eine starke Kürzung der Lehrpläne, um einzig die lebenswichtigen Raturvorgänge auf Grund der Beobachtung ausführlich behan­deln zu können. Von der neuen Behandlungs­weise verspricht sich der Redner eine Förderung des wirsschaftlichen Wiederaufbaus, der dem noch Notwendigeren ethischen und kulturellen Aufbau vorausgehen müsse. Die Skizzierung einer nur auf Experiment und Beobachtung gegründeten Lehrprobe zeigte den Redner als Meister der Methodik und gab allen Teilnehmern wertvolle Anregung für die Praxis. Vortrag und Demon­strationen ernteten starken Beifall.

4 Dad-Rauheim, 29. Aug. Dieser Tage ist die Unterprima der hiesigen E r n ft - Ludwig-Schule (Reformrealgymnafium i. E. und Oberrealschule) untyr Führung von Stu­dienrat Waldt nach Dresden abgereist, woselbst die Schüler Gäste bei den Eltern der dortigen Austauschklasse sind. Letztere, die Quarta der Dresdener Dürerschule, trifft am Dienstag hier ein und wird bei den Angehörigen der hiesigen Unterprima zu Gast fein. Der Aus­tausch währt 14 Tage. In dieser Zeit werden sich unsere Dresden-Fahrer die reichen Kunst- schähe der Stadt ansehen, während unsere säch­sischen Gäste von hier aus unser schönes Hessen­land kennenlemen wollen.

ch Rockenberg, 29. Aug. Gegenwärtig wer­ben in einzelnen Teilabschnitten umfangreiche Ent­wässerungsanlagen in unserer Gemarkung besonders in den Wielen links und rechts ber Wetter angelegt. Bisher waren große Teile, besonbers die sog. Klosterwiesen, des zu großen Wasserreichtums wegen minderwertig, ja zum Teil sogar unbrauchbar geworden. Durch die Neuanlagen gedenkt man für bie Folgezeit gutes Wiefengelände zu erhalten. Die Arbeiten an der eben stattsindenden Feldbereinigung gehen rüstig vorwärts.

-st Aus der Wetterau, 29. Aug. In manchen Gemarkungen der Wettevau ist zum leb­haften Bedauern der Oanbttnrte über eine große Hamsterplage zu fingen. Richt selten findet man auf einem Acker drei bis vier Baue dieser Schädlinge. In der Gemarkung Beienheim wurden bis jetzt schon über 600 Hamster ausgegraben und vernichtet. Mit besonderem Eifer widmet sich namentlich die Schuljugend dieser Gegend der Vernichtung der Hamster.

= Aus der Wetterau, 29. Aug. Ob­wohl das Wetter bis zum gestrigen Tage noch wenig Reigung zur Besserung zeigte, wurde in den letzten Tagen fleißig Frucht eingefah­ren. Zum Teil allerdings noch in sehr nassem Zustande. Ausgewachsen sind besonders Hafer und Weizen, weniger die Gerste. Das Korn war vor Eintritt der Regenperiode zum größten Tell geborgen. Viele Landwirte behaupten, daß der Schaden in diesem Jahre größer sei als 1924,

einem etwas theatralischen Abschiedsbrief dieser im Gründe nüchternen Frau standen die Worte:Es wird sich einmal an dir rächen."

Für den Künstler ist die Liebe ein Erlebnis, das er nötig hat wie bas tägliche Brot ... Wenn das Erlebnis aufhört, hört auch seine Kraft, Neues zu schassen, auf ... Opfer gibt es ba immer ... Vielleicht werbe ich in ein paar Jahren bas zweite Opfer sein, wer weiß?, meinte Melitta.

Das alles funkelte auf unb versank unter ben brausenben Tönen bes Orchesters. Der Geiger schwieg. Beifall umrauschte ihn. Er galt diesmal dem blonden Violinisten. Manfred drückte dem Künstler die Hand ... Dann klopfte er auf und die zierliche Kanzonette tänzelte anmutvoll dahin ... entzückend und graziös, die Geigenftimme vi­brierte ...

Und mit einemmal wußte er es ... Der Bries ... kam ... von ihr ... seiner ersten Frau ... er stand mit ihr in irgendeinem Zusammenhang ... Er fühlte sich umweht von einer fremden, feindlich eiskalten Atmosphäre ... Es war etwas vonihr" in feiner Umgebung ... Dumpf dröhnten in feinem Kopf bie Trompeten, die das Andante feierlich ein- leiteten ... Und immer schwerer warb ihm ber Ann ... Zu Enbe, zu Ende ... er peitschte bie Musiker, er hieb ben Taktstock burch bie Lust. Unb immer sah er die graue, stille Frau dort vor sich an ber marinorglänzenben Wand ... zwischen ben Harfen staub sie in ber Ecke und schaute ihn höhnisch lächelnd an, ganz ruhig, als ab sie auf etwas warte. Auf was wartete sie? ...

Was willst bu von mir? ... sag' boch, sprich! Der Schatten rührte sich nicht. Er stand stumm, aber er blieb ... Musik und Menschenköpfe, Lichter und Marmorsäulen, Noten, die vor seinen Augen tanz­ten, brausende Töne und singende Geigenstimmen ... Und auf einmal war alles stumm ... sein Arm sank herab ... es war aus ... Der Saal ward dunkel, die Lichter erloschen, die Musik schwieg ... auch die Harfen. Nur das Händeklatschen dröhnte.

Manfred verneigte sich. Jemand drückte ihm die Hand, eine Stimme sagte etwas ... Der Schatten war verschwunden, es war wieder hell unb klar um ihn. In seiner Tasche knisterte ber Brief ... Fast ohne Pause gab er das Zeichen zum Finale ...

Allegro vioacissimo

welches Jahr ähnlich katastrophal für mtfttt Landwirte war. Ausfallend, wenn auch erklär­lich, ist in diesem Jahre die Erscheinung, daß die handgebundenen Garben weniger vom Aus­wachsen betroffen worden sind als diejenigen, die mit dem Selbstbinder gebunden wurden. In eini­gen Gemarkungen, so in Ober-Mörlen, steht vereinzelt noch Hafer auf dem Halm, was für die'e Jahreszeit in der Wetterau eine große Seltenheit ist, aber auch in der abnormen Witte­rung ihre Erklärung findet. Die noch zu schnei­dende Frucht hat wohl auch unier dem schlechten Wetter cefitten, aber weniger als das auf Haufen fitzende oder gar noch an der Breite liegende Ge­treide, so daß der sehr verspätete Schnitt in diesem Jahre gewiß kein Rachteil ist.

Kreis Büdingen.

nd. Ridda, 29. Aug. An der.gestcrn abge- haltencn gemeinsamen Sitzung des ev.rng. K i r ch e n v o r st a n d e s mit den Kirchen- gemeindevertretern wurde eine gründ­liche Renovierung der S t a d t k i r ch e im Innern beschlossen. Rach den von dem Bauamt Büdingen entworfenen Voranschlägen worden die Maler- und Weißbindcrarbeiten etwa 4000 Mk., die Schreinerarbeiten 3000 M!., die Verbe s.ru g der elektrischen Beleuchtung, Schlosser- und sonst' e Arbeiten zusammen 2000 Mk. erfordern. Glci - zeitig soll auch eine eingreifende Repar?- tur der Orgel vorgenommen werd- n. Schließlich wurde noch eine Erneuerung dcs Aeuhcren der Kirche gewünscht und ein: neue Heizanlage als notwendig erknnnt. Lieber die drei letztgenannten Arbeiten will man er ft ge­naue Voranschläge von Fachleuten einhalen und diese in einer weiteren Sitzung berat n Man hofft, mit 13 000 Mk. aTle Ausgaben beizeiten und dem Gotteshaus innen und außen wieder ein würdiges Aussehen verschaffen zu können. Von einer Versetzung der Orgel in den Chor- raum soll abgesehen Werdern weil dadurch zwei große bunte Fenster, eine Stiftung der Herren von Krug zu Ridda, verdeckt und die Licht­verhältnisse im Innern der Kirche wesentlich ver­schlechtert würden. Auch wäre dann eine Ver­setzung der Kanzel und des Altars nötig, wofür durchaus keine Zustimmung in der Versammlung vorhanden war. Mit den Arbeiten soll im näch-, sten Frühjahr sofort nach Ostern begonnen wer­den, so daß das Gotteshaus im August t I. wieder seinem Zweck dienen kann.

Aus dem Riddatal, 29. Aug. älnser geschütztes Tal, das, wie bekannt, ein vorzüg­liches Obst hervorbringt, hat in diesem Jahr einen Ob st fegen aufzuwrisen, wie er feit Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. Rur ganz vereinzelt sieht man einmal einen leeren Apfel­baum. Hunderte von Bäumen mußten Stützen erhalten. Dabei sind alle Früchte gut entwickelt und zeigen ein gesundes Aussehen. Trotz über- wiegnxd kleinbäuerlichen Besitzes sind viele Obst­züchter vorhanden, die mit einem Ertrag von 200 bis 300 Zentner rechnen. Die Apfel Wein­keltereien treffen Vorsorge, größere Mengen Astheimer" einzulegen, und auch die bäuerliche Bevölkerung will sich wieder, ihre Aevfel zu verwerten, damit eindecken. Rur die Z w e i s ch e n sind, wie schon feit Jahren, Versager. Merk­würdigerweise haben auf ungeschützter Höhe stehende Baume gut entwickelte Früchte, wenn auch der Behang nur mittelmäßig ist. Alle Bäume im Tal zeigen aber fast ausnahmslos den schwarzen Pilz an der Rinde imb sind.. g leer. Da sie schon feit mehreren Jahren un­fruchtbar waren, furchtet man ihr Eingehen.

Grohfeuer an der Lahn.

WSR. Hadamar, 29. Aug. Im benach­barten Dorfe Thalheim brach am Vorabend der Kirmes in der Gastwirtschaft Schmidt ein großes Grohfeuer aus, durch das binnen kurzer Zeit nicht nur die Gastwirtschaft, sondern auch der angrenzende Saalbau und die Stallun­gen eingeäschert wurden. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die angrenzenden Gebäude vor dem Uebergeeifen des Feuers zu retten. Ein großer Teil des Inventars ist mitverbrannt. Bei den Löscharbeiten wurde der Bruder des Besitzers durch Brand­wunden im Gesicht und an den Händen er­heblich verletzt. Die Brandursache konnte noch sticht aufgeklärt werden. Das Amtsgericht Hadamer hat eine Tlntersuchxmg eingeleitet. Der Besitzer selbst war am Tage des Brandes verreist.'

Er peitschte es in hinreißendem Tempo durch, er wollte fertig werben, hinaus aus diesem gleißen­den, schwülen Saal.

Gott, o Gott," sagte ein dicker westfälischer Badegast, der, die Hände über seiner hellen Weste gefaltet, an der Seite zwischen den Säulen saß, wenn er schon das Allegro in dem Tempo her- unterjagt, wie wird er erst das Allegro fuoco spielen?"

Es brauste vorüber wie ein Sturm.

Zu Ende ... Endlich ... Der letzet Ton der Gei­gen verklang ... Schlafs sanken Manfreds Arme herab. Die Knie zitterten ihm, als er das Podium verließ.

In feinem Bureau ging er ans Telephon.

Hallo ... Meine Frau jetzt zurück, Fritz?"

Nein, Herr Doktor!"

Hat niemand angerufen?"

Nein. Ja doch, eine Dame hat vorhin noch Ihnen gefragt ..."

Weshalb haben Sie mir das nicht sofort ge­meldet?"

Weil die Dame sagte, es sei nicht nötig ..."

Was wollte sie denn?"

Sie fragte, ob Sie zu Hause seien. Ich sagt» nein, im Konzert ... Da sagte sie nur ...Ah im Konzert?" und hängte ab ...

Und ihren Namen?"

Hat sie nicht genannt."

Der Geiger kam btrein, um sich zu verabschieden. Dann erklang wieder das Klingelzeichen, die Panse war vorüber.

Den Schluß bildete die TschaikowskySinsorie J' Nr. 4. Der Diener hatte ihm die Partitur hingesetzt. Aber Manfred sah Feine Noten. Nur Punkte, Striche und weiße Lichtflecke, die sich drehten.

Er klopfte auf ...

Es funkelte vor seinen Augen. Dbe Lichter er­loschen und glänzten wieder auf. Das Orchester setzte ein. Die zweiten Geigen waren heute besonders matt Er schaute zu dem alten Herrn hinüber. Er sah so merkwürdig verändert au», bleich, wie Wachs ... und so uralt ... Er nickt« ihm zu. Na, Schmidt? Der Alte brachte ein müdes Lächeln auf und raffte sich zusammen.

(Fortsetzung folgfc)

Die Lage

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