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Aus -er Prsvinzialhauptftadt.

Gießen, den 30. Juli 1927.

Erntezeit.

Die Ernte hat begonnen. Wir sagen, die Ernte" schlechthin, denn soviel Gaben und Früchte auch dem Schoße der Erde entsprießen, die wich­tigste Frucht für die Nahrung des Menschen ist doch sein tägliches Brot, die Brotfrucht, das Ge­treide. Wieder stehen aus abgemähten stoppeligen Feldern die Kornmandeln, wie dankend zum Him­mel emporgehobene Arme. Eine eigenartig grau­gelbe Tönung liegt über den großen Halmbü­scheln, als wäre das Leben in ihnen abgestorben. Und doch quillt aus ihrer fahlgewordenen Hülle ein Strom, eine Fülle des Reichtums und des Lebens.

Auch wer sonst mit verschlossenen Sinnen durch Feld und Flur geht, an der Beredsamkeit eines wo- ? enden Getreidefeldes oder an der erwartungsvol- en Bereitschaft des eben gemähten Kornackers, der zum letztenmal vor der Einfuhr in die Scheune in vollen Garben die Kinder seines Schoßes trägt, kann nicht leicht einer empfindungslos und gleich­gültig vorübergehen. Das Kornfeld ist so recht ein Sinnbild des Lebens, eine Stätte der Ver­gänglichkeit und immer wieder sich erneuernden Werdens.

Freilich, der Dauer, der jetzt in heißer Mühe Dom ersten dämmernden Morgen bis hinein in den versinkenden Abend auf den Feldern werkt und schasst, hat in diesen Erntetagen noch seine ganz besonderen Gedanken. Ihm ist jede Garbe Roggen, jede Fuhre Weizen ja ein unendlich mühevoll erkämpfter und erarbeiteter und mit tau- seird Hoffnungen und Himmelsblicken umgebener Besitz, um den er so in mancher Stunde zürnender Raturgewalten gezittert, dessen Reise er halb mit Bangigkeit im Herzen und halb mit froher Zu­versicht entgegensah. Wenn dann aber endlich die Stunde gekommen ist, in der die Sense des Schnit­ters rauschend durch das Kornfeld fährt, wenn die pralle Erntesonne die Garben bleicht und schließ­lich der Erntewagen hochbeladen in die Scheune schwankt, dann geht durch die Seele des Land- mann- ein dankbares Stoßgebet zu dem, der ihm den Lohn seines Fleißes behütet und gütig in die Arme getragen hat.

Man sieht jetzt leider in den Straßen der Städte, auf Kehrichtplätzen, in Anlagen und Gär­ten erschreckend ost weggeworfenes Weiß- oder Schwarzbrot, eine Erscheinung, die in den Jahren der Rot und des Mangels aus guten Gründen nicht mehr zu bemerken war. Es tut einem in der Seele weh, sehen zu müssen, daß auch mir ein Mensch dem täglichen Brot nicht die schuld.ge Achtung erweist. Das Brot ist heilig. Und wer immer jetzt vvrübergeht an den Feldern der Ernte und nicht Ehrfurcht empfindet vor diesen Gaben Gottes und dem aufopfernden Fleiß derer, die sie zum Wohle der Menschen in die Scheune brin­

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xöuf;en». LZochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180 bis 190, Matte 25 bis 30, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 15 bis 20,

Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 25 bis 30, gelbe "Rüben 15 bis 20, vore Rüben 15 bis 20,

Bohnen, grüne 20 bis 25, gelbe 25 bis 30,

Erbsen 20 bis 30, Tomaten 25 bis 60, Zwiebeln 20, Rhabarber 15 bis 20, Pilze 30 bis 40,

Kartoffeln 7, Frühäpfel 30 bis 40, Birnen 30 bis 60, Heidelbeeren 45, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 20 bis 25, Himbeeren 30 bis 40, Brombeeren 60, Pflaumen 50 bis 60, Mira­bellen 70 bis 80, Reineclauden 60, Honig 45 bis 50, junge Hahnen 100 bis HO, Suppen­hühner 100 bis 110 Pf. das Pfund: Eier 12 13, Blumenkohl 20 bis 80, Salat 5 bis 15, Salatgurken 20 bis 60, Einmachgurken 4 bis 6, Ober-Kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück, Radieschen Dd. 10 Pf.

Bornotizen.

Tages kalen der für Samstag. Ge­sangvereinHeiterkeit": 8.15 Uhr, Vereinslokal, Ge­neralversammlung. Schützenverein: 8.30 Uhr, Schützenhaus, Siegesfeier. Palast-Lichtspiele: Staatsanwalt Jordan . Astoria-Lichtfpiele:Eine Schreckensnacht in Sing-Sing".

Tageskalender für Sonntag. Ka­vallerieverein: 3 Uhr nachm Kaufm. Vereins­haus, Familienfeier. Sportplatz 1900: Nachmit­tags 3.30 Uhr, Fußball-Lokaltreffen V.f. B1900. Lichtspieltheater wie Samstag.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei nochmals auf die interessante und spannende NeuheitDer Gar­ten Eden" von Bernauer und Oester- reicher, die am Dienstag, 2. August, abends 8 Uhr, in Szene geht, hingewiesen. Die Auffüh­rung darf um fg mehr Interesse beanspruchen, als sich eine vorzügliche Besetzung ermöglichen ließ. Die Spielleitung liegt tn den Händen des neuen Bonvivants unserer Bühne. Herrn San» nert, der auch eine der Hauptrollen spielt.

** Personalien. Ernannt wurde am 21. Juli der Polizeiversorguttgscmwärter Hane Spatz zu Gießen zum Polizeiverwaltungsassisten­ten, mit Wirkung vom 1. August 1927. Ober- regierungsrat Stammler beim Finanzamt Alzey wurde zum 1. August d. I. als Vorsteher an das Finanzamt Darmftadt-Land versetzt.

* Evangelisch-kirchliche R ach ri ch- teau Der evangelische Pfarrer Otto Pabst zu Darmstadt wurde auf sein Rachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit mit Wirkung vom 1. Sept. 1927 in den Ruhestand versetzt. Aus dem Dienst der evangelischen Landeskirche wurden auf ihr Nachsuchen entlassen: Pfarrer- Fritz Fresenius zu Essenheim und Pfarrassi­stent Otto Schultheis zu Gießen.

** Erledigte Stellen. Erledigt fint>: Eilte Lehrerstclle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Lardenbach, Kreis Schotten: Dienstwohnung tft. nicht vorhanden: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Lich, Kreis Gießen: Be­fähigung zur Erteilung von fremdsprachlichmt Unterricht ist erforderlich: vier Schulstel­len für evangelische Lehrer an der Volksschule zu Langen. Kreis Offenbach a. M., Bewerbungen sind an das Kreisschulamt Groß-Gerau zu richten.

** Fräulein Luise Hanstein, eine geborene Gießenerin, Lehrerin der Gießener höheren Töchterschule in Pension, Steinstr. 51, begeht am 2. August in völliger geistiger und körperlicher Rüstigkeit ihren 86. Geburtstag.

** 90jähriges Jubiläum. Am 1. Aug. sind cS 90 Jahre, daß die Familie Lyncker die Domäne Schiffenberg von dem hessischen Staat in Verwaltung übernommen hat. Wenn aus deut Schiffenberg seit Großvater Lynckers Zeiten auch so manches sich geändert, manches der Neuzeit entsprechend sich gewandelt hat, er bleibt doch nach wie vor einer der belieb­testen und schönsten Ausflugsorte für die' Be­wohner unserer Stadt Gießen, zumal er jetzt auch für solche, die weniger gut zu Fuße sind, mit dem Autobus leicht und bequem zu er­reichen ist.

** Son Verzüge zum Marburger U n i v e r s i t ä t s j u b i l ä u m. Aus Anlaß des 400jährigen Jubiläums der Llniversität Mar­burg hat die Reichsbahndirektion Frankfurt a. Main zur Bewältigung des Verkehrs für Sonn­tag, 31 Juli, besondere Maßnahmen getroffen. Die beschleunigten Personenzüge Nr. 769 Frank­furt a. MHamburg, Gießen an 10,14, ab 10,19, und 770 HamburgFrankfurt a. M., Gießen an 20,21, ab 20,33, verkehren zwischen Frank­furt a. M. und Marburg in zwei Teilen. Vorzug 769 fährt Gießen ab 10,09. Vorzug 770 Gießen ab 20,23. Außerdem verkehren in der Nacht von Sonntag zu Montag folgen De Verwaltungs- svnderzüge: Marburg bis Frankfurt in Mar­burg ab 0,30, Gießen an 1,19, ab 1,29, Frank­furt a. M. an 3,33. Der Zug hält zwischen Marburg und Frankfurt a. M. auf allen Sta­tionen mit Ausnahme in Ostheim bei Butzbach und Vilbel-Süd. Dieser Zug hat in Niederwal­gern Anschluß an einen Sonderzug nach Gla­denbach Ferner verkehrt in Der gleichen Nacht ein Verwaltungssonderzug von Marburg nach Kassel mit Anschluß in Kirchhain an einen Sonderzug nach Burg- und Niedergemünden. Marburg ab 0,35, Burg- und Niedergemünden an 1,55. Der Zug hält zwischen Kirchhain und Burg- und Niedergemünden auf allen Stationen, mit Ausnahme in Wäldershausen. Fertter ein Sonderzug von Niederwalgern bis Weidenhau- sen. Ji^ Niederwalgern ab 0,53, tn Weidenhausen

** Militärkonzert. Am Donnerstag­abend fand auf derLiebigshöhe" das 6. Abonne­mentskonzert unserer Reichswehrkapelle statt. Auch diese Veranstaltung zeichnete sich durch einen außerordentlich zahlreichen Besuch aus und nahm in allen Teilen den gewohnten guten Verlaus.

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hastcm Beifall aufgenommen wurde und durch zahlreiche Einlagen eine willkommene Erweiterung erfuhr. Starken Applaus erzielten besonders die Bravour-Arie für Oboe-Solo (Herr Schubert), die Melodien aus der OperetteDer Dettelstu- dent", das EharakterbitdDlumengeflüster", die Große Fantasie aus der OperRienzi" und das Schluß-Potpourri aus der OperetteDer Zigeu» nerbaron". Der Konzertabend bot im ganzen wie­der einige Stunden angenehmer Ablenkung nach des Tages Last und Mi'chen.

** Zurück zu den Volkstänzen! In Köln sind die deutschen Tanzlehrer während ihrer Genossenschaftstagung darüber übereingekommen, in Zukunft alles zu tun, um der Schönheit der alten deutschen Volkstänze neuerdings Geltung zu aer- schaffen. Das ist eine Tat, der mail nur wünschen kann, das; sie aüf der ganzen Linie von Erfolg begleitet sein möge. Die deutschen Tanzlehrer haben mit der Bekundung ihrer Absicht allen denen aus dem Herzen gesprochen, die es mit dem Tanz, ins­besondere dem Gesellsä-aftstanz, ernst meinen.

WEN. Das Ende Der Hellen Rächte. Mit Ablauf des Monats Juli geht die Zeit der Hellen Rächte, der mitternächtigen Dämmerung, zu Ende. Die Sonne sinkt nachts wieder mehr als 18 Bogengrade unter den Horizont und kann infolgedessen nicht mehr die oberen Schickten der Atmosphäre beleuchten, die in der Periode der Nachthelligkeit den sogenannten Nordschein bilden. Die Nächte werden von jetzt an wieder völlig dunkel.

** Der eiserne Lichtmast an der Stra­ßenkreuzung beim Cafa Hettler, der ein großes Verkehrshindernis bildete, wird augenblicklich entfernt. Dafür wird die Lichtleitung mit zwei anderen, vor den Torhäusern stehenden Masten verspannt werden. Die Straßenkreuzung ist dann vollkommen frei und vor allen Dingen über­sichtlicher.

** Postkarten im Ortsverkehr kosten nach dem am 1. August in Kraft tretenden neuen Tarif 5 Pfennig, worauf wir, um Mißverständ­nisse zu.vermeiden, nochmal Hinweisen: in einem Teil der Auslage unserer Nr. 171, in der wir die neuen Gebühren bekanntgaben, ist versehentlich eine falsche Ziffer eingesetzt worden.

Oberhessen.

Landkreis Hießen.

. Y Mainzlar, 29. Juli. Seit einigen Tagen ist nun die Kornernte bei uns im vollen Gange. Sie verspricht eine gute Einfuhr vorausgesetzt in diesem Jahre einen sehr guten Ertrag, man kann sogar den Stroh- sowie den Körnerertrag als ausgezeichnet bezeichnen. Ebenso stehen die Sommerhalmfrüchte sowie die Hackfrüchte vorzüglich. Don schweren Wettern sind wir bis jetzt verschont geblieben.

Kreis Friedberg.

,# Butzbach, 29. Juli. Die hiesige Der- etiisbank für Butzbach und plmgegend hielt eine Aufsichtsratsitzung für das verflossene Halb­jahr 1927 ab und legte dem Aufsichtsrat den be­reits vor genommenen Abschluß vor. Es konnte festgestellt werden, daß sich die Dank, die auch die Sparkasse von dem benachbarten Dorfe Griedel übernommen hat, in dem genannten Zeitraum wieder äußerst günstig entwickelt hat. Der Umsatz ist auf fast 14 Millionen Mark gestiegen. Die Mitgliederzahl hat sich von 176 auf 373 erhöht. Die Bilanzsumme beträgt 649 866 Mark und hat damit diejenige vom 2. Halbjahr 1926 um fast 200 000 Mark überstiegen.

Kreis Schotten.

WSN. Schotten, 29. 3ult Die Stadtver­ordnetenversammlung hat in ihrer letzten Sitzung einstimmig beschlossen, für das von der Stadt Schotten zu errichtende Heimatmuseum des Vogelsberges den Saal im Schottener RathawS, das bekamttlich selbst eines der schönsten Fach­werkhäuser Oberhessens ist, zur Verfügung zu stellen.

=.= Schotten, 29. Juli. Eine hier stattgehabte

sie bei dieser Aufgabe-zu unterstützen und die Brief­kasten überwachen zu Helsen. Selbst wenn sich nur einige hundert Personen der Aufgabe unterziehen würden, bei ihren Spazier- und Geschäftsgängen durch die Stadt auf die Briefkasten zu achten, und wenn insbesondere die Bewohner der Häuser, an denen sich Briefkasten befinden, und auch die Be­wohner benachbarter und gegenüberliegender Häu­ser ihr Augenmerk darauf richten würden, so dürfte der Erfolg nicht ausbleiben. Es ist hierbei natür­lich erforderlich, die Personalien der Täter so fest­zustellen, daß gegen diese eingeschritten werden könnte.

gen. der ist nicht wert des Segens, der aus dem täglichen Brote quillt

Oberbürgermeister Keller Dr, jur. h. c.

Die juristische Fakultät der Universität Gießen hat dem Herrn Oberbürgermeister Kel­ler die Würde eines Doctor juris utriusque ho­noris causa verliehen. Die feierliche Ueberreichung des Diploms findet heute durch den Dekan der Fa­kultät im Beisein des Herrn Prorektors im Stabt- hause statt, lieber den Verlauf dieser Seier werden wir noch Näheres berichten.

75. Stiftungsfest

des Gießener Wingolf.

Vom 1. bis 3. August feiert der Gießener Wingolf sein 75. S t i s t u n g s f e st. Er ist am 15. August 1852 auf dem Gleiberg gegründet wor­den. Seine Stifter fühlten sich getragen von einer durch alle deutschen Hochschulen hindurchgehenden Bewegung, die dem christlichen Gedanken einen stärkeren Einfluß auf das studentische Leben oer= schaffen wollte. Die altüberlieferten Formen des deutschen Korporationswesens mit christlichem Idea­lismus zu erfüllen, das war die Aufgabe, die sich der Wingolf gestellt hatte. Diese Aufgabe war nicht leicht. Manches Uebcrfommene, das dem neuen Geist nicht standhielt, muhte fallen. So vor allem das Duell. Darüber kam es zu Mißverständnissen und Kämpfen. Aber der Wingolf hat sich durchgesetzt. Heute steht er unangefochten und festgegründet, in feinen Idealen verstanden als charakteristisches Glied inmitten der deutschen Studentenschaft. Er hält der Vergangenheit und ihren ehrwürdigen Symbolen die Treue. Aber er ist aus tiefem sittlichen Verant­wortungsgefühl heraus auch aufgeschlossen für die Pflichten, die die Gegenwart in geistiger, sozialer und völkischer Hinsicht von den Studenten fordert. Und er schreitet in dem Bewußtsein, seine Sendung innerhalb der akademischen Welt immer reiner er­füllen zu mässen, frohen Mutes in die Zukunft, dem 100. Stiftungsfest entgegen.

Der Gießener Wingolf gehört dem gro­ßen, fast über olle deutschen Hochschulen verbreiteten Wingolfsbund an. Aber er fühlt sich dabei doch als ausgesprochen hessische Verbindung. Er wurzelt tief im Heimatvoden. Eine stattliche Zahl weitverzweigter, altansässiger Familien ist ihm sozu­sagen durch Erbgang zugetan. Seine Mitglieder haben, nun schon bald in der dritten Generation, in kirchlichen und staatlichen Aemtern sowie in freier Berufstätigkeit reichen Anteil am hessischen Volks­leben genommen. Das vaterländische Empfinden, das den Gießener Wingolf beseelt, zieht seine beste Kraft aus diesem Verbundenheitsgefühl mit der hessischen Muttererde. Daß der große Krieg die Angehörigen des Wingolf mit in der ersten Reihe sah, daß viele, von dem glühenden Bestreben erfüllt, aus dem Fechtboden der Weltgeschichte ihren Mann zu stehen, die Treue zum Vaterland mit ihrem Blut besiegelten, ist bei der engen Verbindung von Wingolf und Heimat selbstverständlich.

Doch nicht nur mit dem Land, auch mit her Stadt Gießen, dem Sitz der alma mater, ist der Wingolf aufs engste verwachsen. Es liegt ja auf der Hand, daß sich im Laufe Der Jahre zwi­schen einer schon so alten Verbindung und der Bür» gerschaft aus gemeinsamem ernstem und heiteren Erleben heraus zahlreiche Bande schlingen, oft tief bis ins persönlichste Leven hinein. Zumal, seitdem der Wingolf sein eigenes Hans in der Wil- Helm st raße besitzt, fühlt er sich in Gießen hei­matberechtigt. Er hat den Pulsschlag des städtischen Lebens immer als feinen eigenen mitempfunden. So wird er auch auf freundliche Anteilnahme rechnen dürfen, wenn mm bei ihrer Jubelfeier dieSchwarz- kappen" die alten Straßen der Stadt dichter be­völkern und die schwarzweißgoldenen Fahnen wehen.

Dr. A.

Ueberwachung

der Ltrahenbriefkasten.

Die von der Deutschen Reichspost in den Stra­ßen der Stadt angebrachten Briefkasten sind schon immer ein Angriffsobjekt unreifer und roher Ele­mente gewesen. Richt nur, daß fortgesetzt die Außen­seite der Briefkasten beschädigt und beschmutzt wurde, sondern auch ihr Inhalt ist vor dem Vandalismus und den Zugriffen dieser Elemente nicht sicher ge- wesen. So wurde unter den eingesammelten Brie­fen dauernd Unrat aller Art, wie Steine, Scher­ben, Obstabfälle usw. vorgefunden. Weiter ist im Laufe der Jahre mehrfach der Versuch unternommen worden, die Briefkasten zu berauben oder ihren Inhalt in Brand zu stecken. Trotz dauernder Ueber- wachung, an der auch di« Polizeiorgane teilgenom­men haben, ist es aber nur in vereinzelten Fällen gelungen, die Täter zu ermitteln und sie der ver­dienten Bestrafung zuzuführen.

In letzter Zeit haben nun gewisse Vorkommnisse so zugenommen, daß es unbedingt geboten erscheint, die Oesfenilichkeit darauf austnerksam zu machen und sie zur Mithilfe bei der Bekämpfung der Mißstände aufzurufen. So ist in den Monaten Juni und Juli innerhalb von 5 Wochen zweimal der Inhalt ein­zelner Briefkasten in Brand gesetzt worden. In beiden Fällen ist eine erhebliche Anzahl von Brief- sendungen mehr oder minder stark durch das Feuer beschädigt worden. An anderen Tagen unter den ein­gesammelten Briefsendungen aufgefundene Reste von Zigarren, Zigaretten und angebrannten Streichhöl­zern lassen darauf schließen, daß der Versuch noch öfters unternommen worden, aber ohne Erfolg ge­blieben ist. Weiter sind im letzten Vierteljahr zwei Versuche bekannt geworden, Briefkasten zu be­rauben. In beiden Fällen sind die Täter bei ihrem Tun und Treiben längere Zeit von Bewohnern der Häuser, an denen sich die Briefkasten befanden, beobachtet worden. Unbegreiflicherweise haben aber die Beobachter, beidesmal Frauen, nichts unter­nommen, um die Täter zu hindern und ihre Per­sönlichkeit festzustellen, obwohl Zeit und Gelegen­heit dazu vorhanden waren. Daß neben diesen Vor­kommnissen auch der Einwurf von Unrat und Ab­fällen aller Art in die Briefkasten nicht geringer ge­worden ist, braucht wohl nicht mehr besonders betont zu werden.

Diese Vorkommnisse gefährden nicht nur die Sicherheit und schnelle ungehinderte Beförderung der Postsendungen, sondern es können dadurch auch Krankheitserreger auf die Sendungen übertragen werden, gegen die insbesondere die Empfänger der Sendungen wenig Schutz haben. Es liegt daher durchaus in den Belangen der Allgemeinheit, daß diesen Uebelftänöen baldigst und gründlich abge­holfen wird. Erfahrungsgemäß reicht hierzu die Ucberwachung durch dos Postpersonal und die Polizeiorgane nicht aus , denn es ist ja selbstverständ­lich daß die Täter von ihrem Tun ablassen und sich schleunigst entfernen, sobald sie eines uniformierten oder sonst bekannten Vertreters des Staates auch nur von weitem ansichtig werden. Die Poft richtet

dankte ihm für alles, was er für den Kreis ge­eist et hatte und dankte der Familie, die auf manche stille Stunde hatte verzichten müssen, weil die Pflicht den Vater zur Arbeit an seiner .eliebten Turnsache gerufen hatte. Mit Dem Wunsche, daß die gesäte Saat nicht vergehen möge, legte Turner Kalbhenn seinen Kranz auf das Grab.

der Ruhestätte von Thierolf sand eben» alls Pfeiffer warnre Worte dankbarer Er­innerung. Mitten aus der Arbeit hat das Schicksal Thierolf abgerufen. Schwer und bitter ist der Tod, doch in den Sielen sterben, ist schön! Die Arbeit war sein bester Freund, seine Pflicht tat er bis zum Letzten. Er ruhe sanft!

Eine weihevolle Kundgebung spielte sich am Grabe Felsings ab. Turner Kalbhenn er­griff das Wort:Bruder FÄlsing, Dich grüßt eine der ältesten Turnerfahnen mit Deinem Sym­bol, den vierF", der Helmzier der Deutschen Turnerschaft. Aushalten werden wir in Deinem Sinne und Dein Andenken immerdar wahren. DerJahn Darmstadts" soll uns ein leuchtendes Beispiel sein mrd sein Erbe ist uns heilig!

In den Nachmittagsstunden war sozusagen die Bevölkerung von ganz Darm- stadt auf Den Deinen; galt es doch, Die Turner aus Dem S aar gebiet zu emp­fangen. Sie trafen in mehreren Sonderzügen, die reich geschmückt waren, hier ein, wurden mit Musik und Begrühungsreden empfangen und zogen dann durch die Stadt nach ihrem im südlichen Stadtteil gelegenen Quartiere. Die Stra­ßen waren dicht umsäumt von Menschen; alle Schichten Der Bevölkerung waren vertreten. Man jubelte Den Gästen lebhaft zu; immer wieder er­tönten die Gut-Heil-Rufe.

Die heutige Abendveranstaltung ist als ein Ehrenabend für Die Bewohner des besetzten Gebietes gedacht, insbeson­dere für die Saarländer. Schon eine Stunde vor Beginn macht sich ein ganz riesiger Zustrom zum Festplah und zur Festhalle bemerkbar.

Das Fest vollzog sich in ähnlichem Rah­men wie am Abend vorher. Der Gauver treten Roth entbot Den Saarländern und Den andern Besuchern aus dem besetzten Gebiet herzliche Begrüßungsworie, denen sich Bürgermeister Müller im Namen der Stadt Darmstadt an-> schloß. Schulrat H a s s i n g e r dankte Den Be­wohnern des besetzten Gebietes für ihre Treue. Die Tage, Die sie im unbesetzten Deutschland zubringen, möchten ihnen zur seelischen Stär­kung gereichen. Der Vorsitzende Der Deutschen Turnerschast.

Professor Dr. Berger berichtete über seine Erfahrungen in Den ©renzlanid'en, wo überall das Deutschtum unterdrückt werde. Die Deutsche Turnerschaft müsse den bedrängten deutschen Brüdern und Schwestern beistehen, daß sie ihr Volkstum hochhalten. Es gelte zusammen» zu stehen und im Deutschen nicht erst den Parteimann, sondern Den deutsch en Bru­der zu sehen.

Kreisvertreter Pfeifer erklärte, die Tur­nerschast im besetzten Gebiete und in den Grenz­gebieten müsse Der Eckpfeiler sein an dem alle Ent deut schungsbestvebungen zerschellten. Er Deutete auf den Äbstimmungstag im Sa ar lande Hin, an dem die Saarländer zei­gen müßten, Daß ihre Treue Nicht untergegan­gen ist.

Gauvertreter D u r ck - Saarbrücken dankte im Namen der Bewohner des besetzten Gebietes. Keine noch so künstlich gezogene Grenze würde sie von Dem Deutschen Vaterlande trennen.

Der Abend brachte im übrigen wieder tur­nerische Vorführungen,, darunter auch von Turnerinnen and Dem Saargebiet, und außerdem auch eine Wiederholung des Fe st - spie les.

Lehrers Melchior-Darmstadt mit der Neugestaltung des Schreibunterrichtes na di Sütterlin.

=.= Hartmannshain, 28. Juli. Ein von hier stammender 55jähriger Mann wurde in der Nähe des Selgenhofes bei Ulrichstein tot auf- gefunden. Man nimmt an, daß die Todesursache in Entkräftigung des Mannes zu suchen ist. Vor etwa 14 Tagen war er noch in der Nähe Ulrichsteins gesehen worden.

=.= Ober-Seemen, 29. Juli. Die zur An­schaffung einer neuen Kirchenorgel veranstaltete Haussammlung ergab den Betrag von 500 Mk. Weitere 500 Mk. sind bereits als Orgel­baufonds vorhanden, so daß die hiesige Kirchenge- meinte in der Lage ist, auf die bei der Finna Link-Giengen bestellte Kirchenorgel eine größere Anzahlung zu machen. Für den Restbetrag von 4000 Mk. kommt die politische Gemeinde auf. Da die angesehene Orgelbaufirma eine Reihe von Auf­trägen nach Südamerika zu erledigen hat, verzögert sich die anfangs bis zum Herbst d. I. vorgesehene Fertigstellung der Orgel bis 3um Frühjahr des nächsten Jahres.

8 ©e Der n, 29. Juli. Sicherem Ver­nehmen nach wird Der bekannte Kurzstreckeri­meister Dr. P e l h e r im Verläufe Des August zum Besuche eines StuDienfreunDes auf einige Tage hier eintreffen.

S Herchenhain, 29. Juli. Das I u - gendheim an Der Herchenhainer Höhe er­freut sich bei jungen unD alten Wanderern immer steigender Beliebtheit. Fast jeDe Nacht ist es von Schulklassen und Einzelwandererri stark beseht. Nachdem die Darmstädter Kinder wieder nach einem vierwöchigen Erholungs­aufenthalt abgereift sind, ist jetzt eine Mainzer Kindergruppe von 30 Schülern Unter Führung eines Junglehrers zur Erholung hier einge­troffen.

Kreis Alsfeld.

*er. Homberg a. D. Ohm, 29. Juli. Seit Donnerstag ist man dahier mit Dem Schnitt Der Gerste beschäftigt; Der Roggen Dürfte erst mit Beginn nächster Woche schnittreif fein Infolge der schweren Gewitterregen haben wir viel Lagerfrucht: das Schneiden mit der Ma­schine ist dadurch sehr erschwert, toenn nicht ganz unmöglich gemacht. Der Gendarmerie­wachtmeister Heinrich Schneider, hier, Der seit dem 1. September 1926 mit Der Führujng der ©enDarmerieftation Homberg beauftragt ist, wurde durch Verfügung des Hessischen Mini­steriums des Innern vom 17. Juli zum ©en« darmerie-Oberwachtmeister befördert.

daher an die Allgemeinheit die dringende Bitte, Die Kapelle erfreute die Besucher durch ein vor- ~ ' trefflich zum Vortrag gebrachtes, abwechslungs­reich zusammengestelltes Programm, das mit leb-