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Ur. 150 Erstes Blatt

177. Zahrgang

Donnerstag, 50. 3uni 1927

Erscheint täglich,«cher Sonntags uni Feiertag»

BeUagei:

®ie6«xer Famikiendlätter Heunat tm Bild Die Scholle.

moHats-BejugsFreii: 2 -ieich»«arii und 20 -leichepfennig ftr Träger- lohn, auch bei -lichter, scheinen einzelner-rummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanfchlksse:

61, 54 und 111 -Inschrift f6r Droh mach, richten Anzeiger Gieße».

peRscheckko«»:

gttwfferl em Mai, 11688.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnid inö Derlag: ViÄhl'jche U*iDtrNtäi^Bud» ieö Sicmuruderei k. Lange in Gieren. Zchnftleitang und Atfdfäftsltele: 5chnl«ratze 7.

Laaatzwe wa lajeiaci für die lagttnaeuntr via zu« Nachmatag vorher.

Preis für l mm höhe für Slnteutn v»U 27 tat» Brette . rthd) 8, au»wärt» 10 -reichspsennig; für -?e» kUweenleigen von 70 mm Brette 35 Bn^spfeenig, Platz Vorschrift 20, mehr.

Lhefredoktear

Dr. Friede. Dilh. Lange. DerantwonUch fürPchnb Dr. Fr. Wild. Lange: für Feuilleton Dr. H.Thartot: für ten übrigen letl Ernst Vinn,schein: für den An­zeigenteil Mart Hillmann. sämtlich in Gießen.

Stresemanns Nobelvortrag in Oslo.

Oslo, 29 3enL (TBolff) Heute ronniliag hat her 5t 6 n t a dem teutfäfen Mini her te- Auswärtigen unb Stau Öltelemann einen halb stund', gen Besuch Im ® ranb Hotel ab* gestattet 2ün Jllirtag fand dann im Festsaale der llntocrlilät der Robcl-Dortrag Sttesc- rnannS statt. Troy des trüben Wetter» &at;c sich vor der Universität eine grobe Mcn'chcn- menae angel arnmeit. Der Festsaal war von einer repräsentativen Versammlung dicht besetzt Auf den reserviert«n, Sitzplätzen sah man u. a. dem deutschen Gesandten und daS fldamte Personal der deutschen Gesandtschaft, den Präsi­denten deS Rotel-Komitee». den Prem ter- Minister. Mitglieder der Regierung und teS LtaatSHofes, zahlreiche Vertreter des diploma- ttschen Stert*. Vertreter der Behörden der Stadt OSlo. fottxc zahlreiche hervorragende Persönlich- fetten des fünftlenschen. wissenschaftlichen und wirtschastlichen Lehens. Auch di« deutsche Kolonie war fast vollzählig vertreten. Kurz nach 12 Albt betrat der König den Saal und begrübt« Dr. Strelemann in- herzlicher Weise. Darauf hielt der Borsit»ende deS RobeUvmitoe-. Direktor der Untoerlitüt Prof. Stang, eine kurze Ansprache, in welcher er der groben Freude Ausdruck gab. Dr. Sirc'emann begrüben zu können. Unter lau­tem Beifall betrat dann

Dr. Strefemann.

die Aednenribüne und gab zunächst seinem Dais für die Verleihung des Nobelpreises Ausdruck. Er fpra4> dann in einstündiger Rete über fol­gende Geba nkenga nge:

,Diese Auszeichnung gilt nicht theoretischer Forschung, sondern praktischer Politik. Sie bildet eine Einheit in bezup auf die Politik anderer Länder, di« denselben Weg gegangen sind. Somit gilt sie auch für Deutschland nicht einer einzelnen Persönlichkeit. Aller­dings mochte ich daS Wirken einer einzelnen Per­sönlichkeit nicht unterschätzen. Wenn eS sich um irofjc Ideen handelt, braucht der einzelne die Inter ft Übung seiner Nation. Gerade In Deutschland ist teilweise ein harter Kampf um die deutsch. Außenpolitik geführt worden. Deshalb bin ich vielleicht am ehesten in der Lage, die Frage der geistigen Verfassung deS heutigen Deutschland zu beantworten. DaS alte Deut'chland ist vielsach nach Äußerlichkeiten beur­teilt worden Alts» und Reue» rang in ihm nach Gestaltung Wie das Kmd seinen Vater ehrt, auch wenn cs Schwächen und Fehler an ihm wahr- nimmt. so wird ein Deutscher, der daS alte Deutschland miterlebt hat, daS Land, daS ihm ein Sinnbild der Grob« war, nicht gering achten, ebenso wie von denjenigen, die im alten Deutschland lebten unb webten, die Anerkennung für daS Große und Verehrung-würdige deS neuen Deutschland verlangt wird. Der Gedanke deS Stifters deS Robelpreise» war. den von ihm mit genialem Erfinderblick entfesselten Tlaturfräf- ten Die bändigende Macht deS Men­sch e n a e l st e s enrgcgenzuseycn. Daß die heutige Entwicllung deS deutschen Volke- sich in dieser' Richtung bewegt, ergibt sich daraus, das) die beut fax VerständigungS- und Friedenspolitik nicht möglich gewesen wäre, wenn sie nicht einem tiefen Sehnen der deutschen Volksseele enttprochen hätte. Dabei freuten sich die Ideen deS nationalen und internationalen ZusammenwirkenS. Wer das Höchste in sich entwickelt. waS die Blutströme des eigenen Volke- ihm geben, der wird über daS leinen, Volke eigene die grobe Linie dc« all­gemeinen Empfinden- so fühlen, daß aus dem erdgewachsenen Boden feiner Anfchauuung das grvhe Menschliche, die Wölbung über dem Dom dc- väterlichen Empfinden- steht. Man mub. wie Herriot kürzlich in Frankfun a M. au-sührte, national empfinden, um internatio­nal w i r k e n zu können.

Dem deutschen Volke Ist e» nach dem mllitä- rifdjen Zufaminrnbruch nicht leicht gemacht worden, die nationale 3bee in diesem Sinne tu verstehen und auf dem ID ege jum Frieden mit führend zu fein. Der schwerste Verlust laq nicht in den verlorenen Gebieten. Kolonien und vermögen, sondern darin, daß die Mittelschicht, die früher die beste Trägerin des Staats­gedanken» gewesen war. völlig verarmte und proletarisiert wurde. Getreten und gedemuttgt wandte sich die geistige vewegung dieser Schicht in scharfer Kritik gegen ungcrcchticr- tigte Angriffe von außen und betonte um so mehr die Erhaltung des Traditionellen im

Tunern.

Die Nachkriegszeit brachte für Deutschland weiter den Ruhrkrieg. Hoch einmal brauste das Gefühl au. Aber e- begann zu diffe­renzieren zwischen denen, die den Kampf woll­ten und denen, die eine rechtliche DasiS schon damals nicht für geacben hielten. Dann kam die Konferenz in London über den Dawes- plan. Das verwunderte Doll sah zum ersten Male seine Vertreter nicht als Objekt, sondern an e i m Tische mit den Vertretern einst seindiicher Rationen. £3 vernahm au- Her- riots Munde die Zusicherung der Ruhrräu- mung E» war Vriand. der diese- Wort Äemote cinlöftc. Ss kam mit der deutschen IjniriatiDc de- Wcmoradum- vom 9. Februar 1925 die Inaugu ration derPo 1 itik von Lo­carno. Es wäre eine Unwahrheit, zu sagen, daß diese Politik freudiger und hllstzlicher 3 stimmung begegnete. Sie begegnete Mißtrauen auf der Gegenseite. Mitzdeutung im Innern.

Dann kam nach einem Wechsel zwischen Miss­trauen und Vertrauen die Verständigung über die Verträge Dann kamen falsch« Tak­tik und falsche Empsind.ichkeit, die noch ein­mal im Jahre 1926 Deutschlands Eintritt In den Völkerbund unmöglich machten. Schließ» lich kam im Dezember 1926 jener (Eintritt Deutfd)* lands in den Völkerbund, bet dem Herr Bnand In seiner Rede davon sprach, daß die Zeit der Kanonen und Mitralleusen rorbei sein müsse und in der er die Worte sprach, die über diesem Jahrhundert stehen sollten, daß die beiden großen Völker. Deutsche und Franzosen, die soviel Lorbeeren auf dem Schlachtfeld« im gegenseitigen Kampfe er­rungen hätten, daß sie in Zukunft gesehen wer­den möchten im Wet tbewe rb um bi« großen idealen Ziele der Mensch­heit. Wer diese Stund« in Genf erl«bt hat, der wird sie niemals vergessen.

Die Zeiten, die seitdem gekommen sind, waren fln Hai und Ab, fie zeigten Wellenberge und tiefe Täler, sie zeigten keimende» vertrauen. Sie zeigen gegenwärtig mehr eine ftrife de» vertrauens in die ganze Entwicklung des Frie­den» al» eine einmütige Bejahung von allen Völkern der Erde.

und so kann heute gesagt werden, und die letzten ReichStagsverhanbiungen haben eS bewiesen, daß in dem Sehnen nach der Verständigung die überwältigende Mehrheit de- deutschen Dolke- sich einig ist. Wenn ein Volk, dessen Umschich­tung so gewaltig war wie die de- unsrigen, de- Bolschewismus nach rechts und link- Herr geworden ist, so zeigt die- zunächst den Steg

d«S Realpvlitlschen über daS Ima­ginäre und über den Illusionismus. Im neuen Deutschland hat die Arbeiter­klasse. gleichgültig. welch« potttt'ch.' Vertretung sie sich gab. s ich f e ft an daS Reich und den Staat gebunden. Keine Aenderung der Parteikonstellation kann an tem Defamtwillen. keine Schicht auSzuschlies>en von b*r Mitarbeit und Verantwortung an dem Staat, irgendetwas ändern. DaS schuf bt« Grundlage ebenso zur Konsolidierung wie zur Erhaltung der Rcichs- ernheit und die Heranziehung derjenigen, di« einst in alten Zetten den Staat regierten. ES folgte die Heranziehug der Schicht-- die da glaub­ten. den neuen Staat, bic neue Staat-!orm ab- lehnen zu müssen. Dage-ereignilse und Tages­politik ändern nicht- an der geschichtlichen Tat­sache. daß alle Parteien heute i.n neuenDeatlch- lanb mitarbeiten. Schließlich siegte über alle Verschiedenheiten der Anschauung doch der Gedanke, daß all« Hände notwendig wären zum Aufbau, und daß die Söhne und Enkel, die einst zurückbiicken werden auf diese Zeit, die Palme der Qfnerfcnnung denen reichen, bk in dieser schweren Zeit nicht beiseitestan- den. sondern Hand mit anlegten, um bat zusammen gestützte Hau» wieder auszubaue.,.

Gegenüber der Idee: Alle» oder neue» Deutsch­land scheint sich die Synthese der Verbindung be» Alten mit dem Neuen durchzuseßen, diese Synthese, die das deutsche Volk verkörpert in der Persönlichkeit feine» Reichspräsidenten.

Er war dem Manne gefolgt, der. hervorgegangen aus den Kreisen der alten grundsätzlichen Oppo-

Mgm te S-ertüMes w NiNWsUW

nahmegesetz empsundcn und werde bie Atmosphäre der Vergleich-Verhandlungen un­günstig beeinflussen.

Di« Vertreter von Thüringen. Mecklenburg- Schwerin und Hessen erklären sich für eine Verlängerung der Sperrfrist durch das Reich. Der Vertreter von Preußen erklärt, an solcher Verlängerung kein Interesse zu ha­ben. soweit es dte Hohenzoliern angeht, ein großes Intereste aber, soweit es bie de - pofs edierten Fürsten und die S t a n desherren angehr.

Reichsjustizm.nister Hergt bedauert, daß l1/, Jahre verflossen seien, ohne daß eine Eini­gung erfolgt sei. Jedes Sperrgesetz sei e.n Ein­griff in dte Rechtsordnung. Bei der Fürsten­abfindung spielten politische Gesichtspunkt« mit. da ihre Fragen Folgen der Staatsumwäl­zung seien. Anders sei es bei den 19 Standes- Herren, darunter sieben depofsedierten Fürsten. Formell bittet der Mtnifter, die Verlängerung der Sperrsrist bezüglich der Fürsten ncht zu beschl-.eßen. Bezüglich der Standesherren stellt er die Entscheidung anheim.

Abg. Barth (Sn.) erklärt, daß seine Frak? tion mit aller Entschiedenheit eine Verlängerung des Lperrgesetzes a b l e h n e. Seine Fraktion sei aber bereit, einer Regelung zuzustimmen, daß ein Zivillmat des ReichSgerichtS al» Schieds­gericht eingesetzt werd«.

Abg. Schulte (Zenlr.) erklärt: Die pri­vaten Offerten der Fürstenhäuser könnte er nicht für einen vollgültigen Ersatz für die Verlängerung des Sperrgefetze» ansehen, er glaub«, daß seine Fraktion deshalb nicht auf das Sperrgesetz werde verzichten können.

Abg. LandSberg (Soz.) erklärt als den schwerwiegendsten Einwand gegen das Sperrgesetz die Annahme, daß eS 'ich letzten Endes in seiner Wirkung um tee Rech t S ver we i g e r u ng handle. D.eser Einwand werde aber gegen­standslos durch das Einverständnis ter Für­stenhäuser. freiwillig bis Dezember 1927 bie Streitigkeiten aussetzen zu wollen

Ministerialrat Dr. Edward (Heftens vertritt den Standpunft. daß der soz-.altemc^ratilch-temo» kratisch« Anttag daS mindest« darstelle. Wa­di e Länder verlangen könnten.

Abg. Dr. W u n d e r l i ch (D. V.' haft es nach dem. was inzwischen geschehen sei. nicht für notwendig, daß da» Sperrgesetz verlängert werde. ba sämtliche Fürstenhäuser erklärt hätten, sie leien bereit, die Stvettigkeilen bi» De^mber ruhen zu [offen

In der Abstimmung wird der sozialdemokra­tisch-demokratische Gesetzentwurf mit 13 gegen 11 Stimmen (also nicht mit Zweidrittelmehrheit) angenommen. Dafür stimmten Zentrum, De- mokraten. Sozialdemokraten und Kommunisten, dagegen die Deutfchnationalen, die Deutsche Volks Partei unb die Bayerische Volk-Partei.

führt, denen geqenüb-r die Länder sich nicht ablehnend verhielten. Alle in Betracht tomnien- den Fürstenhäuser hätten eine schriftliche Er­klärung im Ministerium de» Innern abgegeben, in der sie ihre bindende Bereitwillig­keit erklärt haben, die Wirkung be» Sperrgesetze» bi» zum 1. Dezember d. I. vertragsmäßig gegen sich gelten z u lassen. Ein« CB er Lagerung de» Sperrgesetzes sei deshalb nach 2knsicht der ReichSregierung sachlich überflüssig. Eine gesetzliche Sperre werde von den Fürstenhäusern al» Aus-

Im RechtSausschuß de» Reichstage» I wünsche. Sehr intensiv sei die Vermittlung»- gab eS am Mittwoch eine nicht unbedeutende tätigfeit des ReichSmimsteriums des Innern ge- Ueberraschung. Zur Debatte stand ein sozia- | wesen, und fie habe zu DergleichSangeboten ge- list.sch- demokratischer Gesetzentwurf, der eine Verlängerung k>es s og. Fürstensperr- g e s « tz e». das am 30. Juni abläuft, dis zum 31. Dezember verlangt. Da inzwischen die fürst­lichen Kläger sich dem Reichsitmenministerium gegenüber verpflichtet hatten. Die Wirkung te» Sperrgefetze» bi» zum 31. Dezember gegen s ich gelten zu lassen, stellten sich Regierung und Koalition auf den Standpunkt, daß eine neue gesetzliche Regelung nicht erforderlich sei, weil bie schriftlich abgegebene Verpflichtung der Fürsten genüge. Rur und das war die Sen­sation de» Tages da» Zentrum nahm eine andere Stellung ein. E» wechselte zur Opposition hinüber mit der Begründung, daß die private Offerte der Fürsten fein ge­eigneter Ersatz für da» Sperrgesetz sei. Wa> dieses Ausbrechen be» Zentrums aus ber

Front der Regierungsparteien an sich schon bedauerlich so rief ein scharfer Zusammenstoß zwilchen bem Vertreter der Deutschnationalen und der Zentrums;raklion wegen dieser Ableh­nung einen um so peinlicheren Eindruck hervor. In der Abstimmung blieb das Zentrum bei den Oppositionsparteien, so daß dec sozialdemokratisch-demokratische Gesetzentwurf mit 15:11 Stimmen angenommen wurde. Tatsächlich bedeutet das aber eine Able h - nung, da eine Zweidrittelmehrheit nö­tig ist. bie nicht zustande kam unb auch im ReichStagsplenum nicht zusammenzubringen sein wirb. Die Haltung des Zentrums ist um so merkwürdiger, al» es genau wußte, daß ber be­handelte Entwurf keinerlei Aussichten aus Annahme hat, bie Verlängerung der Sperrfrist aber ohnedie» schon durch bie Verpflichtung ber Fürsten Tatsache geworben war. Diese Taktik ist n-.cht zu begreifen, zumal hier wegen einer inzwischen in Ordnung ge­brachten Angelegenheit daS Zentrum zum Der- anügen der Opposition den Eindruck entstehen ließ. alS stehe die Koalition auf recht schwachen Füßen.

Sitzungsbericht.

Berlin. 29. Juni. (V.D. Z.) Der Rechts- ausschuß de» Reichstags beriet heute den An­ttag Müller-Franken (Soz.) und Koch-Weser (Dem.), der das Sperrgesetz zu den Für­st enabsindungsprozessen statt bis »um 30. Juni bis zum <1. Dezember 1927 verlän­gern will. Artikel 2 ermächtiat bie Länder, entgegen der Gesetzgebung zu befturar.cn. daß bi» zum Ablauf der Gelrangsdauer des Gesetze- über die Sperrfristen Gegenstände, d.e zu einer Vermögenemasie gehören, über deren Verteckung zwischen bem Lande unb dem ehemals regieren­den Fürsteichaus« Streit besteht, nur mit Zu­stimmung des Lande» an Dritte ver­äußert oder belastet werden fönnen. Die» gilt nicht für Verfügungen im Rahmen einer ordnungsmäßigen Wirtschaft. Zu ferner Ver­abschiedung fordern die Anttagsteller b.c für bie verfasiung »ändern de -Gesetzgebung erfordern ch« Zweidrittelmehrheit.

Staat»!etrclär Zweigert teilt nut, baß bie Abfindungen noch nicht erledigt find tn Sachsen-Altenburg. Sach'en-Koburg. Schwarz- bürg. Gotha, Mecklenburg-LchweriTi. Mecklen- burg-Strclig und LippfDetmold. Mecklenburg- Stteliy habe erklärt, daß cs keine Erledigung im DerleichSwege. sondern im Rechtswege

fition. al» erster Präs ident d s Deutschen RZch?S nv: großem Takt, mit politischer Weishe, uitb mit starker Datcrlondliebe bra Weg vo n brob-ix- den iSbac* zur Konstitution, von der Koustitutt.n zum Wiederaufbau gccirwi hat. 3n dem vom Volk gewählten Reichoprui!d.-n en v. Hinden­burg fi^it da» deutsche Volk bic Persönlich kett, bic. ausgewachsen in den Trabttimwn bee altn» Kaiserrclchs. bic Pslichten gegenüber der ju. :n Republik in schwerster und da» Herz am metften anareisender Zeit erfüllte. In seiner Periönltchk,<t unb in feinem Wirken ist bie Idee der Volksgemeinschaft verkörpert. Mtt dem Deutschland, da» heute ist. bat nich: nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft za rechnen. Man hält bi cf cm Deutschland vor. hsA sich in ihm Hundert'ausenbe jufammenf inten in Or^uüf^'io- nen. bic von Front solbatentum fbrtd.vi. von Frvntgeist unb ähnlichen Dingen. Aber IvVte da» pfttchologifch anders fein? Ist es nicht eine Fr.ud« yur Herrn Vriand. wenn bie aucien enm- hattants ihn zu sich rufen? In einer Red? vor den anciens combaMants au» bem Orient hat fierr Brianb gesagt, baß einer der glücklichsten Momente seines Oeben» der war wo er bi« Rachricht erhielt, baß Verdun von den Deutschen nicht erobert wu^be. Warum will man e» bem Deutschen verbenken. daß er einIo zu bem glücklichsten Augenblick seine» Leben» bie Stunde zählt, in ber ihm Kunde warb von bet Schlacht bei Tannenberg, von ber Bewah­rung deutschen Boten» vor dem Ansturm der Gegner? Ich wende mich an Herrn Brianb selbst, der von ber Erinnerung sprach an bie großeck Taten beider Völker im Ringen gegeneinander, in mächtigen Zeiten ber Vergangenheit

Ich bin so sicher wie er, daß gerate diejenigen, die an ter Front den Weltkrieg erlebt haben in all seiner Größe und all seinem (brauen, die Träger einer neoen Zukunft te« Jrieten» fein werden

Europa wurde zerstampft durch den Krieg wie kaum ein anderer Erdteil. Worum sollte nicht bei uns. die wir von allen Mächten am meisten unter dem Krieg gcl.tten baten, der Drang ne.ch Frieden am größten sein? Dtt Einleitung ber Politik von Locarno war ein Wendepunkt in ber Entwicklung der europäischen Rachkrtcg»- zett. Ss ist irrig, au glauben, daß bie deutsche Öffentlichkeit da» Problem nur unter bem ®c- sicblspunlt ber Au»wirkung für Deutschland allein ansieht Locarno bedeutet diel mehr. Ls ist einmal ber Zustand de» dauernden Frie­dens am Rhein gewährleistet durch den feier­lichen Verzicht der beiden großen Rachbarnatio- r.en au* Anwendung von Gewalt, gewährleistet durch bie Verpflichtung anderer Mächte, kem- icnigen Hllfe zu leisten, ber entgegen dieser feierlichen Vereinbarung ba» Opfer der Gewaft wird. Da» ist die Treugadei. ter GotteS- f rieten, der dort herrschen soll. Sc kann unb oll weiter bie Unterlag« sein für ein Zusammen­wirken dieser Mächte, um Frieden zu v.-rbreiten, wohin immer ihre moralische und materielle Macht und ihr Einfluß reicht. Für b.efcn Ge­danken steht heute die gewaltig« Mehrheit te» deutschen Volke» ein.

Ater mit diesem Dcdanken wäre e» nicht ver­einbar. wenn auf dem Boten eine» Cwtcs, dar all unterlegene® Land ter Revanche ab- schwört und dem Frieden sich widmet, auf 3ot>re hinaus fremte Bajonette stehen sollen Die poiitir von Locarno ist unvereinbar mit ter politif te® Mißtrauen®, mit der Politik ter Gewalt, mit der Politik der Unterdrückung. Sie ist bic Politik ter Verständigung, die Politik bes freien Millen». sie ist die Politik te® Glau­ben» an eine neue Aera, an eine neue Zukunft.

Verstehe ich Sie recht, bann war es Ihr Volk, ba». in mehr al» hundertjährigem Frieden lebend, diese Idee bekräftigen wollte durch bie Entschei­dung des Rotelkomitee«, da» den Männern von Locarno den Preis zuerkannt für ihr Streben. 3d) freue mich, in ter Hauptstadt Ihre» Lante» beule den Dank au»sprech?n zu dürfen für diese Ehrung. Ich verbinde mit diesem Dank die Hoff­nung. daß bie Ide«, bt« Ihrer Ehrung zugrunde lag. Gemeingut werden möchte ter ringenden Rationen ter Gegenwart, auf daß. wenn diese» Ziel erreicht wird, da» Wort wahr werden möge, da» ter große Deutsch«, ber am meist en über daS Doll hinauswirkte, einst aus'prach: Dir bekennen un» zu dem Geschlecht, da» au» dem Dunkel in» Helle strebt.

Nachdem Strefemann seine Rode beendet hatte, tourte ihm lebhafter Beifall gefpentet ter sich immer mieterholte und kaum ein Ende nehmen wollte. Drof. 6 ta n p sprach dem Redner nochmals den Dank ber Lersamtunq aus, und ter Röntg te- oiückwün'chte Dr. Strefemann. Die zahlreichen Zu­schauer, di« vor ter Universität versammelt waren, brachten Dr. Strefemann, al» er in sein Auto stieg, um yim Hoi kl zurückxakehren, warme Kundgebun- gen bar. Am Abend veranstaltete da» Nobel-Somitee ein Bankett für Dr. Strefemann und Gemahlin. Heben den M lgliedern de» Komitees und den br-'i- schcn Eyrengaften bemerfte man u.a. die Storiing» Präsidenten, den PreMerminister Lykke, Emanuel Rodel, Frichof Nansen, den te-utschen Ge- fandten Nhomberg, die Gesandten Ame­rika» und Frankreich» sowie führende Wan­ner aus Wißen schäft, Politik und Industrie Nor­wegen». In einer Artzprache rahtte Dr. Strefemann u. a. aus: Wir sprechen verjchietene Sprachen, aber wir verstehen uns in dem einen Gedanken, daß Gott