Kampfe ablehnt uud jede m stch die verschiedenen Dolksschichten auf eine Gemeinsamkeit in ihren Rechen geeint haben, sie muß sich auf die größere Gemeinschaft aller staatsbürgerlich eingestellten Dolksparieien stärker einstellen, als das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist und sein konnte."
Aus dem haushaltsausschutz
-es Reichstages.
Berlin. 29. März. (B.D.Z.) 3m Haus- haltsausschuh wurde die Aussprache über die allgemeine Finanzverwaltung fortgesetzt.
Abg. D i e d r ich - Baden (5)em.) erilärte. daß das Ergebnis der Reinholdfchen Wirtschaft lange nicht so schlecht toar. wie es hingestellt wurde. Insgesamt seien noch Reserven von 6 6 0 Millionen Mark vorhanden. Die notwendige Deamtenbesoldungsverbesse- r u n g könne bei einigermaßen günstiger Entwicklung der Wirtschaft aufgebracht werden. Es sei aber auch gleichzeitig eine Besserstellung der Kriegsbeschädigten nottoenbig.
Abg. Äoenen (Komm.) verlangt genaue Auskunft darüber, wie hoch die Rückstände bei den direkten Steuern seien. Die Streichung der Etats'umme für Kinderspeisungeic und andere soziale Ausgaben seien auf das schärfste zu verurteilen.
Staatssekretär Popitz bezifferte die Ruck- stände am I. Januar 1927 an Besitz- unb 13er- kehrssteuern, einschließlich der Umsatzsteuer auf insgesamt 553 Millionen Mark. Die Rückstände aus den Zigarettensteuern von 40 Millionen Ml. müßten zum größten Teil als verloren gelten.
Abg. Dr. Pfleger (Bayer. Bp.) wünscht bei Einziehung der Steuerrückstände weitestgehende Schonung öermittleren undklei- nen Existenzen. Er forderte Bereitstellung weiterer Mittel im nächsten Etat siir die bedrängten Grenzgebiete.
In der Abstimmung wurden die Etats- a n s ä tz e für die Einnahmen an Einkommensteuer auf 2620 Mill. Mk. u. an der Körperschafts- steuer auf 400 Millionen Mk. e r höht. Weiter wurden neu eingesetzt' 190 Millionen Mk. aus der Rücklage zur Verstärkung der Betriebsmittel der Reichshauptkasse und 200 Millionen aus Aeberschüssen des Rechnungsjahres 1925. Bei den Ausgaben tourbe bet Ansatz für die ilcbcrtocifungcn aus Einkommen-. Körper- schaftS- und Umsatzsteuer an die Länder aus 2600 Millionen Mk. e rhöh t. Ebenso wurden die ikbertDeijungen an die Länder aus der Bier steuer auf 70 Millionen und 700 000 Mk. erhöht. Bewilligt wurden zur Unterstützung allgemeiner Fürsorgeeinrichtungen zwei Millionen Mark. Die Etatsposition zur Förderung von Anstalten und Einrichtungen der privaten Wohlfahrtspflege wurden von 2,5 aus 2 Millionen Mart herabgesetzt. Angenommen wurde eine Entschließung, die öringenben Bedürfnisse der freien Wohlfahrtspflege erneut zu prüfen und gegebenenfalls im Äachtragshaus- halt eine angemessene Erhöhung anzusordern. Alsdann wurde der Etat der allgemeinen Finanzverwaltung verabschiedet.
Das Handelsprovisori^m mit Frankreich.
Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".
Berlin, 29. Marz. Wie gemeldet wird, hat das Reichskabinett, bevor es sich endgültig über die Annahme des Provisoriums schlüssig werden • will, noch wegen einzelner unwesentlicher Punkte eine Rückfrage nach Paris aerichtet. Doch darf l man wohl annehmen, daß es sich dabei nicht um Dinge handelt, die auf den Entschluß zur Billigung * des Provisoriums entscheidenden Einfluß haben , werden.
An den Bestimmungen des Provisoriums selbst, soweit sie bisher bekannt geworden sind, wird von einem Teil der deutschen Wirtschaft bereits Kritik geübt. Das ist selbstverständlich und bei jedem Abschluß eines Handelsvertrages oder eines Wirtschaftsabkommens üblich. Immerhin find die Einwendungen zum Teil nicht unbeachtlich, weil sie die - Richtung zeigen, in der sich die Bemühungen für den Abschluß eines definitiven Handelsvertrages werden bewegen müssen. Entgegen den französischen Tendenzmeldungen ist die Deutschland zugestandene Contre-Partie nicht kleiner, sondern erheblich größer als das deutscherseits bewilligte Einfuhrkontingent französischer Weine. Das Verhältnis scheint 60 Millionen Franken für deutsche Erzeugnisse gegen 40 Millionen Franken für französische Weine zu betragen. Die Zugestöndnisie an die deutsche Wirtschaft betreffen vorwiegend die chemische, elektro- technische und Maschinenindustrie, wobei besonders um die Forderungen der E h e m i e gerungen wurde. Die ersten französischen Angaben find auch in bezug auf die zugestandenen Sätze unzutreffend gewesen. Denn der Satz für Wein beträgt 32 bis 45 Mk., wie für italienische und spanische Weine. Aber es bleibt die Tatsache natürlich bestehen, daß es leichter ist, für 40 Millionen Franken französische Weine innerhalb der Laufzeit des Provisoriums in Deutschland abzu setzen, ober mindestens in voller Höhe nach Deutschland einzufiihren, als Abnehmer für die ein Zelnen Erzeugmsie, der an dem Kontingent beteiligten deutschen Industrien innerhalb dieser kurz bemessenen Frist in Frankreich zu gewinnen. Deshalb auch die Spanne zugunsten des deutsche» Kontingents.
Di.' Einwendungen richten sich nun z. T. gegen die Dauer Provisoriums, die aber von den Rücksichten auf die deutsche Landwirtschaft, besonders den Gemüsebau, diktiert toat; die Industrie würde es natürlich vorziehen, eine Frist zur Verfügung zu haben innerhalb de- ren das Kontingent mit Sicherheit aus - genützt werden könnte. Ferner betreffen die Anstände die Tatsache, daß nicht auch andere Gewerbe in dem Kontingent berücksichtigt worden färb, wobei man ebenfalls mit dem Argument arbeitet, daß solche Industrien, wie die der Metallwaren und des Papiers eher in der Lage gewesen wären, die Einfuhrmöglichkeit mit f o - fort lieferbaren W areur auszu- nutz e n. Weitere Einwendungen richten sich gegen das nicht grundsätzlich aufgehobene fron- 5 ösische Einfuhrverbot für Teer- färben und befürchten dadurch. Hindernisfe in der Praxis. Endlich wird mancherseits darauf hingewiesen, daß der Unterschied in den geltenden Zollsätzen und denjenigen der sran^osifchcn Zolltarifnotzelle die Franzosen reizen könnte, diese Rovelle schnellstens in Kraft zu setzen und dadurch die Möglichkeit wegsiele. die Periode der Emfuhrbegünstigung zur Sicherung lünitiger Absatzmöglichkeiten auszunuhen An diesen Ein-
Die Lage in China.
Schanghai, 29. März. (Havas.) General Tschangkaischek hat den Pressevertretern erklärt, daß die Verhandlungen mit den ausländischen Behörden nur von dem Innen- und Außenminister Tschcn ausgenommen werden formten, dessen Ankunft in Schanghai bevorstehe. In Ranking hätten die Ausländer keine Gewalt aix- wenden Dürfen. Die s remdenseindliche Bewegung unter den Ehinesen sei durch die gewaltigen Verluste an Menschenleben auf chinesischer Seite nur noch verschärft worben. Tschangkaischek hat wegen der fortgesetzten Stra- henlämpfe im chinesischen Stadtviertel von Schanghai das Standrecht verhängt. Der General hat übrigens dem amerikanischen Admiral Williams an Bord des Flaggschiffes einen Besuch abgestattet. Die Kanlvnef-en sind sehr ungehalten darüber, daß bei seinem Empfang an Bord die Ehrenbezeugungen durch die Besatzung unterblieben seien.
Rußlands Politik in China.
Moskau, 30. März. (WTB.-Funkspruch.) In einer Rede erklärte R y k o w, der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare (Ministerpräsident) zu den Ereignissen in Nanking: „Wenn auf einem Gebiet der internationalen Politik die Kanonen zu sprechen beginnen, so gibt es genug Gründe zu Besorgnis um das Friedenswerk. Bei der gegenwärtigen, überaus verwickelten internationalen Lage kann eine derartige Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas einen großen Krieg in China hervorufen, der seinerseits in seiner logischen Entwicklung zur Quelle von Verwickelungen nicht allein auf dem asiatischen Kontinent, sondern auch in der ganzen Welt werden kann. Für die Sowjetunion besteht die Gefahr, daß politische Gruppen zu beweisen suchen, daß zur Unterdrückung der nationalen Freiheitsbewegung in China und anderen Ländern in erster Linie die Moskauer Revolution unterdrückt werden müsse. Gegenwärtig kann ziemlich sicher angenommen werden, das direkte Kriegsabenteuer gegenüber der Sowjetunion und eine evtl. Intervention in nächster Zeit wenig wahrscheinlich sind, wenn das gegenwärtige Verhältnis der Kräfte bestehen bleibt."
Zu den englisch-russischen Beziehungen erklärte Rykow. „Obwohl englische Regierungsverlrctcr amtlich hartnäckig behaupten, versönlich keinerlei sachliche Verhandlungen zur Organisierung eines sowjetfeindlichen Blocks geführt au haben, :o werden dennoch die Versuche, einen derartigen Block zu bilden, kaum von irgend jeman
den angezweifelt. Vielleicht strebt Chamberlain tatsächlich nicht die Schaffung eines sowjetfeindlichen Blocks an, sondern ist womöglich sogar bemüht, einen sowjet f r e u n d l i ch e n Block zu schassen. Jedenfalls bestätigen alle seine Maßnahmen Hinsicht lich der Entwicklung der englisch-russischen Beziehun- gen diese Bestrebungen nicht. Ferner fühlen sich olle, die den Sturz der Sowjetmacht anstreben, hierin mit Chamberlain vollkommen solidarisch. Wir sind am wenigstens dafür verantwortlich, daß eine derartige Lage entstanden ift/
Die amerikanische Intervention.
Washington, 29. QRära. (WB.) Wie das Weiße Haus heute bekannt gibt, sollen die amerikanischen Streitkräfte in China nicht den Streitkräften der anderen Großmächte angegliebert werden. Präfi - dentCoolidge steht auf dem Standpunkt, daß die Vereinigten Staaten von Amerika ein eigenes Kommando unterhalten sollen, so daß eine unabhängige Aktion seitens der amerikanischen Militärtruppen durchführbar bleibt. Dennoch hat der Präsident das Empfinden, bah die amerikanischen Streitkräfte mit den Truppen der anderen Mächte zusammenarbeiten müßten, da die amerikanischen Flüchtlinge namentlich in Schantung zerstreut innerhalb der Konzession untergebracht sind. Schwierigkeiten sind dadurch entstanden, daß die französische Konzession in Schanghai entschlossen ist. sich selbst zu verteidigen. Es bleibt dem amerikanischen Kommandeur überlassen, unabhängig nach den Erfordernissen der Lage zu handeln.
Der amerikanische Gesandte in Peking Mac Murray hat telcgraphrsch das Staatsdepartement bringend ersucht, scharf vorzugehen, um eine Wiederkehr der Ausschreitungen von 07anfing an anderen Orten innerHÄb des von den Rationalisten besetz len Geistes zu verhindern. Diesem Ersuchen ist ein Bericht des Admirals H v u g h beigefügt, in welchem dieser erflärt, die Lage in Wuhu werde ständig kritischer. Im übrigen erklärt Mac Murray, daß nach einem Bericht aus Ranking die Ausschrei - tungen dort noch schlimmer waren, als man ursprünglich angenommen bat. Der Terrorismus und das Vorgehen gegen die Fremden fei nicht nur offiziell begünstigt und geleitet, sondern sogar vorbereitet worden. Der Gesandte fordert schließlich die sofortige Abreise aller Amerikaner aus dem von den Rationalisten besetzten Gebiet.
Werbungen ist das eine oder andere ganz gewiß berechtigt. Wer aber die Schwierigkeiten kennt, mit denen nun schon seit Jahren das Bemühen um ein Wirtschaftsabkommen mit Frankreich zu leiben hat, der wirb auch das Erreichte als einen Forts chr i tt und ein Symptom dafür begrüßen, daß sich in Frankeich die Erkenntnis von der Rotwendigkeit eines wirt- schaftsdolitiso:«n Einvernehmens mit Deutschland allmählich durchsetzt.
Voten nnd die O;tpahte.
Tic Verhandlungen mit Rußland
Warschau, 29. März. (WTB.) Der polnische Außenminister Zaleski gewährte einem Vertreter j | des sozialistischen „Robotnik" eine Unterredung über das Problem der Ostpakte. Der Minister führte aus, ; Polen sei gern bereit, in Form eines Paktes seinen friedlichen Absichten in seinen Beziehungen zur I Rate-Union Ausdruck zu geben. Unter Hinweis | auf die Paraphierung der bisherigen Verhandlungs- I ergebnifie über einen tujsisch-leltländi- , schen Pakt erklärte der Minister, daß die beste Sicherung der Unabhängigkeit der baltischen Staa- | ten in dem Völkerbundspakt erblickt werden ; iönne. Es sei anzunehmen, daß die lettländische Re gierung in ihren weiteren Verhandlungen mit der Sowjetunion auf keinen Fall ihr Verhältnis zum Völkerbund abjchwächen werden. Für die Unabhängigkeit der Politik der baltischen Staaten sei die Aufrechterhaltung der inneren Solidarität Zwischen Lettland und E st l a n d die beste Garantie. Sofern die lettländische Regierung die Bedeutung der Solidarität der baltischen Staaten gebührend cinschätze und in den weiteren Verhandlungen mit der Sowjetunion diese Grundsätze aufrecht erhalte, könne die polnische Regierung keine Ursache zur Beunruhigung sehen. Polen sei Anhänger einer Festigung friedlicher Beziehungen aus dem Wege von Pakten, die eine wahrhafte Friedensgarantie in ganz Europa bieten. Die Verhandlungen, die Polen mit Sowjetrußlond auszunehmen beabsichtige, würden hoffentlich dieses Friedensprogramm verwirklichen.
Die EnLdentfchung Ostoberfchlesiens.
Berlin. 29. März. Wie wir erfahren, scheint die von dem polnischen Abgeordneten Ianitzly bei einer großen Versammlung der KorsantY-Partei in Kaltowitz gemachte Mitteilung über ein Gesetz, das in allernächster Zeit im schlesischen Sejm eingebracht werden soll, und auf Grund bdfen der schlesische Wojewode zur Auslösung derjenigen Stadtverwaltungen ermächtigt würde, deren Mitglieder sich gegen die Staatsbürgerpflichten a u f le h n e n wurden, auf Richtigkeit zu beruhen. Die Tendenz dieses Gesetzes ist ja in jeder Beziehung durchsichtig. Man will sich damit gegen die als Ergebnis der letzten K o in m u * nalwahIen in den Städten Ostoberschkesiens gewählten deutschen Mehrheiten in den Stadtparlamenten wenden, und sie in ihrer Handlungsfreiheit in jeder Beziehung beschränken. Daß dieses Gesetz einen Rechtsbruch schlimmster Sorte darstellt, braucht wohl nicht erst unterstrichen zu werden, mit der Denkungsart der polnischen Behörden in Ostoberichleften läßt es sich aber sehr gut vereinbaren.
Rach in Berlin vorliegenden Rach richten wird ferner in einer Interpellation des Ost- obctschlesischen christlich-demokratischen Abgeordneten S o s in s k i und Gen. an den polnischen Ministerpräsidenten und den Arbeltsminlster verlangt. daß bei Arbeiterentlassungen in Ostoberschlesien zunächst die deutschen Optanten und diejenigen Arbeiter entlaßen werden, die i h c Deutschtum kund tun Die Interpellation hat alle Aussicht auf Erfolg, denn bk Polen haben bisher mehr als einmal bewiesen.
daß sie sich um das Genfer Abkommen, das jede unterschiedliche Behandlung der Sogenannten deutschen Minderheit, in WirlliHkeit Mehrheit, verbietet, nicht kümmern Nachdem die ober» schlesischen Kornmnnaiwahlen gezeigt haben, daß alle polnischen Entdeutschungsmaßnahmen ohne Erfolg geblieben find, versucht man allo jetzt, die Deutschgesinnten durch Arbeitslosigkeit und Hunger zum Polentum zu bekehren Auch auf dem Gebiet« der Schulpolitik wird die Unterdrückung des Deutsch- tu7ns von den Polen systematisch fortgesetzt. Irgendwelche Folgen des in Genf geschlossenen Kompromisses haben sich noch in feiner Welle bemerlbar gemacht. „Die Schulproz«sse taufen weiter, die Strafen werden sogar härter und oon irgendwelchen Vorbereitungen zur Eröffnung der Minderbeitsschulen ist absolut nichts zu merken", so schreibt ein Kattowitzer feutsches Blatt. Leider ist auch noch nicht der schweizerische Pädagoge ernannt worden, der die nahezu 2000 umstrittenen Schulfälle prüfen soll. Wenn auch die deutsche Regierung nicht in der Lage ist, in Ostoberschlesien direkt einzugreifen, so sollte sie doch Wenig-Stens dafür sorgen, daß die Ernennung des Pädagogen schnellstens vollzogen wird, damit dadurch wenigstens c-.nem Teil der pplnischen Entdeutichungspolitik ein Riegel vorgeschoben wird.
Das Instruktionsbuch der tschechischen Armee.
Prag, 30. März. (WTB. Funkfpruch.) Don einem Berliner Blatt veröffentlichte Enthüllungen über ein deutschfeindliches Instruktionsbuch zur Erziehung der tschechischen Soldaten hoben unter den sudelendeutschen Parteien und in der gesamten Presse Erregung hervorgerufen, die sich mit Rücksicht auf den Umstand steigert, daß eben jetzt verschiedene Wehrgesetze, insbesondere dos über die Verlängerung der Militär- di en St 3 eit, mit den Stimmen der deutschen aktivistischen Abgeordneten im Plenum der Kammer genehmigt werden soll. Auch innerhalb der deutschen Regierungsparteien macht sich wegen des chauvinistischen Lehrbuches, das einen Tell der Dienstvorschriften der tschechische» Armee bildet, Erregung bemerkbar und man plant in dieser Angelegenheit eine Interpellation eingubrmgen
Luzzatti f.
3n Rom ist der frühere Premierminister 2uigi Luzza tti im Alter von 85 Jahren gestorben. Luzzatti entstammt einer wohlhabenden israelitischen Familie Venedigs. Er studierte in Padua Volkswirtschaft, wurde 1862 wegen Gründung einer Genossenschaft der Gondolieri in Venedig von bcu österreichischen Behörden verfolgt und lieh sich infolgedessen am Technischen Institut in Mailand als Professor der Volkswirtschaft nieder. Daneben begründete er 1864 die Mailänder Volksbank und nahm an der Entwicklung des Genossenschaftswesens teil. Im Jahre 1867 schon wurde er an die Universität Padua berufen und 1869 in die Deputierten- komm er gewählt, der er dann 52 Jahre hindurch, bis zu seinem 1921 erfolgten Hebert ritt in den Senat angehörte.
Luzzatti hat während seines langen Lebeirs infolge feiner in wirtschaftlichen und finanziellen Fragen kaum bestrittenen Mrtorität vielfach bestimmend auf die wirtschaftliche Lage seines Landes cinpetwrft. Fünfmal war er jinan^minifter. Im Marz 1910 bildete er ein eigenes Kabinett, m dem er selbst das Portefeuille des Innern übernahm, der Gras di San Giuliano aber die auswärtige Politik leitete.
Luzzatti hat dann während des Krieges eine umfangreiche Tätigkeit als wirtschaftlicher Be- ratet der alliierten Regierungen entfalte! Rach dem Kriege trat er politisch weniger hervor, befaßte sich vielmehr mit der Herausgabe einer Gesamtausgabe feiner zahlreichen Schriften sowie mit der Abfassung seiner Gebenderimierungen
Kleine politische Nachrichten.
Wie das „Lerl. Tagebl." von unterrichteter Seite erfahren haben will, beabsichtigt Reichsinnenminifter o. K e u d e l l unmittelbar nach den Osterferien im Reichstag den Entwurf für das neue Reichs- schulgesetz vorzulegen. In den Kreisen der Regierungsparteien nimmt man nn, daß das Gesetz noch vor bem Beginn der Sommerferien verabschiedet werden kann.
Die Generalversammlung der Fra nfen» t hLl er Metallarbeiterhat beschlossen, am 1. April in den Streik zu treten, an bem insgesamt etwa 3500 Arbeiter beteiligt sind Die Schlich- tungsverhandlungen sind gescheitert. Der Streik- beschluh wird auch auf die Haltung der badischen Metallarbeiter einen bestimmenden Ginfluh haben.
Aus Bukarest wird gemeldet, daß das Finanzministerium, um die Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland zu erleichtern, die Liquidierung der Besitzungen deutsch^ Bür- ger einzustelfen beabsichtige.
Preuhrrcher Landtag.
Berlin, 29. März. Im Preußischen Land- lag wurde am Dienstag zunächst der Antrag der Koalitionsparteien übet die Verteilung dererhöhtenBeträgezurHauszinS- steuer beraten. Fincmzminister Dr. Höpker - Aschoff empfahl den Antrag der Koalitions- Parteien und erklärte, daß eint Erhöhung der Hauszinssteuer nicht zu umgehen sei. Das Mehraufkommen fei mit 120 biS 130 Millionen zu veranschlagen. Es sollen der Qleu- 6 a u tä ti g leit fünf Sechstel und den gemein ben «in Sechst«! zugute tomrnen. Der Antrag wurde schließlich dem Hauptousschuh überwiesen. Sodann setzte bas Haus die zweite Beratung des Haushalts des Innenministeriums fort beim Abschnitt über die Polizei. Auch am Mittwoch soll dieser Etat weiter beraten werden.
Aus aller Welt.
Der neue Intendant des TNainzer Sladtthcaters.
In nichtöffentlicher Sitzung wählte, wie aus Mainz gemeldet wird, die Stadtverordnetenversammlung den Schauspieloberregisseur des Darmstädter Landestheaters Klitsch zum Intendanten des Mainzer Stadttheaters.
Der Fall Schnoor.
Wie die „Voss. Zig." meldet, hat ©eneralSuperintendent D. Dibelius zu feinen Aeherungcn über bas Vorgehen bet Polizei berichtigend mit- geteilt, daß er nicht behauptet habe, der in Frage stehende Mord fei vor acht Jahren von den Kommunisten begangen worden. Auw habe er nicht behauptet, daß die gegen den Pfarrer Schnoor erhobenen Anschuldigungen an und für sich -haltlos seien, ober bah em Nachspiel im Landtag stattfindev werde. Von einem Eingreifen in ein schwebende Berichten fei also keine Rede. Er habe es für fein, Ritterpslicht als Dorgefetzter gehalten einem Geistlichen, gegen ben der ungeheuerliche Bor wurf, er habe mit morbbeflecklen Händen acht Jahre lang feines Pfqrramtes gewaltet, zur Seite zu treten. Einen Vorwurf habe er nur insofern erhoben, als burd) bie Abholung zur Vernehmung das Gerücht verbreitet worben ist, der Pfarrer sei unter Mordverbacht verhaftet worben. Dazu Hobe es nicht kommen dürfen und nicht $u kommen brauchen. Wenn tat übrigen eine Verfehlung anderer Art. die bisher den Vorgesetzten nicht bekannt war, aufgedeckt worden iei. so würbe diese unverzüglich ihre Sühne Huben.
Aus der provinzialhauptstadt.
Gießen, den 30. März 1927.
Aus der Giehener Bevölkerungsstatistik.
Bei verschiedenen Gelegenheiten — u. a. bei Jahresruckblicken, Betrachtungen über die Lage auf dem Wohnungsmartt, Erörterungen über die Gefundheitsverhältnisfe in unserer Stadt ufw. haben wir früher schon Anlaß genommen, unseren Lesern Mitteilungen über di« Bewegung in der Gießener Einwohner- st a t i st i k deS jeweils im Mittelpunkt der Besprechung stehenden Jahres zu machen. Um unserer Lesergemeinde nun auch einmal einen Ueberblid über die Bevölkerungsbewegung i n - nerhalb eines größeren Zeiträume s zu geben, haben wir und von der zuständigen Stelle die nachstehenden Angaben über die Eheschließungen, Geburten und St er besä Ile für dre Zeit von 1913 (letztes volles Friedensjahr vor dem großen Kriege) bis Ende 1 926 erbeten. Danach war die Bevöllcrungsbewegung in der Gießener Einwoh- nerstaliftik wie folgt:
Jahr
6 befehl-
Geburten:
Sterbefälle:
|abl ।
I betet. .
Orts- fremb«
«»iamt-i
1 labl |
i <Hn. behn
; Ort*-
1 rrvwxb«
1913!
208
11481
598
550
594
2i9
3ii
1914
226
1105
601
504
837
459
378
1915
122
973
413
560
766
377
389
1916
133
841
367
474
789
345
444
1917
163
708
309
399
964
391
573
1918
210
822
349
473
943
454
489
1919
388
1042
549
493
800
439
301
1920
491 |
1195
698
497
769
398
371
1921
360 1
1218
704
514
774
387
387
1922
328
1052
639
413
729
3751
354
1923
290
965
552
413
092
■384
308
1924
223
964
576
388
684
350
334
1925
238
1032
559
473
701
322
379
1926
247
1032
528
5M
709
350
359
3627
14097
7442
6655 1
10751!
5441
Wenn es sich hier auch um eine Zusammenstellung trockener Zahlen handelt, so glauben wir doch von einer besonderen örläuterung ab- sehen zu können, da die Sprache diefer Schien auch ohne weitere Worte deutlich und eindrucksvoll genug ist. Besonders Hinweisen möchten wir nur auf dre Zahlenangaben über die Kriegs- fahre, aus denen die große deutsch« Dvlls- not auch in unserer Stadt klar ersichtsich ist.
«Octtcn>orai;ofaßc.
Wolkig, etwas wärmer unb stellenweise Weber- schlage.
Gestrige Taaestemperaturen: Maximum: 11,0 Grab Celsius, Minimum: 4,4 Grab Celsius. Weber- Ithläge: 2,8 Millimeter.
Heutige Morgentemperatur: 0,4 Grab Celsius
M ß>B SS mittag D auB^it 5(ni^n3
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" Mietp ©clamhnmifteri gesetzliche Me Prozent be trerben iß. H für laufende 3i M btt Htirb övnbcrbGinmr schlage bleiben diejenigen übet steigenden Tßa grubcnenüeenr
" Pers cloatsbicnfl ( liche Prostsso und Prosekto: Landesumvers auf fein Rach 1927 an. - dach wurde u InfbeHot an Inspektor Sjöi Ach" Dien Kühbach vers< Hwrrich D e j Bum Lehrer <m Schotten,.
- Lage Hadith«^- ■ (finbe MN >*!*■ » Ärobudur.
Aus nnrb uns SK mann.wn ' des cntanflcn wlgreich d«n - wird dirM' .
Asmoortrag das verbotene üTben Palast aach an dieser tmpsohlen-, Du drj Aolomalde sich und eindr gemacht werde fet gegen die Zurückgabe de mi gewinnen.
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