ftetyenbe Benachteiligung beseitigen und die im Interesse der Gemeinden und des Staates dringend erforderliche Einheitlichkeit der De- fcüdung der hessischen Gemeindebeamten, die keineswegs eine Beeinträchtigung der Selbstverwaltung der Gemeinden darstellt, herbeiführen. Die in den anderen Ländern des Deutschen Reiches geschaffene gesetzliche Regelung muh auch in Hessen durchzuführen möglich sein.
Aus -er Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 29. September 1927.
DienstKauironen-Aufwertung.
Bon der Fachgruppe der hessischen Gemeinderechner wird uns geschrieben:
Der hessische Sparkassen- und Giroverband hat hinsichtlich der Aufwertung der Dienstkautiv- nen der Sparkassenbeamten Richtlinien herausgegeben, welche auch für viele andere Kautions- steller von großem Interesse sind. Sn einer am 6. Suli in Frankfurt a. OIL stattgehabten Versammlung der Direktoren der Sparkassen hat man sich auf folgende Richtlinien verständigt: Mit Rücksicht darauf, daß hinsichtlich der Sparkassenbeamten nicht unstreitig feststeht, ob sie in einem öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Dienstverhältnis angestellt sind, soll eine Aufwertungspflicht aus Billigkeitsgründen anerkannt werden. Dabei zog man noch in Betracht, daß es sich bei den Dienstkautionen der Sparkassenbeamten um ein gebundenes, bei der Sparkasse investiertes, der Verfügungsbcrechti- gung entzogenes Vermögen handelt. Bei der Aufwertung soll die Form der Kautionsleistung, ob sie in bar, durch Verpfändung von Sparbüchern, Hinterlegung von Wertpapieren usw. geleistet worden ist, keine unterschiedliche Behandlung begründen. Auch bezüglich des Kreises der Aufwertungsberechtigten sollen die Grenzen nicht eng gezogen werden. Deshalb sollen auch die Kautionen der aus dem Amt ausgeschiedenen oder verstorbenen Beamten der Aufwertung unterliegen. Hier soll aber der 1. Sanuar _1919 als Stichtag gelten, so daß alle vor diesem Tage zurückgezahlten oder zurückgegebenen Kautionen keine Auswertung erhalten. Bezüglich der Höhe der Aufwertung sollen mindestens 40 Proz. a lS Mindestsatz angenommen werden. Dabei soll aber die Ausgleichung von Härten statt- finden. Wenn z. D. ein Rechner, um die von ihm in bar verlangte Kaution leisten zu können, wertbeständige Dermögensstücke, z. D. Grundstücke, zu veräußern gezwungen war, so soll hier unter Würdigung des für den betreffenden Beamten dadurch eingetretenen Vernu gensverlustes eine höhere, unter Umständen sogar volle Aufwertung Platz greifen. Sn gleicher Weise ist zu verfahren, wenn nach bürgerlichem Recht ein höherer Aufwertungsanspruch gegeben ist. Für die Errechnung des Auswertungsbetrages ist der ursprüngliche Goldmarkbetrag nach der Tabelle des Auswertungsgesetzes zugrunde zu legen, und zwar in der Regel der Goldmarkbctrag des Tages der Kautionsleistung. Bei ausgeschiedenen oder .verstorbenen Beamten soll für die Berechnung des Goldmarkbetrages der Tag nach dem 1. Sa- nuar 1919 maßgebend sein, an dem die Kaution ausgehändigt worden ist, oder zur Verfügung gestanden hat.
Zahlreiche hessische Kreis- und Bezirkssparkassen haben inzwischen bereits aufgewertet. Die Gemeinden und auch der Staat werden auf die Dauer sich gleichfalls nicht der Verpflichtung entziehen können, aus Billigkeitsgründen die Dienstkautionen ihrer Rechner usw> in gleicher Weise aufzuwerten.
MUchwirtschaftliche Ergebnisse der Landwirtschaftlichen Landes- aussteUung.
Was den städtischen Verbraucher, vor allem die Hausfrau an Dem Ergebnis der Hessi - schen Landwirtschaftlichen Landes- ausstellung besonders interessiert, ist die Tatsache, daß Hessen über eine ganze Anzahl leistungssähiger Molkereibetriebe verfügt, deren Erzeugnisse zum Teil weit über die Grenzen des Landes hinaus ständig besten Absatz finden und sich bezüglich der Qualität mit jedem Auslandprodukt unbedingt messen können. Richt zuletzt
Peinlicher Prozeß.
P'| Von Sigismund v. Radecki.
„.... denn es hätte gewesen sein können." Diesen Satzschluh, den ich soeben niedergeschrieben, deckte ich müde mit dem Löschblatt zu und empfand dabei eine gewisse Ahnung, als ob ich hier die melancholische Leidenschaft des Konjunktivs, den sehnsüchtigen Schmerz der Möglichkeitsform nicht tief genug ausgeschöpft hätte. Denn ich war, wie gesagt, müde und daher taumelte ich schlaftrunken ins Bett. Eine Se- künde noch blieb das Auge an der Kerze, der Schlafstörerin, hangen — dann war sie auS- gelöscht und alles dunkel.
Langsam sank ich durch die meergrünen Tiefen des Schlafes, Traumalgen bogen sich leise nach mir hin, und endlich landete ich in einem elektrisch beleuchteten Riesensaal, in welchem Tausende von Menschen durcheinander redeten. Run gellte- eine Glocke, alles setzte sich, verstummend, nieder und der Vorsiheirde erhob sich langsam hinter seinem giftgrünen Tisch. Seht merkte ich, daß ich gerade ihm gegenüber auf einem Armsünderbänkchen hockte — freie Dahn zwischen uns —, und daß ich also angeklagt war. Du lieber Gott, was hatte ich denn verbrochen? Da flammte es auch schon in Glutlettern an der Riescnwand hinter ihm auf: „Verbrechen gegen den Geist des Konjunktivs!" HnD schon bückten all die vielen tausend Worte, die rings auf den Stuhlreihen sahen, mit weißen Köpfen nach mir hin. Es herrschte eine beklemmende Stille, in der nur das leise Getrappel der hereingeführten Zeugen hörbar wurde; ich zählte ihrer fünf, sie waren abgemagert und trugen blutige Mullbinden. Sn der Reihenfolge Es — hätte — gewesen — sein — können nahmen sie stumm auf der Zeugenbank Platz und sahen vergrämt vor sich hin. Mir wurde furchtbar traurig zumute.
Doch jetzt begann der Vorsitzende seine Rede. Wie es schien, war er das „Sch" und hatte, wie jedes Wort, nur sich selber zu sagen, — aber mit welcher Eindringlichkeit brachte er sich dafür zu Gehör! Leicht vornübergeneigt, stützte er die Arme aufs grüne Tuch und öffnete weit seinen Mund: „Sch - Sch - Sch - Sch — Sch..." sagte er, und seine würdigen und selbstbewußten Worte drangen allen zu Herzen. Sch bekam eine
Große Manöver in Westfalen.
Don unserem ^-Sonderkorrespondenten.
Sm Manövergelände 28. Sept.
Mit einer glänzend verlaufenen Hebung begannen die Manöver am 26. September in der Gegend südlich und südöstlich von Paderborn. Auch der Wettergott, der am Morgen des ersten Hebungstages noch ein wechselndes Gesicht zeigte, schien befriedigt und lieh gegen Mittag die Sonne zum Durchbruch kommen. Als am Rachmittag gegen 3 ilfjr die Hebung durch die Signale „das Ganze" und „Halt" unterbrochen wurde, konnten die Truppen voller Befriedigung über den lehrreichen und interessanten Hebungsverlauf in ihre Biwaks abrüden, um nach einigen Stunden wohlverdienter Ruhe mit frischen Kräften in der Rächt 26./27. September wieder in den Kriegszustand und damit in die weitere Durch- sührung der Hebung einzutreten. Für die Hebung war etwa folgende Lage ausgegeben:
„Eine angenommene blaue Armee sammelt sich ostwärts des Eggegebirges. Der blauen 6. Division unter Führung des Generalleutnants Frh. v. Ledebur war der Auftrag geworden, westlich des Eggegebirges in Gegend Lichtenau neben anderen angenommenen Kräften den Aufmarsch der blauen Armee zu decken.
Auf der roten Partei war ein Kavallerie-Korps im Vorgehen von Westen nach Osten. Es hatte mit der rechten Division, der verstärkten 3. Kavallerie-Division unter Generalmajor von Viereck, am 25. September die Gegend von Geseke und Salzkotten erreicht und sollte am 26. September nach Osten vorgehen und die angenommenen blauen Ausladungen ostwärts des Eggegebirges stören."
Der blaue Parteiführer, der einen Raum von etwa 14 Kilometer Breite zu sichern hatte, entschloh sich, seine Hauptkräfte auf den Höhen nördlich und südlich Lichtenau etwa in und hinter ter Linie Sggenhaufen—Lichtenau - Holtheim einzusehen und über diese Linie hinaus nach Westen an den Sauer-Bach und Altena- Vach Sicherungstruppen vorzuschieben. Diese vorgeschobenen Sicherungen sollten den feindlichen Vormarsch schon frühzeitig aufhalten und dem Feind das an und für sich nicht leichte Heberschreiten der tiefeingeschnittenen genannten Bachtäler erschweren. Die Masse der Artillerie wurde nordostw. und südostw. Lichtenau eingesetzt mit vorgeschobenen Teilen, die den Vormarsch des Feindes so früh als möglich unter Feuer nehmen und dadurch verzögern sollten. Die Aufgabe der Sicherungstruppen war infolge der Hnübersicht- lichkeit des Geländes mit seinen tiefen bewaldeten Einschnitten der in zahlreichen Windungen verlaufenden Bäche Sauer und Altenau recht schwierig. Sie erforderte von den naturgemäß weit auseinander gezogenen kleinen und lleinsten Sicherungsabteilungen viel Hmsicht und selbständiges Handeln. Hm es gleich vorwegzunehmen, die Truppen zeigten hierin einen erstaunlichen Grad der Ausbildung. Man merkte zuerst fast gar nichts von den vorgeschobenen Sicherungen, so gut waren sie im Gelände versteckt. Erst als sie zu feuern anfingen, sah man ihren inneren Zusammenhang und das sich gegenseitige Ergänzen.
Der rote Parteiführer entschloh sich, den Feind mit vier Reiter-Regimentern in der Front anzupacken und hinter diesen zwei weitere Reiter- Regimenter und das 15. Snfanterie-Regi- m e n t, das auf Lastkraftwagen befördert wurde, als zweites Treffen folgen zu lassen. Jeder der Kolonnen war Artillerie zugeteilt. Rachdem Erkundungsorgane voraufgegangen waren, überschritten gegen 8 Hhr die Anfänge der Kolonnen die Alme auf der Strecke Büren-Rord- b o r ch e n in ostwärtiger Richtung.
Das Ginfädeln der vielen aus ihren Unter» fünften den Sammelplätzen zustrebenden Kolonnen ebenso wie der spätere Vormarsch der Truppen und der Transportkolonnen des 15. Sn- fanterie-Regiments auf den Vormarschstrahen vollzog sich reibungslos. Es gab nicht das Auf- prallen der Kolonnen auf die vorausmarschieren- den, das Warten in offenem, gegen Fliegersicht ungedecktem Gelände. Die Truppe lieh die linke Straßenseite für den entgegenkommenden und überholenden Verkehr der Befehlsorgane zu Pferde, auf Kraftrad und im Kraftwagen frei. Man hörte nicht einmal das unnötige „Rechts heran"-Rusen. Alles vollzog sich in Ruhe, selbstverständlich, lautlos. Snteressant war auch zu sehen, wie Kraftwagenbatterien vorfuhren, um entlang der Vormarschstrahen den Feuerschutz für die Kolonnen zu übernehmen, was beim Passieren von Engen und Geländeabschnitten von ganz besonderer Dedeutung ist.
Die Führerentschlüsse sührten zu einem spannenden Gefechtsverlauf. Schon früh muhten die roten Reiterkolonnen dem blauen Artilleriefeuer durch Zerlegen der Kolonnen und Ausbiegen durch Mulden und hinter schützenden Höhen entlang Rechnung tragen. Hm nicht an den Bach- abschnitten der Altenau und Sauer durch die feindlichen Vortruppen, die als solche frühzeitig erkannt wurden, zu lange aufgehalten zu werden, setzte der Führer von Rot die Truppen seines zweiten Treffens rechts neben dem bisherigen ersten Treffen ein und bildete besonders durch Einsatz des 15. Snsanterie-Regiments damit seinen Schwerpunkt auf dem Südflügel. Die Hauptangriffsrichtung wurde über Husen auf Cid) t en du befohlen und die Artillerie entsprechend gruppiert. Diesem überlegenen roten Vorgehen mußten die blauen Sicherungen gegen Mittag nachgeben, um noch kampfkräftig in ihre Hauptstellung zurückzukommen.
Am frühen Rachmittag hatte Rot die Ostränder der Waldstücke auf dem ofttoärtigen Altenau- mid (Sauerufer erreicht, die blauen Sicherungen gingen auf ihre Hauptkampfstellungen zurück. Sn diesem Moment, gegen 3 Hhr nachmittags, wurde die Hebung durch die Manöverleitung unterbrochen. Die Truppen rückten friedensmähig in ihre Biwaks ab, während die berittenen Offiziere zur Besprechung auf die Höhe südostwärts Lichtenau berufen wurden. Man kann den Hebungsgegenstand des ersten Tages als Cinleitungskäinpse bezeichnen, deren Fortsetzung die beiden nächsten Manövertage bringen werden. Die Kampshandlung läuft vom 27. auf 28. September durch und wird nur am späten Rachmittag des 27. September für eil) paar StuOden unterbrochen.
ist dieser Erfolg auf die technisch einwandfreie Bearbeitung der Milch in neuzeitlich eingerichteten Betrieben und die Bezahlung der Milch an die anliefernden Landwirte nach Fettgehalt zurückzuführen. Die letztere Einrichtung, d. h. die Staffelung des ausgezahlten Stallpreises nach der Güte der Milch, ist bei den Genosfenschafts- molfereien seit Sahren ausnahmslos eingeführt und hat zu einer ständigen Qualitätsverbesserung geführt. Die Bestrebungen der Organisation gehen in dieser Richtung noch weiter durch die Einrichtung ständiger Butterprüfungen und die Verleihung der Hessischen Buttermarke an diejenigen Betriebe, die ben hohen Anforderungen dieser Prüfungen genügen. Aus alledem ist ersichtlich, daß die heimische Landwirtschaft mit aller Kraft bemüht ist, den durch die Einfuhr der Ausland- erzeugnisse bedrängten Markt wieder restlos zu gewinnen. Sie ist davon überzeugt, daß ihr dies
schreckliche Angst, Denn im Publikum war Bewegung entstanden, ich fühlte das drohende Riesenauge einer Menge auf mich gerichtet. Sm anschwellenden Gemurmel machten sich die merkwürdigsten Worte vernehmlich; einige konnte ich ganz gut erkennen: da starrte das „tot" — ein runden Totenschädel zwischen zwei T-förmigen Kreuzen; der „ Frühling" lag umrankt da, er glühte, grünte und blühte und sah lässig den beiden ü-Punktcn nach, die wie zwei Dienen über seinen Blättern summten; neben der unbeschreiblich zarten Sungfrau „rein" hatte sich „Schwein" hingewälzt und rieb grunzend seine Schwarte an ihr — und noch viele, viele andere konnte ich erkennen. Aber nun sprang der Staatsanwalt mit pfeilscharfer Nasenspitze hoch, fein Finger schnellte wie ein Florett auf mich hin: „Du — Du — Du — Du — Du...!" stieß er keuchend hervor, seine Rede war lang, erbarmungslos und vernichtend. Die Heberzeugungskraft feiner Worte schien so groß, daß ich beim besten Willen nichts zu antworten wußte und gebrochen dasaß.
Run jedoch flatterte mein Verteidiger mit graziösem Schaukeln zum Saalfenster herein: es war ein ungeheurer peruanischer Schmetterling, ein Morpho Dilius, mit saphirschimmernden Flügeln, die einen tiefschwarzen Zackenrand hatten. Er vollführte ein kurzes Begrühungsflattern vor deni Vorsitzenden Sch und setzte sich dann mit herrlichem Flügelzittern auf den Rand seines Katheders. Alles schwieg erwartungsvoll, und er begann, unvorbereitet, sogleich seine Rede. Durch sanftes Flügelschlagen und leises Vibrieren seiner schwarzen Fühler machte er sich ungemein verständlich. Er sagte, daß er auf Dem Kamm einer langen Ozeanwelle hierher zum Reichs- Mricht nach Leipig gefahren sei, und auf dem Wege viel unter widrigen Winden zu leiden gehabt habe. Der westliche Weg über den Pazifik wäre vielleicht doch wohl bequemer gewesen. Alles hörte ihm interessiert zu und nickte zu jedem seiner Flügelschläge. Er sei, so sagte der Morpho Dilius, von der Güte und Einsicht des Herrn Richters überzeugt. Der Angeklagte wäre noch lange nicht der Schlimmste, „und vor allem, meine Herren," sagte er: „es hätte doch immerhin gewesen sein können, wirklich — es hätte gewesen sein können!"
Das klang so plausibel und war überdies so wahr und ■■ les empfunden, daß alle Worte ge-
nur gelingen wird durch Lieferung einheitlicher und bester Qualität. Aus diesem Grunde gewinnt das Ergebnis der Milch-, Butter- und Käseprüfung in der Landesausstellung besonderes Snter- esse, zumal diese von sämtlichen namhaften Ge- nosfensd)afts- und, Privatmolkereien, sowie sonstigen milchwirtschaftlichen Betrieben beschickt war. Von letzteren ist die Molkereigenossenschaft Fulda- Lauterbach als die größte Wohl am besten bekannt, insbesondere durch ihren „Silberstern Camembert", der wiederum einen Ehrenpreis erhielt. Von weiteren Preisträgern sind zu nennen die Molkereigenossenschaft in Groß-Felda, die den Siegerpreis für Käse erhielt, ferner Einsiedel- Königstädten für Quark und Handkäse. Als Rohmilchlieferanten wurden die Hofgüter von Delt- Weiler-Weschniymühle und Müller-Georgenhausen mit dem Siegerpreis bzw. 1. Preis und Ehrenpreis bedacht, während für dauererhitzte Milch der
rührt blickten — selbst „Schwein" hörte für einen Moment verdutzt mit dem Reiben auf —, und ich sogleich das Schlußwort erhielt. „Meine sehr geehrten Herren und Damen und Reutra," sagte ich, „ich hatte ja keine Anung davon, daß diese kleine stilistische Rachläfsigkeit so scha>ere Verletzungen und Kontusionen von Persönlichkeiten zur Folge haben könnte, mit denen ich mich gerade als Schriftsteller gut zu stellen allen Grund habe. Sch bereue es tief, bitte jeden der werten fünf Herren Zeugen um Verzeihung, und will in Zukunft mit ihnen viel schonungsvoller und mitfühlender umgehen. Vor allem aber will ich Sie nunmehr jedesmal zuerst um Erlaubnis fragen, und bin Überzeugt, daß Sie mir hochherzig Shre Meinung über den jeweiligen Fall nicht verweigern werden!"
Sch erhielt eine Bewährungsfrist von vierhundert Seiten und schloß freudestrahlend Den Buchdeckel deS Saales hinter mir zu. Der alte Gerichtsdiener klopfte mir gutmütig auf die Schulter: „Aber nächstens machens nct wieder solche Stückeln!" sagte er.
Emir „Mohammed al Raschid".
Ein exotischer Hochstapler, Der sich „Emir Mohammed Pascha al Raschid" nannte, wurde in Belgrad festgenommen. Weil man nicht wußte, mit wem man es zu tun hatte, so wandte sich die Belgrader Kriminalpolizei auch an andere Behörden, um feine Person feststellen zu können. Der Erkennungsdienst Der Berliner Kriminalpolizei entlarvte ihn jetzt als einen Schwindler, Der im Sabre 1925 auch in Berlin auftrat und vorher schon die Behörden von Reuyork und London beschäftigt hatte. Sn Berlin spielte damals Der Hochstapler die Rolle eines Sohnes des Emirs von Kurdistan und ließ sich gern „Kronprinz von Kurdistan" nennen. Sn einer goldslrotzenden Phantasieuniform und geschmückt mit einem großen türkischen Orden am Bande und zahlreichen aufgesteckten Ehrenzeichen verkehrte er besonders in den Vorhallen Der ersten Hotels, fand auch Eingang in Die besten Gesellschaftskreise und erregte überall Aufsehen. Wie er sagte, reifte er nicht zum Vergnügen, sondern um eine Filmexpedition nach seiner Heimat zustande zu bringen. Das diente ihm zum Vorwand, sich „Vorschüsse" auf das Hüternehmen
Dampfmotterei Grieb-Gießen, Den Molkerei- genolsenschaften Ostheim-RieDer-Weisel, RieDer- Wöllstadt, Hungen unD Schaafheim, sowie Der Milchzentrale Worms und Bräunig-Mainz Die ersten bzw. Ehrenpreise zuerkannt wurden. Die beste Butter hatten Die Molkereigenossenschaften des Verbandes der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften aufzuweisen, indem die Ge- nofsenschaftsmolkereien in Alsfeld, Altenstadt. Eichenrod, Rieder-Moos, Reichelsheim, 6tornDorf und Ulfa 1. Preise erzielen konnten. Den «Staats- und Siegerpreis' für Butter erhielt die Molkereigenossenschaft „Hoherodskopf" in Schotten.
Sedenfalls haben Die Prüfungen Der mildv- wirtschaftliehen Erzeugnisse Hessens gelegentlich der Ausstellung, den Beweis Dafür erbracht, daß die hessische Landwirtschaft in Den letzten Sahren erhebliche Fortschritte in Der Erzeugung von hygienisch einwanDsreier Qualitätsware gemacht haben, so daß fein Anlaß mehr besteht, Den Aus-- landprodukten Den Vorzug zu geben, abgesehen von der nachteiligen Auswirkung auf unser. Handelsbilanz und Die SchäDigungder Volkswirt schaftlichen Snteressen.
Der Herbstbezirkslag des Slenographenbezirks Gietzen
fand bei starker Beteiligung Der Dezirksvere'.:.. aus Gießen (vier Vereine), Marburg, Wetzla. Lollar, Grohen-Linden, Butzbach, Schotten, Hl* richstein, Bad-Rauheim und Friedberg, wie gestern schon gemeldet, am Sonntag in Schot- t e n statt.
Das Wettschreiben brachte folgende Ergebnisse: 1. Derkehrsschrift: 1. Preis und Ehrenpreis Annemarie Hollstein Marburg; 2. Emil Wolf, Gießen; 3. Hans Müller. Wetzlar. 2. Redeschrift: 1. und Ehrenpreis Friedr. von 2 e m m e r s , Gießen; 3. Kurl Moosdorf, Gießen. 3. 60 Silben: 1. und Ehrenpreis Agnes Sack, Gießen (Damenverein); Ehrenpreise Paula Bär und Elsbeth Menget, Schotten, Lotte Wilhelm und Elsa Birkenstock, Friedberg, Ernst Degen und W. L u h, Grotzen-Linden, Fritz Preußer, Gießen (Gesellschaft), Wilh. Zimmer, Gießen (Verein 1861) W. S cha r d t, Gietzen (Gesellschaft); 2. W. Vo 1 land, Gießen (Gesellschaft), Herta Säger, Friedberg; 3. Gerda Moser, Schotten. 4. 80 Silben: 1. und Ehrenpreis Emil Wolf, Gießen (Gesellschaft); Ehrenpreise K. Schneider, Gietzen (Verein 1861), Luise Schade, Gietzen (Damenverein), Gerda Walther, Friedberg, W. S ch a m e r , Schotten; 1. Gg. Schäfer, Wetzlar; 2. K. Ortwein, Marburg; 3. Otto Häuser, Grohen- Linden. 5. 100 Silben: 1. und Ehrenpreis Dora Hetz, Gießen (Gesellschaft); Ehrenpreise ®rna Franz, Gießen (Gesellschaft), Berta Eisen- bach, Gießen (Gesellschaft), Hch. Hormel, Wetzlar, K. Thomas, Hlrichstein; 2. Euaen K o l l m e r , Butzbach; 3. Hch. Stein, Gießen (Verein 1861). 6. 120 Silben: 1. und Ehrenpreis Fritz Möller, Gießen (Gesellschaft); Ehrenpreise K. Sommer, Friedberg, H. Baumann und Gretel Decker, Gietzen (Gesellschaft), Olga Pfeiffer, Gießen (Damenverein), Gertrud Hermann, Marburg; 2. K. Scholz, Marburg; 3. Ernst Felsing, Laubach 7. 140 Silben: 1. und Ehrenpreis Hedwig Schäfer, Lollar; Ehrenpreise Sohanna Flamme, Gießen (Gesellschaft), Ottilie S ch m u l b a ch , Lollar, Wilh. Frank, Bad-Rauheim, Albert Dom - deh und Frdr. G und lad), Wetzlar; 2. Ottilie Luh, Grotzen-Linden. 8. 160 Silben: 1. und Ehrenpreis Mariechen Georg, Butzbach; Ehrenpreis Ellh Thönges, Bad-Rauheim, Georg Gahma nn. Marburg; 2. Emil Schüler. Gietzen (Gesellschaft). 9. 180 Silben: 1. und Ehrenpreis Ludw. Wolf, Marburg; Ehrenpreise Hch. H e i n z e r, Marburg. Hildegard Kuhl und Bruno Schneider, Gietzen (Gesellschaft). 10. 200 Silben: 1. und Ehrenpreis Ottilie Treser, Gießen (Gesellschaft); Ehrenpreis L. Rull- mann , Schotten. 11. Staffel-Wettkampf, a) 200 Silben abwärts: Ehrenpreis, 14Vt Punkte, Gesellschaft Gießen (Fidel Balken, Gg. Wahl, Ottilie Tres er, Fr. von L e m m e r s und Fr. Rispel); b) 160 Silben abwärts: Ehrenpreis, 22^8 Punkte, Gesellschaft Gießen (Hildegard Kuhl, Emilie D e l l o f, Hch. Graf, Hanni Flamme, Emil Wolf); ferner nahmen teil: Gesellschaft Gießen (Br. Schneider, Hch. Preußer, Dora R i ck e I, Anna
zu verschaffen. Der „Kronprinz" wurde schließlich auf einer Großbank festgenommen. Die Ermittlungen Der Kriminalpolizei ergaben, daß Der Verhaftete ein Schwindler ist, Der bereits im Sahre 1921 unter Dem Ramen „Major Domo" mit einer angeblichen Prinzessin Fatimah unD alberen Bevollmächtigter In Washington aufgetreten war. Das Paar war auch für Die amerikanische Gesellschaft eine Sensation. Bei Der Abreise konnte es aber seine Schulden nicht bezahlen, und so mußte Fatimah einen riesigen „Brillanten", Den sie als Schmuck an einem Rasenring trug, zmn Pfände lassen. Was dieser Ring wert war, ist hier nicht bekannt geworden. Der „Kronprinz" trug in Berlin einen, der nach seiner Angabe mindestens 10 000 Pfund kosten sollte. Von Fattmah hat man später nie wieder etwas gehört. Shr „Bevollmächtigter" tauchte Im März 1923 als „Prinz von Kurdistan" in London auf und mietete im Savoy-Hotek eine Zinrmerflucht für 200 Mark Den Tag, wartete aber vergeblich auf seinen „Sekretär", Der GelD bringen sollte. So muhte er bald ausziehen, fleDelte nach dem Hyde-Park-Hotel über und berief sich hier ohne Erfolg auf Den türkischen Botschafter. Rur einen Privatmann legte er mit 1000 Mark hinein. Die englische Polizei stellte ihn fest als einen 28 Sahre alten Aegypter Said Mohammed Kakelo, der Den Tag über im Gastend bei Schneidern Hosen bügelte und sich abends in seiner pomphaften Hniform auf Den Dielen Der großen Hotels bestaunen ließ. Der Hochstapler wurde nach Verbüßung einer Strafe von sechs Monaten schweren Kerkers ausgewiesen. Dieses Mißgeschick hinderte ihn aber keineswegs, seine Rolle weiterzuspielen. Sn Reuyork trat er als „außerordentlicher Gesandter von Kurdistan" auf, machte wieder bedeutende Schulden und kam auf einige Monate nach dem Zuchthaus Sing-Sing. Sm März 1924 wurde er in Liverpool groß empfangen, bald Darauf aber wieder entlarvt und abaeschoben. Sn Berlin versuchte sich Der Schwindler auch auf Schecks von nordamerikanischen Banken Geld zu verschaffen. Sm MäiZ v. S. wurde er in Berlin zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Man ließ sie ihn nicht ganz verbüßen, schob ihn vielmehr schon vorher über die Grenze ab. Deinen Streichen bis zur Wiederverhaftung in Belgrad gehen jetzt, die internationalen Kriminalbehörden weiter nach.


