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Nr. 228 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Merheffen) Donnerstag, 29. September 1927

Japans Schwierigkeiten in der Mandschurei.

r Don Dr. Friedrich Otte,

tijtm. Professor an der Reichsuniversität Peking.

Japan hat 4000 Mann nach Mulden, der Hauptstadt der Südmandschurei, entsandt; Stras­truppen sagen die Telegramme und fügen hinzu, die chinesischen Läden hatten zum Zeichen des Protestes geschlossen.

Die Entsendung der japanischen Truppen naa> der Mandschurei geschieht aus völlig an­deren Gründen als die Entsendung japanischer Truppen nach Schantung End« Mai; oben­drein sind die japanischen Truppen aus Schan­tung nach Mitteilungen an das Auswärtige Amt in Peking am 7. und 9. September zuruckgezogen worden, nachdem die Südtruppen sich wieder auf das Südufer des Pangtsekiang hatten zuruck- ziehen müssen, und die Gefahr bewaffneter Zu­sammenstöße in Schantung nicht länger bestand. Auch ein zweites Ziel hatte Japan durch die vorübergehende Besetzung Schantungs erreicht, es hatte nämlich den Westmächten erneut klar ge- macht, daß nördlich des Pangtse die japa­nische Einflußsphäre beginnt.

Die Entsendung der Truppen in die Man­dschurei betont weniger die allerdings auch bei der Besetzung Schantungs nie öffentlich eingeftan- dene politische Seite, als vielmehr die wirt­schaftliche. Es haben sich nämlich letzthin Dinge in der Mandschurei abgespielt, die, wenn sie sich Weiler unangenehm für Japan entwickeln würden, die Lage Japans in der Mandschurei ganz beträchtlich erschweren könnten; denn bei dem festen Zusammenhalten der Chinesen in allen Dolksfragen, bei ihrem eigentümlichen Talent für Massenbewegungen, so wie es in Handelsboy- kottcn, passivem Widerstand der Bauern, Ar­beiter, Händler zu Tage tritt, sind die Folgen kaum abzusehen, falls einmal der wirtschaftliche Kampf entbrennt.

Die Japaner fühlen ihre Stellung in mehr als einer Hinsicht bedroht. Zum ersten ver­langen die Chinesen seit etwa zwei Jahren das Recht, in der Mandschurei, die ja chinesisch ist, Bahnen zu bauen, so wie es ihnen paßt, und zwar hauptsächlich inderSudmandschur ei, also in der japanischen Einflußsphäre, da sich in der Rordmandschurci, die noch vollkommen un­entwickelt ist, Zweigbahnbau noch nicht lohnt. Durch die ziemlich weitgehenden Pläne-der Chi­nesen würde aber die Monopolstellung der japa­nischen Südmandschurischen Bahn geschwächt, die den Handel der Südmandschurei nach dem ja­panischen Pachtgebiet von Dairen hinlenkt. Weiterhin haben während der letzten zwei Mo­nate Streike der chinesischen Arbeiter in den Penhsihu-Bergwerken stattge­funden, sogar Bedrohungen der dortigen Japaner. Das wären so die letzten Anlässe; auf die tiefer liegenden Gründe sei nachstehend eingegangen.

T s ch a n g t s o l i n hat bereits vor geraumer Zeit von Peking aus beruhigend auf die Be­völkerung einzuwirken gesucht, nachdem die Ja­paner bei ihm vorstellig geworden waren, an- schei- end ohne Erfolg. Angenehm können Tschang- tsolin diese Vorgänge nämlich nicht sein, denn die Mandschurei, wo er seit 1911 von Mulden aus herrscht, ist und bleibt seine Hauptstütze, und Ruhe dort ist für ihn durchaus erforderlich jetzt, wo er sich anschickt, seinen gesurchtetsten Gegner, denChristlichen General" Fenghuhsiang anzugreifen; auch sind ja die Kuomintangtruppen am Pangtse noch keineswegs erledigt. Kurzum. Schwierigkeiten im Rücken könnten demTahücm- shuai". dein obersten Kriegsherrn - und nicht Diktator, wie die englische Presse falsch über­seht. ''ehr unangenehm werden. Seit dem 14. Juni ist er nämlich zwar nicht Präsident von China, aber G e n e r a l i s s i m u s der vereinig­ten Nordarmeen; infolgedessen hat sich sein Inter­esse weit über die 'Mandschurei hinaus nach Süden verschoben. Mit den Japanern, für die er als Condottieri 1905 im Kriege gegen die Russen focht, hat er bisher immer auskommen können trotz kleiner Reibereien und seines be­kannten StandpunktesChina für die Chinesen". Daß die Unruhen gegen die Japaner nun von Tschongtsolins Feinden unter seinen Landsleuten mit unterstützt werden, ist angesichts der ganzen Lage nicht ohne weiteres zurückzuweisen. Die Möglichkeit für die Schwierigkeiten, die jetzt in die Erscheinung treten und vermutlich später noch schärfer sich ausprägen werden, liegt jedoch tief begründet in dem völkischen Gegensatz zwischen. Chinesen und Japanern, der Jahr-

Bergfee.

Von.Karola Strauch-Bock.

Ein Himmelsauge liegt in dunklen Tannen -verborgen. Die Berggipfel werfen ihr verklärtes Bild in die ins Erdreich gebettete Bläue. Schim­mernde Libellen umkreisen das Schilf. Ein Fisch nippt am Rand, Und wieder liegt stumm der See und glitzert verheißend.

Ich bin am Ufer auf eurer Bergwiese. Arnika und Augentrost nicken. Ich streichle das Erdreich, jedes Gräslein hab ich lieb. Von den Wolken weg schau ich ins Wasser. Mir ist. als sähe ich ins Äuge der Schöpfung, der liebenden, der wissen­den. Es kommt mir aus der Tiefe ein mütterlicher Blick entgegen. Ich bin geborgen, Erde, du meine Mutter.

Doch inmitten klarster Schönheit der Welt, da in Licht und Klang und Derbundensein mir eine Heimat neu geboren werden soll, überkommt mich Heimweh. Das süße und wehe Geheimnis unseres Lebens, daß hinter dem Erwachen der Abschied winkt. Zeitlos und fragend starren mich die Blößen und Falten der Bergkuppen an. Der Glanz des Aethers senkt sich in den harrenden See und steigt noch glänzender aus gestilltem Wasser mir entgegen ins Angesicht. Ich bin ver­gänglich und nehme mein armseliges Leben in meine Hände. Die Finger spielen im Wasser, glitzernde Tropfen fallen herab und sind wie Tränen. Das Auge des Bergsees klagt mich an. Zauberhaftes Leben, es zieht seine Kreise wie der Stein, der ins Wasser fällt, Und unerkannt ver­ebben die Ringlein. Ein Erzittern und Vergessen! Schweigend hütet der See feine Wunder.

Ein Ahnen überfällt mich. Als sammle der See die Tränen derer, die ungeliebt über die Erde gingen und gehen. Die versäumten Augen­blicke eines Menschenseins legen sich auf die Seele wie Last.

hunderte alt ist und, seitdem sich die Japaner neuerdings nach den siegreichen Kriegen 1894 gegen die Chinesen, 1905 gegen die Russen auf dem Festlande in Korea und der Südmandschurei eingeniftet haben, wieder stärker hervorgetreten ist. Jedenfalls darf man nicht glauben, daß die Gegensätze zwischen den asiatischen Völkern etwa weniger ausgeprägt seien als die zwischen euro­päischen.

Die Mandschurei ist eines der Außenländer Chinas, aber heute schon das Kanada Chinas, das heißt das größte Ueberschuhgebiet in bezug auf Nahrungsmittel und Mineralien. Hm 1900 war sie noch ganz dünn bevölkert, 1910 schon von rund 14 Millionen, 1919 von 19 Mil­

treiben die Unruhen im eigentlichen China inner- I halb der großen Mauer jetzt viele Dauern zur Abwanderung. Rach ganz zuverlässigen Zahlen | der Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften, ver­öffentlicht vorn Reichswirtschaftsbureau in Peking, soll die Zuwanderung für 1927 bis Juli auf 700 000 Köpfe gestiegen fein, darunter viele Fa­milien. Im Vergleich zu diesen Zahlen ver­schwindet die japanische Bevölkerung der Mandschurei und auch die russische, leben doch in ganz China nur etwa 240 000 Japaner und etwa 80 000 Russen.

Während aber der Japaner als Bauer ver­sagt, hat er durch Eisenbahnen, Fabriken und Bergwerke die Südmandschurei seit 1905 erschlof-

Preisausschreiben

in der wöchentlich einmal am Donnerstag erscheinenden Beilage des Gießener Anzeigers

Heimat im Bild

offen für alle Bezieher des Gießener Anzeigers und für Neubesteller zum

1. Oktober, sowie für deren Familienangehörige.

Bedingungen

Das Preisausschreiben erstreckt sich über die Ausgaben vonHeimat im Bild" Nr. 38 bis einschließlich 40 in der Zeit vom 22. September bis 6. Oktober 1927.

In jeder dieser Nummern vonHeimat im Bild" sind eine Reihe von Lichtbildaufnahmen aus der Landschaft Oberhessens und der an- grenzenden Bezirke wiedergegeben.

Das Ziel der Teilnehmer am Preisausschreiben soll sein, die Landfchastsausschmtte zu erkennen und in fortlaufender Nummernfolge von 1 bis 16 möglichst lückenlos und kurz zu bezeichnen. Nicht erkannte Bilder sind durch einen Strich neben der Nummer kenntlich zu machen. Die schriftliche Aufstellung ist bei der Redaktion vonHeimat im Bild", Gießen, Schulstraße 7, einzureichen.

Die Annahmezeit für die Lösungen beginnt am 7. Oktober 1927. Der Schlußtag ist auf den 15. Oktober festgesetzt. Spätere Eingänge bleiben unberücksichtigt.

Sämtliche Lösungen müssen an der Spitze Namen, Stand, Wohn­ort, Straße und Hausnummer des Einsenders tragen. Die Beifügung der Oktoberquittung über den Bezug des Gießener Anzeigers ist Bedingung.

Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung über die Preisver­teilung als endgültig an.

Die Preisträger werden nach Vollständigkeit und Richtigkeit der einlaufenden Lösungen ermittelt. (Es kommen 20 Bücher bezw. Bilder zur Verteilung.

Verlag und Redaktion des Gietzener Anzeigers.

lionen und 1922 von 22 Millionen nach ver­schiedenen Schätzungen. Die chinesische Bauern- familie in der Mandschurei Wird geschäht auf 8,38 Köpfe, die im eigentlichen China auf niott 5,5 Köpfe im Durchschnitt. Die heutige Bevölke­rung ist zu über zwei Drittel erst nach 1896 eingewandert, hauptsächlich aus den nördlichsten Provinzen des eigentlichen China; für den Süd- chinesen ist das mandschurische Klima zu Hari. Der Dau der sibirischen Dahn, die unter dem Namen Ostchinesische Dahn durch die Nord­mandschurei führt, und der Südmandschuri­schen Bahn von Dalnh (Dairen) aus gaben den Anstoß für die Einwanderung. Weiterhin

sen; er ist also der Kapitalist und infolge­dessen kommt zum völkischen auch noch der w iri­sch a s t l i ch e Gegensatz hinzu. Der zweitgrößte Handelsplatz Chinas ist heute das japanische Pachtgebiet Dairen (Dalnh); vor dreißig Jah­ren noch ein unbedeutender Küstenhafen, steht es herite mit einem Handelsumsatz von rund einer Milliarde Mark an zweiter Stelle, gleich nach Schanghai. Dort in Dairen sind die japani­schen Oelmühlen, die Rohmaterial aus dem Hinterlande beziehen. Bohnen und Dohnenpro­dukte, vor allem Bohnenöl, erst seit 1909 be­deutende Ausfuhrgüter Chinas, stehen seit 1926 mit 20 v. H. Anteil an der ersten Stelle aller II Ml II Willi II !--- "* ""---

Quillt daraus neue Liebe? Darf ich die röt­lichen Wolken, die Berge und Wiesen, die Bäume und Blumen, den Wurm und den Stein am Wege lieben? Darf für eine Stunde der Ser, das Himmelsauge, mein eigenes Auge sein? Sind die Lannen die Wimpern und der Himmel Widerschein meiner Träume?

Da steigen die Schatten des Abends aus toten Gemächern der Bergklüfte. Es kommt die Nacht und der Schlaf und der Tod. Ich bin nur ein Gast und wandere weiter und suche die Heimat.

* Hochschulnachrichten.

Dr. Helmuth v. G l a s e n a p p. Professor der indischen Philologie an der Universität B e r- l i n, hat die an üjn ergangene Einladung zur Abhaltung von Vorlesungen an der John-Hop- kins-Universität in Baltimore abgelehnt, da er während des Winters 1927/28 eine Studienreise nach Brikisch-Jndien und Ceylon unternehmen wird. Die Ernennung des als Nachfolger Prof. Roethes nach Berlin berufenen Prof. Dr. Arthur Hübner in Münster ist jetzt er­folgt. Der a. o. Professor Dr. jur. et phil. Hans Niedermeher in Göttingen ist beauftragt worden, in der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. im Wintersemester 1927/28 die Vertretung der durch den Weggang des Professors Pogenstecher freigewordenen Professur zu übernehmen. Der Privatdozent und Assistent am Staatswissenschnft- sichen Seminar der Universität Breslau Dr. Hans Jürgen Seraphim hat einen Ruf als a. o. Professor für Wirtschaftswissenschaft nach Rostock erhalten. Der Professor Dr. Erwin Schrödinger in Zürich ist zum ordent­lichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Berlin ernannt worden. Wie bereits gemeldet, übernimmt Prof. Schrödinger

den Lehrstuhl der theoretischen Physik als Nach­folger Max Plancks.

Frankfurter Theater.

Der Anfang mit Bernhard ShawsCae - s a r und Cleopatra" ist vielversprechend für die Wintersaison des Schauspielhauses. Das Publikum wird von der sprühenden Frische dieser köstlichen historischen Komödie gepackt und gefangen genommen. Die Satire entkleidet mit grazio.em Schwung Helden und eine Königin ihrer pathetischen Größe, und doch verbirgt sich hinter lächelnder Maske bedeutungsvoller Ernst. Caesar ist ein philosophisch lächelnder alter Herr; der Feldherrnhügel seines Standpunktes überragt das Schlachtengetümmel des Lebens: Cleopatra aber ist eine kleine Tigerkahe mit Schulmädel­allüren, die sich langsam zu einer beftienhaften Königin entwickelt. Und alle die anderen, die wackre Schar römischer und ägyptischer Würden­träger. das bunte komödienhafte Gewand verdeckt nicht die gläserne Durchsichftgkeit des Stückes. Alles in ollem: diese Neueinstudierung ergab einen genuß- und geistreichen Theaterabend dank Shaws prächtiger Trapezkünste am historischen Reck und der humorvollen, einfallsreichen Regie Leontine S a g a n s. Alle Hochachtung, sie ver­steht, unterstützt vom Bühnenbildner Sievert, Shaw wirkungsvoll einzukleiden, wenn auch in den Dolksszenen der Komödienton ein bißchen umkippt und schrill wird. Die Darsteller: Georg Lengbach als Caesar, ein famoser geistvoller alter Herr, und Marcella Salzer, ein von der heiligen schwarzen Kotze abstammendes, schnur­rendes, miauendes und fauchendes rotes Kätz­chen. Allen übrigen ist ebenfalls Lob zu spen­den: sie waren, was sie sein sollten, und zwar in köstlicher satirischer Formung. Das Publikum aber ersah wiederum aus dieser historischen Ko­mödie, daß das Leben ein großes Karussell ist, und freute sich an seinem Schellengeklingel. L. W.

Ausfuhrgüter Chinas, und diese Ausfuhr geht über Dairen. Entstehen Unruhen tm Hinterlande, dann wird Dairen, mithin auch Japans Wirt­schaftsinteressen, schwer betroffen.

Japan wurde im September 1923 von einem der furchtbarsten Erdbeben heimgesucht, das die Weltgeschichte kennt; in einer Nacht wurde mehr an Werten vernichtet als von 1914 bis 1918 in Nordfrankreich, jedoch ohne daß Japan in Reparationen mehr erhält als es verlor. Seit­dem kam ein Unglück nach dem anderen; im Frühjahr 1927 der Zusammenbruch des Su- zukitonzerns, jetzt wieder Springfluten. Kein Wunder, daß Japan auf dem Festlande Frieden zu haben wünscht. Aber der völkische und wirt­schaftliche Gegensatz zwischen Chinesen und Ja­panern wird durch die militärischen Besetzung der mandschurischen Hauptstadt Mukden ver­schärft Werdern

Zum Abschluß entnehme ich noch die folgen­den Angaben einem Auftah aus bem Manchester Guardian, verfaßt von dem italienischen Bot­schafter Graf Sforza, der jahrelang in Pe­king Gesandter war:Die japanische Regierung hatte nach 1905 gedacht, sie könnte ihre bevor­zugte Stellung in der Mandschurei int Sinne einer Kolonis ier ung ausnützen... Die Ja­paner kauften Bauernhöfe, richteten Fabriken ein, sie führten aus China passende Arbeiter für ihre Gehöfte ein, da japanische Landarbeiter zu teuer und der harten Arbeit nicht gewachsen waren. Aber überall wurden die Chinesen allmählich Eigentümer. Die- Japaner wollten schnell verdienen, die Chinesen begnügten sich mit geringen Ersparnissen unter Verzicht auf alle Lebensgenüsse." Diese Aussprüche berühren den Urgrund des japanisch-chinesischen Gegen satzes!

Die Besoldung der hessifchen Gemeindebeamten

Die Gewerkschaft hessischer Gemcindebeamten E. V. bittet uns um Abdruck folgender Zuschrift

Die ab 1. Oktober eintretende Neuregelung der Beamtenbezüge soll nach den wiederholten Erklärungen des Reichsfinanzministers auch für die Länder und Gemeinden maßgebend sein. Die Ueberfragung der Grundsätze für die Besoldung der Reichsbeamten auf die Gemeinden wurde bereits in der National-Versammlung bei der Beratung des Besoldungsgesetzes von 1920 be­handelt und, unterstützt von sämtlichen Parteien, ein Antrag angenommen, die Regierung zu er­suchen, auf die Länder einzuwirken, daß sie Bestimmungen erlassen, wonach die Bezüge der Kommunalbeamten angemessen sein müssen. 2lls angemessen sollen die Bezüge der Gemeindel>c amten nur dann angesehen werden, wenn sie den Grundsätzen des Reichsbesoldungsgefehes und den Sähen der dazugehörigen Desoldungsordnung entsprechen. Nachdem der Finanzausschuh des hessifchen Landtages beschlossen hat, an die hessi­schen Landesbeamten Vorschüsse in der gleiche- Weise zur Auszahlung zu bringen wie das Reich den Reichsbeamten, darf die bestimmte Erwar­tung ausgesprochen werden, daß Hessen die Reichsregelung bei der Verabschiedung des neuen Besoldungsgesetzes vollständig übernimmt.

Die Besoldung der hessischen Gemeindebeam­ten wird auf Grund dieser Beschlüsse ebenfalls einer Neuregelung unterzogen werden müssen. Nachdem in den anderen Ländern für die mittel­baren Landesbecrmten (Beamten der Gemeinden und Gemeindeverbände) die Angleichung ihrer Bezüge an die der Landesbeamten gesetzlich ge­regelt ist, erscheint es erforderlich, daß auch, ohne der dringend nottoenbigen gesetzlichen Rege­lung vorzugreifen, für die hessischen Gemeinde- beamten bei der Verabschiedung der Neurege­lung der Besoldung der Landesbeamten Maß­nahmen getroffen werden, die festlegen, daß die auf Grund des Artikels 140 der Städtevrd- nurtfl vom 8. Juli 1911 von der Stadtverord­netenversammlung zu besttmmende Besoldung der städtischen Beamten und auf Grund des Artikels 138 der Landgemeindeordnung von dem Gemeinderat zu besttmmende Besoldung der Ge­meindebeamten den Grundsätzen des hessischen Besoldungsgesetzes und den Sähen der dazu­gehörigen Besoldungsordnung zu entsprechen ha­ben. Die Gewerkschaft hessischer Oemeinbc-beam» ten hat ein entsprechendes Ersuchen an ben Landtag gestellt. Der hessische Landtag würde mit einer solchen Beschlußfassung die für die hessischen Gemeindebeamten gegenüber ben Ge- meinbebeamten der übrigen deutschen Länder be-

Hessisches Landestheater.

Das Hessische Landestheater in Darmstadt hat in der letzten Zeit einige sehr erfolgreiche Opernaufführungen zu verzeich­nen. Zunächst eine Vorstellung von Wagners Mei st e r sin g er n", in der Dr. Karl h m. der neue Generalmusikdirektor, sich ausgezeichnet bewährte. Im Vordergründe des Interesses stan­den ferner der Hans Sachs von Johannes Bischof und der Beckmesser von Heinrich Kuhn; beide Künstler haben diese Rollen schon seit vielen Jahren inne. Es folgte Smetanas komische OperDie verkaufte Braut", in einer alten, aber guten Inszenierung aus der vergangenen Spielzeit. Hier war es vor allem Theo Herrmann, der als Heiratsvermittler Kezal durch seine schönen Stimmittel, seine ge­sangliche Sicherheit und darstellerische Gewandt­heit der Aufführung viel Leben verlieh. Puc- cinisTosca" fand gleichfalls eine vorzüg­liche Wiedergabe, wenn auch die Oper selbst bewies, daß sie mit ihren krassen Effekten nicht mehr in unsere Zeit gehört. Mit lebhafter Span­nung sah man der Erstaufführung von Wolf- Ferraris musikalischem LustspielDie vier Grobiane" entgegen; das Haus war voll­besetzt, auch waren viele auswärtige Theater­besucher anwesend. Das Werk, das den Stil der alten Buffooper wieder aufnimmt, hat in seinem musikalischen Teil grt^e Schönheiten; es fehlt ihm aber ein warmer Humor, wie wir Deutsche ihn lieben, die italienische Lustigkeit erscheint uns gemacht und übertrieben. Die Darsteller zeigten sich ihren Aufgaben vollauf gewachsen, indessen den stärksten Erfolg hatten die Inszenierung von Hans Esdras Mutzenbecher und die Bühnen­bilder von Lothar SchenckvonTrapp. Dieser hatte auch die Kostüme entworfen, die auher- ordentkich originell und phantastijch in Erfindung und Ausführung waren. E. B.