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Rücktritt werde jedoch ernstlich von allen liberalen Einflüssen in der konservativen Partei empfunden werden, für die er die Berkörperungder Befriedung in der europäischen Politik bedeutet habe. 3n Döllerbundskreisen würde sein Rücktritt ebenfalls tief bedauert werden.

Lord Cecils Sekretär erklärte gestern auf eine Frage nach Lord Cecils Rücktrittsabsichten: Richts ist bisher endgültig, die Frage ist vollkommen in der Schwebe. Wenn überhaupt, so werden wahrscheinlich Montag end­gültige Rachrichten verfügbar sein."

Der Berliner Zlaggenkonflilt vor Gericht.

Berlin, 27. Aug. (WTB.) Der Flag­genkonflikt zwischen den Hotels, der Preuhi- schen Regierung und dem Bkagistrat Berlin wird, wie ein Korrespondent erfährt, auch die Ge­richte beschäftigen. Die Hotelbesitzer sind der Ansicht, bah das Borgehen des preußischen Ministerpräsidenten und des Ober­bürgermeisters eine Schädigung ihrer Geschäfte bedeutet und wollen die preußische Regierung und den Magistrat für den entstehen­den Schaden haftbar machen, da eine ganze Anzahl wirtschaftlicher Organisationen, die in den bekannten Hotels festliche Veranstaltungen ab- halten wollten, jetzt zurückgetreten sind mit der Begründung, daß die Mitglieder der Regierung und des Magistrats eine Einladung ablehnen würden.

Ein angeblicher deutscher Spion

Paris. 28. Aug. (Wolff.)Petit Journal" berichtet aus Saargemünd: Ein Reservist meldete seinem Vorgesetzten, ihm seien 1000 Fran­ken für die Aushändigung eines selbsttätigen Ge­wehrs, Modell 24, angeboten worden. Dadurch gelang es, «eilten aus Wiesbaden gebürtigen deutschen Reichswehr-Leutnant fest­zunehmen, lbei dem man Pläne von Maillh und Bitsch sowie eine Liste fand, die Angaben über Offiziere uno Mannschaften und deren Ver­wendung enthält.

Anmerkung des Wolff-Bureaus: Diese Meldung muß mit großer Vorsicht angenommen werden. Wie von zuständiger deut­scher Seite hierzu erklärt wird, ist es völlig ausgeschlossen, daß sich ein Reichswehroffi­zier mit Willen und Billigung seiner vorgesetzten Stellen mit derartigen Angelegenheiten befaßt.

23 neue Minderhettsschulen in Ostoberschlefien.

Kattowitz, 27. Aug. (WTB.) Die polnische Presse bringt kommentarlos die Meldung, daß im kommenden Schuljahr in Ostoberschlesien 2 3 neue Minderheitsschulen eingerichtet werden.

Interparlamentarische Friedensunton.

Paris, 27. Aug. (WD.) Der Rat der Interparlamentarischen Friedens­union trat heute mittag zusammen, um die vom Präsidenten Senator Mag nette gestern «angebrachte Tagesordnung, in der einmütig die Verletzung der belgischen Reutrali- t ä t als ein höchst bedauerlicher und zu ver­werfender Akt verurteilt wird, zu prüfen. Wie HavaS berichtet, hat der Rat über seinen Be­schluß nichts bekanntgegeben, doch glaubt die Agentur zu wissen, daß nach einer fd>r höflichen Aussprache der Rat beschlossen habe, eine Son­derkommission zu bilden, um besonders zu prüfen, ob der Konferenz die Tagesordnung v o r g e l e g t werden soll. Erst nach der Be­ratung dieses Tinterausschusses wird der Rat seinen Beschluß bekanntgeoen Der von ihm er­nannte Unterausschuß besteht auS dem Vorsitzen­den der Interparlamentarischen Friedensunion. Baron Adelsward, dem deutschen Deichs­tagsabgeordneten Professor Dr. S ch ü ck i n g und den» belgischen liberalen Abgeordneten C o c. Hierzu ist zu bemerken: Infolge der Tatsache, daß der Rat heute zu keinem Entschluß gekommen ist, wurde die Diskussion über die Tagesordnung Magnettes, die auf 6 Uhr nachmittags festgesetzt worden war, auf Dienstag nachmittag 4 Uhr vertagt.

Die Interparlamentarische Friedensunion be- schäftigte sich in ihrer heutigen Vor- und Rach­mittagssitzung mit der Frage der

europäischen Zoklgemeinschasl.

Der Berichterstatter, der frühere holländische Finanzminister Treub. legte dem Kongreß eine Reihe von Beschlüssen des Unterausschusses für diese Frage vor. Unter anderem wird hierin mit Bedauern «ine Tendenz der Staaten fest- gestellt, ihre Zolltarife herauf -usetzen. Die Konferenz empfiehlt den Abschluß von re­gionalen Zollabkommen zwischen Lan­kern, die besondere Gesamtinteressen hätten, je­doch unter der Bedingung, daß derartige Ab­kommen nicht gegen einen Dritten ge­richtet seien. Andererseits wird der Völker­bund aufgefordert, für di« Annahme und Durch­führung der Beschlüsse der W e l t w i r t - schaftskonferenz durch di« Mitgliedsstaaten zu sorgen. Schließlich wird der bereits mehr­fach zum Ausdruck gebracht« Wunsch, die P a h - Visa abzuschaffen, wiederholt. Alle diese Resolutionen sollen sofort dem Völkerbund und ken Regierungen übermittelt werden.

In der Diskussion ergriff der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Dr. Schneider das Wort, der mit Genugtuung feststellte, daß ein Vorschlag deS deutschen Außenministe­riums und des deutschen Wirtschaftsministe­riums auf der Weltwirtschaftskonfe­renz eine Reihe von Beschlüssen zur.Lösung der Wirtschaftsfragen zur Folge gehabt h«be. Die Reichsregierung ihrerseits habe sich auf den Boden dieser Beschlüsse gestellt und bereits mit deren Durchführung begonnen Als greifbares Ergebnis, das geeignet fei, eine Entspannung in der gegenwärtigen Wirtschafts­lage au schassen, bezeichnet« Dr. Schneider den Abschluß des d e u t s ch - f r a n z ö s i s ch e nH a n- delsvertrages. Diesem Plus stehe leider auf der anderen Seite der Zollkrieg zwischen Deutschland und Polen gegenüber, der vielleicht für einzelne Rupnießer hüben und drü­ben von Vorteil sein mög^, der aber für beide Völker nur Rachteile mit sich bringen müsse. Um zu einer wirklichen Zollverständigung zu kommen, müsse man dem Beispiel Amerikas folgen und zunächst die Arbett und die In-

Riesenbetrügereien in Berlin.

Berlin, 29. Aug. (Priv.-Tel.) Die Hausver­waltung eines Industrie - und Handels­hauses in der Wollstraße in Berlin hatte vor einigen Tagen gegen die bei ihr wohnende L e bensmittelgroßhandlung und Scho- k o l a d en f a b r i k Kauff mann G. m. b. H., deren Inhaber der Kaufmann Adolf Kauffmann ist, gerichtlichen Räumungsbefehl erwirkt, weil die Firma seit Jahren keine Miete be­zahlt hatte. Als der Gerichtsvollzieher bei Kauff­mann erschien, stellte er, wie dieMontagspost" meldet, fest, daß in den Kellerräumen

Lebensmittel, Schokolade, Tabak und ftonfer- ven im Werte von etwa 500 000 Mark lagerten, die schon völlig verdorben waren und einen fürchterlichen Geruch entwickelten.

Bei weiteren Rachforschungen stieß man in einer Kellernische auf einen geheimen Tresor, vor dem fünf scharfe Hunde angekettet waren. Der Inhalt des Tresors, eine Geheim- korrespvndenz der Firma, wurde den» Ge­richt übergeben. Weiter wurde festgestellt. daß Kaufsmann, der seit Jahren weder Tele­phon noch elektrisches Licht bezahlt hat, eine geheim« Gasleitung zu einem Hauptleitungsrohr gebaut hatte, durch die er ohne Kontrolle Gas in beliebigen Mengen entnehmen konnte. Ebenso hatte et es mit der Lichtleitung gemacht, und die T ele­tz h o n e seines Betriebes hatte er unter­irdisch an die Telephonleitungen an­derer Teilnehmer angeschaltet und darauf Fern­gespräche von über 1000 Rkark geführt. Als Kauffmann vor einiger Zeit wegen Ver­weigerung des Ofser.barungSeides verhaftet werden sollte, wurde er im Keller hinter

alten Maschinen entdeckt und abgeführt. Die Schulden der Kaufmann G. m. b. H. werden auf mehrere Millionen geschäht.

Die von Kaufsmann hergestellte Schokolade wurde von ihm nicht verkauft, sondern in seinen Kellerräumen auf gestapelt. Zugleich betrieb Kauffmann, wie die Geheimkorrespondenz dartut, umfangreiche Vermittlungsgeschäfte von Lebensmitteln mit dem Ausland. Der Aufent­halt Adolf Kaufsmanns, der ohne feste Wohnung zu sein scheint, ist unbekannt.

Groß angelegter Versicherungsschwindel.

Berlin, 29. Aug. (Priv.-Tel.) Die deut­schen und polnischen Polizeibehörden in Ober- schlesi« n sind, derVoss. Ztg." zufolge, mit der Aufdeckung eines großangelegten Versicherungsbetrugs beschäftigt, dessen finanzieller Umfang auch schätzungsweise noch nicht festgestellt werden kann. Hinter dem Be­trug steht eine Bande, die die unübersichtlichen Rechtsverhältnisse des Grenzgebiets auf das ge­schickteste auszunutzen verstand. Ein Standes­beamter in Königshütte lieferte dem Detrüger- konsortium Bla nfoformulare verschie­dener Krankenkassen und Sterbever­sicherungen mit Unterschrift unt> Siegel, so daß nur die Personalien und der Todestag ein­gesetzt zu werden brauchten. Der Schwindel scheint schon seit langem betrieben worden zu fein. Es bleibt abzuwarten, in welchem Umfange auch öffentliche Institute auf deutscher Seite, ins­besondere die Knappschaftskasse, in Mitleiden­schaft gezogen sind.

buftrie rationalisieren, alSdcrnn eine Interessen- Verständigung von industriellen Gesichtspunkten aus organisieren, um schließlich nach und nach die Zollschranken fallen zu lassen Im gleichen Sinne äußerten sich die französischen Abgeord­neten Borel und Chambrun Der Ameri­kaner Bit ton forderte vollkommenen Frei­handel und ein englischer Politiker äußerte sich in gleichem Sinne. Der belgische Abgeordnete Sranguart bezeichnete es als notwendig, zu­nächst einmal den Anfang zu machen durch Er­weiterung der französisch-belgisch-luxembuvgischen Verständigung.Wenn Holland und dirDchweiz," so äußerte er,sich uns anschliehen, werden wir sie aufnehmen. Selbst Deutschland wird will­kommen sein. Wir haben nur einen Gedanken, den Frieden zu sichern und wir sind der Ansicht, daß, wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, es unerläßlich ist, sich auf wirtschaftlichen Gebieten zu verständigen."

Die Debatte endete mit der einstimmigen Annahmeder vom Berichterstatter Treub (Hob land) vorgelegten Resolutionen. Angenommen wurde gleichfalls ein Antrag des ftanzösischen radikalen Abgeordneten Borel, der statt der sofortigen Aufhebung ber Zolltarif« eine graduelle fordert.

(Europatagung der Auslanddeutschen.

Dresden, 27. Aug, (Wolff.) Die Gu­ropatagung der deutschen Vereine und Ver­bände im europäischen Ausland begann ihre Arbeiten heute vormittag mit einer internen Sitzung unter Leitung des Präsidenten des Bun­des der Auslanddeutschen. Gouverneur Schnee. Zunächst wurde ein Degrüßungstelegramm an den Reichspräsidenten abgesandt, in dem es heißt, daß die Vertreter deutscher Vereine und Verbände im Ausland in dem Reichspräsi­denten nicht nur den würdigsten Vertreter de­alten Deutschland erblicken, sondern auch den Mann, dem Deutschlands Gegenwart und Zukunft zu besten Händen anvertraut ist. Es wurde im weiteren Verlauf der Sitzung eine Entschlie­ßung gefaßt, in der gefordert wird, daß die parteipolitische Zersetzung der im Ausland bestehenden deutschen Vereine und Ver­bände vermieden werbe. Eine weitere Ent­schließung weist auf die Rotwendigkeit eines engen Zusammenschlusses der Reichs­angehörigen im Ausland hin und bittet den Reichsminister des Auswärtigen, darauf hinzu­wirken, daß die deutschen Vertretungen im Aus­land« in dieser Beziehung mit deutschen Vereinen und Verbänden im Ausland auf das engste zu- fammenarbeiten. Es wird dem Reichsminister des Auswärtigen weiterhin empfohlen, den deut­schen Vertretungen im Ausland nahe zu legen, Beiräte zu bilden, die mit den Vertretern der deutschen Verbände im Ausland zu besetzen und in den wichtigen Fragen gutachtlich zu hören wären. Weitere Entschließungen betreffen die Zusammenarbeit von Ausland- beutschtum, Kirche und Schule und for­dern schließlich ein Reichsgesetz zur erhöhten 'Für­sorgepflicht für hilfsbedürftige Aus landdeutsche.

Heute nachmittag sand im Hause der Dres­dener Kaufmannschaft eine öffentliche Ver­anstaltung statt, in der u. a. folgende Ent­schließung angenommen wurde:Die zur Europatagung der deutschen Vereine und Ver­bände im europäischen Ausland versammelten Ausländsdeutschen halten den vorliegen­den Regierungsentwurf zu dem abschließenden Kriegsschädengesetz für durchaus unmöglich und untragbar. Für die end­gültige Entschädigung der Ausländsdeutschen niuh der Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft für den Ersah von Kriegs- und Derdrängungs- schäden als Mindestmaß unbedingt aufrecht erhalten werden. Die geringere Entschädigung der Ausländsdeutschen, wie ft« der Reg erungs- enttourf vorsieht, wäre nicht nur ein schweres Unrecht an den geschädigten Ausländsdeutschen, von denen eine große Zahl dem Untergang er­neut preisgegeben würde, sondern müßt« sich auch hinsichtlich des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der Geschädigten katastrophal auswirken."

Im Anschluß an die öffentliche Versammlung fand ein Festabend im großen Saal« des städtischen Ausstellunaspalastes statt. Hierbei überbrachte der sächsische Wirtschaftsminister Dr. Krug v. R i d d a die Grüße und Wünsche der sächsischen Regierung unb sprach die Hoffnung aus, daß durch die Tagung das Zusammenae- hörigkeitsgefühl gestärkt werde. Gouverneur Dr. Schnee dankte und gab einen historischen Ueber- bkick über die Entwicklung des Auslanddeutsch­tums von den Zeiten der Fugger bis zur Gegen­wart. Er skizzierte di« Aufgaben des Bundes.

dessen nächstes Ziel die Erlangung der Gleich­berechtigung der Auslanddeutschen mit den anderen Tlationen im Ausland fein würde. Zum Schluß dankte Ministerialrat Dr. K a r st e d t vom Reichsarbeitsministerium den Auslanddeutschen für ihre Unterstützung der Hin- denburgspende und forderte sie auf, auch weiter in ihrer Gebefreudigst nicht zu erlahmen.

Nach den Unruhen in Frankreich

Paris. 28. Aug. (WB.) Der3ntran- figeant berichtet aus Cherbourg, daß 1500 Amerikaner wieder nach den Vereinigten Staaten zurückgereist sind und daß 17 00 weitere ihre Schiffspläh « belegt haben. Dies ist. wie das Blatt schreibt, ein außerordent­lich ernst zu nehmender Hinweis, der erlaubt, abzuschähen. wie teuer Frankreich ein Abend internationaler Mobilisierung zu stehen kommt. (Gemeint ist die Manifestation in Paris gegen die Hinrichtung von Saeco und Danze tti.)

Die PariserStraskammerhat wettere acht der am 23. und 24. August festgenommenen Manifestanten zu Gefängnisstrafen von zwei Wochen bis zu acht Monaten verurteilt. Unter den Verurteilten befinden sich ein Por­tugiese und ein Pole, sowie eine Frau, als deren Beruf Köchin angegeben wird.

Die bei einer nächtlichen Razzia festgenorn- menen Ausländer wurden gestern verhört. Drei, ein Russe, ein Serbe und ein Italiener, die bereits einmal ausgewiesen worden sind, wer­den wiederum auSgewiesen. Gegen zehn Fest­genommene schwebt ein Antrag auf Ausweisung Zwölf weitere Personen, denen der Aufentbatt in Frankreich verweigert worden ist, sollen eben­falls über die Grenze geschoben werden.

Bemerkenswerte Wahlen der Wiener Polizei.

Wien. 27. Aug. (WB.) Die R e u w a h l für die nach den Iuliereignissen zum Rücktritt veranlaßt« Personalvertretung der Wiener Sicherheitswachebeam- ten fand heute unter großer Beteiligung der Wiener Wachmannschaft statt. Das Ergebnis war 111 Mandate für die unpolitisch-wirt­schaftliche Gruppe der Wachebeamten und 12 Mandate für die freigewerkschaft- 1 ich organisierte (sozialdemokratisch gerichtete) Gruppe. In den engeren Ausschuß kom­men demgemäß fünf Vertreter der un­politisch-wirtschaftlichen und ein Ver­treter der freigewerkschaftlichen (so­zialdemokratisch gerüsteten) Gruppe, während die letztere Gruppe eine '/.-Mehrheit im vorigen Aus­schuß hatte. Dieses Ergebnis der allgemein mit großer Spannung erwarteten Wahl wird vielfach als eine Folge der unausgesetzten Angriffe der sozialdemokratischen und kommunistischen Blätter gegen die Haltung der Polizei am 15. und 19. Juli angesehen.

Russische Spionage in Rumänien

Bukarest, 27. Aug. (WB.) Agentur Orient Radio. Eine Spionageorganisation, di« für die Sowjetbehörden arbeitete, wurde in Chisinau (?) ausgedeckt. Sie lieferte Nachrichten über militärische Dinge an den Nachrichtendienst in Kiew. Es wurden fünfzehn Personen verhaftet.

Das polnische Parlament will tagen.

Warschau, 27. Aug. (WTB.) Der Sejm- marschall übersandte heute der Kanzlei des Staatspräsidenten ein von Mitgliedern aller polnischen Parteien mit Ausnahme des Arbeiisklubs, der Domsti-Gruppe und der natio­nalen Minderheiten unterzeichnetes Schreiben, in dem der Staatspräsident aufgefordert wird, eine außerordentliche Parlamentstagung einzuberufen. Einer solchen Aufforderung hat der Staatspräsident nach der Verfassung binnen zweier Wochen zu entsprechen, sofern sich ihr mehr als ein Drittel aller Sejminitglieder angeschlossen haben. Diese Bedingung ist erfüllt Aucb von den Senatsmitgliedern ist unter entsprechender Beteiligung der Parteien und ebenfalls mit ge­nügender^ Unterschriftenzahl die gleiche Forderung an den Staatspräsidenten gerichtet worden.

Protest gegen den Terror der Regierenden.

Paris. 29. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie Paris nattnal berichtet, hat der Ausschuß für die Amnestie in Polen der Interparlamen­tarischen Friedensunion einen Protest gegen das Vorgehen der polnischen Regierung in Form einet Denkschrift überreicht, in der über

Fälle von Beeinträchtigungen deS par­lamentarischen Rechtes unö der demo­kratischen Grundsätze durch die verschiedenen pol­nischen Regierungen in den letzten fünf Jahren berichtet wird. In Polen herrsche der weihe Terror. Die nationalen Min­derheiten würden un t erdrückt. die Re­gierung des Marschalls P i l s u d s k i gleiche durchaus dem F a s z i s m u s.

Nanking von den Nordlruppen genommen?

London, 29. Aug. (WTB. Funkspruch.) Eine Agenturmeldung aus Schanghai besagt: Alle Be­amten der Nanking-Regierung sind nach Schanghai geflohen. Die Nordtruppen haben Nanking genommen. Die D/völkerung bereitet sich darauf vor, General Suntschuan- fang, der gestern in Nanking anlangen sollte, fest­lich zu empfangen. Um I f d) t n g M a n g wird wei­ter schwer gekämpft.

Aus aller Welt.

Schwere Unwetter.

Durch die starken Wollens rüche der letzten Tage wurden an der Westküste Schleswig - Hol- st eins die Marschen aufs frfjmerfte mitgenommen. Roggen, unb Katosfelfelder sind überflutet Soweit das Korn noch auf dem Halm« ftebt, hat «s sich zmn großen Teil umgelegt und ist vom Wasser völlig bedeckt, so daß es für die Ernte werllos (ein dürfte. Außerdem besteht die Gefahr, daß auch der bereits geerntete Roggen xu keimen beginnt. Di« Städte Heide und Büsum wurden von dem Unwetter besonders schwer heimgesucht.

Auch in Mecklenburg-Strelttz haben die ungeheuren Regenmasten, die währer« der letzten Tage fortdauernd niedergingen, in zahl­reichen Gegenden des Landes groß« Le bersch wem- mungen und Wasserschäden hervorgerufen. deren Auswirkungen noch nicht abzusehen sind. Beson­ders katastrophal wirken die Wasterverwüstungen in der Rähe von S ch ö n b e ck. Das am Bach« liegende Mühlengehöft steht gänzlich unter Was­ser. Sine Brücke zwischen Schönbeck und Reith ist vollständig eingestürzt und eine andere fort- gespült worden. Die gesamte diesjährige Ernt« gilt als vernichtet, so daß ein unübersehbarer Schaden die Bevölkerung dieses fruchtbaren Land­striches getroffen hat.

In Württemberg haben die ungewöhnlich starken Regensälle der letzten Tage in Crails« I)«im, Heidenheim und Laubheim -u Hochwasser geführt, das di« noch nid)t eingebracht» Ernte völlig vernichtete. In Heidelberg ist der Neckar im Laufe einer Nacht so stark gestiegen, daß di« Arbeiten am Neckarkanal ernstlich gefährdet sind. Di« Neckarschistahrt mußte gestern eingestellt werden.

Die starken Regenfälle der letzten Tage haben auch in Bayern verschiedentlich Hochwasser verursacht. Die Zusam, die Laugna, der Inn und die Sulz sind stellenweise über die Alfer getreten, haben die Wiesen überschwemmt und die Grum­meternte in Frage gestellt. In Passau ist der untere Kai teilweise überschwemmt. Auch die Donau führt infolge d«S Anschwellens ihrer Rebenslüss« Hochwasser.

Frühe Schneefälle le Oberffekrtnarf.

Wie aus zahlreichen Ortschaften Obersteier- markS gemeldet wird, herrscht dort seit gestern lebhafter Schneefall, der stellenweise sogar die Täler bedeckt. Di« Schneegrenze reicht bis auf 800 Meter Höhe.

Lia neuenideckter Stern.

Der Leiter der Heidelberger Sternwarte auf dem Königstuhl, Prof. Wolf, entdeckte nach dem .Heidelberger Tageblatt" in der Rächt zum 31. Juli auf vom südlichen Teil deS Sternbildes Adler auf genommenen photographischen Platten nordwestlich von dem Sterne vierter Größe Lambda ein Sternchen 31/»- Gröhe, das auf den Aufnahmen derselben Gegend bisher nicht zu finden war.

(Ein deutsches Flugzeug in Arabien.

Am 25. August führte ein IunkerSflugzeug des Typs A 35 einen toolflgelungenen Postflug von Hoheida am Rotzen Meer über die teilweise über 4000 Meter hohen Gebirgszüge des Temen nach der Binnenstadt Sanaa aus. Das Flug­zeug wurde von dem Ingenieur A r n tz e n von den Junkers werken geführt und legte die 200 Kilometer lange Strecke in 45 Minuten zurück, während eine Post auf dem gewöhnlichen Wege durch die unwegsamen Gebiete des Temen acht Tage unterwegs ist.

Line ganze Jamille verunglückt.

Als der Landwirt Strahler in Woitz bei Neiße gestern in einem Landauer mit seiner Fami- lie eine Besuchsfahrt unternahm, scheute das Pferd auf der Dorsstraße. Der Wagen zerschellte an einer Hauswand. Dem 7jährigen Sohn wurde der Schä- del zertrümmert, so daß der Tod auf der Stelle eintrat, die Mutter erlitt schwere Knochenbrüche und einen Bluterguß und liegt hoffnungslos dar­nieder. Die beiden Töchter kamen mit Hautabfchür- fangen davon. Strahler, der im Krieg ein Bein verloren hat, konnte sich durch Abspringen retten.

Schwere Bluttat eines Vaters.

Eine schwere Bluttat ereignete sich, wie erst jetzt bekannt wird, am Mittwochabend in der Nähe von Weeskendorf bei Preußisch-Holland (Ostpreußen). Der dort bei seinen Schwiegersohn zu Besuch wei lende frühere Gutsverwalter Johannes Grun­wald aus Allenstein, der seit langem an einer Nervenkrankheit leidet und seit einiger Zett stellungs­los ist, unternahm mit feinen beiden Söhnen im Alter von 7 und 10 Jahren eine Radtour. Plötzlich zog er einen Revolver und erschoß die beiden Söhne und bann sich selbst. Man fand di« Leichen am nächsten Vormittag.

Boolsunglthf auf der Blans.

2lm SamStagvormittag schlug auf der Maas in der Räße von Bvrgharen bet Maastricht aus bisher noch unbekannter Tlrsache ein Ruderboot um, wobei alle Insassen, sechs Arbeiter, ins Wasser fielen. Während zwei durch ander« Boote gerettet werden konnten, ertranken di« vier übrigen.

Riefenbranb bei Spezia.

Wie ,®iomate d'Italia" meldet, brach am Samstagmorgen in der großen Fabrikanlage der Genueser Raphtagesellschaft in der Rähe von Spezia Feuer aus, das einen solchen Umfang annahm, daß die umliegenden Ortschaften ge­räumt und mehrere Handelsschiffe aus dem Hafen entfernt werden mußten Hebet die Höhe des Schadens ist noch nichts bekannt.

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