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Samstag, dem 3. September d. 3.

vormittags 10 Uhr

beim Stadtbauamt abzugeben, wo die Er­öffnung der eingegangenen Angebote im Beisein der etwa erschienenen Anbieter erfolgt. Zuschlaasfrist: drei Wochen.

Gießen, den 27. August 1927.

Stadtbauamt Gießen. Braubach.

Bekanntmachung.

Nachdem die Zustellung der Steuer­bescheide über die vorläufigen Gemeinde», Kreis» und Provinzialumlagen einschließ­lich der vorläufigen Sondergebäudesteuer für das Rechnungsjahr 1927 an die Zah­lungspflichtigen stattgefunden hat, wird als Tag, an dem die sämtlichen Steuer­bescheide als zugestellt zu gelten haben, der 27. August 1927 festgesetzt. 78388

Diejenigen Grundsteuer-, Gewerbesteuer- und Sondergebäudesteuerpslichtigen, die bisher einen Steuerbescheid nicht erhalten haben, werden aufgefordert, dies alsbald beim städtischen Rechnungsamt, Stadthaus Bergstraße, Zimmer 18, anzuzeigen.

Gießen, den- 27. August 1927.

Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Selb.

Bekanntmachung.

Die Erd- und Maurerarbeiten für die Errichtung einer Bedürfnisanstalt an der Eist .bahnüberführung in der Ludwigstraße '.Ken auf Grund der Reichsverdingungs- ...nnng für Bauleistungen öffentlich ver-

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** Der Umbau der Eisenbahnbrücke an der Neustadt ist jetzt in greifbare Nähe gerückt. In den letzten Tagen wurde seitlich der Brücke an dem Wege zu den Häusern der Ruder» vereine oben am Bahnkörper eine Bretterbude er­richtet, die zur Ausnahme der Sicheningsarrtagen für den Bahnbetrieb dienen sollen, ferner als Anf- enthaltsraum für den Sicherheitsposten bestimmt ist. Di« Reichsbahnbauoerwcütang beabsichtigt, an der Baustelle für die ganze Dauer des Umbaues eingleisigen Verkehr ein,zurichten, ju welchem Zwecke zunächst zwei Weichen vor und hinter der Brücke eingebaut werden. ^Nachdem diese Arbeit vollendet ist, wird die eine Seite des Doppelgleises gesperrt, das außer Betrieb gesetzte Gleis beiseite gesetzt und alsbald mit dem Abbruch des Bauwerkes begonnen werden. Das Gewölbe der Brücke wird durchschlagen, ebenso fallen di« beiden Mittelpfeller, di« jetzt für den Fuhrwerk verkehr außerordentlich hemmend sind, künftig fort. Jedoch bleibt die lichte Weite der Brücke unverändert, die beiden Seiten­wege fommen zu ber_n«uen Durchfahrt noch hinzu. Nachdem die eine Seite des Bahnkörpers fertig umgebaut ist, wird der gleiche Vorgang sich quf der anderen Seite abspielen. Die Eisenkonstruktion für di« erst« Hälft« des neuen Brückenbaues trifft An­fang Oktober hier ein und wird alsbald eingebaut werden, damit dieser Teil rafchestens in Betrieb gesetzt und der Umbau des zweiten Teils in An» griff genommen werden farm. Der gesamte Um» Dau der Brücke dürfte voraussichtlich bis Ende No­vember beendet sein.

** Keine neuen Postwertzeichen. *3m Anschluß an einen Vortrag, den der Aeichskunstwart in Hamburg über die Formen- gebung des Deiches gehalten hat, ist durch eine Anzahl Zeitungen die Nachricht verbreitet wor­den, die Deutsche Aeichspost beabsichtige, neue Freimarken mit der Darstellung deutscher Bau­denkmäler herausgegeben. Genannt wurden dabei das Knochenhauerhaus zu Hildesheim, der Roland zu Bremen, das Rathaus zu Augsburg. Dem­gegenüber ist mitzuteilen, daß solche Pläne bei der Deutschen Reichspvst niemals erörtert wor­den sind, auch nicht mit dem Reächskunstwart.

** Sin 300000 Mark-Gewinn fällt nachFrankfurt a. M. Bei der Hauptziehung der Preußischen Klassenlotterie wurde die Nummer 345 136 mit dem zweiten Hauptgewinn von 300 000 Mark gezogen. Da jede Ziehung in zwei Abteilun­gen herauskommt, kommen aus dieses Los im gan­zen 600 000 Mark. Davon gelangen nach Abzug von 120 000 Mark an Abgaben 480 000 Mark zur Auszahlung. Don dieser Nummer sind in der ersten Abteilung 240 000 Mk. noch Frankfurt a. M., in der zweiten Abteilung 240 000 Mk. nach Berlin gekommen. Sowohl das Los in Frankfurt a. M. wie auch jenes in der Hauptstadt mürben von den Gewinnern in Achtelteilen gespielt.

Svnntagssonderzug nach Da - den-Daden. Am Sonntag, 4. September, verkehrt von Gießen aus über Butzbach, Bad- Rauhe im, Friedberg. Frankfurt a. M. ein Son­derzug mit nur 4. Wagenklasse nach Baden- Baden Der Zug fährt um 6 Uhr vormittags in (Sieben, 6,24 in Butzbach, 6,36 in Dad-Rauheirn, 6,43 in Friedberg und um 7,28 in Frankfurt ab. Für die Strecke WetzlarGießen besteht sowohl aus der Hinfahrt wie auch für die Rückreise günstigster Anschluß. Die Anschlüsse werden be­stimmt abgewartet. Die Sonderzugteilnehmer haben neben der allgemeinen Ermäßigring des Fahrpreises um ein Drittel noch verschiedene weitere Vergünstigungen. Die Rückfahrt ab Ba­den-Baden erfolgt um 19,48 Uhr. Ankunft in Gießen um 0,03 Ahr.

* Sonderzug zum Herborner Trachtenfest. Arn 4. September findet in Herborn eine Tagung des Verbandes der deut­schen GebirgS- und Wandervereine verbunden mit einem Trachtenfest statt. Um Interessenten den Besuch mit verbilligter Fahrt zu ermöglichen, hat die Reichsbahndirektion für diesen Sonntag von Frankfurt aus einen Sonderzug nach Herborn vorgesehen. Der Zug hält in Friedberg um 7 Uhr, Gießen ab 7.48 Uhr und kommt 8.42 Ahr in Herborn an. Die Abfahrt in Herborn (Rückreise)

Aus der Provinzialhaupfstadt.

Dießen, den 29. August 1927.

Dasglückliche" Lachen.

Ich sah Menschen lachen und weinen, sah tiefe Sorgenfalten auf ihrer Stirn und Gram in ihren Zügen, ich hörte ihr kreischerrdes Lachen in lauter Gesellschaft und sah daS glückliche Lächeln, daS ganz nach innen schaut. 3« lauter das Gelächter war, desto öfter hörte ich das (Bort: Die müssen sich wohl fühlen! Auch ich habe daS manchmal geglaubt, aber ich begann daran zu zweifeln.

Warum? Zunächst die Frag«: Worüber lachen die Menschen? Weil ihnen etwas lächer­lich erscheint. Und warum erscheint ihnen etwas lächerlich? Weil sie einen Mangel daran ent» ckt zu haben glauben. Also entspringt ihr Lochen nicht einer harmlosen Freude, sondern 3 hat seinen Grund in einer Art Bosheit. Sie reuen sich ja des Mangels. Sie haben nicht ie Absicht, zu helfen, daß dieser Mangel be­tätigt wird, nein, eine Art Schadenfreude ist 'n ihnen, trenn sie lachen. Möglich, ja wahrschein- Itrti, daß sich in ihnen etwas wie Mitleid regen 'rill. Aber das schieben sie beifeite. Wenn ihnen in erirt.er Stund« das entgegentreten würde, wor­über sie in luftiger lachen, würden sie vielleicht darüber weinen. Mindestens würden sie von Mitleid erfüllt sein, unö sie würden den Wunsch hegen, zu Helsen.

Ein Komiker steht auf der Bühne, als Trottel verkleidet, und singt trottelhafte Couplets. Jeder weiß: Es ist nur Attrappe. Und doch gibt sich jeder der Täuschung hin. einen Trottel vor sich au sehen, einen von der Ratur stiefmütterlich behandelten Menschen. 3n lautes Gelächter brechen die Zuschauer aus. Ist es Bosheit? Ist «s Mitleid? Wohl beides, aber keines rein. Die Bosheit ist harmlos, und daS Mitleid bleibt im Hintergrund«. Wenn es anders wäre, wie kommt eS dann, daß nach solcher, von lautem Lachen erfüllten Stunde der krasse Umschlag kommt, in dem die meisten um so tiefer die Erd en not empfinden, ihre eigene und die der andern?

In einer Gesellschaft geht es hoch her. Einer ist dabei, der Anekdoten und Witze erzählt. Harm­lose und gepfefferte, wie eS eben die Laune ein­gibt. Lautes Gelächter belohnt fein Srzähler- tafertt. Aber in jeder dieser Anekdote erkennt man auch den tieferen Sinn, der sich nicht weg- leugnen läßt: Immer steht ein Mensch da­hinter, über den man sich lustig macht wegen eines ReinsallS, den er erlebt hat, einer Dumm­heit. die er begangen hat. Und wieder ist es nicht die rein« Freude, die harmlose, sondern eS ist ein wenig Mitleid habet, das man nicht hoch­kommen lassen will.

Es gäbe also gar kein glückliches Lachen? Ich habe wenigstens noch keinen gesehen, der lachend glücklich war. Vielleicht glaubte er, es zu fein. Aber er war es ebensowenig wie der andere, den bitterstes Leid niederdrückte, daß er g« keinen Anteil nahm am Geschick des andern.

Doch ein glückliches Lächeln gibt es. Gs strömt mcht auS Mitleid und nicht aus Bosheit und Schadenfveude. Aus innerer Anteilnahme kommt es, die hilfsbereit ist. DaS Vorrecht der Güte ist das Lächeln 11 nh die Güte ist daS ' Besitztum dessen, der dieses Leben und seine Wirrungen und Irrungen verstehen und über­winden gelernt hat. Dem Lächeln kann ich ver­trauen, auch wenn eS im Spott die Lippen kräuselt. Denn auch dann ist noch Anteilnahme habet. Llber dem Lachen vertraue ich nicht, d.-nn es ist ein Lügner. (38 will täuschen, ohne es recht zu wissen. Und wer möchte wohl einem Lügner vertrauen? 5r.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Palast-Lichtspiele:Der Meister der Welt"'. Asto- ria-Lichtsptele:Die Banditen von Sandy-Bar".

ist auf 20.21 IHyr festgesetzt: Ankunft fn Gießen 21.01, in Friedberg 21.49. Jeder Teilnehmer er­hält einen Sitzplatz.

Zur Errichtung einer Fern­sprechzelle im Bahnhof wird uns vom Verband reifender Kaufleute Deutschlands (Sek­tion Gießen- geschrieben: Schon länger als vor Jahresfrist wurde in einer unserer Versamm­lungen aus den Reihen unserer Mitglieder be­mängelt. daß auf dem hiesigen Bahnhof keine geeignete Telephonzelle sei, in der Reisende un- delauschck Ferngespräche führen könnten. Sofort wurde von uns ein Antrag bei Post» und Bahn­verwaltung eingebracht ühb uns in bejahendem Sinne geantwortet. Auch unsere Verwaltung in Leipzig ist auf unsere Anregung hin bei dep Rcichsbahngesellschaft dieserhalb, nicht nur wegen der Gießener Verhältnisse, vorstellig geworden. Auf Grund dieser Tatsache sind wir überzeugt, für unsere Sektton beanspruchen zu dürfen, der Urheber zu fein, daß die Fernsprechstelle jetzt vor­handen ift

* Derbandstag der Hessischen Polizeibeamten. Der Verband der Polizei­beamten Hessens c. D. hält am Sonntag, 11. Sep­tember, in Butzbach seinen 5. ordentlichen Verbands» tag ab. Die Tagesordnung sieht u. a. einen Vor­trag des Fachreferenten für Polizei beim Deutschen Beamtmbund, Hauptmanns a. D. S i e r i n g, über die neue Polizeigesetzgebung vor, der dadurch be­sondere Bedeutung gewinnt, daß das in Hessen zu schaffende neue Polizeibeamtengesetz bisher nur im Entwurf vorliegt und erst während der Herbst» tagung des Landtags verabschiedet wird.

** 2 5 jähriges Dienstjubiläum. Der» messungsinspektor Weith (Gießen) ist am 1. Sep­tember 25 Jahre im Staatsdienst (Feldbereinigungs­dienst) tätig.

** Zur Bullenoer st eigerung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für die Provinz Oberhessen in Ridda. am Montag, 5. September, sind nunmehr 38 Bullen des hessischen Fleckvieh sch lages (Simmentaler) ge­meldet. Wie im Vorjahre wird der Schweinezucht­verein Lang-Göns mit vier Ebern des deutschen Edelschweins vertreten sein. Der Schweinezucht­verein Stangenrod und Züchter Stark (Wir- berg) bringen fünf Eber des veredelten Land- schweins zum Verkauf. Bei dieser großen Zahl der gemeldeten Tiere ist den Interessenten beste Gelegenheit geboten, reingezüchtete Faseltiere zu erwerben.

" Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter S ch l a ch t v ie h m a r k t^ 318 Ochsen, 104 Bullen, 633 Kühe, 406 Färsen, 518 Kälber, 88 Schaf«, 5524 Schwein«.

Kunst und Wissenschaft.

Verleihung des Frankfurter Goelhepreises an Stefan George.

Am Sonntag fand in Frankfurt die Verleihung des Frankfurter Goethe- Preises an den Dichter Stefan George in einem Festakt in Goethes Geburtshause statt. Oberbürgermeister Dr. Landmann führte an­läßlich dieser Feier in einer Ansprache aus, daß Frankfurt die Verpflichtung fühle, sich des Glückes, die Geburtsstätte Goethes zu fein, durch Taten würdig zu erweisen. Ein Symbol dafür, daß es hierzu gewillt fei, solle die Schaffung des Goethepreises fein. 3n einer Würdigung der Person Stefan Georges, die die Devleihungs- urkunde enthält, wird George gepriesen als Dichter, Lehrer und Leiter, sowie als Persönlich­keit, die die Goethesche Würde des Dichters tote kaum ein zweiter in unseren Tagen gehütet hat. Der Preis besteht in einer Geldsumme von 10000 Mark.

Dom hessischen Landeslheater.

Das Hessische Landestheater in Darmstadt beginnt demnächst feine Spielzeit mit HändelsI u - lius Cäsar" in der Oper und mit Shakespeares Wintermärchen im Schauspiel. Es wird dies

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die erste Aufführung efntr Oper Händels In Darm, ftabt sein. Die Aufnahme eines Schauspiels von Shakespeare zeigt, daß der neue Intendant (Ebert gewillt ist, auch das Üasstsche Drama mehr als bis­her zu pflegen.

Berliner Börse.

Berlin, 29. Aug. (WTB. Funklpruch.) Die Tendenz des heutigen Frühverkehrs scheint wieder etwas freimblicher zu fein, roerm auch bis jetzt nennenswerte Umsätze noch nicht getätigt worden sind. Eine Anregung bieten die Kapitalserhöhungen bei Bemberg und Glanzstaff und die Dezugsrechte die ziemlich günstig gehallen werden. Man hört Farben mit ca. 301. Am Devisenmarkt hört man London gegen Mailand mit 90,10, Madrid 28,82. Brüssel 34,93, Paris 124,02 und Kabel 4,8620.

Die Wetterlage.

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Wertervoraussagc.

Die isländischen Sturmzhklone hatten durch die rasche Abflachung und nordöstliche Zugrichtung keinen Einfluß auf die Witterung Mitteleuropas hervorgerufen, vielmehr gewann bas westeuro­päische Hoch durch seine östliche Ausbreitung di« Vorherrschaft und brachte Bewölkungsabnahme mit sich. Die Temperaturen sind tagsüber infolge stärkerer Sonnenstrahlung weiter angestiegen. Un­ter dem Einfluß hohen Luftdruckes haben wir auch morgen noch mit aufheiterndem und trockenem Wetter zu rechnen.

Heiter, auch zeitweise bewölkt, tagsüber warm und trocken.

Witterungsaussichten für Mittwoch: Wollig mit Aufheiterung und in der Hauptsache trocken.

Lufttemperaturen am 28. August vormittags: 20,6 Grad Delsius, nachmittags 15,2 Grad Eel- sius: am 29. August 12.8 Grad Celsius.

Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 28. August 19,5 Grad Celsius, am 29. Augu t 12,6 Grad Celsius.

Maximum: 20,6 Grad Celsius: Minimum: 7,0 Grad Celsius.

Sonnenscheindauer: 6®/* Stunden.

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