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„Vorläufig noch feine", sagte Lawrence, ohne eine Miene zu verziehen. „Mein Bruder befindet sich augenblicklich im Norden und will sich den Neger erst ansehen. Das ist jetzt nicht mehr so einfach als früher. Sie wissen, mein Bruder ist ein Dortrefflidjer Geschäftsmann und läßt sich nicht leicht einseifen. Man muß sich mit den Yankees in acht nehmen. Auch in der guten alten Zeit haben wir keine Neger gekauft, ohne sie anzusehen. Und wenn Sie uns Ihren Dampfpflug zeiaen, wer weiß, dann läßt mein Bruder am Ende den Dampfneger fahren unb läuft Ihnen yach. Es soll mich freuen, Mister — Mister — wie heißen Sie?"
(Fortsetzung folgt.)
bürg, den 2. November 1866 — na nu! Das ist eigentlich etwas andres, aber nicht weniger inter- esfant, und zeigt Ihnen, was unsre Erfinder leisten. Ein Land mit solchen geistigen Kräften ist nicht um- zubringen, darauf können Sie wetten. Hören Sie zu. .Dicksburg, den 2. November. Wir vernehmen mit Vergnügen, daß es einem unsrer Mitbürger, einem genialen jungen Erfinder. Mr. Hodgekiß, nach langem Studium und kostspieligen Versuchen gelungen ist, einen Dampfneger zu konstruieren. Derselbe kann bereits Holz sägen, Maiskolben raspeln und Zuckerrohr kauen. In der gegenwärtigen verzweifelten Lage unseres Südens ist diese Erfindung von der höchsten Bedeutung. Der Neger ist gegen ein Eintrittsgeld von fünfzig Cents zu Neuyork, 218 Fultonstreet, zu sehen. Der geniale Erfinder ist nunmehr eifrig damit beschäftigt, auch ein Dampfmaultier anzuferti- gen, teilt uns jedoch in der liebeswürdiasten Weise mit, daß dies eine sehr viel schwierigere Aufgabe sei als die von ihm bereits glücklich gelöste. Es wird dies jedermann, auch der Nichttechniker, begreifen, wenn man bedenkt, daß ein Maultibr gewöhnlich vier artikulierte Beine in Bewegung setzen muß, wahrend der Neger nur zweibeinig ist. Mr. Hodgckiß ist übrigens noch nicht zweiundzwanzig Jahre alt und im Begriff, sich mit der reizenden Miß Evelin Sharp aus Warrenton zu verheiraten. Er geht mit dem Pläne um, auf Grund seiner Erfindungen eine Dampfneger- und -maultier - Aktiengesellschaft mit beschränkter Haftpflicht zu g, Kapitalisten und Freunde bi
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Tagen meinen Dampfpflug zwischen die Finger bekomme. Dann sollen die Herren Amerikaner schon die Augen aufmachen."
„Na, na!" machte der Oberst, in dessen Seele der Stolz des werdenden Yankees mit dem Aerger, in Amerika zu fein, in fortwährendem Kampfe lag. Wir hatten, wie es die Unsitte des Landes will, halb Deutsch, halb Englisch gesprochen und kaum bemerkt, daß sich auch am Nachbartisch jemand niedergelassen und zu frühstücken begonnen hatte: ein älterer gutmütig aussehender Herr mit einem furchtbaren Knotenstock.
„Na, na!" sagte auch der neue Gast, sichtlich bestrebt, Deutsch zu sprechen, fuhr aber bann sogleich auf englisch fort: „Entschulbigen Sie mich, Gentle- men; ich bin Mister Lawrences Bruder: Mister Lawrence, Magnoliaplantage, Plagueminegrafschaft, Louisiana — Sie kennen ihn?" —
Wir kannten nichts von all dem, glaubten ihm aber aufs Wort. Der Mann hatte ein so ehrliches, zutrauliches Aussehen, nahm seinen Knotenstock, ein wunderbares Naturerzeugnis, zwischen die Knie, stützte sein Kinn darauf und sah uns freundlich an.
„Dampfpflüge!" fuhr er nach einer Pause fort, „Dampfpflüge, — das interessiert mich. „Wir haben in diesem großen Land Dampfpflüge in Menge. In Vicksburg läuft einer seit drei Jahren — in Cincinnati — in Chicago —"
„Mein lieber Herr!" sagte ich etwas erregt, denn er hatte mich an einer wunden Stelle berührt, „das geht nicht! Ich bin noch nicht lange in Ihrem großen und ruhmgekrönten Land, aber eins weiß ich: den amerikanischen Dampfpflug, von dem mir jedermann erzählt hat, hat noch niemand gesehen. Haben Sie ihn schon gesehen?"
„In Baltimore ist einer", fuhr Herrn Lawrences Bruder ausweichend, aber eifrig fort, „in Sankt Louis hat erst vor wenig Wochen ein außerordentlich talentvoller Milchhändler einen Pflug erfunden, der mit dem Wind segelt. Warten Sie ein wenig: sehen Sie, hier!" — Er zog aus seinem geräumigen Rock ein großes blaues Heft hervor, nachdem er, sechs kleine Tüten, die mit Zuckerproben gefüllt waren, auf den Tisch gelegt hatte. Das blaue Heft enthielt zahllose, in Kreuz und Quer eingeklebte Zeitungsausschnitte, unterbenen er eifrig nach bem gewünschten fegelnben Pflug suchte.
„Haben Sic ihn gesehen?" fragte ich hartnäckig. „Nein! — .Nun will ich Ihnen erzählen, wie es mir
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Sübens befonbers aufmerksam machen.'"
„Wieviel Aktien haben Sie genommen?" fragte Oberst von Schmettkow Herrn Lawrence, der sich siegreich umsah.
in biefem großen unb erleuchteten Land bamit ging. Auf der Uebersahrt von Liverpool nach Boston sagte mir bie ganze Schiffsgeseitschast, soweit sie amerikanisch war, daß es bei ihnen von Dampfpflügen wimmeln müsse. Ein Herr aus Boston meinte, in seiner Vaterstadt seien allein drei, wahrscheinlich in vollem Gang, denn er erinnere sich, schon als Schuljunge davon gehört zu haben. Ich hielt mich zwei Tage auf, um sie zu finden. Niemand wußte etwas davon. Aber in Philadelphia sei ein blühendes Geschäft, bas sie fabriziere. Ich interessiere mich ein wenig bafür: es ist mein Handwerk. Ich gehe also nach Philadelphia unb finbe mit Müh unb Not die Abresse' eines Herrn in Neuyork, der einmal mit einem englischen Gesd)äst korrespondiert habe, um sich einen kommen zu lassen. Es wurde nichts daraus wegen des hohen Eingangszolls. Aber in Cincinnati sei ein Mister Fox: der mache amerikanische Dampfpflüge, hauptsächlich fürs Präriepflügen, höre ich in der Metropole der Welt. Ich gehe nach Cincinnati. Mister Fox war tot. In einem Schuppen fand ich eine alte Straßenlokomotive, die feiner armen Schwester gehörte und aussah, als ob sie Noah gebaut hätte. Pflüge wolle ich sehen? Nein, das sei nicht zum Pflügen: das sei ein Lastwagen mit Dampfbetrieb, erklärte mir die Schwester. Aber in Chicago: dort werden für die Maisfelder von Illinois Hunderte von Dampfpflügen gebaut. Ich war auf bem Weg nach bem Silben, aber ich ließ mich's nicht verdrießen: ick) gehe nach Chicago. Die Firma Thompson & Smith, von der ich in Cincinnati gehört hatte, war bankrott. Einen Dampfpflug habe sie nie gebaut. Dagegen habe allerdings Mister Thompson einen erfunden, der zehn Morgen in drei Minuten aufbrethe. Nur der Bankrott sei ungeschickterweise dazwiscyengekommen, die epochemachende Erfindung auszuführen. Jetzt sei er in Kalifornien, um bas Geschäft fortzusetzen. Dort werbe eigentlich nur noch mit amerikanischen Dampfpflügen gearbeitet; So werbe es in Louisiana wahrscheinlich auch sein, namentlich in Neuorleans, seitdem die Sklavenarbeit aufgehört habe. Hier bin ich jetzt, Mister Lawrence," schloß ich, ganz warm von meinem Bericht, „unb Sie schicken mich nach Vicksburg. Bei Gott, es ist ein großes ßanb, Ihr Amerika! Aber die Geschichte von seinen Dampf- pflügen fängt an, etwas monoton zu werden."
Lawrence tat, als ob er mir nicht zu gehört hätte, und suchte eifrig in feinem blauen Heft.
Prozent von jedem unter dem Gesetz eingeführten Dampfpflug, bis die erhaltene Summe zehntausend Dollar beträgt, unb später zweieinhalb Prozent bis jur Wiebereinführung des gesetzlichen Normalzolls für landwirtschaftliche Maschinen. Damit konnten wir beide zufrieden sein. Ich ober vielmehr Olcott hatte mich überzeugt, baß man auch in ber größten ber Republiken bem Lande nicht umsonst Wohltaten erweisen kann. Ich fühlte eine gewisse Dankbarkeit gegen den Biedermann, der mit seinem offenen Lächeln ber ganzen Verhanblung jeden bösen Schein abzustreifen gewußt hatte unb mit Eifer an die Arbeit zu gehen versprach. Wir schieden an den Marmorstufen des Kapitols, mit lebhaften Versicherungen gegenseitiger Hochachtung. Mir jedenfalls war es um tausend Dollar leichter zumute, was auch aus ber Sache weiter werben sollte.
„Unb seitbem haben Sie nichts mehr von Ihrem Oberst unb Gesetzgeber gehört?" lachte Schmettkow etwas verächtlich, nachdem ich ihm die Geschichte zu meiner eignen Beruhigung beim dritten Male etwas ausführlicher mitgeteilt hatte. „Na, bas wirb schon kommen. Mit taufenb Dollar ist mein Herr Kamerad im Norden nicht zufrieden. Ich kenne meine Pappenheimer." i
„Wir werden ja sehen", meinte ich etwas kleinlaut: „unter tausend Dollar konnte ich wohl kaum erwarten, mit dieser Aufgabe durch Washington zu kommen. So weit kennen glücklicherweise auch meine englischen Freunde das Land. Im übrigen soll mich das alles wenig kümmern, wenn ich in ein paar
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