serem Volke so groß, daß feine fortwährende Verletzung den elementaren Ausbruch hervvrbringen mußte. Der Verkehrs st reit war in den .ritischrn -tagen das einzige Mittel, um der Stirn- nung der Arbeiterschaft Ausdruck zu geben und um die Gefahr zu vermeiden, daß der ganze Ar- ueiterstand an den Kämpfen teilnimmt. Wäre der Stteik nicht proklamiert worden, wäre das Unheil unabsehbar gewesen.
Der Vertreter des Landbundes, Nationalrat Bichel- Oberösterreich, erklärte, daß der Land- bund die Einführung der Todes st rafe für Mörder und Mordbrenner bei der Beratung des neuen Strafgesetzentwurfes im Nationalrat beantragen werde. Ferner verlangte Bichel die Einführung des Milizsh st ems sowohl zur Verminderung der Arbeitslosigkeit als auch, u m Me Jugend Oesterreichs wieder zu Gehorsam und Disziplin zu erziehen. Der Völkerbund sollte diese Forderung um so eher erfüllen, als die in Frage kommenden 100 000 Milizsoldaten keine ernstliche Bedrohung der Entente bilden könnten.
Ein Umschwung in der Stimmung des Hauses begann mit der Rede des nächsten Ländervertreters, des christlich-sozialen Abg. Aigner-Linz. Schon als dieser den Verkehrs streik aufs schärfste verurteilte, wurden erregte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten laut, die sich zu einem Sturm der Entrüstung steigerten, als er eine bestimmte Abteilung der Schutzbündler als Wegelagerer bezeichnete. Der Lärm und die Zwischenricke dauerten während der Ausführungen der folgenden Redner, die je eine Partei aus jedem ‘Sim- desland vertraten, an. Der geschäftsführende Vizepräsident Eldersch konnte den Lärm nur vorübergehend abstellen.
Bevor gegen Ende der Debatte der Vorarlberger Abg. Drexel (Christt.-Soz.) das Wort ergriff, füllte sich der Sitzungssaal wieder. Die parlamentarischen Minister nahmen bei ihren Parteien Platz. Das Haus folgte in wieder eingetretener vollkommener Ruhe mit größter Aufmerksamkeit den eindrucksvollen Mahnungen des geistlichen Redners. Sie gipfelten in dem Bemühen, die Parteien miteinander zu versöhnen, damit das junge Oesterreich vor dem sonst drohenden Untergange bewahrt bleibe und die Deutschen Oesterreichs das Gefühl behalten, daß sie zu ihrem Vaterlande gehören. Wir müssen versuchen. so schloß Drexel, uns gegenseitig zu verstehen. Vor allem aber ist es notwendig, daß beide Parteien sich darüber klar werden, ob sie miteinander leben oder aneinander st e r b e n wollen. Vor Ihnen und vor unserem Oesterreich steht Leben oder Tod! Wählt!
Stürmt scher, anhaltender Beifall und Händeklatschen bei den Mehrheitsparteien. Dr. Sei- p e l beglückwünschte den Redner.
Der von den Sozialdemokraten eingebrachte Mihtrauensantrag gegen die Regierung sowie der Antrag auf Einsetzung eines parla- menta’.ifu en Untersuchungsausschusses über die Ereignisse vom 15. und 16. Juli wurden abgelehnt. Nächste Woche findet zur Erledigung einiger dringender Vorlagen noch eine Vollsitzung des Nationalrats statt.
' Die Lage in Oesterreich.
Eine Erklärung des österreichischen Gesandten.
Berlin, 27. Juli. (Wolff.) Der österreichische Gesandte in Berlin, Dr. Frank, erklärte. daß die Reiseverhältnisse in Oesterreich wieder durchaus normal sind. Die Salzburger Fesckpiele wüvdcn programmäßig und ohne jede Verzögerung beginnen. Der Reiseverkehr nach Oesterreich habe eine erhebliche Einbuße nicht erlitten. Schon in wenigen Sagen werde Wohl dieselbe Anzahl von Fremden in Oesterreich weilen, wie vor den Wiener Ereignissen. Es sei zuversichtlich zu hoffen, daß sich die weitere politisch Entwicklung in Oesterreich in parlamentarischen Formen vollziehen werde, die durch die bekannten Parteiverhältnisse als gegeben erscheinen. Man könne vielleicht sogar hoffen, daß sich unter dem Eindruck des großen Unglücks alle Parteien in dem verstärkten Wunsche nach positiver Ausbauarbeit finden werden. Der Gesandte erklärte, daß nach feiner Meinung die Ereignisse in Wien auf die Anschlußfrage keinen Einfluß ausgeübt haben. Sie seien weder durch diese Idee hervorgerufen worden, noch dürften sich daraus irgendwelche Folgerungen ergeben. Das An- schluhproblem sei lediglich in den Zeitungen auß erhalb Oesterreichs mit diesen Vorfällen in Verblödung gebracht worden. Er sei der Ansicht, daß die bedauerlichen Vorfälle in Wien den Anlaß gebildet haben, die ganze Welt darauf auünertfam zu machen, wie wichtig nicht bloß für Europa, sondern für die ganze weltpolitische Lage das heute so unbefriedigend gelöste Problem Mitteleuropa ist. Das ungeheure Interesse der ganzen Welt für die Vorgänge in Wien lasse hoffen, daß im Herzen Europas bald ein Zu st and vollkommener Befriedung und des wünschenswerten Ausgleiches der wirtschaftlichen Kräfte eintreten werde.
Tschechisch-österreichische Zollunion?
Berlin, 28. Juli. Der „Vorwärts" will zuverlässig erfahren haben, daß die Prager Regierung mit Zustimmung Frankreichs im Herbst der Wiener Regierung den Abschluß einer Zollunion vorschlaaen wolle. Damit soll Oesterreich sicherer und leichter Absatz seiner Industrieprodutte und der. Bezug billiger Lebensmillel verschafft, seine Wirtschasts- läge gebessert und sein A n s ch l u ß b e st r e b e n gebrochen werden. Wie das Blatt weiter bemerkt, besteht aber ein Hindernis: die Meistbe- günstig ung, die sowohl Prag als auch Wien einer ganzen Reihe anderer Staaten eingeräumt haben. Diese Staaten könnten also gleichfalls Zollunion verlangen.
Überraschungen in Bukarest.
Poris, 28. Juli. (WTB.-Funkspruch.) „Paris national" hebt als auffallend hervor, daß die Koni g i n - W i t w e von Rumänien nur sehr entfernt an den offiziellen Trauerfeierlichkeiten in Bukarest teilgenommen habe. Das Blatt führt dies auf ein Zerwürfnis der Königin-Witwe mit Bratianu zurück. Am Todestage des Königs habe der Streit einen solchen Umfang angenommen daß die Königin-Witwe Bratianu damit gedroht habe, sie werde sofort das Land verlassen, um das Schicksal ihres Sohnes Carol in irgendeiner westeuropäischen Hauptstadt zu teilen. — Rach einer Meldung des „Motin" aus Bukarest bat der Bor
Schweres Flugzeug-Unglück bei Amöneburg
Alle 5 Insassen tot. - Das Flugzeug verbrannt.
Gießen, 28. Juli.
Lin schweres Flugzeugunglück ereignete sich gestern nachmittag auf der Flugstrecke zwischen Gießen und Kassel. Das Flugzeug der Deutschen Lufthansa D 206, das fahrplanmäßig 1.15 Uhr von Hannover in Kassel angekommen war und kur; darauf zum Weiterflug über Marburg und Gießen nach Frankfurt ausgestiegen war, verunglückte 2.25 Uhr nachm. am Südwestabhang von Amöneburg im Kreise Kirchhain. Das Flugzeug st ü r z t e aus bisher unbekannten Ursachen während eines Gewitters aus etwa 400 Meter höhe ab. Noch über der Erde explodierte der Benzintank, und eine große Stichflamme setzte die Maschine in Brand. Unter den Trümmern wurden drei völlig verkohlte Leichen hervorgezogen, die später als die des Flugzeugführers Rudolf Doerr aus Darmstadt, des Monteurs Ihlow und des Dr. Milch von der Frankfurter Wetterwarte in Frankfurt a. M. feftgeffetit wurden. Die beiden anderen Fluggäste, der Bureaugehilfe Bauer aus Hofgeismar und der Prokurist Vollmann aus Hannover-Linden mußten mit schweren Schädelbrüchen nach der Marburger Klinik gebracht werden. Einer von ihnen, Kollmann, verstarb beim Transport, der andere, Bauer, erlag in der Klinik, noch ehe die Aerzte helfen konnten, feinen Verletzungen.
Uebet die Ursache des Unglücks wird, da alle Jnfasten ums Leben gekommen sind, schwer etwas
stand der Volkspartei seinen Präsidenten, General A v e r e s c u, wegen seiner Erklärung im Senat, wo er sich den Ansichten Bratianus an- schloß, den Vorsitz niederzulegen, da diese Erklärung ohne Wissen der Partei verfaßt und abgegeben worden sei. Inzwischen hätten die Führer der Volkspartei beschlossen, Besprechungen einzuleiten, um eine Verschmelzung ihrer Partei mit der nationalen Bauernpartei (siebenbürgisch-rumänische Nationalpartei), die unter Leitung von M a n i u steht, vorzubereiten. General Averescu werde sich jedenfalls aus dem politischen Leben zurückziehen. Verhaftungen in Siebenbürgen.
K o 1 o z s v a r, 27. Juki. (Wolff.) Auf Umwegen hergelangten Meldungen zufolge wurden im sieben- bürgischen Komitate Csik führende Persönlichkeiten des dortigen Ungartums am Morgen des Todestages des Königs Ferdinand auf Grund einer im vorigen Jahre non den Behörden auf höhere Weisung zusammengestcllten Schwarzen Liste verhaftet. Das gleiche Schicksal ereilte auch die römisch-katholischen Geistlichen. Sämtliche Verhafteten wurden Leibesockttattonen nach Waffen unterzogen. Auch einige Frauen wurden verhaftet. Als Grund der Verhaftung wurde nur die ministerielle Verfügung angegeben. Die katholischen Geistlichen wurden erst am Sonntag freigelassen, um die angeordneten Trauermessen abhalten zu können. Ein Teil der übrigen in Haft genommenen Personen wurden gleichfalls einige Tage später auf freien Fuß gesetzt, jedoch unter der Verpflichtung, daß sie ihre Gemeinden nicht verlassen und s i ch täglich bei den Sicherheitsbehörden melden. Aehnliche Vorfälle werden auch aus dem Komitat H u n y a d gemeldet.
Dis deutfch-fchWsdifche Freundschaft.
Vizekanzler Hergt begrüßt schwedische Journalisten.
Berlin, 28. Juli. (Sil.) Eine Reihe schwedischer Journalisten, die als Gäste des Reichs- verbandes der Deutschen Presse in Berlin weilen, wurden am Mittwochabend vorn Reichs verband der Deutschen Presse zu einem Festabend in der Deutschen Gesellschaft 1914 eingeladen, zu dem zahlreiche Vertreter der Reichsregierung unter Führung des Vizekanzlers, Exzellenz Hergt. sehr viele reichsdeutsche Journalisten, die Berliner Vertreter der schwedischen, dänischen und norwegischen Presse, der Berliner schwedische Geschäftsträger mit dem größten Seil der Herren der schwedischen Gesandtschaft und viele andere Ehrengäste erschienen waren. Nach BrgrüßungsWorten des Vorsitzenden, Chefredakteur Becker, entbot im Namen der Reichs- regtming Exzellenz Hergt den schwedischen Gasten den Willkommengruh-.
Er bezeichnete es u. a. als eine wesentliche Voraussetzung für die von der deutschen Politik so sehr angestrebte friedliche Zusammenarbeit der Völker, daß ausländische Pressevertreter sich von der neuzeitlichen Entwicklung Deutschlands durch eigenen Augenschein ein klares und richtiges Bild machen. Nach außen biete Deutschland vielleicht, aber nur scheinbar — das Bild einer neuen Blüte. Von diesem Ober- flächenbild dürfe man sich aber nicht täuschen lassen. Noch reiche die Ausfuhr bei weitem nicht aus, um unsere ausländischen Zahlungsbedürf- nisse und unsere Reparationszahlungen zu decken. Vielleicht zum letzten Male sei es gelungen, den Etat zum Ausgleich zu bringen. Der Redner gab weiter der Hoffnung Ausdruck, die schwedischen Journalisten möchten den starken Arbeitswillen erkennen und würdigen, der sich im ganzen deutschen Volk rege, um die zahllosen Wunden wieder zu heilen, die der Krieg und die Inflation geschlagen haben. Auch in der Innenpolitik zeige sich unter der Präsidentschaft Hindenburgs und unter der jetzigen Regierung das Bestreben für die großen Aufgaben der Zeit im friedlichen Ausgleich der Gegensätze praktische Lösungen zu finden. Dem habe auch für die Außenpolitik Dr. Stresemann in seiner kürzlichen Rede in Oslo Ausdruck gegeben, obwdhl man nicht sagen könne, daß das Ausland, als ganzes genommen, dem deutschen Volke die Durchsetzung dieses Arbeitswillens etwa besonders erleichtert habe. Deshalb gelte die deutsche Sympathie im besonderen Schweden, das in den Jahren des ilnglücks immer in freundschaftlichem Verhältnis zu Deutschland gestanden habe. Der schwedische Geschäftsträger Baron Ko skull dankte für den freundlichen Empfang seiner
festzustellen sein. Die Berichte der Augen- zeugen gehen dabei auseinander. Wie wir erfahren, soll es dem Flugzeugführer gelungen fein, noch vor der Katastrophe den post sack heraus- z u w e r f e n. Die Leitung des Kasseler Flugplatzes hat sich sofort an die Absturzstelle begeben, um eine Untersuchung einzuleiten. Die Katastrophe ereignete sich, wie weiter gemeldet wird, am Abhang eines mit Basaltblöcken bedeckten Steinberges bei Amöneburg. Es konnte beobachtet werden, daß der Apparat plötzlich in Schlingerbewegungen geriet, doch läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob diese durch den Einschlag eines Blitzes oder eine Explosion des Motors in der Luft verursacht worden waren. Andere Augenzeugen melden übereinstimmend, daß die Explosion erst am Boden erfolgte, nachdem das Flugzeug mit dem vorderen Teil hart auf die Böschung des Steinabhanges gestoßen war. Der Hintere Teil des Apparates brach sofort ab. Die Insassen des vorderen Teiles, Flugzeugführer Rudolf Doerr, Bordwart Ihlow unp der Passagier Dr. Milch aus Frankfurt sind mit dem Flugzeug verbrannt. Die beiden Passagiere des Hinteren Teiles, Bauer und Kollmann, sprangen, soweit sich der Tatbestand bei der Geschwindigkeit des Vorganges beobachten ließ, kurz vor dem Aufschlag aus dem Flugzeug ab und fielen etwa acht Meter tief die Böschung hinunter, wo sie schwer verletzt liegen blieben. Der Apparat ist vollständig verbrannt.
Landsleute. Deutschland und Schweden könnten ihre Bemühungen ganz auf den Ausbau der zahlreichen und festen Brücken zwischen den beiden stammesverwandten Völkern einstellen. Für die Seilnehmer der Studienreise sprach Redakteur Nelkvist sich ebenfalls in warmen Worten für die deutsch-schwedische Freundschaft aus.
Die Schweizer Friedens- Vermittlung 1917.
St. Gall en, 27. Juli. (WSB.) Bei der Srauerfeier für den verstorbenen Altbundesrctt Hoffmann kam Bundesrat Motta auf den jähen Abschluß der glanzvollen politischen Laufbahn Hoffmanns zu sprechen. Motta sagte u. a.: Während der Sitzung des Bundesrats am 18. Juni 1917 verlangte Hoffmann, der seit 1914 das Schweizer politische Departement innehatte, das Wort zu einer, wie er sagte, wichtigen Mitteilung. Der Nationalrat Grimm, der in Petrograd weilte, habe chn einige Sage vorher telegraphisch gebeten, ihm die Bedingungen mitzuteilen, unter denen die Zentralmächte bereit wären, mit Rußland Frieden zu schließen. Cr, Hoffmann, habe sich aus eigener Entschließung mit dem deutschen Gesandten in Bern in Verbindung gesetzt und den verlangten Aufschluß erteilt. Die chiffrier t e D e p e s ch e. die er durch Vermittlung des schweizerischen Gesandten in Petrograd an Grimm gesandt habe, sei unbefugter Weise entziffert worden und in die Hände d.er Alliierten gefallen. Cr müsse bekennen, daß bei der gewaltigen Kriegsleidenschaft, mit der ganze Völker um Sod und Leben rangen, seine Depesche von den Alliierten als Versuch zur Herbeiführung eines Separatfriedens zwischen den Zentralmachten und Rußland gedeutet werden könne. Das habe zwar nicht in seiner wahren Absicht gelegen, doch sei eine unrichtige Auslegung nicht ohne weiteres ausgeschlossen. Hoffmann sprach dann s,osort von der Möglichkeit, daß er sich jur Demission entschließen müsse. Am Aoend trat der Nationalrat zusammen. Zwischen 6 und 7 Tlhr begab ich mich zu Hoffmann. Ich erzählte ihm. vor innerer Ergriffenheit bebend, was im Nationalrat vorging und deutete die Schwere der Lage an. Hoffmanns Entschluß war innerlich bereits gefaßt. Er hatte das Beste gewollt. Er hatte geglaubt, daß der allgemeine Friede in jenem Zeitpuntt bereits möglich war. Er hatte befürchtet, daß unser Land beim Weiterdauern des Krieges leicht in Glut und Brand hineingerissen würde, er wollte aber nicht, wie er selbst in seinem Demissivnsschreiben vom 19. 3uli betonte, daß sein Verbleiben im Amte seinem heißgeliebten Vaterland zum Schaden gereiche. Er ging wie ein Held in einer Sragödie. Niemand wagte, an seiner Ehrenhaftigkeit zu zweifeln. Er hat weiter dem Vaterland gedient, weil er ihm zu dienen unter allen Umständen! als selbstverständlich betrachtete.
Wawecks Anschlutz an Preußen.
Kassel. 28. Juli. (Sil.) In der deutschen Presse sind über die Waldecksche Anschluhfrage die widersprechendsten Gerüchte verbreitet. Don unterrichteter Seite wird dem Vertreter der Selegraphen-Union folgender Sachverhalt mitgeteilt: Bei den Verhandlungen zwischen Waldeck und Preußen über die Gestaltung der Waldeck- schen Derfassungsfrage im preußischen Innenministerium in Berlin am 4. Mai dieses Jahres wurde von preußischer Seite von vornherein als Voraussetzung für einen neuen Staatsvertrag die Festlegung des Anschlusses Waldecks an Preußen in diesem Übertrag bezeichnet. Da die Vertteter Waldecks erklärten, daß hiermit die Basis der bisherigen Verhandlungen verlassen werde und sie keine weiteren Vollmachten besähen, wurden die Verhandlungen zunächst abgeb ro chen. Nach eingehenden Beratungen in Arolsen wurde beschlossen, zunächst den Entwurf eines neuen Staatsvertrages zwischen Preußen und Waldeck aufzustellen unö in diesem Entwurf die von Preußen verlangte bindende Erklärung über den Anschluß Waldecks unmittelbar nach Ablauf dieses Vertrages aufzunehmen. Dieser Entwurf wird natürlich auch die sogenannten Anschluß bedingungen von beiden ©eiten enthalten, lieber den Inhalt dieser Bedingungen sind nach keiner Richtung hin irgendwelche Bindungen erfolgt Im Laufe des Monats September werden voraussichtlich in Arolsen die zuständigen Stellen über den Vertragsentwurf verhandeln und falls unter diesen eine Einigung erzielt wird, den Vertrags entwu/rf der Lan
desvertretung zur ^Beratung und gegebenenfalls zur Beschlußfassung vvrlegen.
Oberleutnant Rotzbach wieder verhaftet.
Berl'jn, 27. Juli (WTB.) Wie eine hiesige Korrespondenz meldet, wurde Oberleutnant Roßbach am Dienstag ganz plötzlich auf Veranlassung des Untersuchungsrichters vom Landgericht Schwerin auf feinem Gute Stuer in Mecklenburg verhaftet und in das Schweriner Unter- suchungsgefängnis eingeliefert. Roßbach, der sich in den letzten Jahren von politischer Tättgkeit zurück- gezogen hatte, hav unlängst das einem Herrn von Flotow gehörende Gut Stuer am Plauer See in Mecklenburg gepachtet und hier eine sog. Führer- schule eingerichtet. Die jetzt erfolate Verhaftung geschah auf Grund eines noch aus den Tagen des Kapp-Putsches stammenden Haftbefehls des Schweriner Untersuchungsrichters. Es schwebt näm- lich noch in Schwerin gegen Roßbach ein Verfahren wegen mehrerer Erschießungen linksge- richteter Personen, die von dem Kommando des ehemaligen Freikorpsführers in Verbindung mit dem Kapp-Putsch in Niendorf i. M. vorgenommen worden waren und für die Roßbach als einer der Unterführer des Kapp-Unternehmens die Beran t ro o r t u n g tragen soll. Die Reichsamnestie, die seinerzeit die Teilnehmer an dem Kapp-Putsch außer Verfolgung gesetzt hat, umfaßte nur die politischen Delikte, nicht aber persönliche Straftaten. Wie die Korrespondenz weiter erfährt, hat Roßbachs Verteidiger, Rechtsanwalt P. Bloch-Ber- lin, sich an das Reichsjustizministerium mit der Bitte um Intervention gewandt, da nach seiner Auffassung das Verfahren in Schwerin durch die Reichs- amnestie erledigt sei. Die Stellungnahme des Reichsjustizministeriums in dieser Angelegenheit ist noch nicht bekannt.
Drei deutsche Schiffe in China festgehalten.
Paris, 27. Juli. (WB.) Die Agentur Jndv Pacisic meldet aus Schanghai, daß die chinesischen Marinebehörden in Wochung drei deutsche Schiffe, zwei aus Europa und eins aus Hankau kommend, fest gehalten und durchsucht hätten. Die Schiffe befänden sich noch in Händen der Chinesen. Die Zollbehörden hätten auf Befragen erklärt, sie wüßten von diesen Festhaltungen nichts und versicherten, daß diese Schiffe sich keiner Zuwiderhandlung gegen die Gesetze schuldig gemacht hätten. Obwohl Deutschland das Recht der Exterritorialität nicht mehr zustehe, bedeutet die ungerechtferttgte Beschlagnahmung, so schließt die Meldung, einen sehr ernsten Präzedenzfall, von dem sich die Mächte bei ihren küns- ttgen Beziehungen zu China inspirieren lassen mühten.
Wachsende Erregung aus Samoa
London, 28. Juli. (W. S. D. Funkspruch.) „Daily News" meldet aus Auckland: Nach Meldungen aus Apia (Samoa) ist die Polizei wäh- rend dieser Woche in das Haus eines Häuptlings eingedrungen, um mehrere samoanische Anhänger des B ü r g e r a u s s ch u s s e s gefangen zu nehmen. Zwei Mitglieder dieses Ausschusses wurden gefesselt abgeführt. Durch dieses Vorgehen der Behörden ist erhebliche Erbitterung entstanden, die nicht geringer werden dürfte durch die Nachricht, daß das neuseeländische Parlament, nach einer die ganze Nacht dauernden Sitzung, das D e p v r t a - tionsgeseh mit 41 gegen 12 Stimmen angenommen hat.
Eine neue Unwetterwelle.
Am Mittelrhein.
Das ganze Mittelrheingebiet wurde Mittwoch nachmittag von einem schweren Unwetter beim« gesucht. Der Himmel verfinsterte sich derart, daß keine Sicht vom rechten zum linken Rheinufer bestand. Hagel und heftiger Sturm richteten in den Weinbergen und auf Feldern sowie in den Gärten große Verwüstungen an. 21 u f dem Rheindampfer „Kaiserin Friedri ch", der von Boppard unterwegs war, brach infolge furchtbaren Sturmes eine Panik aus. Die Passagiere befürchteten den Untergang des Dampfers und kürzten völlig kopflos umher. Große Waffermengsn pülten über Deck und rissen Stühle, Bekleidungstücke und Koffer mit sich. Das starke Oberdeck und tte Glasveranda wurden vom Sturm zertrümmert. Mehrere Personen erlitten durch Glassplitter Verletzungen. Auch die Gemeinden der Bürgermeisterei Freudenberg im Saargrenzgau haben ollrch einen heute nachmittag niedergehenden Wolkenbruch und Hagelschlag schweren Schaden erlitten. Die Ernte ist völlig vernichtet. Zahlreiche Bäume sind entrour- zelt. Auch an Häusern wurde großer Schaden angerichtet. Die Katastrophe ist für die in der südwest- lichen Ecke des Reiches wohnenden Landwirte be- sonders bedrückend, da die Wirtschaftsvechältnisse sich gerade in den von Lothringen, Luxemburg und dem Saargebiet bearenzten Gemeinden feit 1918 fort« gesetzt verschlechtert haben.
Heber Hamburg.
Nachdem schon den ganzen Mittwochnachmittag über drückende Schwüle über Hamburg gelastet hatte, zog zwischen 5 und 6 Llhr ein schweres Unwetter heraus. Ein außerordentlich heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen ging über die Stadt nieder. 2lllenthalben sind die Straßen überschwemmt. Sie Feuerwehr wird von allen Seiten zu Hllse gerufen.
In Thüringen.
Ein schweres Hntoetter ging Mittwoch nach- mittag über der Mühlhäuser Mulde und dem oberen älnstruthtal nieder. Starker Sturm mit wolkenbruchartigem Regen und Hagel- s^ruern richteten auf den Feldern und in den Dörfern ungeheuren Schaden an. Die Hagelkörner erreichten teilweise die Größe von Sauben- eiern. Nach Schlotheim zu wurde auf vielen Feldern das Getreide fast völlig niedergelegt.
Auch in Vorderindien.
3m Gebiet von O u j a r a t gingen Regengüsse von außerordentlicher Stärke nieder und verursachten riesige Schäden, von denen auch die Baumwollernte betroffen ist. Ein aus dem Punschab kommender Eisenbahnzug, der Dienstag in Bombay eintreffen sollte, wurde 36 Stunden lang festgehalten. Die Bemühungen, zu den Reisenden zu gelangen, gestalteten sich überaus schwierig. Der Regen halt weiter an. Bisher unbestätigte Berichte aus dem Aeberschwemmungs- gebiet wollen wissen, daß Sausende von Personen


