Ausgabe 
28.4.1927
 
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Millionär ohne Geld.

Der Roman detr örttf von L. Philipp« Copyrigl^ by HugiHt Scherl ®. m. b. h. Berlin. 1 (jortirnunfl. 'Ra&eud t*rb«m

8(ifj ftrrtfu dem Sr.tf |etn< hin Biel- leicht', brrnrrflt rr nachlafsig.komme ich noch ein­mal auf Ihren !Rat zu räch (Buten Dorgrn!"

tr Aldroyd befand sich olfenrfichtlich 'N -erei-trr Stimmung. (Er blich»e auf die ausgestreckte band feine« Besucher«, iyiortrrw st« aber dann voll kom­men ..Guten morgen!" lag« er kurz, während er sein Tagebuch wieder oornahm.

Dem Zungen Monn schost do« Blul in bi« Stirn. Nicht»deslowentger behielt er sein« Fassung. ..St« scheinen keine besondere Sympathie für mich zu empfind«, Doktor."

..Wenn ich ganz offen Zu Ihnen fein soll, must ich in der Tot »eststellen. dost Sie nicht zu der Sone Patienten gehören, an die ich meine Zeit oer- schwenden Mächte."

Warum nicht?" fuhr Bitst au*.

..Weil die Welt wirklichen Leide» voll ist. Weil et Millionen Manner und grauen gibt, die nicht durch eigene Schuld krank und d«nb geworden sind: viele durch üdermüstia harte Arbeit, viel«, weil ihnen die nokwendimien Bedürfnisse de» Leben« mangeln, viele, weil w ihr Dasein, unter Austerocht- lastung de« eigenen Wohl«, ihrer Mitwelt opseNen. Da, sind di, Menschen, deren ®ifbtrb«rft«Uung ich mein« ärztliche lkunst gern widm«. Sie mbe» «in verächtlicher Blick streist, lein Gegenüber ..Sie verfügen über keinerlei moralisch« Widerstandskrost. Sie könnten vielleicht eine Woche lang Selbsten»- Haltung üben, dann märe «« aber damit zu Ende."

81 ih stand wie angewurzelt. Seine Lippen prest- len sich so eng zusammen, dast dadurch ein ganz neuer Ausdruck in sein Gestcht trat.Allo da, ist Ihr, Ansicht über mich?" sein» Stimme klang raub und herausfordernd ..Bun. hören Li«, wg» ich boran' > i! n h-ibr P-rfi) senn erzählte mir, dast sie seinerzeit an der Universität ein bekannter 6porl«mann gewesen stnd. Ich biete Ihnen ein« Welte an. Sie stnd der Chefarzt und Leiter de« St -Iokod-Spital«. nicht wahr?"

Ich den Vorsitzwrber de« verwatnmgeret, diese» Institut» "

Ich sah Ihren Namen vor einigen logen unter einem Rundschreiben. 5k fordern darin die £)ri*<ni- l.chteit auf. Kmfjig!J!J!<nb Pfund aufjubringen. da­mit da« Spital durch emra ^luzelanbau «rmtiKrt werden könne' Gut also' Ich fest« dies« fünfzig- tausend Pfund gegen einen Händedruck »on Ihnen und eine ehrlich« Enfichulö^ng, wenn ich heuK mit fünf Pfund in der Tafch« em neue« Dasein beoinne und ein Jahr lang von dem leb«, wo« ich mir selber verdien«, haben Si« do, d«griffen?"

.Ich hab« e« gehört", entgegnete Dr. Aldroyd mit unbewegter MKN«. .Ihr Nam« und Ihr Reicks tum stnd wahrscheinlich bekannt genug, und ich kann mir ganz gut vorstellen, dost Ihr Weinhündier. Ihr Ziga rett en lief erant oder Ihre Bank stch sehr freuen wurden, Ihre wertvollen Dienste gegen entspre­chende Vergütung für zwölf Monate in Anspruch zu nehmen

2n dem lungen Mann stammle Heller Zorn empor, und dieser Zustand schien sein Leustere« vorteilhaft zu verändern. Dir bleiern« Leer« seiner Augen verschwand seine Wangen färbten sich pur­purrot. ..Ein so erbärmlicher Wicht, wie Sie an- nehmen, bin ich denn doch nicht", stiest er hervor. .Ich erkläre, dost ich nicht den geringsten Dortril au» meinem Reichtum oder meinem Nomen ziehen will Ich nehme eine Stellung nur an al« Blist der Arbeitslos« Iall» meine Äentilät entdeckt oder auch nur vermutet wird, verlasse ich meinen Posten sosort. Denn ich mein vermögen wahrend der nächsten zwölf Monate irgendwann zu meinem eigenen Nutzen verwende, dann gilt die Wette al« verloren. Einverstanden?"

Dr. Aldroyd nickte sarkastisch sein Interest« schien gering. ..Gewih. da» Spital könnte die fünf­zigtausend Pfund recht gut gebrauchen", meinte er.

Blist zog ein Kuvert mit einigen Banknoten au« der lasche und legi« «» auf den lisch. Der Arzt schob er ärgerlich von stch. .Ich kann für meine Rat- schlüge fein Honorar annehmen. Denn die Chancen sind tausend zu ein«, dast Sie keinen Gebrauch da­von machen ."

Um so besser für Sie! Dann bekäme ja Ihr Spital die fünfzigtausend Pfund.

ter Arzt erhob sich ungebulbig mti einer bei­nah« unhAichen Gebärd« ..CwÖeW", sagte er zweifelnden Tone«.

Blist oerharrt« ein paar Sekund« rtgungri»» Dann schlug er mit geballter Jaust auf den lisch. ..vor einer halben Minute hotte Ihr Spital noch ziemlich gute Aussicht«, do» Geld *u erhallen. Jetzt aber will ich verdammt fein, wenn ei« auch nur einen Pfennig zu sehen bekommen'"

fflfo gilt die Wette nicht mehr?"

^Di« Wette gilt! Und ich werbe eie gewinnen " donnerte Skist und warf die lür krachend hinter stch zu.

E« war ein oonz anderer Ernst Blist. der fegt mit grimmig-enlichlostenem Ausdruck au« Dr. Al- broolH i'Mule trat. Er befahl dem Chauffeur, sich in den Sagen zu setzen, und schwang sich ,u de« Wanne« gröstler Ueberraschung selbst an den Vo­lant. um da« flut» oeschirkl durch die rnenschenüber- füllten Slrasten zu steuern, bi« er vor einem finste­ren Bureaugebäud« hallrnachte

Dort befand« sich bi« Nau nie der Advokaten- firma Crawley & Sohn. Der Bureauvorsland ge­leitet« Blist unter melen Bücklingen In, Aller- heil laste. in da« Zimmer de« Seniorchef«, der ihn mit dem ehrfurchtsvollen Grust empfing, den er für den geschätztesten seiner Klienten bereilhiell

Mein lieber, verehrter fierr Blist". nef er au« Do» ist aber ein seltene« Vergnügen' Bitt«, setzen Sie stch in diesen Sessel ich lasse sofort Zigaret­ten bringen."

Danke!" Blist ,pg einen einfachen Hol,f tu hl an den Schreibtisch heran.Ich will keinen -eisel. und ich werd« auch nicht rauchen Ich komme in einer für mich sehr wichtigen Angelegenheit."

Soso. Wahrscheinlich die fzannooer-slroste- Hypothek«? Ich habe heut« morgen Nachricht be­kommen"

Josten Sie mich ungeschoren mit Ihren Hypo­theken' Sie wissen doch, dast ich mich um die An­lage meine« vermögen« nicht kümmere und do» aonz Ihrer besseren Einsicht überlaste. Wahrend der kommenden zwölf Monate wird mich do» noch we­niger interessieren al« bisher."

Der Rechtsanwalt sah seinen aufgeregten Be­sucher erwartungsvoll an.

..Sogen Sie mal." fuhr dieser fori, wo« tut ihr Advokaten gewöhnlich. wenn einer eurer tun. den nach Innerafrika verreist oder eine Nordpol- «spedit'an unternimmt, wodet er ein Jahr lang un- «rrnchdar bletbl? Ich glaube, man must do irgend- em« L^ch unterichretden. durch den der Anwalt beauftragt wird, bu flngtltgrnbril« feine« HU«- ten m der Zwischenzeit zu o«:wollen. Ißt et so?"

Ach. Sie meinen eine Vollmacht?"

.Son, richtig! Zeriigen Sie in meinem tarnen sofort « ne solche Vollmacht aus!"

William Crawley machte ein verdutzte« Gesicht. Cr hüstelte verleg«' .Meist hebet ften Blist. Ich 'urchre. Sie unlerichätzen die Tragweit« eine« bet- artig« Dokument» *1« würde In unserem Aalle nicht« andere« bedeuten, al» bt« unbeichränN« Bee fügung über em vermögen, bo» heute den Betrag von tier Millionen Pfund Sterling weil uberiteieL

-3vm Kuckuck, do, ist doch Ihr Geschäft. Ver­antwortungen zu übernehmen' Ich wunich« dl« Vollmacht zu unlerfchr eiben, bevor ich diese« Bureau verlasie."

Crawley läuirte und gab dem «intretenben Be amten einige Instruktionen. Dann waizdte er sich wieder seinem jungen Klienten zu. ..Dorf ich an nehmen, dost Sie für längere Zeit verreisen wollen?"

Blist legt« feine ftanb aus bi« Schulter bt» An walt« ..Sie find doch ein Advokat, der dte Grund Prinzipien seine« Beruf« gründlich verfteht. Mr Crawley, nicht wahr? Also bäten Sie: Aeute abend um sech« Uhr. vielleicht schon vorher, werde ich auf genau zwölf Monate verschwind«''

veroerschwind«

Jawohl, oerichwinden' ö« geht Sie nicht« an. warum ich oerfchwinden will, und ich kann Ihnen darüber keine Aufklärung geb«. Sie wist« nicht ob ich in London oder aus dem flonitn«! oder sonstwo bin. Ich erifhere zwölf Monate lang für niemand, also auch nicht für Sie. C« ist zwar möglich, dast Sie hie und da «Iwo« von mir hör« vielleicht vielleicht auch nicht. Jetzt sah Blist dem Advokat« Ichors In« Gesicht. ..Wenn Sie auf mein fernere« Wohlwollen Wert leg«, dann merk« Sie sich folgende» Wo« Immer geschehen mag, ich unterlagt Ihnen, auch nur den geringsten versuch zu machen, meinen Aufenthalt zu erfunden!"

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(Emil Kimpel, Metzyermeister

Cid)tr Straft 57.

Gieh«. Im April 1027

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