Märtyrer der Liebe.
Nomon von I. Schneides.Förstl.
11. Fortsetzung. Nachdruck verboten
Annemarie wußte nicht einmal, daß es nicht ihr rechter Vater war. Sie wurde von Nello aus deren erster Verbindung mit in die Ehe gebracht. Renkell hatte bei seiner Verheiratung darauf bestanden, daß das Kind seinen Namen erhielt. Er hatte es adoptiert und ihm die vollen Rechte einer leiblichen Tochter eingeräumt. Die beiden hingen mit einer Liebe aneinander, die fast an Vergötterung streiste. Wenn Renkell aus Reisen ging, begann für die Kleine die schwerste Zeit. Sie sehnte sich stets namenlos nach dem Papa.
Heute kam er wieder, aber es dauerte immer noch zwei Stunden bis zu seinem Eintreffen. Das war gräßlich lange. Sie würde Vergißmeinnicht pflücken und Tausendschön und Wucherblumen, dann lief die Zeit rascher. Mer all die schönen Blumen standen drüben überm Flusse auf der großen Waldwiese, und da sollte sie nicht hinüber. Wie schade. — Doch schließlich überwog das Verlangen, dem Papa eine Freude zu machen, die Furcht vor der Strafe. Sie wollte den nächsten Weg nehmen, der durch den Fluß ging. Er war nicht tief. Er- lrinken konnte man sicher nicht.
Noch einmal flogen Annemaries Augen die Fensterreihen entlang. Mit raschen, geübten Finger- chen streifte sie Schuhe und Strümpfchen ab, nahm diese unter den Arm, hob das weiße Kittelkleidchen und setzte einen Fuß ins Wasser. Brrr! Wie kalt! Tapfer patschte das andere Füßchen nach. Ohne umzuschcmen stapfte sie mitten durch. Wie die große Waldwiese in der Morgensonne lachte! Und diese Blumen! D, so viele! Die Fingerchen pflückten, die Augen glänzten, und die Bäckchen begannen sich glühend Ali färben. Immer üppiger wurde der Strauß! Immer farbenprächtiger! Immer heißer brannte das Gesichtchen. Mama und Fräulein waren vergessen. Nur der Papa bekam ab und zu einen Gedanken zugeschickt.
„Annemarie!
Ein Ruck geht durch das Kinderkörperchen.
Scharf und befehlend erklingt die Stimme ein zweites Mal vom anderen Ufer herüber.
Annemarie sieht die gefürchtete knochige Gestalt der Erzieherin und deren drohend erhobene Hand. Ihr Schrecken ist maßlos. In raschen Sprüngen eilt sie dem Hochwald zu. Immer tiefer hinein, daß die Stämme, die Büsche sie decken. Atemlos setzt sie über Baumwurzeln und Heidelbeergesträuche. lieber- springt gewandt kleine Wäsierchen. welche durch das Moos gurgeln.
Sie kann nicht mehr! Mit wildklopfendem Herzchen fällt sie zwischen Heidekraut und Wacholder. Da iindet sie niemand. Weit unterhalb blitzt die weiße Straße. Auf der muß Papa kommen. Wenn sie ihn hört, wird sie dem Wagen entgegenlaufen. Aber sie blutet ja! Die Füßchen sind wund! Brombeerstrauch und Wacholderdorn haben sie so zerrissen. Und das Röckchen geschlitzt! Schrecklich war das! — Aber es war doch so schön gewesen, war — doch — Die Kinderaugen schlossen sich. Das Herzchen pocht im ruhigen Gleichtakt. Hoch auf dem Gipfel der Weißtanne, die Annemarie beschattete, pfiff eine Amsel. Einige Minuten später rollt auf der Waldstroße ein Wagen vorüber.
Der Hüttenkönig Renkell kehrte heim.
lieber den Toilettentisch Frau Nellas fiel ein breites, flimmerndes Sonnenband. Auf dem Perser, der das ganze Zimmer bedeckte und große, brennrote Blütensträucher in den Ecken trug, hüpften, sich haschend, Lichtpünktchen. Hierher — dorthin — versteckten sich im Blättergewirr der Rotbuche vor dem Fenster, schossen neugierig wieder hervor und guckten frech in all die Dosen und Döschen, die sich auf dem Tischchen breit machten. Umschmeichelten Puder- quafte und Schminkstift und flitzten um Frau Nellas Blonkchaar wie tanzende Irrwische.
Die weiße Frauenhand hob sich in eileloser Geste, zog einen feinen Strich die Brauen entlang, trug etwas Rot auf die vollen, sinnlichen Lippen und ein mattes, hauchzartes Blau an die unteren Ränder der Augenpartien. Mit den Spitzen der feingeformten Finger tastete sie, ob die fliederduftende Creme sich restlos in die Haut des Gesichtes und der Arme eingesogen habe. — Es schien so, denn sie puderte leicht darüber hin.
Die Spitzen des reich in Falten liegenden Morgenkleides berührten zagend den Boden, als Frau
Nella nach dem Fenster ging, um die Ketten der Jalousien zu lösen.
Hell flutete die Sommersonnc herein. Geblendet schloß sie die Augen. Ein harter, grausamer Zug legte sich um chren Mund.
Sie gedachte des gestrigen Abends.
Es war niederträchttg, wie er sie in Gegenwart des anderen gebemütigt hatte! Diesen Schimpf — für all ihre Liebe! War er wirklich all die Tränen wert, die sie um ihn geweint? All die schlaflosen Nächte, die sie ihm geopfert? — Wie toll von ihr, daß sie in chrer Angst dem Wagen nachgelaufen war! Aber sie hatte alle Ueberlegung verloren gehabt, nur mehr dem einen Gedanken gelebt, zu wissen, ob er lebte. O, diese schreckliche Nacht! Wie gut, daß der andere schlief! Ihre ganze Ehe hatte sie aufs Spiel gesetzt. Jetzt beim hellen Tageslicht hatte alles ein anderes Gesicht. Das würde sie ein zweites Mal nie wieder tun! Nie wieder! — Ein Schauder rann ihr den Rücken hinab. Dieser Heimweg durch den nachtstarrenden Hochwald! Dieses Rauschen in den hundertjährigen Kronen, dieses Krachen von brechendem Geäst und der Schrei der Eulen. — Sie erlebte es schaudernd noch einmal und schrie aus, als die Tür ihres Zimmers sich plötzlich in den Angeln drehte.
Em erleichterter Atemzug entströmte ihrer Brust, als sie ihren Mann gewahrte.
„Du, Ferdinand? — Jetzt schon?"
„Donnerwetter!" sagte Renkell lachend, indem er auf sie zuging. „Da hast du dir einen warmen Will- kommgruß ausgedacht, Nella — jetzt schon'. — Ich komme wohl zu früh?"
Er schien nichtsdestoweniger nicht gekränkt zu sein, denn er hob Nellas Kopf zu sich empor und küßte sie herzhaft auf den Mund. Dann noch einmal.
„Ah," sagte er und zog sie näher an sich, „Flieder! Wenn ich die Augen schließe, meine ich, wir stehen im ersten Lenz! Weißt du denn, wie schön du bist, schönste der Frauen? Ich habe vergeblich nach einer gesucht, die dir Rivalin fein könnte! Und deshalb bin ich auch so früh gekommen! Aus Sehn- sucht nach dir und deiner Schöne!" schloß er lachend.
Sie machte sich aus seinen Arnten frei und musterte sein Aeußeres mit einem raschen Blick.
Der graue Reiseanzug umsvannte fernen schlanken, sehnigen Körper, der Nellas Größe wohl ge-
wachsen war, tn tabeCfofer Eleganz. Nur die Än> matte saß um ein weniges zu weit noch rechts. Mit einem kurzen Ruck schob sie sie in die passende Lage.
„Das kommt vom Küssen!" neckte er lachend.
.Laß", sagte sie mit schlecht unterdrücktem Aerger, als er neuerdings den Arm um sie legen wollte. „Bürste und Schwamm findest du dort" — sie zeigte lässig nach ihrem Toilettettsch. „Ich finde, du bist nicht vorteilhaft frisiert. Der Scheitel sitzt zu weit nach links. Auch beginnt dein Haar den Glanz zu verlieren. Du mußt mehr Sorgfalt darauf ner- wenden. Und ..
Er wehrte zwischen Lachen und Aerger.
„3d) bitte dich, Nella! Nun fahre ich tuiuntei* brachen von Gens hierher! Tag und Nacht! Ich sehne mich unsagbar nach dir und dem Kind, und das ist nun der ganze Willkomm, den du mir M bieten hast!" Seine schwarchlauen Augen bekamen einen müden, beinahe gleichgültigen Ausdruck, als er sie von Nella weg durch das Zimmer schweifen ließ. „Wo ist die Meine?"
,Hch weiß nicht! — Jedenfalls bei Fräulein Gerhard."
„Gut! Ich hole sie mir."
.Letzt nicht. Sie rotrb Unterricht haben!"
„Dann erst recht. Gott, ich weiß -aus meiner Kinderzeit, wie selig ich war, merai mitten unter der Stunde Besuch kam, der meine Wenigkeit zu sehen wünschte. Also, ich hole sie mir."
Sie zuckte verärgert die Achseln. 2Iber er sah e» nicht mehr.
Mit müden Schritten durchmaß er den langen, durch ein Oberlicht erhellten Korridor. Im Begriff, Annemaries Zimmer zu betreten, begrüßte ihn eine tiefe Altstimme mit einem etwas zu untertänig klingenden „Guten Morgen!"
„Guten Tag, Fräulein Gerhard", sagte er refer- viert freundlich. Die Erzieherin war durchaus nicht nach feinem Geschmack. Man hatte zweifelsohne einen Mißgriff gemacht, als man sie ohne weitere Empfehlung ins Haus nahm. „Wo ist meine Tochter?"^ frug er kühl.
,Lch kann es Ihnen leider nicht sagen, gnädiger Herr!" kam es schnippisch zurück.
„Wie? Sie wißen cs nicht?"
(Fortsetzung folgt.)
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Mittwoch, den 2. Marz 1927 kommen in den Waldungen der Gemeinde Treis a. d. Lda. folgende Holzsortimente zur Ver- leigerung:
a. Nutzholz.
3 St. Eichenschnittbolz 2,27 fm
13 „ Eichenbauholz 5. „ — 5,07 „
14 „ Eichenbauholz 6. „ ----- 2,73 „
2 „ Buchenschnittholz2. „ =» 2,82 „
12 „ Buchcnschnillholz3. „ = 12,59 „
2 „ Fichtenbaubolz 5a „ ----- 1,12 „
104 „ Fichtenbauyolz 5b „ = 18,10 „
109 „ Derbstangen 1. „ —11,60 „
160 „ Bohnenstangen
4 rm Buchennutzscheit
4 „ Eichennutzscheit
2 St. Kicfernschnittholz ----- 1,98 fm (wird nicht vorgezeigt)
3 „ Kiefernbauholz — 2,10 fm (wird nicht vorgezeigt).
b. Brennholz.
36 rm Buchenscheit
S „ Eichenscheit
10 „ Buchenknüppci
4 „ Eichenknüppel
24 „ Fichtenknüppel
181 „ Buchenreiser
18 „ Gchenreiser
8 „ Buchenstöcke
8 „ Eichenstöcke
21 „ Fichtenstöckc.
Zusammenkunft 9% Uhr am Steinbruch, Distrikt Aspenstrauch. 2002D
Treis a. d. Lda., 25. Febr. 1927.
Hess. Bürgermeisterei Treis a. d. Lda.
Bekanntmachung.
Der Doranschlag der Gemeinde Oppenrod für 1927 liegt von Dienstag, den l. März ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Dürgermeisters offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder mündlich vorgebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beichloffen, zu der auch die Ausmarker beizutragen haben.
Oppenrod, den 25. Februar 1927.
Bürgermeisterei.
Kloos. 1967D
MufMnM-Mnf
Tie Gemeinde Krofdorf-Gleiberg verkauft im Wege des schriftlichen Angebots aus den Distrikten 7a, b, 8d und längs der Sttaße Krofdorf—Waldhaus:
85 Stämme Kl. la — 11,98 fm
145 „ „ 1b = 35,84 „
43 ,, „ 2a = 21,86 „
5 ,, „ 2b = 4,25 „
2 „ „ 3a -- 2,55 „
Das Holz ist geschält, aber mit der Rinde gemessen. Zuschlag bleibt Vorbehalten und Bieter 2 Wochen vom Eröffnungstermin an gerechnet, an fein Gebot gebunden. Zahlung: % bei Zuschlagserteilung, Rest vor der Abfuhr, spätestens jedoch am 1. April 1927 an die Gemeindekasse in Krofdorf. Abfuhrtermin 1. September d. I. Nähere Auskunft durch Förster Möller- Krofdorf b. Gießen. Angebote je Fest- meter, nach Klassen getrennt, sind bis 5. März d. I., vorm. 10 Uhr, an daS Bürgermeisteramt in Krofdorf einzureichen, woselbst die Eröffnung stattsindet.
Krofdorf, den 25. Februar 1927. 1994O Der Bürgermeister.___________
Nutzholzversteigerung
Die Gemeinde Rodheim a. d. B. versteigert am Mittwoch, den 2. Mörz d. I., von 10 Uhr vormittags ab, in dem Saale des Gastwirts Karl Schlierbach IV. folgendes Nutzholz:
51 Stück Eichenstämme m. 16,71 fm, 303 Stück Nadelholzstämme m. 103 fm, 50 rm Eichen-Nutzscheit und Knüppel. Rodheim a. d. B., den 26. Febr. 1927.
Leicht.
Bürgermeister. 19960
LIEBIG
ebenso den Einsendern dieser Anzeige
Vullenverkauf.
Die Gemeinde Heuchelheim verkauft einen zur Zucht nicht mehr geeigneten Simmentaler Bullen. Anaebotc auf den Zentner Lebendgewicht sind bis zum 2. März 1927, abends 6 Uhr, bei der Bürgermeisterei einzureichen. Zuschlagsfrist 5 Tage.
Heuchelheim, 26. Febr. 1927. 19970
Bürgermeisterei.
Nutzholz-Verkauf.
Die Stadt Lich (Oberhessen) verkauft im Wege des schriftlichen Angebots:
Eichenstämme 3. Klasse 4,74 fm 4. ,, 15,74 „
5. „ 7,32 „
„ 6. „ 4,76 „
Das Holz ist mit Rinde gemessen. Die Verkaufsbedingungeu können bei uns eingesehen werden. Bei genügender Sicherheitsleistung wird zinsloser Zahlungsaufschub für die 1. Hälfte des Kaufgeldes bis zum 1. Juli 1927 und für den Rest bis zum 1. Oktober 1927 gewährt. Bei sofortiger Barzahlung 5% Nachlaß. Angebote mit der Aufschrift „Nutzholzsub- Mission" versehen, sind bis zum Montag, den 7. März 1927, vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen.
Lich, den 25. Februar 1927.
Hessische Bürgermeisterei Lich.
Völker. 19850
Versteigerung vonllauchwett
Dienstag, 8. März d. I., vormittags 11 Uhr, werden in unserem Amtszimmer 1 Steinmarder-, l Iltis-, 37 Fuchsbälge und 2 Tachsschwarten aus mehreren ober- hessischen Forstämtern versteigert.
Besichtigung vorher von 10 Uhr an.
Romrod, 25. Februar 1927. 19860
Hess. Forstamt Romrod Nicolaus.
Nachlatz-Dersteigerung
Dienstag, den 1. März von 2 Ubr ab versteigere tch Wilbelmltrahc 13:
3 Klelderfcbränke, 1 bochsetneS votiertes Vertiko. 1 neuen Diwan. 12 Stühle «neu», 1 Ttsch. 3 Veöeruüble, zwei Kommoden, l Kommode mit Schreibauflay- 1 Sofa. I vollitandtgeS Beit (febr gut), 1 Küchen- schrank 1 Sessel t Schränkchen, einen Raucvtisch, 2 Nickeittschchen. 1 Gestell mit Tonnen unb verschiedenes andere.
6. Senner II .'Mttionator u-Iarator
Seltersweg 83 H. (01485
Dienstag, den 1. Marz d. 3k, nachm. 2 Uhr
versteigere ich im Gasthaus zum Löwen, Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung. 19930
1 schwarzpoliertes Klavier, 1 Chaiselongue, 2 Sofas, 1 Dertiko, 1 Bilder- ständer, 1 Dauchtischchen, zwei Büstenständer, 2 Büfetts, drei Diwans, zwei Klubsessel, ein Nähmaschine, ein Sttxk- MbMrrad, 1 Waschmaschine, eine halbe Haut Waschleder, zehn Paar Herren- leisten. 1 Oelgemälde, 1 Trumeauspiegel. Doraussichtlich bestimmt: Eine Singer- Aähmaschine, 1 Chaiselongue, 1 ovalen $ito- Moll
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