entwürfe ist jetzt abgeschlossen. TLm Mittwoch wird mit der Beratung des Staatsvoranschlags begonnen
Die Abgeordneten Dr. Leuchtgens und Glaser haben zum Sondergebäude- steuergefeh nachstehenden Antrag im Landtag eingebracht: Wir beantragen: 1. Den Entwurf emes Gesetzes über die Sondergebäude- steuer für das Rechnungsjahr 1926 abzulehnen. 2. Im Falle der Ablehnung des vorstehenden Antrages beantragen wir: a) dem Artikel 2, Absatz 1. Satz 1 folgende Fassung zu geben: Die Sondergebaudesteuer wird nach dem Rutzungswert der ihr unterliegenden Gegenstände (Artikel 1, Absatz 2) erhoben: b) den Artikel 6, Absatz 2 zu streichen und folgende Bestimmung dafür ernzusehen: Alle der Sondergebäudesteuer unterliegenden Gegenstände «Artikel 1, Absatz 2) sind bis zu 4000 Ml. des Friedenswertes von der Steuer f r e i z u st e l - len, soweit sie vor dem 1. Iüli 1918 bezugsfertig hergestellt und zu diesem Zeitpunkt mit nicht mehr als 20 Prozent des Friedenswertes (Artikel 2) belastet waren.
Das neue preußische Polizei- beamtengesetz.
Berlin, 23. Febr. Der Reichsminister des Innern hat vor einigen Tagen den Abdruck des Entwurfs des Preußischen Polizeibeamten- gefetzes nebst Begründung m der mit der I. M. K. K. vereinbarten Fassung allen Landern, die Schutzpolizeiformationen aufstellen, zugehen lassen. P r e u ß « n hat der I. M. K. K. gegenüber weiterhin zugesagt, daß es, abgesehen von einer ileber- gangszeit, die 6 Iahre nicht überschreiten wird, nur soviel Schuypolizeibecunte entlassen wird, daß die Gesamtzahl der Entlassungen im Iahres- durchschnitt 8 Prozent der Gesamtstärke nicht übersteigt. Auch hat es bindende Zusagen hinsichtlich der Höchstaltersgrenze für die Polizeioffiziere gemacht, die für Leutnants, Oberleutnants und Hauptleute mindestens beim 49. Lebensjahr liegt. Der preußische Gesetzentwurf ist bereits dein Staatsrat zugegangen. Die deutschen Polizeibeamtenverbände haben gegen den vorliegenden Entwurf Stellung genommen, der Führer des .Verbandes der preußischen Polizei« beamten' hat in einem Referat dir Mängel des Entwurfes aufgezeigt und die Forderungen der Polizeibeamten bekannt gegeben. Er bedauerte lebhaft, daß die Dorlage, aus die man lange Iahre gewartet habe, eine so große Enttäuschung sei, weil sie in vielfacher Hinsicht Verschlechterungen gegenüber dem jetzigen Zustande bringe.
Oberhessen.
Lc.nvkrcto (tiicfocii.
Z Wieseck, 28. Febr. Aus der jüngsten G e - m e i n de r a t s s i hu na ist zu berichten: Infolge des verlorenen Pr^esses um bauliche Llnterhaltung der Kirche ist die politische Gemeinde zur Zahlung der entsprechenden Summen verpflichtet. Die evangelische Kirche ersuchte nun um Gewährung eines vorläufigen Kredits, um ihren Verpflichtungen Nachkommen zu können. Der Finanzausschuß schlug hierzu 1500 Mk. vor, der Gemetnderat bewilligte jedoch nur 1000 Mk. In der Aussprache wurde bemängelt. daß der Gemeinderat völlig im unklaren darüber gelassen wird, wie sich die Ausgaben im einzelnen zusammensetzen, und daß ihm nur zugemutet wird, Gelder au bewilligen. Der bewilligte vorläufige Kredit bezieht sich auf die Rechnungsjahre 1925 und 1926, in denen in . den betreffenden Rubriken des Voranschlags keine Einstellungen gemacht wurden. — August B u e s > beabsichtigt im Walterschen Saal ein Institut für Massage, Höhensonne, Schwitz- F bäder ufto. einzurichten, und ersuchte, ihm hierzu seitens der Gemeinde einen Kredit zur Derfü- '' gung zu stellen. Von allen Seiten wurde die Einrichtung eines solchen Instituts lebhaft begrüßt, leider aber sei es nicht möglich, aus verwaltungstechnischen Gründen Gelder der Gemeinde der Privatunternehmung zur Verfügung zu stellen. Da ein solcher Fall außerdem zu unabsehbaren Weiterungen führen würde, mußte . der Antrag abgelehnt werden. — In einem umfangreichen Antrag ersuchte die Ortsgruppe Wieseck der Deutschen Bau - und Sied- lungsgemeinschaft die Gemeindevertretung. hiesigen Mitgliedern ihrer Gemeinschaft bei der Zahlung des Hausanteils behilflich zu sein, indem der Hausanteil seitens der Gemeinde ztnsfrei gewährt wird. Weiter regte die Gemeinschaft an, eine Reihe
vierte drücke und Karneval.
(Ein rheinischer Jaschingsbrief.
Köln, End« Februar.
Man muß enttäuschen. unli^ienswürdig enttäuschen. Denn der Karneval — seines Klanges wegen begann man doch dies zu lesen — ist nur abends zu spüren. Tagsüber aber ist bei uns in Köln viel Arbeit. Saß doch neulich das Preis- geriäst drei Tag« zusammen, um den Mülheimern eine große feste Brücke auszulesen. Denn noch immer vermittelt von Köln nach Mülheim die alte gute Schiffsbrücke den verkehr. So etwas für Rheinromantiker. Alle paar Minuten kommen Dampfer, es wird aus dem Weg gefcchrcn, und der Verkehr ist geschlossen. Als voriges Jahr Eisgang war, nahmen sich die Schollen fünf Joche fröhlich mit auf die Reis«.
Das geht nicht mehr, nicht wahr, beim sonstigen Betrieb und Getriebe dieser wachsenden Handelsstadt. Mit sieben gegen zwei Stimmen wurde die Brücke „Aus einem Guß" gewählt. Ihr Schöpfer ist Peter Behrens. Fünfzig Meter hoch wird der Bogen in der Mitte, der Strom dort ist 333 Meter breit. Ein organisches Gebilde von einer überwältigenden Einheit und Monumentalität. Die Mülheimer freuen sich, die Kölner freuen sich — man munkelt, dieser vierten Rheinbrücke Riesenbogen würde der größte Europas sein.
'Jleues auch sonst. Mitten in den Problemen einer geheimnisvoll wachsenden und wogenden Bevölkerung regen sich Plane, deren Sinn es ist, das versäumte nachjtiholen. Köln ist seit dem Versailler Vertrag keine Festung mehr. Die schweren Käse- matten ihres Gürtels sind in die Luft geflogen, eine nach der andern, mit dumpfem Donner. Breite örünanfogen und Promenaden werden auf den Wällen und Glacis angelegt. Die ganze Stadt ist ein einziger Rangierbahnhof geworden Von einem Jahr aufs andere oerägbert sich ihr Gesicht
Am Dom halten 60 Personen haltende Autos und zeigen Neugierigen das schaffende Köln — tag«
Wohnhäuser, die nach 1923 errichtet^ worden sind, zu übernehmen. Auch in diesem Falle soll die Gemeinde den betreffenden Hauseigentümern den notwend.gen Geschäfts- und Hausanteil usw., in jedem Falle 273 Mk., zinslos zur Verfügung stellen. Ferner wurde nach dem Antrag der Eintritt der Gemeinde in die Bau- und Siedlungsgemeinschaft gewünscht. Zum Schluß wurde angeregt, eventuell gegebene zinslose Darlehen nach einer Begebung mit Baugeld nicht auszu- lündigen. sondern an neue Mitglieder zu übertragen. In der Aussprache kam zum Ausdruck, daß der Antrag in der vorliegenden Form überhaupt nickt durchführbar sei. Hört der Zustrom zur Siedlungsg : inschaft einmal auf, so geht die Errichtung der in Aussicht gestellten Häuser langsamer, so bau sehr lange Zeit verstreichen wird, bis das Dorhaben der Gemeinschaft auch nur teilweise durchgeführt ist. Aus diesem Grunde sei sehr leicht denkbar, daß weitsichtige Familienväter sich auf Kosten der Gemeinde ein Hausanteil erwerben, auf das vielleicht einmal ihre Kinder oder Kindeskinder ein Haus erhalten würden. Außerdem müsse festgestellt werden, für wieviele Hausanteile die Gemeinde aufzukommen hätte, da anzunehmen sei. daß, wenn die Gemeinde für die Unkosten aufkomme, sich sehr viele Liebhaber finden würden. Die finanzielle Auswirkung eines solchen Beschlusses sei also nicht zu Übersehen. Von weiteren Rednern wurde daraus aufmerksam gemacht, daß bei aller Anerkennung der Bestrebungen der Gemeinschaft äußerste Vorsicht am Platze sei, da ja auch von verschiedenen Landesregierungen vor dem Eintritt gewarnt wurde. Außerdem seien die Statuten der Siedlungsgemeinschaft nicht genehmigt. Da die Mehrheit des Gemeinderats sich erst noch weitere Aufklärung holen will, wurde schließlich die Angelegenheit vertagt. — Das Haus eines hiesigen Einwohners steht teilweise auf einem alten Gemeindebrun- n e n, der abgeleitet worden ist. Das Haus soll dadurch schwere Schädigungen erlitten haben, für deren Abhilfe durch die Gemeinde ersucht wird. Die Daulommission soll unter Zuziehung eine Technikers eine Besichtigung vornehmen und einen Kostenvoranschlag vorlegen. — Die Leichenfrau. die seither jährlich 80 Mk. erhielt, ersuchte um Erhöhung ihrer Gebühren. Rach dem Beschluß soll für jeden Sterbefall eines Kindes 5 Mk., für jeden Erwachsenen 10 Mk. seitens der Gemeinde an die Leichenfrau vergütet werden. Ausdrücklich wurde hierbei festgelegt, daß nach dieser Regelung die Leichenfrau nicht mehr die Berechtigung hat, von den Hinterbliebenen eine besondere Vergütung zu verlangen. — Für die Erweiterung der Auto halle ist ein Stück Gemeindegelände erforderlich, dessen Her- gabe beschlossen wurde. Gleichzeitig wurden die vom Ministerium des Innern gewünschten Aen- berungen der Verbandssatzung des Gemeinde- verbandes Wieseck-Alten-Buseck gutgeheißen. — Der frühere Nachtwächter 21 f f hat der Gemeinde 35 Iahre lang treue Dienste geleistet und ist heute nicht auf Rosen gebettet, nachdem seine Außerdienststellung erfolgen mußte. Zur Erleichterung seines Lebensabends bewilligte ihm der Gemeinderat daher ab 1. Ianuar 1927 eine monatliche Ehrengabe von 20 Mk. — Für die im Gemeindewald beschäftigt gewesenen Holzhauer wurde um einen lOprozentigen Zusch lag zu ihrem Tariflohn ersucht. Da seitens des Gemeinderatö anerkannt werden mußte, daß die Holzhauerei in diesem Iahre als nicht normal bezeichnet werden kann, wurde diesem Antrag zugestimmt. — Bezüglich der von der Gemeinde geplanten Reuanlage von Ob st Plantagen soll nochmals mit Kreisobstbautechniker Me tter- nich in Büdingen in Verbindung getreten werden, um die erforderlichen Unterlagen zu erhalten, da dieser eine Prüfung des Gemeindegeländes auf feine Anbaufähigkeit vorgenommen hat. Zum Schluß wurde die Durchführung und definitive Gründung eines Obst- und Gartenbauvereins gewünscht und auch zugesagt, die erforderlichen Schritte sollen baldmöglichst unternommen werden.
• Großen-Linden, 26. Febr. Der Verband Mitteldeutscher K a n i nch e n- und Geflügelzüchter hielt bei Gastwirt Schaum feine diesjährige Generalversammlung ab. Der erste Verbandsvorsitzende W. ©ommerlab begrüßte die zahlreich erschienenen Vertreter und erstattete den Iahresbericht. Der Verband zählt über 300 Mitglieder und hat sich seit seiner Gründung im Iahre 1905 recht günstig entwickelt. Zum ersten Verbandsvorsitzen- den wurde W. Sommer lad, Großen-Linden, einstimmig wiedergewählt; zweiter Vorsitzender wurde Schrader, Leihgestern; Schrsiftf. W. Iung, Dorlar: Rechner W. Pfeiffer. Stein- über. Zuerst dies« eleganten schwebenden Brücken über den Strom. Man sieht die vielversprechende Strahenflucht, die neben dem Gürzenich zur Hängebrücke läuft, liebt das neugierige Lagunenbild des mit Dampfer und Kähnen gefüllten Flußhafens, der vom Banenturm aus gesehen die Spitzen des Domes, die Türme von St. Martin und St. Kunibert im Hintergründe faßt. Von der Plattform des IGftörfigen Hochhauses ein Blick auf Fabrikhöfe, riesige 'Gloshallen, unübersehbares Häujermeer bis zu den weißen Hallenwanden der Messe hinüber.
Die Cito ist eng und beinahe so belebt wie die Londons-, Autohupen, Geschrei der Odstverkäufer, zweirädrige Belgierkarren, Menschen, Menschen, alles schwarz von Menschen. Amerikanische Arbeitszeit. Das Bankenoiertel stadteinwärts, Kontore und Speicherhallen der Reedereien, drückende, oft allzu enge Fülle.
Und der Karneval? Mil Geduld wird es auch Abend und Nacht. Lichtreklame flammt auf. Die straften sind noch voller, überfüllt durch die Summier und die den Feierabend Durchfchlendern- den. Die Geschäfte leeren sich. Scherzworte fliegen über Autos weg von Trottoir zu Trottoir. Und so gegen 8 Uhr, 9 Uhr stehen auf einmal an den Haltestellen der Straßenbahnen Türkinnen und Indier, dort ein ,,Kommunist^ und eine Japanerin. Sie begrüßen sich auf „Kölsch". Die Tanzlokale sprühen von anlockenden Lichtern in allen Farben. Wie Schmetterlinge kommen die Masken, allerseits, aus jedem Gäßchen. Es fununi und trippelt, stelzt und lacht, seufzt und pfeift, der Kölner beginnt zu leben. Dazwischen flitzen die J}errfd)aftsautO0, beleuchtete Masken darin, Rokokodamen . . . Marquis.
Luftballons, rote, grüne, gelbe, blaue. Gesichter, Halbmasken, blaue, gelbe, grüne, rote. Papierschlangen auf den Schienen. Vom „Simpliztssimus" bis zum „Hähnchen", von den Gürzenichsälen bis zu ..Groß Köln", überall ist Ball, Ball der Film- leute, Ball der Bürgergesellschaft, schwarze Redou- kn, Harmonien, Tierbälle ulw., uff. — bis gegen Morgen so um 5, 6, 7, 8 Uhr.
berg. Der Verband beabsichtigt in diesem Iahre eine größere Verbands-Ausstellung abzuhalten.
al. Al len darf (Lahn), 26. Febr. Im Iahre 1 9 2 6 wurden in hiesiger Gemeinde 20 Kinder und zwar 9 Knaben und 11 Mädchen geboren: ein Mädchen erblickte im katholischen Schwesternhaus zu Gießen das Licht der Welt. Getraut wurden fünf Paare. Gestorben sind 10 Personen, und zwar 9 männliche und eine weibliche. — Der hiesige Männergrfangvcrein „E i n - fteit“ seiert am 22. und 23. Mai sein 45jäh- riges Stiftungsfest, zu dem viele auswärtige Vereine eingeladen und eilte große Anzahl ihr Erscheinen auch schon zugesagt haben. Der hiesige Verein steht hinsichtlich seiner Sanges- leistungen in voller Blüte, hat sich in den letzten Jahren wiederholt an Gesangwetlstreiten beteiligt und dabei erste und Ehrenpreise errungen. Gegenwärtig steht der Verein unter der Leitung des bewährten Dirigenten K ö h le r von Großen- Linden. Die Vorbereitungen zu dem Feste sind bereits rege im Gange.
T Aus dem Busecker Tal, 26. Febr. Gegenwärtig werden in unseren Orten die Strickkränzchen abgehalten. Gute Freunde, Verwandte und getreue Rachbarn werden zum Kaffee eingeladen, und bis Mitternacht sitzt man dann beisammen, sich fröhlich unterhaltend. Bei diesem Kränzchen hat sich in einzelnen Orlen noch ein alter Brauch erhalten, der von denen ausgeübt wird, die nicht zu den Gästen gehören. Man wirst nämlich dem Gastgeber, der das Kränzchen hält, recht viele Scherben in den H o s, um ihm mit den Scherben das Glück ins Haus zu bringen. Dabei soll es aber auch vorkommen, daß die von Bauersleuten an Fensterbänken und Lattenzäunen zum Sonnen und Lüsten umgestülpten Milchtöpfe gelegentlich ab- gehängt werden, um in Rachbars Hof als klirrende Scherben zu enden. Der Scherben sind dann zuweilen soviele, daß die Haustüre kaum geöffnet werden kann. Am anderen Morgen muh dann mit Körben und Handwagen die Qdxrben- menge fortgeschasft werden.
t. Göbelnrod, 26. Febr Das Landschaftsbild zwischen hier und Beltershain hat ein ganz anderes Aussehen bekommen. Schon vor dem Krieg wurde ein Stück Wald niedergelegt. In diesem Iahr ist der große Wald rechts der Straße nach dem Warthof zu, das Breitenloh genannt, geschlagen worden. Die Fläche ist weit über 100 Morgen groß und wird als E i e d l u n g s l a n d verwendet. Ein Teil kommt zur Gentarkung Beltershain, das weitaus meiste Land aber fällt der Gemeinde Göbelnrod zu. Der Wald war seither fiskalisch. Die Gemeinde Göbelnrod hat ihn ein- getauscht gegen die Wälder am Mirberg, die sich zu Siedlungszwecken nicht eignen. Durch diesen Erwerb erhält die Gemeinde einen bedeutenden Zuwachs an Ackerland. Im Frühjahr wird bereits der Pflug über die einstigen Waldberge Hinweggehen.
• Stockhausen, 26. Febr. Der Gern e i n d e r a t hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig den Bau einer neuen Lehrerwohnung beschlossen, nachdem Baurat Schneider vom Kretsbauamt Gießen die vorgelegten Entwürfe geprüft hat. Die Verwirklichung des Projektes ist den unermüdlichen Bemühungen des Bürgermeisters Jochim zu danken.
f®rünberg, 26. Febr. Der Gemetnderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung der In- standsehuna deS Verbindungsweges zwischen der Alsfelder Straße und der Bahnhofstraße, der von Einheimischen und Austvärttgen gern und oft benutzt wird, zu. Mit den Arbeiten wurde Karl Hermann I ö ck e l beauftragt, der schon wiederholt die Anlagen und Wege in unserer Stadt In vortrefflicher Weise hergerichtet hat. — ilm die in der Au gelegenen Wiesen vor Versumpfung zu schützen, wurde auf Antrag mehrerer Pächter (Landwirte aus Queckborn) beschlossen, den früheren Flutgraben wieder ausräumen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit soll der Gemarkungsgrenzweg eingesehen ' und dessen Instandsetzung in die Wege geleitet werden. — Die Anbringung von Blitzableitern in der Oberrealschule wird der Firma Julius Von Ei ff zum Angebotspreis übertragen. — Heber den Empfang der im Iuli hierher zu Besuch kommenden Deutsch-Amerikaner soll in der nächsten Sitzung Räheres bestimmt werden. — In der nichtöffentlichen Sitzung wurde u. a. beschlossen, durch den Bürgermeister über einen Vortrag eines Gießener Univ ersi- tätsprofesfors mit der Gießener Hochschulgesellschaft zu verhandeln.
f Harbach, 26. Febr. Dem hiesigen Landwirt Heinrich Sommerlad ging beimDünger- sahren das Pferd durch. Dabei ging der
Wagen in Trümmer, und die am Zuggeschirr hängenden Reste des Wagens verletzten da- Tier so schwer, daß es abgeschlachtet werden mußte. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Am Tage darauf scheute das Pferd des Landwirts Heinrich Kappes und ging ebenfalls durch. Das Tier rannte mit dem Wagen gegen das BacHaus und trug hierbei einige Verletzungen davon.
I Lich, 26. Febr. Altbürgermeister 5) ärmer feierte dieser Tage in seltener geistiger und körperlicher Frische seinen 7 5. Gebunstag. Seitens der Stadtverwaltung und der hiesigen Bürgerschast empfing er aus diesem Anlaß zahlreiche Ehrungen. Altbürgermeister Dörmer hat jetzt nahezu 30 Jahre lang in unserer Stadt für das öffentliche Wohl in erfolgreicher Weis« gewirkt. Seit dem 15. Oktober 1894 war der Jubilar Beigeordneter der Stadt, und befiel bete dieses Amt bis zum 18. März 1906. Don diesem Tage ab war er lange Iahre hindurch Bürgermeister. Mit Rücksicht auf sein Alter lehnte er 1919 eine Wiederwahl ab. 3m Alter von nahezu 71 Jahren wurde er Anfang 1923 abermals mit großer Mehrheit zum Beigeordneten gewählt und versieht auch heute noch dieses Amt. Möge es ihm vergönnt sein, feine reichen Erfahrungen noch lange dem Wohle unserer Stadt dienstbar zu machen.
r Steinljcim bei Sunfciw 26. Febr. Gestern sand im hiesigen Gemeindewalo die einzige Dau» und Werkholzversteigerung statt. Die Preise zeigten steigende Tendenz: sie waren enorm hoch. Es kosteten Eichenstamme 3. Klasse 60 bis 65 Mk. das Festmeter, solche 4. Klasse 45 bis 50. 5. Klasse wurden mit 30 bis 36 Mk. bezahlt. Eschenstämme 5. Klasse kamen auf 48 bis 52 Mk., Birkennuhholz 5. Klasse 22 bis 25 Mk., Kiefernstämme 3. Klasse stellten sich auf 46 bis 52 Mk., solche 5. Klasse auf 32 bis 34 Mk. Sehr begehrt waren Lärchenstämme, die in der 3. Klasse mit 42 bis 45 Mk.. in der 4 Klasse mit 36 bis 40 Mk. und in der 5. Klasse mit 25 bis 32 Mk. bezahlt wurden. Fichtenschnittholz 3. Klasse stellte sich auf 33 bis 43 Ml., Fichlen- stammholz 4. Klasse auf 30 bis 36 Mk., 5a- und 5b-Klasse erzielten fast dieselben Preise, auch Fichtenderbstangen waren sehr begehrt und infolgedessen sehr hochpreisig. Es ist bemerkenswert, daß vertretene größere Holzfirmen in ihrem Preisangebot sehr zurückhaltend waren.
Kreis Friedberg
Bad-Rauhei m, 28. Febr. Seinen 7 0. Geburtstag feiert heute in voller körperlicher und geistiger Frische der Turner E. W. A. Müller. Gr kann auf eine 53jährige Turnertätigkeit zurückblicken, die er in Frankfurt a. M., Mainz, Straßburg, Friedberg und Bad-Rauheim ausubte. In Friedberg war er lange Jahre Vorsitzender der Turngemeinde, in Bad-Rauheim ist er jetzt noch das eifrigste Mitglied der Altersriege seines Vereins. Seine Verdienste tourben vor Jahren schon durch die Verleihung des Ehrenbriefes des Mittelrhein- kreifes anerkannt. Der 70. Geburtstag gab Anlaß, daß der hochverdiente Turner nun auch mit dem Ehrenbrief der Deutschen Turnerschaft ausgezeichnet wurde. Eine schlichte Feier vereinigte gestern nachmittag die Vorstände der Turngemeinde Friedberg und deS hiesigen Turnvereins 1860 hier in der Turnhalle. Studienrat Thierolf (Friedberg) würdigte die Verdienste des Jubilars und gänbigte ihm den Ehrenbrief der Deutschen Turnerschast aus. Redakteur Schneider (Butzbach) beglückwünschte für den Gau Hessen und den am I Erscheinen verhinderten Kreisvertreter; Studienrat Schuchmann (Friedberg) übermittelte Gruß und Glückwunsch deS 5. Bezirks im Gau Hessen. Alle Redner feierten Müller als ein seltenes Vorbild turnerischer Treue und Pflichterfüllung. Der Turnverein 1860 ernannte den Jubilar zu seinem Ehrenmitglied. - Wie sehr das Thema der Wirtschaftspolitik toei- tefte Kreise interessiert, das bewies der starke Besuch des Vortragsabends, zu dem die hiesige Ortsgruppe der Demokratischen Partei die Anregung gegeben. Da aber auch die rein wirt- fd>aftlid) eingestellte Arbeitsgemeinschaft der Kur- intereffenten (Hotina, Aerzteverein. Einze'.handel, Handwerker und Gewerbetreibende) Poau einge- fafen halte, setzte sich die ansehnliche Versammlung aus Angehörigen aller politischen Parteien zusammen. 3m Hörerraum war auch Finanz- m i n i st e r Henrich zu sehen, der am Jlacfy- mlttag in internen Beratungen die Wünsche der am Kurleben besonders interessierten Wirtschafts- freife entgegengenommen hatte und nun die Gelegenheit wahrnahm, als , Zuhörer" einmal die Stimmung des Mittelstandes und der Steuerzahler kennenzulernen. Referent war Re-
Dann sieht man auf den Perrons her Straßenbahnen und in Droschken und Autos Müde oder Lustige, Indierinnen und Harald Lloyds. Fabren sie heim? Natürlich, um eine halbe Stunde später aus dem Bureau, ganz ohne Masten, zu gähnen. Prinz Karneval triumphiert Nacht für Nacht; es sind luftige Jünger, die Kölner, di« roiffen, was sie ihm und dem „Tagsüber" schulden. R. O.
Der erste Liebesroman im Hause des Mikados.
Der verstorbene Mikado ist jetzt mit großen Feierlichkeiten bei gesetzt worden, und der neue Mikado, Hirohito, herrscht nun in dem Reich der ausgehenden Sonne. ES ist bereits deS öfteren hervorgehvben worden, daß mit ihm der erste wirklich moderne, europäisch erlogene Herrscher den Thron bestiegen hat. Während alle früheren Mikados in ihrer göttlichen Unnahbarkeit dem Volke nur von ferne sichtbar wurden, mischt er sich, der in Pari- und London das europäische Leben kennengelernt hat, unter seine Untertanen. Er hat sich schon als Kronprinz den 3apanem als Mensch gezeigt, indem er zum erstenmal menschliche Gefühle gegenüber dem Gesetz starrer Lieberlieferung sprechen ließ. Hirohito durchlebte den ersten Liebesroman, der sich in dem Hause des Mikado abspielte; er hat seinem Volk eine neue Auffassung der Ehe gebracht, die «S tief ergriff. Hebet diesen LiebeSroman Hirohitvs schreibt ein Javaner. Adachi Kinnosuke. in der amerikanischen Zeitschrift „Outlook": „Die Heirat des jetzigen Kaisers mit der Prinzessin Ragako aus dem Hause Kuni war der erste Liebesroman in der ^tausendjährigen Geschichte deS japanischen Kaiserhauses. Der junge Prinz verliebte sich in die Prinzessin, und nicht- war natürlicher, als daß er wünschte, sie zur künftigen Kaiserin de« Landes zu machen. Aber die Hofetikette stellte sich dem entgegen. Der mächtigst'. Mann deS HofeS. der Prinz Damagata, widersetzte sich diesem Shebunde. hauptsächlich wohl auS eigen»
süchtigen Gründen. Er, der Führer des Schoschu- Geschlechtes, wollte nicht die andere politisch einflußreiche Familie, die Satsuma-Partei, zur Herrschaft kommen lassen. Die Mutter der Prinzessin Ragako aber stammte aus der Satsuma-Familie, und das war schon Grund genug, um die Heirat abzulehnen. Es war Im Anfang des 3ahreS 1921; dec junge Prinz war noch nicht gaitz 20 3ahre alt. Aber er unterwarf sich nicht dem Staatsgebot, sondern appellierte — eine unerhörte Tat nach japanischer Auffassung — an die Öffentlichkeit. Weite Kreise des Volkes wurden dadurch beunruhigt und ergriffen. Es kam zu einer feierlichen Prozession von 15 000 angesehenen Bürgern, die für den freien Entschluß des Thronerben eintraten. So siegte der 20jährige Prinz über den mächtigen Staatsmann und seine Elique. Das Ergebnis war der sofortige Rücktritt des Ministers des königlichen Hauses, der zur Schoschu- Partei gehörte. Es war ein großer Sieg deS Prinzen, dem fein Volk zum erstenmal in leidenschaftlicher Anteilnahme seine Liebe zeigte, und es war zugleich ein Triumph über die üblichen japanischen Anschauungen. Millionen von Liebesgeschichten sind in Palästen und außer ihnen gelebt. geträumt und geschrieben worden. Aber ich kenne feine andere Liebesgeschichte, die so große Folgen hatte, wie die des Prinzen Hirohito auf das zukünftige Schicksal eines großen Volkes von 60 Millionen Seelen. Der Liebesroman Hirohitvs hat die Anschauungen über Ehe in Japan verändert. Bis dahin galt die Heirat nur für eine Verbindung, die zwei Familien eingehen, wobei die jungen Leute selbst nicht gefragt werden. Liebe im abendländifchen ©inne spielte bei der japanischen Heirat keine Rolle. Das Vorbild des Thronerben hat diese Anschauungen umgestürzt; es ist in sozialer Hinsicht noch wichtiger gewesen als in politischer. Seitdem ist die Liebe In der japanischen Ehe auf den Thron erhoben worden, und alle Liebenden. die sich glücklich zum Bund I fürs Leben vereinen, danken dafür ihrem
Herrscher."


