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Nr. 49 Zweites Blatt

Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 28. Zebrnar (927

Sechzig Jahre nationalliberale Partei, «in Rückblick.

Don ArchivDlrektor Paul W e n tz ck e, DüsselDorf.

3n einer Zeit, in bet Splitterparteien unD Fraktiönchen im Reich und in den Ländern an­dern Roden schieben, rechtfertigt nur eine ganz besondere Bedeutung die allgemeine Seiet Des DeDenktageS einer Partei. Wie immer man sich zur Rationalliberalen Partei stellen mag: ner- dient hat sie das ehrende Gedächtnis auf alle Fälle. Als Borbild einer neuen parlamentari­schen Willensbildung steht sie in der Geschichte. Der sechzigste Geburtstag dieser ersten ge­samtdeutschen Partei lockt zu einem Rückblick auch aus daS Werden und Wesen der deutschen _ Einheit. .Vaterländer" nur gab es damals für den Deutschen, als sich zum Beginn deS konstituierenden Norddeutschen Reichstage- am 28. Februar 1867 Preußen und Richtpreuhen. liberale Führer au- Ostpreußen und der Rhein- Provinz mit Freunden au- den norddeutschen Kleinstaaten zulammenschlossen, der Hannoveraner Rudols von Bennigsen die Leitung über­nahm. Au- ihrem Munde zuerst klang das stolze Wort, Daß das Vaterland über der Partei stehe, da- sich inzwischen alle grohen deutschen Fraktionen mit Ausnahme der äußersten Linken zu eigen gemacht haben.

Gewiß gab es schon vor diesem 28. Februar 1867 liberale Parteien in Deutschland: in den ^deutschen Sinzelstaaten spielten sie seil der ~Jreiung von dem napoleonischen Joche eine be­deutende Rolle. 3n Preuhen hatten die .rheini­schen Liberalen" im Jahre 1848 dem jungen VersassungSstaat sein erstes Ministerium gegeben. 3m Parlament der Paulskirche huldigten alle Gruppen mehr oder weniger dem gleichen libe­ralen Gedanken, daß eS die Aufgabe der Politik und der Verfassung fei, zwilchen der Freiheit deS einzelnen und dem Wohl deS Ganzen den richtigen Au-gleich ^u finden. Das Verständnis für die Außenpolitik aber fehlte auch hier. Der Sieg deS preußischen Heeres bet Königgrätz erst schuf die realpolitische Voraussetzung für DieGrün- Dung und Entwicklung der neuen Gruppe. Am 17. Rovember 1866 bildete sich im preuhifchen Abgeordnetenhaus die Fraktion der .Rationalen Partei". Die Unterstützung Bismarcks in der auswärtigen Politik, soweit sie die deutsche Ein­heit gegen fremde Eingriffe und heimische Sonder- interessen vorzubereiten und die Starke der gc- lamtdeutlchen Macht zu erhöhen bestrebt sei, stand voran. Grundlegend neu war die Anerken­nung des Primats der Außenpolitik in einem hartumkämpften deutschen Staate. 3n der llnlerftüpunfl von Bismarcks auswärtiger Politik lag nicht nur die Anerkennung der Tat­sache. daß man die Vollendung der Einheit alS die bei weitem wichtigste Ausgabe der Gegen­wart betrachte und sich verpflichtet fühle, den Mann, der sie lösen könne, trotz aller sonstigen Verschiedenheit der Anschauungen auf jeden Fall Au unterstützen, sondern es lag darin auch bereits ein Ergebnis der politischen Erziehung, die der Liberalismus durch BiSmarck und durch die Ereignisse der letzten 3ahre erfahren hatte. Alle die anderen Wünsche, die daS eigentliche Partei­programm vom 6. 3uni 1867 zum Ausdruck brachte, umschrieben lediglich die Pflichten einer wachsamen und loyalen Opposition. Sie traten erst Dann wieder überragend hervor, als die Einigung des kleindeutschen Bundesstaates und seine Sicherung gegen Die neiDischen Großmächte scheinbar für immer erfüllt waren.

CS kam die große Zeit der Rationalliberalen Partei, als sie Hand in Hand mit Der (frei­konservativen) Reichspariei im neuen Reich mit mehr alS hundertfünfzig Abgeordneten die ge­schlossene Mehrheit des deutschen Reichstages, mit. aber auch gegen Bismarck bildete. Rach außen stark und geachtet, so konnte der Wahlaufruf 1877 stolz verkünden, hatte DaS Deutsche Reich zugleich nach innen seine refor­matorische und befreiende Tättgkeit bewährt: .Gewalttge Umgestaltungen der inneren Ver­hältnisse waren erforderlich, um dem neuen Staatswesen Raum zu schaffen innerhalb der feit 3ahrhunderten zerrissenen Ration. Es galt eine Vertretung nach außen, ein Heerwesen, ein Derkehrsgebiet. gleiche Bedingungen für die freie Bewegung und die freie Arbeit herzu­stellen. Es galt. Gewicht. Maß und Münze gleich-

Gießener Stadttheater.

Hermann Llcingoctter: »Metzen wird Grotzstadk".

Run haben wir eS also auch in dieser Spiel­zeit noch zu einer Uraufführung gebracht. Und war es gleich keine Haupt- und Staats­aktion. so war es doch ein Fastnachtsspiel, das am Vorabend des Rosenmontag- noch gerade rechtzeitig auS der Taufe gehoben werden konnte. Und eS wurden dem FaschingSkinDe gleich zwei Hamen verliehen: .Gießen wird Großstadt", oder: .Die Abenteuer des Herrn Eusebius Rör- gelmeier". große Lokalposse mit Gesang und Tanz in fünf Bildern von Hermann Stein- goetter; in Szene gefetzt vom Derfasfer.

Ort Der Handlung ist Die Provinzialhaupt- ftaDt; Die Zeit Das einmal kommende 3ahr 19". in dem unS DaS Heil Des hunderttaufendsten Ein­wohner- beschießen. unD Die gute und feste Stadt Gießen mithin in die Reihe der deutschen Groß­städte eingetreten sein wird. (Ss ist ein schönes Zeichen von unverwüstlichem Optimismus, daß Der Verfasser Die Vorgänge nicht gleich ins 21. Jahrhundert hinaufverlegt Hal.) 3mmerhin. bis eS so weit ist, werben wir ein gut Stück weiter fein. Der segensreiche Fortschritt wird unS noch kaum geahnte Errungenschaften be­schert haben, unter Denen ein Riesenflughafen, ein Klubhochhaus unD Der Zoologische ©arten im Philosophenwald noch Die geringsten sind. Das Telephon wirD zum Exempel in bemerkenswerten Formen neugeboren werden. unD Der Fernseher WirD in seinen neuesten Modellen schon so ver­vollkommnet sein, dah man beispielsweise von Wurzen aus dem Empfang der Jubiläumsgäste in Gießen und Dem Vollsfest mit Gesang unD Tanz auf dem Schifsenberg wird zuschauen können.

Der Empfang vollziccht sich unter beträcht­lichem Pomp im ersten Bilde. Zur Feier Der bevorstehenden Ankunft des Hunderttausendsten

mäßig zu ordnen, es galt, die bürgerliche Ehe nach Denselben Rormen zu regeln, es galt Dtc zur Erleichterung deS Verkehrs und zur Förde­rung DeS Handel- notwendigen 3nftttutionen zu entwickeln und zu gcmc-.n<amcn Einrichtungen DeS Reiches umzugestalten." Witten in diesem Ausbau der tragenden Kräfte aber, als die ge­walttge Forderung einer neuen Rechtspflege erst gestellt war. traf Die Partei als solche die KrifiS. Als der Druck von außen nachlieb, traten Die WünschenachinnererFrei» heit stärker hervor. Die ttagische Zeit deS deuttchen Liberalismus brach an. Bis­marck selbst trennte sich von Den bisherigen Freunden, mit denen ihn letzten Endes nur gemeinsame Pslichten. nicht gemein­same Weltanschauung -usammengesührt hatten! Der Riederlage in Der ReichStagswahl von 1878 folgte die .Sezession" aus Den eigenen Reihen. Aus Dem eigentlichen Kern Der alten liberalen Partei nur konnte Die Wiedergeburt einsetzen: nach Ziel und Wesen war die Er­neuerung. die der Heidelberger Erklärung vom 23. März 1884 folgte, geradezu eine Reugründung. Reben Rudolf von Benningsen führte der zweite Hannoveraner 3ohannes Miquel die par­lamentarischen Freunde und eine starke Anhänger­schaft draußen im Lande in die Zeit deS deut­schen Imperialismus herüber. Wiederum gebührt schließlich der Außenpolitik da- Primat! Richt zufällig brachten die Septennalswahlen von 1887. in denen eS aus- neue um die Sicherung der äußeren Macht des Reiches ging, den Rattonal­liberalen aufs neue 99 Mandate.

Alle die folgenden 3ahrzehnte, die seit Bis­marcks Sturz bi- zum Weltkrieg dahingingen, zeigten in Stärke und Schwäche der Partei DaS gleiche Bild. AIS Rudolf von Benningsen die Leitung der Gesamtpartei niederlegte, hat S r n st Bassermann seine Gedanken aufgegriffen und durchgeführt. Auch ihm stand die Forderung einer krästtgen Außenpolitik mit dem Ziel, Deutschland- Weltstellung zu erhalten, voran. Rur diese Sicherung konnte auch die Durch­führung der Freiheit im 3nnem, die soziale Besserung unD den wirtschaftlichen Aufschwung gewährleisten. Die Blockpolitik deS Fürsten Bülow und die Haltung der Rattonalliberalen Partei der sprunghaften Politik deS Kaisers gegenüber wird nur aus diesem Gesichtspunkt heraus verständlich. Parteipolittsch und partei­geschichtlich muhte auS diesem Gegensatz wieder der Jungliberalismus seine stärkste Anregung und seine besonderen Ziele erhalten. Als der Weltkrieg alle auhenpolitischen Gegensätze zurück- stellte. war daS Gleichgewicht zwischen beiden Strömungen, Die im Ramen und im Ursprung der Nationalen und Liberalen Partei zugleich ihre Stärke und ihre Schwäche verkörperten, nahezu wieder erreicht: Der Gedanke der Frei­heit und der Einheit in einem starken Deutschen Reich

Unter anderrn Ramen nur und in einem andern Staat-Wesen konnte eine neue Generation nach einem Weltensturm ohnegleichen da- un- vergefsene Streben übernehmen. Liebe und Haß, Riederlagen und Erfolge der Rattonalliberalen Partei alS solche gehören der Geschichte an. 3n Ehren aber wird sie hier genannt werden, ebenbürtig des großen Erlebnisses der Erbkaiser- partei in der Paulskirche, ebenbürtig den Vor­kämpfern der preuhifchen Reformzeit, die die Be­freiung Deutschlands auS den Fesseln der Fremd­herrschaft vorbereitet hatten: die erste parla­mentarische Helferin unD Führerin auf Deutsch­land- Wegen zur Einheit und Freiheit. Un­vergessen ihr <3rbei

Der haushalt des Reichs- wittfchastsministeriums für 1927

Don Dr. Cremer, Mitglied deS Reichstag-.

Dem ReichSwirtschaftsmimsterrum liegt die Bearbeitung aller volkswirtschaftlichen Fragen in Deutschland ob. soweit sie sich niqjt unmittelbar auf Die lanDwirtschaftliche ProDuktton und Volks- ernährung (Ressort DeS ReichSernährungsmini- steriumS) bzw. auf Die Sozialpolitik (Ressort DeS Reichs arbeitSministers) beziehen. Auch bei diesen Fragen ist daS ReichswirtschastSminifterrum aber naturgemäß wegen ihrer Zusammenhänge mit der allgemeinen Wirtschaftspolitik interessiert und an der Bearbeitung mitbeteiligt Außerdem liegt ihm in erster Linie die sachliche Mitarbeit an

kommen Die Festgäste auS aller Welt. Die wich­tigsten werDen unS sogleich vvrgestelll: Rentter Rörgelmeier und sein FreunD Bliemchen auS Wurzen, seine Richte Babette auS Philadelphia und Deren Freundin Mary Cramer. Der Offizier Des Hapagdampsers .Gießen" und Der Lust- schiffer Gehrmann aus LichterfelDe; von Den Ein­heimischen sink) namhafte Persönlichkeiten Der Vorsitzende DeS Festkomitees, der städttsche Spar- kommissar und Der Feuerwehrhauptmann.

DaS zweite Bild ist einer 3ubiläumSübung der Feuerwehr gewidmet Zum Schauplatz dieser Festveranstaltung hat man ein VchulhauS vorge­sehen. in Dem Die beiden Wurzener Dergnü- gungsreisenDen wegen Uebersüllung Der Gast­stätten notübernachten, mit einem llassisch ge- bilDeten Pedellen Bekanntschaft machen unD von Der tüchtigen Feuerwehr mit viel Trara zum Fenster hinaus .gerettet werden. DaS dritte Bild verstauet intime Einblicke in Die Kulissen DeS StaDttheaters, das bis dahin mit so be­deutsamen technischen Reuerungen auSaeftattet ist, dah ein Eisbärenkampf am Rordpol sozusagen ein Kinderspielchen ist. Klotilde Rörgelmeier, die von Wurzen aus Dem Empfang in Gießen bei­gewohnt hat. erscheint auf Der Suche nach Dem fahnenflüchtigen Gemahl.

3m vierten Bild, .Rendezvous im Flug­hafen". ist sie schon in bedrohlicher Rahe, wird aber im letzten Moment noch glücklich per Luft­schiff nach dem Schiffenberg entführt. Man trifft alle Bekannte wieder und genießt zwischendurch einen schönen Blick auf die Großstadt Gießen mit Gleiberg und Vetzberg im Hintergrund. Fünftes Bild: Vollsfest auf Dem Schiffetchera oder Der 100 000. Einwohner. Großes Gewühl, rührende Versöhnung. Doppelverlooung. ein reizender Hüttenberger Kindertanz. böllerschußverkündete Zwillingsgeburt, zum Schluß das nebenftinnmg gelungene Lob Gtestens.

Die 3nszenierung SteingoetterS brachte besonders in der dritten, vierten und fünften Szene sehr hübsche Bilder (2of Her unDÄcim). eine Anzahl Couplets zum Preise deS Sports

den Fragen Der Zoll- und HandelSpoli» t i k unD Der Bearbeitung der HandelSver» träge ob. Sein ArbettSfeld ist allo außer­ordentlich vielfeittg und berührt alle jeweilS fchwebenden wirtschaftlichen Probleme. Die För­derung Der Wirtschaft im einzelnen erfolgt da­gegen durch Die Länder, die für diesen Zweck thre Handelsministerien haben, so daß der Krei­der dem WirtschaftSminister'um unterstellten Be­hörden ein verhältnismäßig geringer ist. Es handelt sich hier im wesentlichen nur um das Stattstische ReichSamt. daS Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung und Dai ReichSwirtschaftS- gericht.

DaS ReichSwirtschaftSministerium verfügt übet einen Stab von 161 planmäßigen Beamten. Der Gesamtaufwand an Personallosten beträgt 2 Millionen Mark. Die sachlichen Bedürfnisse des Ministeriums sind ungefähr auf 500 003 Mark veranschlagt, ein neuer Posten von 500 000 Mk. ist eingesetzt zur Förderung wirtschaft­licher Forschung. Ausbildung und Studien­reisen im Ausland: dieser hat Die Zustimmung deS HauShalt-auSschusfeS auS einleuchtenDen Gründen gefunden.

DaS Statistische ReichSamt Hal die Ausaabe. die für Die Beurteilung der deutschen Verhältnisse auf dem Gebiete der Bevölkerung, der Berufseinteilung, der Finanzverwaltung usw. erforderlichen zahlenmäßigen Unterlagen zu schas­sen und auf Dem Laufenden zu erhalten. Darüber hinaus aber auch durch geeignete Veröffentlichun­gen laufend zur Kenntnis Der Allgemeinheit zu bringen und hierdurch wichtige Fingerzeige für Die Beurteilung Der Entw.cklung unD Die Gesetz­gebung xu geben. Aus der Zusammenstellung deS Zahlenmaterials finD weiter Folgerungen zu ziehen unD statistisch zu belegen. So haben Diese Arbeiten auch für Die Wirtschaftsgebarung des einzelnen, für die Fortentwicklung der sozialen Verhältnisse und für die verschiedensten anderen Zwecke eine unmittelbare Bedeutung von großer Tragweite. Die durch Die Kriegszeit unD Rach- kriegszeit entstandenen Schwierig leit en der Ar­beit deS Statisttschen Reichsamts sind nunmehr überwunden, und das Reichsamt hat feinen alten Rus in der Welt zurückgewonnen. auch durch Derbesserung seiner Einrichtungen ein schnelleres Zeitmaß in der Bewältigung seiner Arbeiten er­zielt. die der QlUgemeinbett wiederum zugute kommt. Die Veröffentlichungen betreffen außer dem bekannten statistischen 3ahrbuch und Den Vierteljahres besten des Statistischen Amts z. B. die bekannte Zeitschrift .Wirtschaft unD Sta­tistik". Die Saatenstandsberichte und eine große Reihe von Spezialarbeiten wirtschaftlichen, sozial­politischen. stnanzpolittschen und kulturpolitischen 3tchal1S.

Das Reichsaufsichtsamt für Pri­vatversicherung hat die Ausgabe, da- pri­vate Versicherungswesen im Interesse einer soli- Den Geschäftsführung zu beaufsichtigen und da­durch dem 3ntereffe der Versicherten hinsichtlich Der Solidarität Der Verwaltung und der sicheren Anlage Der Fonds wie auch Der Angemessenheit der Geschäftsbedingungen zu Dienen. Das Reichswirtschaftsgericht ist die oberste Instanz für eine Reihe wirtschaftlicher Streitig­keiten mit öffentlich-rechtlichem Hintergrund.

Außer den im ganzen 11,5 Millionen be­tragenden fortdauernden Ausgaben des Reichs- wirtschastSministeriumS werden bei diesem Etat noch 5,3 Millionen einmalige Ausgaben gelcifbrt, welche die Durchführung bestimmter wichtiger Sonderausgaben betreffen. Die wichtigeren Positionen urtter diesem Kapitel sind: 1,2 Mil­lionen Beitrag für DaS Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit und dessen be­kannte Bestrebungen zur planvollen Gestaltung der Wirtschaft durch Vereinfachung und Rorma- lifieruna Der Typen, welche von ganz unabseh­barer Bedeutung für die Rationalisierung Der deutschen ProDuktton und Die Verbilligung Des Konsums finD. Für Das 3nstitut für Kon­junkturforschung. welches sich durch feine vielbeachteten Veröffentlichungen in kurzer Zeit große Verdienste um Die Forderung Der deutschen Konjunkturentwicklung erworben hat. wird ein Jahresbetrag von 60 000 Mark vorgesehen. 200 000 Mark bilden Den Rest der Kosten für die V o l k S-. Berufs - und Betriebszählung. Die im ganzen einen Kostenaufwand von mehr alS 13 Millionen Mark erfordert hat und nunmehr eine außerordentlich wichtige Unterlage für Die Bi­lanz deS deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft abgeben soll. 300 000 Mark sind für

Die große W i r t f cha s t Se n q ue t e eingeseht, die einem ähnlichen Zweck Dient unD im ganten mehr alS 1 Million kosten wird. Für Die außer­ordentlich wichtige Statistik Der Finan­zen Der ÖänDer. Gemeinden unD Gc- meindeverbände find weitere 1.7 Millionen angefordert. wobei die Gesamtkosten auf 4.7 Mil­lionen veranschlagt toerDen. Diese Statistik hat den Zweck, sachgemäße Unterlagen für Die end- gültige Gestaltung des Reichssinan-.au^ .leich zu gewinnen und Die Diskussion über DaS finanzielle Verhältnis zwischen Reich und Ländern anstatt aus einseitigen Angaben der Bet.'iligten auf ben nüchternen Zahlen der Wirklichkeit auszubaucn. 850 000 Mark finD für Die Kalten einer Reichs- wohnungSzäblung aufgeworfen. Da ein wirklicher Ueberblick über Di; heutigen Wvh- nungSverhältnisfe nur aus Diesem Ircae gewon­nen werden kann. Auch hier wieder ist Der Zweck Der Statistik, an Die Stelle von 'gartetangaben objektive Tatsachen alS Unterlage für gelang ebe- rische Maßregeln zu fetzen. Der Reichsrat bat be- lchloflen, weitere 600 000 Mark. Die Die Länder alS Beitrag zu Diefer Statistik zahlen sollen, dem Reich auszubürden: dieser Beschluß ist aber vom HauShaltSauSschuß deS Reichstags als sach- wiDrig abgelehnt worden.

Schließlich ist eine Summe von 750 000 Rll. zur Zinsverbilligung für Darlehen an deutsche Exporteure gefordert. Diese Summe hat im Reichstag starken Widerspruch ge­funden: teilweise hat man sie für überflüssig erklärt angesichts des stark zurückgegangenen Zins­sätze- der Reichsdank. Es ist noch unklar, ob sie schließlich bewilligt werden wird.

Gegenüber den Gesamtausgaben von 16.9 Millionen stehen beim Reichswirtschaftsministe­rium 1.1 Millionen Einnahmen. Die wichtigsten Posten unter diesen Einnahmen finD 250 000 Mark Gebühren für die Erteilung von A u s - und Einfuhrbewilligung für Kohlen, durch Die Kosten des Reichskohlenkommissars ge­deckt werden, 472 000 Mart al« Gebühren für Die AusfichtStätigkeit DeS Reichsversicherungsamts für Privatversicherungen, unD 120 000 Mark für Gebühren. Die beim Reichswirtschaftsgericht ein» gehen.

Aus dem Flnanzausschuh des Hessischen Landtags.

D a r m ft a D t, 25. Febr. Der Finanzausschuß DeS Hessischen LanDtags führte heute Die erste Lesung DeS GerneinDeurnlagengeseheS S EnDe. Bei Artikel 3 wurDe Der Zusammcn- jung selbstänDiger Gemarkungen mit Rachbar­gemarkungen zu besserer Lastenvertellung Da» Wort gereDet, Da Die Gemeinden oft durch die selbständigen Gemarkungen größere Lasten zu tragen haben, aber keinen Rutzen davon haben. Bei Artikel 20 wurde gewünscht, daß eine Be­stimmung in das Gesetz ausgenommen werden soll, wonach SteuerauSschläge nicht ganz in daS 'Be­lieben der Gemeinden gestellt, sondern nach einem bestimmten Verhältnis, ähnlich wie bei den Staatssteuern, verfahren werden soll. Die Regierung erklärte hierzu, daß zur Zeit Dieser Wunsch praktisch nicht durchführbar sei, daß cS aber unerläßlich sei, in der Zukunft zur Fest­setzung eines bestimmten Verhältnisses zu kom­men. Bei Artikel 22 wurde angeregt, man solle Den zur Einführung Der Waren hau« steuer not­wendigen Jahresumsatz von 100 000 Mart (tote im Gesetz vorgesehen) auf 75 000 Mart. bzw. von 200 000 Mark auf 150 000 Mart senken. Bei Artikel 25 wurde dafür gesprochen, jede Art von genossenschaftlichen Filialen von der Filial- steuer zu befreien. Rachdem noch die erste Lesung de« Gesetzentwurfes über Die Abänderung zum Kreis- und Provinzialumlagengesetzes beendet war, wurde die Sitzung aus nächsten Mittwoch vertagt. Die erste Lesung sämtlicher Eteuergesetz-

«nfang Mär, werden wir unter dem Titel:

Zweites Vaterland mit der Veröffentlichung einer Skizzenfolge beginnen, in der Albert H. tausch

der Derfaster derSüdlichen Reise", die Ergebnisse feines letzten Ztalienaufenthalis niedergelegi hat.

und der Sparsamkeit, der guten Laune und der Prvvinzialhauptstadt, die von der Kapelle Weller begleitet wurden, ein spielsreudigeS Ensemble und geschickte Tanzarrangements der Ballettmeisterin Lina OlDlni: der allerliebste Kinderreigen verdient besonders hervorgehoben zu werden. Dagegen haperte eS ziemlich mit dem sächsischen Dialekt: auch llappten verschiedene Einsätze nicht. Die Zwischenaktsmusik würde vor­teilhafter so angeorDnet, daß sie jeweils mit dem Ausgehen des Vorhangs abs<Äießt.

Fast da- ganze Personal war auf den Beinen, wir können nur die mit hingebender Vielseitigkeit sprechenden, singenden, tanzenden Hauptbeteiligten nennen: Goll (Rörgelmeier,, Jüngling (Klottlde), Scherer und Krah- mer (die Girls), Dolck (Bliemchen), Hanke (Schiffsoffizier). Lenau (Flieger). Sifig (Spartommissar). Schubert (Empfangschef), Oinfmann (Echuldicner), Gehre (Feuerwehr­hauptmann) und Stichel (Dienstmann 111; spricht drei Sprachen: deutsch, oberhessisch. Gie­ßener Platt).

Der Besuch war sehr gut, der Beifall, be­sonders nach dem dritten und letzten Bild, stür­misch. Der Autor durfte sich mit seinen Helfern mehrfach zeigen. ES gab Kränze und Blumen über und über. Dr. Th.

Alte Kunst am Mittelrhein.

Während der Sommermonate Dieses 3ahreS wirD in Den beiden Obergeschoßen (Galerie und Kupferstichkabinett) DeS Darmstädter San« desmuseums eine Ausstellung alter mittelrheinischer Kunstwerke statt- finDen. Das Reich, der Dollsstaat Hessen und Die Stadt Darmstadt haben das Unternehmen reichlich mit Mitteln ausgestattet, die kirchlichen Oberbehörden, Prioatsammler und eine Reihe deutscher und ausländischer Museen und Biblio­theken haben ihre Unterstützung und Mitwirkung zugefagt, so dah damtt gerechnet werden darf, dah außer den noch im Lande befindlichen

Schätzen, welche in Kirchen, Dommuseen, in den Museen von Mainz, Worms, Frankfurt. Darm­stadt usw. verwahrt sind, auch viele Kunstwerke, welche längst den heimatlichen Boden unb den Ort ihrer Bestimmung und ihrer Entstehung verlassen haben, noch einmal wenigstens vorüber­gehend auf ihm erscheinen werden. Der künst­lerische und kunstgeschichtliche Begriff desMittel­rheins" bedingt es, daß die Ausstellung sich nicht auf die Grenzen des heutigen Dolksstaats Hessen mit den alten Kulturmitten Mainz unD Worms beschränkt (Die zentral gelegene ehemalige Freie ReichsstaDt Frankfurt z. B. ist von hoher Wich­tigkeit). Das Gebiet greift vielmehr im SüDen bis über Den Reckar hinaus, erstreckt sich nach RorDen bis zur Mosel unD Lahn. Sitze Der hohen Geistlichkeit wie Speyer, Limburg unD Trier ge­hören noch Dazu. AnDererseits kann, was Die Zeitgrenze angehl, eine mittelrheinische Ausstel­lung ohne Sprengung Der Kullureinheit unD der Kulturreinheit nicht über das Ende des Mittel­alters ausgedehnt werden: die Ausstellung wird sich also auf die Kunftwcrte der romanischen und gotischen Epoche beschränken. Bei der Bedeutung, welche die jüdischen Gemeinden Speyer, Worms, Oppenheim und Mainz schon in frühen 3ahr- hunderten besessen haben, lag es nahe, auch eine jüdische Abtellung der Ausstellung anxu- gliebem.

2lls Gegenstück zu dieser Rückschau auf alt« Kunst wird zur gleichen Zeit im Sommer dieses Jahres eine Ausstellung moderner Kun st auf Der MathilDenhöhe stattsindcm, in Der eine Schau auf Die Gegenwart unD Zukunft unferer heute lebenden Künstler geboten wird. 3hr Programm besteht in einer Rebeneinander- stellung dreier Gruppen: Kollek:iv-A. sstellungen Der beiden bedeutungsvollsten Künstlergruppen Deutschlands: der Berliner Sezession und der Münchener Reuen Sezession, der sich eine kleinere Aruvbe hessischer Künstler anglie&ert. Auch Diese Ausstellung hat Die freigebige Unterstützung von Staat unD StaDt gefunDen. Ihre Vorbereitung ist in vollem Gange.