Einzelbild herunterladen

Aufenthaltsgenehmigung, bte heute abläuft, nicht erhalten unb muh daher beule das polnische Sebiel verlassen. Allerdings wird bieser JaU oor dem gemischten Schiedsgericht in Oberschlesien iachgeprüst werden müssen, da Skwara i m Abstimmungsgebiet geboren ist und sich ;ur Zeit der Ueberganges der Staatshoheit an Polen nur zu Studienzwecken in Breslau ausgehal- !en hat.

Gegen die Ariegsschuldlüge.

Reichspräsident, Kanzler undAußenminister

Berlin, 26. Febr. (Wolff.) 3n einer Schrift im Dienste der Wahrheit, die der Arbeits­ausschuß deutscher Verbände zum Abschluß der A k t e n p u b li ka 1 i o n des Auswär­tigen Amtes demnächst herausgibt, befinden sich folgende Aeuherungen der Reichsleitung über die Bedeutung des abgeschlossenen Werkes:

Reichspräsident v. Hindenburg: Wir haben die politischen GehÄmakten unserer Vergangenheit enthüllt, um der Wahrheit über die Entstehung des Weltkrieges zum Siege zu verhelfen. Unsere Aktenpublikation ist ein offenes Bekenntnis an die Welt. Wir erwarten heute eine ebenso offene Ant­wort der Welt auf dieses Bekenntnis.

Reichskanzler Dr. Marx: Der hohe Ge­danke der Völkerversöhnung kann auf geistigem Gebiet« durch nichts so stark und nachhällig ge­fördert werden, als durch unbedingte Auf­richtigkeit über jene Vergangenheit, die Eu­ropa in zwei feindliche Lager zerrissen hat. Wir lind durch unsere Aktenpublikation auf dem Wege zur geistigen Annäherung der Rationen v o r - angegangen.

Reichsauhenminister. Dr. Stresemann: Wie ich schon erklärt habe, sind wir Deutschen bereit, uns jedem unparteiischen Ge­richtshof zu stellen, der die Ursachen des Weltkrieges untersucht. Die Aktenpublilation des Auswärtigen Anttes enthält das deutsche Material für einen solchen Gerichtshof. Jeder, der sich in chren Inhalt vertieft, wird die Ueber- zeugung gewinnen, daß Deutschland keineswegs den Krieg böswillig betrieben oder absichtlich entfesselt hat.

Die Anstifter des Weltkrieges. Der amerikanische Lenator vwen über die Kriegsschuldfrage.

Washington, 26. Febr. (WB.) Die Zei­tungenWashington Herald" undWashington Star" sowie eine Reihe anderer hier erscheinender Blätter veröffentlichen unter der Ueberschrift Frankreich und Rußland haben den Weltkrieg begonnen" ein Interview mit dem früheren Sena­tor Owen. Cs heißt da: Die Grundlage äu dem Kriege bildete der französisch-russische Deheimvertrag vom Jahre 1 89 2 und eine auf Grund dieses Vertrages Rußland ge­währte Anleihe in Höhe von 7 Milliarden Dollar. Eine Woche vor der russischen Mobili­sierung hielten sich Poincare und Diviani in Petersburg auf und gaben dort erneut die Ver­sicherung ab, daß Frankreich Rußland bei einem Kriege mit Deutschland unterstützen würde. Diviani war nur ein Schatten unb Poincar^ mächtiger als der Zar, aber eine Puppe in der Hand Iswolskis. Das Schwarzbuch enthalt schließlich den Telegramm­wechsel zwischen Iswolski und Petersburg. Durch ihn wird klar erwiesen, daß die leitenden Män­ner in Rußland diesen Krieg geplant und seit 20 Jahren vorbereitet hatten. Owen ging Öann in dem Interview auf die Kriegsschuldenfroge ein und erklärte dazu: Die französische Propaganda tritt für eine Strei­chung der Schulden ein. Diejenigen also, welche gewaltige französische Rüstungen fordern, wol­len die französischen Schulden an die Vereinigten Staaten nicht bezahlen.

Des Reiches Dank an General von Pawelsz.

Berlin, 26. Febr. (Wolff.) Amtlich. Rach Auflösung der Interalliierten Kontroll­kommission und der für den Verkehr mit dieser Kommission besonders eingerichteten Organisa­tionen des Reichswehrministeriums, ist auch die Tätigkeit des Reichskommissars und Vertreters der deutschen Reichsregierung gegen­über der Interalliierten Militärkon- trollkommifsion beendet. Der Herr Reichs­kanzler hat daher Herrn Generalleutnant v. Pawelß von seiner Tätigkeit als Reichs- kommtssar entbunden und die ihm beige­gebene Ministerialkommission aufgelöst. Der Herr Reichskanzler hat Herrn Generalleutnant v. Pawelß feinen und der Reichsregierung wärm­sten Dank für die von ihm in den vergangenen 21 h Jahren geleistete Arbeit, die für Deutsch­land von allergrößtem Wert war, aus­gesprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Reichsregierung dre Arbeitskraft und Sachkenntnis des Herrn Generalleutnants v. Pa- welß noch weiter zur Verfügung stehen möchte.

Das deutscheEigentuminSüdlirol

Paris, 26. Febr. (WB.) Das Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß über die Zugeständ­nisse an deutsche Staatsbürger, die Eigentum in den neuen Provinzen (Tirol) be­sitzen. Mobilarstücke können danach den Besitzern gegen Rückerstattung der Instandhaltungökosten und anderer Besitz gegen Zahlung von 20 Pro­zent des Wertes zurückgegeben werden. Immobilien nebst dem dazu gehörigen Besitz können den früheren Eigentümern, die beson­dere Derdtenste haben oder die ita­lienische Staatsangehörigkeit erwor­ben haben, gegen eine Zahlung von nicht unter 20 Prozent zurückerstattet werden. Frühere Eigen­tümer verkaufter Güter sowie diejenigen, deren Eigentum nicht zurückgegeben wird, ton­nen bis zu 85 Prozent des Nettoverkaufspreises oder des geschätzten Wertes erhalten.

Der Wehretal vom Haushalts- ausschutz verabschiedet.

Berlin, 26. Febr. (Lil.) Der Haushalts- ausschuß des Reichstages führte heute die Be­ratung des MarineetatS zu Ende. Rach den Anträgen der Regierungsparteien wurden von den Summen der Schisfsbauten und Schiffs­armierungen insgesamt 2 345 000 Mark gestri­chen. Weitere Streichung-anträge wurden einem ^Inleraussckuß überwiesen. 3m übrigen wurden die Ausgaben für die Morine genehmigt. Bei

der Beratung des Restes des WehretatS nahm der Ausschuß entsprechend den Anträgen des Unterausschusses Streichungen im Reichs­wehretal in Höhe von 4 428 000 Mark vor. Dar­auf wurde der Etat des Reichswehrministeriums verabschiedet.

Das Arbeitszeitnotgesetz.

Berlin, 27. Febr. (Wolff.) Durch das neue Arbeitszeitnotgesetz, das dem Reichsrat zur Beschlußfassung zugegangen ist, wird in den wichtigsten Punkten die Verordnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923 danach wie folgt geändert:

Der § 6 erhält folgenden Absatz 3:War die Arbeitszeit tarifvertraglich geregelt, und ist der Tarifvertrag fett nicht mehr als drei Mo­naten abgelaufen, so dürfen die im Absatz 1 bezeichneten Behörden nur Arbeitszeiten zulassen, die nach dem Tarifvertrag zu­lässig gewesen waren.

Der § 6 erhält folgenden Absatz 4: ..Wird die Mehrarbeit nach Absatz 1 aus all- gerneinwirtschaftlichen Gründen zugelassen, so hat die zulassende Behörde sie davon abhängig zu machen, daß den Arbeitern über den Lohn für die regelmäßige Arbeitszeit hinaus ein an­gemessener Zuschlag gezahlt wird. Als angentessen gilt mangels einer abweichenden Ver­einbarung ein Zuschlag von 25 v. H. Kommt über die Berechnung des Zu Üilages keine Einigung unter den Beteiligten zustande, so entscheidet dar­über die zulassende Behörde endgültig.

Der § 9 Absatz 1 erhält folgenden Wort­laut:Die Arbeitszeit darf bei Anwendung der in de.r § 3 bis 7 bezeichneten Ausnahmen zehn Stunden täglich nicht überschreiten. Eine Lleberschreitung dieser Grenze ist nur in Ausnahmefällen aus dringenden Gründen des Gemeinwohls mit bef risteter Genehmi­gung 6er im § 6 Abs. 1 bezeichneten Behörde zulässig.

In der Begründung wird ausgeführt, daß die starre Durchführung des Achtstundentages der deutschen Wirtschaft Lasten auferlegen würde, die sie heute nicht zu tragen verklag. Eine Rot­regelung und um sie allein könne es sich hier handeln dürfe nicht' das geltende Arbeitsrecht völlig umstürzen und die endgültige Regelung vorwegnchmen, die das bereits dem Reichsrat vorliegende Arbeitsschutzgesetz brin­gen soll. Sie müsse sich vielmehr auf die dringlichsten Abänderungen der Arbeits- zeitverordwrng beschränken, besonders auf die Beseitigung derjenigen Dorschristen, die unter den heutigen veränderten Verhältnissen nicht mehr berechtigt oder erforderlich erscheinen.

Sozialfragen imReichstag

Berlin, 26. Febr. (VDZ.) 3m Reichstag wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsmini st eriums fortgesetzt.

Abg. Decker-Arnsberg (Z.) erklärt, als Hauptaufgabe der Wirtschaftspolitik sei die Stärkung des Binnenmarktes zu be­trachten. Leider seien trotz AbboueS und Ratio­nalisierung die Preise noch nicht gesunken, die Löhne noch nicht gestiegen. Die Begleiterschei­nungen der Rationalisierung, z. B. die Ar- beitslsigkeit, müsse der Minister weiter energisch bekämpfen. Der Redner erhebt die Forderung nach einem umfassenden langfristigen B a u Pro­gramm. Solange ohne öffentliche Mittel nicht gebaut werden kann, seien Hauszins steuer und Zwangswirtschaft nicht zu entbehren. Die heuttge Spanne zwischen Altbaumieten und Reubau mie­ten sei zu groß. Aber mit der Mietserhöhung müsse eine Lohnerhöhung Hand in Hand gehen. (Zuruf links: Rein, vorausgehen!) Wolle man die Arbeitslosigkeit mildern, so müsse man das Lieberstundenunwesen beseitigen. Sonntagsarbeit müsse in ganz engen Grenzen gehalten werden. Kernproblem der Sozialpolttik sei Entprole- tarisierung der Massen durch Eigen­heime und Gewinnbeteiligung ohne Beschränkung der Freizügigkeit.

Abg. Thiel (D. Dp.) wirft dann die Frage auf, ob man nicht die Schulzeit um ein Jahr verlängern sollte, um die Zahl der jugendlichen Erwerbslosen zu vermindern. Der Redner weist dann auf den englischen Kohlenstreik hin, der vielleicht hätte abgefürjt werden können, wenn es in England ein Schlichtungswesen gäbe. Auch tn Deutsch­land könne man das Schlichtungswesen nicht aus der Hand des Staates nehmen, so wünschens­wert auch auf diesem Gebiete die Selbstverwal­tung sein würde. Zur Besserstellung der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen müsse jetzt endlich ein energischer Schritt getan werden. Das Reichsehrenmal solle man so fördern, daß es $um 80. Geburtstag des Feldmarschalls v. Hindenburg fertig sei. Derreaktionäre Besitzbürgerblock' wird den Arbeitern angenehme Enttäuschungen bereiten. (Ra! Ra? bei den Sozialdemokraten.) Die So­zialdemokratie hat die Arbeiter aufgerüttelt. Das ist ihr Verdienst um die Arbeitnehmerschaft, aber sie hat gleichzeitig das nationale und religiöse Gefühl ertötet. Wir stehen vor einer neuen Epoche der Sozialpolitik. Wir können sie nur meistem mit christlicher Weltanschauung. Wir werden die Beteiligung des Arbeiters am Be­triebe prüfen.

Abg. Rädel (Komm.) erttärt: Die Selbst- beweihräucherung der Sozialdemokratte machen wir nicht mit; sie ist uns zu ekelhaft. Ihre eigene schwächliche Haltung hat übrigens zu den heu­tigen trostlosen sozialen Verhältnissen geführt. Wir verfangen, daß schon in dem vorliegenden Etat die Voraussetzungen einer Erhöhung der Arbeitslosenunterstützungssähe geschaffen werden. Wir fordern bei der Arbeitszeitregelung den Achtstundentag. Wir verlangen Erhöhung der Sozialrenten. Die Mietsteigerungen werden wir aufs äußerste bekämpfen.

Weiterberatung am Mittwoch, den 9. März.

Studentenschaft und Kultusminister.

Von 24 studentischen Korporationsverbänden des Erlanger Abkommens, die zusammen über 40 000 Studenten vertreten, wurde eine Entschlie­ßung angenommen, in der die Entschließung vom 13. Februar 1927 zur Derfassungsfrage der Deutschen Studentenschast vollinhaltlich a uf­recht er h a l t e n und die Ausgabe der leitenden Grundsätze der Deutschen Studentenschaft, die in der Erklärung der Vertreter der preußischen Cin- zelstudentenschaflen zum Ausdruck gekommen fei, aufs schärfste ab gelernt wird. Die unter­zeichneten Verbände fordern ihre Mitglieder auf,

jedem Versuch, den jetzigen großdeutfchen Aufbau der Deutschen Studentenschaft zu zer­schlagen, mit allen Kräften entgegenzutreten.

Kleine politische Nachrichten.

Beim Berliner Frühjahrsreitturnier in der Autohalle am Kaiserdamm erschien der Reichs­präsident von Hindenburg in Feld- marschallsuniform in Begleitung des Landwirt­schaftsministers Dr. Steiger. deS Reichswehr- mimsters Dr. Gehler, des Generals Heye und des Ehefs der Kavallerieinspettion Oeneral- [eutnant v. Kayser, und wurde stürmisch be­grüßt. In flotter Weise wurde das Programm abgewickelt. Im Ramen des Reichsverbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts be­grüßte Herr von Zihewitz den Reichspräsidenten. Er schloß mit einem Hoch auf den Reichspräsi­denten, in das die Menge begeistert einstimmte.

Die Besserung im Befinden des Reichstags- präfidenten Lobe macht gute Fortschritte. Die Temperatur ist fast normal. Der Herzbefund ist ,zufriedenstellend. Das Allgemeinbefinden ist ebenfalls gut. Falls keine außergewöhnlichen Kom­plikationen eintreten, ist mit einem guten Krank­heitsverlauf zu rechnen.

*

Der deutsche Botschafter in Rom. Freiherr von Reurath, gab zu Ehren des Königs von S ch we den ein Essen, an dem außer den Herren des Gefolges des Königs der deutsche Botschafter beim Vatikan, der bayerische Ge­sandte und die Herren der deutschen Botschaft, teünamen.

«

Der ehemalige deutsche Flottenchef Admiral Behnke wurde am Samstag vom Präsi­denten Coolidge in besonderer Audienz empfangen.

Im Preußischen Landtag wurde die zweite Lesung des Landwirtschaftshaushalts beendet. Eine erregte Debatte entspann sich dann über den Beschluß des GeschaftsordnungSausschusses, dem Antrag des Iustizministers auf Strafver­folgung des kommunistischen Abgeordneten Lademann stattzugeben, weil es sich umSe­iet 6 l g u n g des Reichspräsidenten v. Hindenburg handle. Die Abstimmung über den Antrag soll erst am 17. März stattfinden.

5m Provinzialausschuß für Hessen-Nassau wurde der bisherige Berliner Polizei Vizepräsident Dr. Friedensburg zum Regierungspräsidenten in Kassel mit 9:5 Stimmen gewählt.

Aus aller Welt.

Eine medizinische Radio-Filmvorführung.

Im Berliner Kaiserin-Frieürichhaus für ärzt­liches Fortbildungswesen wurde eine Verknüpfung von Radio- und Filmvortrag vorgeführt. Im Boxhaus fanden wissenschaftliche Radiovorträge statt von Prof. Adam und Geheimrat Friedrich Kraus von der Charit6, die beide zur Erläu­terung eines Filmes dienten, der gleich­zeitig in dem großen Hörsaal des Kaiserin- Friedrichhaufes lief. Das Reuartige hierbei ist, daß es infolge einer Erfindung des Professors Dr. Schröder von den Telefunkenwerken ge­lungen ist, synchron-laufende Motore für die Filmprojektionsapparate ztu montieren Die Vorführung klappte ausgezeichnet. Zeitlich stimmten Radiovortrag und Filmvorführung völlig überein Es wurden interessante Opera­tionen, biologische Versuche, Krankenpflege und der Schlag des Herzens, teilweise im Zeitlupen­verfahren, demonstriert.

Mtterungsumschlag im Schwarzwald.

Die mildere Witterung, verbunden mit teil­weise recht erheblichen Regenfällen, bewirfte ein starkes Anschwellen der Wasser­läufe des südlichen Schwarzwaldes. Bis über 1000 Meter Höhe ist eine langsame Schnee­schmelze eingetreten. Der Abfluß der ver­mehrten Wassermassen vollzieht sich normal, so daß zur Zeit eine Hochwassergefahr nicht zu befürchten ist.

Mit dem Auto in den Rhein.

In Mannheim fuhr die Frau des Taxa­meterunternehmers Heinrich Ritter der ein­zige weibliche Chauffeur in Mannheim, als sie bei der Friesenheimer Insel Schiffer abholen wollte, mit dem Auto vor den Augen der ent­setzten Fahrgäste über die Böschung in den Rhein. Die herbeigerufene Feuerwehr brachte das Auto mit der Leiche wieder an Land. Die Vierradbremse des Autos war bei der Bergung des Wagens angezogen, so daß es unerklärlich ist, daß das Auto nickt vor der Böschung zum Stehen kam. Die Leiche der Frau war im Führer st and eingeklemmt und konnte nur mit großer Mühe befreit werden. Ob Ertrinken oder ein Schlag die Ursache des Todes ist, muß die Sektion ergeben.

Wirbelsturm und Lawinenunglück in Frankreich.

Im Verlaufe eines furchtbaren Gewitters ging über die Touraine, besonders über die Stadt Tours, ein Wirbelsturm hinweg. Die Gewalt des Sturmes war so stark, daß viele Gebäude umgeriffen wurden. In manchen Ortschaften wurden Dächer abgehoben und hun­derte von Metern weit weggeschleudert. In der Rähe von Chambery (südl. Genf) wurde eine Abteilung französischer Alpenjäger von einer Lawine begraben. Drei Soldaten wurden von den Schneemassen mitgerissen.

Aufgeklärte Raubmorde.

Dor mehreren Jahren wurden in kurzer Folge in dem Hamm benachbarten L i p p b e r g und in Heintrop drei schwere Raubmorde verübt. Ermordet wurden die Ehefrau deS Land­wirts Gesemeier aus Heintrop sowie ein Landwirt Bellenberg und dessen Tochter. Der Kriminalpolizei ist es nunmehr gelungen, die Raubmörder se st zunehmen, nämlich einen Händler und dessen Schwiegersohn aus Hamm. Bei dem Händler fand man noch einen Revolver, der dem ermordeten Landwirt gehörte

BZctLcrttoraussagc.

Fortdauer des wolkigen, zeitweise bedeckten mil­den Wetters mit Niederschlägen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 11 Gr. Celsius, Minimum: 5,2 Grad Celsius. Niederschläge: 4,1 Millimeter. Heutige Morgentemperotrir: 4,8 Gr. Celsius.

Aus der Prooinzialhauptftadt.

Gießen, den 28. Februar 1927.

Der Polizeihund.

Von Georg KlöS. Gießen.

Einige Kapitalverbrechen der letzten Zett haben die Aufmerksamkeit wieder flarf auf di« Hilfe des Polizeihundes bei der Durch­führung der polizeilichen Ermittelun­gen gelenkt. Wenn auch die Wirksamkett eines Hundes bei bet Aufdeckung von Verbrechens- spuren manchmal angezweifelt wird, so kann ich aus eigener Erfahrung doch sagen, daß mit den Hunden sehr wohl gute Erfolge erzielt werden können, wenn öie_ unbedingt erforderlichen Vor­aussetzungen erfüllt werden Hierüber einige Winke.

Am Tatort müssen vor allem alle Gegen­stände in unveränderter Lage erhalten bleiben. Spuren, Fußabtritte usw. dürfen nicht weilet be­treten werden. Die Gegenstände, die am Tatort gefunden werden, können eventuell Wittcrungs- träger fein, an denen dem Hunde Witterung gegeben werden kann. Fuß- unb Händeeindrücke können, wenn nur die größte Vorsicht geübt wird, mit leeren Kisten ober Glasscheiben bc- beckt werben. Diese Gegenstände müssen voll­ständig geruchlos fein. Andere Sachen, wie Klei­der. überhaupt sämtliche Weichgegenstände. dürfen nicht zum Zudecken verwendet werden.

Die Behörden, zu deren Dienstbereich der Ort des Ereignisses gehört, sind sofort in Kennt­nis zu setzen, bzw. hat der 'Beamte sofort seinen Vorgesetzten den Vorfall zu unterbreiten. Dann wird entschieden werden, ob die Hinzuziehung eines Hundes zweckdienlich ist. Strengstes ötiU- schweigen der Öffentlichkeit gegenüber wird drin­gend empfohlen. Personen, die nach der Tal den Ort betreten ober Gegenstände berührt haben» müssen notiert werden, damit bei dem Witte­rungsgeben alle Möglichkeiten in Betracht ge­zogen werden können. Je schneller bet Führer mit dem Hunbe am Tatort ist, je mehr Aussicht auf Erfolg besteht.

Als gebrauchsfähige Hunde kommen bei der­artigen Arbeiten nur die besten Rasentiere in Betracht, ebenso muß ber Führer des Hundes so geschult fein, bah es ihm möglich ist, sofort ein Bild der Sachlage zu gewinnen. Er muh wissen, wie et feinen Hund anzusehen und die Arbeit des Tieres zu bewerten hat. Ser Führer muß lange, sehr lange mit seinem Hunde fleißig unb ernstlich geübt haben, beide müssen fozu- fagen miteinander verwachsen sein.

Vortrags-Vereinigung.

Rciseeindrücke in England

Die Dottrags-Deteinigung hatte in ihr bies- winterliches Programm nock eine sechste Ver­anstaltung eingelegt; am Freitagabend hielt Ober- ftubienrat Seiler, Gießen, in ber Reuen Aula einen Vortrag mit Lichtbildern über seine Reise­ei ndrücke in England.

Der Vortragende hatte im vorigen Sommer an einer Austauschteise deutscher Volksbildungs- veteine teilgenvmmen, sich längere Zeit an einer deutsch-englischen Sommetschule ausgehalten unb anschließend noch längere Studienreisen in daS Land unternommen.

Ausgehend von den deutsch-englischen Be­ziehungen vor Ausbruch des großen Kriege-, besprach er zunächst eine Reihe allgemein miet» es fierender Fragen. Was die Ausnahme der Deutschen jenseits des Kanals angeht, so hat der Vortragende überall freundliches Entgegen­kommen gesunden. Der Engländer beurteilt, so wurde ausgesührt, die Zukunft unseres Dolles sogar mit einem gewissen wohlwollenden Opti­mismus, warnt dagegen gemeinhin, allerdings wohl nicht ohne einigen Egoismus, vor Frank­reich.

Andererseits ist die ftihrende englische Presse noch keineswegs als deutschfreundlich anzusprc- chen, und läßt es bei bet Beurteilung deutscher Verhältnisse ost an der nötigen Objektivität fehlen. Auch Fäll« von ausgesprochen deutsch- seindlichen Hetzereien sind immer noch festzu­stellen.

Im Wirtschaftsleben des Landes sind die Rachwirkungen des Krieges ebenfalls noch fühl­bar. Die verschiedenen direkten unb indirekten Steuern sind ziemlich hinaufgetrieben worden; immerhin ist im Durchschnitt und vergleichsweise die englische Lebenshaltung großzügiger als bei uns. Auch von einer verbreiteren Wohnungsnot in England muß gesprochen werden, und die Arbeitslosenstatistik weist (und weS, besonders zur Zeit des großen Streiks) sehr bedenkliche Ziffern auf.

Eingehender beschäftigte sich der Vortragende mit den innerpotttifchen Verhältnissen Englands, mit der Stätte, dem Wechsclverhältnis unb ben Wählerkreisen ber maßgebenden Parteien, ber konservativen, der liberalen und ber sogenannten Labour party, die sich auS mehreren Partei­gruppen zusammensetzt.

Des ferneren wurden die religiösen und kirchlichen Verhältnisse kurz gestreift, das Seklen- wesen, die Quäkervereinigung, die ja auch in Deutschland während des Krieges und nachher viel Gutes gewirkt hat. Don hoher sozialer Be­deutung ist die Tätigkeit der Heilsarmee, die im öffentlichen Leben eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt.

Das allgemeine moralische Riveau der Be­völkerung hat sich feit dem Kriege ziemlich ge­hoben, Jugendbewegung unb Sport haben man­ches zur Besserung beigetragen. Interessante Bemerkungen wurden zur Alkoholfrage unb zu den Eheverhältnissen mitgcteilt. Hier sind zwei Gesetze beachtlich, wonach einerseits an Jugend­liche unter 15 Jahren kein Alkohol verabreicht werden darf, andererseits der Ehebruch des Mannes fein Grund zur Ehescheidung ist, wohl aber die Untreue ber Frau.

DaS englische Schulwesen betont, wie bet Vortragende darlegte, in erster Linie die Er­ziehung zum praktlschen Staatsbürger, zum gentleman, unb die körperliche Ausbildung auf Kosten umfassender geistig-wissenschaftlicher Er­ziehung. Theater unb Musikleben lassen eine gewisse Abhängigkeit von Deutschland deutlich erkennen und bieten, wie Beispiele zeigten, nicht immer die besten Eindrücke.

Viel Wert legt man drüben auf die Be­handlung bet Armee, deren inneres Riveau sich bebeutenb gehoben hat. Ausbildung unb Auswahl des Nachwuchses sind sorgfältig, bi« Besoldung bemerkenswert hoch.

Diesen, in großen Zügen toiebergegebenert Darlegungen schloß sich im zweiten Teil des Abends die Vorführung einer größeren Reche von Lichtbildern an. mit denen bet Redner ben