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Btwtf imb Verlag: Vrühl'fchc UniverfNL1r-V»ch. leö Stetebraderet B. Lange ti Gießen. Sdfrtftlefamg und Gefchästrßtelle: Zchullttaße 7.

Das Echo der Briandrede

ohne

Bedeutung wäre. Man könne höchstens

Rußlands Antwort

Außenministers Driand an

wenn der

bunbSrateS. Ts frage sich aber, ob cS richtig sei, bah Driand bicfc Erklärungen abgegeben habe. Rach den deutschen Pressekommentaren zu urteilen, müsse man dieS verneinen. Driand irre.

Ainahme osn Injeigcn für die lageenummer bi» ZUM Nachmittag vorher.

Preis mr 1 ®m hhhe für Anzeigen do.i 27 .nm Brette örtlich 8, auswart» 10 Reichspfennig. für Re» Uameanzeigen von 70 >. m Breit, 35 Reichspfenmg, Platzoorfchritt 20' mehr.

Chefredadteui Dr Fnedr Wild Lange. DerantwoNlich für PoluiK Dr. Fr Wilh Gange, für Feuilleton Dr f> Thyriot; für den übrigen Ittl Ernst Dlumschein: für den An- zeigente»! ».Derir H Deckt, lämtlid) in Diehen

er meine, bah

Berliner Zusahoertraa zwischen Strese- mann und Tschitscherin

sagen, daß die deutsche Regierung gegenwärtig sich mehr mit dem Westen als mit dem Osten befasse. Unter dem Einfluß Englands und des Heiligen Stuhle- wolle das Kabinett Marx seine bösen Absichten gegen Polen nicht Weiler ent­wickeln. 3m übrigen habe sich Marx beeilt, zu betonen. daß der Verzicht Deutschlands auf Elsah-Lothringen kein endgültiger sei. -- Auch daS Organ der Patriotenliga, das .Scho de Paris", bekämpft die Ansicht DriandS. daß sichBerlin von Moskau getrennt habe. Das Ver­halten der deutschen Militärs in der Frage der Anlagen bei Königsberg beweise deutlich, daß zwischen Berlin und Moskau gehetmeMili- tärverträge bestünden. Auch habe Deutsch­land weder im Osten noch tm Westen auf Re­vanche verzichtet. Das Dlatt fragt sodann, ob Driand glaube, bei der Zusammenkunft mit Stresemann in Genf nicht mehr die Frage der vorzeitigen Räumung weiter auf­schieben zu können, so dah er es für notwendig befunden habe, ein Plädoyer für seine Politik vorauszuschicken. Der nationalistische ,3n« transigeant" schreibt: Der 3rrtum einer

Pari-, 27. Febr. (TU.) Der deutsche Bot- schafter von Hoesch hatte bereits seit vielen Wixhen die Absicht, eine kurze Erholungszeit an der Riviera zu verbringen, wohin er sich im Anschluß an seinen Wiener Besuch bei seinen Verwandten begeben wollte. Durch die Anwesen­heit Dr. ©Iresemanns in ©an Remo hat der Besuch deS deutschen Botschafters eine besondere Bedeutung erhalten, die anfänglich nicht vor­gesehen war. Die bevorstehenden Genfer Völker- bundsverhandlungen hat eine Zusammenkunft her beiden Staatsmänner wünschenswert erscheinen lassen, vor allem weil heute mit Bestimmtheit nnt der Teilnahme des französischen Außenministers Briand an den Gen­fer Besprechungen gerechnet werden kann. Briand. der noch in den letzten Tagen schwankend war, ob er nach Genf zur Ratstagung reisen sollte, hat sich hierzu entschlossen, nachdem die Teilnahme Dr. Stresemanns und Cyamberlains festftand. Die Erllärungen Briands sind daher im wesentlichen als ein Auf­takt für die Genfer Verhandlungen aufzufassen. Man wird dem französischen Außenminister nach- fuhlen Wimen, daß er bei der ablehnenden Hal­tung eines großen Teiles der französischen Presse ferner Außenpolitik gegenüber das Bedürfnis hatte, sich vor Genf über diejenigen Probleme auszusprechen, die während der Genfer Rats­tagung hinter den Kulissen verhandelt werden tourten. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt auch die Zusammenkunft zwischen Dr. Stresemann und Herrn von Hoesch eine besondere Bedeutung, da Herr von Hoesch besser als jeder andere in der tage ist, den deutschen Außenminister über die Absichten der französischen Regierung auf- zuklaren.

9a$präfiöium der Saarregierung

Par i s . 26. Febr. (Havas.) Der zurücktre- teru>e Vorsitzende der Regierungslomniitsion des ©aargebietes, Stephens, hat erklärt, daß alle politischen Gründe, auf die verschiedene Lei­tungen hingewiesen hätten, nicht der Wirklich­keit entsprächen, sondern daß seine Einschließung nur von dem Bedürfnis diktiert fei. fiep nach drei 3ahren intensiver Tätigkeit auszuruhen, und dem recht verständlichen Wunsche, seine Heimat wiederzusehen , die er im Jahre 1923 verlassen habe. Die .Saarbrücker Leitung" berichtet, daß das saarländische Mitglied der Regierungskommission. Coßmann. aus wohl erwogenen Gründen eine Kandidatur für den Prasidentenposten ablehne und bemerkte dann weiter:Wir lassen keinen Zweifel darüber dah b" beste Lösung der Präsidentenfrage mClS.Sn öc? Herrn Stephens Wten Sollte dieser aber auf die Dauer dem Wunsche nicht willfahren können so liehe sich welleicht durch Aufschub seines Rück­trittes die Zeit gewinnen, die notwendig wäre, Ee^uen hervorragenden Rachfolger von auf?er» y.alb herbmzuhclen, und ihm mit den Aufgaben einigermaßen vertraut zu machen."

Neue Deutschenausweisung.

28. Jebr. (MTV.) In Caura- 9 ulte ist eine neue Ausweisung eines Aschen Industriebeamken aas vstoverfchlesien erfolgt. Der Ingenieur Sfroata von oer Laurahütte hat eine Verlängerung seiner

gewissen Zahl französischer Politiker liegt nicht Darin, an den Frieden zu glauben daS will ein jeder und wir alle sind beteil, ihm groß« Opfer zu bringen, sie täuschen sich aber, wenn sie glauben, dah die Deutschen ebenso aufrichtig find, wie die Franzosen sich dazu anschicken

Dicke germanische Volk, für das die Lüge durchaus natürlich ist, bedient sich heule des Friedens wie einst der Gewalt und der Drohung. Ls Hal gezeigt, dah ihm die Ver­sicherungen und Versprechungen nichts kosten, da es ja die Ansicht vertritt, daß es d u r ch f I e nicht engagiert werde.

Deutschland hat sich immer bereit gesunden, daS eine zu sagen und das a> u tun. Wenn heute seine zu zwei Drittel Nationalistisä-e Regierung bereit ist, mit den Lippen gewisse republikanische Grundsätze anzucrlennen. so ist da- nur eine Formalität: indessen verzichtet Deutschland doch nicht auf seine verborgenen Hintergedanken und seine in erster Linie gegen Polen gerichteten Pläne bleiben eine Drohung. Das Blatt Laillaux', die .Vo­lon 16". weist daraus hin. daß alle deutschen Parteien ohne Unterschied mit Aufrichtig­keit den Willen des deutschen VoikeS betonen, der Locarnopolitik treuzubleiben. Hötz'ch und Brellscheid hätten betont, daß die deutsch- sranzösische Entente die Grundlage für ein neues Europa bilden müsse. - Die _Gre Aouvelle'. das Dlatt der Liga für Menschenrechte, weist daraus hin. daß Frankreich zur Zeit der Mittelpunkt eines mächtigen Bünd­nissystems sei. Die früheren Feinde Frank­reichs hätten den Wunsch geäußert, mit Frank­reich zusammenzugehen. Briand und seinen Vor­gängern Herriot unZ> PainlevH müsse man danken, daß sie daS Gespenst deS Krieges ver­scheucht hätten.

Botschafter von Hoesch bei Stresemann.

ES ist nicht allzu häuftg. bah stch der fran­zösische Außenminister Briand an die Oeffent- lichkeit wendet. Wenn er es jedoch tut, dann be­kommt man in den meisten Fällen etwas Ver­ständiges und etwas Erfreuliches zu hören, ©o ist er jetzt im .Petit Parisien' mit einem Interview hervvrgetreten, in dem er sich gegen die Beunruhigung wendet, die in der französischen Oeffentlichkett durch d i e 2 i l d u n g der neuen Regierung in Deutsch­land hervorgerusen worden ist. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, wieweil diese Be­unruhigung durch gewisse deutsche Presseorgane und deren Ausnutzung durch französische Korre­spondenten künstlich erzeugt worden ist. 3mmerhin läßt die Tatsache, daß Briand selbst es für notwendig erachtet hat, zur Beunruhigung der öffentlichen Meinung beizutragen, daraus schlie­ßen. baß er selbst die Angelegenheit für wichtig genug gehalten hat.

3n den letzten Monaten waren wir offenbar trotz aller Bemühungen auf deutscher ©eite in den verschieden tlichen Besprechungen und Ver­handlungen über die Fortsetzung der Politik von Locarno und von Thoiry nicht vorwärtS- gekommen, und man hatte wiederholt den Eindruck, als ob wir auf dem toten Punkt angelangt waren. Zweifellos hat es auch in dec Vergangenheit solche tote Punkte gegeben, und zweifellos wird es auch in der Zukunft wiederum welche geben. Dann ist es eben not­wendig, daß von einer der beteiligten ©eiten die Arbeit wieder in Gang gesetzt wird. Daß diesmal Driand das getan hat, dürfen wir ihm zum Verdienst mirechnen. Der Augen­blick dafür scheint auch recht geeignet zu fein. Wir stehen, wie schon am ©amstag hier auf­geführt, dicht vor dem Beginn der Tagung deS V ö lkerbundralS in Genf und zur Vorbe­reitung dessen haben mannigfache Besprechungen sowohl in Berlin tote in Pari- und m den letz­ten Tagen auch tn ©an Remo und Nizza statt­gefunden. wo sich imfer Außenminister Dr. Stresemann aufgehalten hat. Man darf jetzt auch mit aller Bestimmtheit damit rechnen, daß die drei maßgebenden Außenminister ©trefemann, Briand unb Chamberlain sich bei der Ratstagung in Genf treffen und somit Gelegenheit zu ver­traulicher Aussprache haben werden. Dann wer­den wir hossentlich ein ©tück toeüerfonimen.

Mit erfrischender Deutlichkeit hat Minister Briand hervorgehoben. daß die Derständigungs- politti daS unverrückbare Ziel haben müsse, alle Reibungsslächen. alle Konsliktsmöglichkeiten aus der Welt zu schaffen. Deutschland und Frankreich sollten nach einer gemeinsamen Richtung hin ge­lenkt werden, damit die Wiederkehr eines Krieges verhindert werde. 3m Anschluß daran hob Briand selbst hervor, was für große Vorteile die Polittt von Locarno Frankreich gebracht habe. Ss freut uns, daß der Leiter der aus­wärtigen Politik Fraickreichs dieser Auffassung rückhaltlos Ausdruck gegeben hat. und wir hoffen, daß diese Anerkennung sich bald in die Tat um­sehen wird. Es ist ja auch nicht unbekannt, daß Briand selbst längst eingesehen hat. wie un­sinnig, wie widersinnig, die weitere Besetzung des Rheinlandes angesichts der Verträge von Locarno ist. Wenn er jetzt die Zeit für ge­kommen hält, die Verständigungspolitik wieder zum Mittelpunkt der auswärtigen Politik Frank­reichs zu machen, so darf man hoffen, daß er sich auch der Räumungsfrage energischer als bisher annehmen wird. Für uns wie für ihn muh das nächste Ziel der Verständigungs­politik die Räumung des besetzten Gebietes sein, denn erst dann ist eine wirkliche volle rückhalt­lose Verständigung zwischen beiden Völkern denk­bar. Bei allem guten Willen des deutschen Volkes und der deutschen Regierung mit Ein­schluß ihrer deutschnationalen Mitglieder bleibt ein scharser ©kachel in der Brust eines jeden Deutschen zurück, solange noch fremde Trup­pen aus deutschem Boden stehen.

Noch in anderer Richtung könnte Herr Briand seinen Einfluß geltend machen. Seit über einem Jahr ist uns die Vereinfachung der zahllosen O r donanzen der Interalliierten Rheinlandkommis- sion und die Beseitigung derB edrückungen der Bevölkerung des befehlen Gebietes versprochen worden. Noch immer arbeitet die Inter­alliierte Rheinlandkommission an diesem Werk, und es erscheint uns Deutschen völlig unverständ­lich. daß man so ungeheuer viel Zeit zur Deioäl- tigung einer verhältnismäßig sehr leichten Ausgabe braucht. Wenn sich Herr Briand dafür einsetzte, so würde sich der Arbeitseifer der Interalliierten Rheinlandkommission sehr leicht und sehr wirkungs­voll beflügeln lassen.

Schließlich sind die Aeußerungen Herrn Briands vielleicht gerade zur rechten Zeit im Hinblick darauf gekommen, daß der Besuch polnischer Ab­geordneter in Paris unmittelbar beoorsteht. Bei dieser Gelegenheit wird es nicht an Versuchen fehlen, das wenig glückliche Verhältnis zwischen Deutschland und Polen zur Beeinflussung der öffent­lichen Meinung Frankreichs auszunutzen. Vielleicht hat Briand gerade im Hinblick darauf vorbeugen und seine Landsleute darauf aufmerksam machen wollen, daß sie sich nicht durch polnische Verdächti­gungen und Hetzreden zu einer falschen Auf­fassung der politischen Lage hinreitzen lasten sollten. Denn er diesen Zweck mit seinen Auslastun­gen erreicht, würde er auch indirekt zur Beruhigung der erhitzten Gemüter in Warschau beitragen. Jedenfalls hat er ihnen selbst vor Augen geführt.

Moskau, 27. Febr. (WTD.) Die Reg«, rimg der Sowjetunion hat auf bie britische Öfote nunmehr bie Antwort fertiggestelll. die in London übergeben wird. 3n der Antwortnote wird u. a. ausgeführt, die ©otojctregicrung habe wiederholt auf englische Beschwerden einen Hinweis auf etwaige konkrete Fälle verlangt. Dem sei die britische Regierung jedoch nicht nach- gefommen, was eine Verletzung der 1923 ein- gegangenen Verpflichtungen Lord CurzonS sei. Die jüngste britische Rote zähle ledigllch eine Reihe von Aeußerungen sowzetrussischer ©taatS- männer auf. Es sei eine willkürliche Erweiterung der bestehenden Vereinbarung, sie auch auf münd­liche oder in der Presse veröffentlichte Aeußerun­gen der ©owjetunion ausdehnen zu wollen. Weder in der ©owjetpresse noch in sonstigen russischen Aeußerungen sei etwas zu ftnden. was etwa den scharfen Ausfällen der konservattven Regierung gegen die ©owjetregierung gleiche.

Als antlbritische Propaganda könne nicht auf. gefaßt werden die Analnse und Einschätzung der Außenpolitik der britischen Regierung sowie prinzipielle Ausführungen von russischen Par­teiführern über die Unabwendbarkeit der Mettreoolution und über die Bedeutung der national-revolutionären Bewegung im Offen.

Die englische Regierung weiche bewußt von den allgemein üblichen internationalen Normen und Gepflogenheiten und selbst den elementarsten Anstandsregeln ab; sie erlaube sich, mit der ©owjetregierung den Ton einer Drohung in einem Ultimatum zu reden und die Verfassung der Sowjetunion zu ignorieren, indem sie in ihren Noten hartnäckige Versuche mache. Parteiorganisationen ober selbst inter­nationale Institutionen an die Stelle der formellen Regierung der Sowjetunion zu sehen. Sie habe sich ferner einen unerhörten unb präzedenslosen Ton gegenüber Tschitscherin erlaubt. Nach einem Hinweis auf neuerliche Ent­hüllungen über

versuche einer Verständigung zwischen einzel­nen Mitgliedern der cnqlifchcn Regierung und ehemals zaristischen Diplomaten und Dertretern der Gegenrevolution

führt bie Note weiter aus. der englisch-russische Handelsvertrag wie auch die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen habe den Inter­essen beider Länder entsprochen. Wenn die bri- tische Regierung glaube, daß der Abbruch der englisch.sowjetrussischen Be- ziehungen dem britischen Reich und der Sache des allgemeinen Friedens zum Vorteil diene, so werde sie naturgemäß dementsprechend handeln und die volle Verantwortung für die Wirkungen übernehmen müssen.

Die Sowjetregierung bekräftigt zum Schluß die Erklärung Krassins über die Erwünschtheit fcer Behebung sämtlicher Differenzen und der Herstellung vollkommen normaler Beziehungen und erflärt. sie werde ein Entgegenkommen der britischen Regierung auf dem Wege zum Frieden aufrichtig begrüßen.

Oer erste Eindruck in London.

L o n d o n . 27. Febr. (TU.) Die Antwortnote der Sowjetregierung ist gestern abend hier ein­getragen. Da sich die amtlichen Persönlichkeiten während des Wochenendes nicht in London be­finden, konnte sich eine feste Meinung noch nicht bilden. Nach dem ersten allgemeinen Eindruck kann jedoch gesagt werden, daß die Antwort von den hoch konservativen Elementen kaum als be­friedigend betrachtet werden dürfte. Die sehr geschickte Formulierung der russischen Antwort

gibt aber diesen Kreisen nur geringe Möglichkeit, weiterhin mit Erfolg gegen den mäßigenden Standpunkt EhamberlainS aufzutreten. Wie Reu­ter erfährt, wird voraussichtlich vor der in Aus­sicht geftellicn Debatte über die englisch-russischen Beziehungen, für die ein Tag noch nicht feststeht. von der Regierung eine Erklärung im Un­terhaus abgegeben werden. Weiter meldet Reuter, die Antwortnote SowjetrußlandS ist In Wendungen gehalten, die englifcherseits erwar­tet worden sind. Man hatte nicht angenommen, daß die russische Regierung irgendwelche Verant­wortlichkeit für die Propaganda zugeben, oder sich sonst eine Blöße geben werde. Diejenigen Anhänger der Regierung, die an der englischen Aote Krittk geübt haben, weil fie zu milde fei, betrachten die russische Antwort als unver­schämt und werden einen starken Druck auS- üben. um die Annullierung des Han­delsvertrages und den Abbruch der diplomatischen Beziehungen durchzusetzen. In diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die englische Regierung auch im ©inne ihrer Note handeln wird und es wird als wahrscheinlich angesehen, daß die Regierung das Handelsab­kommen annulliert, während sie die diplomattschen Beziehungen weiterhin bestehen läßt.

Die öerteiöigung Schanghais.

Vorbereitungen der Lchantungtruppen.

Schanghai, 27. Febr. (WTD.) Die ©chant ung-Generäle Suntschuansang und Tschangsuntschang sind heute m aller Frühe hier eingetroffen und nach kurzem Aufent­halt nach Sunkiang weitergefahren, wie die neue Verteidigungslinie gegen die Kanto­nesischen Streitkräfte voraussichtlich errichtet wer­den soll. Der kommandierende General der chine­sischen Streitkräfte in Schanghai hat den Befehl erlassen, daß die Mündung des Wusung»Flusses, die den einzigen Zugang nach Schanghai vom Meere darstellt, von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens für jeden Schiffsverkehr gesperrt wird, um einen etwaigen Angriff der südchinesi- schcn Flottenstreitkräfte vorzubeugen. Das Kon­sularkorps hat gegen diese Maßnahme Ein­spruch erhoben. Voraussichtlich wird eine freundschaftliche Verständigung erzielt werden. Das Truppentransportschifs .Megantic" mit dem Oberkommandierenden der für Schanghai bestimmten englischen Truppen, Generalmajor Duncan, an Bord, ift vergangene Nacht hier eingettoffen. General­major Duncan hat nach seiner heute früh er­folgten Ausschiffung eine militärische Besprechung aogehalten und dann mit dem Stabe di e Ver­teidigungsanlagen besichtigt.

In Schanghai ist die Lage weiterhin ruhig. Die in Schanghai lebenden Ausländer sind dar­aus vorbereitet, daß sie in jedem Augenblick bie Grenzen der internationalen Zone gegen Uebcrgrifse zurückweichender Soldaten General Suns zu verteidigen haben werden. In dem chinesischem Viertel von Schanghai macht sich eine ^eb'^e Unruhe bemerkbar. Eine ^Central News -Meldung aus Schanghai besagt, daß Sau- sende der nördlichen Truppen durch Schanghai marschinen, um die völlig demoralisierten Der. bamde General Suns südlich der ©ladt zu neuem gegen die Kantoneser zu zwingen. Die Soldaten haben von General Tschang stren­gen Befehl ersten., sich jeder lieber griffe gegen öie chinesische Bevölkerung zu enthalten Der auße^>rdenllich starke Regenfall der letz- trn -^age macht, wie man erwartete, größere militärische Operationen im gegenwärtigen Au­genblick fast unmöglich.

krschriut täglich,außer Sonntags und Feiertag».

Beilagen Gießener Familiendlätt« Heimat im Dild Die Scholle

BTo»Qt».EejBfSFrel«: 2 Reichsmark und 20 Reich-pfennlg für Träger» lohn, auch bei Nichter­scheinen emzeinerNummerA Infolge höherer (ßewalt Fernsprechanfchlüsse: 61, 54 und 112 Anschrift für Drahtnach­richten. »nzeiger Gletze«.

poßschcckkonto:

Sranffurlam Main 116M.

Ur. 49 Erster Blatt 177. Jahrgang Montag, 28. zebrnar 1927

Gretzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

la6 auch Polen durch den Vertrag von Locarno ehr wesentliche Vorteile erzielt worden >nd und daß fein Grund vorhanden ift, von einer deutschen Gefahr zu reden. Wenn also die Kund- gebung Briands ihre Wirkung in Frankreich und Polen nicht verfehlt, können wir damit zufrieden fein.

Die Pariser Presse.

Pari«, 28. Febr. (TU.) Auf der Rechten ist man über die Ausführungen BriandS im -Petit Parisien" ziemlich ungehalten. Man nennt sie das Plaidoher einer Traum- Politik und eine neue Ermutigung für bie Deutschen, die vorzeitige Räumung des besetzten Gebiete« zu verlangen. Die Linke dagegen lobt Driand« energische Haltung. Der radikale .Figaro" ist empört, daß mit den Phrasen des Völkerbundes die französische Seele ent­waffnet und eingeschläfert worden sei. SS gebe keine Militärparaden am 14. Juli mehr. AlleS werde vermieden, um die Franzosen an ihren Sieg zu erinnern. Es sei Seit, daß das französische Voll aufwache. Der rechtsstehende .Gaulois" erflärt, daß man gefaßt sein müsse, daß Deutschland die Ersetzung der französischen Truppen im Eaargebiet durch eine 803 Mann starke internationale Besatzung und die vorzeitige Rheinlandräumung im März in Genf verlangen wird. DaS konservative .Journal des D 6 b a t s" bezeichnet die Ausführungen Briands als Einleitung zu der Märztagung deS Völler-