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samtsteuerkast unb Durchführung der Der- waltungsreform mit dem Ziele einer er­heblichen Verbilligung der gesamten Ver­waltung und Regulierung der Einrommenbesteue­rung für notwendig erachtet.

Die Verhandlungen in China.

London. 27. Jan. (Amtlich. Britischer Funk­dienst.) In den Verhandlungen zwischen 0 ' Mal - ley. dem Abgesandten der britischen Gesandtschaft in Peking, und dem Minister des Aeußern der Kantonregierung. Ischen, scheint nunmehr ein Stadium erreicht zu sein, in welchem es dem briti­schen Vertreter möglich ist, ein spezifiziertes Angebot zu machen, das auf die Einzelheiten der in dem britischen Memorandum enthaltenen Vor­schläge eingeht. Im übrigen ist der Wortlaut dieses Memorandums bisher nicht veröffentlicht worden, und die im Umlauf befindlichen Versionen über den Text sind mit Vorsicht aufzunehmen. DerDaily Telegraph" will z. B. wissen, dah die neuen briti- schen Vorschläge sich auch auf neue Methoden der Verwaltung und der Polizeikontrolle in den bisher ausschließlich unter ausländischer Kontrolle stehen­den Niederlassungen und Konzessionen beziehen. Die amtlichen Kreise zeigen einen ausgesprochenen Eifer, daraus hinzuweisen, daß diese konstruktive Seite der britischen Politik gegenüber China nach wie vor die Hauptsorge der Regierung bilde, und daß die militärischen und Flottenvorkehrungen nur eine Vorsichtsmaßnahme darsrellen für den Fall, daß die Verhandlungen in Hankau scheitern. So erklärte der Sollicitor General (Generalstaats- anwaftf Sir Thomas 3njfio in einer Rede Man kann nicht mit einem Taifun verhandeln. Man muß Maßnahmen für die eigene Sicherheit und für die Sicherheit seiner Familie treffen und warten, bis er sich ausgetobt hat. Wenn dieser glückliche Tag kommt, wird Seiner Majestät Regierung bereit sein, die Verhandlungen 3u beginnen, die auch von dem südchinesischen Außenminister Ischen, wie er selbst zugegeben hat, einem Kriege vorgezogen werden. Die nach China gesandte Division ist nicht dazu bestimmt, mit irgendwelcher Partei in China zusammenzu­wirken, sei es mit der Kanton- oder der Peking- Partei, noch irgendwelches chinesisches Gebiet, noch weniger irgendwelche britische Niederlassung zu ver­teidigen, sondern nur dazu, die Sicherheit von 16 000 britischen Männern, Frauen und Kindern in Schanghai zu gewährleisten.

8400 Offiziere und Mannschaften werden von London und Southampton morgen und Samstag abfahren. 435 Mann Pundschab-Truvpen sind in Schanghai ohne Zwischenfall gelandet. Rach dem Eintreffen des Flugzeugmutterschiffes ..Argus" in den chinesischen Gewässern werden sich dort ungefähr 80 britische Flugzeuge befinden. England fordert die Mächte zur Verteidigung Schanghais «rrs.

London, 28. Jan. (WTB. Funkspruch.) Dlät- termeld'ingen aus Peking zufolge hat der bri­tische Gesandte den Gesandten der Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien und Japan ein Memo­randum übersandt, worin er auf die Möglich­keit einer baldigen fremdenseind- lichen Bewegung t n Schanghai hinweist und die Aufstellung eines gemeinsamen Planes für die Verteidigung der ausländischen Niederlassungen unter Heranziehung der dort ver­sammelten Kriegsschiffe und Marinetruppen der be­treffenden Staaten vorschlägt. Die Gesandten haben ihre Regierungen telegrapyisch um Anweisung er­sucht.

China und Deutschland.

Berlin, 27. Jan. (Wolff.) Der Berliner Missi- onsgeselllchaft wird aus China berichtet: Der Mi- . nisterpräsident der Kantonregierung, T a n n i e n - kai, hielt bei Besichtigung des von dem Arzt der 7 Berliner Million geleiteten Krankenhauses in Nam- jung eine Rede, in der er erklärte: Deutschland ist letzt arm und kann nicht mehr so viel Geld auf­bringen für Schulen und Krankenhäuser wie ehe­dem. Deswegen müssen wir Chinesen selb st Geld beisteuern. Die Deutschen stellen dafür ihr Wissen und ihr Herz in unseren Dienst, und dafür wollen wir ihnen dankbar fein, zumal deut­sches Wissen heute als das gründlichste und beste gift. Wenn gegen Engländer und Franzosen Front gemacht wird, so ist das wohl begreiflich, aber gegen die Deutschen, auch gegen die Kapellen der Deut­schen, sich zu wenden, ist Unfinn, denn die Leute von diesen Kapellen stellen sich in den Dienst des chinesischen Volkstums.

Aus aller Welt.

völkerbundkbericht über den Stand der Grippe.

Die Hygiene-Sektion des Völkerbundssetre- tariats veröffentlicht ihren 5. Sonderbericht über das Auftreten der Grippe. Danach betrug in der Schweiz in der Woche vom 1. bis 8. Za- nuar die Gesamtzahl der Todesfälle 487 gegen 274 m der Vorwoche. 3n England treten die Krankheiten, die gewöhnlich als Influenza, Grippe und Kartarrh bezeichnet werden, sehr hef­tig auf. Die Fälle verlaufen gewöhnlich gut. In Deutschland weisen die statistischon Angaben über die Todesursache in den Großstädten eine kleine Erhöhung der SterblichkeitZzisfer auf.

Das private Senden bleibt verboten.

Das Reichsgericht hat die Recht Gültig­keit der Funkderordnung vom 8. April 1924 be­stätigt. die jedes private drahtlose Senden verbietet. Angeklagt war ein In­genieur aus Hannover, der vom Landgericht Han­nover wegen unerlaubten Sendens mit 60 Mk. Geldstrafe bestraft worden ist. Das Reichsgericht hat die gegen diese- Urteil gerichtete Revision des Angeklagten verworfen.

Ferngespräch zwischen Bettln unb Manchester.

Donnerstagnachmittag fand auf Anregung der Handelskammer Manche st er zwi° 'eben deren Präsidium und dem Präsidium der Industrie - und Handelskammer Ber- lin versuchsweise ein Ferngespräch statt, das eine au te Verständigung ergab. Cs wur­den Milteilungen über die beiderseitige Geschäfts­lage ausgetauscht. Präsident v. Mendelssohn sprach dabei den Wunsch nach Herstellung einer direkten Kabelverbindung aus. DaS Schlußwort hatte der deutsche Generalkonsul in Liverpool, der eigens zu diesem Zweck nach Manchester gekommen war.

Professor Gramert t-

Berlin, 27.Ian. Der langjährige frühere Armeemusikinspizient Prof Grawert >st heute

AnderGeburtrMeüesneuenZeppelins.

3m Luftschiff über den Atlantik.

(Nachdruck verboten.)

Al- am 12. Oft. 1925 Z. R 3 die Friedrichs- hasener Werft zum letzten Male verließ, um den großen Flug über den Ozean anzutreten, da wußte man noch nicht, waS aus dem Luft­schiffbau werden würde. Aber Eingeweihte wußten, daß die Zeppelinwerft weiterbestehen und bald die Geburtsstätte eines neuen Luft­schiffs sein wird.

Kaum anderthalb Jahre sind vergangen, da herrscht in den Labora orten und Werkstätten am Bodensee wieder Hochbetrieb. Mit 4 Mill. Mark wird ein neues Luftschiff mit der deut­schen Bezeichnung L. Z. 127 gebaut und zwar mit 2,6 Mill. Mark aus dem Erträgnis der Zeppelin-Eckener Spende, während der Rest von anderer Seite aufgebracht wird. Viele technische Reuheiten wird der Riesenbau aufwcisen. Wah­rend die Gondel Z. R. 3 nur knapp 25 Passa­giere und die Besatzung ausnahm, sind die Ab­messungen des Reubaus so, daß in dem ge­räumigen Pak agierraum 30 Personen bequem Platz haben werden. Aber neben Konstruk- tionsverbesierungen wird L. Z 127 etwa 50 Pro­zent größer gebaut, als Z. R. 3. das schon immer als ein Vorgänger einer Reihe von ge­waltigen Luslkreuzern anzusprechen war. Die Gasze len des neuen Zeppelinkreuzers werden etwa 100 000 Kubikmeter Gas aufnehmen, wäh­rend fünf neuartig konstruierte Motore dem Luttschifs eine Durch'ch. ittsgeschwindigkelt von rund 150 S unde.'ki ometern verleihen werden.

Inzwischen sind auch bei den Maybach- Maybach-Motorertwerken die Versuche mit den Motoren, die mit einem neuartigen Brenngas betrieben werden, abgeschlossen worden, wobei die Ergebnisse außerordentlich zufriedenstellend ausgefallen sind. Es hat sich bei den langen und genauen Versuchen gezeigt, daß die Mischung auch bei längerer Inanspruchncchm« der Mo­tore einwandfrei ist und die bisher aufgetauch- ten Befürchtungen, die Motoren könnten sich überhitzen, grundlos macht. Das neu« Lustschiss wird also schon ein Deisuchslustschiff für diese neuartigen Ve^brennungsmotore sein. Man er­hofft He;mit außerdem noch einen viel grö­ßeren Aktionsradius zu erzielen.

Der neue Lufikceuzer wird mit den modern­sten Apparaten der Funktelegraphie, Raviga- tion und nautischen Instrumenten ausgerüstet sein. Bei Stillstand der Motoren soll das Luft­schiff in der Lage fein, den Sende- und Em- pfa tgsbetrieb auf länger« Zeit ausrecht zu er­halten. Um den Transatlantik'-Derkehr mit Luftschiffen ganz sicher zu gestalten, gehört zum Zulunflsluftkehr eine weitere Ausgestaltung und Inbetriebnahme der drahtlosen Telegraphie,

ihrer wesensverwandten Gebiete und eine groß­zügig angelegte Steuerung der Luftschiff en bei Rächt. In den ietz.e.i Jahren hat bereits das drahtlose Telegraphlewesen enorme Fort­schritte gemacht und im Laufe dec Zeit tritt immermehr die Notwendigkeit hervor, die Sende- und Empfangsstationen so auszubauen, daß die Besatzung von Luftschiffen und Flugzeugen in der Lage ist, sich mit einer großen Anzahl drahtloser Stationen sofort in Verbindung zu setzen. Besonders wertvoll ist die drahtlose drahtlose Telegraphie bei Rächt und Rebel zur Einhaltung der Orientierung im gesamten in­ternationalen Luftverkehr.

Der neue Transatlantik-Zeppelin soll einem regelmäßigen Verkehr Spanien-Süd-Ameri'a dienen. Warum nun wird ein solches Luft­schiff in Deutschland gebaut? Wit der Heber» fahrt des Z. R. 3 haben wir der Welt ge­zeigt, daß wir noch Ingenieure und Techniker haben, die die erste Stelle im Luftschiffbau einnehmen. Die Welt hat gesehen, daß es nur möglich ist, mit Deutschland einen internatio­nalen transatlantischen und transkvntine: taten Luftverkehr aufzubauen. Bei allem Fortschritt, den das Flugzeug nacht, verbleiben eine große Anzahl Aufgaben dem Luftschiff, die nur die­ses zu lösen vermag. Möge dieses neue Luft­schiff dazu beitiagcn, der Welt vor Augen zu führen, daß die ganze Welt ein Wirtschafts­gebiet ist, in welchem jedes Land und jedes Volk seine Aufgaben zu erfüllen hat im Sinne des ganzen zum Wohle aller. Den Schnell­verkehr werden in der Zukunft die Luftschiffe ausführen, sowohl in der Beförderung von Menschen, sowie hochwertiger Frachten, der Er- vrehverkehr für Gin.«.'Personen, wie für kleine, schnell zu befördernd« Frachtstücke sei dem Flug­zeug Vorbehalten. Die Ozeansahrt Z. R. 3 hat bewiesen, daß es ohne weiteres möglich ist, einen transozeanischen Luftschissverkehr zu ha­ben. Die Möglichleit, die Luftschiffe zu bauen, sind vorhanden. A.les a .fce.c sind Kleinigkeiten, Hallen an der amerilanischen Küste und Hal­len an der europäischen Küste, dazu die Bau- hallen in Friedrichshafen für Reubauten und etwa nötiger Ausbesserungen und die Frage wäre gelöst. Hoffentlich will man mit L. Z. 127 den schüchternen Versuch machen. Man muß sich nur wundern, daß die'e Einrichtungen nicht eher zustande gelommen sind, zum Schaden der ganzen Welt, nur weil man Deutschland den Ruhm nicht überiaffen will. Wan trifft wohl mit dieser Absicht Deutsch and, mehr aber noch den Fortschritt der Welt und ihrer VölkerI

Hans T is ch e r t.

vormittag im Alter von 69 Jahren plötzlich ge­storben?

Die anstößige fiameoalennlform.

In Andernach entfaltete anläßlich einiger Faschingsbälle, am letzten Samstag und Sonntag, die französische Gendarmerie eine außerordentlich starke KontrvlltätiakeiL. Ein« Karnevalsgesellschaft, die sog. -Andernacher Stadtsoldaten", hielt mit grotesk-humoristischer Uniformierung und Hvlzgewehren eine humo­ristische Exerzierübung ab. Die Franzosen glaub­ten an denmilitärischen Kommandos" Anstoß nehmen zu müssen. Auch auf dem Ball erschien die französische Gendarmerie, um persönlich die Harmlosigkeit desTruppenteils" nachzuprüfen. Ein Ballgast, der sich in eine alte ramponierte Friedens-^! lanenuniform gesteckt hatte, wurde fest genommen.

Tödlicher Unfall eines Försters.

In Wiesbaden wurde der städtische Förster Hartmann beim Holzfällen in der Rähe der Fasanerie von einem stürzenden Ast mit solcher Wucht auf den Kops getroffen, daß er kurz nach seiner Einlieferung inS Krankenhaus verstarb.

Tragisches Geschick.

In Forst (Amt Bruchsal) hat der in der Maschinenfabrik Bruchsal beschäftigte Karl Stol- zenberger im Bett anscheinend im Zustand gei­stiger Umnachtung einen Schuß auf sich ab- gefeuert. Die Kugel ging ihm durch den Kopf und traf seine neben ihm schlafende Frau in den Hinterkopf. Stolzenberger ist seinen Ver­letzungen erlegen. Die Frau wurde in das Spital nach Bruchsal verbracht; ihr Zustand ist jedoch nicht lebensgefährlich.

Mittelholzer meldet sich wieder.

Der Afrikaflieger Mittelholzer hat an die B. Z." ein Telegramm gesandt, in dem er mit­teilt, daß die Flugteilnehmer nach einem stra­pazenreichen Ausflug nach Iinja zurück- gekehrt sind. Da Rene Gouztz an Malaria erkrankt fei, werde er an dem Weiterflug wahr­scheinlich nicht teilnehmen können. Mittelholzer teilt noch mit, daß das Dmzintransportschiff auf dem Tanganjikasee gesunken ist und er deshalb anders desponieren müsse.

Das SchulschiffGroßherzogin Elisabeth" inpernambuco.

Das Schulschiff des deutschen Schulschiff- VereinsGroßherzogin Elisabeth" ist am 27. Ja­nuar wohlbehalten in Pernambuco ^Brasilien) angekommen und wird am 30. Januar die Heim» reise nach der Weser antreten.

Drandkatastrophe in einer amerikanischen Kirche.

In der Stadt Turner im Staate Idaho ereignete sich in der M o r m o n en ki r che eine schwere Explosion. Als die Gasbeleuchtung plötz­lich aussetzte und ein Streichholz angezündet wurde, entwickelte sich eine riesige Stich­flamme, die die Kirche in Brand setzte. Bevor alle Besucher die Kirche verlassen konnten, wurde der Ausgang verschüttet. Die Feuerwehr brach einen Roteingang und konnte acht Tote und zwölf Schwerverletzte bergen.

Raubmord in einem Reuyorker Hotel.

In das Bureau eines Reuyorker Hotels drangen nachts zwei Banditen ein und er­schossen den anwesenden Hotelbesitzer, erbeu­teten aber nur einen geringen Geldbetrag. Sine im Hotel wohnende Schauspielerin sprang vor Schreck auf dem Fenster des zweiten Stock­werkes und war auf her Stelle tot Zwei weitere Bewo.^aer des Hotels die gegen die Banditen anrampfen wollten, erhielten tödliche Verletzungen.

Großer Automobilschieberprozeh.

In Berlin begann ein umfangreicher Prozeß gegen HanS v. Lehn, der sich als Rennfahrer und Kaufmann bezeichnet, sowie gegen 17 weitere Angeklagte, mit denen zusammen v. Lehn unter verschiedenen Deckfirmen ungefähr 80 Automobile verschoben und noch andere Kredit- schwindeleien begangen hat Die AngeNag- ten erwarben die Wagen auf Grund einer kleinen Anzahlung und gaben für den Rest der Kaufsumme Wechsel. Die Wagen wurden dann sofort au Geld gemacht und die Wechsel nicht eingelöst.

vier Kinder verbrannt

Bei dem Brande eines Hauses in Edin- bourgh kamen vier Kinder um» Leben.

Wettervoraussage.

Vorwiegend wolkig, Temperaturen tagsüber etwas höher als am Vortage, nachts leichter Frost, trocken, südliche bis westliche Winde.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 2,9 Grad Celsius; Minimum: minus 0,2 Grad C. Heutige Morgentemperatur: minus 1 Grad E. Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskops am 28. Januar, vorm. 8 Uhr:

Windrichtung: Südwest. Windstärke: Mittel. Temperatur: Minus 3 Grad Celsius. Höchst­temperatur der letzten 24 Stunden: Minus 6 Gr. Eelsius. Gesamischneehöhe: 50 Zentimeter. Schnee­decke: Etwas verweht. Sportmöglichkeit: Roch sehr gut.

Sauerland (Winterberg): Temperatur: minus 2,5 Grad Celsius. Schneehöhe in Höhen­lagen: 50 Zentimeter, im Tal: 15 Zentimeter. Sportmöglichkeit für Ski: Gut. (Willingen) Temperatur: minus 0 Grad Celsius. Schneehöhe in Höhenlagen: 50 Zentimeter, im Tal: 10 Zen­timeter. Sportmöglichkeit für Ski: Gut.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 28. Januar 1927.

Pros. Dr. Ottmann f.

Am Montag starb hier im Alter von beinah« 66 Jahren der im Ruhestand lebende Oberlehrer Prof. Dr. Richard Eduard Ottmann, ein geborener Gießener. Der Dahingeschiedene wurde gestern in aller Stille, nur im Beisein seiner Ver­wandten und wenigen Freunde, bestattet. Das ent­sprach ganz seinem Wesen: denn seit vielen Jahren führte er, der unverheiratet geblieben war, ein ein­sames Leben, ein Leben der Stille und Zurück­gezogenheit. Dazu mag (eine Kränklichkeit beigetra- gen haben, aber auch seine Neigung. Ottmann war ein Gelehrter, der ganz seinen wissenschaftlichen Interessen lebte. Seit vielen Jahren war er damit beschäftigt, alles zu sammeln, was sich aus die Ge­schichte der Stadt Gießen bezieht, und was ihm er­reichbar war. So brachte er ein musterhaft geord­netes Museum zusammen, in dem sich beispielsweise alle Gießener Adreßbücher vom Jahre 1842 an, Theaterzettel aus der Zeit vor 70 Jahren und Bilder alter Gebäude finden. Aus Zeitungen und Zeitschrisi ten hat der unermüdliche Gelehrte eine große Zahl von Notizen zusammengebcacht, die sich auf Ereig­nisse beziehen, die sich in Gießen zugetragen haben. Es wäre zu wünschen, daß diese Sammlungen in den Besitz der Allgemeinheit übergehen und von einem Sachkundigen überwacht werden.

Bornotizcu.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 71/« UhrDoverCalais" (Ende 9*'. ilf)r). Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Bis­marck" 2. Teil. Astoria-Lichtspiele: .Zigeuner im Frack".

Der neuehessisch« Oberlandes- gerichtsvräsident. Wie schon gemeldet, wurde Landgerichtspräsident Dr. Ferdinand Stein zum Präsidenten des hessischen Ober» landeSgerichtes ernannt. Er ist ein geborener Oaerhesfe und entstammt einer Lehrerssamitte. 2m Jahre 1887 bestand er die jur.stische Uni- versitätsprüsung. K92 die Staatsprüfung. Kurze Zeit war er Amtsanwalt in Mainz, dann einige Jahre Rechtsanwalt in Gießen und hieraus Amtsrichter in Lorsch. 1896 kam Stein nach Darmstadt, wo er nacheinander Staatsanwalt, Amtsrichter. Landrichter, Landgerichtsrat, Rat am Oberlandesgerich' und Landger.chtsdivektor war. Am 1. Oktober 1923 wurde er Landgerichts­präsident in Gießen, am 2. Frbuar 1924 Land- gerichtspräsident in Darmstadt.

Ski-Zug Gießen Schotten. Am kommenden Sonntag läßt die R«ichsbahndirekti)n wieder einen Ski-Zug von G.eßen nach Schotten verkehren. Abfahrt in Gießen 6,45 Uhr früh. Schotten an 8.30 Uhr. Der Zug fährt direkt bis Schotten, so daß ein Umsteigen in Ridda nicht nötig ist. Sportlustige und Wanderfrohe seien auf diese gute Zugverbindung besonders aufmerk­sam gemacht. Richt nur dem Sportler, fandern auch dem Wanderer wird der Vogelsberg in seinem Winterkleid einen reizvollen Genuß bieten.

* D i e Treuhänder stelle für die hessischen Gemeindeanleihen besteht aus Regierungsrat Ahl im Mnksteriurn des Innern als Vorsitzenden und dessen Stellver- tretern: a) für die Provinz Starkenburg Regie­rungsrat Dr. Wolfs, Kreisamt Darmstadt, b) für die Provinz Ooerhesse n Regierungsrat Dr. Braun beim Kreisamt Gießen, c\ für die Provinz Rheinhefsen RegierungSrat Flack beim Kreisamt Mainz.

** Einbruchsdiebstahl in Herborn. 9n der letzten Nacht wurde in einem Gokdwaren- geschäft in Herborn ein Elnbruchsdiebstahl ver­übt unb dabei eine Menge Goldwaren, Uhren usw. entwendet. Als Täter kommen zwei besser gekleidet« Männer im Alter von 35 bis 45 Jahren in Be­tracht: sie führten einen Koffer von imprägniertem Gewebe mit sich. Sachdienlich« Mitteilungen über das Verbleiben dieser Personen nimmt die Krimi­nalpolizei in Gießen entgegen.

Einen wertvollen kolonialen Abend bot die biefige Ortsgruppe des Frauen­vereins vom Rotnr Kreuz für Deutsche über See gestern abend kn der Reuen Aula ter Uni­versität. Auf Einladung der Ortsgruppe sprach Major Köhl aus Würzburg, ein alter Ost­afrikaner. der jetzt als Opi zier der Reichswehr unserem Vaterland« dient. Der Vortragende gab in etwa zweistündiger Erzählung ein ungemein fesselndes Bild von unserer wertvollsten frühe­ren Kolonie Dcutsch-Ostafrika, und von der hohen Bedeutung deutscher Kulturarbeit zum Wohle der Eingeborenen. Was die Aussührun- gen deS Redners besonders anziehend macht«, war die Tatsache, daß er auS vielgestaltigem, reichen Erleben sprach, in schlichter soldatischer Art seine Eindrücke mitteilte und dadurch Land und Leute seinen Zuhörern aufS beste nahezubringen verstand. Im Geiste beglei­tete man den Redner von Dar-es-Galam auf der großen Bahnfahrt inS Innere der Kolonie, wobei sich vorn Zuge auS wunderbare Land- schaftSbilder entrollten. Dann ging es auf Safari, d. h. die Wanderung durch Dusch und Steppe unter Mitsuhrung einer großen Träg rschar, wei­ter ins Innere hinein zu den Bezirken, die zur Zeit der Anwesenheit KöhlS in der Kolonie noch nicht von der Dahn oder vom Auto erschlossen waren. Aus diesen Märschen konnte man stark« Eindrücke von den Reichtümern dieser gesegneten Erde und von dem guten Einvernehmen zwischen den Eingeborenen und den Deutschen gewinnen, konnte man sich erfreuen an ungeahnten land­schaftlichen Schönheiten, die dem Auge des Beschauers immer wieder neue Reihe boten. Man konnte aber auch erkennen, welchen gewal­tigen Verlust wir durch den englischen Raub dieser Kolonie erlitten haben: hier hatten Hundert» tausende deutscher Volksgenossen, die heute er­werbslos in Rot und Kümmernis leben, aus­reichende Existenz gefunden, von hier auS hätten der deutschen Wirtschaft Rohstoffe zugeführt wer­den können, die sie unabhängig von dem englischen Markt gemacht hätten: und die kolonisadorische Tätigkeit unseres Volkes hätte den Eingeborenen auch weiterhin, wie bisher schon immer, kultu­relle Werte gegeben, die ihnen der jetzige Macht­haber im Lande, der Engländer, nicht im ent­ferntesten zu bieten vermag. Der Redner zog oft interessante Parallelen zwischen der deu schen und der englischen Kolonialtätigkeit, und es ergab sich dabei, daß unser Volk auf dem Gebiete der Kolonialarbeit den Engländer entschieden übertrifft. Mit der Aufforderung an die Zuhörer, den Kolonialgedanken allezeit wach­zuhalten im deutschen Volke und die Bemüh­ungen auf Wiedererlangung unserer früheren» Kolonien mit Tatkraft zu unterstützen, den Ein­geborenen die Treue zu halten, wie diese auch den Deutschen unverbrüchlich treu zur Seite ge­standen haben, schloß der Redner seine vor» hoher Kolonialbegeisterung getragenen und im gleichen Sinn« begeisternd wirkenden Darlegun­gen. Der in erzählende Form gekleidete Vortrag war von einer großen Fülle hochinteressanter und sehr guter farbiger Lichtbilder belebt, di« in bester Weise auf die Leinwand gebracht wur­den. Der Abend war ein starkes Erlebnis, auf das die Ortsgruppe deS FrauenvereinS, der Vortragende und die zahlreiche Zuhörerschaft mit gleicher Genugtuung zurückblicken können.

" Genossenschaftstagung in Gießen. Der Hess, landw. GenossenschaftS- verband in Darmstadt hielt in Gießen am Mon­tag eine Bezirksbesprechung und am Mittwoch einen Unterrichtskursus für die Genossenschaften des hiesigen KreisstellendezirkeS ab. Es waren 200 dzw. 150 Vertreter anwesend, mit denen die derzeittge Lage im Geld- und Warengeschäft, sowie praktische Tagesfragen besprochen wurden. Aus den Berichten der Direktoren ging hervor, daß dem Verband etwa 1000 Genossenschaften angehören, und daß die LandesgenossenschaftS» bank sowie die Landw. Zentralgenossenschast für 1926 verhältnismäßig günstig« Abschlüsse zu ver­zeichnen haben. Die Entwicklung der einzelnen Genossenschaftsarten war ebenfalls befriedigend, obwohl die Geldverhättnisse in den rein umb- Wirtschatt.ichen Bezirken zu wünschen übr.g ließen. Beide Veranstaltungen nahmen einen sehr guten Verlaus.

Die ® a ft \in b S ch a n k w i r l s ch a f * ten in Hessen. 3m Jahre 1924 gab e« iw Hessen 3015 Gastwirtschaften mit Ausschank gei­stiger Getränke, 1925 waren eS 3118 und 1926 waren es 3168. Ohne AuSschank geistiger Ge­tränke lauten die entsprechenden Zahlen 80, 77,

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