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Zreitag, 28. Zanuar (927

m. 23 Erstes Blatt

177. Zahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Drurf und Verlag: vrühl'sche UnloerfitSlr-vu». und Stetndruckeret H. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Sesch istrfteSe: SchuINratze 7.

Erichrini täglich,auhr, Sonntags und ^eiettegs. Beilagen.

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Ehefredakteu.

Dr Friedr Wilh Lange, verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den An­zeigenteil LTertr H Beck. sämtlich in (Blefjen.

Der oberfchlefische Spionage; Prozeß.

Katto wik, 27. Jan. (WTB.) Vor der Ersten Straflamtner begann beute der Spionageprozeß gegen den aus (Äeiwitz gebürtigen Kurzydym, dec dem deutschen Mitglied der gemischten Rom« mlifton für vberjchlelien, Landral a. D. Luka« | d) e t, seinerzeit Akten über die Auf« ft d n b e i Oberschlesien zum Kauf angeboten haben soll. Der Hauptzeuge Zichon. Leiter der militärischen Nachrichtenstelle Kattowztz, gibt an, daß der Angeklagte bereits kn Tleiwitzcr Gcrichtsge- föngnis mit Dr. Lukaschek in Verbindung getreten lei und von diesem für die Beschaffung der Papiere 50000 Dollar angeboten erhielt. Lukaschek erklärte hierbei, dah er lediglich als Privatmann handele. Der Angeklagte sei später nach K a 11 o w i tz g e I od t worden, wo ihm wichtige Doku­mente. die aber gefälscht waren, zum Ver­kauf an Lukaschek auSgehändigt worden seien. Kurz nach Empfangnahme eines Schecks über 2000 Mark sei er dann verhaftet worden. Der weitere Verlauf der Verhandlung, der auf­fallend viel bohe polnische Militär- beiwohnten, erwies sehr deutlich, dah der Prozeh von der politi'chen polnischen Poli -eiIm Glei- wiher Gefängnis durch Mittelsleute, wie Thomas und den Angeklagten, e i n g e 1 e t t e t wurde, um DaS Deutschtum in Ostoberschlesien, namentlich aber einen seiner Hauplvertreter, den Landrat Dr. Lukaschek, zu kompromittieren. Wäh­rend der Angeklagte, der einen sehr pathologischen Eindruck macht, zunächst behauptete, er habe schriftlich die Vermittlung des Reichskanzlers Dr. Marx angerusen. und Landrat Lukaschek habe ihm für die Beschaffung der Akten auch eine Belohnung von 50 003 Mark versprochen, erklärte er im weiteren Verlaufe seiner Ausfüh­rungen, eS sei ihm tatsächlich nur darum zu tun gewesen, die Deutschen als solche, die deutsche Regierung und nicht zuletzt den Landrat zu s ch a d i g e n, weil ihm angeblich die Deutschen grostes älnrecht zugefügt hätten.

Aus der Bcwei-ausnahme ergab sich noch, daß da- Protokoll, das der Angeklagte bei der Polizei zu unterschreiben hatte, im wesentlichen nicht eigene Aussagen enthielt, sondern ganz nach den Wünschen der vernehmen­den P olizeibeamten ab gefaßt war. Allgemeine Bewegung rief es hervor, daß der AngcUagte in seinem Schlußwort erklärte, wenn er auf der Anklagebank sitze, so gehöre eigentlich die gesamte Polizei auf seinen Platz, denn er habe doch nur da- getan, was der Zeuge ThomaS als Beauftragter der Polizei a u s g e f ü h r t habe. Die Polizei glänze heute vor Gericht mit dem. wofür er die Pionierarbei­ten geleistet habe, nämlich Lukaschek bloß - au ft e 11 c n. Der Staatsanwalt ging in seinem Plädoyer auf die Beweisaufnahme so gut wie gar nicht ein. Seine ganzen Erklärungen dichten sich um die Person Lukascheks, den er als den treibenden Faktor bezeichnete. 3n der Urteils­begründung hob der Vorsitzende hervor, dah dem Angeklagten mildernde ilmftänDe im wei­testen Umfange zuzubilligen wären, da er dem polnischen Staat einen grohe nD i e n st geleistet habe.

Das Urteil lautet unter Zuerkennung mil­dernder ilmftänbe auf 1'... Jahre Festung wegen diplomatischer Spionage. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Zuchthaus beantragt

Das Ende einer Legende.

Paris, 27. Ian. (Wolff.) Der Sonderbericht­erstatter desPctit Journals, Ja.qucs Mer­lane, der sich auf einer Studienreise in Deutsch­land befindet, hat den J I u g p l a lj Staaken be­sucht, wo ihm alle IBerfflätfcn und Flugzeuge ge­zeigt und erläutert wurden. Mortane macht in seinem Artikel über den Besuch ein wichtiges Zu­geständnis. (Er schreibt.Ich habe alle einschlägigen Apparate genau geprüft und bin überall umher- qegangen. Meine Kenntnisse der Alugzeugtechnik er­lauben mir, im völligen Bewußtsein dessen, was ich läge, das Gegenteil von dem zu erklären, ro a s i ch oft behauptet habe. Ich gestehe ein, dah es mir unmöglich erschient, die Han­delsflugzeuge, die mir gezeigt worden find, zu Militärflugzeugen umwandeln zu können.

Amerikas Entschädigung für die beschlagnahmten Schiffe.

Washington, 27. Jan. (Associated Preh.) Der Finanzausschuß des Senats wird wahr- Icheinlich starke Abstriche a; den 100 QlLiL Dollar vornehmen, die House dem Dcutschen Reich für die beschlagnahmten Schisse zu zahlen beantragte. Einige Mitglieder erklärten, diese Summe würde auf einen Betrag zwischen 55 inD CO Millionen herabgesetzt werden, der dem Wert der Schisse entsprechen soll, wie er von Marinesachversländigen geschätzt wurde. Dazu dann die Zinsen seit dem Kriege kommen.

England zahlt die Kriegsgesangenen-Löhne aus.

Berlin, 27. San. (TU.) Die englische Regie­r',mg hat sich zur Auszahlung der 6 u t h a b e n , die Die deutschen Kriegsgefangenen für ihre A r - beitsleistungen noch von England zu erhalten haben, bereit erklärt und eine erste Ratenzah­lung in Höhe von 200 000 Pfund nach Berlin

Um die Zusammensetzung des Kabinetts.

Keine Beteiligung her Demokraten.

überwiesen. Das Gesamtguthaben der deutschen Kriegsgefangenen in England beläuft sich auf 16 Millionen Mark. Alle ehemaligen Kriegsgefangenen, die sich in England Geld erworben haben, werden aufgeforhert, auf einer Postkarte mit deutlicher Handschrift der Rechwoerwattung für Reichsaus­gaben, Berlin W 9, Käniggrätzer Straße 122, ihre Forderungen anzumelden.

Die Lage des Saargebists.

® e n f. 28. 3an. (WB.) Die Regierung s- kommission für das Saargebiet hat dem Dölkerbundsickretariat ihren 28. Periodischen Bericht über die Lage im Saargebiet und die Tätigkeit der Kommiision während des letzten Vierteljahres 1926 pugcMlL Die statistischen An­gaben des Berichts weisen eine günstige Wirtschaftslage auS. Trotzdem äußert die Kommifsion gewisse Befürchtungen für die Zu­kunft, weil das rasche Steigen des Fran­ken ein Mißverhältnis geschaffen habe zwischen den wirtschaftlichen Verhältnissen des Saargebiets und den Bedürfnissen der dortigen Exportindu­strie. Die Kommission ist, so heißt es in dem Be­richt weiter, für die Herabsetzung der Preise, besonders für die Hauptnahrungsmittel, einge­treten. Eie hat in der Zollfrage zwilchen der Bevölkerung und der französischen Zollverwal­tung vermittelt, um die Erledigung mehrerer schwieriger Fragen zu erleichtern.

Berlin, 27. Ian. (BDZ.) Nachdem die De- w o traten ihre Beteiligung an der Kabinetts­bildung ab gelernt und die übrigen an den Ver­handlungen beteiligten Jraftionen die Beratungen bet Richtlinien abgeschlossen hatten, konnte Dr. Marx nadjmltlags die Verhandlungen über die Zusammensetzung seiner Regierung einleiten. Rad) Schluß der Plenarsitzung hatte er zunächst eine Besprechung mit den Vertretern des Zentrums und der deutschen Volkspartei über die Verteilung der Mlnlflersihe an die einzelnen Parteien. Daraus san­den weitere Besprechungen mit den Vertretern der Deutschnationalen statt. Obwohl im Laufe des Tages von allen Beteiligten in Aussicht genommen war, die Kabinettsbildung unbedingt am Donnerstag­abend zu beenden, da bei der inzwischen ein­getretenen Vertäuung des Reichstags die Fraktionen nur schwer vollzählig beisammengehalten werden könnten, traten in den späten Abendstunden jedoch erneut Schwierigkeiten auf. lieber die sachlichen Gesichtspunkte war zwar eine völlige (Einigung erzielt worden, doch bildete die Ver­teilung der Ministersitze den Gegenstand langwieriger Verhandlungen. Vie Veutschnatio- na le n beanspruchten zunächst als vierten Sih das Verkehrsministerium, hiergegen erhob jedoch die Deutsche Volkspartei Einspruch, da diese Fraktion dann nur über zwei Minister­posten verfügen würde. Die Veutschnatioualen er­klärten, daß sie durchaus nicht unbedingt Wert aus bas verkehrsininisterium legten, bah sie dafür viel­mehr bas Finanzministerium mit einem Dcutfchnationalen beseht wissen wollten. Mit biefer Regelung war jeboch bas Zentrum, dessen Fraktion ben ganzen Abend über versammelt nyr, nicht einverstanden, da das Finanzministerium nach Ansicht des Zentrums unbedingt von einem Zentrumsmann verwaltet werden muhte. Rach 10 Ahr abends versuchte noch einmal eine deutschnationale verhandlungrkommission in einer Besprechung mit dem Reichskanzler Dr. Marx, diese Streitfragen aus der Mett zu schaffen, wobei sie jeboch nochmals betonte daß fle c n r M l - nisterposten fest hallen mühte. Da jedoch wegen der oorgerütften Stunde keine Einigung mehr zu erzielen war, vertagten die Fraktio­nen mit Zustimmung des Reichskanzlers die reel­leren Verhandlungen hierüber auf Freitag vor­mittag.

3n den DJanbelgängen des Reichstags kursierte folgende Ministerliste:

Zentrum: Reichskanzler Dr. Marx, Relchs- sinanzminister der badische Staatspräsident Dr. Köhler, Arbeitsminister Dr. Brauns, besetzte Gebiete Dr. Bel I.

Deutschnationale: Justiz: Graes- Thüringen ober Dr. von Dryander, Inneres: von L i n d- einer-Dildau, Ernährung und Landwirtschaft: Schiele ober Freiherr von Stauffenberq, Verkehr: Dr. h. c. K o ch.

Deutsche volksparlei: Außenminister Dr. Str e- f e m a n n , wirtschastsminister Dr. C u r t i u e.

Reichspostminister S (i n g I (Bant. V ) bürste im Amte bleiben, ebenso Reichswehrminister Dr. Gehler.

Diese Liste Ist natürlich schon beshalb in kei­ner Meise authentisch, well einerseits über bie Besetzung bes Finanzministeriums zwischen Zen- trum und DeutschnaNonalen und über die des Verkehrsministeriums zwischen Deutschnationalen und Deutsche Volkspartei noch feine E nigung er- Z.elt werden konnte. Der£ofalan;eigerM will sogar wissen, bah sich bie Fraktion der DeutschnaNonalen Volksparlei offiziell mit der Frage ber Kandidaten für die einzelnen von ihr zu besehenden vorle- seuilles überhaupt noch nicht befaßt habe. Die im Umlauf befindliche Minisierfiste beruhe daher tebia- lich auf Kombinationen. D'.e ..Kreiszeitung" meldet, dah infolge ber überaus^ langwierigen und

anstrengenden Besprechungen, die für die Verhand­lungsteilnehmer eine harte Jicroenprobc bedeuteten, Dr. Marx gestern abend nach Schluh ber Verhandlungen einen leichten Schwäche- a n f a 11 erlitt, von dem er sich erfreulicherweise bald wieder erholte.

Die Demokraten lehnen ab. tofflcn die Lchul« und Wirtschaftspolitik der neuen Koalition.

Berlin, 27. Jan. (TU.) Die demokratische Reichstagsfraktion veröffentlicht folgende Erklä­rung: »Die Deutsche Demokralische Fraktion be­dauert, daß die Verhandlungen über eine Koa­lition der Mitte vom Reichskanzler Dr. Marr vorzeitig abgebrochen sind. Eine trag­fähige Koalition der Mitte hätte sich auf Grund des Zentrumsmanifestes bilden lassen. Sie ist ebenso tote die grohe Koalition daran gescheitert, dah starke Kräfte unter Ablehnung aller anderen Möglichkeiten von vornherein aus die Rechtsregierung hingearbeitet haben. Die Richtlinien, die mit Den Deutschnationalen vereinbart sind, dokumentieren einen wesentlichen Gesinnungswechsel der Deutsch- nationalen Volkspartei. Sie bedeuten eine völlige Preisgabe der bisherigen deutsch- nationalen Opposition gegen Die Außenpolitik von Rathenau bis Stresemann. Innenpolitisch bedeuten sie, wenn sie auch hinter dem Zentrums­manifest zurüdbleiben, eine Anerkennung Der Re­publik und den Schuh ihrer Symbole, während bisher der Etaatssorm und den Farben schwarz- rot-gvld der erbitterte Kampf der Deutschnatio- nalen galt. Auf dem Gebiet einer Reform der Reichswehr werben weitgehende Versprechungen in unserem Sinne gemacht.

Daaegen weifen die. ohne unsere Mitwirkung fest gestellten Richtlinien auf Dem Gebiete Der Schule eine unerträgliche Einsei­tigkeit auf, Die abzuändern, keine Bereit­willigkeit besteht. Bei Der Aufzählung der Vor­aussetzungen, unter Denen Der Ausbau des Schul- toesenS erfolgen soll, sind Die Kernpunkte ft a a t- liche Schulhoheit unD georbneter Schulbetrieb weggelassen. Die Forderung vollständiger Gleichberechtigung Der konfessio­nellen und Der weltlichen Schule mit Der Ge­meinschaftsschule steht im Widerspruch mit Der Reichsverfassung und Den Erklärungen, Die sämt­liche Parteien Der Weimarer Koalition zu dem Artikel 146 abgegeben haben. Die Fraktion ist Der Meinung, Dah Die Grundlagen des künftigen Schulgesetzes in Der Verfassung festgelegt sinD und Daß eine einseitige, nur Die Wünsche der einen Richtung betonende Abfassung derartiger Richtlinien Den Weg zu einem befriedigenden Schulgesetz verbaut. Weiter sieht die Fraktion einen besonders bedenklichen Mangel in dem Fehlen wirtschaftspolitischer Richt­linien. Sie muh befürchten, Dah Der heftige Widerstand Der Deutschnationalen gegen Die Rein- holdsche Finanz- und Steuerpolitik gegen eine exportfördernde Handelsvertrags- Politik, und gegen eine, vom Reiche maßgeblich geführte Siedlungspolitik sich versteifen und die gesamte Wirtschaft, einschließlich Des Mittelstandes, auf das schwerste gefährdet wird.

Aber überhaupt betrachtet Die Deutsche De­mokratische Fraktion Den Wert solcher Richt­linien als problematisch, wenn die Z u s a m - m_e nsehung der Regierung nicht Die Ge­währ für eine gute Durchführung gibt. Diese Gewähr ist nicht in einem Kabinett zu erblicken, in Dem Männer eine führende Stellung haben. Deren heutige Worte mit ihren Taten und Wor­ten von gestern in unlösbarem Widerspruche ste­hen und in dem ein auch nur einigermaßen

Kerkerttrafen für tschechische Abgeordnete.

Prag, 27. Jan. (211.) 3n Dem Prozeß ge­gen vier kommunistische und einen nationalisti­schen Abgeordneten, die anzeklagt waren, im vorigen Jahr bei Obstruktionsversu- ch e n die Parlamentseinrichtungen und einige Abgeordnete Der Mehrheit tätlich ange­griffen zu haben, wurde heute das Urteil ge­fällt. Drei kommunistische Abgeordnete wurden zu vier bzw. drei Monaten schweren Ker­kers verurteilt, während die beiden übrigen Abgeordneten freigesprochen wurden.

Der rückffchtsvoAe Gariba dr.

London, 27. San. (WB.) Oberst Riccioni Gariba ID i ist. von seinem Bruder Menotti Garibaldi begleitet, heute auf der Durch re ise nach Cuba hier ein getroffen. Gr erklärt-, wenn er und fein Bruder bei seinem Prozesse alles mitgeteilt hätten, was fie toü'j.en, und alle in ihrem Besitze befindlichen Dokumente vorgelegl hätten, um feine Unschuld zu beweisen, so wurde dies eine gereizte Stimmung zwilchen Stalien und Frankreich geschaffen haben. Des­halb hätten sie geschwiegen.

Waffenschmuggel nach Niederländisch-Indien.

Rotterdam, 27.Jan. (WB.) An Bord des FrachtdampfersMerauke", der am Samstag nach

hinreichendes Gegengewicht gegen ihren Ginfluß nicht geschaffen werden kann.

Dee Fraktion glauot deshalb, in der Op­position mit besserem Erfolg für Die Erfül­lung Der in Den Richtlinien gegebenen Verspre­chungen für Die Wahrung der deutschen Geistes- freihcit und für die Scherung einer gesunden . Wirtschafts- und Finanzpolitik und einer gerech­ten Steuerpolitik wirken zu können."

Die demokratische Reichstag-sraltton hat be­schlossen, ihre Erklärung Den bisherigen Ministern D r. Gehler, Dr. Külz und Dr. Reinhold mitzuteilen und Der Bitte AuSdrud au geben, sich an Der neuen Re­gierung nicht z u beteiligen. Heber Die Besprechung Der Demokratischen Führer beim Reichskanzler verlautet weiter von Demolrati- scher Seite, dah Dr. Marx auf die demokrn ti­schen Abänderungsvorschläge erklärte, eine Ab­änderung der Richtlinien sei nicht mehr mög­lich, Da sie bereits veröffentlicht seien.

Frankreich und das künftige Kabinett.

Paris, 27. Jan. (WB) Während der TernpS" und Das »Journal des Debats" fort- fahren, Das zu erwartende deutsche Ministerium der bürgerlichen Parteien mit Mißtrauen auf­zunehmen, vergleicht Der radikale Abg. Da- lädier, Minister im Kabinett Herriot, die jetzige Lage in Deutschland mit Der Lage, wie Ile im Juli vorigen Jahre- in Frankreich bc- stanDen hat. DalaDier findet Analogien und schreibt: Damals haben unsere Linksparteien Die Regierung zugunsten eines Ministeriums der nationalen Einigung aufgegeben. Als dieses Ka­binett gebildet war, zeigte sich in Deutschland Beruhigung, weil der Poincar 6 der Ruhr. Der Tardieu? von Versailles und Louis Marin in Die Regierung eintraten. Trotzdem gab es Genf und Thoiry und Die ein­stimmige begeisterte (?) Zustimmung deS gesamten Ministeriums Der nationalen Eini­gung zur Politik Driands. Warum könnte es nicht in DeutschlanD ebenso fein? Wenn Staatsmänner ein Ministerportefeuille erhalten. Dann geben sie einen Teil ihres Programm- auf. Denn Die RegierungSgewalt forDert von den Männern, Die sie ausübcn, Opfer. Es wäre absurD, unsere Außenpolitik abhängig zu machen von Den verschieDenen Schwankungen Der deut­schen Innenpolitik. DaS Interesse Frankreichs erfordert Sicherheitsgarantien, die der Vertrag von Versailles nicht hat geben können, und es erfordert weiter, so zu arbeiten, dah dev unsichere und prekäre europäische Frieden solid und dauerhaft wird. Diese- Werk kann nur durch Den Abschluß wirtschaftlicher unD politischer Abkommen mit Deutsch­lanD vrllbracht toerDen. DaS wesentliche ist nicht, zu wissen, welche Deutschen Diese Verträge unterzeichnen toerDen. sonDem ob sie Den In­teressen unseres LanDeS Dienen.

Amerikanisches Echo.

Reuhork. 27. Jan. (Sil.) In Washingtoner Regierung-- und Senatskreisen begrüßt man all­gemein Die letzte Entwicklung Der deutschen Re­gierungskrise. Die eine Ausschaltung des Sozialis­mus aus Der Regierung unD Die Mitarbeit der Partei ergebe, bie für eine gesunde WirtlchaslS- enttoidlung Den Hauptausschlag gebe. Große Be­deutung mißt man Dem Umftanbe bei. daß Die Deutschizgtionalen Die für Die innere Gesundung sv wichtigen Ministerien des Innern und Der Wirtschaft beanspruchen. Das Derbleilen Stresc- manns in Der Regierung wird besonders begrüßt.

Riederländisch-Jndien abgehen soll, sind in den Unter« tunftsräumen des chinesischen Teiles dec Besatzung 125 Revolver und 29 000 Patronen entdeckt worden. Man vermutet, daß die chinesischen Mitglieder der Besatzung diesen Waffenvorrat, der von der Polizei beschlagnahmt wurde, in Riederländisch-Zndien an Land und in d i e Hönde kommunistischer Organisationen schmuggeln wollten.

Dom deutschen Lauernbund.

Berlin, 27. Jan. (Wolfs.) Unter starker Beteiligung von Vertretern aus allen deuischen Gauen fand Die 'Bertretertagung deS Deutschen Bauernbundes, der etwa 140 000 Mitglieder zählt, statt. In einer Entschließung wurde die Forde­rung erhoben, die landwirtschaftliche Produü.on im Inland zu fördern, und Damit neues Kapital und Arbeit zu scha'sen. Weiterhin erblickt die Vertretertagung in Der Erhaltung und Ernäh­rung des deutschen Bauernstandes in Den Dünn besiedelten Provinzen, vor allem an Der Ost­grenze. eine staatspolitische Aufgabe von groß.er nationaler Bedeutung. unD hält Die baldige ® rünDung einer staatlichen Renten- banf zur Finanzierung Der Siedlungsarbeit für unbedingt notwendig. 5m Zusammenhang hier­mit wird eine Neuregelung des Pacht - rechtes verlangt. Unter Hinweis auf die starke Verschuldung der Landwirtschaft wird eine ge­eignete Kreditpolitik seitens Der Regie­rungen angestrebt. Zur Eteuecfrage schließlich wirb eine weitere Herabsetzung Der ©e-