Nr. 252 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (Generalanzeiger für Vderhessen)Donnerstag. 27. Gttober 1927
Papst und Diktator.
Don unterem röimfö« E-Änrr pr nbenten.
3 o m, flktc* Oktober
Sri! brr SreWagung M Ärr4x1x9aale» ist fein iugenbh ? gunhiQ^r Q<mxfm all her faltig*, ijni bnt bemalt grfniuMh Ä-toten brr .rbntildy« Staat“ mietet xu löten. Vie Wett erlebt ein Schulbetlpiel dafür. baff Mi 2Men bet Octoclt nicht immer Mob derftörung tein .rnih tWali ieglr ben ICHiDtrünen päpstlich« örupl hinweg, nur Gewalt vermag ihn toieter in fein Rechte ctnmifetm. 21 ur dn IHftator kann dem Papst ^urüdgrben '.do* dn Diktat ihm taufet
Stnige liberale unb bemokral 2he *Xe^terun* aen batten eS im Glauben an bic Macht brr öerbanblunglfunft unternomme-: Druden mut Veonaht hinüberzutchiag«. einige Rarbinak nSaen Fühlung genommen haben, aber jete ^ösung-mc glichkeit muhte in ben Egvi-mus- Kanälen btt Partei« unb Parlamente verlausen, n bet Hvllusl ersticken Genau Vie die mehr über mhttet gut gemeinten Etnrmschung»atzsichten fren- her Machte unb Ne internattonalen Äonfererw- piöne nach bem Muster be8 brttten Aapolevn Denn Nrf stehl itotz tes päpstsich« Konflikte mit .Italien“ über ber römisch« Frage bic JtaltenqlÄuMgfei'. um nicht äu sagen bet 2la - t lonolUmu» be« Sl uhle- Petri, ben \toat ber Xteoric noch, mctnuU aber in IBirf- lichkeit ein Richickal-«« besteigen Krone 94 fnübt alfr» Irrlichtern nachlaufen, wenn jetzt phan- kasietegabte 9cute bergeben unb tn bic römische .Frage so ettoa# wie BLlkrebunb-luft bnxnn- puntren möchten (Sine Einigung todre nur unmittelbar zwischen beiden Lagern gu erreichen, zwilchen ,QuirtnaI unb Vatikan“ — iide man nach alter Gewohnheit noch immer zu Ingen pflegt lehr zu Unrecht. Das Reue, bic Dunst des Augenblicks, liegt eben gcrab? in ber Ausschaltung didcs Schlagtvorles. Heute Hal [eine Negierung unb kein Äöf mehr die Möglichkeit, die römische Frage zu löten, sondern au»lch!icst!,ch ein einziger Mann - Mussolini. Menn er will, so oerlüsti ber Papst morgen zu» Zeichen des Stiebend ben Vatikan. Hur ein Genie. so hört man fett einem halben Jahrhundert sagen, ixrmöge btc römische Frage zu lösen, wie halte bas also ben Duce nicht reizen?
Aber Mussolini ist weniger cfrrflcigig als patriotisch, er würde die Grohmacht Italien nicht einmal um ixn Preis von Vorn antasten, gerade die Macht seiner unumschränktem Autokratie ver- bletft ihm einen ullzuleicht.n 6teg Er könnte «ich als bas legendäre (tenie «weisen, indem er Thron unb 5turie versöhnte, müßte sich bann .-ber selbst verleugnen Mit andern Worten, er könnte heute ten öieg buchen, wenn er dem Papste gäbe, was bkf« verlangt — ein Stück Italien. Unb bamit ein Stück vom Serien Mussolinis Eine Sorberung. bte auch einen Diktator zum Uebctlegen vevaulassen lann.
Vas ist bte 2fcb*e. um bie sich bie gegenwärtige Pvkinik dreh:. Ohne bk Gebunbc7ch.it an einen einzelnen Menschen brauchte man sie nicht ernst« zu nehmen als alle bi* Jahr: bi<- her. Jedes Jahr nach ben Feierlichkeiten an ber Porta Pia zur MmKrung im ihre Erstürmung imb bointt die Einigung Italiens unter dein alten römischen Adler taucht sie in b« Prelle <ros. kann man in Amerika lesen, bah b« .®c* «angene tm Ikrttim" diesmal aber ganz bestimmt an Weltmacht« Mn« goldenen Äafig verlassen werde. Es hat auch Ititen gegeben. wo am 20. Septenib« leb« str«g^läuoi^: Priest« sein ."Vaupt verhüllen xu müssen glaubte unb die Ma- r.ifeüc des weltlichen Rom unerträglich vor Qor- l*>xr rasche, ten Heu« blieb Mussoitni rubtq zu »ause, und unter sein«! Xcegatten waren auch rchllche Würbenträg«. Ich unterhielt mich mit einem bekannten Prälaten über den fröhlichen v ft lärm brausten, unb als die 3ebe auf die iwermeibiiche frage kam. lächelt? « Die Kirche bat Seit! Mu'ivlini sah auch nicht aus. als presse dos Problem bas H«z ab. und heute lagen es alle, b« Papst, ber Diktator, der Oncrttjtorv Romano unb d« Popow d'Italia: Dir haben S «i t.
Es sind ja auch, entgegen den B>chiupkungen b« nichttialieniichen Preise, schon viel deutlichere unb frältigere Worte gefallen auf beiden Über- ufern, unb floh doch noch viel Dass« burch bie Drücken. Der Pupst 'dber. nicht bioh seine Set- rung. ist in heftig« frrm ^.-gen bic Uetergiuss?
bes Fafzismus aus gestanden unb bat tm Eckigen -
versicherte, bah kein fr-.ete täglich fei. solange bie un&ürbigen llcti'.änb • anbauem unter den«, b« Statthal:« Cftifti !. ten mü b-r nicht einmal r.n e ger.ts Dach üb« bem Kopse habe Auch damals glaubte m in bte Tc \gjng bei Streites für unnatulbar devvrstch nd. glaubte
praktischen Schwierig!«ten vor Augen hielt
2hm ab« sieht es auj. all ob bei Pala.^)o Sbigi bas unfruchtbare frlb d« Polemik oer- '.jtifn unb zu Taten ÜL «geben wolle Mussolinis Bruder Arnaldo hat öfsemllch im Popo io d Italia die These autgestellr. der saszistl- ich? Staat habe alle Attribute, um Aich« und Daran: bei d« Lösung ber römischen ,Trage zu Mn. Dorausgeaang« war bic im forrivrc della ”«a von bem früheren Untcr.icht-mini:« (b c n- t Ile v«sochene die beste Lötung sei
chon durch das Garantiegesetz gegeben Mn der letzteren Anschauung räumte ter Vatikan in einem offenbar oor.i Kalina! ^at ekretär Ga - - barri selber geschriebenen Artikel auf. ein« 2Dbf«tigung. wie ffe sich eben nur die einzige nichtfaszisti'ch? Leitung, ber päpstliche OHcroatorc Hon:atm erlauben kann Da htsti es wörtlich, d« italicn>'che Staat Hube nicht ruxr die Möglichkeit. sondern auch nach dem allgemein gültigen
Moralgesetz die Pstich, ben angestislet« Schaben Su heilen, xurückzugeben, was er genommen. Aep.ratwn unb Aeititution Ausdrücke. bte «ra2'. xu nach Tkriad; ?.> n ch n Der Einwand 3cnlilc». von einem Temtsr um habe ja bte Äi.*>c gur nichts tu es der ital ? n<ch Stasi wieder zurücknehmen lämte, wird als unlogisch unb al» grausame Ironie vetspotii: Da» wäre also so. w.e e>e-in man einem öländert en zu rufen würde, .non wolle ihm auch nich ein bihchen lassen, ba man cs ihm morgen auf6 neue wegnehm en 1 Snntc!
Mastvoll« t:.l bi? Ltöwcti an 2matto Mussolini aus b« sich elv? imin.rh.n sageu lassen must, sein? entip. >che durchaus b« Anschauung bcrjcnig-i. bte dem Papst tun lein«- ä«i: das <Dattmttejirf« auf erlegt ett, man sei also nach einem halben .Jahrhundert unb nach fünf Jahren Aaszismus so weit wie votch«
Es must an «kann: merben, hast bic saszisttich: Regierung nuch brefrr Schlappe nicht ben Emp- fmdllchen spielte, sonder,: das Äonlrcte seftxu- bolten verbuchte, wus r an n den ein« PrvNa- tuativn gleichkmnmenben Erklärungen bes päpstlichen Hvs^s gc^unb.-n zu haben alaubL Dor allein die Tatsache, bah sich ber Papst auch mi einem Mini atitrd. rchenst a . t suf neben gaben mürbe. Omen Äornbcr zum Me^r? scheint er nicht zu oct- langen. Obtlmii.cn glauben sogar, feinen .Land-
Persien ein Land deutscher Zukunst?
Don Dr. Hermann Huttel.
hunger“ gut der Suietlung b« apostvllschen Paläste. ^1*« bte der Papst nur das Autz-i estungs» recht besitz'.. Willen zu können. Man kann leien, es sei ihm sogar mehr u.n bic Offenkundigkeit 1 einer Souveränität nach austen bin. als um ihre territoriale S cherung zu tun.
Wie dem roch fet. es if. mü ng. ü.»« ?3orte unb Cixabraddocicicm zu lireilcn. denn d e .irr» berun^.m des Pupstes hr.b unoitstv«stündlich f ormulier: Solange Nr »^apft sich mch: auf
eigenem sondern auf dem Lernt.rtum einet poluifchen Mach allo tn einem fremden Haufe t-etinbei. bleibt als ernx.ge Mögtich^eti bre ^stenc. aller Weit betomtc Streit -u? dem Ha.u»Herrn. LlnerlLhliche rdigifk Xotuenbigkcite- fordern volle Stetheit und ll n a b h ä n gl g k e i t, nicht nur tatsächliche, fonN.r. au4) ben 5‘ jubtge:i ber ganzen W-it o'fenk.:ndtge. Jeder ctnfcitig von Italien unternommene Lusglcichevetiua) in zum Scheitern verurteilt"
Allo statt bes bisherigem etnlcit:g m Gavin» tiegefetzes zmxachf: ein bciberfcttiac» Ab- fMnm.n Wer ab« soll mit Mussolini verhandeln 7 Territorium, gut. ab« lan i das unt.« dem Fasztsmu» «stärkte Italien n.-ucriiugs einen Staat im Staate dulden? Warum nicht, erklärt b« 3attl.ni. es wurde damit b.xh feinen Cdbiimorb begehen' Hi« ab« totttert rin unbefangener Beobachter sofort, was i n Wahrheit zwischen bctbcn Vagem steht unb nicht mit Jlatncn gen amu wirk bie Mvgifch- hall» eines von Italien nicht mehr konirsllter- iMtcn Kirchenstaate^ Man denke nur an ben StncgifaU, au getoilfc p»i i.iche Swtichenfälle wahrend deS Weltkrieges
veil etnlg« Seit wurde verschiedentlich für I P«fien als .Land deutscher Suhrn* in bedenklicher Weiie Propaganda gemacht Ss ist daher notwendig, vor jogiichem Optimismus m > dies« Beziehung ernstlich zu warnen.
Um cs gleich vorweg zu sagen Petiten kann und wird unter ben heutigen weltpolitischen Der- aussetzungen nie ein Sjanb deutscher Zuhmti werden. Gewist. das Auftreten von Aisa Schah bedeutet insofern einen Wendepunkt in der Geschichte Persiens als er unter keinen Umständen gewillt ist. die Iukunst seines Landes hoffnungslos ben englischen Interessen preiszugeben Aber diese nationale Zrctheitsbcwegung ist eine Er'ch.inchig. die Persien mit dem erwachenden Onent in feiner Gesamtheit teilt. Auch ist es wahr, bah sich in Persien austerorbentlich starke Sympathien für das deutsche Volk regen. Daraus ab« irgendwelche günstigen Aussichten, zumal auch für deutsche Au^a.iderer in Persten herleiten xu wollen, heistt mit dem Schicksal auswan- derungSlustiger Volksgenossen ein le ich: fertiges Spiel treiben. Denn zu solchen günstigen Aussichten gehört doch noch etwas mehr als Ghm- patbie, — dazu gehören vor allem wirtschaftliche Voraussetzungen. Diese ab« sind in 'Persien durchaus nicht in bem Maste gegeben, wie cs verschiedentlich m Deutschland bar sufte Lien versucht wirb. Auch ist bie Lage ber Deutschen. Me sich brausten im AuLond unter den bittersten Opfern tn jahrelangem Allwen ein bescheidenes Dasein erkämpft haben, ntihl derartig, dast sie auch noch die Last Jener aus sich nehmen können, bie sich — von urrverontworilt ch«! Empfehlen gen v«führt — tn etn meist aussichtsloses Abenteuer gestürzt staben. Die tragen deS AuSlcmdsdeutsch- !nntf und besonders d« deutschen Otientmissivncn üb« bte Ueb«schwennnnng mtt deutschen Arbell- «uchenden. dentichen Weltwanderern und Abenteurern sind ganz gewist kein leevcs G«edc. Getad? im Orient fällt <*6 auch ben rebllchsten Auswanderern ungeheuer fchw«. Arbeit zu Hn- den. Und wenn eS Ihnen dennoch, allen Schwierigkeiten zum Trotz, gelingt, bann werden sie meistens zum Ault urbünger und gehen bem Deutschtum endgültig verloren. Der Lohn, mit dem sich die deutschen Arbeit« in Perste:i zu- srieden geben müssen, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Hungerlvhn. für den such nicht einer von ihnen tn ber deutschen Heimst Dienste tun würde. Auch tonst — hinsichtlich d« Verpflegung, Wvhnunz. Schlafgelegenheit -- unterscheidet sich in den weitaus meisten Fällen die u-eHandlung des deutschen burchans nicht von der des eingeborenen Arbeiters. Berücksichtigt man noch das mörderische Klima, die Malaria und bie stets herrschende Typbusgefahr.
so kann nwrn mir wünschen, da st die «n strichen Warnunacn vor ein« unüberlegten Auswanderung nach Persien nicht ungchört v«hallen mögen. Es sei in diesem jutanv.ncnbang nur an bte .Schmubc-Stpedition" erinnert, bie vor einigen Jahren mit ein« ähnlichen Persien- Prvpaaanda cingeleitet wurde unb bann so überaus kläglich scheit«tc. Soweit bic damaligen 'Pcrfic UTkinbuxr noch ub« bte notigen Mittel neiiügicn, kehrten sie schleunigst tn das deutsche Bal «land zuruck Don ben Aermsten ab«, bie über solche Wittel nicht verfügten, haben eS mit ganz, ganz wenige unt« ben unbeschreiblichsten Anltrengungen unb Entbehrungen zu einer allerdings recht dürftigen «ösistenz georacht.
Mehrere von die len sino beute Wohaiutnedaner! Aut solchen Deutschen kann zur AuSwanberung nach Per, ien geraten werben, die bereits vor ihrer Abreise einen I e ft e n Vertrag in der Tc'ch? haben. Dast ein solcher Vertrag bei der Anstellung seitens eine» vcrtischen Arbeitgebers tuich Vermiticlung einer deutschen Ausland- bchörde getätigt werden must, sei nebenhin «- wähnt.
Denn indessen aus einem öebtet eine erhöht e 2usmvrksaml.il Deutschlands Pertien **• genüb« geboten ist. dann ist cs auf kulturellem Gebiete. Leider aber versagt gerade In dies« Beziehung Deutschland voilständtg. Günstige Wirt schuf tsbeziehungen In Pern en mögen noch fv wünschenswert fein, tm jetzigen Augenblicke. wo sich ooS prtsische Boll wie alle onberen -rrPsmmedanikchen Völker tn etnem Lebevoangs- ftaMum befindet, wo es sittlich und vSlllsch ein« allzu seichten Enropäisieruna zum Opfer xu fallen droht — tn diesem Arx,enblicke wäre eS ehw der dankbarsten Aufgaben. Me sich das deutsche Doll stellen könnte, wenn es mit seinen hohen Kulturgütern bem aufstrebenden Persien ckwaS tatfrititiger al« bisher unt« die Arme greifen wollte. Amerikanische, engllsche unb nickt zuletzt französische Schulen unb Missionsschulen überziehen weithin bas p-rsischc Land in ftetaanbem Matze AI>gesehen von einem recht bescheidenen Anfänge in Labri- hat Deutschland In dies« Dczichung seither noL nichts getan. DicS ist um so bedauerlicher, als der Wunsch q«abe nach deutscher Bildung in Persien ein ungemein ftarfcr Ist. Denn sich von jeh« die französische Pirni«arb«it unt« den fart'Inen Böllern durch Äafernen, die englische durch Schlachtfchlsie und Faktoreien und Die deutsche durch Schulen aekennzeichnet hat. so möge Deut-chlcnd ernstlln daraus bedacht sein bist eL in dies« Hinsicht Persien gegenüb« lei Ausnahme macht Etwaige tt»lrtf<baft4pt'itif(i>e Früchte fallen ihm dann zu gegeben« Seit von selb« zu.
Sine Kundgebung für dar humanistische Gymnasium
Die Sorge um ben Bcslanb des Huma,..'rischen Ghmnaltunis erfüllt weite Streife de» deutschen Volkes Darum erklären seine Anhänger, durchdrungen von dec Hourciiölgleit d.r Erhaltung diele» wichtigen Rulturiadori g. ?n zahlreiche schwere Angriffe auf die c Vilbang»- ibce Wenn die Gegner mit ihren auf riumd- örängung oder gar 3cfcittgung ber humanistischen Schule geachteten Bestrebungen r^olg 11- Ixn. Io verhindern sie Me unmittelbare und tauernd? Veiruchiung be» beurschen ®ci-icjlevt;i» burd) diejenigen Kulturgut«, denen dec Rutsche Geist seine Weltgellung verdankt, unb die nur von dieser Schule in ihrer Lcionbcmi Eigenart wirksam vermittelt werden ldnnen. Sie verengen die politiiche und geschichtliche, bic likr t '-c. lünstlerilche und philosophisch« Erfahrung un-
unb beschränken die Mv^lichwiten zur 3cr;:<- fung ihrer Menschenkenntnis tn veryängnisvoilcm AuSmatze. Sie nehmen den Gebildeten unser.- Volle» die Fähigkeit, über bie kulturellen ,iu- lanunenhänge ter Gegenwart hinauSzublicken. unb so mit gesteigerter Urleüskraft für bie in ihr wirksamen Werte den rechten Mahslad zu g<- winnen. Allen gegenteiligen Behauptungen ^um Trotz stellen bie Anhang« dev bumantiti- schen Gymnasiums mit Genugtuuna fest. >ast unser Gymnasium, da« schon längst ouigebört hat. «ine Gelehrienschute nur für Altphilologen und Theologen xu fehl, mtt bem Geist bet neuen Lehrpläne Ircubig ben Anforberungen ber modernen Zeit Aechnuug Irigt.
Auf Grund solch« Erwägungen Haden sich Männ« der Industrie unb Bankwelt. beS Handel- unb ber Landwtrtfchasl ber stirche und Wissenschaft, bet Preise und des poiiii'chen Gebens zu folgender E n l s ch l ietz ung. bie sie btenmt ber OeiielUlichten imtcrbreiten. vereinigt „Die Humanistifche Bllbung »st ein» ber höchst«m Siultur- güt« des deutschen Volkes. Ihr Ideal lann nut durch eine lebensvolle Einführung ber Jugend in Sprach« unb Äeltur brr Griechen unb -Römer !?:rwlrllicht werben. Darum fordern wir. namentlich auch angesichts ber überall im Ausland oerftäfiten hu.iiaitistifchen Schuldllbung Lin- Teilung aller Mahnahmen, bte die humanisiischen Gymnasium- gefährden, unb verlangen nachbrück- llchsie Förderung kleleS Bildung»wesetw unb seinen weiteren zielbewuhten Ausbau “
Der Aufruf trägt eine Aeihc von Unterschriften bekannter Persönlichkeu^n. darunter u a.: Geh. Oberbergrat Benn hold. Geschäftsführer de- Aeich-lohlrtirat-: Accht-walt Bernstrin, ge'chäft »
Literarisches Feuerwerk.
An ben schönen Abenden eines zeitigen Herbstes, wenn die Rocht Imm« früh« bic ®rbe Dtrhnftm strömen bte 'Ulen'dien tn ben gröften lkrgnügung»garten, ben Spor!- unb unteren weiten Plätzen stammen um ein glanzend«- Schau'viel wie «men Traum do rüber- rauschen zu sehen. Da steigen in ben dunklen Dom ber Rocht vor den «Itounten Augen von Dielen Tausenden bie schlanken Raketen, um einen Regen von Funken und Sternen, golden unb 'tQxni. blau unb tot unb grün vetichu'enbenlch auszufchuklen unsichtbare Bomben werden in ten Himmel geschleudert, bic au» ter Höhe ihrer 5afcn riefeiihaftc Pviopen unb Schlangen ab- werfen an gespenstischen Gerüsten, bie ein« !nittclalt«ltchen RicheftäUe anzugehvren scheinen, entzünden sich zauberhafte Lichtfiguren und phantastisch« Bäum« auS fluffigem Glas, feurige -Räter rollen. Lichttaskaden bienten das Auge, e- Ist. als ob bic Jrte geborgen fei unb glütente Lava au-lpeic Feu«werk' Roch imm« ist es ein Fest für bas schaulustige 2ug-c heute n?ie bama 1* aK ÜLoititeur Voutrv mit gnä- igster Erlaubnis em« hochgeb etenben Obrigkeit sich Me Ehre gab. im FechtHaufe zu Aürn- terg 'ein grohes jeu«^«! .dacdius dxns sdo triompl.e" ober: Der rriumphierente Bacchus abzubrennen, und als. tm letzten Viertel de» iS. Jahrhunderts Io'eph Mc11ina und die Stuwers im Wiener Prai« vor Schntau'enden, oft auch vor dem tüi'erädxm Hose, ihre Künste zeigteii. .Aiemal-," <o schreibt e.ncr ter Reifenden jener Tage, .wird in Wien mehr noch ten Wetterglä ern gelegen als wenn sich gegen bic Zeit eines angekündigren groheu Feuerwerks Wolken am H.mrne! zu zeigen an- fangen Das Feuerwerk ist in Wien eine fo wichtige Sache, bah logar ter berühmte Denis eine Ode bar auf gemacht hat. Schon damals stand ein Tableau, wie .der feuer»pc.ende Driuv in seinem vollen Ausbruche ' auf tem Programm der Künstler des Feuerwerks, zur We.rberühmt- heit aber gelangt durch ihren Itierar.idjen Bezug sind die grohen Schaustellungen, für bie Goe
the- .Wert her" bie Vorlage abgegeben hat. .Werthers Sufammenfinxft mit Lonchen tm Eihsium ’o nannte Joseph Mellina bas Feuerwerk, das er im Jahre 1781 abbrannte £4 bestand aus zwei Abteilungen, dem Fronten- feuer unb ber Dekoration. Das Frvmenseucr war in tihti Unterabteilungen gegliebert. deren erste beide nicht mit b« Dichtung ju’annnen- hingen, in ber dritten würbe, bemLttckündigungs- zettcl zufolge. VtertberS traurige Lage, in ter vierten WertherS getrennte Bereinigung. Ivm- bolificrt durch ein Ornament, worin Wort Hers TrauungSring mit einigen lich liebkosenden Täubchen hing und zum Felchen ber gerxtitiamen T rermung «ribrang. unb in ter fünfte E*rc- thers Su’ammcnfunft mit Lottchen bei 'r.ntt Ruhestatt gezeigt. Die Apotheose deS Schluh- btlbes stellte Werthers und LottchenS Aufenthalt in ten Gefilden des Elysiums dar. w^zu das Programm bie folgend»? Erklärung gab .Das Elvsium in Gestalt c nes zier'ichen Gartens mit verfchietenen Luftwäldchen ist ter Haupt- plan ter Dekoration. Rechts unb links verlierrt sich da» 'orichende Au-z burch viele tn ein« J perfpektivitchen Ordnung gepflanzt« Bäirrne.
Teldy ein f^r prächtiges Lustgebäude um- •dWicften; ben Bord-ergrund teS«'elben umgibt em marmornes, mtt verschiedenen Rauchtöpfen ^ezleretes imt dreifachen Aufgängen burch- rtiiltenes Parobete und enn>ä't etn aas relwem drei grobe Sprmgbrünne daS reincste ÄriftaUctuDcf^r 'ehr bick aus'pr'.tzen Vom Gute .-»es Parte«? führt eine aus Alabaster n engrietzte St ?ge gerate zu einem herrlichen Gc'e.l'chaftS'aal bes gedachttrt GeoäudeS. alb» Wertster mit Lottchen zu festen .st. Die'« Saal Icheint aus goll-enen un*1 anderen kostbaren Steinen gebaut zu sein, ist mit einer 'ehr künstlichen Kuppel gedeckt unb an beiten Setten mit perlpektivilchcn. durch goldartige Säulen unter- stützt«. Galerien Dcrbimten. Bewegliche D-.a- manten 'chm Ücker, bie äußere Rundung, ein stahlart.ger Spitzstein in Brrllant'cu« ab« bie oberste Endigung der Kuppel. Obre denen Galerien sind grvhe, von Liebesgöttern getragene
Gefähe mit aufbrtrmcnben roten Flammen auf- gestellt. die viele archt tektonische Doriprünge hingegen mtt ®artengrid);rrei. gelieret, welche viel« bewegliche unb besonterS folorteri? Blumen enthalten ' Und das alle» für einen Gulden zwanzig Kreuzer auf ter ersten, vi«zig Kreuz« auf ter zweiten Galeriel
Das pantomimische Feuerserk .Wertster- Leiten. frei nach Goethe . da- Adolf Bäuerle, ter spätere Theater .cht«. al- Knabe von zehn 3af)rcn 1796 von ten S . uwer - ' Vater unb Schn) vorgesührt 'ah. ist, wenn ter Siebzig- jäbrip? bei ter Rieder'chnlt fein« .Memoiren' sich recht erinnert hat. ausgelacht worden. K. H.
Don deurscher Sprache.
Unt« dieser.! Titel läht soeben Otto D? • haghel in dem Drelag von Schauenburg in Lahr «Boten) eine Sammlung von Aussätzen, BortrÖLen unb Plaudereien erscheinen bie für ben wetteren Kreis ber an unserer Mutt«- 'proche Anteil nehm-nten Lairn bestimm', ist. Der Altmeister ter Germanistik tK-rrinigt h« bie Fülle von üter M verich.-denen arö^r.n unb klein«« sprachwisienl chaf ttich« Abhandlung« zu einen bunten Strcnch. ter en jede einzelne, auch für ten Laien fesi.lnd unb verständlich. reiche Anregung unb Bel hrung gibt. Da sind« wir bedeut ende Vorträge, Di: manch-« von uns. sei es in Gietzen, fei «3 bei auSwärt - gen festlichen Gri. a -nstrit«. selbst gehört hat, wie . Verlust unb Srtatz im Leben brr brutschen Sprache“, »Wandlung« tm deutlch« Satzbau“. .GelchrieteneS Deutsch unb griprrchenes Teutich“. »Von beu'.lch« Bindewörtern"- neb-n ihnen stehen Richtigstellungen und kürzere Bemerkungen, hervor g eg ang« aus bem Kampf .geg« ltiensta'tes Dreinrrben, gegen Unwisi«- heit und Oberslächlichkeii“. ten ter Gelehrte heute Io unerbittlich wie feil Jahrzehnten führt: fv hat « tn tem im Jahre 1934 unter ben Osienbachern tobenden Mä-nerkri?g um bic Er- nänmg des Romens ihrer Stadl zweimal das Wort «griffen. In ten Artikekn .Srele und
Rüg", . Aieter unb unter", .Gelehrte Doils- <r» ater in Aufsätzen zur Ramenkunte. tem Laienüter- griff« am meisten ausgesetzt« Gebiet, ertönt immer wieter bfe Mahnung .Sckust« bl- lb b:l ternem Leist«!" »Was würbe Herr Iäg-r lagen, tocroi dn Philologe üter Paläontologie schreiten wollte, ohne eine Ahnung von Ana- lomic zu hab« 7" - Antere Auslätze fefkln uns schön durch ihre lieber!<briflen, die zugleich »eigen, bah Erscheinungen tes Sprachlebens auch in ander.r Wc.se tehand?lt tt>«bm könn -n, al» in ter zumeist angewandten, bie bewirki hat. baff scho' ter Ramc .Grammatik" ob« .Sprachwils«schäft“ tem gewöhnlich« Sterblich« eine Gänlehaut hervvrrust Genannt sei« .Strvh- toitto« Strohwitwe". .Das ist mir wurst, teil! mit pipe , .Grammatik und Polizei". ..Sprach- siche Versteinerung«“. .Humor und Spieltrieb in ter teuUchen Sprache". Bc'onter» häufig hat Otto ltehaghel mit sch-arf«n Blick unb teullidbcr Sprache zu brennend« Hltei.f rag/n tes Tag i Stellung genommen: bie Aus:ätze . Eckenschrist und Tcut'cht-im". C>'i Reichtum: für deutsche Sprache". .Die D<rteutichungsde'.r bangm und die Preatzilche Alatemie ter Wissen!chasi«" gehör« hiech«. Mi' tem zuletzt genannt« Aufsatz komm« wir fchliehlich zu rinm Gebiet, cul dem B?haghel stcl» befonbere eifrig und erfolgreich tätig war. in bem Kampf geg« ba- üb«flüssige Fr^.dworl In fd> dem A-igtifl und mit btihentem Spo:t geh: er hi« vor i.prorimal- distal". .Reue -ist«'. .Olympia"): aber er jc.gt auch die Wege, gibi die Hilf« zu einer Besserung ' .Psiege ter deutsch« Sprache". .Vom deutsch« Sptachv«<in". .Deutsche Fachwörirr zur Sprachlehre". .Deutsche Dornam«"-.
Es ist unmöglidi. ten reich« Inhalt te- Buches hier zu crichöpf«: jeter 2der wird in ten lieben grohen Abschn.f.en, inibriontere In Q Wortgcschichte. D. Saybau, E. Sprachgebrauch noch vieles finden, das ihn anzieht. Antwort auf manch? Frage, die « sich selbst schon vor gelegt Hai DaS Buch ist für weiteste Kreise bestimmt, es sollte vor allem in lein« Schalbü cherri fHl«.


