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Eine neue Poinearsteoe.

Die Legende vomaufgezwungenen" Krieg.

Paris. 26. Sept. (WTB.) Potncars hielt hx Dar-le-Duc als Vorsitzender des General- irat«s eine Rede, in der er u. a. erklärte: Schlecht uni errichtete oder die Wahrheit ab­sichtlich entstellende Ausländer haben die Lothringer Bevölkerung häufig als chauvi­nistisch hingestellt. Wir sind viel mehr inter­essiert am Frieden, als viele von denen, die mit so viel Beharrlichkeit von ihm sprechen. Bereits vor dem Angriff Deutschlands gab es in Frank­reich keinen Landesteil, der mehr als dieser darauf bedacht toar, einen bewaffneten Konflikt au vermeiden. Die Lothringer wußten, daß sie tm Falle eines Kampfes am meisten unter seinen Zwecken zu leiden haben würden. Wir formten keinen Schritt in unserem Landesteil tun, ohne uns immer wieder zu sagen, daß unser armes Land, wenn der Krieg ausbräche, von der ersten Stund« an der blutige Schauplatz der Kämpfe sein würde. Wir wollten den Frieden, aber w i r wollten auch unsere Sicherheit. Wir hielten darauf, daß Frankreich in der Lage wäre, sich zu verteidigen, wenn es angegriffen würde. Wir hielten darauf, daß es außerhalb Freunde und Verbündete habe. Keiner von uns hat vor 1914 eine andere Politik befolgt. Keiner von uns würde den schmählichen Mut gehabt haben, den Krieg zu erklären oder ihn zu pro­vozieren. Als er uns aufgezwungen wurde, haben wir aus vollem Herzen einen Krieg ge­wünscht, der nicht nur den Feind zurücktriebe, sondern auch Frankreich in seiner terri­torialen Integrität wieder her­stellte und ihm mit der Wiedergutmachung seiner Schulden eine volle Slcherhei t ge­währleistete. Wir können jene Legende nicht ernst nehmen, die man jetzt aufzutischen versucht, die von einermöglichen Invasion" spricht, die die Zivilbevölkerung geschont habe und beinahe harm­los gewesen sei. Zuviel Greise, zuviel Frauen wurden in den ersten Wochen des Krieges in unseren besetzten Gemeinden getötet; zuviel Häuser wurden in Brand gesteckt, als daß unsere Lands­leute nicht die Pflicht hätten, gegen eine so offenkundige Verleugnung der Wahrheit zu protestieren. Di« Loth­ringer wollen wohl Vergessen üben, aber sie wollen nicht, daß die Lüge sich fe st setz t."

Die neue preußische Desoldungsordnung. Neugliederung in vier Gruppen.

$.11. Frankfurt a. M.. 26. Sept. (Tel.-Un.) DieFrankfurter 3dtung" veröffentlicht einen Auszug aus der neuen preußischer: Besoldungs- ordnung, die demnächst genehmigt werden soll. Aach der »Frankfurter Zeitung" ist die Reihen­folge der Gruppen in der neuen preußischen Desoldunasordnung, die der Reichsbesolbung an- gepaht ist, u mg «stellt. In Gruppe I sind nunmehr die Ministerialräte aufgeführt, die Gruppe XII entspricht im wesentlichen der bis­herigen Gruppe I. An die StÄle der bisherigen einheitlichen Besoldungsordnung sind vier Be­soldungsgruppen getreten.

A. Aufsteigende Gehälter mit festen Grundgehalts- sähen.

Die Gehälter erhöhen sich hier von Atoet zu zwei Jahren, jt CB. tn der Gruppe la, die unter anderem die Ministerialräte, Senats Präsidenten bei OberlandeSgertchten und Landgerichtsprüsb- denten umfaßt von 840012 600 M.; in der Gruppe llb, die u. a. die Regierungsräte und Oberregierungsrät«, Oberbauräte, OberlandeSge- richtsräte, Oberstaatsanwälte, Landgerichtsräte, Oberstudienräte und -Rätinnen bei den Provin­zialschulkollegien, Oberstudiendlreltoren unb Schul­räte umfaßt von 48008400 Mark; in der Gruppe VI von 19003400 Mark für Assistenten und Assistentinnen der neuen Laufbahn und Kanz­leisekretäre aller Art, in der Gruppe XII von 1500- 2100 Mark für Schloßaufseher, Gestücks- wärter usw.

B. Feste Gehälter.

Diese Gruppe wird gleichfalls in 12 Abteilun­gen eingetellt. Zur Gruppe I gehören nur die Minister einschließlich des Ministerpräsidenten mit je 36 000 Mark Gehalt; zur Gruppe VI ge- hörde u. a. die Derghauptleute, verschiedene Re­gierungspräsidenten, der GeneralstaatSanwalt beim Kammeraericht, der Polizeipräsident in Berlin und die Direktoren bei der Oberrech­nungskammer; der Gehaltsatz beträgt hier 16 000 Mark.

C. Gehäller mit Mindeslgehaltsähen.

Diese Abteilung gilt vor allem für di« Rektoren und Professoren der Hochschulen und Akademierx sowie für die Konzertmeister und Musiker bei den staatlichen Theatern.

D. Schutzpolizei und Landjägerei.

Gs erhalten hier u. a. Gruppe I 16 000 Mk. di« Kommandeure der uniformierten Polizei in Sonderstellen. Gruppe V die Polizeihauptleut« und Landjagerhauptleute mit 4800 bis 6900 Mk. Gruppe C die Polizeiwachtmeister während deS 2. bis 4. Dienstjahres 1400 bis 1500 Mk. Dazu tritt das bisherige WohnxmgSgeld.

Die Arbeit des Reichsfinanzministeriums. Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 27. Sept. Die Arbeit des Reichs- finanzministeriums steht zur Zeit, wenigstens was die innenpolitischen Arbeiten betrifft, recht im Vordergrund des Interesses. In erster Linie ist es dabei selbstverständlich die Besol­dungsvorlage. die lebhaften Auseinanber- s^tzungen unterzogen wird. Zur Zeit steht noch nicht fest, an welchem Tage der kommenden Woche die Vorlage veröffenllrcht werden wird, ebenso ist der Zeitpunkt der schon seit langem geplanten Pressekonferenz beim Reichs!inanzministcr über diese Vorlage noch nicht festgesetzt worden, all diese Fragen befinden sich noch in Schwebe, während dessen die Vorlage im Rcichsrat liegt. Ein weiteres Kapitel der augenblicklichen Arbeiten des Reichssina ^Ministeriums stellt daS sog. Kriegsschädenschlußgesetz dar, das. wie wir erfahren, doch noch rechtzeitig fertig gestellt werden soll, damit es bis zum 20. Oktober auch dem Reichstag zugchen kann. Es hat sich aber eine neuerliche Schwierigkeit insofern er­geben, als der R e pa r a t i o n s a g e n t, jeden­falls verlautet dies, noch nicht seine Zustim­mung dazu gegeben hat, daß die Liquidations­gläubiger aus dem Erlös der Reichs-'

Sin Kronprinjenbrief aus bet Kriegsjeit

Diechinesische Mauer" um den Kaiser. - Die Schaden der Kabinettsregierung.

Berlin, 26. Sept. (Priv.-Tel.) In einem Dries, den nach derWelt am Montag" der ehe­malige Kronprinz im Juli 1917 an den da­maligen Reichskanzler Dr. Michaelis richtete, heißt es u. a., daß die unerhörte Politik des Herrn von Bethmann Hollweg, die ihre Krönung in dec dem König von Preußen vom Deutschen Reichstag abgetrohten demokrati­schen Wahlrechtsreform in Preußen gesunden habe, niemals möglich gewesen wäre, wenn Valentini schon seil Jahren seine Pflicht ?etan hätte und den Kaiser über die wirk- ich en Stimmungen orientiert hätte. Va- lentint, d«r sich jedesmal mit einem Lächeln über seine, des Kronprinzen, Warnungen hinweggesetzt habe, habe es nie verstanden, welche schwere Besorgnis ihn bei dem Gedanken an bas Erbe beseelt habe, daS er dermaleinst antreten sollt«. Di« Klagen, die ihm aus allen Kreisen der Bevölkerung seit Jahren zugingen über die Abschlietzung des Kaisers, die sog. chinesische Mauer, seien durchaus berechtigt gewesen und all« seine Versuche, den Kaiser wieder in nähere Beziehungen zu den führenden Leuten im Volke zu bringen, seien infolge des unheilvollen Ein­flusses Valentinis gescheitert. Die Persönlichkeit seines Vaters sei für eine Entwicklung in dieser Richtung letber sehr geeignet gewesen. Es sei ihm sehr viel bequemer gewesen, mit seinen Kabinetts­chefs zu arbeiten, als die Vorträge seiner Mi­nister entgegenzunehmen, von denen z. B. der frü­here Minister des Innern ihm einmal gejagt habe, er hätte nur einmal im Vierteliahr einen Vortrag beim Kaiser gehalten. Die mancher­lei Enttäuschungen und Mißerfolge, die man während der Regierungszeit seines Vaters er­lebt hab«, hätten letzten Endes ihre Wurzel in diesem Uebelstanbe.

Das deutsche Volk habe ein sehr feines Ge­fühl für diese Situation. Die Dinge hätten nie­mals eine so bedauerliche Wendung genommen, wenn die KabinettschefS, und in erster Linie Exzellenz v. Valentini. ihre Pflicht getan hätten. Der Kronprinz knüpft hieran die Bitte an Michaelis um Beseitigung dieses Man­nes, als dessen Rachfolger er den fixeren Ober­präsidenten in Ostpreußen, v. Berg, vorschlägt und gibt zum Schlüsse folgende Punkte an, dre nach seiner Ansicht wejentliche Bedeutung ha­ben: Feste Siegeszuversicht nach außen, Ge­schlossenheit. Vertrauen und Frieden im Innern, starke Einwirkung aus bi« Presse, jebe Erörterung zu unterlassen, bie im Ausland« den Schein der Zwietracht im Innern erwecken könnte, rechtzeitige Versorgung der großen Städte mit Rahrungs- mitteln, speziell Berlins, und unbedingte Sicher­stellung der Kohlenversorgung.

In der von dem gleichen Blatt veröffent­lichten Antwort Dr. Michaeli s' heißt es u. a.: Durch meine Interpretation der berüch­tigten Friedensresolution des Reichs­tags habe ich ihr die größte Gefährlichkeit ge­raubt. Man kann schließlich mit der Resolution jeden Frieden machen, den man will. Dr. Micha- elis kommt bann auf die Personalfrage zu spre­chen unb schreibt u. a.: Durch Exzellenz Helffe- rich werde ich wesentlich entlastet unb habe rhn verfügbar für die systematischen Vorberei- tungenber Friedensverhandlungen, an der ich mich aber selbst intensiv beteiligen werde, um das Auswärtige Amt in die Hand zu bekommen. Die gewonnene Zeil will ich na­mentlich zur Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen dem Hauptquartier unb mir benutzen.

bahn durch die Vorzugsaktien befrie­digt Werber: können. Ob es sich babei um eine Absicht des Reparationsagenten handelt, auf dies« Weise sich seiner Zustimmung zu entziehen, läßt sich noch nicht überblicken. Es wäre aber außerordentlich zu bedauern, wenn es dadurch neuerdings zu einer Verschleppung in dieser Frage kommen würde. Was schließlich die Arbeit am Steuerrahmengeseh betrifft, so hat sich hierbei noch keine neue Situation ergeben. Das Gesetz liegt nach wie vor bei den zuständigen Ressorts. Als letzte und wichtigste Arbeit des Reichsfinanzministeriums verbleibt barm noch die Aujstellung des Reichs- hauShaltsplanes für das kommende Jahr, der ja in den nächsten Wochen und Monaten seinen Abschluß erfahren wird.

(Ein Notschrei her Städte.

Keine Deckung für neue Ausgaben".

Berlin, 27. Sept. (Prid.-Tel.) Der Dor. stand des ReichSstädtebundeS Hal in Berlin ein« Entschließung gefaßt, in der es heißt:Die 1350 hn Reichsstädtebund bereinigten mittleren unb kleinen Städte Weifen Reichs- unb ßanbeSregie» rungcn, Reichs- unb Landesparlamente unb die gesamte Oeffenilichkeit ans die überaus ernsten Sorgen hin, mit der ste der kommenden Ge­setzgebung tn Reich und Ländern entgegen» sehen. Für die neuen Ausgaben, die durch eine als no wendig anerkannte Besoldungserhvh- hung und bie Durchführung eines Reichsschul- ge'ehes den Städten auserlegt we den sollen, fin­den sie in den bisherigen Einnahmequellen keine Deckung. Wenn den Städten daher von Reich und Ländern keine Mittel für die neuen Ausgaben überW e'en werken, so bleibt ihnen keine andere Möglichkeit, um ihre Ver­pflichtungen er Men zu können, als eine er­neute Erhöhung der Real steuern und der Gemeindetarife, die nach ihrer Auf­fassung in den meisten Städten nicht mehr zu verantworten ist."

Weiterer Rückgang der Erwerbslosigkeit.

Berlin, 26. Sept. (WTB.) Die Zahlt der Hauptunter st ühungsernpfänger in der Erwerbslosenfürsorg« betrug am 15. September 1927 runb 381 000 gegenüber 404 000 am 1. Sep­tember 1927 und 420 000 am 15. August 1927. Der Rückgang in der Zeit vom 1. bis 15. September 1927 beträgt runb 23 000 gleich 5,5 vom Hundert. Auch die Zahl de» Hauptunter- stühungsempfänger in der Krisenfürsorge ist in der Zeit vom 15. August bis 15. September 1927 weiterhin zurückgegangen, und zwar um runb 20 000. Ihre Gesamtzahl betrug am 15. September 1927 runb 136 000 gegenüber 156 000 am 15. August 1927. Die Gesamtzahl der unter­stützten Arbeitslosen hat sich bemnach in ber Zeit vom 15. August bis 15. September 1927 von 576 000 auf 517 000, also um runb 59 000 gleich 10,2 v. H. vermindert.

Aus dem Finar zausschuh des Hessi chen Landtags

Darmstadt, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Der Finanzausschuß trat am Montag zu einer Sitzung zusammen, um die Regierungsvorlage zu be­raten, in der die Neuregelung der De- soldungsordnung der Beamten im Reich auch für Hessen übernommen wird; ins- besondere wird d rin di« Frage der Vorschüsse geregelt. Die Vorlage wurde mit sieben gegen zwei Stimmen, bei fünf Stimmenthaltungen an­genommen. Gegen die Vorlage stimmten di« zwei Vertreter des Bauernbundes; für Slimm- enthaltung spräche:: sich die Sozialdemokraten mit Ausnahme des Abgeordneten Engelmann aus. Ein sozialdemokratischer Antrag, der weiter­gehende Sähe als die Desoldungsvorlage unb eine andere Festsetzung der Vorschüsse forderte, wurde abgelehnt. Ebenso verfiel ein Antrag Reiber, der die preußische Regelung übernehmen wollte, der Ablehnung. Der Ausschuß nahm ferner eine Vorlage über die Iagdwaffen- Päsfe und den Iagdstempel an, und zwar mit einer Aenderung. Cs soll, außer dem bisherigen Iagdpah für drei Tage zu 5 Mark, ein Jagd- Paß für sieben Sage zu 10 Mark ausgestellt werden.

Den: Hessischen Landtag ist eine Regie­rungsvorlage zugegangen, worin die Re­

gierung um die Ermächtigung nachsucht, zur Be­schaffung von 8 Millionen Reichsmark zur Ge­währung von Bodenverbesferungsbar- leben, 4 Millionen Reichsmark zur Gewährung eines Darlehens an die Hessische Landesbank zur Förderung des Realkredits, 600 000 ReichSma^ für die Gewährung von Dar­lehen zur Förderung des Frühgemüse­baues (Glashauskulturen) einen Betrag von 12 600 000 Reichsmark im Wege des Staatskredits flüssig zu mache:: und zu diesem Zwecke Schuld­verschreibungen, Schahanweisungen und Wechsel in einem Rennbetrag, der zur Beschaffung des genannten Betrages erforderlich ist, zu einem der Lage des Geldmarktes entsprechenden Zinssätze abzugeben.

Die Stellung der Studentenschaften in Preuhen.

Berlin, 26. Sept. (Priv.-Tel.) 21m 1. Ofr tober wird bie Verordnung des preußi­schen Kultusministers veröffentlicht wer­den, die die Bildung der Studentenschaften regelt In dieser Verordnung wird entsprechend den, früheren Forderungen des Kultusministers die Aufnahme von Auslandbeutschen den Studentenschaften zur Pflicht gemacht wer­den. Außerdem wird der Kultusminister ent­spreche:^ den Wünschen des Landtages eine schärfere Kontrolle der Finanzge­barung in ber studentischen Selbstverwaltung durch Richtlinien über die Zusammensetzung der Vermögensverwaltung festlegen. DieVoss. Ztg." rechnet damit, bah bie preußische Studentenschaft in ihrer überwiegenden Mehr- heil sich für die Verordnung einsehen wird, während ein« Anzahl außer preußischer Uni« versitäten sie abl« hnen werde und bie preu­ßischen Studentenschaften infolgedessen aus der Deutschen Studentenschaft austre- ten würden.

Hindenburgehrung der Studentenschaft.

Berlin, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Auch di« Studentenschaft wirb dem Reichspräslben- t e n $u seinen: 80. Geburtstag ihre Huldigung barbrmgen. Auf seiner Fahri zum Stadion an: 2. Oktober wird der Reichspräsident seinen Weg über die Charlottenburger Chaussee nehmen. Dort werden vor der Technischen Hoch­schule die Korporationen Berlins mit ihren Fahnen Spalier bilden. Gs werden auch aus dem Reich zahlreich« Fahnenabvrbnun- gen erwartet.

Politik und Priestertum.

Wien, 26. Sept. (WB.) Der Grazer Theo­logieprofessor Johannes Ude, dessen politisches Hervortreten vor den letzten Rationalratswahlen in Verbindung mit dem von ihm gegründeten W i r t s ch a f t s v « r e i n für Oesterreich allge­mein große Beachtung sand und ihm e i n R e d e- verbot des Papstes zuzog, bringt durch dieWiener Allgemeine Zeitung" der Öffentlich- keit zur Kenntnis, baß er sein« Obmannstelle beim Wirtschaftsverein niedergelegt hat, um sich ausschließlich priesterlichen Ausgaben wibmen zu können. Zur Begründung seines Schrittes erklärt Ube, daß nichts schädlicher fei, als die Verquickung von Religion unb Politik. Der Priester müsse über jeder Politik stehen. Um nun für seine allgemein menschlichen Ideen frei? Hand »u haben und auch nur den Schein zu vermeiden, als ab er Politik betreiben wolle, werde er von nun ab in erster Linie wieder Priester sein.

Die chinesischen Wirren.

Paris, 26. Sept. (WTB.) Havas meldet aus Schanghai, die milftär sche Lage sei gegen­wärtig unverändert. 50 000 Mann in Ranking unb 20 000 Mann am Rordufer des Jangtse seien Wegen völligem Mangel an Gelb, Munition unb Wintergetreibelahm- gelegt. Die chinesischen örtlichen Banken lehn­ten aus Widerwillen gegen das herrschende Re­gime jeden neuen Vorschuß ab. Borodin halte sich gegenwärtig in Sianfu auf, wo er General Fengyusiang berate. Der russische General Sälen habe sich in das chinesische Bureau für auswärtige Angelegenheiten in der Umgcgenb von Schanghai geflüchtet. 15 000 kommunisftsche Soldaten aus der Provinz Jangtse seien in Swatau eingetroffen. Infolgedessen herrscht dort

ein« Art Terror. Wne Anzahl chinesischer Untertanen sei festgenommen oder erschollen Wor­ben. 60 Mann der Besatzung eines japanischem Torpedobootszerstörers hätten gelandet wer­den müssen, um das japanische Konsulat und die japanischen Danken zu schützen.

Aus aller Welt.

ckönnecke noch nicht in Basra eingetroffen.

Reuter meldet aus Basra, daß Könnecke noch nicht dort eingetroffen sei und daß keine Nachrichten über seinen Verbleib vorliegen.

Der Stand der Kinderlähmung In Leipzig.

Die Zahl der an spinaler Kinderlähmung er­krankten Personen hat vom 23. zum 24. Sep­tember um dreizehn Fäll« zugenorn- men. Reue Todesfälle sind nicht zu verzeichnen. Die Gesamtzahl der Kranken beträgt 124, von denen 82 im Krankenhause behandelt werden und die der Todesfälle 18.

Ihr eigene, Kind zn Tode geprügelt.

Unter der Anklage der fortgesetzten grau­samen Mißhandlung mit Todesaus­gang, begangen an ihrem eigene-« leib­lichen Kinde, dem 3t Jahr« alt gewordenen Günther hat sich die Ehefrau Elfe K u b s ch vor dem Berliner Schwurgericht zu verantworten und mit ihr regen Beihilfe der Vater des Kindes, Ehauff'-r Alfred Kubsch. Nach dem Anklagematerial, das sich vorwie­gend auf die Aussagen von mehr als 20 Hausbewoh­nern und Nachbarn stützt, handell es sich um einen der graufamften Fälle der Kindermiß- Handlung, di« je die Gerichte beschäftigt haben. Am 14. Mai d. I., abends, rief Kubfch «inen Arzt, der die sofortige Uebersührung des be­wußtlosen Kindes ins Augufte - Diktoria- Krankenhaus in Schöneberg veranlaßte. Dort ist das Kind, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, noch in derselben Nacht aestorben. Die Obduktion der Leiche ergab ein schreckenerregendes Bild. Der ganze Körper des Kindes war mit blut­unterlaufenen Striemen, blauen und roten Flecken übersät. Auffällig war, daß das verstorbene Kind als einziges Familienmitglied in der Sterbetaffe versichert war. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die Verhandlung vertagt, da der Hauptgutachter, Gerichtsarzt Profesior Dr. F r i e k e l, augenblicklich beurlaubt ist, der in feinem Gutachten, worauf sich auch die Anklage wegen Kör- perverletzung mit Todesausgang gestützt hatte, be­stimmt die Stockschlaae in Kausalzusammenhang mit dem Tode gebracht hat. Zu der nächsten Verhand­lung soll Professor Friekel geladen werden.

Neuer Eifenbahnüberfall in Mexiko.

Verspätete Meldungen aus Mazatlan besagen, daß in ber vorigen Woche eine Bande von über hundert Maim einen Personenzug ber süd­lichen Pacisicbahn angriff. Die aus Bundes- fokdaten bestehende Wache des Zuges verlor bei dem Kampfe zehn Verwundete, während dreißig Banditen getötet wurden.

Sturmkatastrophe in Südchina.

Rach Zeitungsmeldungen ist Voungkvng, 150 Meilen südwestlich von Hongkong, von einem mit einer Springflut verbundenen Taifun heim- gesucht worden. 5 000 Personen sind ums Leben gekommen. 20 000 Häuser und Hun­dert« von Dschunken wurden zerstört.

Die Wetterlage.

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Das gestern einsetzende Aufklaren führt starken Temperaturrückgang mit sich. In der vergangenen Nacht lag das Minimum bei uns nur um 4 Grad Celsius. Heute morgen ist bereits in fast ganz Deutschland die Bewölkung zurückgegangen. Nieder­schläge treten nur noch vereinzelt und in geringen Mengen auf. Das skandinavische Tief bewegt sich unter weiterem Abbau in der bereits eingeschlagenen Zugrichtung nach Nordosten weiter. Ueber ganz Europa hat infolgedessen der Luftdruckanstieg an- gehasten. Unter dem Einfluß hohen Druckes steht ruhigeres unb weiter aufheiterndes Wetter in Aus­sicht, auch nimmt die Luftwärme tagsüber lang-, fam zu.

Wettervoraussage: Zeitweise wolkig, sonst vielfach aufheiternd, tagsüber langsam zunehmende Erwär­mung und meist trocken.

Witterunasaussichten für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung.

Lufttemperaturen am 26. September: mittags 13,8 Grad Celsius, abends 9,3 Grad Celsius; am 27. September: morgens 8,2 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 26. Sep­tember: abends 12,9 Grad Celsius; am 27. Septem­ber: morgens 9,6 Grad Celsius. Maximum 14,2 Grad Celsius; Minimum 4,2 Grad Celsius. Nie­derschläge 0,9 Millimeter. Sonnenscheindauer: drei Viertelstunden.