Einzelbild herunterladen

tretet der Stadt beauftragt, in Marburg darauf hinzutviicken, daß den Arbeitern eine Zulage von 4 Pf. pro Stunde gewährt wird, mit 13 gegen 9 Stimmen angenommen. Die Voran­schläge der höheren Schulen für 1928 werden genehmigt. Bei der Augustinerschule wer­den in den sachlichen Ausgaben einige Strei­chungen nach den Vorschlägen des Finanzaus­schusses vorgenommen. Der Zuschuß der Stadt beträgt im ganzen 76 492 Mk. Der Haushalt der Schillerschule schließt mit 41 308 Mk. - Der Aus­bau der Bismarckstraße nach Süden, sowie die neue Marktordnung werden genehmigt.

sf. Friedberg, 26. Juli. In der Reichs­krone fand gestern abend die Gründungsversamm- lung desVereins Wirtschaftshilfe am Polytechnikum Friedberg" statt. Im Namen des vorbereitenden Ausschusses begrüßte Herr Türk die Erschienenen und gab Herrn W e y - g o l d das Wort zu einem Referat. Der Redner führte etwa folgendes aus: Die seitherigen Wohl­fahrtseinrichtungen der hiesigen Studentenschaft sollen durch Heranziehung interessierter Kreise auf eine breitere Grundlage gestellt werden. Alle diese Ein­richtungen sind zur Zeit der Inflation entstanden und haben sich zum Teil bis heute erhalten. We­nigstens bestehen überall noch Küchen und Waren- vcrkaufsstellen. So auch hier, wo die Küche dank einem gehörigen Zuschuß der Studentenschaft sehr segensreich wirkt. Ohne den wirtschaftlichen Vor­teil, den die Studentenküche bietet, sei manchem das Studium heute unmöglich. Oft seien das gerade bei besten Köpfe. Von den Mitgliedern des neuen Ver­eins sollen keine Riesenbeitragssummen verlangt werden, sondern vor allem moralische Unter­stützung. Die Wohlfahrtseinrichtungen seien not­wendig, um das Polytechnikum lebens- und kon­kurrenzfähig zu erhalten. Es muffe versucht wer­den, Stiftungen und Spenden aller Art zu er­halten, z. B. Freitische, verbilligte Konzert- und Theaterkarten. Die Wohlfahrtseinrichtungen dürf­ten keine Konkurrenz für die Friedberger Geschäfts­welt sein, dafür müsse der Verein ebenfalls sorgen. Im Anschluß gab stud.-ing. Simon ein kurzes Bild von der Wirksamkeit der Studentenküche, die täglich für 130 Leute ein gutes Essen für 50 Pf. abgebe. Stud.-Ing. Simpel schilderte den Werde­gang der Warenverkaufsabteilung, die fast ihren ganzen Bedarf bei Friedberger Geschäftsleuten ein- betfe. Der Vorsitzenbe ber Stubentenschaft, stub.-ing. Hoffmann, erklärte sodann den Beitritt der Studentenschaft zum neuen Verein als korporatives Mitglied.

Bad-Nauheim, 25. Juli. Reichstags- abgeorbneter Pfarrer So r eil weilt seit einigen Tagen zu mehrwöchigem Kuraufenthalt in unserer (stabt.

* Schwalheim, 26. Juli Des zehn­jährigen Bestehens des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten gedachte am letzten Sonntag die Ortsgruppe Schwalheim mit einer Gründungsfeier. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Gg. Findling, begrüßte die Fest- teilnehmer mit herzlichen Worten und erteilte hierauf Herrn Benner, Gießen, dem derzeitigen Dezirksleiter des Bundes, das Wort zu seiner Rede. 3n treffenden Worten machte der Redner die Zuhörer mit dem Zweck und den Zielen des Bundes vertraut. Er schilderte kurz den Werde­gang des Vereins, sprach von den imposanten Tagungen in Dresden und Hamburg und erläu­terte die segensreiche Arbeit des Bundes mit den entsprechenden Zahlen und Daten. Auch verfehlte er nicht, der Ortsbehörde Schwalheims. Bürgermeister Dietz, und dem Vorsitzenden der Ortsfürsorgestelle, Beigeordneten Ohl. sowie der gesamten Gemeindevertretung für ihr dem Orts­verein gezeigtes Wohlwollen herzlichen Dank ab­zustatten. Ein Höhepunkt in seiner Rede war der Moment, als er bat, den zahlreichen in heimischer und auch fremder Erde gebetteten Opfern des Weltkrieges ein stilles Gedenken zu weihen. Eine angenehme Abwechslung boten dann die von Lehrer Fink eingeübten Reigen der Schwal- Heimer Schulkinder, die lebhaften Beifall sanden. Die kleine Festlichkeit nahm einen würdigen Ver­lauf und dürfte allen Teilnehmern in steter Er­innerung bleiben.

Wölfersheim, 26. Juli. Am Sonn­tag fand hier Bürgermeisterwahl statt. Von 715 abgegebenen Stimmen entfielen 462 Stimmen auf den seitherigen Bürgermeister Aug. Kraft, der somit gewählt ist. Die Wahlbeteili­gung war äußerst rege. Es stimmten 90 Prozent der Wähler ab.

Geld und Erfahrung

Novelle von Max Eyth.

I.

3m Süden.

Passen Sie auf, Mister Eyth, wenn ich Ihnen die Geschichte noch nicht erzählt haben sollte: Vor drei Jahren begegnete mir im Broadway in Neuyork ein junger Engländer, sris chund grün, wie sie die Alte Welt manchmal noch liefert. Er hatte schon drei Wochen in der Metropole der Neuen verbrimmelt und darüber nachgedacht, wie er es angreifen könne, sein Glück zu machen, und hatte sogar inich darüber befragt, obgleich ich damals so wenig wie jetzt danach aussah, als ob ich das Problem gelöst hätte. Ein Bürschchen aus guter Familie, dem feine Mama tausend Pfund in die Tasche gesteckt hatte, um ihm den Anfang zu er­leichtern. Er strahlte vor Vergnügen, als ich ihn zum zweitenmal sah. Er hatte einen entfernten Vetter gefunden, der Amerika seit fünfundzwanzig Jahren kannte und schon ein halber Pankee gewor­den sein mußte, scharf und hell wie ein (Einge­borener. Sie wollten sich assoziieren, ein Agentur­geschäft gründen, Zucker, Baumwolle, Tabak ver­kaufen was weiß ich! Mein Engländer hatte das Geld, der entfernte Vetter die Erfahrung. Das mußte gehen! In fünf Jahren konnten sie Millionen verdient haben! Zwei Jahre darauf begegnete ich ihm wieder, fast am gleichen Fleck; aber er war traurig. ,Nun, wie gehf's mit der Agentur?' frage ich. .Mittelmäßig', sagt er zögernd. ,Was!' rufe ich, ,Jhr Vetter mit der Erfahrung und Sie mit dem Geld das mußte ja gehen!' ,Wir haben uns gestern getrennt, mein Partner und ich', erklärte er seufzend. .Jetzt hat e r das Geld und i ch die Erfahrung! Passen Sie auf, Mister Eyth, daß ich mit Ihnen in kurzer Zeit nicht etwas Aehn- liches erlebe. Seit dem Krieg sind wir alle zweimal so scharf geworden als vor fünf Jahren."

Gehört habe ich die Geschichte schon, aber nicht von Ihnen", sagte ich lachend.Doch bange machen gilt nicht. Ein Mensch, der in Aegypten vier Jahre lang unter Mamelucken und Eunuchen gepumpt und dampfgepflügt hat und aus dem großen Baumwoll­krach vor zwei Jahren lebendig herausgekrochen kommt, ist so grün nicht mehr wie Ihr Engländer.

# Beienheim, 26. Juli. Unser Polizei- dlener Johannes Bopp feierte in diesen Tagen fein 40jähriges Dienstjubiläum. Sei­tens der Gemeinde wurde ihm eine besondere Ehrung zuteil.

-ttrcis Büdingen.

# R i d d a. 26. Juli. Die neue Stark­strom- Fernleitung von Wölfersheim nach Lauterbach über Ridda, Schotten und Ulrichstein geht ihrer Vollendung entgegen. Im ganzen waren dazu 268 eiserne Masten erforderlich. Die Leitung ist vorerst für eine Spannung von 20 000 Volt vorgesehen, soll aber später für eine solche von 60 000 Volt ausgebaut werden. Die Masten haben eine Entfernung von etwa 200 Meter, nur im Rauhreisgebiet des oberen Vogels­berges stehen sie sehr eng, stellenweise nur auf 75 Meter Entfernung voneinander. Hier ist in diesem Jahr trotz der allgemeinen Geldknapp­heit eine befiebigenbe Bautätigkeit fest- zustellen. Bis jetzt wurden bereits vier Wohn­häuser vollendet bzw. im Rohbau fertiggestellt, darunter ein großes Geschäftshaus. Bäckerei mit Kaffeehaus; die Hauptbauarbeit aber wird in aller Kürze mit dem Realschulneubau begonnen.

?" Aus dem Niddathal, 26. Juli. Die Verunkrautung der Hackfrüchte nimmt bei dem anhaltenden regnerischen Wetter so zu, daß alles Behacken sich als wertlos erweist. Die Aecker werden nicht mehr trocken tind das Unkraut wächst nach dem Hacken weiter. Der Klee in den Gersten­feldern hat fast Halmhöhe erreicht und erschwert die kommenden Erntearbeiten. Die Himbeeren liefern eine so reichliche Ernte, daß die Sammler gut auf ihre Rechnung kommen.

Kreis Alsfeid.

-er. Homberg a. d. Ohm, 26. Juli. Kaufmann E i n o l f wurde einstimmig zum Beigeordne­ten gewählt. Am letzten Sonntag veranstaltete der hiesige Kriegerverein ein Scheibenschießen am Schießstande vor der Hardt; es waren wertvolle Preise ausgesetzt. Als bester Schütze erhielt Daniel Becker den ersten Preis. Auf Einladung des Bürgermeisters S ch w e i f e r fand dieser Tage eine Sitzung im Rathau s e statt zwecks Gründung eines Verkehrsvereins; die Sitzung verlief ergebnis­los, doch soll in nächster Zeit nochmals über die Angelegenheit verhandelt werden.

(!) Groß-Fe Iba, 26. Juli. Vorgestern wurde hier unter großer Beteiligung des ganzen Dorfes der 74 Jahre alte Wagnrrmeister Jo- barmeS Rohrgaß von hier beerdig t. Dienstag voriger Woche hatte er sich von seiner Familie entfernt und im WalddistriktKeks­berg" bei Romrod im Dickicht eines Fichten- wätdchens sich erdrosselt. An vier Tagen haben Mannschaften in Stärke von 120 Mann die hiesige und die angrenzende Gemarkung nach dem Vermißten unter Führung von Wachtmeister Heß abgesucht. Erst am Freitagabend stieß man im Dickicht auf den Vermißten. Der Lebensmüde stand hier bei jedermann im besten Ansehen.

L Ober^Ohmen, 26. Juli. In der Land­wirtschaft herrscht ei'n empfindlicher A r b e i - ter mangel, der sich besonders bei der Heu­ernte lbenierkbar machte. Zahlreiche Arbeiter, die seither in Steinbrüchen oder als Maurer arbeiteten, haben sich Arbeit in Lollar und Wetzlar verschafft, da dort der Verdienst besser ist.

(!) E r m e n r o b , 26. Juli. Der hiesige Klein- kakiber - Schützenoerein hielt dieser Tage ein Preisschießen ab. Der beste Schütze des Tages war der Jungschütze Albert Momberger von Windhausen mit 35 Ringen. Ebenfalls 35 Ringe hatte Lehrer Müller von hier. Der 1. Preis war eine sehr wertvolle Küchengarnitur. Die Ehrenscheibe schoß Molkereiverwalter S t i e l e r - Groß-Felda.

c? Dannenrod, 26. Juli. In unserem Dorfe macht sich der Fuchs recht unangenehm bemerkbar. Fast täglich verschwinden mehrere Hühner aus den Grasgärten an den Gehöften; in ganzen wurden etwa 30 Hühner ein Einwohner verlor 10 Stück durch den Fuchs geraubt. Mehrfach wurde der rote Räuber bei seinem frechen Streifzug am Tage beobachtet und manchmal konnte ihm seine Beute abgejagt werden. Hoffentlich gelingt es den Be­mühungen unseres Jagdpächters, Herrn Daniel Becker, Homberg, das Raubtier unschädlich zu machen. Auch Wildschweine sind in unserer Ge­markung in der Richtung nach Erbenhausen zu auf­getreten und richten an den Kartoffeläckern meist werden die rotschaligen Kartoffelsorten verschont empfindlichen Schaden an. Zur Abschätzung wurde

Die Griechen und Armenier von Alexandrien sind keine schlechten Lehrmeister.

Mag sein", nickte der Oberst, indem er nach­denklich an seinem zweiten Frühstücksei herum­knusperte.Ich wünsche Ihnen alles Glück zu Ihrem Glauben und Ihrer Schlauheit und wollte nur, der nächste Dampfer brächte auch mir einen Dampfpflug, der achttausend Golddollar wert wäre. Ich wollte ihn geschwind genug losgeschlagen haben, unter Kostpreis, wenn nötig."

Wir saßen beim Frühstück an einem der grünen Tischchen im Garten des deutschen Restaurants und Biersalons von Breitling, in der TschaparUlastraße von Neuorleans, Louisiana. Der Garten war eine Schöpfung nach Erinerungen Breitlings aus feiner deutschen Heimat und bestand aus sechs Tischchen und einem alten, knorrigen, schlecht belaubten Hickorybaum, an dem als natürlicher Festschmuck zerlumpte Fetzen hängenden Mooses klunkerten. Der Baum stammte ersichtlich aus der Zeit, in der der Mississippi an dieser Stelle noch wildes Swamp- land anzuschwemmen pflegte, und stand jetzt trüb­selig zwischen vier hohen Backsteinmauern, die ihm und uns den stets willkommenen Schatten gaben. Die Lust war dumpf und schwül; doch war man so­zusagen im Freien. Die Mittagsglut, die über die große Stadt hereinzog, war morgens um acht Uhr noch nicht bis in diesen Winkel gedrungen, so daß schon seit vierzehn Tagen, seitdem ich in der Nähe wohnte, mir diese Frühstücksstunde zu den ange­nehmeren des Tages gehörte. Breitlings Figur, die feinem Namen, sonderlich von hinten, Ehre machte, und eine zerrissene, etwas bierbefleckteGarten­laube" sorgten dafür, daß man sich halb in Deutsch­land fühlen konnte.

Auch der Oberst, den ich hier kennengelernt hatte, trug dazu bei. Es war ein großer, hagerer, vierzig­jähriger Mann, dem man allerdings ansah, daß er einiges erlebt hatte. Schmettkow, Herr von Schmett- tow erlaube ich mir ihn aus Rücksicht für seine Fa­milie zu nennen. Er erzählte gerne von seinen leichteren Jugendstreichen, die er in die Zeit verlegte, in der er Rittmeister in der preußischen Garde zu Berlin gewesen sein wollte. Dies haste wohl seine Richtigkeit; ich hatte wenigstens keinen Grund, daran zu zweifeln. Dagegen beobachtete er ein tiefes Schweigen darüber, wie es kam, daß er aufgehört hatte, es au fein. Nach seiner eigenen, etwas un- zusammenhängenden Lebensskizze befand er sich

die Wildschadenabschätzungskommission angcrufen. Auch von den Gemarkungen unserer Nachbargemein- dcn Schweinsberg (Kr. Kirchhain) und Lehrbach wird das Auftreten von Wildschweinen gemeldet.

Kreis Lauterbach.

§ Lauterbach, 26. Juli. Unter dem Vorsitze des Regierungsrat Nanz fand am Sonntag der 5. Kreisfeuerwehrtag des Kreises Lauterbach hier statt. Der Versammlungsleiter begrüßte die erschienenen Gäste und Feuerwehrleute und erteilte dem Kreisseuerwehrinspeltor das Wort zur Erstattung des Berichts über den Stand des Feuerlöschwesens im Kreise. Aus den Ausführungen des Kreisfeuerwehrinspektors ist Folgendes bemer­kenswert: In der Berichtsperiode sind im Kreise 10 freiwillige Feuerwehren neu g e ° g r ü n b e t worden, die Freiwilligen Feuerwehren Blitzenrod und Herbstein haben fahrbare mechanische Leitern erhalten, in einer größeren Anzahl von Gemeinden sind tragbare Schiebeleitern mit Stütz- vorrichtungen angeschafft worden diese Lestern wurden als sehr zweckmäßige Steigergeräte bezeich­net und ihre allgemeine Einführung an Stelle der schweren Balkenleitern empfohlen in den Ge­meinden Salz, Allmenrod, Landenhausen wurden Wasserleitungen mit ausgedehnter Hydrantenanlage gebaut, die Gemeinde (Engelrot) hat ein zweckmäßi­ges Gerätehaus mit Schlauchtrockenturm errichtet, die Siotzluppelung an stelle des Metzschen Ge­windes wurde auf Kosten der Landssbrandkasje all- gemein eingeführl, in Lauterbach und Schlitz sind Motorspritzen ausgestellt worden, die auch bei aus­wärtigen Bränden zur Verfügung stehen. Der Vor­tragende erstattete im weiteren Bericht über die im vorigen Jahre stattgehabte Feuerwehrwoche ge­legentlich der Düsseldorfer AusstellungGesolei", unb über den Landesfeuerwehrtag am 2. und 3. Juli { dieses Jahres in Worms; er besprach die in der letzten Zeit im Kreise ausgebrochenen Brände; vor der Ungehörigkeit, unbrauchbar gewordene Sicherungen von unsachverständiger Seite wieder gebrauchsfähig zu machen, wurde dringend gewarnt. Der Kreisfeuerwehrinspektor schloß mit einem kur­zen Mahnwort an die anwesenden Feuerwehrleute über das von ihnen zu beobachtende Verhaften bei ausbrechenden Bränden. Ingenieur Kayser er­stattete hierauf ein Referat über das ThemaElek­trizität und Feuerwehr" und gab den Anwesenden beachtenswerte Winke für ihre Tätigkeit. Anschlie­ßend fand eine Aussprache statt. Nachdem der Kreis- feuerwehrinsvektor noch zur Gründung weiterer freiwilliger Feuerwehren aufgefordert halte, schloß ber Vorsitzende die sehr zahlreich besuchte unb an­regend verlaufene Versammlung. Die Freiwillige Feuerwehr Lauterbach hatte sich' inzwischen in Pa­rade aufgestellt unb vollzog mit klingendem Spiel einen Vorbeimarsch vor dem Kreisfeuerwehrinspek­tor und den Ehrengästen. Hierauf fand ein Brandangriff der Wehr, bei dem auch die Motor­spritze in Betrieb gesetzt wurde, statt. Kreisfeuer­wehrinspektor Eberheim und Kommandant Stang von Schotten gaben die Kritik über die Vorführung ber Feuerwehr. Am Nachmittag ver­anstalteten bie anwesenden Feuerwehrleute und die einheimischen Vereine einen Festzug, ber sich nach bem Turnplatz bewegte, wo sich bald ein fröhliches Festtreiben entwickelte.

P. Schlitz, 26. Juli. Die hiesige Spar­end Darlehenskasse hielt dieser Tage ihre Generalversammlung ab. Der Geschäfts­bericht, welcher vom Direktor Johann P a u.4 verlesen wurde, bot ein erfreuliches Mld vom Stand der Kasse. Der Mitglieder stand hat sich auf über 650 erhöht, während die Spareinlagen sich um 125 000 Mk. vermehrten. Sodann trug der Rechner Heinrich Jungblut die Rechnung vor, die einstimmige Billigung fand. Dom Rein­gewinn kamen 10 Prozent Dividenden an die Mitglieder und an die, welche an der Der-- sammlung teilnahmen, noch je 2 Mk. Wegegeld zur Verteilung; der restliche Lieberschuß wuVde zur Hülste der Aufwertung der Geschäftsanteile und zur anderen Hülste dem Reservefonds gut* geschrieben. Sämtliche Aufs ichtsratsmitgli eder wurden wiedergewühlt, während aji Stelle des Fabrikanten Gg. Baumgärtner, der wegen Arheitsüberbürdung eine Wiederwahl ablehnte, Fabrikant Heinrich Reinhardt I. in den Vorstand eintrat.

S Niebcr-Moos, 26. Juli. Gemeinderech- ner Ortwein, ber bas Amt erst vor kurzem über­nommen hatte, ist an ben Folgen eines Blutsturzes plötzlich gestorben unb würbe biefer Tage unter Beteiligung seiner Kollegen beerdigt. Verwaltungs­inspektor Kirschbaum legte im Namen des

*--/jsaarwnn' wrii

plötzlich in Amerika, ben üblichen Kampf ums Da­sein fechtend, unb zwar von ber Pike auf; unb von was für einer Pike! Der Ausbruch bes Bürger­kriegs fand ihn bei Baltimore als Buchhalter einer Baumwollplantage, auf ber Sübfeite ber Sezes­sionsgrenze. Politische Grundsätze beeinflußten ihn sichtlich wenig. Er focht mit als braver Soldat unb bieberer ßandsknecht, wo ihn ber Zufall hingestellt hatte, und schied als Oberst von seinem nur noch aus vierundzwanzig Mann, meist Majoren, be­stehenden Regiment, als die große Sache ber Ari­stokratie bes Südens zusammenbrach. Bei Atlanta, im letzten Gefecht, in dem sich bas Regiment aus­zeichnete, hatte er einen Sergeanten ber föderierten Armee unter Sherman samt der Kompagnie, die dieser zufällig befehligte, beim Frühstück überrascht unb gefangengenommen, ober vielleicht richtiger ge­sagt: er hatte Breitlings Frühstück gefangengenom­men und diesen, ber ihm sofort roieber entwischte, hierdurch unangenehm überrascht. Die beiden Her­ren konnten sich über ben Hergang ber Waffentat nie völlig einigen. Breitling war nach bem Ftte- bensschluß mit andern politischen Kräften gen Süden gewandert und besaß nach kurzer amtlicher Tätig­keit als Steuereinnehmer genügend Mittel, seinen Biersalon in ber Tschapatulastraße zu eröffen. Dort überraschte ihn Oberst von Schmettkow zum zweitenmal, ben ein rauhes Schicksal ebenfalls nach Louisiana verschlug. Es war hohe Zeit, benn ber Oberst, einer der wenigen Deutschen, bie auf der verlorenen Seite des großen Bürgerkriegs gefochten hatten, war bem Versinken nahe. Breitling hatte ein gutes, bickes Herz und zwei Töchterchen im Alter von elf unb neun Jahren, bie währenb der Kriegs­jahre in ihren (Elementarfenntniffen etwas zurück­geblieben waren. Das paßte vortreftlich. Der Oberst wurde Haus- und Mädchenschuklehrer, hatte bereits sechs höhere Töchter unb bei Breitting freie Kost ge­funden. Das Dameninstitut befand sich im Tanz­salon hinter der Bierwirtschaft. Wo ber Herr Pro­fessor wohnte, wußte niemanb. Aber seine Schnurr­bartspitzen hoben sich aufs neue unb der aufA" gestimmte Ton des einstigen Offiziers vom Tempel­hofer Feld klang leise unb gebämpft wieder durch. Ganz war er ja auch im größten Elend nicht ver­schwunden, benn er war hörbar waschecht.

Ich selbst hatte vor zwei Wochen das Sankt Charles-Hotel verlassen und war in eine Privat­wohnung in ber benachbarten Tschapatulastraße

Kreisrechneroerbandes an seinem Grabe einen Kranz nieder.

8 Lanzenhain, 26. Juli. Am Sonntag kam in einem Bauernhause, hier, ein Brand zum Ausbruch, ber in kurzer Zeit das ganze An- wesen einäscherte. Als Entstehungsursache wird Kurzschluß ber elektrischen Leitung vermutet.

Rheinhessen.

WSN. Mainz, 26. Juli. Wie berichtet wirb, haben sich zwei Reichswehrange hörige bei ber französischen Genbarmerie ber elsässischen Grenz­station Roppenheim zur Fremdenlegion g e - 'm e l b e t. Rian vermutet, daß sie auch militärisches Material ben Franzosen ausgeliefert hoben

Preußen.

Kreis Wetzlar.

£ Wißmar, 26. Juli. In ber letzten Sitzung bes Geineinberats wurde ber Haushaltsplan für 1927 beraten unb in Einnahme und Ausgabe auf 170 300 Mt. fest ge­fetzt. Der vorigjährige Plan schloß mit 158 900 Mark ab. Die Erhöhung ist auf bie Erwerbslosen» sürforge zurückzuführen. Die Deckung bes Fehl­betrages erforderte 1926 eine Umlage von 200 Prozent ber Grundvermögenssteuer unb der Ge­werbesteuer. Für das Jahr 1927 ist der Beitrag der Gemeinde zur Landesschulkasse um rund 2800 Ml. gestiegen, während das Beschulungs­geld des Staats um 600 Mk. geringer geworden ist- Sodann hat sich der Bestand aus dem Vor­jahr um 2500 Ml. verringert. Dazu kommt, daß die Gemeindevertretung den Pachtzins im vorigen Jahr herabgesetzt hat, wodurch sich die Einnahmen um 1400 Mk. ermäßigt haben. Allein diese vier Posten belasten den Haushaltsplan für 1927 zusammen um 7300 Ml., das sind 120 Prozent der Grundvermögenssteuer unb der Ge­werbesteuer. höher als im Jahre 1926. Run kommen aber noch allerlei sonstige kleine Aus­gaben hinzu, bie zusammengerechnet einige Tau­fend Mark ausmachen. Den gesamten Mehr­ausgaben und Ausfällen stehen keine ausreichen­den Mehreinnahmen oder Ersparnisse gegenüber, so daß, wenn die Gemeinde auf dem Wege des Fortschritts bleiben will, wenigstens 300 Prozent Umlagen zur Erhebung kommen müßten. Dabei ist zu bedenken, daß bie Kirchenlasten hierin ent­halten sind, die mindestens 50 bis 75 Prozent ausmachen. Die Gemeindevertretung konnte sich in ihrer gestrigen Sitzung indessen nicht zu einer Erhöhung der Umlage ent­schließen. Sie glaubte vielmehr, der Be­völkerung im Hinblick auf die durch die Zu­sammenlegung der Gründstücke bereits entstehende Belastung eine höhere Umlage als 200 Prozent nicht auferlegen zu können. Es muhten deshalb bie Mittel für den seit mehreren Jahren pro­jektierten Reubau eines Schuppens am Försterei­gehöft, ferner für den Ausbau des Sportplatzes auf dem Schacht und schließlich für die Ein­stellung einer eigenen Krankenschwester gänzlich gelöscht, ber Wegebaukredit auf 2500 Mk. her­abgesetzt, die Mittel für die Ausgestaltung des Feuerlöschwesens gekürzt, das Ortsnetz zur Ent­lastung des Haushalts herangezogen, schließlich das ebenfalls seit Jahren erstrebte Kanalisation^- Projekt für spätere Iahte verschoben und die Lahnuferregulierung fallen gelassen werden, ob­gleich der Staat für dieses Jahr die Hälfte der 10 000 Mk. betragenden Kosten übernommen hat, für die nächsten Jahre diese Beihilfe aber nicht zu erwarten ist. Für die Förderung des Wohnungsbaus stehen im Haushaltsplan 6000 Mk. bereit, die im Vorjahr aus einem Extrahieb gewonnen sind. Der Ausbau der Bach- strahe soll erfolgen, wenn es gelingt, dafür eine Anleihe von 13 900 Mk. zu bekommen. Im großen und ganzen darf gesagt werden, daß im Jahre 1927 nur die gesetzlichen Pflichtausgaben von der Gemeinde geleistet werden, während für sonstige Zwecke zum Tejl gar keine, zum Teil nur sehr beschränkte Mittel durch den Etat bereitgestellt sind.

O Groß-Rechtenbach, 26. Juli. Nachdem die zuständige staatliche Stelle zu dem 'Bau eines Landjäger-Dienstgehoftes die Genehmigung erteilt hat, sind gestern die Aus­schachtungsarbeiten bereits in Angriff genommen worden. Das Gebäude wird am südlichen Dorf- ausgange an der Provinzialftrahe WetzlarButz­bach errichtet. Die Bauausführung ist von dem Regierungspräsidenten zu Kiüüenz der Gemeinde

übergesiebelt. Es war mir im Gasthof etwas zu unruhig geworben. Ein Senator von Alabama hatte am Hotelschentlisch nach bem Mittagsmahl im ruhig- sten Gespräch sechs Schritte von mir einen Richter aus Texas niebergeschossen. Man hatte zwar ben toten Richter sofort auf bie benachbarte Polizei- ftation, unb ben Senator, nach einem kleinen Wort­wechsel mit ben Umstehenben, nach seinem Zimmer gebracht. Auch ließ man besten Tür von zwei nach unb nach herbeigeholten Schutzleuten zur allge­meinen Genugtuung ber ängstlicheren Hotelbewoh­ner streng bewachen, nachdem der Senator kurz zu­vor durch bas Fenster ab gereist war. Da ich bieten Herrn aus Alabama persönlich nicht kannte, mit ihm also auch nicht sympathisieren konnte, dagegen mit bem Richter, ber gleichzeitig großer Grund- besitzer war, schon mehrere Cocktails getrunken unb intime Beziehungen betreffs ber Dampfkultur in Texas angeknüpft hatte, ärgerte mich dieser Zwi­schenfall lebhaft unb veranlaßte, neben anberm, mei­nen Umzug nach ber Tschapatulastraße. Auch fand ich, baß meine augenblickliche Beschäftigung, bas Watten auf ben englischen FrachtdampferWild- West", in einer Pttoatwohnung ebenso wirkungs­voll gefördert werden konnte als in dem in ganz Louisiana, wenn auch nicht wegen seiner Billigkeit, berühmten Sankt Charles-Hotel. Meinen ander­weitigen leiblichen Bedürfnissen genügte das Nach­barhaus, Breitlings Restaurant unb Biersalon, voll- stänbig. Unb so genoß ich nach etlichen bewegten Reisewochen in unerwarteter Weise eine kleine wohloerbiente Ruhepause währenb meines erffen Aufenthalts in ber (Erescent City, berMondsichel­stadt", wie der poetische Amettkaner Neuorleans zu nennen liebt, unb konnte mir Land und Leute an­sehen, ehe ich mit ihnen handgemein werden sollte.

Das heuttge Frühstück war der letzte Takt dieser Pause. Ich hatte schon gestern abend einen Zettel von General ßongftreet, Owen & Co., erhalten, der mich benachrichttgte, daß derWilde Westen" signa­lisiert sei und an der Barre, der achtzig Meilen ent­fernten Mündung des Mississippi, nur auf die Flut warte, um heraufzukommen. Ich segnete meine Sterne und war schon in einem kleinen Arbeits­fieber, ohne etwas Greifbares tun zu können; denn es war hohe Zeit, daß ich meines Dampfpflugs hab­haft wurde, wenn ausgefühtt werden sollte, was ich mit ßongftreet geplant hatte.

(Fortsetzung folgt)