Nr. 175 Erstes Blatt
177. Jahrgang
Mittwoch, 27. Juli 1927
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Die Wiener Revolte vor dem Nationalrat
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Dietzen.
hessischen Abgeordneten berufen habe. Das erste Angebot Eymers sei, wenn man Vergleiche mit anderen Angeboten überhaupt hätte ziehen können, höchstens um 1 50000 M a r.k billiger gewesen, denn Eymers Offerte wäre für Kessel mit gering erer Heiz fläche berechnet gewesen; er (W.) habe Kindt und Eymer gesagt, sie sollten doch erst einmal die anderen ernsthaften Angebote abwarten. Von dem Abg. Kindt hätte er die Lleberzeugung gehabt, daß er guten Glaubens war und daß ihn Eymer düpiert hätte.
Abg. Kindt suchte unter Anführung einer Reihe von Zahlen die Behauptung zu stützen, daß Eymers Angebot weit billiger gewesen sei als andere. In früheren Zeiten hätte man es sicher vermieden, wie es hier geschehen sei, einen Beamten
Ehe der Reichsbankpräsident in Aeuhork sich einschisfte, setzte er den Vertretern der deutschen Presse auseinander, daß er nicht über den Dawesp7au und seine Nachprüfung ver
handelt habe. Der Zweck der Reise war angeblich nur die Beschaffung eines Redisk
wäre. Der Bürgermeister hat seiner meindeschuhwache die Funktionen Polizei gegeben.
Die Gemeindeschuhwache darf aber nicht
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.
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Die Amerikareise des Reichsbankpräsidenten Der Dawesplan und die deutsche Wirtschaft.
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kredits für die Goldkreditbank, der wieder dazu besttmmt sein soll, den Anforderungen der Rentenbankkreditanstalt gewachsen zu sein. Also diente die Amerikafahrt nur der Abwicklung eines 25-Millionen-Dollar-Kredits? Daß bei dieser Gelegenheit der Dawesplan überhaupt nicht besprühen sein soll, ist deswegen unwahrscheinlich, weil einstweilen der internationale Kredit Deutschlands mit dem Dawesplan steht und fällt. Der Reichsbankpräsident selbst hat drüben behauptet, daß der Dawesplan richtig arbeite, dah zur Zeit also f le in Bedürfnis zu seiner Nachprüfung bestehe. Das kann schließlich der Reichsbankpräsident sagen, da er nicht die Sorge für die Aufbringung der Mittel zu tragen hat. Dagegen wird der Reichsfinanzminister erheblich anders denken, zumal die Vorbereitungen für die Aufstellung des Haushaltsvoranschlags 1928/29 beginnen, jenes kritische Haushaltsjahr, in dem der Dawesplan zuerst in völliger Höhe sich auswirken muß.
War es taktisch richtig, daß der Reichsbankpräsident drüben der öffentlichen Erörterung des Dawesproölems auswich? Gewiß, der Reichsbankpräsident unterhandelte toegen eines Kredits, weshalb es sich Wohl empfcchl, den Gefahren des Dawesplanes für die deutsche Wirtschaft auszuweichen. Inzwischen haben wir in Deutschland weiter sehen und urteilen gelernt. Wir keimen die Einnahmen und Ausgaben des Reiches für das erste Vierteljahr des Haushaltsjahres 1927/28. Wenn sich die Reichsfinanzen weiter so entwickeln, werden wir vielleicht mit einem blauen Auge davon kommen, d. h. ein Fehlbetrag wird sich vielleicht vermeiden lassen. Wir kennen aber auch das weniger günstige Ergebnis des Außenhandels für das erste Halbjahr 1927. Daß die Rvhstoffeinfuhr stark gestiegen ist, ist der natürliche Lauf der Dinge, nachdem die Roh- stofteinfuhr im Vorjahre offenbar stark gedrosselt worden ist. Aber gerade der Reichsbankpräsident ist doch ein vorzüglicher Kenner der Technik der Zahlungsbilanz, denn er selbst hat oft und eindringlich genug auf die Belastung dieser Bilanz durch Auslandkredite hingewiesen. In der Wirkung ist es indessen ziemlich gleichgültig, ob die Kredite offiziell oder privat gegeben werden. Wenn der Zinsendienst und die Rückzahlung abgewickelt werden müssen, so wirken sie in dem einen wie dem andern Fall als Belastung für die Zahlungsbilanz.
Nun ist weiter zu beachten, daß die wirtschaftliche Lage Deutschlands sich entfernt nicht so gebessert hat, daß wir Ursache haben, auch nur der nächsten Zukunft hoffnungs- froh entgegenzusehen. Es sei hier nur an die Meldungen aus den Bergbaugebieten erinnert, die durchweg von Absatzschwierigkeiten zu berichten wissen. Daß der englische Bergbau in absehbarer Zeit dazu sich bereit finden lassen wird, über ein internationales Kohlenkartell zu verhandeln, ist wenig wahrscheinlich. Die Aussprache im ülnterhause über die englische Kohlenkrise ist von Deutschland leider wenig beachtet worden, weshalb es auch so gut wie unbekannt ist, daß vor allem die englische Regierung keine Neigung zeigt, das Kohlenproblem international zu lösen. Regierung und Bergbau sind zufrieden, dah der Kohlenabsah steigt, daß sogar die Märkte in Südamerika wieder beliefert werden können, obschon gerade dies wegen des Streiks in den Vereinigten Staaten nur ein Zufall ist. Jedenfalls bedeutet die Verschärfung der Kohle n k r i s e für Deutschland auch einen Rückgang der Kohlenaussuhr, was wieder zur Erhöhung des Fehlbetrages im Außenhandel führen muß. Wenig günstig sind weiter die ©rr.teauß» sichten, so daß unter Umstünden für das nächste Jahr mit einer beträchtlich höheren Einfuhr von Lebensmitteln gerechnet werden muß. Auch der Bau markt hat eine schwere Krise hinter sich, was unter der Herrschaft der Zwangswirtschaft ein unvermeidliches Ergebnis ist.
Nach alledem steht es keineswegs fest, daß der Reichshaushalt in Einahmen und Ausgaben sich ausgleicht. Nun muß dem Reichsbankpräsidenten drüben schon der Zwischenbericht des Herrn Parker Gilbert bekannt gewesen sein, dessen Tenor nichts anderes wie eine messerscharfe Kritik an
rere Stellen aus Schreiben des Direktors Eymer entgegengehalten wurden, erklärte Abg. Kindt, daß er in diese Stellen keinen Sinn legen könne. Er wies im Anschluß hieran die Beschuldigung zurück, daß er sich an einer Pression Eymers gegen die Regierung beteiligt habe. Eymer sei zu -jener Zeit bereits krank gewesen.
Da der Abg. Kindt in der heuttgen Sitzung wieder die Behauptung aufgestellt hatte, der hessische Staat wäre durch die Nichtannahme des Eymerschcn Angebotes um 4 bis 500 000 Mark geschädigt worden, so fragte Abg. K a u l den Ministerialrat W indisch, wie es sich damit verhalte. Ministerialrat Windisch bemerfte zunächst, Abg. Kindt habe sich in einer Art für Eymer eingesetzt, die ihn (W.) peinlich berührt habe, weil Eymer sich auf seine Beziehungen zu
einer ständigen Einrichtung werden, von einem großen Teil der Bevölkerung wird sie als ständige Bedrohung angesehen.
(Lebhafter Beifall rechts, Zwischenrufe links.) Nachdem nun die Unruhen vorüber sind, wird in unerhörtester Weise gegen d i e Polizei gehetzt. Wenn man bedenkt, daß ein Viertel der in Wien stehenden Polizisten verwundet wurde, wird man wohl sagen können: „Gott sei Dank, sie haben ihre Pflicht getan!" (Hört! und Bravorufe rechts; Pfuirufe links; anhaltender Lärm.) Hätte der interne Telegraphen- und Telephondienst
der von ihm gar nicht begriffenen deutschen Finanzpolitik ist. Dem Rat, den Dr. Schacht drüben gab, vom Dawesplan möglichst wenig zu reden, läßt sich beim besten Willen nicht gut folgen. Sonst können wir, also auch der Reichsbankpräsident, eines Täges unangenehme Uederraschungen erleben. Die Tatsache, daß Dr. Schacht drüben einen Dollarkredit für die Golddiskontbank beschaffen mußte, beweist doch, daß die finanzielle Lage Deutschlands wenig ausgeglichen ist. Dieser Dollarkredit soll in der Hauptsache die Kreditaktion für die deutsche Landwirtschaft stützen. Was wieder nicht sich auf die Habenseite der deutschen Wirtschaft buchen läßt. Hern Dr. Schachts Gelassenheit ist schwer zu verstehen. Daß der Dawes- plan heute arbeitet, ist kein Grund, nicht über ihn M reden. Wir müssen sogar heute über ihn reden, da wir jeden Tag der unausbleiblichen Krise des Dawesplanes näherkommen. Das Interesse der Vereinigten Staaten am Dawesplan ist sicher nicht gering, was sich ja schon zum Teil aus dem finanziellen Risiko erklärt, zum anderen Teil auch daraus, daß gerade ihre Lösung des Wiederherstellungsproblems nicht zusammenbrechen lassen will. Die englische Finanzpresse warnt Wallstreet schon feit Jahr und Tag, die deutsche Industrie nicht weiter zu haussieren. Das mag der übliche englische Konkurrenzneid sein, trifft nichtsdestoweniger aber auch den Kern des Dawesproblems. Deutschland muß
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Wien, 26. Juli. (Wolfs.) Die heutige Sitzung des Nationalrates stand bei dicht besetztem Hause unter allen Zeichen eines großen Ereignisses. Vor dem Parlamentsgebäude ist ein starkes Polizeiaufgebot aufgezogen, die Kontrolle beim Betreten des Hauses ist streng. Karten sind nur in beschränktem Umfang ausgegeben. Vom diplomatischen Korps haben sich einige Vertreter eingefunden. Die Minister sind vollzählig erschienen.
Bundeskanzler Seipel
führte aus, es sei Aufgabe des Nationalrates, dafür zu sorgen, daß in Zukunft solche Ereignisse, wie vom 15. bis 18. Juli, nicht wiederkehren und die österreichische Republik von ihren Wunden gesunde. Seipel erörterte dann den Ausgangspunkt der Unruhen, das Schattendorfer Urteil, wobei ins Gewicht falle, daß von einem Teil der Presse durch die Bezeichnung der Angeklagten als Mörder das Urteil schon vorweggenommen worden sei. Eine Reihe von Geschworenen seien auf Antrag eines sozialdemokratischen Rechtsanwaltes mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft als befangen abgelehnt worden. Man könne also dies Geschworenengericht nicht als Klassengericht bezeichnen. Man hätte vielleicht vom Parlament verlangen können, die Geschworenengerichte abzuschaffen oder umzugestalten oder einzuschränken, bis wieder mehr Vertrauen in diese Form der Gerichte eingetreten wäre.
Bei bem ersten Angriff auf die Sicherheitswache am 15. Juli war diese nicht mit Gewehren bewaffnet. In die Krankenhäuser sind zwei Stunden lang nur verwundete Polizeibeamte eingeliefert worden. Da der Landeshauptmann (der Wiener sozialdemokratische Bürgermeister Seitz) militärische Unterstützung ablehnte, hat der Polizeipräsident bestimmte Abteilungen der Polizei mit Gewehren bewaffnet. Erst dann ist der Umschwung eingetreten. Als das Militär das Parlament und den Iustizpalast beseht hatte, hörten die Exzesse auf und das Militär brauchte keinen Schuß abzugeben. Vielleicht wäre die Hälfte der Opfer vermieden worden, wenn das Militär sogleich herangezogen worden
seine Ausfuhr steigern können, was indessen aufnahmefähige und aufnahmewillige Märkte voraussetzt. In Europa lassen sie sich schwer finden, trotz der Beschlüsse der Genfer Wirtscl-astskonserenz. Die englische Industrie seht sich in Auswirkung der französischen Zollpolitik für den Ausbau des In- dustriefchutzes ein. Gerade weil Gilbert an diesem Problem vorbeigesehen hat, hätte Schacht die Dinge richtig stellen müssen. Denn die Kritik Gilberts richtet sich doch schließlich darauf, eine Scheidung von Reichs- und Länderfinanzen zu erzielen, weil er der irrigen Auffassung ist, daß das Reich seine Steuereinnahmen ohne Not und Bedarf den Ländern zufliehen lasse. Dann aber hört auch der Dawesplan auf, zu „arbeiten".
Weiterer Rückgang der ErwerbslosenzahL.
Berlin, 27. Juni. (Tel.-LI.) Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge ist in der Zeit vom 1. bis 15. Juli 1927 um rund 48 000 gleich 8,8 Prozent zurückgegangen. Die Gesamtzahl der unterstützten Arbeitslosen hat sich in der Zeit vom 15. Juni bis 15. Juli von 806 000 auf 674 000, also um rund 132 000 gleich 14,4 Prozent verringert.
der Polizei während der gefährlichen Stunden fünf* tioniert, hätten wir weniger Blutopfer gehabt. Der Verkehrsstreik hat zweitens der Verbreitung unrichtiger Nachrichten tm Auslande Vorschub geleistet und er hat eine freie Tagung des Parlaments unmöglich gemacht. Der Bundeskanzler stellte sodann fest, daß nach allem, was bisher bekannt geworden, die Beweauna nicht von außen entfacht worden ist. Daß es zu den traurigen Ereignissen kommen konnte, ist xum großen Teil auch Schuld des Hauses selbst, das seine Autorität schrittweise preisgegeben hat. Die Verantwortung dafür tragen jene, welche in diesem Hause die Meinung aufkommen ließen, als ob sie die Demokratie nicht wollen. Zum Schluß erklärte der Bundeskanzler: „Die Regierung muß fest, will aber nicht hart sein. Verlangen Sie nicht, was ausschauen könnte wie ein Freibrief für solche, die sich gern gegen die Republik empören."
Der sozialdemokratische Abg. Otto Bauer
ergriff das Wort zu ‘einer zweistündigen Rede, in der er den Standpunkt der Sozialdemolrati- schen Partei vertrat. Bauer erklärte, es sei ein Fehler seiner Partei gewesen, dah sie keinen geordneten Demonstrationszug veranstaltet habe. Es sei ein Fehler in der sozialdemo - krati schen Organisation gewesen, daß der republikanische Schutzbund nicht schnell genug alarmiert werden konnte und schließlich ein Fehler, daß die Gemeindeschuhwache nicht schon am Freitag aufgestellt wurde. Bauer richtete dann scharfe Angriffe gegen die Polizei. Er wiederholte die Behauptung, daß Scheibenmunition verwandt worden sei. Als nach den Schüssen das rasend gewordene Volk nach Bewaffnung verlangte, um Rache zu nehmen, befanden sich die sozialdemokratischen Führer in der denkbar schwierigsten Lage. Der Derkehrsstreik war die einzige Möglichkeit, einen wirklichen Bürgerkrieg zu verhindern.
Einer mußte den Bürgerkrieg verhindern: Wir oder die Regierung! Die Regierung hat es nicht getan. (Der Beifall und das lebhafte Händeklatschen links losten Zwischenrufe rechts aus, welche zu anhaltendem Lärm und Unruhe führten.) Die Aufforderung zur Einstellung des Streikes sei, trotzdem die Regierung nichts zur Erleichterung dieses Entschlusses beigetragen habe, von den Eisenbahnern durchgeführt worden. Der Redner verteidigte dann die Aufstellung der Gemeindeschuhwache und erklärte, sie sei ein verfassungsmäßiges Recht der Gemeinden, und der Gemeinderat allein habe über ihren weiteren Bestand zu entscheiden, andernfalls wäre eine Verfassungsänderung notwendig. Ungesetzlich hätten dagegen die Landesbehörden gehandelt, welche sogar die verfassungswidrigen Heimatschuhformationen zur Hilfeleistung herangezogen hätten. Bauer brachte sodann die Forderungen des sozialdemokratischen Parteitages zur
Die hefrag vor -em Untersuchungsausschuß.
Don unserer Darmstädter Redaktion.
D a r m st a d t, 26. Juli. Heute vormittag trat im Sitzungssaal des hessischen Landtags der Zweite (Gesetzgebungs-) Ausschuß zusammen, der sich als Pariamentarischer Untersuchungsausschuß konstituiert hat, um die Verhandlungen über die Hefrag-Ange- legenhert fortzufetzen, die in der Sitzung am Freitag auf heute vertagt waren. Der Vorsitzende des Aus- fckusfes, Landtagsabgeordneter Schul, eröffnete um 10.30 Uhr die Verhandlungen. Zunächst wurde Fi- nanzmimster Henrich als Zeuge vernommen, der aussagte, Direktor Eymer habe auf ihn einen sonderbaren Eindruck gemacht. Er habe ihn schließlich fragen müssen, ob er gekommen sei, sich über einen Beamten zu beschweren oder ob er Kessel verkaufen wolle; Eymer habe bann erklärt, daß er das letztere tun wolle. Er (der Minister) habe ver- schiedenllich zu drastischen Erklärungen greifen müssen, da sonst mit Eymer nicht zu oerhmrdeln gewesen sei. Er hätte die Absicht gehabt, die scharfen und beleidigenden Schriftstücke dem Staatsanwalt zu übergeben, aber Ministerialrat Windisch sei nicht für ein so scharfes Vorgehen gewesen.
Abg. Kindt beanstandete die Berichterstattung des Abg. S t u r m f e l s über die Hejrag-Angelegen- heit am letzten Freitag; insbesondere habe Abg. Sturmfels seinen Bericht mit persönlichen Bemerkungen durchsetzt. .Die Verlesung eines Briefes habe er mit den Worten eingeleitet: „Aha! Der getroffene Hund bellt!" Abg. Kindt erhebt förmlichen Protest gegen diese parteiische und beleidigende A r t der Berichterstattung.
Abg Kindt gab dann eine ausführliche Schilderung feiner Beziehungen zu Direktor Eymer. Dieser fei ihm bekannt gewesen und habe ihm gesagt, daß er aufgefordert fei, Angebote für Kessellieferungen einzureichen. Von wem diese Aufforderung ausgegangen fei, wisse er (Kindt) nicht. Eymer habe ihm auch gesagt, er fürchte, fein Angebot werde vielleicht nicht mit der erforderlichen Objektivität geprüft werden, darum habe er Kindt sich auf Ersuchen Eymers für ihn verwandt. Er habe dann eine Aussprache Eymers mit Ministerialrat Windisch herbeigeführt, weil er der Anschauung war, der hessische Staat könne dabei ein gutes Geschäft machen. Abg. Kindt verlas bann Schreiben des Oberbürgermeisters von Karlsruhe über die Leistungen der Firma Eymer, die günstig lauteten; diese und andere Schriftstücke sollten bar« tun, daß man es hier mit einer reellen Firma zu tun habe. Auch zählte er eine Reihe von angesehenen Firmen aus, an die Eymer geliefert hatte, um zu zeigen, baß es sich um eine erstklassige Firma hanble. Weiter führte er eine Reihe namhafter Persönlichkeiten an, die für Eymer ein günstiges Zeugnis ablegen könnten.
Als gegen die Ladung so vieler Zeugen Einspruch erhoben wurde, bemerkte Abg. Bohm, daß es das gute Recht des Abgeordneten Kindt fein müsse, nachdem er so schwer angegriffen wurde, sich zu verteidigen. — Abg. Schreiber machte geltend, daß niemand im Landtag die Leistungsfähigkeit der Firma Eymer bezweifelt habe, die unte r- st e l l e man ihr. — Abg. Kaul meinte, Abg. Kindt trete hier als Anwalt der Firma Eymer auf; die Beratungen des Ausschusses sollten sich nur auf b i e Verhandlungen Eymersmitdcrhefsi- schen Regierung beschränken. — Abg. Gla - s e r betonte, erst wenn der Inhalt der Briefe bezweifelt werde, könnte man ja die von dem Abgeordneten Kindt benannten Zeugen vernehmen
2lbg. Kindt erklärte in seinen weiteren Ausführungen u. a., daß Eymer, weil ec Schweres in seiner Familie durchgemacht habe, einen Nervenzusammenbruch erlitt; er machte besonders darauf aufmerksam, daß er (Kindt) sich in den Verhandlungen auf die Seite der Regierung gestellt habe und auch nie beharrptete, dah pHim» fterialrat Windisch oder die hessische Regierung Cymec eine definitive Zusage für die Kessellieferungen erteilt habe. Llbg. Kindt ging hierauf ziffernmäßig näher auf die Angebote für die Kessellieferungen ein.
Abg. A e ch t h i e n warf ein, daß das Angebot, das die Firma Büttner zurückgezogen hatte, sofort von der Firma Eymer auf- genommen wurde.
Abg. Kaul fragte, ob Abg. Kindt wisse, wie die Firma Eymer von der Zurückziehung des Angebotes Kenntnis erhalten habe.
Abg. Kindt erwiderte, er hätte hiervon keine Ahnung. Auf Befragen bemerkte er noch, daß in seiner Gegenwart Eymer dem Ministerialrat Windisch erklärt habe, daß es sich bei den Lieferungen um Buttner-Strahtenkessel handele. Er (Kindt) habe auch wiederholt die Erklärung abgegeben, dah er keinerlei Vorteile von der Sache habe. Er sei dazu veranlaßt worben, weil er in einem früheren Fall die Erfahrung gemacht habe, daß die hessische Regierung auf einen sachlichen Angriff gleich persönlich gegen ihn vorgegangen sei. Der Finanzminister habe ihm hier wieder persönliche Interessen vorge- worfen, darüber sei er natürlich sehr erregt gewesen und diesen Angriff habe er abwehren müssen. Er hab e nur an das Interesse Hessens gedacht, nicht einmal in erster Linie an die Firma Eymer.
Abg. Schreiber fragte, wann Abg. Kindt zur alÄberzeugung gekommen sei, daß Eymer geistig erkrankt wäre. Abg. Kiirdt erwiderte darauf, daß er den Briefwechsel zwischen Eymer und der hessischen Regierung nicht kenne, auch der Verlesung nicht beigewohnt habe. Ministerialrat Windisch widersprach dem, Abg. Kind sei unterrichtet gewesen. In den weiteren Verhandlungen, in denen dem Abg. Kindt meh-
mit Verhandlungen zu beauftragen, wenn dieser später Generaldirektor des Unternehmens geworden wäre.
Ministerialrat Windisch wies eine Bemerkung des Abg. Kindt zurück, daß die he an die AEG. gebunden fei; es bjfl etwa Eymer annehme, Bezi zwischen ihnen. Er (Windis
des Ministerialdirektors Scha für alle großen Fragen nad) fc-Vntfurt zu rotungen gefahren. ijra
Der Ausschuß beschloß bai Oberbürgermeister Landman n, Frankfurt, Dir1,;'- Dr. Schmude, Generaldirektor T i l l m e tz ufv Direktor Häver» s a ck noch als Zeugen zu Dernel£m€TU
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
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