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Wirtschaft.

Die Konjunktur im ersten Halbjahr 1927.

Son Dr. W. M. Freiherr von Vissing.

Das Institut für Konjunkturforschung berichtet in seinem soeben erschienenen ersten Vierteljahrs- heft für 1927, daß der zögernd fortschreitende Auf­schwung, der Ende Februar des Fohres eingesetzt hat, sich unter gewissen Reibungs- undponnur./. i- erscheinungen zu einer Phase entwickelt. d>e bereits gewisse Anzeichen einer kommenden Hochspannung trägt.

Auf der Produktionsseite der Wirtschaft hot die Kohlenförderung noch wie vor weiter zu- genommen. Allerdings ist seit Beginn des Mar; im Ruhrgebiet und in Riederschlesien auch eine Stei­gerung der Holdenbestönd« zu bemerken, deren An­wachsen einen Gradmesser für die zunehmenden Absatzschwierigkeiten bedeutet. Der englische Berg­bau ist mit ollen Kräften bemüht, in seinen ollen Absatzgebieten wieder festen Fuß zu fassen, und gleichzeitig macht sich jetzt die soisonmähig verrin­gerte Nachfrage nach Hausbrand bemerkbar.

Die Roheisen- und Rohstahlerzeugung hat sich ebenfalls weiter gehoben. Der größere Teil der Er­zeugung ist nach wie vor für den (frport bestimmt, ledoch zeigt die Eisenaufnohme für Inlandaufträge, vor ollem seit dem Februar 1927, wachsende Ten­denz Hier ist cs vor allem die Maschinenindustri« und der Häuserbau. von denen eine zunehmende Nachfrage ousgeht. Bei der Maschinenindustrie be­ginnen die Aufträge des Inlands mehr ins Gewicht zu fallen als di« Auslandausträge. An den Inland- auftrogen sind die Verbrauchsgutcrindustnen mehr beteiligt al» die Produktionsmittelindustrien. Hierin zeigt sich auch eine strukturmäßige Verschiebung der Wirtschaftslage. Die Führung der wirtschaftlichen Aufwärtsbewegung liegt nicht mehr bei den Pro- duktionsmiUel- sondern bei den Derbrauchsguter- induslrien.

Diese Entwicklung ist durchaus logisch: die er­höhten Löhne und Gewinne, die infolge des wirt­schaftlichen Aufschwunges die Produktionsmittel­industrien verteilen konnten, sind an die letzten Kon- sumenten gelangt, die ihr« verstärkten Einkommen wiederum ab Nachfrage nach Derbrauchsgutern an den Markt gelangen lassen. Demzufolge ziehen die Preise der Verbrauchsauter (Hausrat. Bekleidung ufw.) an. während die Preise der Produktionsmittel sich auf ihrer bisherigen Höhe halten.

Die Rapitalbilbung hot zwar weitere Fortschritte gemacht, wie das Anwachsen der Spar­kassenguthaben von 3.4 Milliarden Mark im Marz auf 3,8 Milliarden Mark im April zeigt. Jedoch zeigen die Ueberschüsse der Einzahlungen über die Auszahlungen eine nicht unbeträchtliche Abnahme von 2H4.8 Millionen Mark im Monat Januar auf 183,1 Millionen Mark im Monat April. Aber her siapilalznmachs ist durch die Rtesenemisfionen im Februar 1927 bereits stark vorweg genommen worden: während im Dierteljahredurchschnitt der Jahre 1907 dis 1913 im ganzen für 806 Millionen Mark an Wertpapieren oller Art ausgegeben wor­den find, stellte sich dieser Betrag im ersten Viertel- jahr 1927 auf 1,7 Milliarden Mark und erreichte damit den bisher höchsten Stand seit Stabilifierung der Mark. Die Folge ist eine zunehmende Derknop- pung am Kapitalmarkt, die sich besonders in den Börsenzulassungsanträgcn für Pfandbriefe bemerk­bar macht. Es wurde die Zulassung von Goldpfand- briefemijfionen z»m Handel an der Berliner Börse beantragt im:

Januar 1927 für 320 Millionen Gm.

März 1927 für 10 Millionen Gm.

April und Mai für je 30 Millionen Gm.

Gleichzeitig mit der vermehrten Emissionstätig­keit setzte ein Rückgang der ausländischen Kredite ein, und im April begann der Reparotionsagent größere Beträge in das Ausland zu überführen. Die Notwendigkeit, früher aufgenommene auslän­dische Kredite zu verzinsen und das große Defizit aus der Handelsbilanz stellten zunehmende Anfor­derungen an den Devisenbestand der Reichsbank. Do aber die aufwärtsstrebende Wirtschaft zur Be­wältigung ihrer Umsätze einer zunehmenden Geld­menge beburfte, traten als Deckung für die aus- gegebenen Reichsbanknoten an Stelle von Devisen in vermehrtem Matze Inlandwechsel. Unter dem Druck dieser Derhälmisse sah sich die Reichsbank zur Heraufsetzung des Diskonts genötigt. Es ist vielleicht nicht ausgeschlossen, das, ein Teil der von den Notenbanken an die Wirtschaft gegebenen Kre­dite zu einer starken Auffüllung der Vager inner­halb der einzelnen Groß- und Einzelunternehmun­gen verwandt worden sind. Die Befürchtung wäre bann nicht unberechtigt, ob nicht etwa hierbei bie weitere Entwicklung bes Absatzes überschätzt worben ist. Die Diskonterhöhung, bie naturgemäß für ben «anbei befonbers bemerkbar wirb, bürste bewirken, das, spekulative Warenbispositionen. zu bereu Durchführung firebit in Anspruch genommen wirb, eingeschränkt werden. Damit wäre der Gefahr einer Absatzstockung mit ihren schweren Folgen für bie gesamt« Wirtschaft im Keime oorgebeugt worben.

Die V a n b t r t f d, a f t wirb für bie weitere Entwicklung ber Konjunktur eine außcrarbentlid, große Rolle spielen, denn sie wirb mit Hilfe ber ihr aus ber neuen Ernte erwachsenen Kaufkraft in erster Linie bie Vorräte bes Hanbel» aufnehmen muffen. Die gesunkenen Vieh- unb Milchpreise bei gleichzeitig fteigenben Futtermittelpreisen rücken ha­bet bie Bebeutung einer guten unb lohnenden Ernte in ben Dorbergrunb. Die abpnfenben Viehoreise inb In erster Linie burch bas außerorbentlid) starke, aifonmaßig bebingte Angebot an Schweinen oerur- acht. E» scheint, als ob in ben allerletzten lagen auch die Echweinepreife wieder eine gewisse Erho­lung zu verzeichnen haben. Aber trotzdein ist bei Beginn de» neuen Wirtschaftsjahre» für den Land­wirt durchaus die Frage erwägenswert, ob in der Erzeugung von Schweinen des Guten nicht etwas zuviel getan worden ist. Die letzte Viehzählung vom 1. Dezember 1926 ergab einen Zuwachs von über drei Millionen Schweinen. Allem Anschein nach durste deshalb im kommenden Ernte,ahr der Ge­treidebau wirtschaftlich vorteilhafter sein ab.« die Schweinemast, selbst wenn die außerordentlich hohen ffletreibepreife ber letzten Wochen nicht anhalten dürften. Die Roggenpreise in Berlin für Septem­berlieferung flehen erheblich über 11 Mark, und bie Notierungen für ben gleichen Termin in Ehikago beträchtlich über 8 Mk. Roggen-Oktoberlieserung no­tierte in Berlin am l. Juni 1927 11,75 Mk unb am 8.3uni 1927 12.85 Mk. für den Zentner: Weizen zu ben gleichen Bedingungen an denselben Tagen 13,80 dzw. 13,93 Mk. Die ganze Struktur des Ge- treibemarne» scheint bafür zu sprechen, baß sich im fommenben Wirtschaftsjahr ber Roggenpreis nicht erheblich unter 10 Mark, ber Weizenprei» etwa um 13 Mark pro Zentner bewegen kann

Wenn es auf biefer Basis ber Landwirtschaft nach langen Jahren wieder einmal möglich werden

sollt?, wenn auch nur mH geringen Ueben'chüsien. cm -'arltt nachfragend auizutreteri. so ichemt ein Rückschlag der Konjunktur mdjt unmittelbar drohend zu sein.

Börsenkurse.

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25. Juni.

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Entwicklung desdeutschenLuftfrachtverkehrs

Der Luftsrachtverkehr. der noch vor wenigen Jahren in den Anfangsschuhen steckte, hat in diesem Jahre einen ganz gewaltigen Aufschwung genommen. Während noch in den Monaten des vorigen Jahres durchschnittlich nur 7000 Kilo­gramm auf dem Lustwege befördert wurden, stellt sich heute das Leistungsergebnis für einen Monat auf nahezu 35 000 Kilogramm; das be­deutet eine Zunahme von 500 Prozent und läßt erkennen, welche Bedeutung die Luftfracht heute schon für den Güterverkehr hat. Zn der Haupt­sache hat der Lustfrachtverkehr seine Bedeutung für ben Handel mit dem Ausland, der im Q3er- fileich zu dem Binnenverkehr außerordentlich groß ft. Für die Luftbesörderung kommen selbstver­ständlich bei dem heutigen Stand deS Luft­verkehrs noch keine Massengüter in Frage. Insbesondere werden aber heute schon sehr vt?l leichtverderbliche oder besonders hochwertige Waren auf dem Luftwege befördert. Die relativ niedrigeren Preise der Luftfracht sind natürlich die Haupturlache der immer stärker wachsenden Inanspruchnahme. Die Frachtsätze betragen pro 500 Kilometer durchschnittlich 75 Plenn g pro Kilogramm, ein Betrag, der bei hochwertigen und leichtverderblichen Waren sicherlich nicht allzu star» ins Gewicht fällt. Dazu kommen nur noch wenige Psetmige Rollgeld zum und vom Flug­feld. das aber auch nicht besonders stark ins Gewicht fällt. Für die Versicherung der be­förderten Waren ist übrigens auch durch ent­sprechende 'Verträge der Deutschen Lufthansa mi: einer Reihe von großen Bersicherungslirmen zur Genüge gesorgt, so daß aHo bie Luftfracht in dieser Hinsicht kein Risiko mehr für die Waren bedeutet

Die amtliche GroßhandelSinder- zifser. Die auf den Stichtag des 22. Juni be­rechnete Großhandel-.nderzifter deS Statistifchen Rc:ch-am:s .st gegenüber der Vorwoche um 0,4 v. H auf 137.4 138,0) jurüdgegangen.

'Die neue Kursnotierung der 2 u S- lolung-fcheine. Vom 1. Juli ab findet die Bör<ennrrierung der Auslosung rechte der Anleihe­ablösung-schuld des Reiches in Prozenten deS E'.nlösungsbetrages der AuSlofungsrechte statt. Die gezogenen AuSlo'ungSrechte der Anleiheablö- fung-fchuld sind gemäß i 14 des Anleiheablö- sungsgesetzes mit dem Fünffachen des Nennwertes etn^idöfen. Das Fünffache stellt also den Ein­lösungsbetrag dar. Zu ihm treten 4.5 Prozent Zinsen vom 1. Januar 1926 bis Mim Ende de« Jahres, in dem das Auslosung-recht gezogen wird. Der Wert eines Auslosung-rechtes über­steigt mithin ben Rennwert recht erheblich. Für die Berechnung des Wertes des AuSlolungSrcch- tes bietet der Einlösung-wert eine geeignetere Grundlage als der Rennwert. weil die bisher auf ihm beruhende Kursnotierung irrtümlicherweise die Vorstellung eine- besonders hohen Kursstan­des erweckte. Ein den Sinlöfungdbetrag nebst Zin­sen umfassender Kursstand von rund 300 Prozent des VennwerteS der Au-lo'ung-rechte. wie er in der letzten Zeit festgestellt wurde, entspricht, am Einlösung-betrage gemessen, einem Kur- von 60 Prozent.

Deutsche Lufthansa A.-G. 3n der Generalversammlung der Deutschen Lufthansa A-G. wurde nach der Erledigung der Ttegularien über den Geschäftsgang mitgeteilt, daß die Leistungen der Gesellschaft erhöht werden konn­ten. und zwar war es möglich, den Verkehr nach dem Aus lande erheblich zu erweitern und aus den laufenden Mitteln die technische Entwicklung in wünschenswerter Weife weiterzuführen, so daß in diesem Jahre etwa eine 20prvzenf.ge Erhö­hung des Flugzeugverkehrs im Vergleich zum Vorjahre zu verzeichnen ist. Während im Vor­jahr im Monatsdurchschnitt 600 000 Kilometer geflogen worden sind, belief die Zahl in diesem Jahre sich auf rund eine Million Kilometer. Die Frequenz ist sowohl für Passagiere tote für Frachten stark gestiegen, im Durchschnitt um 50 Prozent, an einzelnen Stellen auch noch mehr.

5rtani n'cr Börse.

Frankfurt a. TL, 27. Juni. Tendenz: fest. Die freundliche Tendenz hielt weiter an, unb zwar konnten fämtlicbe Märkte lebhafteres Ge­schäft unb Höhere Kurse aufweifen. Wesentlich hierfür war die ruhigere Beurteilung der Geldmarktlage, wo man mit einer glatten Ueberwindung bes Ultimo rechnet. Ferner regten einige günstige Wirtschaftsmelbungen an, so ber Abschluß von Gelsenkirchen unb die zollfreie Einfuhr bes J.-G.-Stickstoffs nach Amerika. 3m Vorbergrunbe standen wieder verschiedene Spezial- werte, u. a. auch Scheibeanstalt, in Erwartung eine» guten Abschlusses. Montanwerke blieben stark beachtet. Gelsenkirchen plus 1,5 Prozent, Mannes­mann plus 2,4, Äse-Bergbau plus 6,5 Prozent. Freigabe werte weiter erhöht. Hapag plus 1,25, Nordlloyd plus 0,75 Prozent. Von Elek- tromerten zogen AEG., Lahmeyer, Felten, Schuckert unb Siemens um 2 bis 3,5 Prozent an Bauaktien weiter gefragt. Holzmann plus 3 Prozent. Auto- unb Mafchineawerte mäßig anziehend. Eine Aiisnahme bildeten Zell­st o f s o k t i e n , die heute still unb schwächer lagen. Waldhof minus 2 Prozent. Heimische An - lei hen fast geschäftslos. Anleiheablo'ung 19,75, Schutzgebiet 9,5. Am Gelbmarkt ist Me Lage unoeränbert. lagesgelb eher gesucht zu 5L Prozent. Monatsgeld 7,5 bis 8,5 Pro^nl. Der Devisen- verkehr war still. Mailand lag im Vcrtause etwas leichter. Die übrigen Werte hatten keine nen­nenswerten Veränderungen zu verzeichnen. Der Börsenoerlauf blieb durchaus lebhaft unb fest ge­stimmt bei weiteren Kursanstiegen von 2 bie 3 Prozent für oerschiebene Spezialwerte.

Berliner Börse.

Berlin, 27. Juni. Die freunblichc (Brunbftimmung, bie in ber Vorwoche bie Börse beherrschte, scheint sich auch auf die neue Woche zu übertragen. Die ersten Kurse zeigten im allgemeinen eine durchschnittliche Erhöhung von 1 bis 3 Prozent, bei einzelnen Papieren waren aber auch kleine Abstriche zu beobachten, die auf Ke- roinnmitnaßmen zuruckzuführen sein dürften. Die größten Verluste hatten die in der Vorwoche bc- sonders haussierten Werte aufzuweisen: so gaben Bemberg unb Vereinigte Glanzstoff je 11 Prozent, Schultheiß 3 und Ostwerke 3,5 Prozent nach. Das Geschäft bewegte sich wieder in ziemlich engen Grenzen, da neue Publikumsaufträge nicht ein­gegangen sind. Es wird aber damit gerechnet, daß bie Bankenkundschaft nach unb nach wieber etwas mehr Interesse am Börsengeschäft zeigt. Es beftanb die Meinung, daß die für ben Ultimo notroenbigen Gelbbisposikionen bereits getroffen worden sind, so baß Schwierigkeiten nicht zu erwarten fein bürften. AmG e I b in a r f t ist bie Vage unverändert. Tages« gelb 4.5 bi» 6,5 Prozent, Monatsgelb 8 bi» 9 Pro­zent. Im Devisenoerkehr war ba» Geschäft weiter sehr klein. Die Kurse find kaum verändert. Die Reichsmark stellte sich gegen Kabel auf 4,21975.

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 25. Juni. Größere Realisationen bewirkten für Iuliroggen «inen leichteren Kurs­rückgang. während sonst die Tendenz in Aus­wirkung der Witterung-Verschlechterung allgemein fester wurde. DaS niedrigere Ausland übt für Brotgetreide keinen Einfluß. Weiten wurde im Lieferung-Handel bei kleinem Angebot für vor­dere Sichten eine Mark, für Oktober eine Haide Mark hoher. Zuttergetreide still. Hafer bei mäßigen Au-land-anführen schwach Mehl be­hält schleppenden Absatz. ES notierten pro 10GD Kilogramm: Roggen 271 bi- 273. Sommergerste 240 bi- 273. Wintergerste 240 bi- 273. Futter­gerste 240 bis 273. Hafer (märt.) 249 bi« 256. Mais (lolo Berlin) 188 bi- 190: für je 100 Kilo­gramm: Weizenmehl 37 bi« 39. Roggenmehl 35 oi« 37, Weizen!leie 14.25, Aoggenkleie 16.50, Viktoriaerdsen 43 bt« 55. kleine Speleerblen 27 bi- 30. Zu »ererbten 22 bi- 23. Peluschken 20.50 bi» 22. Ackerbohnen 22 bt« 23. Wicken 22 bl« 24.50. Lupinen (blau) 15 b.« 16. Lupinen (gelb) 16 bis 18. Rapskuchen 15 40 bis 15 80. Leinkuchen 19.60 bi- 19.90. Trockenlchnitzel 12.60 bi- 13JO. Soyaschrvt 19 bi- 19.60, Kartoffelsiocken 33.50 bi« 34

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Frankfurt a. TO.. 27. Juni. E» wurden no­tiert: Weizen. Wetterauer. 31.25 bis 31 JO Mart: Roagen. inländischer. 28,50 bis 28,75; Hafer, in- ländischer, 26; Hafer, ausländischer 28L0 bis 26. Mais, gelb. 19; Weizenmehl, inländisches (6pe- yal 0), 41,25 bis 41chti; Roggenmehl 30L5 bi» 40,

Deizenlleie 1325 bis 1350: Roggenkleie 1555 bl» .n 3i) bis Gsi Linsen 4" bis 6"; Heu. '..dd.ui'ches. Cut. trocken 7 bis 8: Weizen- und Roggenftrob >r higepreßi. 4.75 bis 5.25. geb..adelt 3.50 bis 4; Treber, getrocknet. 16 Mark. Tendenz: ruhig.

Buntes Allerlei.

Toriflrnlagung des 3entto|-Berria» deutscher Staal*bürgte jüdischeu Glauben». 6. v

In diesen Tagen per^nfialtcie der Zentral-Verein deulscher etca:.Bürger jüdischen (Blauben» eine von annähernd 4 *> luduchen Juristen au» Berlin und aus dem Reiche besuchte Tagung, die sich mit ben Fragen der deutschen Justiz, soweit sie Juden unb Judentum beireffen, beschäftigte.

In seiner Eröffnungsrede betonte der Vorsitzende. Iuftizrat Dr. B r o d n i tz. daß der Zweck ber Zu- sammenkunst nicht eine von politüdKn Tages- Qefid)t»punhen veranlaßte Demonstration unter beul Zeichen irgendeine» Schlagworte» sei. «onbem daß da» Material de» Serein» in ernster Arbeit gepru1 und zur Forderung ber deutschen Rechispstege au£* geniertet werden solle. Selbstoerftöndlich bedeut.- die Tagung keine Absonderung der jüdischen Juristen von ihren nichiiuduchcn Kollegen. Vanbgerid>U;at Dr. Jacques Stern- Berlin zeichnete dann da» Bild der ..völkischen Rechts- und Staatsphllosophi." unter besonderer Würdigung ihrer führenden Kopse. Iuftizrat Dr. Siegfried Löwenstein-Berlin be­leuchtete den Entwurf eines ..Allgemein^ Deutschen Strafgesetzbuch.^" unb wies auf bie Notwendigkeit hin. tiiiuiije Bestimmungen, wie z. B. ..Anreizung zum Älaffenfompf", so zu formulieren, wie bie (Be- jamtintereffen des deuvchen Volke» es verlangen. Rechtsanwalt Dr. Erich E y ck - Berlin beleuchtete Die Stellung ber Rechtspflege zu Juden und Subentum" an Hand einer großen 3abl von Einzelfällen, die einer eindringenden lunstischen Würdigung unterzogen wurden. Er lehnte jede un- ie Berallgemeineru!

bie Grunde zu ermitteln, die zu den feftgefteUien neblqnf-tn geführt haben. Der Bert.:;hielte m der Forderung unparteiischer liftrechtigkeit. nicht nur um der deutschen Juden, sondern um de» gesamten großen deutschen llaierlanbe» willen. Rechtsan- walt Dr. Bruno Weil-Berlin schilderte auf brei­ter geschichtlicher Grundlage Wesen und Bedeutung de»P ol i ti s dien Prozesse»". Er rote» dar- auf hin, daß dieser mehr und mehr nach ber Revo­lution auch in Deutschland ein Faktor bes politisch, n Lebens geworden sei. Diese Tatsache erfordere bie Heranbildung von Verteidigern, die bie besonderen Erfordernisse be» politischen Prozeße» zu meistern oerftünben. Wer in politischen Prozessen tätig sei. in denen es sich um deutsche und lubiidp Fragen handele, muffe sich bewußt bleiben, daß sittliche Ei­genschaften. geistige Gaben unb Pflichterfüllung, nicht zum mindesten aber vaterländische» Empfinden dem deutschen Juden dos Recht und die Pflicht geben, ihre tatiadjlidie unb rechtliche Gleichstellung mit allen nichtiüdischen Deutschen zu erkämpfen. Eine oielftunbige Aussprache, an der Juristen au» allen Teilen be» Reiche», darunter auch Unioerli. tätsprofefloren und zahlreiche Richter, teilnohnwn, brachte eine Fülle neuen Material» zu den > .

betten Fragen.

Büchertisch.

Hermann Vvßmann: Kia« bet Fisch 163 ©eilen 8°. Aembrandt-Vcrlag. Ber­lin-Zehlendorf. Prei« geb 4 80 Mk ü;n neuer Tlame. Da« Wenige, wa« man seither von ihm hörte, machte einem Lust, diese- Buch zu lesen; und nun tmr e- kennen, meinen wir bet neue Harne wird bald über den Krei- ber Entdeck« unb Liebhaber ßinau«aebrungcn fein. Hi« ist eine Hofsnung, hier reift vielleicht em Führ« unb Wegweiser unsere« jungen Schrift­tum- heran. Da- Buch macht gar feinen an- fängerhaften Eindruck, e- ist sehr ferhq, in sich geschloffen, voller Kraft, strotzend von Phantasie Werk eines Dichter«, da- spurt man in jebeni Satz. Ganz unliterarisch auch ist dieses Buch, da- dem .Fischkutter ..WA. 141 gewidmet ist, fast formlos zu nennen bei all« innerer Ge­drungenheit. Wenn es ein Boman genannt wer­ben bart unb tmr wüßten kaum eine andere, ästhetisch abgrenzenbe 'Benennung dafür bann ist die merkwürdige unb sehr eigenwillige Art des Erzähl«», ba« Kompositionelle be« Gan­zen entschieben neu in feiner lockeren Aufreihung, bie bemwd} starke- Gefüge erhält burdb ben jebes Kapitel wuchtig ahcntuierenben. zusam- menfassenben. kurzen Nachsatz. Wenn man von Anhalt sprechen soll, ist man in einiger Ver­legenheit : da« grob Greifbare unb Handlung«- mastige, bas eben, was da« Ganze zumBo­man" macht, zerrinnt einem, wenn man es fassen niöchte, unter ben Hänben. Eine ..Meeres- finfome hat man bas Werk genannt: eine Tla- turschild«ung großen unb neuen Stil« ist es, in dem ein sehr ursprüngliches, merkwürdig un­beeinflußte« Gefühl sich einer Wett innig ver­traut unb verschwistert, bie wir doch meist be­staunen. betounbem unb fürchten bie uns aber innerlich zumeist fern unb fremb blieb. Hier würbe ba« Erlebnis des großen, unenbli<£en. feindlichen unb zugleich mütterlichen Me r « mit einer jugeirdlichen Kraft in Worte gefaßt, bie ganz eigenen Klang haben. Klana. Leuchttraft und Io etwas tote herben Salzgeruch Schilderung«" unb Biiber tun sich auf von Schissen unb Zischen, von Aiffe unb Klabautermann, von Robben unb Bären, von Fjordküste unb Südleeinsel, bie nicht vereinzelte unb unpersönliche Aeisebeschre bür­gen ober Tlaturftubien blieben, lonbcm erfüllt sind unb untereinander verbunden durch die dich­terische Bestimmung, in Zulammenklang des Ganzen nicht Zierrat und Benverk. sondern Tlot- Wendigkeit und inneres Glied zu bedeuten

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Verantwortlich

für da» Feuilleton: 4. B. Dr. Fr. D. Lange.