hatte, zeigte o.e zumiujvdl,.., —ug t... bedauerliches Vertagen der Organisation: es Waren offensichtlich erheblich mehr Karten ausgegeben worden, als Plätze zur Verfügung stan- den, und zahlreiche Interessenten muhten ent- toeder sofort wieder umlehren, oder standen in dichten Gruppen erfolglos vor verschlossenen Türen. Uns gelang es, nach geraumer Zeit Einlas) zu finden und wenigstens dem letzten Teil der Schau beizuwohnen. Es wurden die neuesten Modelle der Herbst- und Wintermode vorgeführt, angefangen bei der Morgentoilette der Dame mit Pyjamas und Morgenröcken bis zu den elegantesten Abendkleidern und Capes für de« Hennfahrt nach dem Voll. Die Mannequins zeigten für den Nachmittag Helle Kleider, meist aus Seide, mit langen Aermeln, schlicht gehaltert, doch elegant wirkend, mit sparsamen Garnituren und Faltengruppen. Pelzmäntel waren vielfach mit Seal und Biberette beseht: besonders gefiel uns ein Sealmantel mit vornehm wirkender Fütterung. Zuletzt erschienen die Mannequins in Abendkleidern: es gab eine gros)« Anzahl dezenter Toiletten zu bewundern. Alle tn zarten Pastellfarben gehalten, zipfelig geschnitten hinten kurz, vorne länger. Das Material ist Crepe Georgette oder Crepe de C^-ine mit Spitzen, Flitter oder Stahlperlen beseht. Die Kleider wurden durch gestielte Schals oder Capes ergänzt. Bei der Füllö des Gebotenen dürfte jeder Geschmack auf seine Rechnung-gekommen sein.
I Der Hessische Hauptverein des Ev. Bundes hält seine diesjährige Hauptversammlung in der Zeit vom 12. bis 14. November in unserer Stadt ab und verbindet damit die Vierzigjahrfeier der Gründung des Hauptvereins. Dem Festausschuß gehören auch Gcmeindemitglieder aus den Nachbarorten von Gießen an.
Oüerhesfen.
Lanvrreis ©iefceit.
CO Klein. Linden, 24. Sept. Infolge der sehr reichen Obsternte halten sich zur gestrigen Versteigerung des Gemei ndeobstes viele Käufer ejngsfunden. Die Qualität des Obstes ist vorzüglich, wie überhaupt bei unserem Gemeindeobst im allgemeinen infolge der jahrelangen sachkundigen Beratung durch einheimische Fachleute nur bodenständige gute Sorten zu finden sind. Es handelt sich in der Hauptsache bei Depfeln um die Sorten Landsberger Reinette, Schöner von Boslop. Goldparmäne, Allendorfer Rosenapsel und die ganz erstklassige Muskatreinette. Die Preise bewegten sich auf mäßiger Höhe. Cs galten der Zeniner feinste Tafeläpfel am Daum "5 bis 7 Ml., geringere Qualitäten waren für 3 bis 5 Ml. zu haben. Tafelbirnen waren etwas billiger und kosteten pro Zentner 4 bis 6 Ml, Honigbirnen kamen pro Zentner -auf 3 Mk. und darunter. Für Zwetschen, die allerdings nur wenig vorhan >en waren, wurden für den Zentner 5 bis 8Mk. bezahl . Der Gesamterlös der Spätobstversteigcrung beträgt rund 1200 Mk. Die Obsternte des alten Friedhofs an der Wetzlarer Straße, die seither dem Organisten der evangelischen Kirche gehörte, in letzter Zeit aber
gegen vare Leistungen abaelöst wurde, erbrachte den Betrag von 75 2KL, dre mm der Kirchenkasse zugute kommen.
<5d Großen-Linden, 25. Sept. Das D e - kanat Gießen feiert am nächsten Sonntag, dem 2. Oktober, in unserer Gemeinde das diesjährige Dekanatmissionsfest. Als Festredner wurde Missionar L a u k (Frankfurt a. M.) gewonnen. Der Pojaunenchor von Klein-Linden mit seinem Dirigenten, Kreisbaumwart Germer, hat seine Mitwirkung an dem Fest zugesagt.
)(Großen-Linden,26. Sept. Die ä l t e st e Einwohnerin Großen-Lindens, Katharine L u h , wird heute 8 8 I a h r c alt. — In diesem Jahre wurden acht neue Wohnhäuser hier erbaut, davon werden die meisten erst im nächsten Frühjahr bezugsfertig.
T Dllendorf (Lahn). 24. Sept. Die Versteigerung unseres Gemeindeobstes hatte außer vielen Einheimischen auch viele Käufer aus den Rachbarorten ongclodi. Trotz großer Mengen Birnen und Aepfel waren die Preise im allgemeinen recht hoch. Es kosteten gute Einschälbirnen der Korb 2 bis 4 Mk., Honigbirnen dagegen waren teilweise sehr billig. Speiseäpfel guter Qualität kamen der Korb durchschnittlich auf 3 bis 4 Mk., geringere Sorten entsprechend weniger. — In unserer Gemarkung ist in diesem Herbst eine ausgezeichnete Ernte an Brombeeren festzustellen. Ra- mentlich im Wäldchen an der Wetzlarer Straße, das allgemein als Allendorfer Wäldchen bekannt ist, werden täglich, meist von Kindern aus benachbarten Orten, viele Töpfe voll dieser Beeren eingeheimst.
§ Daubringen, 24. Sept. Heute wurde hier das Gemeindespätobst versteigert. Es wurden durchschnittlich recht ansehnliche Preise erzielt. Dies gilt besonders von den besseren Sorten, wie Goldparmäne, Schöner von Doskoop, Goldrenette von Blenheim usw., die mtt ungefähr 6 bis 10 Ml. pro Zentner am Baum bezahlt wurden. Wirtschaftsobst stellte sich etwas billiger. Dirnen zur Honigbereitung waren gesucht und sanden ebenfalls gute Preise. Die Gerneindezwetschenernte ist in diesem Jahre gleich Rull.
:|: Trais-Hvrlvsf, 24. Sept. Die Arbeiten an unserem neuen Friedhof gehen nunmehr ihrem Ende entgegen, so daß er in Kürze in Benutzung genommen werden kann. Die Verlegung des alten Friedhofs ist bekanntlich durch die Umstellung des Betriebs der Grube »Friedrich" auf Tagebau notwendig geworden, da bei den Baggerarbeiten der Friedhof wie eine Insel stehen geblieben wäre und die Arbeiten behindert hätte. DcshAlb hat auch die Grube die gesamten Kosten der Umlegung übernommen. Andererseits war die Umlegung nur mit Zustimmung sämtlicher Angehörigen von Bestatteten möglich, die aber durchweg erteilt wurde, da die Weihe der Begräbnisstätte doch sehr durch die Rähe deS Betriebs gelitten hätte. Man muß nun anerkennen, daß die Grubenverwaltung hier eine Friedhossanlage geschaffen hat, die weit und breit ihresgleichen sucht. Beherrscht
wird das Ganz« von der stilvollen Gedenk- Halle, die die Firma Holzmann noch dem Entwurf eines Frankfurter Architekten crusgeführt hat. Sie enthält im Untergeschoß Leichenhalle, Sezierraum und Geräteraum. In dem oberen, nach vorne offenen Raum soll eine Marmortafel mit den Ramen der Traiser Gefallenen angebracht werden. Ruhebänke und Blumen finden davor Ausstellung. Besonders begrüßenswert ist es, daß durch die Einrichtung einer Leichenhalle Familien mit engen Wohnungen, die hier häufig sind, nicht mehr genötigt sind, ihre Toten bis zur Bestattung im Hause zu behalten. Eine Frantfurter Firma wird demnächst noch gärtnerische Anlagen ausführen. Die noch vorhandenen Obftbäume werden beseitigt, um die Gedenihalle sowie am Eingang werden Zypressen angepslanzt. Durch die Mittelachse auf die Halle zu führt der in kleinstem Pflaster ousgefuhrte Hauptweg. Auch der ganze Zugangsweg von der Dorfstrahe wird zur Zeit mit Kleinpflaster versehen. Die gewalttge Umfassungsmauer. deren Frontteil zu beiden Seiten des Eingangs besonders schön ausgeführt ist, wurde von Bauunternehmer Dietz (Utphe) erbaut. Mit der Ueberführung der Toten des alten Fried- Hofs wird bei Eintritt der kälteren Jahreszeit begonnen werden. Die Angehörigen einer Familie werden zusammengelegt. Ebenso werden alle Erbbegräbnisse vereinigt, und zwar zu beiden Seiten der Gedenkhalle.
△ Aus der nördlichen Wetterau, 24. Sept. Rachdem die Preise für fette Schweine vor vier Wochen nach und nach in die Höhe gingen und bis 76 Pfennig für das Pfund gediegen waren, ist in der letzten Woche wieder ein Abschlag bis 70 Pfennig einge» treten. Verhältnismäßig hoch im Preise sind die Schafe. Für Jährlingshämmel vom Winter 1925 26 wurden 45 Mark bis 50 Mark für das Stück bereits bezahlt. Früh scheinen in diesem Jahre die Sommerweiden für Schafe im Vogelsberg aufgegeben zu werden. In den letzten Tagen zogen schon große Schafherden durch unsere Gegend der Mainebene zu, wo die Schafe während des ganzen Winters im Freien bleiben und nur ganz ausnahmsweise bei Schnee und Eis gefüttert werden.
Krcis Friedberg
WSR. Dad-Rauheim, 25. Sept. Auf dem hiesigen Wohlfahrtsamt sprach dieser Tage ein Mann in Frai»enkleidern vor und verlangte eine Fahrkarte nach Frankfurt o. M. Es wurde festgestellt, daß es sich um einen nicht zurechnungsfähigen Menschen handelt, der erst kürzlich aus einer Rervenheilanstalt entlassen worden war. Er wurde wiederum in -einer Heilanstalt eingeliefert.
:: Pohl-Gons. 24. Sept. Die Repara» turarbeiten an der hiesigen Kirche, die seit Wochen im Gange sind, werden wohl in diesem Jahre nicht beendet werden können. Auf Anregung des Gemeinderats war beschlossen worden, mir der geplanten Jnnenreparatur eine Vergrößerung der Kirche durch einen Anbau zu verbinden, da die Raumverhältnisse der Kirche im Laufe der Jahre für die Zahl
der Gottesdienstbesucher sich al» nicht mehr ausreichend erwiesen hatten, unb man der Ansicht war, baß, da nun doch eine Reparatur nötig ist, „ganze Arbeit" gemacht werden solle. Dem vom Hochbauamt Friedberg ausgestellten Voranschlag über 15 500 Mk. stimmt der Gemeinde- rot, der in erster Linie maßgebend ist, da ihm die Dau-Unierhaltungspflicht zusteht, sowie der Kirchenvorstand zu. Durch den Erweiterungsbau werden über 10 0 Sitzplätze gewonnen, und verspricht die Kirche, die auch neues Gestühl, neue Emporen usw. erhält, nach ihrer Wiederherstellung ein für unsere 700 Seelen zählende Gemeinde ausreichendes und dabet wirklich schönes, würdiges Gotteshaus zu werden. Sämtliche Arbeiten werden, soweit möglich, von hiesigen Meistern ausgeführt. Während der Reparatur der Kirche finden die Gottesdienste in dem Rathaussaale, der von bem Gemeinderat der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt wurde, statt.
Kreis Büdingen.
* Ridda , 24. Sept. Die Aussichten der Bauhandwerker hier sind für den Herbst noch recht günstig. Die Realschttle soll im Rohbau noch vor Winter vollendet werden. Die Apotheke wird durch einen Anbau erweitert, nachdem im Innern bereits die Geschäftsräume durch Hinzufügung eines Zimtners vergrößert worden sind. Auch das Wohnhaus des Dahn- beamten Jörg in der Ludwigstraße ist beinahe im Rohbau fertig. In der Dismarckstrahe erwarb Lehrer Dill hier von Hotelbesitzer M e n- g e l einen Bauplatz, um daraus ein 'Wohnhaus errichten zu lassen.
# Unter-Widdersheim, 24. Sept. Die letzten guten Sage haben die Arbeiten an der Grummeternte sehr gefördert, die Wissen sind nun geräumt Man ist eben fleißig an der Kartoffelernte. Der Ertrag muß als sehr gut bezeichnet werden. Selbst geringw ölige Berg- öder liefern fast eine Vollernte. Dabei ist das Vorkommen von faulen Kartoffeln sehr gering. Modrows Industrie, Pepo, Preußen uni> eine neu eingeführte Futterkartosfel, Zentifolie, geben die besten Erträge. Die Obstbäume zeigen einen Behang, wie seit vielen Jahren nicht Cs ist fast kein Apfelbaum in der Gemarkung, der nicht trägt. Reben feinerem Tafelobst, toie Schöner von Doskoop, Sandiger Kantapfel und Goldreinette von Dlenheim, sind es vor allem auch Wirtfchaftssorten. z. B. Roter Trierscher Weinapfel, die in letzten Jahren vermehrt angebaut wurden. Für die Unmasse von Birnen sinden sich keine Käufer. — Rachdem aus dem hiesigen Gemeinde st einbruch eine große Lieferung zu den Reubauarbeiten auf der ehemaligen Grube „Friedrich" abgefahren ist, hat die Rachfrage nach unferm guten Mauerstein etwas nachgela sm Di« Bautätigkeit war hier im laufenden Jahre sehr gering Reben kleiner, landwirtschaftlichen Anbauten und Stallvergröhe rungen wurde nur ein größeres Wohnhaus er richtet, das noch vor Winter bezogen werden soll.
WSN. Merkenfritz, 24. Sept. Gestern nachmittag wurde an einem unbewachten Bahnübergang bei unserer Station ein mtt zwei Kühen bespanntes
stmErfotz undstebe.
Roman von Robert Misch.
Copyright iy Carl Dunker. Berlin SW 62.
1 Fortsetzung Nachdruck verboten
Sie sprachen natürlich von ihrem Lieblings- thema, den „da brühen"; und da Vater Mengers dem Festessen der Angestellten beiwohnte, konnten sie sich mit Behagen darein versenken.
Das hat er wieder fein gemacht — der Herr Kommerzienrat. Und gut ist er auch immer zu seinen Angestellten.
Isa schlürfte den schäumenden, perlenden Wein mit großem Behagen — es war nicht die erste Flasche, die ihren Weg aus dem Vorderhaus hierher gefunden — und knabberte abwechselnd an einem „petit four“ und an einem Schnittchen mit Straßburger Gänseleberpastete.
„Ach, Muttchen, Gänseleberpastete ist was Feines. — Hast du dir das Kleid von der Gnädigen angesehen? Der Brokat und die Spitzen!'"
,Hat er ihr extra aus Lyon mitgebracht. Und die neue Perlenkette?!"
„Ach, weißt du, Muttchen — wenn ich reich wäre — davon kann man nie genug haben. Brillanten find ja auch schön — eigentlich ist Smaragd noch schöner ... aber Perlen. Perlen ... Ein sehnsüchtiger frommer Augenaufschlag bekräftigte die Worte.
.Oho, Isa, denk' bloß, was die Alte gesagt hat..."
„Na?"
,Hhre Tochter, meine liebe Frau Mengers" — und sie ahmte die Stimme Frau Anna Nettebohms nach —, „die eignet sich ja famos zur Bedienung. Auf die lege ich in ein bis zwei Jahren Beschlag. Wir lassen sie noch etwas lernen, schneidern und Wäsche nähen, dann kann sie gleich als Zofe zu mir kommen. Die Therese wird mir so bequem und will ja auch heiraten."
Isa schnitt eine Grimasse. Das kirschförmige Mündchen verzog sich höhnisch nach unten.
„Die wird sich brennen. — Was hast du ihr erwidert, Mutter?"
„Daß du aus meinen und Vaters Wunsch die höhere Töchterschule erst ganz durchmachen solltest."
— „Meine liebe Mengers" — und wieder kopierte sie die Stimme der Gnädigen —, ,/was soll sie später mit Französisch und Englisch und Klavier?! Damit kann sie in ihrem Stande nichts anfangen."
„Na — und dann?"
„Du könntest später in ein Geschäft treten, sagte ich ihr, und wie musikalisch du seist und so ... Da zuckte sie die Achseln. — „Glauben Sie mir. liebe Mengers, das macht sie nicht glücklich. So zehn, zwölf Stunden im Bureau finen und schlecht bezahlt werden ober tippen unb duchführen, dabei verkümmert sie körperlich und seelisch. Lei mir hat sie's bester. Na, überlegen Sie sich das doch noch ... wir haben ja Zeit!"
Draußen klingelte es plötzlich leise
Mutter unb Tochter schauten mißtrauisch auf. Mit schneller Hand räumte die Alte Flaschen, Gläser unb Teller fort.
„Frag' erst, wer da ist!"
,Lch möchte wetten, der Eberhard. Der hat mich heute den ganzen Taa nicht gesehen, unb bas hält er nicht aus", lachte die Kleine unb huschte schnell zur Tür hinaus.
Draußen ein leises Getuschel; dann trat Eberhard ein, beloben mit einigen Düten, währenb ihm aus jeder Tasche der Hausjoppe ein Flaschenhals hervorlugte.
„So — ich habe Ihnen auch was mitgebracht. Den trinken wir aus und knabbern was Süßes dazu", lachte er freundlich.
Mit jungenhaftem Ungestüm öffnete er eine der Flaschen, füllte die Gläser und stieß mit den beiden an. Seine braunen Schwärmeraugen hefteten sich dabei inbrünstig in Isas Madonnengesichtchen.
Mutter Mengers verschwand in der Küche, um etwas Kaffee zu kochen, da man doch „jetzt so gemütlich zusammen sei". Den ganzen Tag sei man auf den Beinen gewesen.
Behaglich lehnte Eberhard sich in den Lehnstuhl zurück, den sonst Vater Mengers riesige Gestalt aus- fiillte, versah sich mit einer Zigarette und streckte die Beine bequem und weit von sich, Isa unablässig bettachtend, als hätte er sie noch nie gesehen. Die naschte abwechselnd am Wein und an den mitgebrachten „Katzenzungen". Und sie schnurrte dazu auch wie ein Kätzchen.
„Was schaust du mich denn so an. Junge?" „Darf ich nicht?"
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„Trink lieber und erzähl' was!"
„Wie schön du heute bist!"
Ein hellroja Schimmer stieg ihr plötzlich bis zur Stirn, blaßte aber gleich wieder ab; bann lachte sie geschmeichelt:
„Wie sprichst bu denn heute mit mir?! Ich glaube, du bist beschwippst."
„Ein bißchen! — Aber die andern haben es auch alle gejagt, daß du ein schönes Mädel bist."
Isa fühlte sich äußerst behaglich bei diesem Ge- spräcy. Männliche Anbetung, und wenn es auch nur der Jugendfreund war, tat ihr wcchl; dazu der Wohlgeschmack des Weines und der Schokolade... Wenn man nicht über den Büchern hocken mußte oder von Vatern gezankt wurde, war das Leben wirklich recht schön, rrotzdem die Mutter immer jammerte, wie schwer es sei.
Was erwartete sie nicht alles von diesem Leben! Und plötzlich lachte sie hell auf, so daß ihr der Wein in die unrechte Kehle kam. Sie dachte an Eberhards Mutter unb bereu Wünsche. Sie als Kammerjung- fer bie bicke Kommerzieurätin bebienenb, sie in ber Küche mit bem Personal speisenb?! In fünf, sechs Jahren mußte sie selbst ihre eigene Jungfer haben.
„Was hast bu benn, Isa, ich glaube, bu bist auch besäjwippst?"
Der Junge da, ber war wirklich in sie verschossen. So hatte er sie nie angeblich. Immer waren sie nur gute Kameraden unb Spielgefährten gewesen. Seit einiger Zeit war es anbers.
Sie wollte aber noch klarer sehen. Und er würde ihr alles sagen — er war immer Wachs in ihrer Hand gewesen.
Mit einem plötzlichen Ruck riß sie ihm bie brennende Zigarette aus bem Mund unb nahm sie zwischen ihre Lippen, zwischen biese prachtvoll geschwungenen, roten Sippen.
Sie näherte ihm ihren Mund, ihre Augen, ihre ganze Gestalt. Sie wollte ihn faszinieren, ihn zu ihrem treu ergebenen Sklaven machen. Ihre Weibs- natur war heute plötzlich erwacht unter ben oer- langenben Blicken, ben halbgeflüsterten Worten dieser reichen, vornehmen Herren, bie sie da drüben vorhin bedient hatte.
Eberhard zitterte unter dieser Annäherung; dann lachte er verlegen und unbehaglich.
„Was machst du benn, Möbel? Seit wann rauchst du denn? Dir wird schlecht werden!"
TSK3T.
„Glaubst du wirklich. Unsere ganze Klasse raucht. Du, Eberhard, wer hat mich benn schön gefunden?"
Der junge Mann faß plötzlich aufrecht, steil in seinem Sessel, den er fetzt langsam von ihr zurückschob, während es wie Unbehagen um feinen Mund zuckte.
„Du bitt wirklich beschwipst. Setz' dich doch und lach' nicht so albern!"
Isa zoS sich langsam, etwas ei legen, zurück; dann tänzelte sie leise mer umher. Auch wenn sie ihm den
füllte sie seine Augen auf sich ruhen.
Plötzlich saß sie ihm gegenüber, an bem anderen Ende des Tisches, schlug die Beine übereinander und wippte mit dem braunen Lederpantöffelchen ihres rechten Fußes auf und ab. Sein Blick glitt über den winzigen, hochspannigen Fuß mit dem tanzenden Pantöffelchen und den seinen Fesseln.
Als er sich bemerkt sah, glitt dieser Blick wieder von ihr fort in eine entfernte Ecke. Beide schwiegen plötzlich: er fühlte sich erröten; unb daß sie es sah, machte ihn noch verlegener.
Wie schwül es hier war! Das machte wohl der Wein. Unwillkürlich stieß er das volle Glas zurück. Man durste nicht mehr ttinken, wenn man schon halb berauscht war. Am besten legte man sich ins Bett. Und das sagte er ihr auch. Sie zuckte die Achseln:
„Philister!"
Und blickte ihn mit ihren großen, schimmernden, graublauen Augen an. Willenlos sank er in seinen Sessel zurück.
War ja auch Unsinn! Morgen war Sonntag; man brauchte nicht in bie Schule zu gehen — und überhaupt, man mußte die Feste fe'ern, wie sie fallen. Er hätte doch nicht schlafen können. Immerzu hätte er an Isa denken müssen, wie noch nie zuvor — und deshalb hatte er sich ja auch gleich weg- geschlichen.
„Du Eberhard — gib mir noch eine Zigarette und schenk' mir ein!"
„Er schüttelte den Kops, schob ihre ausgeftreefte Hand mit dem Glas zurück.
„Rein — du hast genug getrunken. Und kleine Mädchen brauchen nicht zu rauchen."
„Summe Jungens auch nicht. Du Eberhard..
„Na —?"
' (Fortten ino folgt)
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