sämtliche vorwürfe ßubenborffs als völlig unbe- zründet zurückgewiesen. Nunmehr treten Die G r o ß- meister der gesamten neuen deutschen Großlogen als Wortführer der ganzen deutschen Freimaurer mit folgender Abwehrkundgebung an die Veffentlichkeit: „Die Unterzeichneten, als gesetzliche Vertreter von oa. 80 000 treudeutschen, oater- liindisä) gesinnten Freimaurern, geben in deren Namen iyrer Entrüstung darüber Ausdruck, daß Herr Erich Ludendorff in seiner Schrift „Vernichtung der Freimaurerei" sie in verleumderischer Weise beleidigt und in den Augen des deutschen Volkes herabzusetzen versucht hat. Sie bedauern gleichzeitig, daß ein
Mann von der «snstlgen Größe und Bedeutung der Generals der Infanterie Ludendorsf sich zur Verhetzung des deutschen Volkes und zur Irreführung breiter Massen herabgewürdigt hat. Obwohl das Pamphlet einer Entgegnung kaum wert ist, weil cs der deutschen Freimaurerei geradezu wahnsinnig« Ziele unterstellt und sich dabei auf dunkelste und trübste Quellen stützt oder sich bewußt der unglaub- lilbsten Verdrehungen und Entstellungen bedient, so behalten wir uns doch zur Aufklärung der öffentlichen Meinung eine eingehend« sachliche Stellungnahme vor."
Provinzialverband Oberhessen der Deutschen VolKspartei.
Am gestrigen Sonntag trat im Sprudel-Hotel in Dad-Rauheim der Provinzialpart ei- it a g der Deutschen Volkspartei in Oberhessen zusammen. Parteimitglieder aller Derufsgruppen vereinigten sich dort in stattlicher Zahl, um zu den politischen Tagesfragen Stellung zu nehmen.
Der Vorsitzende des Provinziulverbandes, Pros. Dr. Krausmüller, Gießen, begrüßte besonders den Aeichstagsabgeordneten Reichs- minister a. D. Excellenz Dr. Becker, sowie die Abgeordneten der Hessischen Lan^tagsfraktion, die fast geschlossen erschienen war. Er bedauerte, daß der Landesvorsihende, Rechtsanwalt Dinge l d e h , infolge Krankheit verhindert war. an der Tagung teilzunehmen. Es mußte infolgedessen auch eine Programmänderung eintreten: anstelle des Landesvorsitzenden sprachen Oberstudiendi».^- tor Dr. Keller. Büdingen, M. d. L. und Bürgermeister Dr. Riepoth, Schlitz, M. d. L. über: ,Kulturpolitische und Deamtenfragen" und über: „Wirtschaftspolitische Tagesfragen."
Abg. Oberstudicndirekkor Dr. Keller (Bübingen) führte in seinem Referat etwa folgendes aus: Sn ihrer Einstellung zu Kultur- und Deamtenfragen seht die Deutsche Volkspartei ihre Ehre darin, entsprechend den Grundsätzen der alten national-liberalen Partei zu handeln. Wie die alte national-liberale Partei, so wollen wir uns auch heute nicht einseitig einstellen, sondern wir müssen die Snteressen sämtlicher Volkskreise gegeneinander abwägen.
Drei große Fragen sind in der Kulturpolitik vorherrschend: Kirche, Rechtspflege und Schule. Die Kirche war früher der einzige Kulturträger, und wir hoffen, daß sie auch für di« Zukunft eine der Hauptstützen deutscher Kultur sein wird. Leider sehen wir, daß von selten der hessischen Regierung nach Inkrafttreten der Reichsverfassung der Kirche nicht die nötige Beachtung geschenkt wird. Wir verlangen, daß der Staat den notwendigen Belangen der Kirche, vor allem in finanzieller Hinsicht, Rechnung trägt. Auf unser Drängen hin hat die hessische Regierung zu dieser Frage bereits vor Jahren von der juristischen Fakultät der Landesuniversität ein Gutachten eingefordert, aus das wiv heule noch warten. Es erweckt den Anschein, als ob von selten der Regierung eine Verschlep- tnrngspolitik getrieben wird, rmd als ob die hessische Regierung kein Interesse daran habe, den rechtlichen Forderungen der Kirche gerecht pu werden. Unsere Stellung zur kirchlichen Frage rst klar und eindeutig bestimmt: wir sehen in ihr mit das stärkste sittliche Fundament für die Entwicklung unseres Volkes. An dieser unserer Einstellung kann auch die Kritik nichts ändern, die von gewissen Kreilen an uns geübt wird. Es bedeutet die Aufstellung eigener Listen seitens der „Evangelischen Volksgemeinschaft" nicht eine Stärkung, sondern eine Zersplitterung des evangelisch-christlichen Gedankens.
Das zweite Fundament der Kultur ist die Rechtspflege. Wer das Vertrauen zu ihr erschüttert, imiergräbt den Staat und leistet dun Ehaos Vorschub. Wir haben im hessischen Landtag leider allzu oft gesehen, daß So'ialdemolraten und Demokraten gegen unsere heutige Rechtsprechung Sturm laufen. Wir verlangen einen unabhängigen Richterstand, der ohne Rücksicht auf Tages- und Volksmeinungen sein llr'eit spricht. Wir wenden uns mit aller Schärfe dagegen, daß in den Gerichten nicht Objektivität, sondern Parteigeist herrse e. Wir verlangen, daß die Stellenbesehung auch künftig nicht nach dem Parteibuch-, sondern nach der Vorbildung und den Fähigkeiten erfolgt.
Als letzter, aber darum nicht unwichtigster Punkt der Kulturpolitik ist die Schule zu nennen. Man hat uns mit Vorwürfen überhäuft, Daß wir im vorigen Jahre die Anzahl der
Klassen in Hessen Um ein Zehntel vermindern wollten, obwohl die Regierungsparteien späterhin ohne unsere Zustimmung eine Minderung um ein Zwölftel beschlossen haben. Man macht uns bei dem Abbau der Schulklassen für die in Erscheinung getretenen Härten verantwortlich. Diese hätten nicht vdrzukommen brauchen, wenn man nicht allein auf dem Lande, sondern den Verhältnissen entsprechend auch in der Stadt den Abbau vorgenommcn hätte. Wir wußten sogar erleben, daß eine demokratisch-sozialdemokratische Regierung auch vor der verbrieften Freiheit der Hochschulen nicht Halt gemacht hat. Wir mußten ferner erleben, daß dieselbe Regierung das Schulgeld in den höheren Schulen erhöhte und dadurch den Minderbemittelten den Besuch dieser Lehranstalten geradezu versperrte. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen nahm der Redner zum Reichsschulgeseh Stellung und versicherte den Anwesenden, daß di« Stellung der Deutschen Volkspartei unerschütterlich sei in der Erhaltung der bewährten christlichen Simultanschule.
Der Redner begrüßte weiterhin die in Aussicht stehende Besoldungsreform, die den Beamten endlich aus seiner finanziellen Rotlage einigermaßen befreie und dem Staat ein Berufs- beamtentum erhalte, das unabhängig dem Staate seine Kräfte weihen kann. „Wir verlangen, daß endlich mit der viel Ührigen Beschäftigung der Anwärter Schluß gemacht wird, und daß diese nach wenigen Jahren des Anwarterdienstes in ihre Veamtenrechte eingesetzt werden. Wir verlangen ferner, daß endlich die Gleichstellung der Alt- und Reu Pensionäre erfolgt." (Langanhaltender Beifall.)
Abg. Bürgermeister Dr. R i e p o t h (Schlitz) sprach hierauf über wirtschaftspolitische Tagesfragen. Indem er zahlenmäßig den Werdegang der hessischen Finanzen darlegte und diesen mit den Aussichten für die kommenden Jahre gegenüberstellte gelang es ihm, ein Bild zu geben von der Einstellung des Fi- nanzininisters damals und heute. „Damals konnte der Minister nicht schwarz genug malen, um eine Erhöhung der Steuern zu rechtfertigen, und wir waren ständig die Mahner, die ihn auf das Be- denkliche dieser Handlungsweise hinwiesen. Heute kann et nicht optimistisch genug sein bezüglich der Entwicklung des hessischen Staatshaushaltes. Wir geben zu, daß die Finanzlage sich durch Heber» nähme der Erwerbslosenfürsorge auf das Reich, durch Ansteigen der Reichsstc-erüberweisungen wesentlich gebessert hat: denno , liegt lein Grund zum Optimismus vor, unser Haushalt wird alljährlich mit Defiziten zu rechnen haben. Wir werden sagen fönnen, daß das Land sich aus eigener Kraft nicht halten kann, wenn nicht eine grundlegende Aenderung durch ein Sparprogramm und eine Derwaltungsreform herbei- geführt wird. Den Weg zur Gesmrdung sehen wir in einer richtig durchgeführten Verwaltungsreform, d. h. Dezentralisation der Aufgaben des Staates, und in einer dadurch geschaffenen Qlr» beitssreudigleit des Beamtentums. Wir verlangen ferner, daß keine Politiker, sondern daß sachlich vorgebildete Beamte mit diesen Selbstverwaltungsstellen betraut werden."
Der Redner ging dann auf die vom hessischen Finanzministerium im Jahre 1926 eingebrachten Vorlagen zur Grund- und Gewerbesteuer, Sondersteuer und Gemeindeumlage näher ein. Er befaßte sich dabei insbesondere mit der Haltung der D. D. P. in der Frage des Gewerbe- steuergesetzes. „Man wirst der Partei vor, daß sie die mittelständischen Interessen nicht genug gewahrt habe. Demgegenüber ist sestzu- stellen, daß die Stellung o'er Landtagssraktion in dieser Frage einheitlich war. Mit Rücksicht auf die überlasteten Finanzämter einerseits und im Hinblick auf die kommenden Reichsrahmen- gesehe andererseits faßte die Fraktion einstimmig
Blaus Stunde.
Von Werner Deubel*).
Draußen aus den Wiesen sank der Rachmittag. Was eben noch im milden Schein des Tages Wärme der Jugend vorgetäuscht hatte, zeigte Nun im blauen Licht der Scheidestunde das müde Antlitz des Alters, gefurcht von Rissen und Falten, die sich mit Schatten füllten. Die Weiden am Wege wanderten in endlosem Zuge verdrossen in den Dunst der stillen Felder, während über den dämmerfernen Bergen sich schon kühl die Rächt aus grauen Wolken neigte. Burkhard starrte auf die sterbende Ebene hinaus.
Alles kreiste fremd um ihn, alles atmete anders unter dem pulsenden Pochen eines anderen, unermeßlich fernen, unbekannten Herzens. Aber je tiefer er seine von Liebe und Wundern aufgewühlte Seele in die Landschaft hinaustrug, um so vertrauter umringte sie ihn mit webendem Zauber. Er fühlte, wie sein Herz sich öffnete, wie er langsam in den wehenden Strömen zu kreisen begann. Die Stimme des Windes, das tönende Schweigen der nebelnden Wicsen, das dunkle Murmeln des Baches, alles schien ihn zu suchen in geheimnisvoller Rede. Fern aus dem Dunste drang weinendes Geläute und taumelte windverweht über die toten Wissen. Herbst rührtze ihn an und die herbe Süßigkeit aller Dinge, die zum Sterben bereit sind
Zwischen Tod und ewig jungem Frühling schaukelnd, schwang das Leben. Run atmete die uralte Mutter alles wieder ein. Weh flackerten Die kühlen Sterne auf.
Leise begann sein Herz zu tönen in rnenschen- sremder Melancholie. Er breitete die Arme gegen den Abend aus. „Ich sehe Großes", murmelte er, wurde für einen Augenblick wach am Klange
* ) Ein kleines Kapitel aus dem dieser Tage bei Eu^en Dirder'.chä, Jena, erscheinenden Roman »Götter in Wolken" von Werner Deubel.
seiner Stimme und lächelte verloren über die Fremdheit der Worte.
Versonnen schritt er weiter, doch die beschwingten Arme vermochte er nicht still zu halten. Bald jauchzte er trunken dem wehenden Winde zu. der in starren Zweigen und surrenden Drähten ein dionysisches Sterbelieb harfte. Er riß den Hut vom Kopse, und die Haare spielten um seine Stirn. Mies Lebensfeuer glomm In seinen Adern auf. Die Grunde glühten und die Zeichen tönten wieder
Er stand a i, der dunkelnden Ebene und wandte sich um, vom fernher schwingenden Glockengeläut wie in eine magisch tönende Wolke gehüllt. Von den Aeckem klang Vogelrus, in der Ferne flimmerte die lichtatmende Stadt.
Der Forellenorden.
Skizze von Hermann Anders Krüger.
Dieser Orden ist in weiten Kreisen unbekannt. Er steht weder im Brockhaus noch im Meyer, und auch der erfahrenste Hofmarschall dürste sich mit ihm nicht auskennen. Eigentlich war es wohl irgendein Russenkreuzchen vierter Klasse, das der Volksmund so benannt hatte, denn Forellen waren die Veranlassung, daß der kleine dicke Bahnhofswirt von Dideldum ihn bekam und nun als einziger Ruffenritter stolz an hohen Feiertagen damit umherstolzieren konnte. Aber nichi die Forellen hatten ihm diese Auszeichnung eingebracht, sondern die Schleien, manche behaupteten sogar — die Heringe. Kurz, es war eine lehr geheimnisvolle Geschichte, über die der nur listig schmunzelnde Wirt sich niemals aussprach. Aber Der Piccolo. Der nicht Den verdienten Orden, sondern die unverdiente Ohrfeige bekommen hatte, später freilich auch Schmerzensgeld — der hat m:r die Geschichte einmal Der* a en.
Unser geruhsames Dideldum. noch heute eine leidlich wichtige Umsteigestation, war vor langen
den Beschluß, gegen Me Bevabschtedvng der Vorlage zu stimmen. Die Partei war sich bewußt, daß triefe Richtverabschiedung für manche große Härten in sich birgt, und hat deshalb versucht, durch Anträge diese Härten.auszugleichen. Bezüglich der Sondersteuer hat die Partei versucht, Erleichterungen durchzusehen. Alle ihre Bemühungen blieben erfolglos. Bezüglich des Gemeindeumlagegefehes setzte sich die Partei vorzüglich für die Einführung der Filialsteuer ein, um dem Einzelhandel in seinen berechtigten Forderungen Genugtuung widerfahren zu lassen." Der Redner betonte zum Schluß, daß Die Partei in ihrem Eintreten für die verschiedensten Wirtschastskreise die Kritik der Oeffent- lichkeit nicht zu fürchten braucht. Er warnte vor den Versprechungen, die einige wenige Unzufriedene machen, um durch Ausnutzung der allgemeinen Rotlage ihre eigenen Vorteile zu erreichen. Richt Zersplitterung, sondern nur einmütiges Zusammen steh en und Schaffung eines Ausgleichs mit anderen Derufsgruppen faim dem Mittelstand helfen. (Langanhaltender Beifall.)
Entschließung de» Parteitages.
In der anschließenden regen Aussprache war den Abgeordneten Gelegenheit gegeben, noch auf manche Frage Auskünft zu geben. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Der Provinzialparteitag Oberhessen der D. V. P. dankt seinen beiden bewährten Abgeordneten, Oberstudiendirektor Dr. Keller und Bürgermeister Dr. R i e p o t h, für ihre eingehenden Ausführungen über Kultur- und wirtfchafts- pvlitische Fragen. Der Provinzialparteitag billigt die Haltung, welche die hessische Landtagsfraktion der D. D. P. zu diesen wichtigen Lebensfragen eingenommen hat. Der Prvvinzialpartei- tag ertoartet, daß die Fraktion auch fernerhin eintritt für Erhaltung unserer christlichen Sirnul- tanschule. für eine gerechte Verteilung der Steuern und für Erhaltung und Schuh des Mittelstandes."
Au§ der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 26. September 1927.
Gies;:::7 WEerrmarktpreise.
Es kosteten aus dem Sams'ag-Wochenrnarkt das Pfund: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse 60 bis 130, Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 10 bis 15, Bohnern grüne 20 bis 25, gelbe 20 bis 25, Pinter-Kohlrabi 8 bis >, Feldsalat 80, Tomaten 25 bis 40, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Kartoffeln 4 bis 5, Frühäpfel 10 bis 20, Falläpfel 4 bis 6, Dirnen 5 bis 15, Zwetschen 10 bis 15, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Brombeeren 45 bis 50, Preiselbeeren 50 Pf.: das Stück: Eier 16 bis 17, Blumenkohl 20 bis 160, Salat 10, Salcttgurken 10 bis 60, Cinmachgurken 4 bis 6, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 5 bis 20, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 40; das Bund: Radieschen 10 Pfennig.
*
* * Keine neuen Ruhrentschädigun- gen. WTB. meldet: In Berücksichtigung der am 15. Dezember 1926 vom Untersuchungsausschuß des Reichstags für die Ruhrentschädigungen gefaßten Entschließung werden keine neuen Ruhrentschädigungen gezahlt. Insbesondere auf Grund des in Ziffer 5 dieser Entschließung ausgesprochenen Wunsches hat die Reichsrccherung be» kanntlich 30 Millionen als abschließende Ent- schädigungsmahnahme aus Anlaß der Ruhrschäden bereitgestellt. Mit Zustirnnnmg des 16. ReichstagSausschusses (besetzte Gebiete) sollen diese Gelinnittel zum Teil für Zwecke der allgemeinen Wohlfahrtspflege bei den Arbeitnehmern; (Arbeitern nmD Angestellten), zum anderen Teil, der für hie Gemeinden und Gemeindeverbände, sowie zur Mittelstandssörderung bestimmt ist, für die allgemeine Produktion des besetzten Gebietes fördernde Zwecke verwendet werden, nicht aber zur Getvährung von Einzelzuwendungen in Form von Darlehen oder älnterstühungen. An die erste jetzt veröffentlichte Entschließung des Untersuchungsausschusses vom 15. Dezember knüpften Die Geschädigten die Vermutung, daß neuerdings weitere Entschädigungsmahnahmen in Aussicht ständen. Das ist nach dem Vorhergesag- ten nicht der Fall. Anträge an das Reichsministerium für die besetzten Gebiete oder an andere mit Der Abgeltung von Ruhrschäden befaßt ge- wesenr Behörden auf Gewährung neuer Ruhr- entschädigungen müssen deshalb als zwecklos angesehen werden.
Jahren ein sehr bedeutsamer Schnittpunkt zweier Hauptbahnlinien. Da man es in jenen Zeiten noch nicht so eilig hatte wie heute, pflegte man sich vor einem solchen Zuawechsel gemeiniglich zu stärken. Der Dahnhoföwict von Dideldum verstand übe.dies sein Geschäft ausgezeichnet, war allen Anforderungen auch der hohen und höchsten Herrschaften gewachsen und nicht umsonst mehr- facher Hl s.raiteur, in i e e t Fürstenzin mer manche historische Persönlichkeit gespeist hat.
Eines schönen Tages meldete ein Telegramm des kaiserlich russischen Hofmarschailamts plötzlich das baldige Eintreffen des Großfürsten Constantin mit dem Bemerken, daß Seine Kaiserliche Hoheit abermals die ausgezeichneten Dideldumer Forellen zu speisen wünschten, die ihm das letzte Mal so sehr gemundet hätten. Der kugelrunde Dahnhofswirt erschrak zunächst über Die Maßen. In Dideldum gab es nämlich gar keine Forellen, nur in seinem Fischkasten unten an der Apfelstädt pflegte er bisweilen solche vorrätig zu halten. Run waren aber zur Zeit nur noch einige Schleien Darin. Diese als Forellen zu frisieren und dem Großfürsten anzudcehen — ging nicht so ohne weiteres an. Die Kaiserliche Hoheit war ein Feinschmecker ersten Ranges, das wußte Der ersah 2ne Wirt sehr genau. IIni von Ersurt oder Arnstadt noch Forellen heranzuschaffen, reichte Die Zeit nicht mehr aus. also was war zu tun? Tiefsinnig grübelte Der pfiffige Wirt über der schwierigen Frage, wie man Dem Großfürsten Die Schleien statt Der bestellten Forellen geziemend beibringen könne. — Endlich kam ihm Der erlösende Gedanke. Er befahl, Heringe und Schleien zu bereiten, und begann das Personal nachdrücklichst zu unterrichten. Dann wurde die Tafel Des Fürstcnzimmers mit dem herkömmlichen Pomp gedeckt.
Der Großfürst kam auch pünktlich, hungrig und hastig aus seinem Salonwagen angestampft, würdevoll hinter ihm sein Gefolge. Man setzte sich rasch und verschlang die treffliche Köniain- suppe und Die Pasteten; Dann kam der Fisch.
** Hessisch« D«rstcher«»g»-An- ftalt für gemeindliche Angestellte. Für die Wahlen zum Ausschuß der Anstalt liegt die Wahlliste für den Kreis Gießen vom 26. D. M. bis 3. Oktober auf Dem Kreisamt zur Einsichtnahme für die Beteiligten offen.
** Ser Handels- und Ind ustriever. banDfÜrOberhesfen hatte auf Samstag mich- mittag zu einer Erörterung wirtschaftspolitischer Tagesfragen in das Hotel Schütz eingeladen. Das Referat hatte Reichsminister a. S. Exzellenz Dr. Berfer, M. d. R., übernommen, der in etwa ein« stündiger Rede eine umfassende Darstellung der wirt« schaftlichen Lage gab. Der Redner betonte einleitend die Wichtigkeit der einheitlichen Aufsastung inner« halb der Regierung über die verschiedensten wirtschaftspolitischen Fragen; wenn auch Der Reichswirt- schaftsminister einmal öffentlich mehr für den Export und der Reichsernährungsm,nister mehr für die Landwirtschaft und den heimischen Markt sprech«, so se, hier doch nur scheinbar eine Uneinheitlichkeit, tatsächlich aber sei man im Reichskabinett in allen wirtschaftlichen Dingen einer Meinung und bestrebe sich, jedem Wirtschaststeil gebührend zu seinem Recht zu verhelfen. Weiter trat der Redner für kräftige Förderung der Interessen der Landwirtschaft ein, namentlich auch im Hinblick auf Die schwebenden und Die noch bevorstehenden Handelsoerlragsoerhandlun- gen, insbesondere mit Polen; ferner im Hinblick Darauf, daß eine gestärkte, kaufkräftigere Landwirt- schäft die beste Stütze unseres Inlandsrnarktes ei und dadurch wirksam zur Gesamtbelebung unserer Wirtschaft beitragen könne. Ohne aufnahmefähigen Inlandmarkt könne auch die Industrie nicht bestehen. Die Forderung sei also: Exportförderung und zugleich Stärkung des Inlandsmarktes. Bei der Erörterung der Konjunkturfragen wies Der Redner auf die gegen fruljer zweifellos stark gebesserte Lage hin, und betonte namentlich auch Das sehr erfreuliche Sinken der Arbeitslosenziffer von etwa 2,5 Millionen Leuten vor einigen Jahren auf etwa 600 000 Menschen heute: mit einer Arbeitslosigkeit in letztgenannter Höhe müßten mir wohl noch auf mehrere Jahre hinaus rechnen, diese Ziffer sei aber doch eigentlich das, was wir früher Im stehenden Heere halten, zum Teil verstärkt durch das Auftreten der Kräfte auf dem Arbeitsmarkt, bi« als Opfer der Derhältnisf« jetzt hier zu finden seien, wo man sie unter normalen Um- ständen nicht gesehen Ijaben würde. Zur Beschäftigungslage wies der Vortragende darauf hin, daß wir nach der Ansicht des Instituts für Konjunkturforschung in absehbarer Zeit wieder mit einem gewissen Abstieg der Wirtschaftskurve zu rechnen hätten. Bei der Würdigung der Außenhandelsbilanz erhob der Redner ernste Bedenken gegenüber unserer weitgehenden Verschuldung an das Ausland, die ja nicht nur durch die Auslandanleihen, sondern auch durch die Daweslasten gegeben fei, öbenfo durch Den Verlust unserer ausländischen Handelsguthaben infolge der Versailler Bestimmungen. Aufs stärkste müsse bei dieser Sachlage im Innern gespart werden. Dor allem fei ein energischer Abbau der öffentlichen Lasten dringend zu fordern. Auch die sozialen Lasten seien gegen früher sehr stark in die Höhe gegangen. Wenn man sich mit Den Soziaiabgaben schon eher obsinden könne, so sei doch zu sagen, daß die Wirtschaft die Überaus schwere Gesamtbelastung, insbesondere hervorgerufen durch das gewaltige Aufblähen des Derwaltungsapparats, auf die Dauer nicht tragen könne. Der Redner forderte in diesem Zusammenhänge eine durchgreifende Rationalisierung Der Verwaltung; solange diese Maßnahm« nicht durchgeführt werde, sei keine Besserung zu erwarten. Wenn allenthalben viel sparsamer gewirtschaftet werd« als bisher, und wenn alle Kräfte in straffer Zusammenfassung am Wiederaufbau mitwirkten, sei eine Besserung unsere Lag« von Dauer zu erhoffen. Im An- schluß an Den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag fand eine Aussprache statt, in der namentlich von den Gemeinden verlangt wurde, die öffentlichen Mittel immer nur zu wirklich produktiven Zwecken anzuwenden und vor allem Luxusbauten ujro. zu unterlassen. Weiter wurde gegen die Listenwahl Stellung genommen und Die Rückkehr zur alten Dahl, Der Wahl von Personen, die man kenne und denen man vertrauen könne, gefordert.
,e Eine Modenschau veranstaltete am Samstagnachmittag und Abend da- hiesige Modewarenhaus Carl R o w a ck im großen Saale der Liebigshöhe; eine Anzahl Oicfentr Firmen, Salomon, Roder, Hof-Weirzel, Reiß, Spieß & Co., Dietz und Brück beteiligten sich mit der Vorführung ihrer Modelle, bzw. den erforderlichen Dekorationen; es wirkten ferner mit Schauspieler Fr. Geffers als Ansager, Frl. Anita G e f f e r s von der Würzburger Labanschule mit Tanzvorführungen und sechs Mannequins. Rachdem schon die Rachmittagsveranstaltung einen sehr starken Andrang des Publikum-
Hebereifrig stürzte der erste Ober heran, noch eifriger der Piccolo, der die große Rickelplatte mit den Heringen trug. Geschickt stießen beide zusammen, mit Überzeugender Höflichkeit stolperte Der Piccolo über seine eigenen Beine, Die große Platte kippte, sauste zu Boden und begrub sämtliche Forellen-Heringe unter sich. Man verhüllte sie mit diskretem Schweigen. Llnter dessen erstickt Der ungeschickte Piccolo vom Ober die bereite eingeübte Ohrfeige, fluchend stürzten beide ba- von. während Der Herr Hoftraiteur schier verzweifelt, aber mit vollendeter Anmut sich an Seine Kaiserliche Hoheit herankomplimentierte, taufenömal um Verzeihung bat und versprach, sofort statt der leider verunglückten Forellen ganz frische und erstklassige Schleien auf tragen zu lassen, wenn Kaiserliche Hoheit damit ein« verstanden seien. Der dicke Eonstantin war aut) nur ein hungriger Mensch und darum völlis einverstanden. Lind siehe da — kaum war Zustimmung erteilt, da nahte auch schon btt zweite Ober strahlend mit den Ersatzschleien. Trefflich und wohlgenährt lagen sie in hell' blauer Unschuld auf Der versilberten Galaplattc die schmunzelnd der Wirt selber dem Kelln" abnahm, Seiner Kaiserlichen Hoheit persönlich servierte und eigenhändig vorlegte. Constantin Der Große lächelte huldvollst und geruhte, sein Erstatmen und höchstes Wohlwollen über bic Raschheit des Ersatzes zu äußern, die ihm in Rußland noch niemals begegnet wäre. Dic Schleien waren in der Tat vorzüglich, die übrigen Speisen und Die Weine desgleichen.
Der Großfürst stand Darum in bester Laune von Der Tafel auf. schüttelte Dem kugelrund^ Wirt zum Abschied äußerst gnädig die Hano und versprach, seiner zu gedenken. Dann schritt et vergnüglich trällernd mit wiegenden Schritten zu seinem Wagen zurück, während sein Hol' mar'chall großzügig Die Rechnung beglich.
Drei Wochen später erhielt Der Herr Hof' tiaileur mit einem großen Schreiben Den Fo' rellenorden.


