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Nr. 225 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 26. September (927

WelthiljSverband.

Von Dr. Wilhelm Külz, ehem. Reichsminister des Innern.

An mehreren Stellen der Völkcrbundssahung wird es mit unzweideutigen Worten als Aufgabe des Völkerbundes bezeichnet, diejenigen Organi­sationen in der Welt zu fördern und zu begün­stigen, die der Milderung derLeidender Menschheit zu dienen bestimmt sind. Der Völkerbund hat sich bemüht, diesen Bestimmungen gerecht zu werden und hat mehrfach große huma­nitäre Probleme in den Kreis seiner Arbeit ein- bezogeiu Kriti.'er des Völkerbundes und seiner bisherigen Arbeit haben wiederholt die Mei­nung geäußert, diese Betonung der Humanitären Aufgaben geschehe deswegen, um gegenüber dem geringen Erfolge des Völkerbundes auf rein poli­tischem Gebiete ein Gcgcngcwicht zu schaffen und wenigstens einige positivesignes dac- t i v i td zu geben.

Diese Auffassung ist in ihrer Grundeinstel­lung irrig. Der Völkerbund soll ein Fort des Friedens und der Völkerversöhnung werden. Von heute zu morgen ist dieses -Ziel nicht zu erreichen. Wenn es aber in unserer so seltsam zerrissenen und zerklüfteten Welt überhaupt eine Quelle des Gemeinschaftsgeistes gibt, so liegt sie in dem Gefühl des Verbundenseinsvon Mensch zu Mensch, ein Gefühl, drssen stärkste und schönste Auswirkung die R ä ch st e n l i e b e ist, die in Fällen der Rot über die sonst innerhalb des Volkes imi) innerhalb der Völker bestehenden Grenzen hinweg die helfende Hand reicht. Es handelt sich deswegen um eine primäre, seinem innersten Wesen entsprechende Ausgabe des Völ­kerbundes, wenn er auf diesen Gebieten nachhaltig arbeitet.

Auf früheren Tagungen des Völkerbundes ist wiederholt die Anregung gegeben worden, einen gegenseitigen Beistand bei außergewöhn­lichen Katastrophen zu organisieren, die inter­nationalen Hilfeleistungen durch me­thodische Verwendung der verfügbaren Mittel zu fördern und nach und nach die Anerkennung eines internationalen Rechts auf internationaler Hilfeleistung zur Geltung zu bringen. Insbeson­dere ist es der stellvertretende Delegierte Ita­liens bei der 5. und 6. Völkerbundsversammlung, der Senator Giovanni Ciraolo gewesen, der diesen Gedankengängen entschiedenen Aus­druck verliehen hat. Ciraolo standen dabei in seiner Eigenschaft als Ehrenpräsident des italieni­schen Roten Kxeuzes reiche Erfahrungen zur Seite.

Hm die aus den Kreisen des Völkerbundes gekommenen Anregungen praktisch weiter zu ver­folgen, war eine Kommission eingesetzt wor­den, in der auch Deutschland vertreten war. Diese Kommission hatte eine außerordentlich sorgfältige und eingehende Vorarbeit geleistet und hatte im hörigen Jahre einen Staiutenentwurf für eine Union internationale de secours vor- gclegt, der zur Stellungnahme den einzelnen Staaten zugegangen war.

Auf Grund dieser sehr sorgfältigen und ein­gehenden Vorarbeiten wurde dann für 4. Juli 1927 die Conference internationale pour la erdation <ie lunion internationale des secours einberufen, um auf Grundlage der Vorarbeiten der Korn» mission einen internationalen Staa­te n b u n d zur Hilfelei st ung bei Kata- st r o p h e n zu begründen. Durch Beschluß des Völkerbundsrates war der Vorsitz der Kommission Deutschland übertragen worden.

Die Konferenz war von 43 Staaten beschickt, Die mit 64 Delegierten und mehreren Sachver­ständigen vertreten waren. Sowohl das inter­nationale Komitee vom Rvten Kreuz, als auch die Liga der Rotkreuzgesellschasten waren zu den CÖcrfanrmhingen hinzugezvgen.

Die Arbeiten der Konferenz waren von dem offensichtlichen Willen erfüllt, positive Arbeit zu leifteit In fünf Plenarverhandlungen, wie in mehrfachen Kommissionssihungen wurden die Be­stimmungen der Staateneonveniion und der Sat­zung bis in alle Einzelheiten durchberaten. In dem früheren italienischen Arbeitsminister Ca- -vazzoni hatte die Kommission zur Behand- ilung der vorliegenden Anträge, und in dem belgischen Senator Francois die Redakiions-

Konzert zum Besten der Hindenburgspende.

Jede Gesangsschule hat mehr oder minder Las Ziel, ihre Schüler auf das Wirken vor einer Zuhörerschaft einzu fiel len, sei es im Konz<wisoal, mi der Oper oder im intimen häuslichen Kreise. Denn bei keiner anderen Kunstausübung macht lich Befangenheit in der ersten Zeit so hemmend geltend wie beim Singen, die geringste Unfrei- 5eit im Austreten hindert die Entfaltung des Tonlichen und damit auch des Psychischem Daß Die Gesangsschule Desy P o l l i h - Frankfurt «ine Gelegenheit ergriff, um an die Oesfentlichkeit zu treten, entspricht ihren Zielen: daß sie sich Tür einen guten, vaterlanHschen Zweck zur Ver- lügung stellte, sei ihr wohl oermerft.

Wer sich an die Oesfentljchkeit begibt, setzt sich damit aber auch dem allge neinen Urteil aus. Wie sind nun aber die Leistungen einer Ge- ffangsschule zu bewerten? Da ergeben sich für Len Hörenden mancherlei Schwierigkeiten.

In keinem musikalischen Lehrgebiet prallen Die methodischen Ansichten so hart und gegen» faßlich aufeinander wie im Gesanglichen. Denn Las Singen ist mit feiner Funktion im jeweili­gen menschlichen Typus stark verwurzelt, und fo wird sich je nach der typischen Konstitution Les Lernenden und noch mehr des Lehrenden ein anderer Weg zur Ausbildung ergeben. Ver­hängnisvoll kann eine festgelegte Methode in Lern Falle werden, wenn der Lehrende selber einem stark gespannten und damit an der freien Entfaltung des Innern gehemmten Typus an» gehört. Er wird dann meist in feinen Ergeb­nissen der absoluten Freiheit der Tonfunttion nicht nahekommen können. Während umgekehrt ausgeschlossene, hingegebene Typen zu Vorwildem des Tones werden, wie die Italiener mit ihrem Belcanto.

Es ist daher nicht verwunderlich, daß man die Italiener, weil sie große tonkiche Könner waren, auch gern als Lehrer auf suchte. Um so größer war aber dann die Enttäuschung bei manchem Studierenden, wenn ihm der italienische Lehrer wohl alles vorzumachen vermochte, ihm aber nicht den Weg zum gleichen blühenden Ton zeigen konnte, weil er seine Kunst intuitiv,

kommifsion ausgezeichnete Vorsitzende. Mit wirk­licher innerlicher Ablehnung stand dem Projekt eigentlich nur ein einziger Vertreter gegenüber. Im übrigen war die Konferenz mit jenem Geiste menschlicher Solidarität erfüllt, die in Fällen der Rot keine Unterschiede der Rasse oder Reli­gion, der Grenzen ober der Völker kennt, son- oern nur das eine Bestreben hat, so gründlich wie möglich zu Helsen.

Die Hauptaufgabe des Welt-Rothilfsverban­des soll es sein, durch starke Zusammenfassung in möglichst gutem Ruheffekt Hilfe bei Ka­tastrophen zu erzielen Seiner Organisation nach soll der Verband ein Staatenbund fein, in dem die einzelnen Länder mit je einem Ver­treter vertreten sind. Als Organe des Ver­bandes kommen ein Generalrat, ein Sachver­ständigenkomitee und ein Cxekutivausschuh in Frage. Der Generalrat besteht aus den Dele­gierten aller Mitgliederstaaten, er ernennt die Mitglieder Ded Exekutivkomitees, sieben an der Zahl: als führendes Organ für die laufenden Geschäfte wird das Internationale Rote Kreuz in Anspruch genommen. Die Kontrolle über die Finanzverwaltung wird vom Völker­bund ausgeübt. Bei der Gründung des Ver­bandes haben die beteiligten Staaten eine ein­malige Stammeinlage zu leisten, die sich nach Anteilen bemißt, die auf der gleichen Grundlage berechnet werden, wie sie für die Deitragsanteile zum Völkerbund maßgebend sind.

Im übrigen will der Verdank) die öffentliche und private Wohltätigkeit nicht nur nicht ein- schranken, sondern stärker aE3 bisher entwickeln und in den Dienst seiner Aufgaben stellen. In die nationalen Organisationen der Hilfeleistung greift der Verband nicht ein, er läßt sie be­stehen und macht sie sich .dienstbar. Es wird jedoch eine naturgemäße Folge des Welt-Rot» hilfsverbandes sein, daß auich in den einzelnen Staaten von diesen selbst , geregelt, eine noch stärkere Zusammenfassung dieser Organisationen vor sich geht, als sie bisher zu verzeichnen ist.

Die Konferenz in Genf hat sowohl die Staa­tenkonvention als auch die Satzung des Welt- Hilf sverbandes angenommen: der Ver­band gilt als tatsächlich und rechtlich ins Geben gerufen, wenn 12 Staaten ihn ratifiziert haben. CS ist außer Zweifel, daß nnehr als 12 Staaten dies tun werden. Wie bei allen derartigen weit- ausgreifenden bumanitäreti Bestrebungen, so wird auch hier der SrfoEh von dem © e i ft e abhängen, in dem die einzH lnen Staaten sich zu diesem großen internationalen Unternehmen ein­stellen. Wenn die einzelnen Staaten wirklich mit dem Herzen bei der Sache sind, so kann dieser Welthilfsverbämd zu einem wirk­samen Instrument her iir( Geiste und in den Werken des Friedens und» der Versöhnung sich verstehenden und gegenseitig sich achtenden Völ­ker und zu einem Denkmal internationaler, menschlicher Solidarität bei1 edelsten Art werden.

Die .Mchamjm'Mg" der englischen Armee.

Von unserem ^.-Berichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) London. Mitte September 1927.

Die englische Armee, von der sonst meist in der Oeffentlichleit nicht übermäßig viel die Rede ist, ist in den letzten Monaten häufiger in der Presse behandelt worden, allerdings ohne daß klargestellt worden wäre, warum. Es ist zwar viel von ihrerMechanisierung" geredet worden, aber worum es sich dabei handelte, ob um die Einführung und Vermehrung neuer Tank­typen, oder eine Umfleilung des Automobilparles der Armee ist nicht klargestellt worden. Erst zwei Ereignisse der letzten Tage haben einigermaßen Licht in das Dunkel gebracht, das sehr begreif­licherweise die enAische Heeresleitung um alle militärischen Dinge zu breiten versucht: Die letzten englischen Manöver, insbesondere der sogenannten mechanisierten Abteilung", sowie eine Verord­nung, die einen vierten Offizier im Gene­ralsränge in den Stab der Armee einfügt, dessen besondere Aufgabe die Veranstaltung von Experi­menten im gesamten <j >.wesen und die zentrale Ueberwachung des gesamten Transportwesens, neben der T^rwaltung der gesamten Magazine sein wird die Schaffung also sozusagen einer »Zentralstelle für die Mechanisie­rung der Armee". Beide Ereignisse haben zu lebhaften Kritiken in der englischen Presse Anlaß gegeben, und eine größere Reihe jüngerer, ins­besondere technischer Offiziere, haben sich auf Grund der Verordnung nach Indien versetzen lassen, um gegen die Aberkennung ihrer bis­herigen Selbständigkeit zu protestieren.

'Besonders dieser letztere Schritt ist in der kontinentalen Presse mihverstanoen worden, da man in ihm eine weitgehende Unzufriede n» heit mit einer Verstärkung der mechanischen Kriegsmittel in England zu sehen glaubte, wäh­rend in Wahrheit das Gegenteil der Fall ist. Die Maßnahme der Zentralisierung der Mechanisierung ist nämlich der -erste Schritt zu einer völligen Umstellung der Armee auf den mechanischen Krieg, und die letzten Manöver der sogenannten mechanisierten Abteilung sollen nur die Lehren liefern, die man braucht, um in ganz großem Stile denn auch diese Rüstung wird einige Milliarden verschlingen die englische Armee zur modernsten der Welt zu machen.

Dabei muß darauf hingewiesen werden, daß derartige Bestrebungen Englands nicht mit Achselzucken abgetan werden dürfen, wie das

unbewußt, ja fast instinktmäßig erfaßte und über dasWie" seines göttlichen Könnens meist zu keiner Auskunft fähig war. Rur wenige hervor­ragend gesanglich Talentierte, Gesangsgenies, haben von den Meistern des Südens ihren Ge­winn davongetragen, andere nahmen wohl Vor- tragskultur an, aber das Geheimnis des Tones blieb ihnen verschlossen. Die italienische Sprache und italienische Gesangsmusik wurden dann von vielen als das heilbringende Medium für den Ton und für das Wesentliche der Belcantokunst angesehen. Heber allem aber vergaß man meist, daß das nächste Ziel in aller Stimmbildung die Freilegung der von allen psychischen und phy­sischen Hemmungen befreiten Tonsunktion sein muhte. Und diesem Ziel kann man allgemeine Gültigkeit für alle Methoden zufchreiben: ob es immer erreicht wird, die Erörterung dieser Frage wurde an dieser Stelle zu weit führen.

Wenn man nun, wie an dem Konzert- und Opernabend, Gelegenheit hat, die verschiedensten Stimmen in ihren mannigfachen Entwicklunas- stadien zu verfolgen, so ist dabei stets zu be­denken, daß dieses und jenes, was minder schon erschien, oft eine notwendige Stufe zum Ent­wicklungsziel hin bedeutet: ähnlich, wie wir beim bildenden Künstler nicht das Werk in feinem Werden, sondern in seiner endgültigen Fassung bewundern. Wenn dann Zielleistungen allge­meinen Beifall fanden, so waren die Zwischen­ergebnisse nicht weniger interessant als Ent- wicklungserfcheinungen. Im allgemeinen ließ die Reihe der Leistungen eine gründliche Durch­bildung erkennen. Mehr noch aber als bisher könnte die Kopfresonanz entwickelt werden, die Höhe würde sich dann noch leichter entfalten und glanzvoller klanglich ausstrcchlem In der Atem» behandlung war rundweg Erfreuliches zu beob­achten: ebenso bewies die musikalische Durch­arbeitung der einzÄnen Gesänge eine beachtens­werte Ä>rtragskultur.

Durchaus Reifes bot Toni Knösfel vom Stadttheater Bamberg als Vertreterin des Kvlo- raturfaches mit den italienischen Variationen von Proch und der Arie ausTraviata". Heda Hildemann war sehr beachtenswert im Lied in der Entfaltung edler Kantilene, Herausarbei- tung gesanglicher Linie und innerer Wärme. Aenne Flad ung lKurtheater Bad Orb) gab Brahmslieder und die Arie der Micaela, wäh»

vielfach noch auf dem Kontinent geschieht. In technischen Dingen ist seit dem Kriege die eng­lische Arntee immer führend gewesen, da ge­rade ihre Kleinheit es gestattete, relativ kost­spielige Experimente mit ihr auszusühren, wäh­rend das große französische Heer durch seine Größe etatstechnisch verchtncert war, viele Reue- rungen nach Kriegsende: einzuführen. Bis auf die Verstärkung der Zahf der tleinen San(6, eine Erneuerung der Artillerie und deS Automobil­parks, sowie die Erprobung einiger neuer Gase hat die französische Ariwee keine großen Reue- rungen Jett Waffenstillstand aufzuweisen. Auch die sogenannte große Heeresreform geht immer noch nicht von den Gesichtspunkten des techni­schen Krieges aus, sondern stellt immer noch die Massenheere in den Vordergrund aller Mobili- fationsmaßnahmen.

Demgegenüber halfen die englischen Heeresingenieure doch /erheblich mehr geleistet. Wenn man an großes, wenn auch noch nicht ganz ausprobiert en Reluerungen technischer Ra- tur alles auszählen will, was in Eng and neu eingeführt worden ist, so ist es schwer, ein Ge­samtbild von der geradezu umwälzenden Fülle von Einzelheiten» zu geben, ohne die eine oder andere wichtige CS>affe zu verschweigen oder nicht gebührend zu vjürdiaen. Deshalb ist es auch nur möglich, die Wesentlichsten neuen Waffen aufzuführen. Es sind dies, um nur die wich­tigsten zu nennen, ciri Offensivwaffen: verschie­dene neue Tankt ypen, insbesondere einige neue Kleintanks, die eine sehr große Geschwirr» digkeit entwickeln imh als Aufklärer gedacht sind. Die (Einführung fogeMrmter Motorgeschütze, b. h. von sechsrädrigen Geschützen auf Wagen, die komplett, so wie sie sittd, auf einem starken Chassis ruhen und mit der GesL)windigkeit eines Automobils an jede erforderliche Stelle geschafft werden können unb sofort schußbereit sind, ohne einer besonderen Aufbauvorrichtung zu bedürfen. Diese fahrenden Ge­schütze sind sowohl für schwere Haubitzen, wie auch für ganz leichte Tarrckabwohrgeschütze ausprobiert worden, die eine bedeutende Vermehrung der Wirk­samkeit der sog. Qrtfantericbegleitbotterien ermög­lichen. Weiter ©asfnnfs, deren Sonderzweck die Vergasung bzw. Vernebelung ganzer Landschaften ist. Sodann die Einführung von besonders großen Ma n ns cha f t s t an k s, die fast überhaupt nicht bewaffnet sind, dafür aber 40 bis 50 Mann Infan­terie mit größter Geschwindigkeit durch feindliches Sperrfeuer an den Aeind heranzutragen vermögen (sozusagen ein Automobilstoßtrupp), und die gegen renö Frau Ingeb ora Philipp mit zwei Diz et- Liedern und der Butterfly-Arie Beifall fand. Richt zu vergessen der übrigen Damen, die sich ebenfalls um be* Erfolg des Abends be­mühten: Herta S tillger-Hanau, Frau Meta Schmidt, Käthe Gärtner, Emmy Vier­ter, Leni Täübert, sämtlich aus Gießen.

Dr. Georg Skeciuk, Frankfurt, hinterließ ebenso starken Eindruck mit zwei ukrainischen Volksliedern wie mit der Arie des Rero von Rubinstein durch seine in quellender Fülle strö­menden Stimmittel, die in der Höhe allerdings noch glanzvoller erstrahlen formten. Lic. I. F. Saun hat mit seinen gesanglichen Erfolgen wiederholt an dieser Stelle seine Würdigung ge­funden: auch diesmal trat fein voluminöses Ma­terial hervor: abett bei allem heroischen Einschlag weist die Stimme ins Lyrische, und gerade in diesem Falle ist die gründliche Durchbildung der voce di testa Häupter, ordemis.

Walter H i l d m a n n vom Staatstheater Wiesbaden brachte mit seinen Rezitationen Ab­wechselung in die Vortragsrehe. Starkes, dra­matisches Erlebep, Modulativnssähigkeit des Or­gans und feine Pointierung gaben seinen Dar­bietungen Anschaulichkeit und bamit erfolgreiche Auswirkung.

Am Flügel waltete mit unermüdlicher Ge­staltungskraft Kapellmeister Bruno Hartl, Frankfurt a. M.: die Bekanntschaft mit zweien seiner Lieder (^Jugendliebe" und Vorfrühling") kann als ein besonderer künstlerischer Gewinn des Abends gsbucht werden. in

Hochschulnachrichten.

Professor Lic. theol. Friedrich Wilhelm Schmidt, Inspektor des Schlesischen Konvikts in Halle, hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der systemattschen Theologie in der evangelisch-theo­logischen Fakultät der Universität Münster in Westfalen als Rachfolger von Professor G. Wehrung erhalten. Professor Johannes Zie- kur sch an de-r Universität B r eslau erhielt einen Rus zur Uebernahme des neu gegründeten Lehrstuhls für Reue Geschichte an der Universi- tät K ö l n. Er wird dem Rufe zum Winter­semester 1927/28 folgen. Auf das Ordinariat der klassischen Philologie an der Universität

Infanterie» und Maschinengewehrfeuer, sa audj Gas völlig immun sind. Entsprechend Motorisie­rung des Nachschubes für die Artillerie und Infanterie. Darüber hinaus Einführung besonderer, auch im Fahren gebrauchsfertigen Automobil- Ra d i o <5 t a t i o n e n , die selbst den kleinsten Truppenverbänden mitgegeben werden sollen, und die Einführung gepanzerter und mit Schleppern schnell fahrbar zu machender Panzer unter­stände, sowie endlich die Ausstattung der Korps- stöbe mit großen Automobilen, die es gestatten, das Kommando jeden Augenblick an eine andere Stelle zu verlegen, und doch die Verbindung mit der Truppe nicht zu verlieren. Kurz, eine Motorisierung in einem Umfanae, wie sie kaum glaublich erscheint, da in der vorgesehenen Zukunftsarmce kein 'Mann mehr zu Fuß und keiner ohne Not mehr ungeschützt m den Kampf ziehen soll.

Das ist nun aber auch eine Aufgabe, die un­gewöhnliche und neue Probleme an die Truppen- führung und die D e r p r o v i a.n t i e r u n g der Truppen stellt. Die große Beweglichkeit der mcchani- fierten Armee der Zukunst macht eben nicht nur eine Mechanisierung der Kampstruppe und der Truppen­leitung, sondern auch eine solche des Nachschubes not­wendig. Wobei das Problem, um das der Streit der Fachleute geht, nicht die eigentliche Beweglichkeit der Proviantkolonne ist, sondern die Frage, wieweit selbstverständlich außer der Einrichtung von gro­ßen Zentrallagern mehrere hundert Kilometer hin­ter der Front die Einführung besonderer Fuhr- kolonnen überhaupt notwendig ist. Die motorisierten Kampfmittel führen nämlich in der Regel bereits jetzt so große Mengen an Benzin, Munition und Lebensmitteln mit sich, daß z. B. die Tanks einen Aktionsradius von 300 bis 500 Kilometer entwickeln können, ohne nachfüllen xu müssen. Das Problem von Aktionsradius gegen Bewaffnung, das bekannt­lich auf dem Wasser eine so große Rolle spielt, exi­stiert also sozusagen auch bei ber Zukunftsarmce. Es ist vorläufig noch umstritten, ob man die Neu Ver­proviantierung der mechanisierten Einheiten in der Kampffront vornehmen lassen soll, oder ob man sie zu diesem Zweck aus der Front hcrausnimmt und auf einige Tage dem Kamps entzieht. (Wie das heute in der Praxis bei dem Flugwesen der Fall ist.) Ein Problem, das von größter Bedeutung ist, weil von ihm die Ausgestaltung der gesamten Kampstechnik bzw. die Verwendbarkeit mechanisierter Truppen- körper überhaupt abhängt.

Welche Wege der englisck)e Generalstab dabei zu gehen wünscht, scheint dabei eindeutig klar zu sein, da er in der mechanisierten Abteilung nur eine offen­sive Waffe ihrer Natur nach scheu kann. Freilich ist die Kostsnsrage bei dieser Angelegenheit von ungeheurer Bedeutung denn die Unterhaltung selbst einer mechanisierten kleinen Armee kostet sehr viel mehr als die Unterhaltung einer größeren Ar­mee alten Stiles. Die besonderen Anstrengungen, die England macht, um seine Armee jur modernsten der Welt zu machen, dürften jedoch andererseits kaum an budgetären Erwägungen scheitern. Nur wünscht man eben im Schatzamt, daß erst durch Experi­mente fest gestellt wird, was brauchbar ist und was nicht, da ja schließlich eine Armeereform, die in einer Mechanisierung gipfelt, nur Zweck Hal, wenn die Ingenieure in Zusammenarbeit mit dein Generalstab die Kriegsmaschinen konstruiert haben, die den taktischen und strategischen Erfordernissen des Maschinen kriege s entsprechen. Die englischeAr- meereform", die man zweifellos in diesen Tendenzen zu erblicken hat unb die eine englische Ant­wort auf d i e französische Armee­reform [ein dürfte, wird somit wohl noch einige Zeit auf sich warten kaffen. Aber kommen wird sie das beweisen die Armeemanooer und die Einführung der neuen Stelle im Generalstab.

Ludendorff und dre Freimaurer.

B e r l i n , 25. Sept. Vor kurzem hat der General der Infanterie a. D. L u d e n d o r f f im Selbstverlag ein Buch unter dem TitelVernichtung der Frei­maurerei" erscheinen lassen, in dem er schwerste An­schuldigungen geaen die deutschen Freimaurer er­hebt. Die Angriffe ßubenborffs, der u. a. den deut­schen Freimaurern auch die vaterländische Gesinnung abspricht, sollen die Mttglieder der deutschen Frei­maurerlogen in den Augen ihrer Volksgenossen als moralisch minderwertig erscheinen lassen. Von ver­schiedenen freimaurerischen Seiten wurde gegen diese Schrift sofort fchärstte Verwahrung eingelegt und Königsberg ist als Rachfolger Mewaldls der Heidelberger Privatdozent Dr. Richard Harder berufen worden. Auf den Lehr­stuhl dar gerichtlichen Medizin in Halle ist der Breslauer Privatdozent Dr. Friedrich P i e- trusky berufen worden. Der Professor der pathologischen Anatomie an der Universität Halle, Geh. Medizinalrat Dr. Rudolf Be- neke, ist zum 1. Oktober von feinen amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Der Lehr­stuhl der Aegyptologie an der Donner Uni- versität ist dem Wiener Aeghptologen Pro­fessor Dr. Hermann Junker angeboten worden. Der ordentliche Professor der Philosophie in Bonn, Dr. Max Wen t scher, ist zum 1. Ok­tober von seinen amtlichen Verpflichtungen ent­bunden worden. Der Privatdozent für das Fach der Allgemeinen Pathologie und pathologi­schen Anatomie, Dr. med. Philipp Schwartz, an der Frankfurter Tlniverf ität, wurde vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbil­dung zum nichtbeamteten außerordentlichen Pro­fessor ernannt. Der Privatdozent für das Fach der Hygiene und Immunitätswifsenfchaf-ten in der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M., Dr. Richard B i e l i n g, ist vom Unterrichtsminister zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt worden. Geheimrat Professor Dr. M o e b i u s hat auch im Wintersenrester 1927/28 entspreck'end dem vorn Unterrichtsminister erhaltenen Auftrage das Fach der Botanik in Vorlesungen und Hebungen an der Universität Frankfurt a. M. zu vertreten und die Leitung des Botanischen Instituts be­halten. Der Archäologe Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Franz Winter in B o n n ist zum 1. Oft. 1927 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden wor­den. Prof. Winter kam im Jahre 1912 aus Straß­burg als Nachfolger Loeschckes nach Bonn, wo er schon 1885 mit einer Abhandlung über die Frag­mente der verlorengegangenen Komödien des Plautus den Doktorgrad erworben hatte. Der ordentliche Professor an der Universität Göttin­gen, Dr. Andreas Walther scheü>et auf seinen Antrag zum 1. Oktober 1927 aus dem Preußischen Staatsdienst aus. Er folgt einer Berufung an die Hamburgische Universität, wo ihm auch die Leitung des Soziologischen Seminars übertragen wurde.