britischen Regierung, daß es wesentlich ist, daß das Desatzungsheer seinen internationalen Lharakter behält." Das Blatt betont, daß die Erörterungen weitergeführt werden „in jenem Geist« freundschaftlicher Intimität, der glücklicherweise die Beziehungen zwischen Frankreich und Großbritannien kennzeichne." Aber leider sei ein neuer Faktor hineingrbracht worden, der das Problem sehr verwickelt gestalte. Die französische Ansicht, daß das De- satzungsheer eine Gewähr gegen einen möglichen deutschen Angriff bilde, stehe, wie die „Times" hervorhebt, vollkommen im Gegen- s a tz zu dem ZweckdesRheinlandheeres, der ihm von dem Bersailler Vertrag bestimmt worden ist. Die Frage der französischen Sicherheit wurde besonders auf der L o c a r - nvkonferenz geregelt.
London wünscht Besprechung mit Slresemann?
Paris, 25. Aug. (WB.) Heber den Stand der französisch-englischen Verhandlungen über die Verminderung der Besatzungstruppen im Rheinland schreibt das „Journal des D6bats", die englisch-französische Besprechung hierüber habe k e i n e Fortschritte gemacht. Da der Völkerbunds- r a t vier Tage früher als die Vollversammlung zusammentritt, sich also am 1. September versammeln muß, ist es sehr Wohl möglich, daß die Frage nicht vor diesem Zeitpunkt gelöst wird. Man hat den Eindruck, daß das englische Kabinett die Lösung lieber vertagt, weil es wünscht, daß die Angelegenheit zu einer Besprechung Anlaß gibt, an der auch Reichsminister Stresemann teilnimmt.
„Deutschland denkt nicht an Krieg".
London, 25. Aug. (WTB.) Die Zeitschrift „Spectator" wird in ihrer morgigen Rümmer mit einer Reihe Artikel ihres Chefredakteurs Wrench über „Rordeuropa nach 15 Jahren" beginnen. Der morgige Artikel befaßt sich mit Deutschland. Er beginnt mit den Worten: .,Ob man es liebt oder haßt — Deutschland bleibt einer der Hauptfaktoren in der europäischen Politik. Man fann nicht eine hochgebildete und industrialisierte Ration von über 60 Millionen Seelen ignorieren." Was Wrench hauptsächlich aufgefallen ist, ist die „Abwesenheit äußerer Zeichen von Militarismus".
Deutschland denke nickt an Krieg, sondern an wirtschaftliche Entwicklung.
Deutschland könne England viel in sozialer Organisation lehren. Man sehe in Deutschland viel weniger Zeichen der Armut als in England, es herrsch? jedoch zweifellos viel Armut in den Mittelklassen und den Berufszweigen. Wrench schildert eingehend die in Deutschland herrschende Stimmung gegen die Anwesenheit von 7 0 000 alliierten Truppen auf deutschem Boden neun Jahre nach dem Waffenstillstände.
Die deutsche Delegation für Genf
Berlin, 25. Ackg. (Wolff.) Zu deutschen Delegierten zu der am 5. September beginnenden achten Völkerbundsversammlung sind, wie im Vorjahre, Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n , Staatssekretär im Auswärtigen Amt Dr. v. Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gaus ernannt worden: außerdem werden als Delegierte wiederum Vertreter der großen Parteien des Reichstages an der Bundesversammlung teilnehmen, und zwar die Abgeordneten Gras Bernstorfs, Dr. Breitscheid, Professor Dr. H o e tz s ch, Prälat Dr. Kaas und Freiherr von Rheinbaben. Der Delegation werden ferner Staatssekretär der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r und Staatssekretär im preu- ßisäxsn Staatsministerium Dr. Weismann angehören sowie eine Reihe von Sachverständigen die Delegation begleiten, darunter Frau L a n g - B r u - mann, M. d. R., der Chef der Presseabteilung der Reichsregienina Ministerialdirektor Zechlin und vortragender Legationsrat v. Bülow.
Der Berliner Aaggenstreit.
Berlin, 25. Aug. (WB.) Wie das „Derl. Tageblatt" zu dem Flaggenkonflikt zwischen Magistrat und Hotels erfahrt, hat sich auch das Berliner Messeamt dem Standpunkt des Magistrats angeschlossen. Es wird bis auf weiteres keine Veranstaltung in den in Frage kommenden Hotels mehr abhalten, und es hat bereits einen Pressetee, der heute im „Esplanade" stattfinden sollte, abgesagt und nach dem Funkhausrestaurant verlegt. Es schweben auch Verhandlungen darüber, den Pressetee und das große Bankett, das am 2. Ses>. mber im „Esplanade" airläßlich der Funkausstellung statt- finden soll, in ein anderes Hotel zu verlegen. Morgen findet in Berlin eine Sitzung des Reichsverbandes der Hotelbesitzer Deutschlands statt, in der über den gestrigen Beschluß der Hotelbesitzer, nicht in den Reichs» färben zu flaggen, verhandelt werden soll. Der "Berliner Magi st r a t, der sich erneut mit der Angelegenheit beschäftigt hat, hat beschlossen, seine Stellungnahme in vollem Umfange aufrecht zu erfyalten.
Wie eine Korrespondenz erfährt, wird die für Freitag angesetzte Zusammenkunft des Vorstandes und Beirates des Vereins der Berliner Hotelbesitzer von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein, da die Auseinandersetzungen in den 'ctzten Tagen auch im Reich eine starke Kampfstimmung erzeugt haben. Seitens der Berliner f)otelbetricbe wird der Antrag gestellt werden, die von Berlin ausgehende Bewegung nicht nur auf das ganze Reich auszudehnen, sondern es soll auch an die im Auslande beste- yenden deutschen Hotels die Aufforderung ergehen, die Reichsflagge künftig nicht mehr zu hissen. Weiter wollen die in gemeinsamer Front stehenden Berliner Hotels in dieser Zusammenkunft den Antrag stellen, daß in den Berliner Betrieben und in den Betrieben im Reich diejenigen Zeitungen nicht mehr ausgelegt werden, die zum Boykott der Gaststätten ausgefordert haben. Darüber hinaus sollen noch weitere Beschlüße wirtschaftlicher Natur gefaßt werden. Ferner sollen mehrere Berliner Großrestaurants uni) Hotelbetriebe beabsichtigen, sich dem Vorgehen ihrer Kollegen anzuschließen und die Reichsflaggen nicht mehr zu hissen, obwohl einige von ihnen bisher die schwarz-rot-goldene Fahne gezeigt haben. Die Hotelbesitzer erklären erneut, daß ihr bisheriger Beschluß, keine Flagge zu setzen, unwiderruflich sei, und daß sie auch fest entschlossen seien, die Konsequenzen zu ziehen.
Walker in Berlin.
Berlin, 25. Aug. (WTB.) Der American Club of Berlin gab heute abend zu Ehren des Oberbürgermeisters von Reuyork, James Walker, und seiner Gattin im „Kaiser- hvf' ein Essen. Der Festsaal war mit dem Sternenbanner, der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge und den Farben der Stadt Reuhork geschmückt. An dem Empfang nahmen zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten, Vertreter der amerikanischen und der deutschen Presse, Mitglieder des Klubs und Freunde Amerikas teil, so außer dem Ehrengast der amerikanische Botschafter Sh urm an, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Dr. v. Schubert, von der Presseabteilung der Reichsregierung der Dirigent Geheimrat v. B a l i g a n d, Geheimrat Dr. F u e h r und Legationsrat Dr. Thomsen. Ferner sah man den früheren Reichskanzler Dr. Cuno, Dr. Bertling vom Amerikainstitut uni) Direktor Merkel von der Lufthansa.
Botschafter S h u r m a n begrüßte Oberbürgermeister Walker mit herzlichen Worten in einem Lande, das so viele Beziehungen mit Amerika verbänden und das mit die t ü ch - tigsten unter den Staatsbürgern Amerikas gestellt habe. Der Botschafter hob sein Glas auf das Wohl des Reichspräsidenten v. Hindenburg und des deutschen Volkes. Im Ramen der Reichs regierung hieß Staatssekretär v. Schubert Herrn Walker herzlich willkommen. Er schloß daran ein Hoch auf Präsident C o o l i d g e und das amerikanische Volk. Als persönlicher Freund richtete Geheimrat Cuno einige herzliche Begrüßungsworte an Mr. Walker. Er erinnerte daran, daß eines der größten Schiffe der Hapag den Ramen der Stadt trägt, deren Geschicke von Herrn Walker geleitet werden. Das sei ein Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft, die wir aufrecht erhalten wollen. Geheimrat Cuno schloß mit einem Hoch auf Mr. Walker und seine Gattin.
Mr. Walker sprach dann allen Stellen, die ihn so freundlich empfangen hätten, seinen herzlichen Dank aus, natnentlich auch dem Präsidenten des American Club. Auf Botschafter Sh urman sei das amerikanische Volk stolz. Er sei der richtige Mann am richtigen Platz. Der Redner sprach sich dann des näheren über die deutsch-amerikanischen Beziehungen aus und betonte dabei, daß beide Völker über die Mißverständnisse der Vergangenheit die Hand zur Zusammenarbeit und Freundschaft reichen müßten. Senator Wagner, der ebenfalls in diesen Tagen in Berlin weilt, sei Deutscher von Geburt. Wie sehr das Deutschtum in Amerika geschätzt werde, ginge auch aus der Wahl dieses Mannes hervor. Mr. Walker sckstoß mit einem Appell an die Vertreter der amerikanischen Presse, ihre Arbeit im Sinne der Verständigung zwischen Amerika und Deutschland meiterzuführen.
Im übrigen wurde der Abend noch verschönt durch den stimmungsvollen Vortrag von Volksliedern durch einen Berliner Kinder- ch o r unter der Leitung des Herrn Klaut. Die Lieder wurden mit großem Beifall aufgenommen, Oberbürgermeister Walker bedankte sich besonders und ließ es sich nicht nehmen, die Kinder für den Abend zu bewirten.
Der Krach im Minderheitenkongreß
Genf. 25. Aug. (Wolff.) Die Minderheitengruppen, welche sich von dem in Genf stattfindenden europäischen Minderheitenkongreß zurückgezogen haben, veröffentlichen eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Angesichts des scharf ausgeprägten einseitigen politischen Charakters des Kongresses sieht sich der Verband der nationalen Minderheiten in Deutschland gezwungen, aus dem Kongreß auszuscheiden und eine abwartende Haltung einzunehmen. Sämtliche polnischen Gruppen haben sich mit dem Verband der Minderheiten in Deutschland solidarisch erklärt. Dem Beispiel der dänischen und polnischen Minderheiten folgend, haben auch die übrigen slawischen Gruppen den Sitzungssaal verlassen. Sämtliche obenerwähnten Gruppen haben festgestellt, daß sich ihre Haltung in feiner Weise gegen die Person des Kongreß- Vorsitzenden richtet, der nach wie vor das volle Vertrauen genießt. Diese Gruppen haben einstimmig beschlossen, sich auch in Zukunft von denselben Ideen leiten zu lassen, die sie seit dem ersten Kongreß verbindet, und die Aufgaben der Verteidigung der Rechte der Minderheiten mutig zu verfolgen.
Beschwerde über die Manöver in Rheinhessen.
Berlin, 26. Aug. (Priv.-Tel. des WB.) In einem Schreiben an das Reichs Ministerium für die besetzten Gebiete führt Abgeordneter K o - r eil, der „Voss. Ztg." zufolge, Beschwerde über die Manöver der englischen De - sahungstruppen, die dieser Tage im südwestlichen Rhein Hessen stattfinden. Durch sie werde das Einbringen der durch das schlechte Wetter verzögerten Ernte und die Weinbauarbeiten der bäuerlichen Bevölkerung, vor allem des Dorfes Ferfelden und der benachbarten Gemeinden auf das empfindlichste gehört. Die „Voss. Ztg." weist ergänzend darauf hin, daß es überall in zivilisierten Ländern üblich ist, die Manöver nach der Ernte abzuhalten.
Die Besoldungsreform.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 26. Aug. Trotz der Ferien und trotzdem sich der Reichsfinanzminister Dr. Köhler gegenwärtig in Marien bad zur Kur aufhält, sind jetzt die Besoldungsreform, oder besser deren Vorarbeiten soweit gediehen, daß man sie als fertiggestellt ansehen kann. Im Reichsfinanzministerium ist sehr eifrig gearbeitet worden, und zwischen dem Finanzminister und seiner Behörde haben in den letzten Tagen eine Reihe sehr wichtiger Konferenzen stattgefunden, in denen der Entwurf endgültig festgelegt worden ist. Der Entwurf ist jetzt Gegenstand eingehender Erörterungen zwischen der Regierungsparteien, deren Spezialisten für Beamtenfragen nacheinander in Marienbad beim Finanzminister eintreffen. Wie es heißt, soll der Entwurf bereits in der Septembertagung dem Reichstag zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt werden. Einzelheiten über 1 den Entwurf sind bisher noch nicht bekannt ge
worden. So viel aber steht fest, daß die Desol- dungsreform für die unteren Gehalts- klassen eine beträchtl ich? Auf bess e- rung bringen wird. Es ist daher zu hoffen, daß die großen Deamtenverbände, die naturgemäß an dem Entwurf das größte Interesse haben, ihm ihre Zustimmung nicht versagen werden
Branker
über die deutsche Fliegerei.
Berlin, 25. Aug. (WTB.) Der seit gestern in Berlin weilende englische Luftmarschall Sir Sefton Branker begibt sich morgen im Flugzeug gemeinsam mit Ministerialrat Brandenburg nach Kopenhagen. Dort werden beide Herren als Vertreter ihrer Länder an der Internatio-» n a len Luftfahrtaus stellung teilnehmen. In einer Unterredung mit einem Vertreter des „B. T." betonte der englische Luftmarschall, daß die deutsche Fliegerei auf außerordentlich gesunder Basis aufgebaut sei. „Ihre Piloten und die Konstruktion Ihrer Flugzeuge ist außerordentlich gut." Sir Sefton Branker erwähnte dann die Möglichkeit eines ständigen transatlantischen Luftverkehrs. ,Lch halte die Ozeanflüge doch für sehr wertvoll, falls sie gelingen. Außerdem tragen Ozeanflüge, wenn sie gelingen, sehr zur Popularisierung des Luftfahrtgedankens bei. Ich bin fest überzeugt, daß ein ständiger transatlantischer Luftverkehr, allerdings mit Zwischenlandungen, nur noch eine Frage der Zeit ist." Die deutsch-englischen Luftbeziehungen bezeichnete Sir Sefton Branker als außerordentlich gut. Aus die Frage, ob der deutsch-englische Luftverkehr oder der Verkehr mit Kontinental- e u r o p a weiter ausgebaut würde, erklärte Sir Senfton Branker: „Nein. Ich muh auch ganz offen sagen, daß in dieser Beziehung das Interesse Eng- lands an Kontinentaleuropa ziemlich gering ist. Die britische Luftpolitik geht dahin, alles verfügbare Geld für den Ausbau unferes Reichsluftoerkehrs, also unserer Dienste nach Indien, Australien, den Straits usw. zu verwenden." Zum Schluß erklärte Sir Sefton Branker, daß das englische Luftamt genau wie das deutsche die projektierten Ozeanslüge unterstütze.
Dem Berliner Berichterstatter der „M o r n i n g P o st" gab Branker eine begeisterte Schilderung seiner Eindrücke. Die ganze deutsche Nation sei patriotisch an der Fliegerei interessiert. Er sprach über das über Deutschland ausgebreitete Netz von Fluglinien und die Sommerlinien nach den Seebädern. Er'sprach weiter seine Befriedigung über das freundschaftliche Zusammenwirken der Zivilluftfahrt Deutschlands und Englands aus.
Wüste Ausschreitungen in Hamburg.
Hamburg. 25. Aug. (Wolff.) Im Anschluß an die bereits gestern gemeldeten Demonstrationen der Kommunisten für Saeco und Vanzetti setzten bei Einbruch der Dunkelheit auf dem Groß-Reumarkt, dem Zeughausmarkt und Umgebung die Angriffe auf Polizeipatrouillen ein. Die Beamten wurden mit Steinen und Schlacken beworfen. Auf dem Zeug- hausmarkt wurde ein Straßenbahnwagen angehalten. Als der nicht im Dienst befindliche Polizeiunterwachtmeister Gvdbersen in einem Straßenbahnwagen von den Demonstranten bemerkt wurde, stürzten sie sich auf- ihn, holten ihn aus dem Wagen und mißhandelten ihn in unmenschlicher Weise. Es gelang ihm dann, sich loszureitzen und bis zu den Anlagen am Holstenwall zu kommen. Dort brach er zusammen. Auf den völlig erschöpften Beamten stürzte sich nun eine Rotte von fünfzig bis sechzig Mann mit den Rufen: „Schlagt ihn tot!" Einer der Angreifer stteh Gvdbersen ein Messer in di« Brust und verletzte ihn tödlich. Der Mörder entkam. Die Polizeibeamten waren bei dieser Sachlage gezwungen, von ihren Pi st ölen Gebrauch zu machen, zumal auch aus einem Hause auf sie geschossen wurde. Verletzt wurden bei diesen Kämpfen ein Polizeibeamter durch Flaschenwürfe und ein 21jähriger Demonstrant durch einen Kniefchuß. Mehrere völlig unbeteiligte Privatpersonen wurden von den Demonstranten gleichfalls schwer mißhandelt. Wegen dieser Zusammenstöße hat die Polizeibehörde in Hianburg Demonstrationen der K. P. D. bis auf weiteres verboten.
Auslösung
des irischen Parlaments.
Dublin, 25. Aug. (WB.) Der Generalgouverneur des Freistaates unterzeichnete einen Erlaß, der die Nationalversammlung auflöst und neue Wahlen vorschreibt, die Mitte September stattfinden werden.
Einnahme Nankings?
London, 26. Aug. (WTB. Funkspruch.) Laut „Daily Telegraph" meldet der Sonderberichterstatter der „Chikago Tribüne" in Peking die Einnahme Nankings durch S u n s ch u a n g f a n g. Die Pekinger Regierung habe eine Beschleunigung des Feldzuges gegen Fengyuhsiang besohlen.
Aus -aller Welt.
Schweres Eisenbahnunglück in Frankreich. 18 Tote.
Aus Chamounix wird gemeldet: Gestern nachmittag um 17,15 Llhr begaben sich drei Züge der Linie Chamounix—Eismeer, wie gewöhnlich, fahrplanmäßig talwärts. Der letzte der Züge stürzte nach dem Passieren eines großen Via- duktes in einen 15 Meter tiefen Graben. All« Aerzte der Ortschaft uni) der Umgebung sind zur erften Hilfeleistung herbeigeeilt. Der Präfekt begab sich mH dem Oberingenieur an die Unglücksstelle, um die Hilfeleistung zu organisieren und die Untersuchung einzuleiten.
Rach einem Bericht der Agentur Havas hat der Zug 250 Meter nach Abfahrt vom Bahnhof Montenvers eine ungeheure Schnelligkeit entfaltet und ist bei der ersten Kurve an einem Viadukt entgleist. Der zweite Wagen blieb unbeschädigt, dank der Geistesgegenwart eines Touristen. der die Rotbremse zog. Unter den achtzehn Toten befindet sich auch der Lokomotivführer. Die Zahl der Verletzten wird verschieden angegeben. Havas berichtet von 25, eine Meldung des „Petit Dauphinois" aus Chamounix von etwa 40 Verletzten. Die Identität der Toten und Verletzten ist noch nicht festgestellt worden.
Das Eisenbahnunglück in England.
Rach den letzten amtlichen Londoner MÄ- dungen beträgt di« Zahl der Opfer des @ifem* bahnunglücks bei Sevenoaks 12 Tote und 48 Verletzte. Man vermutet, daß die Katastrophe durch eine Senkung des Bahnkörpers infolge des Regens verursacht wurde.
Lin gefährlicher Spion abgeurteilt.
Der frühere Reichswehrsoldat Peter Dann- Häuser aus Rieder-Ingelheim wurde gestern vom Ferienstrafsenat des Reichsgerichts in nichtöffentlicher Verhandlung wegen militärischen Landesverrats, Verbrechens gegen das Spionage- gesetz in Tateinheit mit Landesverrat zu vierzehn Jahren drei Monaten Zuchthaus, zehn Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Der Angeklagte ist im Juli 1923 in Griesheim in den französischen Spionagedienst eingetreten gegen ein Monatsgehalt von 1000 Franken. Im Oktober 1923 veranlaßten ihn seine französischen Auftraggeber, in die deutsche Reichswehr einzutreten. Im 13. Jnfanterie-Regiment in Stuttgart entfaltete nun der Angeklagte eine intensive Tätigkeit, indem er zahlreiche Kameraden dazu verführte, ihm geheimzuhaltendes Material zu verschaffen, das er den Franzosen auslieferte. Als im Jahre 1925 ihm der Boden zu heiß wurde, desertierte der Angeklagte und betätigte sich bis zum Januar 1926 als fran* zösischer Spion in der Schweiz und in Italien. Ende 1926 erwarb er in Frankreich die französische Staatsangehörigkeit und war dann vom Elsaß aus bis zu seiner Verhaftung wieder in Deutschland als Spion tätig.
Ruhr in der Kaserne.
In der Kaserne des Reiterregiments Nr. 18 in Cannstatt ist eine Ruhrepidemie ausgebrochen, die schon einige Todesopfer gefordert hat. lieber fünfzig Soldaten sind in den letzten Tagen ruhrkrank in das Lazarett gebracht worden. Die Epidemie hat auch bereits auf die in der Nähe der Kaserne lebende Zivilbevölkerung übergegriffen. Don amtlicher Seite wird versichert, daß die Epidemie jetzt zum Stillstand gekommen und seit einigen Tagen kein Ruhrkranker mehr gemeldet worden sei.
TDcfferflurj und Neuschnee in Tirol.
Aus ganz Tirol wird ein Wettersturz gemeldet. In der Nacht entluden sich mehrere Gewitter. Heute früh sind die Berge bis in die Täler hinab mit Neuschnee bedeckt. Inn und Sill führen Hochwasser. Auch aus Bozen und Meran wird Wettersturz und Neuschnee auf den Bergen gemeldet.
Furchtbare Tragik auf dem Meere.
Der seit längere Zeit vermißte schwedische Dampfer „Trhggve" erlitt am 14. August im Finnischen Meerbusen Schiffbruch und ging unter. Dabei ertranken vier Männer und zwei Frauen. Der Kapitän und die übrige Besatzung, darunter zwei Passagiere, gingen in ein Rettungsboot. Während das Boot in den folgenden Tagen auf dem Meere trieb, wurden die beiden Passagiers wahnsinnig und sprangen über Bord. Die Besatzung folgte ihnen nach. Zuletzt wurde der Kapitän wahnsinnig und wurde von dem noch überlebenden Matrosen über Bord geworfen. Der Matrose wurde später von einem finnischen Motorschoner geborgen und dem Krankenhaus zugeführt.
Unterschlagungen auf einem Berliner Postamt.
Aus dem Postamt SW 19 wurde gestern abend ein Postaushelfer dabei überrascht, als er einen Geldbrief mit 5000 Mark Inhalt unterschlagen wollte. Der ungetreue Angestellte wurde verhaftet und dem Untersuchungsrichter ooraeführt. Er ist ae« ständig, bestreitet aber, weitere Verschlungen begangen zu haben.
Die Wetterlage
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— cLlervoraussage.
Das westeuropäische Hoch hat sich etwas südöstlich verlagert und zeigt in Westfrankreich einen Barometerstand von 770 Millimeter. Gleichzeitig dringt das kräftige isländische Tiefdruckgebiet mit einem Barometerstand von 735 Millimeter im Kerngebiet weiter in südöstlicher Richtung vor. Eine starke Beeinflussung unserer Wetterlage wird es vermutlich nicht herbeiführen.
Wettervoraussage für Samstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, mäßig warm und vereinzelt Niederschläge.
Witterungsaussichten fürSonntag: Zeitweise wolkig, auch stärker aufheiternd, keine wesentliche Temperaturveränderung und strichweise Regenfälle.
Lufttemperaturen 25. August vorm. 16,5 Grad Celsius, nachm. 11,5 Grad Celsius; 26. August vorm. 11,5 Grad Celsius.
Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: 25. August 18,3 Grad Celsius; 26. August 13,5 Grad Celsius.
Maxi um 18,5 Grad Celsius, Minimum 10 Grad Celsius; Riederschläge 5,8 Millimeter; Sonnenscheindauer 6 Stunden.


