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iU'ö«. Heute dürste wohl das Stichrohrsystem als : nögüÜig abgetan gelten.

Wir sehen also, daß bet Anwendung aller ge- boicnen Vorsichtsmaßregeln nach dem heutigen Stande der Wissenschaft die Gefahren des Trink- wassers aus ein Minimum reduziert werden lönnen. Hinderlich ist hierbei allerdings noch eine bedauerliche Tatsache. Es gibt noch immer eine große Anzahl Leute, die nicht zugeben wollen, daß man durch Genuß von Wasser typhuskrank werden rann. Dazu gehört zunächst die große Masse der­jenigen, die von derakademischen" Wissenschaft ,.ichts wissen wollen. Aber auch unter den Aka- demikern selbst kommen solche Einspänner vor. Sie berufen sich dabei gern auf einen großen Aamen der Medizin, Max von Petterrkofer, und vergessen dabei, daß auch in der Wissenschaft nicht ganz sel­ten falsche Lehren durch große Aamen gedeckt werden. Die Entscheidung bei Streitfällen, ob es jich um eine Verseuchung des Trinkwassers han­delt, ist in den meisten Fällen übrigens sehr schwierig. Es gelingt nämlich erfahrungsgemäß nur ausnahmsweise, die eigentlichen Attentäter, die Typhusbazillen in der Wasserleitung nachzu­weisen. Diesen Nachweis stellt man sich nämlich Mm allgemeinen viel zu leicht vor. Zudem sind sie sicher nicht in jedem Liter Wasser vorhanden z. B. erkrankten ja in Hannover auch nur 12 von je 100 Einwohnern. Dor allem aber verschwinden die Bazillen meist zu schnell aus der Leitung, um noch nachweisbar zu fein zu der Zeit, wo die Epi­demie erkannt und nach rhnen gesucht wird, d. h. 34 Wochen nach der Verseuchung des Wassers, lieber einen sogenannten Indizienbeweis über die Wasserverseuchung wird man also kaum jeweils hinauskommen. Für die Wissenschaft wird der Beweis dadurch geliefert, daß in solchen Fällen das Gebiet der Wasserversorgung mit dem Gebiet des Typhus zusammengefällt, mit anderen Wor­ten: überall, wo das verdächtige Wasser getrun­ken wird, und nur dort wird es Erkrankungen geben. Für die Hygiene kann also die Lehre aus allen derartigen Epidemien immer nur lauten: caveant consuies... x

Landesverband hessischer Bürgermeister.

Eine am 13. Juli in Frankfurt a. M. stattgehabte Vorst andsffhung des Landesver- Verbandes hessischer DürgermeisterG an welcher auch die Kreisvereinsvorsitzenden teil» nahmen, hatte neben der Erledigung einer Aeihe geschäftlicher Angelegenheiten als Hauptpunkt der Tagesordnung die z. Zt. im Flusse befindlich» Deform der hessischen Derwaltungs- g e s e tz e zum Gegenstand. Aach einem,kurzen Re- ferat^des Mitgliedes des Unterausschusses für die hessische Verwaltungsreform, Bürgermeister Dr. V ö l s i n g - Alsfeld, wurde wieder von neuem die einstimmige Forderung erhoben, daß in der kom­menden neuen Gemeindeordnung der Begriff des Ehrenbürgermeisters" mit seinen unangenehmen und für die Bürgermeister nachteiligen Begleit­bestimmungen auf keinen Fall wiederkehren dürfe. Vielmehr soll die Regelung der Dienst- und Ver­gütungsverhältnisse auf Grund einet Ortssatzung bzw. Besoldur.gsordnung, welch letztere für ganz Hessen in Wirksamkeit zu treten hätte, zu erreichen gesucht und damit begründet werden, daß die ver- änherten Zeitverhältnisse mit ihren neuen und ver­antwortungsvollen Aufgaben für die Bürgermei­ster auf den unzähligsten Gebieten naturnotwendig auch eine durchgreifende Reform der fundamen­talsten Grundlagen der im Gesetz verankerten . Rechte des Dürgermeisterslandes im Gefolge ha­ben müssen, lind nicht zuletzt soll Regierung und Landtag immer wieder von neuem auf das Un­recht: hin gewiesen werden, das durch die Vorschrift

Roman von Sven Elve st ad. Copyright bei Georg Müller. München.

(Schluß.)

Mein Klient", fuhr der Advokat unbeirrt fort, war ark. beschäftigt mit feinen Studien der süd- chinesischen Dialekte. In den vier Jahren, die er sich in Puh-Fuh aufhielt, hörte man in Frankreich über­haupt nichts von ihm. Eine Zeitlang glaubte man bestimmt, daß er tot sei. Wer dann zog man durch die Missionare (5rfunbigungen ein, und die Mittei­lungen, die man erhielt, waren wirklich höchst er­staunlich. Es ergab sich nämlich, daß er längere Zeit hindurch vollständig als Chinese gelebt hatte. Nicht unter Mandarinen und anderen hohen Kasten, son­dern im Volke, unter Kulis, in der Hefe der Städte, lind nicht genug damit, er lebte auch ganz so wie fie. Wohnte in ihren elenden Hütten. ihre Speisen. Und schließlich konnte er auch mit seinem einzig da­stehenden Talent ihre Sprache und ihre verschiedenen Dialekte sprechen. Es ist eine Eigentümlichkeit ineines Klienten, daß er, wenn er etwas studieren will, es bis auf den Grund tut Und er behauptet, man könne die Sprache eines Volkes nur kennenlernen, wenn man selbst unter ihm lebt und einer der ihren wird. So weit ich Herrn d'Albert kenne, zweifle ich nicht daran, daß er sich in diesen Jahren als Kuli ge­fühlt hat. Er gab seine Korrespondenz auf, seine Zeitungen, seine europäischen Gewohnheiten, seine Kleidung. Er arbeitete, handelte, dachte wie ein Kuli. Der einzige Unterschied zwischen ihm und den ande­ren bestand in seiner Wissenschaft. Jede Nacht füllte er seine Folianten mit sprachlichen Beobachtungen. Vielleicht hätte er noch heute vergessen in China ge­lebt, wenn nicht gerade feine Wissenschaft ihn wieder hervorgelockt hätte. Wie der stille Forschungsreisende in dett Urwäldern des Festlandes von Pflanze zu Pflanze geht, so ging er von Wort au Wort, von Dialekt zu Dialekt im südchinesischen Sprachgewühl. Schließlich verfolgte er einzelne Wörter und Sprach­bilder von Stamm zu Stamm. Er kam über die Grenzen von China hinaus und befand sich plötzlich in Indien. Unter einigen Völkerschaften südlich des Gebirges fand er den Ursprung der Sprache wieder. Er mar ihrem Flusse gefolgt und war an die Quellen gelangt. Do machte er halt und sah sich um. Er hatte seine Arbeit beendet. Er tauchte aus seinen Studien auf und begann, nach Reuig- leiten aus Europa zu fragen, nach Zeitungen. Er naljin mieber feine tadellose europäische Kleidung in Gebrauch und schrieb im Hotel Imperial in Delhi sein epochemachendes Werk über die südchinesischen Dialekte."

Der Mookat hatte sich ganz ki Begeisterung hin- eingeredet und zog aus ferner Aktenmappe einen dicken Band, den er den beiden Herren zeigte:

Auf dem Bande stand «druckt:

Tratte sur les patois de la Chine du Sud. Etudes faits dant le departement de Puh-Fuh.

Der Polizeichef sah fragend zu Krag hinüber. Ich beginne zu ahnen", sagte dieser leise.

Preisgekrönt!" rief der Advokat, das Buch m der Hand schwingend.Preisgekrönt von der fran-

des Artikel 95 des Gesetzes über die Wahlen für Gemeinden und Gemeind cverbände vom 7. Ok­tober 1925 in sofern geschaffen worden ist, daß die vor dem Inkrafttreten erwähnten Gesetzes wie- der gewählten Dürgermetster lediglich auf sechs Jahre und die nach dem 7. Oktober 1925 zur Wahl gelangten auf neun JJafjre gewählt sind, ein Unrecht, das bei der Verabschiedung der neuen Gemeindeordnung wieder gutzumachen eine mora­lische Pflicht des Gesetzgebers fein muß.

Des weiteren hatte die von deni Vorstände des hessischen Landgemeindetages in seiner letzten Sit­zung geführte Beschwerde über das von der Hessi­schen Landesbank bei der Begebung der verbillig­ten (Staats-) Baudarlehen geübte Verfahren den Ministerialräten Klump und Dr. S ch r o d Ver­anlassung gegeben, in Anwesenheit der Vertreter der Kreisvereine nähe/e Ausführungen über die inzwischen mit Genehmigung der Regierung zwi­schen der Hessischen Girozentrale und der Hessi­schen Landesbank in dieser Sache zu Stande ge­kommenen Vereinbarungen zu machen. Hiernach wird künftighin nicht mehr die Hessische Landes­bank allein das verbilligte (Staats-) Baudar­lehen gewähren, sondern es tritt auch die Hes­sische Girozentrale mit ihren angeschlossenen Spar­kassen in die gleichen Rechte ein, und di? Hergabe der Darlehen erfolgt von beiden Geldinstituten in der Weise, daß die zweistellige (35prozentige) Dauhypothek nur im Zusammenhänge mit der erststeiligen (40prozentigen) gegeben wird. Es ist weiter eine dahingehende Bestimmung getroffen, daß andere Kassen und Genossenschaftsbanken zu der Darlehensgewährung nicht zuzulafsen sind: dahingegen den Bauenden die Aufnahme von Baukapital bei Privaten freisteheck und in solchen Fällen die Hessische Landesbank zur Hergabe des verbilligten Darlehens verpflichtet sein soll. Wie diese sehr wichtigen Ausführungen, so befriedigten auch die übrigen Aufklärungen und Anregungen der beiden Regierungsvertreter in bezug auf die Abwicklung der Darlehensgeschäfte selber voll­ständig, und der Dank der Versammlung war des­halb ungeteilt. Von den einzelnen Kreisvereins-' vorsihenden wurde es übernommen, innerhalb der Kreise für die erforderliche Aufklärung Sorge zu tragen.

Zessischsr Landbunü.

Der Landesausfchuß des Hessischen Landbundes hielt in Darmstadt eine Sit- -zung ab. Die Vorstandswahl ergab die ein­stimmige Wiederwahl des bisherigen Vorsitzenden Dr. v. Helmolt, Rieder-Wöllstadt; zum zwei­ten Vorsitzenden wurde, anstelle von Dr. Deh- tinger, Landwirt Gottfried Buntschuh-Leng­feld gewählt. Die Beratungen der Tagung schlos­sen mit der A n n a h m e n a ch st e h e n d e r Ent­schließung:Der Landesausschuß des Hessi­schen Landbundes erhebt-schärfsten Einspruch ge­gen die Erhöhung der Beiträge zur land- und forstwirtschaftlichen Be­rufsgenossenschaft nd zu den Kran­ke n l a f f e n und zur Invalidenversiche­rung. Für die Landwirtschaft find diesozialen Verficherungslasten" auf die Dauer untragbar. Der Landesausfchuß beauftragt den Vorstand des Hessischen Landbundes, in Verhandlungen mit den leitenden Stellen der Berussgenofsenschaft, der Krankenkassen und der Invalidenversicherung zu treten, um eine Sendung der Beiträge herbÄzu- führen, außerdem aber Landes- und Reichsregie­rung, sowie allen beteiligten Stellen klarzumachen, daß sich die hessische Landwirtschaft mit allen Mitteln gegen die fortgesetzte Aussaugung durch soziale Versicherungsbeiträge wenden muß. Eine Erleichterung durch Gesetzgebung und Verwaltung ist dringend erforderlich, wenn nicht unhaltbare Zustände einreißen sollen."

zösischen Akademie, meine Herren! Ein epoche­machendes Werk, wahrlich ein hervorragendes Werk!"

Weiter", bat Krag.Wir find noch weit ent­fernt von dem Diebstahl in der Villa Rofenhain."

Sehr richtig, meine Herren. Wir find ebenso weit davon entfernt, wie Delhi von Christtania ent­fernt ist. Aber der Bericht von den Erlebnissen mei­nes Klienten wird uns dem Gebiet dieser Stadt näher bringen. Von Indien ging feine langsame Wande­rung über Afghanistan nach Kleinasien und weiter nach dem Kaukasus. Hier stieß er auf Sprachformen, die ihm ganz ohne Zusammenhang zu sein schienen mit dem ihm bisher bekannten Sprachen. Erst tief in Ungarn fand er einige mit ihnen verwandte Worte und Redewendungen. Er traf sie bei einem umher- strerfenden Zigeunerstamm. Das war ein neuer Wendepunkt in .Herrn d'Alberts Studien. Mtt dem größten Eifer warf er sich auf das Studium der ge­heimnisvollen Sprache. Und feinen alten Arbeits­methoden getreu, begnügte er fich nicht damit, fie ge­legentlich zu studieren, nein, er wurde Zigeuner oder Tatar oder wie man es nennen will. Zwei Jahre lang durchzog er mit einer Zigeunerbande Ungarn und Oesterreich. Darum kam er auf einem Zigeuner- fchiff, das Tauschhandel auf der Marne trieb, ins Innere Frankreichs. Und mit einer Gauklerfamilie durchreiste er England. Er hat auch in einem Zi- geunerzelt in Skandinavien gelebt. Seine Studien über die geheimnisvolle Sprache find noch nicht er­schienen: aber ich glaube, feine Arbeit wird den Nebel zerstreuen, der feit Jahrhunderten über dieser Sprache und ihrem Ursprung liegt. Man könnte meinen, daß das ohne eigentliches Interesse für die vorliegende Angelegenheit ist. Aber in Wirklichkeit ist dem nicht so. Indem ich weniger wesentliche Nebenumstände wegließ, habe ich die Geschichte mei­nes Klienten in gerader Linie bis zu seinen Erleb­nissen hier in Christiania verfolgt. Was ich beson­ders hervorheben wollte, ist dies: in seinen For­schungen gleicht er keinem anderen Gelehrten, von dem ich je gehört habe. Was ihn von den anderen trennt, ist die einzig dastehende Art, wie er sich in seine Materien vertieft. Nicht nur der besondere Teil der Sprachforschung interessiert ihn, sondern ebenso sehr alles das, was die Sprache umgibt, der Volksboden, daraus die Sprache erwächst, das Leben selbst, das die Sprache ausstrahlt. Will er eine Sprache erforschen, so sucht er fich zunächst klar dar­über zu werden, warum die Sprache so ist, wie fie ist, und nicht anders. Er will mitleben in dem Leben, das die Bedingung für die Entwicklung der Sprache war. Das habe ich den Herren deutlich machen wollen. Ist das, was ich gesagt habe, verständlich ge­wesen?"

Durchaus", erwiderte Krag.Nun märte ich bloß darauf, daß Sie von Christiania sprechen werden."

Jawohl. Die Reise nach Christiania begann eigenllich bereits, während Herr d'Albert mit seinen Untersuchungen der geheimnisvollen Sprache be­schäftigt war. Wie Sie sich denken können, meine Herren, ist diese Sprache in verschiedenen Schat­tierungen über ganz Europa verbreitet. Sie wird von den unsteten Tatarstämmen gesprochen, die von

Ooertzesssn.

OO Klein-Linden, 25. Juli. Die letzte G c - meinderatssitzung hatte als einzigen Punkt die W a h l eines Gemeinde rechners auf der Tagesordnung. Der seitherige Gemeinderechner Wilhelm Germer geht ab 1. August in den Dienst der Reichspost über und übernimmt eine Stelle in Arheiligen. Um die nun freiwesdende Rechnerstelle hatten sich sieben Personen beworben. Auf Karl Jung fielen 7 Stimmen, womit er, vorbehaltlich der Bestätigung des Kreisamts, als gewählt gilt. Der neue Gemeinderechner tritt am 1 August fein Amt an, vorerst provisorisch, bis die Einspruchs­frist von 4 Wochen und die Bestätigung des Kreis­amts erledigt find.

y. Lollar. 25. Juli. Unser Kirchspiel stand am Sonntag im Zeichen der Mission. Nachdem Missionar Laut- Frankfurt a. M., früher in China, am Vormittag befonders zu der Jugend geredet hatte, versammelte sich nach­mittags eine sehr zahlreiche Gemeinde, auch Fest­gäste aus Gießen und aus Kurhessen, auf dem schattigen, geräumigen Platz vor der Kirche. Der Posaunenchor Klein-Linden, unter Leitung des Kreisbaumwartes Germer, verschönte die Feier durch mehrere exakt vorgetragene Musikstücke und durch Begleitung der Gemeindelieder. Pfar­rer Haubach - Watzenborn und Missionar Laut redeten zu der Festversammlung. Der Ortsgeistliche, Dekan G u ß m a n n, sprach das Schlußwort. Das Fest nahm auch nach Seiten des äußeren Erfolges einen sehr befriedigend-en Verlauf.

L Treis a. d. Lda., 25. Juli. In seiner letzten Sitzung beschloß der Gemeinderat die An­lage einer elektrischen Heizung in der neuen Schule für Säle und Lehrerwohnun­gen. Die Kosten werden auf 2000 bis 3000 Mark veranschlagt. Der SportplatzAuf dem Busch" ist nunmehr vollendet und soll demnächst seiner Bestimmung übergeben werden. Eie Ein­weihung soll an einem der nächsten Sonntage stattfinden. Es ist hierfür eine größere Feier geplant, an der sich die verschiedenen Vereine und die einzelnen Schulklassen mit Vorführungen beteiligen werden.

*!* Beuern, 25. Juli. Gestern nachmittag hielr Landwirtschastsassessor Dr. © e Id er vom Landwirtschaftsamt Grünberg in unserer Ge­meinde einen Feldrundgang ab. Zu Beginn des Rundganges machte der Leiter des Rund- ganges auf die Bedeutung derartiger Veranstal­tungen aufmerksam und gab seiner besonderer Freude darüber Aufdruck, daß die Landwirte sich so zahlreich eingefunden hatten. Dr. Selz er führte die erschienenen Landwirte zu verschiedenen Getreide- und Hackfruchtäckern, sowie Klee und Wiesen. Die Winterfrucht steht im allgemeinen besser als die Sommerfrucht. Besonders hervor­gehoben sei der Stand der Hackfrüchte, der in der Gemeinde Beuern ganz ausgezeichnet ist. Infolge der verzögerten Heuernte sind allerdings die Hacksruchtäcker teilweise sehr verunkrautet. Dem Saatgutwechsel und der Saatgutauswahl werden in den meisten Fällen noch viel zu wenig Beach­tung geschenkt. Besonders ausgefallen ist diese Tatsache durch den unausgeglichenen Stand des Getrrides und den vereinzelt beobachteten lücken­haften Bestand bei Kartoffeln. Der Rundgangs­leiter wies auf diese Mängel besonders hin und empfahl bring-e: d i ie Abstellung derartiger Fehler. Ferner fiel eine allzu reichliche Aussaat zu Winter- und Sommergetreide ganz besonders auf, die bei der noch immer anzutreffenden einseitigen Stickstoffdüngung Lagerung verursachte. Dies

Norden bis nach Südspanien reifen. Sic ist ver­schieden in den verschiedenen Stämmen, aber sie hat doch eine gemeinsame Wurzel. Während d'Albert uter den Tatarftämmen lebte, fiel ihm auf, daß der Sprache einige wunderliche Worte und Redewendungen zugeführt worden waren, halb Jargon, halb unverständliche WortzusammensteUun- gen, für deren Ursprung er keine Erklärung zu fin­den vermochte. Anfangs wenigstens nicht. Aber dann erkannte er, daß diese seltsame Zusatzsvrache von der zum Teil lichtscheuen Tätigkeit dec Zigeu- nerftämme durch die Jahrhunderte hindurch hec- rühren müsse. Es läßt sich ja nicht leugnen, daß die Zigeuner und die umherstreifenden Volker eine be­sondere Rolle in der Kriminalgeschichte der Na­tionen gespielt haben. 2lus dem Leben der ein­zelnen in Gefängnissen und Untersuchungsräumen, während Polizei und Gericht ihnen nachstellten, und aus dem Zusammensein mit den Verbrechern an­derer Rassen haben sie dann in ihre Sprache eine Menge der Ausdrücke aufgesogen, die der Ver­brecherwelt angehören. Diese Abart der Sprache fesselte d'Alberts Interesse in höchstem Maße. Und von da an warf er sich mit dem größten Fanatis­mus auf das Studium der Entwicklung der Ber- brechsrsprache. Er stieß ja überall darauf, wohin er kam. Auf die gleichen Worte und Redewendungen. Und wo etwas in verschiedenen Sprachen ausge­drückt wurde, war wenigstens die Wahl der Bil­der die gleiche. Wie ein großer Sprachforscher, der längst gestorbene und vergessene Sprachen unter­sucht, fich durch Rekonstruierung dieser Sprachen ein Bild der entschwundenen Gerneinschaft bilden kann, so entstand jetzt bei meinem Klienten ein phantasti­scher, ober sicher wissenschaftlich wohlbegründeter Plan, mit Hilfe dieser Untersuchungen über die internationale Verbrecherjprache ein großes Werk zu schaffen, das er nennen wollte: Die Wanderun­gen der Verbrechen. Das ist also der Nero der selt­samen Angelegenheit. Indem mein Klient sich auf das Studium der Verbrechersprache warf, stürzte er sich gleichzeitig in die wunderliche Welt der Ver­brechen hinein. Die Sache fing damit an, daß man ihm Zutritt zu einigen französischen Gefängnissen gewährte. Er begnügte sich nicht damit, ihnen einen Besuch abzustatten, nein, er lieh sich selbst als Ge­fangenen einstecken: er lauschte auf die Klopf­zeichen, und auf den Arbeitsplätzen sammelte er manch merkwürdiges sprachliches Phänomen. Durch Kriminalbeamte ließ er fich durch die Verbrecher­viertel von Paris führen, uni) er besuchte alle be­rüchtigten Kneipen. Aber diese rein oberflächlichen Studien interessierten ihn nicht besonders. Er wollte selbst das Leben der Verbrecher führen, und eines Tages verschwand er plötzlich. Schnell erwarb er sich Freunde in der düsteren, unheimlichen Welt, zuerst mit Hilfe seines Geldes, dann durch seine große und einzigartige Klugheit. Natürlich liegt etwas Wahnsinniges in dieser Mechode, Wissenschaft zu betreiben; aber ich kann nicht zugeben, daß er andere als rein ideale Absichten verfolgt hat. Lassen Sie uns einen gewöhnlichen Einbruchsdiebstahl als Beispiel nehmen. Er wollte den Begriff des Ein­bruchs in feinen verschiedenen Phasen feststellen, er hat wissen wollen, zu welchen sprachlich bemerkens­

Hier schließt die Erzählung von dem Manne, der Christiania plünderte. Nach vielen Konferenz« n und Erwägungen der Polizeibehörde, der Staats­anwaltschaft, der französischen Gesandtschaft und der norwegischen Regierung wurde beschlossen, die Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen. Ermöglickst wurde das vor allem durch den freiwilligen Ent­schluß des Gelehrten, den Krag nach der Aufklärung durch den Advokaten in tiefsinnigem Gespräch mit Doktor Saling in der Theaterstraße überraschte, sich für ein Jahr in eine Irrenanstalt zur Beobachtung zu begeben, ferner durch den Nachweis, den d'Albert erbrachte, daß er seine Helfer nach Spanien ge­sandt hatte, wo sie mit feiner Hilfe in geordnete Verhältnisse zurückkehrten. Auch der rothaarige Kellner und Thollon reiften nach ihrer Entlassung ins Ausland. Endlich wurden alle die, die Verluste erlitten hatten, reichlich entschädigt, und außerdem zahlte d'Albert an die norwegisch« Staatskasse eine Summe, di« den dritten Teil seines Vermögens ausmachte. In der Irrenanstalt war d'Alberts ein­zige Beschäftigung die Arbeit an seinem Werke; nach Jahresfrist verließ er Norwegen, um nie wieder teil­zunehmen an der dunkeln Welt des Verbrechens.

Der Schleier des Vergessens wurde über die Er­eignisse gebreitet. Das ist der Grund, warum dse Angelegenheit nur den wenigen bekannt wurde, bte in sie verwickelt waren.

werten Redewendungen er führt beim Aus- Hecken des Planes wollte er alle die geheimen Worte kennenlernen, die über dem Kneiptifch ge- flüstert werden; dann hat er bei der Ausführung selbst die Zurufe gehört, die die Helfer ausstoßen, um eine Gefahr anzukündigen oder mitzuteilen, daß keine Gefahr besteht. Ich versichere Ihnen, meine Herren, daß er, um alles das zu erfahren, imstande gewesen ist, einen Einbruch in Szene zu setzen. So hat er die Verbrechersprache von £anb zu Land durchlebt. Die Verrücktheit seines Systems ist nach und nach natürlich immer auffallender geworden, aber er war sich sicher keinen Augenblick klar dar­über, daß er etwas Schändliches, Unrechtes tat. Seme wissenschaftliche Manie machte ihn blind. Und doch lege ich meine Hand dafür ins Feuer, daß er seelisch rein und unberührt geblieben ist trotz diesem Treiben.

Seine Handlungsweise erinnert an die des Vivi- sektors, der, um ein erstrebtes missenscl)aftlia)es Re- sultgt zu erreichen, nicht davor zurückscheut, seinen Mikgeschöpfen das größte Leid zuzufügen. Und dazu kommt, daß er selbst und die Institutionen, die er schuf, in unglaublicher Weise ausgenützt worden sind von den verbreck>erischen Elementen, mit denen er sich umgab. Auf seinen seltsamen Reisen ist er schließlich in Ihr Land gelangt, meine Herren, und hier hat seine Verrücktheit wenn Sie so wollen ihren Höhepunkt erreicht. Aber in dem Umstand, daß er mich gerufen hat, sehe ich einen Beweis da­für, daß er seine Untersuchungen abgeschlossen hctt und im Begriff ist, wieder ans Licht aufzutauchen. Das, meine Herren, ist der Zusammenhang der Verbrechen des Herrn d'Albert, und es ist die Er­klärung dafür, daß man gleichzeitig Gelehrter, Millionär und ein Dieb fein kann "

trat an vielen Feldern, die während des Rund- ganges besichtigt wurden, deutlich zutage. Di« Pflanzweite her Kartoffeln war im allgemeinen richtig ausgeführt. Es wurde auf das sachgemäße (Sinmieten der Kartoffeln ganz besonders aufmert* sarn gemacht. Die Aussichten für die Obsternte sind gut. Die beobachteten Pflanzenkrankheiten wurden besprochen und auf die jeweils in Be­tracht kommende Bekämpfungswcife ausmerisam gemacht. An Pflanzenkrancheiten wurden beobach­tet: Dlafensuh an Roggen und Hafer, Flugbrand an Hafer, Gerste und Weizen, Rost an Weizen, Schwarzrost an Hafer, Schwarz» beinigkeil und Blattrollkrankheit bei Kar­toffeln und die Runkelfliege - bei Rüben. Auf die Bedeutung der Wiefcnpflrgr und -düngung wurde hingewiefen, und die neuzeitlichsten Heu­werbungsarten auf den Wiesen und Kleeackern besprochen. Ferner machte Dr. Selzer auf die Be­deutung der Feldbereinigung aufmerksam und die damit unbedingt einzurichtende JungviLhweide. Rach über dreistündigem Rundgang trennten sich die Teilnehmer dieser lehrreichen Veranstaltung. Die Ausführungen Dr. Selzers wurden von den Landwirten mit großem Interesse ausgenommen. 3m kommenden Winter soll in unserer Gemeinde ein Lichtbildervortrag abgehalten werden.

J) Lich, 25. Juli. Heute nachmittag gegen 1.30 Uhr verunglückte der im Maschinenhaus der Brauerei Jhring-Melchior in Lich beschäftigte jugend­liche Arbeiter Wilhelm Mohr von Burkhards­felden dadurch, daß er auf bisher noch unaufgeklärte Weife der Transmission zu nahe kam, von einem Riemen gepackt und gegen eine Wand geschleudert wurde. Er zog sich hierbei einen komplizierten Oberarmbruch und Hautabschürfungen zu. Die erste Hilfe leistete der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Roth in Lich, der seine Ueberführung in die Gießener Klinik anordnete. Im Sanitätsauto wurde der junge Mann nach Gießen überführt.

J) Lich, 25. Juli. Der Bürgermeister gab in der jüngsten Sitzung des Stadtoorstan- d e s zu Punkt 1 der Tagesordnung bekannt, daß bei der Submission der Rohbauarbeiten für die Kleinkinder schule zu Lich folgende Mindest­preise erzielt worden seien. Erd- und Maurerarbei­ten: Karl und Christian Fey, Lich, 9642,55 Mk.: Steinhauerarbeiten (Lungsteine): Karl Damm, Beuern: 298,10 Mk., (Kunststeine): Philipp und Heinr. Scheid, Bellersheim, 269,50 Mk.; Zimmer­arbeiten: Friedrich Karl Keßler, Steinbach, 4035,40 Mk.; Grobschlosserarbeiten: Fr. Schmidt, Lich, 166,30 Mk.; Dachdeckerarbeiten: Christian Vater II., Lich, 1395,75 Mk.; Spenglerarbeiten: Karl Heß, Lich, 299,07 Mk.; Eifenlieferung: K. Köhler, Lich, 552,36 Mk. Außer den Zimmer­arbeiten seien den Wenigstfordernden bereits die Zuschläge für die Arbeiten erteilt worden. Der Zimmermeister Heinrich Schmidt von Lich war mit feinem Angebot von 4233,40 Mk. für die Zim­merarbeiten Zweitwenigftnehmender. Der Stadtvor­stand beschloß, diesem die Arbeit zu feinem Angebot zu übertragen. Als weitere Punkte standen zur Beratung die Z u s ch u ß l e i st u n g der Anlieger­gemeinden zur Buabach-Licher Eisen­bahn. Nach dem von den Anliegergemeinden be­schlossenen Verteilungsplan beträgt der Zuschuß der Stadt Lich für das Geschäftsjahr 1926 390 Mk. Set Stadtoorstand stimmte diesem Verteilungsplan zu. Die Treuhänderstelle für die Ablösung der Markanleihen der hessischen Gemeinden und Ge­meindeverbände verlangte von der Stabt Lich eine Ablösung von 25 Prozent der noch unein- Inften Vorkriegsanleihen. Der ötabtuor» stand lehnte diesen Antrag ab und beharrte auf sei­nem früheren Beschlüsse, der den Ablösungssatz auf 12fr Prozent festsetzte. Ein von der fürstlichen Rentkammer in Lich vorgelegter Vertragsentwurf wegen Herstellung eines Fußsteiges in

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