Literatur und G eschi chte derMinder- Herten vorzutragen. Von den Minderheitsspra- Jcn müssen wöchentlich ebenso diele Stunden gehalten werden, wie von der südslawischen Sprache.
Oesterreich gegen Wien.
Von unserem H. ^.-Sonderberichterstatter.
, Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) I n n s b r u ck, 24. Juli 1927.
Deutsch-Oesterreich ist so s ch m a l, datz eine leidlich anständige Kanone quer über das ganze Land Hinwegschiehen könnte — über Täler, Gipfel und Gletscher. Aber es ist so lang, daß ein Nationalrat der westlichen, der Alpenländer, Tage und Nächte fährt, um an den östlichen Zipfel unseres Bruderlandes zu kommen, nach Wien, wo er feine Pflichten zu erfüllen hat. Und jedem, der, wie das doch häufig vorkommt, in der Hauptstadt etwas zu erledigen hat, geht es nicht anders. Da das Mißvergnügen eines Landes mit seiner Hauptstadt im Quadrat der Entfernung von ihr wächst, kann man sich vielleicht einen Begriff von den Gefühlen machen, die die Bewohner der Alpenländer gegenüber Wien hegen. 3m Vergleich mit dieser Abneigung ist das, was der Bayer für Berlin übrig hat, eine wohlwollende Sympathie.
Man sollte meinen, daß die Städt Wien angesichts dieser Lage der Dinge eifrig bemüht wäre, die Sympathien der Länder zu gewinnen. Weit gefehlt! Wien geht in allem und jedem seinen eigenen Weg. Die Einsichtigen werden nicht gehört, und das offizielle Wien, das rote Wien, pocht für seine Berufung als Hauptstadt aus die Tradition, die es selbst mit Füßen tritt. Das stolze, oft wiederholte Wort, Wien ist das größte sozialistische Gemeinwesen der Welt, ruft bei den so gänzlich vom Marxismus verschont gebliebenen Tirolern Uebel- keit hervor. Da könnte schon eher noch das Argument Beweiskraft haben: „Wien ist der stärkste Steuerzahler Oesterreichs." Diese Tatsache wird nirgends bestritten. Aber die Antwort ist ebenso kurz wie treffend: „Wer ganz Oesterreich als Opfer stock hat, kann leicht sein stärkster Steuerzahler sein!" Es fliehen nicht nur an sämtliche Zentralstellen jeglicher Verwaltung die üblichen Gelder, der Landwirt der Alpengebiete muh feststellen, daß die vom roten Wien aus gemachte Zollpolitik ihn selbst zum Bezug teurer industrieller Erzeugnisse als Wien zwingt, während die Hauptstadt ihre Bedürfnisse an Agrarprodukten aus dem nahen Ungarn, der Tschechoslowakei und Jugoslawien deckt! Dieses Stück Tradition hat das neue Wien ebenso gernH von der alten Donaumonarchie übernommen, wie die angeblich ewige Negie- rungssähigkeit verleihenden ehrwürdigen Paläste, von denen ab und an ein<?r auch mal vom souveränen Volk ganz traditivnslos verbrannt wird. Ist es ein Wunder, daß der Älpler jene Paläste lieber verödet als entweiht und zerstört sieht?
Mit der Tradition ist es überhaupt so eine eigene Sache. Die Bewohner der gesamten österreichischen Alpenländer kennen nur eine dreifache Tradition: die engere Heimat, die Kirche und Deutschland. Die Liebe zur Heimat wird durch nichts deutlicher als durch das rührende Bild „verlorene Heimat", das in einfacher oder künstlerischer Ausführung in jedem Haufe zu finden ist: Zwei Frauen, die vom dunklen Fels ins verlorene Südtirol blicken. Wie tief das deutsche Dolksbewußtfein, wie stark der Wunsch „heim ins Reich" ist, das beweist nicht nur die Abstimmung vor einigen Jahren, sondern jetzt gerade das Entstehen immer ne''er Volkslieder mit dem Grundgedanken: Näher an Deutschland!
Zwischen Wien und Oesterreich liegt eine fast unüberbrückbare Kluft, die gerade durch die Ereignisse der letzten Wochen aller Welt offenbar geworden ist. Nicht umsonst liehen die Herren Wiens auch nach Beendigung des Generalstreiks noch den Fernverkehr der Eisenbahnen ruhen. Es wären in der ersten Erregung vielleicht die Heimatwehren in die Stadt gekommen und hätten gründliche Arbeit getan! Wie groß die Furckt vor den Heimatwehren ist, beweist das sang- uno klanglose, schleunige Verschwinden aller Streikwachen von den Tiroler Bahnhöfen, als in der Nacht von jenem Sonntag zu Montag der . Heimatschutz sämtliche Bahnhöfe besetzte. Und als am Montagfrüh zwei sozialdemokratische Redner vor dem Hauptquartier in Innsbruck (der „Sonne") zur Fortsetzung des Streiks aufforderten, da predigten sie tauben Ohren, trotzdem die Mehrheit auch der Tiroler Eisenbahner sozialistisch organisiert ist.
Wäre in den Alpenländern selbst nicht der Streik in diesem Augenblicke abgebrochen worden, dann hätte mindestens Tirol eine Polttik auf eigene Faust gemacht, nämlich eine Trennung von Wien und eine Erklärung des Anschlusses an das Neich. Die Folgen hätte niemand abgewogen. Die „spontane" Volkserhebung in Wien hätte eine wirklich spontane Antwort gefunden. Entente und Völlerbund hätte man gewiß nicht befragt.
Jetzt, wo diese Möglichkeit vorbeigeaangen ist, zeigte sich eine andere Folge, der Nus nach einer neueO Haupt st adt für Deutsch- Oesterreich. Man will Negierung und Nationalrat herausnehmen aus der roten Wiener Umgebung, die so gar nicht österreichisch ist. Man will die gesetzgeberische Tättgkeit von dem Druck befreien, der ihr einen Stempel aufdrückt, der ganz anders ist als die in den Wahlen gekennzeichnete Stimmung des Landes. Und man schlägt als neue Hauptstadt Salzburg vor, das zentral in dem langen, schinalen österreichischen Gürtel liegt, und das eine freie, unbeeinflußte Negierungstattgkeit gewährleisten würde. Die Bewegung, Salzburg zur Hauptstadt Oesterreichs zu machen, ist nicht nur örtlich, sie ist im gesamten Alpenland, dem Harrptteil Oesterreichs, verbreitet und sie ist daher sehr otnst zu nehmen. Don dem Verhalten Wiens wird es abhängen, ob dieser Bewegung neue Nahrung zugeführt wird, und ob sie zum förmlichen Antrag im Nationalrat führt. Wird dieser Antrag gestellt, dann dürfte er Annahme finden, dann wurde „das größte sozialdemokratische Gemeinwesen der Welt" s i ch f e l b st und seinen Experimenten überlassen bleiben. Dann würde ihm aber auch der große Opferstock entzogen werden was auf jene Experimente einen verhängnisvollen Einfluß haben dürfte.
Eine Gemeindeschutzwache in Wien.
Wien, 26. Juli. (WTB. Funkspruch) Der Gemeindeausschuß für allgemeine Derwaltungs- angelegenheiten genehmigte gestern mit tun Stimmen der Sozialdemokraten die vom Bürgermeister vorgeschlagenen Verfügungen
über die Aufstellung einer Gemeindeschutzwache bis zur Stärke von 2000 Mann. Sie erhält den Namen „Gemeindewache" und bildet ein Organisation des öffentlichen Dienstes. Am 1. September 1927 wird die Höchstzahl auf 1000 Mann herabgesetzt. Die Gemeindewache hat den Ordnungs- und Wachdien st in den städtischen Aemtern, Anstalten und Unternehmungen zu besorgen, ferner kann sie zum Erhebungsdienst und zur Überwachung der Einhaltung der landesgesetzlichen Vorschriften ver- kvendet werden, die nach dem 1. Oktober 1925 erlassen wurden.
Trauersitzung des österreichischen Nationalrates
Wien, 25. Juli. (WB.) Der Nationalrat hielt heute nachmittag eine kurze Trauersitzung ab. Präsident M i k l a s hielt eine Ansprache, in der er zunächst der tiefsten Trauer über den Ausbruch der Volksleidenschaften Ausdruck gab, der wie ein Wetterstrahl aus heiterem Himmel über die sonst so lebensfrohe Stadt hereingebrochen sei. An diesem Tage gelte die Trauer den unglücklichen Opfern, tiefstes Mitgefühl den Verwundeten, den Hinterbliebenen und Angehörigen. Der Präsident drückte allen Faktoren des staatlichen und öffentlichen Lebens, die sich in der Stunde der Gefahr um die Wiederherstellung der Ordnung bemüht haben, den Dank und die Anerkennung des Parlamentes aus. Er erinnerte an den Appell zu ernstem und friedlichem Zusammenwirken, den er bei der Eröffnung des neuen Nationalrates an dessen Mitglieder gerichtet habe. Sie werden, sagte der Präsident:, am besten dem Volke und seiner Arbeit dienen, wenn Sie dazu beitragen, daß bei dem österreichischen Volke die klare Erkenntnis immer mehr zunimmt, daß in einer demokrattsch-en Republik ohne gegenseitiges Verstehen und ohne feste staatliche Ordnung ein Gedeihen des Volkes unmöglich ist. Er schloß mit dieser Kundgebung die Sitzung und beraumte die nächste Verhandlung für morgen 11 Uhr vormittags an. Lanötagsbsschlüsse in Steiermark.
Graz, 25. Juli. (WTB.) Der steiermärkische Landtag befaßte sich heute mit den Ereignissen des 15. und 16. Juli und dem anschließenden Generalstreik in Wien und der Steiermark. Zunächst wurden zwei Anträge der Mehrheitsparteien behandelt, die die D e r st ä r k u n g der Gendarmerie betreffen, sowie behördliches Vorgehen gegen den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten W a l l i s ch, der in Druck an der Mur eine fast zwei Tage dauernde Diktatur aufgerichtet hatte. Landeshauptmann Paul erklärte in seiner Antwort, daß auch er die Verstärkung der Gendarmerie für unbedingt notwendig halte. Er sei bereit, im Einvernehmen mit dem Präsidium alle Schritte zu beschleunigen, die dazu führen, den Abgeordneten Wallischzur gesetzlichen Verantwortung zu ziehen. Namens der Parteien der Einheitsliste wurde eine Resolutton gestellt, in der der Landeshauptmann ersucht wiÄ, die Bundesregierung zu veranlassen, zum Schutze der Republik, der ungestörten Entwicklung des Wirtschaftslebens und der moralischen Gesundung des Volles für folgende Gesetzesbeschlüsse Sorge zu tragen:
1. die ungehemmte Pressefreiheit, unter deren Schach in verantwortungsloser Weise die niedrigsten Instinkt« des Volles aufgestachell werden, ist einzuschränken,
2. die Todesstrafe ist wieder einzuführen, da die Verbrechen in entsetzenerregender Weise sich mehren,
3. das Schwurgercht, das nach der Spruchpraxis die schwersten Verbrechen ungesühnt läßt und somit das Rechtsempfinden des Dolles vollständig untergräbt, ist zu reformieren,
4. die öffentlichen Verkehrsmittel und lebenswichtigen Betriebe sind vor Stillegung durch einen politischen Generalstreik zu schützen,
5. das Söldnerheer ist in eine Miliz nach dem Muster der Schweiz umzuwandeln.
Sämtliche Anträge wurden angenommen.
Die Erledigung
Yes Falls Hörsing.
Eigener Drahtbericht des .Gießener Anzeigers".
Berlin, 26. Juli. Der „freiwillige" Rücktritt des Reichsbannerführers Hörsing vom Posten des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen findet naturgemäß in der Öffentlichkeit größte Beachtung und wird mit Ausnahme der „Deutschen Zeitung" von allen Blättern als eine glückliche Lösung des von Hörsing heraufbeschworenen Zwischenfalles ang je ea. Die „Deutsche Zeitung", die Don einem ehrenvollen Rückzug, einem glänzenden Abgang von der pollttschen Bühne der preußischen Republik spricht, hofft, daß die Reichsregierung nicht auf halbem Wege stehen bleibt. Die wiederholten innen- und auhen- politischen Entgleisungen des Herrn Hörsing enthielten genügend Material zur Einleitung eines Disziplinarverfahrens, auf dem die Relchsregierung sowohl zur Wahrung ihrer Autorität als auch der Würde des Deutschen Reiches unbedingt bestehen mühte. Diese Hoffnung des rechtsradikalen Blattes dürfte sich jedoch kaum erfüllen.
Die der Reichsvegierung nahestenden Blätter sprecheii bei Beurteilung des Abschieds Hörsings von einer Erledigung des Falles, besonders unter Betonung des Umstandes, daß der Rücktritt Hörsings nicht ganz freiwillig erfolgt ist. So sagt dieTäglicheRundschau: „Der nach einer Rücksprache mit dem preußischen Ministerpräsidenten und dem Innenminister gefaßte Entschluß Hörsings, sein Amt als Oberpräsident der Provinz Sachsen niederzulegen, ist selbstverständlich nichts als eine milde Form der Verabschiedung, die Herrn Hörsing ern Diszipllnarverfahren erspart. Neber die amtliche Tättgkeit Hörsings als Oberpräsident können nunmehr die Akten geschlossen werden. E i n s der trübsten Kapitel der Preußischen Personalpolitik ist damit beeiidel."
Schließlich tut auch der „Vorwärts" so als ob der Rücktritt Hörsings einen Gewinn für dir Republikaner, oder wohl besser für die Sozialdemokraten bedeutet. Unter Hinweis darauf, daß dem Sozialdemokraten Hörsing im Amt selbstverständlich ein anderer Sozia ldemvkrat folgt, sagt das Blatt: Wo bisher eine Person das Amt des Oberpräsi-
drnten und des Bundespräsidenten vom Reichsbanner verwaltete, werden in Zukunft zwei gleichgesinnte Männer mit voller Kraft, jeder auf seinem Posten, für ihre Ueberzeugung fechten."
Daß Herr Hörsing nunmehr frei von allen Bindungen, wenn solche für ihn überhaupt bestanden, seine Kampftätigkeit als Führer des Reichsbanners noch intensiver fortsetzen wlll als bisher, hat er selbst angekündigt. Ob er allerdings dabei die Zusttmmung aller Reichsbannermitglieder, insbesondere die des Zentrums, finden wird, steht auf einem anderen Blatte, und es ist sehr die Frage, ob der ent- fesselle Bundespräsident einen E^winn für das Reichsbanner als überparteiliche Republikaner- vrganisation bedeutet. Die Zentrumsmttglieder des Reichsbanners scheinen es bei ihrem Einspruch auf der Samstags-Tagung in Magdeburg gegen den Aufruf Hörsings nicht bewenden lassen zu wollen, denn laut „Germania" sind die dem Zentrum angehörenden führenden Mitglieder des Reichsbanners zu -einer Besprechung im Laufe dieser Woche nach Berlin berufen worden. Der Austritt des Reichskanzlers Dr. Marx aus dem Reichsbanner wird ihnen jedenfalls zu denken gegeben haben.
Zentrum und Reichsbanner.
Reichskanzler Dr. Marx erklärt seinen Austritt
Berlin, 25. Juli. Reichskanzler D r. Marx hat in folgendem Schreiben an den Bundesvorstand des Reichsbanners seinen Austritt aus dem Reichsbanner milgeteilt: Mit Rücksicht auf verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit, insbesondere auf die Kundgebung des Verstandes des Reichsbanners an den Republikanischen Schutzbund in Wien, die eine unberechtigte Einmischung in die politischen Verhältnisse des befreundeten Oe st erreich und eine schwere Herabsetzung und Beleidigung der Bundesregierung enthält, erkläre ich meinen A u s - tritt aus dem Reichsbanner.
Reber das Verhältnis des Zentrums zum Reichsbanner dürste eine für Mittwoch nach Berlin einberufene Besprechung von führenden Zen- lrumsmitgliedern des Reichsbanners Klarheit bringen. Es wird in unterrichteten Kreisen angenommen, daß in der Besprechung eine Reihe von Forderungen ausgestellt werden sollen, von deren Annahme oder Ablehnung durch den Bundesvorsitzen- den hörsing das Verbleiben der Zentrumsmikglie- dcr im Reichsbanner abhängen dürfte. Der Austritt des Reichskanzlers Dr. Marx aus dem Reichsbanner dürfte die Entschlüsse dieser Konferenz wesentlich beeinflussen. H »
Die Nachfolge HörftngS.
Berlin, 25. Juli. Nach der Verfassung des Freistaates Preußen hat das Preußisch« Staatsmini st erium die Ober Präsidenten rm Einvernehmen mit dem Provinzialaus- schuß, als dem Organ der Selbstverwaltung, zu ernennen. Morgen wird das Preußische Staats- Ministerium sich mit der Personenfrage befassen. Nachdem der frühere Innenminister S e v « r i n g sich für die Anforderungen eines Oberpräsidenten noch nicht wieder hinreichend gestärtt fühlt, dürfte ein sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter aus der Provinz Sachsen in Frage kommen. Genannt wird an erster Stelle der Abg. Otto Landsberg, der seit 1895 als Rechtsanwalt in Magdeburg tätig war und seit 1912 die Stadt im Reichstag vertrat. Landsberg war bekanntlich 1918 Mitgtted des Rats der Volksbeauftragten und 1919 ReichsfufttMinister. 1920 wurde er deutscher Gesandter in Brüssel, wo er bis zum Ruhrkonflikt blieb. Er nahm. dann seine Rechtsanwaltstätigkeit wieder auf.
Schlägerei zwrschenReichsbanner und Nationalsozialisten.
Berlin, 25. Juli. (WTB.) In dem Restaurant „Paradiesgarten" in Rahnsdorf bei Berlin entstand gestern abend gegen 18 Uhr zwischen Angehörigen des Reichsbanners und Nationalsozialisten eine Schlägerei, in deren Verlauf ein Nationalsozialist mit einem Totschläger am Kopfe verletzt wurde. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Ein anderer Nationalsozialist erhielt einen Schlag gegen die Stirn, ein unbeteiligter Radfahrer wurde ebenfalls am Kopf verletzt. Einem Reichsbannermann wurde ein Dolchmesser abgenommen, außerdem wurde bei ihm ein Totschläger gefunden. Die Fahne der Nationalsozialisten wurde beschlagnahmt, da sie aum Schlagen benutzt worden war. Vier Nationalsozialisten und sechs Reichsbannerleute wurden f e ft g e n o m m c n.
Die Lage in Samoa.
London, 26. Juli. (W. T. B. Funkspruch.) Der Korrespondent der „Dgily News" in Wellington (Neuseeland) meldet: Aus Apia (Samoa) find Telegramme eingetroffen, wonach sieben weitere saomanische Häuptlinge verbannt und ihres Titels für verlustig erklärt worden sind. Beim Empfang des Vertreters des Ausschusses samoanischer Bürger, Nelson, erklärte der neuseeländische Premierminister, erst müsse der Ausschuß dafür sorgen, daß die Zustände auf Samoa normal werden, ehe die Frage einer weiteren Untersuchung erwogen werden könnte. Nelson erhob Einspruch dagegen, indem er sagte, die Regierung und die Verwaltung Samoas seien verantwortlich für die Unruhen und nicht der Bürgerausschuß.
Gegen eine „antibriLische Propaganda" in Amerika.
London, 26. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" erfährt, datz der brittsche Botschaft ter in Washington angewiesen worden ist, bei der amerikanischen Regierung gegen die ungehinderte „antibritische Propaganda" ind er amerikanischen Presse und gegen die häufigen falschen Darstellungen und sogar falschen Zitate aus offiziellen bri- llschen Erklärungen in den gleichen amerikanischen Kreisen energischen Protest einzu- legen. 'Dieser Schritt wurde ungern unternommen. 2lls aber Aussprüche britischer Staatsmänner tatsächlich falsch wiedergegeben wurden, kam man ZU der Ueberzeuguna, datz eine Haltung wür- M/r Gelassenheit nicht länger aufrecht zu erhalten sei.
Die deutsch-französischen HandeisverLragsverhandlungen
Paris, 25. Juli. (Havas.) Das französische Handelsministerium teilt über die deutsch-französischen Wirtschaftsoerhandlungen folgendes mit: In der abgelaufenen Woche ist in der Haltung der bei- den Delegationen, die die Prüfung der letzten deut- fchen Vorschläge fortgesetzt haben, keine Aende- rung eingetreten. Die deutschen Vertreter halten an gewissen Forderungen fest, die die französischen Unterhändler als mit den Interessen der Industrie und des Handels des Landes unvereinbar be- trachten. Man ist jedoch der Ansicht, daß unter allen Umständen in dieser Woche eine Entscheidung eintreten müßte, und man neigt der Auffassung zu, daß die Unterhandlungen zur Unterzeichnung des in Vorbereitung befindlichen Abkommens sich, ren dürften.
Aus aller Welt.
Lin Denkmal für Ernst Vaffermaun.
Führende Mitglieder der Deutschen Dollspartei, darunter Reichsautzenminister Dr. Stresemann, veröffentlichen einen Aufruf, in dem es heißt: Die Deutsche Dollspartei, die Nachfolgerin der alten nattonalliberalen Partei, wünscht dem verstorbenen nattonalliberalen Parteiführer Ernst Dasiermann in seiner Vater- stadt Mannheim ein Deickmal zu sehen. An die Parteifreund« wird die Bitte gerichtet, sie bei der Erreichung dieses Zieles zu unterstützen.
Der Kirchenkongreh in Winchester.
Der Kirchenkongreh in Winchester beendigte seine Tagung In einer öffentlichen Dersamm- lung, bei der Vertreter sämtlicher Kirchengruppen zu Worte kamen, sprach Reichsgerichtspräsident Dr. Simons über die Bedeutung der christlichen Einigungsbestrebungen für die Gesetzgebungen und die Beziehungen der Nationen untereinander. Die Kommission der christlichen Presse beriet in mehrfachen Sitzungen über die Möglichkeit einer Anbahnung enger Beziehungen zwischen der ü christlichen Presse der europäischen und überseeischen Länder und über die Beteiligung bei der internationalen Presseausstellung rn Köln 1928. Es soll bei diesem Anlah ein Erster christlicher Pressetag stattfinden, für den der schwedische Erzbischof Söderblvrn als Hauptredner gewonnen ist.
Lin Mittelstaudssanatorium In Heidelberg.
Die Stadt Heidelberg hat in einem eben seiner Vollendung en t g eg eng ehenden Neubau an Stelle des alten Speyererhofes ein Sanatorium errichtet für Angehörige des geistigen und gewerblichen Mittelstandes, die pn inneren Krankheiten (nicht "Tuberkulose) leiden und von einer Kurheilung Besserung zu erwarten haben
Nebolte in der Göttinger Erziehungsanstalt.
In der geschlossenen Abteilung der Provinzialerziehungsanstalt kam es zu einer Revolte, in deren Verlauf mehrer« Zöglinge zwei Erzieher niederschlugen und ihnen die Schlüssel entrissen, um zu entkommen Von elf geflüchteten Zöglingen konnten jedoch fünf bereits fe st genommen werden. Amtlicherseits wird der Ursprung der Revolte dem üblen Einfluß eines Zöglings zugeschrieben, der kürzlich, nach Verbüßung einer zweijährigen Gefängnisstrafe, der Anstalt zugewiesen worden war. Einer der mißhandelten Erzieher mußte einem Krankenhaus zugcführt werden.
Einbruch bei Lords am Lursürfieudamm In Berlin.
In der Nacht zum Montag haben Einbrecher von einem leersdehenden > Nebenraum aus die Niederlage der bekannten Seidensirma Cords am Kurfürstendamm erbrochen und wie sich jetzt herapSstellt, Seidenstoffe im Werte von 20 000 Mark geraubt. Sie hatten Waren im doppelten Werte bereits zum Fortschaffen beiseite gelegt, als sie versehentlich die von ihnen angelegte Alarmvorrichtung in Betrieb setzten und deshalb unter Zurücklassung eines TÄls der Beute fliehen mutzten
Die Bluttat in Raabs.
Die „Wiener Allgemeine Zeitung" meldet zu der Bluttat in Raabs, daß der schwerverletzte Gefängniswärter Hermann außer Lebensgefahr ist, daß jedoch ein Auge operativ entfernt wer- den mußte. Bei Hermann fanden sich in einer Tasche noch 10 000 Schilling, so daß dem Mörder seiner Frau und seiner Kinder nur ein geringer Betragin die Hände gefallen [ein kann. Der Mörder Sourada wird, wenn er tatsächlich tschechoslowakischer Staatsangehöriger ist, an Oesterreich nicht ausgeliesert werden, sondern in der Tschechoslowakei, wo im Gegensatz zu Oesterreich, die T o d e 3 ft r a fe noch besteht, abgeurteilt werden.
Richt nach dem Lssen baden?
In Boppard^hat ein 20 Jahre alter Arbeiter kurz nach dem Mittagessen im Rhein ein Bad genommen. Dabei wurde er von einem Herzschlag befallen und ertrank, bevor ihm Hilfe gebracht werden konnte.
3m Schlamm erstickt.
Bei der Durchsuchung eines toten Armes der Wümme bei Rotenburg ist ein junger Jäger vom Jagdhaus Fährhof in Groß-Sottrum im Schlamm erstickt. Er scheint einen Krampf erlitten zu haben, so daß er sich nicht freiarbeitenl konnte.
Dampfer-Zusammenstoß in helsingfors.
Der deutsche Passagierdampfer „Rügen" stieß bei seiner Ausfahrt von Helsingfors in der Nähe des Leuchtturms Graohara mit dem Küsten- wehrdampfer „Ehrensvaerd" zusammen. Der Kapitän des Dampfers „Ehrensvaerd" wurde über Bord geworfen und ertrank. Der Dampfer „Ehrensvaerd", der schweren Schaden erlitt, wurde von dem deutschen Passagierdampfer nach Helsingfors geschleppt. - Der Dampfer „Rügen^ setzte später die Reise fort. Er hatte bei dem Unglück einen Lotsen an Bord.
Unglücksfall beim Brückenbau.
OBei dem Bau einer Eisenbahnbrücke über den Fluß Athabaska (Qllberta U. S. A.) stürzte ein eiserner Träger in den Strom hinab. Vier Personen wurden getötet, zwei schwer verletzt.
Wettervoraussage.
Langsame Bewölkungszunahme, allmählich Uebergang zu Niederschlägen, stellenweise mit Gewitter, südliche bis westliche Winde.
Okftrige Tagestemperaturen: Maximum: 21 Gr. Celsius. Minimum: 9,6 Grad Celsius. Niederschläge: 0,3 Millimeter. Sonnenscheindauer: 5 Stund em Heutige Morgentemperatur: 13,3 Grad Celsius.
Witterungsaussichten für Donnerstag: Zeitweise mollig, einzelne Gewitterstörungen mit Niederschlägen wahrscheinlich.
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