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Ld- te"n »ÄSSÄä S"ÄÄ,i äfris Ä'tet tVno??er vvd stellte Jm Deoisenoertehr ^n Sabel 4,2010, gegen !gy London IWz,

Getreidebörse.

5 «Tiebener Anzeigers^ 25- 3uli. Zu Beginn der c Tendenz am hiesigen lche. Roggen und in Ber« >ehl angeboten und bis o wurden die Rolierungen l Hafer um 0,50 Ml. her- verlangt. Futtermittel lie- >cn notiert: Weizen. M Roggen, inländischer. 26,50 . 25,50 bis 26; Hafer, aus» ); Mais (gelb) 19; Weizen, al 0,39,75 bis 40; Roggen- SeizenNeie 13; Roggentlcie bis 60; Linsen 40 bis 60; trocken, 2,80; Weizen- und ;ht) 4,75 bis 5,25; gebünb. ocknet. 15,2-5 bis 15,50. Ten-

chiachtviehmarkt.

s(Siebener Nigers} L, 25. Juli. 2lultr\^: 454 Kälber, 48 Schafe; fierten: Ochsen, vollslei- chften Schlachtwerts: jün- 58 bis 62, sonstige voll« is 57, ältere 50 bis 53; ischige, höchsten Schloch!' ? Eleischige oder aus- h: jüngere, vollfleilch^e, 51 bis 50, sonstige tnfl- stete 44 bis 50, flM ährte 30 bis 36; Farsn r): volAeischige, ausF.-' chtwerts 62 W 66. jf. ischige 50 brs 5,; Kalbn- ckälber 12 bis 78, n* 65 bis 71, gerlvSe.Kalm Mstlämmer und M?e« 5 50 bis 55, Schöne.

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nr. m Lrstes Blatt

177. Zahrgang

Dienstag, 26. Juli (927

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

DrMd und Verlag: vrühl'sche Untverfitäts-Vuch- und Zteinsruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schnlstrahe 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot' für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Giehen.

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle.

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Die Jubelfeier der Universität Tübingen

R i - ~ OK rY,.r- ZO-8T \ O- . ..

Tübingen, 25. Suli. (TA.) In der alten

besonders hochgehalten daorben. Möge dies immer so bleiben zum Segen unseres deutschen Vater­landes.

Die Minderheitsschulen in Süds'awien.

Belgrad, 25. Juli. (WD.) Der Unter­richtsminister erließ eine Verordnung, durch die die Frage der LehrerbildunH für Minder- hcilsichulen geregelt wird. Danach werden schon im nächsten Schuljahr in der Lehrer- und Leh- rerinnen-Bildungsanstalt in Zombor unga­rische und in der Lehrerbildungsanstalt in Ver- sec deutsche und rumänische Lehr­stühle errichtet. Für jeden Lehrer wird die Erlernung einer Minderheitssprache obliga­torisch gemacht. Die genannten neuen Kolle­gien haben nicht nur Grammatik, sondern auch

Zur 450jäf)tigen Jubelfeier der Eberhard- narls-Universitäl spreche ich Eurer Magnifizenz, dem Senat und der Studentenschaft meine auf­richtigen Glückwünsche aus. Der alma mater im« anmutigen, fruchtbaren Schwabenlande rufe ich am heutigen Tage ein herzliches vivat, crescat, floreat zu.

gez. v. Hindenburg."

Diesen Wünschen des Herrn Reichspräsiden­ten schließt sich die Reichsregierung von ganzem Herzen an; ist doch die Universität Tübingen schon lange vor Gründung des Deut­schen Reichs, ja ich darf wohl sagen, vom Tage ihrer Stiftung ab, ein Bindeglied für alle Stämme des weiten deutschen Volkes gewesen. Graf Eberhard im Barte hat bei der Gründung der Universität im Jahre 1477 als Ziel gesetzt einen Bronnen zu graben, damit von allen Enden der Welt geschöpft werden möge tröst­liche und heilsame Weisheit zur Erlöschung des verderblichen Feuers, menschlicher Ohn- vernunft und Blindheit".

Unö das Zie>l, das dein damals immer mehr an Boden gewinnenden Humanismus entsprach, wurde in Tübingen festgehalten.Ein Born der Wissenschaft wurde geschaffen, aus dem All­deutschlands Jugend schöpfte." Schon lange, ehe es gelang, ein deutsches, einiges Vaterland zu schaffen, saßen zu Füßen der Tübinger Professo­ren die Studiosi aus allen deutschen Gauen und gerade in den süddeutschen Hoch­schulen, voran in Tübingen, wurde nach 1848 die Sehnsucht nach einem großen, einigen deut­schen Vaterlarrde besonders wachgehalten. Man- cher, der, wie älhland sagt,des Rechts be­flissen gegen seines Herzes Drang" nach dem schönen Tübingen zog, ist als begeisterter Ver­ehrer seiner Wissenschaft von Tübingen ge­schieden; .denn Tübingen ist trotz all ihrer locken­den Schönheit der Stadt und ihrer Llmgebung, eine Stadt der Arbeit. Die akademische Freiheit wird vielleicht nirgends so genossen, wie in Tübingen, aber sie wird hier nicht miß­verstanden. sie wird nicht mißbraucht. Fichte hat als der Sünden größte bezeichnet die drei F: Faulheit, Feigheit und Falschheit. Mit Stolz können Sie bekennen, diese gedeihen in Tübin­gen nicht. Freundschaft ist es, was als das besondere Zeichen, gerade für die Tübinger Studentenschaft genannt werden kann. Eine Freundschaft, die damit vielfach dazu beiträgt, in den Gegensätzen, die sich zwischen den ein­zelnen Landesteilen ergeben, einen willkomme­nen Ausgleich zu schaffen.

Der große Erzieher Krieg hat ein mächtiges Ge­meinschaftsgefühl geschaffen, vor allem auch in der deutschen Studentenschaft, Dien st am großen Ganzen, Dienst für die 2lllgemeinheit, Dienst für das Vaterland soll die Parole für unsere aka­demische Jugend sein. Auch hier sollen sie als künf­tige Führer des Volkes mit leuchtendem Beispiel allen oorangehen. Nicht leicht wird es heute der Ju­gend gemacht, denn Kämpfe aller Art spalten und zerreißen unser Volk. Die wahre Liebe zu unserem deutschen Vaterlande findet auch hier den richtigen Weg. Niemals wollen wir vergessen, was das alte Reich uns gewesen, niemals wollen wir dulden, daß unsere ruhmreiche Vergangenheit in den Schmutz gezogen wird, aber ebenso heißen Herzens und mit ebenso großer Liebe wollen wir dem h e u- t i g e n Staate dienen, bei allen unseren Hand­lungen immer nur das Wohl des Vaterlandes im Auge haben. Hier gibt ein wunderbares Beispiel unser hochverehrter Herr Reichspräsident, der mit allen seinen Fasern im alten Staate wurzelt, dem neuen Staate aber, dem deutschen Vaterlande mit allen seinen Kräften ehrlich und treu dient. Ich weiß, hier in Tübingen, hat das nationale Wollen immer einen besonders festen Boden gehabt. Hier ist der d e u t s ch e G e d a n k e zu allen Zeiten

Aula der Eberhardt-Karl-Universität fand heute vormittag der offizielle Festakt aus Anlaß des 450jährigen Bestehens der Universität statt. Die Teilnehmer an dem Festakt begaben sich zur Aula in einem Festzug, der von Reitern und Musikkapellen eröffnet wurde. Hieraus folgten die Korporationen, die württembergische Staats­regierung und außer württembergischen Behörden die Ehrengäste, der Lehrkörper der Universität und die Beamtenvertreter. Zn der alten Aula hatte sich zu der Feier die frühere Königin Charlotte von Württemberg eingefunden, die vom Staatspräsidenten Bazille begrüßt wurde. Vor dem Festakt legte der Rektor Professor Treicdelenburg einen Kranz am Sarkophag des Universitätsgründers nieder.

Der Festakt selbst wurde durch den Vortrag des ersten Teiles der Jubiläumskantate vom Universitätsmusikdirektor Hasse eingeleitet, worauf der Rektor Prof. Trendelenburg die Festrede hielt. Die Jubiläumsfeier sei nicht nur eine Sache der Universität, sondern des ganzen württembergischen Volkes, dem die Universität soviel verdanke, dem sie soviel sein > dürfe und noch mehr sein müßte. Die Uni­versität sei sich der großen und entscheidenden Förderung bewußt, die sie von der württem- bergischen Volksgemeinschaft erfahre. Dem kleinen Lande Württemberg falle es nicht immer leicht, den steigeWen Bedürfnissen der Universität nach- zukvmme«, trotzdem sei stets alles geschehen, was im Bereich des Möglichen lag. Die Jubelfeier habe auch weit über die Landesgrenzen hinaus große Anteilnahme gefunden. Der Redner wies dann auf den regen Austausch von Interessen und Kräften im Universitätswesen über die Reichsgrenzen hinaus hin, der nur durch Fest­halten an einer gewissen Ue b e r l i e fe- rung möglich sei. Dieses Festhalten an Ueber- liefertem dürfte aber niemals zur Verhinderung des gesunden Fortschritts führen. Die Uni­versität Tübingen wolle ihr Teil dazu beitragen, daß die deutsche Wissenschaft lebe und sich durch kein Schicksal den Glauben an die Zukunft neh­men lasse.

Die Glückwünsche der Regierung und des Landtages von Württemberg überbrachte hierauf

Staatspräsident Bazille,

der u.a. ausführte, daß seit ihrer Gründung die Universität mit Leben und Geschick des württem- brrgischen Volkes aufs innigste verbunden sei. Sic habe Württemberg eine große Zahl bedeu- teirder Männer geschenkt. »Der Staatspräsident gab dann (feiner Freude Ausdruck, daß es mög­lich gewesen sei, der Universität zu ihrer Jubel­feier ein neues wertvolles Institut, big Kin­derklinik, zu übergeben und für die akade­mische Jugend einen neuen schönen Sport­platz zu beschaffen. Als Festgabe hätten Regie­rung und Finanzausschuß des Landtages einen Betrag von 120 000 Mark bewilligt. Soweit es die Finanzlage gestatte, solle die Universität in erster Linie ihre medizinischen Anstalten im den nächsten Jahren auf die den Bedürfnissen! und dem Fortschritt der Zeit entsprechende Höhe gebracht werden. Für den Erweiterungs­bau der Aula habe schließlich der Finanz­ausschuß dem Vorschlag der Regierung zuge­stimmt, im Haushaltsplan des nächsten Jahres eine Summe von mehreren Millionen Mark als ersten Teil der Dausumme bereitzustellcn. Zum Schluß gab der Staatspräsident dem Wunsche Ausdruck, daß es der Universität Tübingen be» schieden sein möge, alle Zeit ein Brunnen des Geistes für das württencbergische Volk, ein Zen­trum- der Kraft für das Land und ein Quell der Hoffnungen zu bleiben, die uns durch die Wüste dieser Zeil in das gelobte Land neuer deutscher Herrlichkeit geleite. Darauf überreichte Staatsrat Rau die Jubiläumsspende von insgesamt 450 000 Mark, worauf Oberbür­germeister Dr. Hauser die Glückwünsche der Stadt und der Einwohnerschaft Tübingens über­brachte.

Die Glückwünsche des Reichspräsiden- t e n brachte dann

Nerchskommissar Dr. Künzer

vom Rcichsministerium des Innern mit folgenden Worten:

Der Herr Reichspräsident und die Reichsregierung haben mich hierher ge­sandt, um der ehrwürdigen Eberhard-Karl-Uni­versität zu ihren, 450. Jubeltage die herzlichsten und wärmsten Glückwünsche zu überbringen. Der Herr Reichspräsident, der an dem Jubel­fest der Württembergischen Landesuniversität wärmsten Anteil nimmt, hat mir einen schrist- lrchen Gruß und Glückwunsch für Universität, wenat und Studentenschaft mitgegeben, den ich hernach Seiner Magnifizenz überreichen werde und den jetzt zu verlesen, Sie mir gestatten...

Die Glückwünsche der Hochschulen.

Staats- und Kultusminister Dr. Leut- Häuser- Weimar sprach dann im Ramen der deutschen Länder, während der RÄtor der Uni­versität Berlin, Professor Dr. T r i e p e l die Glückwünsche der Universität und der Technischen Hochschule Berlin überbrachte. Für die Stuttgarter Technische Hochschule und zugleich für die übrigen deutschen technischen Hochschulen sprach Pros. Dr. Schmoll v. Etsenwcrth, der eine Bronze- figur aus der Hand des Stuttgarter Bildhauers, Professor Janssen als Geschenk für die neue Aula überreichte. Für die landwirtschaftlichen Hoch­schulen beglückwünschte die Jubilarin Prof. Dr. Plieninger -Hohenheim. Für diewürttember- gische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft übergab dann Professor Dr. Ewald-Stuttgart der Universität ein Schriftblatt. Den Reigen der Gratulanten aus dem Auslande eröffnete Professor Dr. Dop sch-Wien, der die Wünsche der österreichischen Hochschulen sowie der Univcr- vcrsität Prag übermittelte und dabei auf die innigen Beziehungen zwischen dem Schwaben- lande und Oesterreich in der Vergangenheit hin­wies. Die Grüße der Universitäten Zürich, Bafel, Bern und Freiburg überbrachte dann Professor Dr. Miggli-Zürich während für die, mit der Universität Tübingen gleichaltrige Universität Upsala Professor Pshlander sprach Zum Schluß übernrittelte- Professor de Marnetz- Baruch Reuhork, die Glückwünsche der Ver­einigten Staaten von Rvrdamerika.

Sodann erfolgte die Bekanntgabe der Ehren- ernennungen. Unter ihnen befinden sich seitens der rechtswissenschaftlichen Fakultät der frühere Staatspräsident Dr. H i e b e r und der württember­gische Minister Beyerl«, seitens der wirtschaftlichen Fakultät Generalfeldmarschall Herzog Albrecht von Württemberg, seitens der medizinischen Fakultät Staatspräsident Bazille.

Nach Beendigung des akademischen Festaktes trafen sich die Ehrengäste, Professoren und Ver- treter der Studentenschaft zu einem Festessen im Rittersaal auf Schloß Hohentübingen, der in seiner alten Große wieder freigelegt und festlich geschmückt war. Nach einer Begrüßungsansprache des Rektors Dr. Trendelenburg hielt der Kanzler der Uni- verfität, Staatsrat Dr. Max Rümelin, eine An- spräche, in der er auf die Not der Universitäten nach dem Kriege hinwies. Er betonte dabei, daß der Blick nunmehr frei geworden sei, und daß die wissenschaftlichen Kreise des Auslandes den früheren Boykott bereuten, der, was auch die Urheber, die Franzosen, selbst eingestehen müßten, nicht uns, sondern ihnen s e l b st geschadet hat. Der Redner schloß mit einem Hoch auf das schöne Württem­berg, seine Regierung und feine Volksvertretung. Staatspräsident Bazille brachte in einer kurzen Erwiderung einen Trinkspruch auf die Universität aus. Ferner sprachen Landtagspräsident Körner und General der Infanterie Reinhardt- Kassel. Mit großem Beifall wurde die Verlesung eines Huldigungstelegramms an den Reichspräsidenten ausgenommen. Im Anschluß hieran wurde das Deutschlandlied gesungen.

Nach dem Festessen wohnten Ehrengäste, Pro- fesioren und Studenten einer Festvorstellung des Württembergischen Landeslheaters in Stuttg.irt bei, das SchillersR ä u b e r" in neuer In­szenierung bei großem Beifall aufführte. Den Ad- schluß des ersten Festtages bildete ein F a ck e l z u g.

Rumänien nach dem Thronwechsel

Max Perlmann, Bukarest.

Rumänien ist durch beft Tod König Fer­dinands vor schwierige dynasttsche und inner- politische Probleme gestellt. Auch 1914, mitten im Strudel des großen Völkerkampses, hat Rumänien seinen König verloren. Aber König Carol hinterließ, währerrd an den Grenzen des damals noch kleinen Königreiches die Flammen des Krie­ges hell aufleuchteten, dem Lande wenigstens geordnete dynastische Verhältnisse. Damals tonnte der jetzt verstorbene König Ferdinand als von arten Parteien anerkannter Monarch den Thron be­steigen. Wie damals, lodern auch heute Kriegs- flammmr. wenn sie auch aus dem fernen Osten kommen. Heute sind wir mitten im englisch-russi­schen Konslitt, der ohne Zweifel bei weiterer Zu­spitzung auch Rumäicien als ein an der Peri­pherie-legendes Land mit in die Wirnisse hinein­ziehen würdg Aber heute besteigt den Thron der kleine König Michail, ein Kind mit goldenen Locken, das ich noch unlängst auf einem Rad auf der Chaussee spielend sich tummeln sah. Gewiß, die Geschichte sagt, daß auch in anderen Ländern Kinder auf Throne gesetzt worden sind und daß in ihrem Ramen eingesetzte Regenten Jahre hin­durch regiert haben. Aber wir leben heute in anderen Zeiten. Wir haben die größte Revolu­tion, die die Weltgeschichte registriert hat, kaum hinter uns. wir haben auch kaum die bewegten Rachkriegsjahre überwunden, in denen ein Thron nach dem anderen stürzte.

Die erste große Frage, die sich neben andere drängt, ist die: W^e wird sich der Exkron­prinz Carol verhalten? Von ihrer Beant­wortung wird es abhängen, ob man, mindestens für die allernächste Zukunst, mit ruhigen oder bewegten Verhältnissen in Rumänien wird rech­nen können. Im Dezember 1925 hat Kronprinz Carol seinen Thronverzicht ausgesprochen. Man hat allerlei Gründe dafür angegeben. Einige offiziösen Charakters wollten wissen, daß es der Frau Lupescu wegen geschehen sei; andere, von Fr unden des ehemaligen Kronprinzen lan­ciert, besagten, daß Carol infolge einer vom jetzigen Ministerpräsidenten B r a t i a n u ange­zettelten Intrige zur Abdankung gezwungen worden sei. Es ist außer Zweifel, daß der jetzige Ministerpräsident Bratianu, der auch damals die polittschen Geschäfte des Landes leitete, bei der Abdankung Carols die Hand im Spiet gehabt hat, was durch die unerbittliche Feindschaft Carols gegenüber Bratianu erklärt werden könnte. Aber immerhin es ist Carol gewesen, der mit Frau Lupescu wegfuhr, und es lag schließlich bei Carol, seine Llbdankung einzureichen oder nicht. Kein Mensch konnte ihn dazu zwingen. Ist er nach dieser Richtung hin beeinflußt" worden, wie es seine Freunde behaupten, dann wird ihm damit gewissermaßen ein Armutszeugnis aus­gestellt. Denn der Königssohn, der Thronfolger war, konnte mit mindestens ebenso starten Mitteln gegen Bratianu kämpfen wie dieser gegen ihn. Man muß bei der Handlungsweise Carols an­nehmen, daß er mit wenig dtteberlegung und unter dem Eindruck jener schönen Frau auf den Thron verzichtet hat.

And nun? Auf der einen Seite, hier in Buka­rest, steht die Legalität, die Bratianu mit eiserner Faust überwacht, mit der Michail zum König proklamiert und die Regentschaft vom Par­lament in ihre Funktionen eingesetzt wurde. Auf der anderen Seite, an den Äsern der S.äne, lebt Carol, der Sohn des verstorbenen Königs Ferdinand und Vater des erst fünfjährigen Königs Michail, und möchte gern^den Platz, auf den er einst für nichts oder wenig verzichtet hatte, wieder haben. Vor dem Tode seines Vaters hatte er laut, damit man es in Bukarest hören sollte, betont, er sei entschlossen, nach Ableben des Königs seine Rechte geltend zu machen. Run hat er aber auf diese Rechte eben verzichtet und gäbe es in Rumänien eine geschlossene Front der Parteien in dieser Frage, würde nichts mehr zu ändern fein.

Die ganze Lage ist aber gerade in der Auf­fassung über die Thronfolge noch recht unklar. Die stärkste Partei des Landes, die liberale, mit Bratianu an der Spitze, unterstützt von der Unabhängigen Bauernpartei Dr. L u - p u s, die jetzt die Regierung bilden, tritt für die bestehende verfassungsmäßige Lösung ein. Aber auf der andern Seite steht die starke Persön­lichkeit des Prof. Rikolas Sorga, des ehemali­gen Lehrers Carols und jetzigen Führers der nicht allzu bedeutenden Rationalpartei, der für Carol kämpft. Die nicht sehr starke Volks- Partei des Generals Averescu wiederum nimmt eine nicht geradlinige Haltung ein; vor­läufig scheint sie sich zu einer Carol-Partei zu entwickeln.

Das Schwergewicht jedoch liegt bei der Bauernpartei und beim Verhalten der Armee. Rach dem, was man bisher hört, ist cs der Dauetmpartei so ziemlich gleichgültig, wer auf dem Thron sitzt. Was sie aber fordert, ist: stärkere Demokratisierung des Lan­des und Garantien, daß die 2regentschaft u n - parteiisch regieren wird. Dei ber Bedeutung der Bauernpartei als dem Sammelbecken der Bauernschaft und des Kleinbürgertums ist es von größter Wichtigkeit, ob die Regierung und diese Partei zu einem Einvernehmen kommen. Gelingt es Bratianu, das Einvemehme." her- beizuführen und man braucht bei seiner gro­ßen Geschicklichkeit und Geschmeidigkeit darüber kaum im Zweifel zu sein dann ist Rumäniens Ruhe gesichert. Wenigstens von der dynastischen Seile her. Denn, wenn es auch wahr ist, daß große Teile des Offizierkorps mit Carol

sympathisieren, so ist es nicht minder wahr, daß diese Sympathie weniger persönlich ist, als aus ber Antipathie gegen Bratianu re­sultiert und daß diese Offiziere ihre Hoffnung auch auf die Bauernpartei richten. Eine Ver­ständigung der Regierung mit dieser im Volke und in ber Armee populären Partei in den wichtigsten Fragen würde also den jetzigen kon­stitutionellen Zustand für die allernächste Zu­kunft festigen. *

Eine andere Frage ist es, was mehr die Kon­tinuität der Monarchie in Rumänien gewährleistet, der jetzige konstitutionelle Zustand oder die Rückkehr Carols. Man kann, angesichts des bisherigen Ver­haltens Carols vielleicht ersteres bejahen, wenn wir auch, wie gesagt, l;eute nicht mehr in Zeitaltern leben, in denen einem fünfjährigen Knaben ein Königtum durch eine Regentschaft auf 13 Jahre leicht erhalten bleiben kann. Doch das ist keine akute Frage und nur die Zukunft kann lehren, ob Ru­mänien Monarchie bleiben oder ob diese langjäh­rige Regentschaft auch dieses Land an der Donau der republikanischen (Staatsform zuführen wird.

Ein neuer Oettrrieg.

Amerika, England

nnd das russische Petroleum.

B e r l i n , 26. Juli. Der Weltpetroleuin-Markt steht wieder einmal im Zeichen heftiger Jnteressen- käinpfe. Diesmal gehen die Auseinandersetzungen um das russische Erdöl. England, dessen ver­antwortliche politischen Führer zwar immer wieder betonen, sie dächten nicht daran, Rußland zu schä­digen, haben nicht gezögert, auch dem russischen Pe­troleum den Kampf anzusagen. Die Royal- Shell-Gruppe ist sogar so weit gegangen an­zudrohen, daß sie russisches Del, das im Machtbe­reich des britischen Staates zum Kauf angeboten wird, beschlagnahmen lassen werde, weil es gestohlenes Gut sei und den entschädigungslos ent­eigneten englischen Quellen auf russischem Terri­torium entstamme. Dieses gewaltsame Vorgehen gegen die russische Konkurrenz ist natürlich unfair, es wird aber in England nicht verurteilt, weil an sich die Stimmung antirussisch ist und man es in­

folgedessen für durchaus richtig hält, die russische Enteignung mit der englischen Beschlagnahme zu beantworten. In diesem englisch-russischen Petro­leumkrieg spielen aber noch die Amerikaner eine große Rolle. Ein Teil der in der Standard D i I C y. vertretenen Gesellschaften möchten mit den Russen ein gutes Geschäft machen, der andere Teil aber, der wiederum mit den Engländern zusammen­arbeitet, versucht sich der Einstellung der Washing- toner Regierung und des amerikanischen Volkes anzupassen und lehnt jede Geschäftsverbindung mit den Russen ab. Nach allem, was inzwischen durchge­sickert ist, hat es Herr Rockes eller, der Petro­leumkönig, doch für richtig gehalten, sich dem ameri­kanischen Volk als Antibolschewist vorzustellen, gleichzeitig aber mit den Russen Verkaufsoerträge abzuschließen, damit die in Aussicht stehenden Ge­winne nicht etwa von einem lachenden Dritten ein­gesteckt werden. Die Engländer sind hinter die Schliche der Standard Dil längst gekommen; sie tobens zwar, werden aber diese amenkanisch-russische Zusammenarbeit, zu der jetzt der Grundstein gelegt worden ist, nicht mehr zerschlage^ können.