Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 26. Juli 1927
Wenn die Uhr steht . . .
Die Uhr, die nicht unser Eigentum ist. sondern drüben an dem Dachreiter der Schule hängt, steht seit einigen Tagen still. Vermutlich ist der Mann, der sie sonst in Gang hält, in Ferien. Jedenfalls ist er nicht sehr von der Wichtigkeit seines Zeiteinteilers überzeugt, weil er sonst für richtiggehenden „Dreh" weiter gesorgt haben mühte. Denn mit einemmal wird man das Gefühl nicht los, als ob eine Lücke in dem gewohnten Ablauf der Stunden klaffte. Man vermißt den Zeigefinger des Schicksals, der mit einem Schlage (oder mehreren) die jeweilige Sachlage erhellte, (obwohl bei manchen Menschen der Magen die gleichen Dienste mit fast uhrhafter Pünktlichkeit versieht).
Unsere Uhr hat sich uns plötzlich als wichtigster Zeitfaktor wieder deutlich in Erinnerung gebracht. Die Stand-, Küchen- und Taschenuhr und der Wecker gehen zwar ihren Gang weiter, aber man hat nicht mehr die Garantie und die Kontrolle darüber, daß eine Uhr nicht auch einmal mit der Tücke des Objekts liebäugelt, um subjektiv ihre Notwendigkeit zu beweisen. Denn mit der „Erhabenheit über Zeit und Raum" läßt sich wohl ein Brustton der Lieberzeugung vortäuschen, in Wirklichkeit jedoch läßt „des Dienstes ewig gleichgestellte Llhr" ihr Ticken wie ein Motor-Schrittmacher immer neben uns vernehmen. Das merkt man erst recht, wenn eine ilfjr still steht, die gewissermaßen das Zeit- zeichen für einen größeren Kreis von Menschen abgibt, die als der Regulator der Llmgegend anerkannt ist. •
Man erwacht frühmorgens und sieht nach der LIHr. Halb elf. Man lacht. Halb ärgerlich, halb vergnügt. Eine Uhr, die falsche Tatsachen vorspiegelt, ist nicht mehr wert als ein rotgestempelter Tausendmarkschein. Rach der neuen Vierundzwanzig-Stunderueit also: 0,00. Man sitzt am Frühstückstisch und ist unruhig. Man wartet auf den Rufer zum Streit (um di« Belange des Lebens). Der eherne Mund macht Pause, als ob er sagen wollte: Sieh zu. daß Du auch ohne mich weiterkommst I
Ungeteilte Freude über das stillstehende Rad der Zeit habens nur diejenigen, für die Zeit gleichbedeutend mit Zwangsjacke ist, wenn sie rechtzeitig zu Hause sein sollen: die Kinder.
K.J.G.
Abgabe von Achlungsstgnalen an unübersichtlichen Straßenkreuzungen.
Das nachstehend besprochene Urteil dürfte für weitere Kreise von Interesse sein.
Der Angeklagte war mit einer Geldstrafe belegt worden, weil er an einer durch Steigungen und Krümmungen besonders unübersichtlichen Straßenkreuzung kein Warnungssignal abgegeben hatte. Seine hiergegen gerichtete Revision wurde aus folgenden Gründen verworfen.
„Die jetzige Fassung des § 19 Abs. 1 Krf.VO. hat inhaltlich an der Vorschrift des § 19 Abs. 1 der VO. vom 3. November 1910 nichü geändert ui d namentlich ihren Zweck unberührt gelassen, andere Personen, die durch das herannahende Kraftfahrzeug gefährdet werden können, rechtzeitig auf die Gefahr aufmerksam zu machen und so Unfällen vorzubeugen. Dieser Zweck würde nur unvollkommen erreicht werden, wenn der Führer, der nur die Fahrbahn in gerader Richtung voraus innerhalb dichtbebauter Ortsteile übersehen kann, nur nach der subjektiven Beurteilung der erkennbaren Vcrkehrsverhältnisfe sollte ermessen dürfen, ob WcrrnungSzeichen geboten seien oder nicht. Er muß an unübersichtlichen Straßenkreuzungen oder Abzweigungen stets mit der M5gli<Äeit rechnen, daß andere Personen, insbesondere Kraftwagenführer, Reiter, Radfahrer, Fuhrwerkslenker, seine Fahrbahn kreuzen ober in diese einlenken wollen, und auch mit der ferneren Möglichkeit, daß dies in der normalen Geschwindigkeitsgrenze von 20 bis 30 Knr. in der Stunde geschieht; er muß nicht minder damit rechnen, beim Befahren einer durch starke Steigung und Krümmung besonders unübersichtlicher Straßenkreuzung, wie sie festgestelltermaßen am Tatorte gegeben war. Will der Kraftwagenführer erst Einblick in die Verkehrsverhältnisse nehmen, um sich zu entschließen, ob er War- nungszcichen geben soll oder nicht, so wird es bei 30 Km. Stundengeschwindigkeit meist zu spät fein, um ein Unglück durch Zusammenstoß abzuwenden. Das Warnungszeichen soll dem aber vorbeugen und es ist nicht dann abzugeben, wann die Verkehrssicherheit es erfordert, sondern überall d a , w o dies der Fall ist. An besonders unübersichtlichen Straßenkreuzungen erfordert die Verkehrssicherheit die Abgabe von Warnungszeichen schlechthin und es kann nicht darauf ankommcn, daß im entscheidenden Zeitpunkte die Derkehrsverhaltnisse am Tatorte — die der Kraftwagenführer gar nicht übersehen kann, die Warnungsbedürftigkeit etwa ausschließen, weil die Kreuzungsstelle zufällig von anderen Personen nicht berührt wurde."
Das Urteil lehnt die von der Revision vorgebrachte Auffassung, wonach für die Llbgabe von Warnungszeichen die jeweiligen Verkehrsverhältnisse am Tatort entscheidend seien, ausdrücklich als nicht begründet ab.
„Geld und Erfahrung"
ist der Titel einer Novelle, mit deren Abdruck wir. nachdem der Roman von Elvestad heute abgeschlossen wurde, in der morgigen Nummer beginnen werden. Die Erzählung stellt einen in sich abgeschlossenen Teil des großen Romanwerks „Hinter Pflug und Schraubstock' von Max G y t h dar. Hier erzählt Eyth, Schriftsteller und Weltreisender, Ingenieur und Entdecker in einer 'Person, Überaus anschaulich und mit einem in der Tiefe seines schwäbischen Gemüts wurzelnden Humor von seinen Lehr- und Wanderjahren drüben im neuen Erdteil, im Lande der phantastischen Möglichkeiten und der unbedingten Herrschaft des allgewaltigen Dollars. Eine einfache, aus nüchternster Wirklichkeit geborene Geschichte vom täglichen Leben, in der nichts erfunden und erdichtet, aber alles und jedes ergebt und erarbeitet ist. Wir hoffen mit dieser Kapitelfolge recht vielen ßef«rinnen und Lesern eine Freude zu machen.
Gieüeuc,.' '^üchenmLrktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 130 bis 190 Pfennig, Matte 25 bis 35, Käse 60 bis 140, Wirsing 20 bis 25, Weißkraut 20 bis 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben
| 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Römischkohl 10 bis lo, Bohnen, grüne 20 bis 30, gelbe 25 bis 35.
I Erbsen 20 bis 35, Mischgemüse 15, Tomaten 30 bis 55, Zwiebeln 20, Rhabarber 15 vis 20 Pilze 20 bis 40, Kartoffeln 8, Birnen 40, Kirschen 55 bis 60, Heidelbeeren 50, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 85 Himbeeren 35 bis 50, Zwetschen 60, Reineclau.
§onig 45 bis 50, junge Hahnen 100 brs 110, Suppenhühner 100 bis 120: das Stück: Eier 11 bis 13, Blumenkohl 20 bis 100 Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 70, Einmachgurken 8 bis 10, Ober-Kohlrabi 5 bis 20, Rettich 10 bis 15, Radieschen (Bd.) 10 bis 15, Tauben 60 bis 70 Pfennig.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Palast-Lichtspiele: „Die Großfürstin und ihr Kellner . —- Astorra-Lichtsp.ele: „Gauner im Frack'.
** Hindenburg - Wohlfahrtsbrief- marke. Die Deutsche Reichspost wird in Ausführung eines Beschlusses der Reichsregierung zum 80. Geburtstag des Reichspräsidenten eine Hindenburg-Briefmarke Herausgebern Es werden vier Markenwerte zu 8, 15, 25 und 50 Rpf. hergestellt: ferner ist die Ausgabe einer Postkarte mit eingedruckter Marke zu 8 Rpf. in besonderer Ausstattung geplant Alle diese Marken und die Postkarte werden zum doppelten Preise des Nennwertes für einen beschränkten Zeitraum — etwa von Mitte September ab — verkauft werden. Es wird nur eine beschränkte Auflage gedruckt. Nach Ablauf der auf mehrere Mo- natc zu bemessenden Laufzeit werden etwaige Restbestände zurückgezogen werden.
•* Sportfest der Garnison. Wie wir hören, veranstaltet das hiesige Grenadier-Bataillon Mitte August ein großzügiges Turn-, Sport- und Schwimrnfest, bei dem auch militärische Dor- führungen, wie Maschinengewehrhindernislauf, Nachrich'enstafetten, Handgranatenwerfen und Patrouillcnläufe vorgeführt werden. Die Dorkämpfe, ein Gepäckmarsch und das Wettschwimmen finden in der Zeit vom 10. bis 18. August statt, die Hauptkämpfe mit einem sportlich, turnerisch und militärisch wechselnden, reichhaltigen Programm sind auf den 21. August von 15.30 Uhr bis 18 Uhr festgesetzt. Soweit sich daS Programm übersehen läßt, wird die Gießener Bevölkerung durch den Besuch dieser Veranstaltung einen Einblick in die vielseitige sportliche und militärische Ausbildung unseres Heeres erhalten. Abends soll ein bunter Abend mit Preisverteilung und großem Zapfenstreich das Bataillon mit der Bürgerschaft vereinen.
** Zwei Unfälle. Infolge des strichweise starken Nebels wurde heute nacht gegen 3 Uhr auf der Landstraße zwischen Großen- Linden und Gießen der sich auf dem Heimweg befindende Lehrling Walter Weller "so stark von einem Motorradfahrer ungefähren, daß er einen Unterschenkelbruch erlitt und einig: Kopfverletzungen davontrug. Der Verletzte wurde mit dem städtischen Sanitätsauto in die Chirurgische Klinik verbracht. — Der Postbeamte Wilhelm D v l l h a a r wurde gestern auf der Hauptpost durch herabstürzende Kisten verletzt und muhte ebenfalls durch das städtische Sani- tätsauto in die Chirurgische Klinik verbracht werden.
*• Der Polizeibericht meldet: In der Zeit vom 22. nachm. bis 23. vonn. d. M. wurden auf dem Dache eines Neubaues in der Karl-Dogt- strahe Hwei acht Meter lange, 2*/z Zentimeter dicke Gerüstseile (Plankenseile) zerschnitten und die Stücke von je [€$8 Meter Länge entwendet. Personen, welche über die Täterschaft Wahrnehmungen gemacht haben, werden ersucht, die Kriminalpolizei in geignetet Weise zu verständigen. — Sn der Nacht zum Sonntag entstand in der Bahnhofstraße und Löwengasse eine Schlägerei, wobei Ruhestörung erregt wurde, so daß ein Ehepaar, trotz polizeilicher Derwarmmg in Polizei gewahr sam genommen werden mußte. — In den letzten Tagen ist hier wieder ein Schwindler aufgetreten, der in einem hiesigen Kolonialwarengefchäft erschien.-um 10 Mark Silbergeld gegen einen Zehnmarkschein umzuwechseln, da er diesen Schein in einem Einschreibbrief fortschicken wollte. Es wurde ihm auch von der Geschäftsfrau ein 10-Markschein gegeben. Als er das Hartgeld vorzahlte, fehlten 50 Pf., und er bemerkte, er wolle schnell noch 50 Pfennig holen, er sei ja in der Nachbarschaft auf einem Büro beschäftigt. Er ließ den Brief, welcher mit 40 Pfennig Porto oerfefjen war, liegen, nahm jedoch das Hartgeld und den Zehnmarkschein mit und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Als einige Zeit verstrichen war, öffnete die Geschädigte den Brief, worin sich nur Papierfchnitzel befanden. Vor dem Betrüger wird hiermit gewarnt. Mehr Vorsicht bei unbefannten und redegewandten Personen!
WEN. Gegen die Fliegenplage. Fliegen sind nicht nur lästig, sie können auch sehr gefährlich werden. Sie können Krankheitskeime auf Lebensrnitteln absetzen, die dann in Magen und Darm des Menschen gelangen. Alle Lebensmittel sollte man daher verschlossen aufbewahren oder sie durch Glas- oder Drahglocken überdecken. Die Vorrichtungen zum Wegsangen der Fliegen mit -Fliegenleim, z. D. die FUegendüten, die Bandstreifen ufto. sind zwar zweckdienlich, bieten aber einen unschönen Anblick Gute Dienste tut immer noch die Fliegenklatsche. Auch gutes Jnsekterrpulver, daß man zerstäubt, kann zur Beseitigung der Fliegen dienen. Das beste Mittel ist die Vorbeugung. Die Larven, das sind dicke, weiße Maden, vernichtet man durch Chlorkalk. Jede Fliege, die sich bemerkbar macht, sollte man schnell töten, denn wenn sie leben bleibt, farni sie sich binnen wenigen Monaten auf 20 000 Stück vermehren.
•• Der Gießener Schühenverein E. V., welcher sich seit Jahren die Pflege des Jungschühen-Wesens angelegen sein läßt, hatte auf dem Deutschen Bundes schieß en in München einen großen Erfolg. Der Jungschühe Heinrich Balzer (Sohn des Weinhändlers Aug. Balzer, Braugasse), welcher der Jungschützenabteilung seit deren Gründung angehört, hat trotz der großen Konkurrenz aus ganz Deutschland auf der Festscheibe .Germania" als erster Sieger den 1. Preis, den goldenen Siegesbechsr, errungen.
— Don der Deutschen Dolksparteä. Wie wir hören, findet der Parteitag der Deutschen Dolkspartei für die Provinz Oberhessen am 20. und 21. August in Bad-Nauheim statt. Als Aufta-kt zu den im Herbst erfolgenden Landtagswahl. n wird ihm eine größere als nur provinzielle Bedeutung zukommen, er wird auch von Vertretern anderer Provinzen, außerdem von dem Parteivorstand und der Landtagsfraktion der Partei besucht werden. Am 20. August ist ein Begrüßungsabend am Teichhaus in Bad-Nauheim vorgesehen, in dessen Ver
laus Landtagsabg. Dr. Dingeldey über die Landespolitik und die grundsätzliche Stellung der Partei zur Landtagswahl sprechen wird. Für die Haupttagung am 21. August wird Reichstagsabq. Dr. Becker- Hessen als Redner erwartet. Der Haupt- Dcrfamlung schließen sich nachmittags die Sitzungen und Besprechungen der Sonderausschüsse an. Im Verlauf der Tagung sind für die Teilnehmer Führungen und Besichtigungen der Badestadt vorgesehen.
** Sonderzug zum Marburger Uni- oersitätsjubiläum. Wie der Marburger Verkehrsverein mitteilt, wird zum Unioersitätsjubiläum
am Sonntag, 31. Juli, ein Sonderzug von Marburg nach Frankfurt a. M. fahren. Der Zug verläßt Marburg 0.30 und trifft in Gießen 1.19 ein. Dieser Zug bat in Gießen sofortigen Anschluß an einen zweiten Sonderzug, der in Frankfurt 3.33 eintrifft. Die Abfahrtszeit ist mit Absicht so spät gelegt; damit die Besucher außer dem Schloßsest auch noch die Schloßbeleuchtung sich ansehen können.
Aufgehobene Straßensperren. Folgende Straßensperrungen sind wieder aufgehoben worden: Friedberg—Bad-Nauheim— Niedermörlen, und Lollar-Landesgrenze, Richtung Sichertshausen.
Turnen, Sport und Spiel.
Aus dem Turngau Hessen.
—o— Das Turnjahr eilt nunmehr seinem Höhepunkt, dem 3 3. M i 11 e l rh e i n i s ch e n Kreis- t u r n f e ft, zu, das zu Darmstadt Ende dieser Woche zu voller Entfaltung kommt. Als eine Vorbereitung dazu wirkte für die Hessenturner das kürzlich zu H e u ch e l h e i m erfolgreich abgelaufene Gau turnfest, während die Turnerinnen unter Leitung ihres Gaufrauenturnwartes Rudolf Paul (Gießen) am vergangenen Sonntag nochmals zu Gießen in der Turnhalle des Tv. 1846 (Steinstraße) zu einer gut besuchten Dorturnerstunde zusammengekommen waren, um die Frei- und Geräteübungen einer letzten Ueberprüfung zu unterziehen. Das 7. Gau-Frauenwetturnen, für das z. T. dieselben Hebungen gelten wie für das Kreisfest, findet am 28. August zu Kirchhain (Bez. Kassel) statt. Zum ersten Male kommen die Turnerinnen des Gaues Hessen nach dem freundlichen Städtchen, aber sie finden dort eine seit Jahrzehnten turnfrohe Bürgerschaft, die in der Zurüstung und Durchführung turnerischer Wettkämpfe und in Gastfreundschaft wohl erprobt ist: gern erinnern sich die Turner an die schönen Gauturnfeste in den Jahren 1900 und 1914. Am Vorabend schon werden sich bewährte Frauenabteilungen des Gaues in der Festhalle zu einem Schauturnen zusammenfinden, das unter dem Leitwort „Deutsches Frauenturnen" einen Einblick in die Vielgestaltigkeit dieses Gebietes geben wird. Auch die Turner des Gaues werden sich noch einmal treffen auf der Gauturnfahrt, die für den 21. August von dem Tv. Krofdorf vorbereitet wird. Die Wettkämpfe des Tages beschränken sich auf das Volksturnen, das in drei Stufen, diesmal Kugelstoßen, Weit- und Weithochfprung und Laufen über 100-Meter zum Austrag stellt. Der örtliche Bru- deroerein verbindet damit die Feier seines 40jäh- rigen Bestehens, währenddessen er sich unter der Leitung bewährter Führer zu einer geachteten Stellung im Gau emporgearbeitet hat. Wettkämpfe im Dolksturnen wurden schon im Vorsommer im Rahmen der sechs Bezirke durchgeführt, so daß nunmehr bei der Zusammenfassung im Gau mit beachtens- werten Leistungen gerechnet werden kann, insbesondere was die Meisterschaftskämpfe und das Schauturnen anlangt.
Turngau Lahn-Dünsberg.
Am Sonntag fand in Dorlar das diesjährige Gauwettschwimmen statt: der Turnverein Dorlar hatte einen schönen Platz der Lahn im Kanal unterhalb der Mühle Marx dazu hergerichtet. Um 2 Uhr traten 39 Schwimmer an. Es wurde geschwommen 100 Meter Stilschwimmen. Hieran answlie^end wurde noch neun Turnern ihr Pflichtschwimmen für das Sportabzeichen durch den 1. Gautumwart Schmidt und 2. Gautumwart Keller abgenommen. Alle neun haben ihre Prüfung gut bestanden. Die Siegerverkündigung zeigte folgendes Ergebnis: 1. Artur Schmidt, Garbenheim, mit 1: 35,5: 2. Reinhard Schäfer, Kinzenbach, mit 1:38,5; 3. Adolf Wolf, Lollar, mit 1:39,5; 4. Fritz Geier, Ahbach, mit 1:40,7: 5. Erwin Zimmermann, Aliendorf a. d. Lda., mit 1:41; 6. Wilhelm Rupp, Garbenheim, und August Deibel, Lollar, mit 1:41,5; 7. Alfred Schaum, Garbenheim, mit 1:41,8; 8. Otto Dietz, Lollar, mit 1:42.7.
SyieLvereinigung 1900 Bietzen.
Glänzendes Abschneiden der 1900er Leichtathleten in Frankenbcrg.
ö. Am vergangenen Sonntag starteten die Leichtathleten der Spielvereinig. 1 9 0 0 bei den Rationalen Wettkämpfen des S. V. F r a n k e n b e r g, die unter sehr guter Beteiligung aus Kassel, Korbach, Marburg, Gießen, Frankenberg u. a. bonftatten gingen. Die 1900er errangen insgesamt 20 Preise. 4 erste, 8 zweite und 8 dritte, obwohl sie ohne den größten Teil ihrer ersten Rennmannschaft antreten mußten. Eldracher, ©ei ft, Langlotz, © uhot und Becker starteten auf dem akademischen Olympia in Königsberg und konnten so die Farben ihres Dercins nicht vertreten. Die Wettlämpse selbst gingen bei guter Witterung bonftatten und brachten zum Teil ganz vorzügliche Ergebnisse, die um so höher zü bewerten sind, als die Plahberhältnisse (Grasbahn) schlecht waren.
Offene Wettbewerbe. Hier waren bon den 1900ern nur wenige Leute gemeldet wegen des Fehlens berschiedener Senioren. Der bielfcitige Seipp gewann ganz überlegen den Fünfkampf mit 254 Punkten bor Weingärtner, Kurhessen Kassel, mit 228 Punkten und Bott, ebenfalls Kurhessen Kassel. Im Rahmen des Fünfkampfes erzielte Seipp die beste Hochsprungleistung des Tages mit 1,62 Meter; trotzdem wurde ihm der erste Platz in der Einzelkonkurrenz nicht zuerkannt, da er irr- tümlicherweise nicht gemeldet war. Im Diskuswerfen erzielte er 33,70 Meter und wurde damit Dritter hinter Gary, 88 Marburg, mit 34,50 und M o h l, D. s. D. Gießen. Im 800-Meter- Lauf wurde Blei Dritter. hinter den beiden Vertretern bon Kurhessen Kassel. Die 4x100- Mcter-Stafsel bestritten die 190Cer mit der Mannschaft Hopfenmüller, Birkenstock, Delbert, Seipp, die sich nach glänzendem Lauf um nur 3 Meter hinter den in 47,5 siegenden Kurhessen Kassel mit dein 2. Platz in 47,9 ab, finden mußten. Ferner liefen Frankenberg und Kurhessen Kassel II.
Juniorenwet tbewerbe. Heber 200 Meter lief Delbert, 1900, ein gutes Reimen, 2 Meter hinter Bott, Kassel, wurde er in 25,8 Zweiter bor Wagner, Marburg. Recht gut hielt sich Birkenstock 1900, über 400 Meter, in einem scharfen Endkampf wurde er mit 59,0 ebenfalls Zweiter. Peters ging mit einer Futzverletzung in das 1500-Meler-Rennen, die ihn auf der unebenen Grasbahn stark behinderte. Den Lauf gewann der frühere 1900er Gerstenhauer, jetzt Kurhessen Kassel, in
4:37,0; Peters wurde Dritter. 2m beidarmig gen Kugelstoßen belegte 2 irkenstock, 1900, mit 17,57 Meter einen guten 2. Platz hinter M o h l, V. f. B. Gießen. Die olympische (Staffel gewann Kurhessen Kassel 4 Meter vor 1900 nach hartem Kamps. Peters, Delbert. Völker und B i rfenftod liefen hier ein schönes Rennen; die übrigen Monnscyaften griffen nie in das Reimen ein.
Anfängerwettbewerbe: In dieser Klasse konnte sich Hopfen müller. 1900, in allen bc- ftrittenen Konkurenzen plazieren. Die 100-Meter brachten einen hartnäckigen Kampf zwischen H i in - melmann, Frankenberg, und dem 1900er, den der letztere im Ziel mit Brustbreite für sich entschied, beider Zeit 12,1 Min. Sehr gut hielt sich hier R i ch t b e r g. 1900, der seil längerer Zeit zum erstenmal wieder startete, 3 Meter hinter den beiben ersten wurde er in 12,5 Min. Dritter. Im Hoch, sprnng siegte 'Vogelsang, Germania Marburg, mit 1,60 Meter, im Stichkampf sicherte sich Hov. f e n m ü 11 e r mit 1,55 Meter den 2. Platz. Trotz der guten Leistung von 40,30 Meter wurde er im Speerwerfen nur Dritter hinter Hartmann. S. V. Korbach mit 43,10 und Dörrbecker, Kur- Hessen Marburg mit 40,90. Im Dreikampf siegte ebenfalls Hartmann, Korbach, mit 134 vor Hopfenmüller mit 124 und Himmelmann mit 120 Punkten.
Jugendklasse A: Hier war als Einzelkon- kurrenz nur ein Dreikampf ausgeschrieben. Der talentierte 1900er Völker siegte ganz überlegen mit 220 Punkten. Sein Klubkamerad Maus sicherte sich den dritten Platz. In der 4X1OO-Meter-Staffel stellten die 1900er eine kombinierte Mannschaft mit Müller. Kraushaar. Maus, Völker, die trotz schlechter Wechsel zu einem zweiten Platz in 50,8 hinter Kurhessen Marburg vor Frankendach und Marburg II. kamen.
Jugendklasse B: Den Dreikampf gewann H. M ü 11 e r mit großem Punktvorsprung vor Schettler, Marburg, und seinem Dereinskame- raden Balser. Besondere Erwähnung verdienen der hervorragende Speerwurf von Müller mit 44,80 Meter und der gute Weitsprung von Bal - s e r mit 5,65 Meter, der leider wegen knappen Hebertretens keine Anerkennung fand.
D. f. V.
Der vor kui^em erfolgte Hebertritt des hiesigen bekannten Militärsportvereins „Hessen* zum Verein für Bewegungsspiele bedeutet für den letzteren nicht allein eine rein ziffernmäßige Verstärkung, sondern vor allem eine wesentliche Hebung der Spielstärke aller aktiven Fußballmannschaften und nicht zuletzt eine sehr erfreuliche Belebung des Leichtathlettkbetriebes. Während den Fußballmannschaften durch die Sperre bisher die Gelegenheit, chre durch den Eintritt der Militärsportier gehobene Spielftärke in Wettspielen gegen gute Gegner zu er» proben fehlte, konnte bereits am vergangenen Sonntag die Leichtathletikabteilung des V. f. B. bei den Nationalen m Frankenberg durch Erringung von zwei Siegen und vier zweiten Plätzen ihr Können unter Beweis stellen. Die nachfolgend angeführten Erfolge der kaum vorbereiteten V. f. B.er find um so beachtenswerter, als sie gegen stärkste Konkurrenz aus Kassel, Wetzlar, Marburg und Gießen errungen wurden.
Paulus Erster im Hochsprung (Senioren) 1,55 Meter (nicht ausgesprungen). Zweiter im Weit- J sprung (Senioren) 6 Meter, und Zweiter im Stab- - Hochsprung (Senioren) 2,92 Meter. Arnd Zweiter im Diskuswerfen mit 33,88 Meter und Zweiter im beidarmigen Kugelstoßen mit 19,10 Meter. Mohl Erster im beidarmigen Kugelstoßen (Junioren) mit 18,8.3 Meter. Jedenfalls kann der Verein stolz sein auf die vorläufig noch kleine Schar seiner Athleten, die bei intensivem Training noch von sich reden machen wird.
Rudern.
Erfolge des Gießener Ruderklubs hassia.
Anläßlich der von der Regatta-Vereinigung Groß- Mainz veranstalteten 64. Regatta des S. R. D. konnte der bereits dreimal in der diesjährigen Ruderzeit erfolgreiche Skuller Karl Rupp von dem Gießener Ruderklub Hassia im Junior-Einer wieder den Sieg erringen. Die Zahl seiner Siege beträgt jetzt 20.
Berliner Börse.
Effekten-Frühverkehr.
Berlin, 26. Juli. (WTB. FunkspruchH Bri stillem Geschäft bleibt die Grundtendenz des heutigen Frühverkehrs freundlich. Die Spekulation verhält sich jedoch wegen des Ultimos sehr reserviert. Geld ist weiter e^er flüssiges. Bisher nennt man Farben mit 319 bis 320. Arn Devisenmarkt hört man Paris 124,07 bis 124,11, Mailand 89,25 bis 89,30, das Pfund 4,8540 bis 4,8545 und Mailand 28,51.
Rundfunk-Programm.
Mittwoch, 27.3nIL
13 bis 14 LIHr: Neue Schallplatten. — 15.30 bis 16: Die Stunde der Jugend. — 16.30 bis 17.45: Konzert für Kinder, veranstaltet vorn Hausorchester. — 17.45 bis 18.15: Die Dücher- stunde. — 18.15 bis 18.30: Tlebertragung von Kassel: Die Stunde der Frau. — 18.30 bis 19: „Schwindlertricks, auf die man leicht hereinfällt". Dortrag von Otto Schwerin. — 19 bis 19.30: ,.Die Stellungnahme des Handwerks zu dem Entwurf des Berussausbildungsgesehes", Vortrag von Syndikus Dr. Ferber. — 19.30 bis 20: Schachkurs für Anfänger. — 20 bis 20.15: Senckenbergviertelstunde: Beantwortung einge- gangener Fragen durch Prof. Drevermann. — 20.15: Tschechische Musik.__________________________
Verantwortlich für Lokales, Provinz und Wirtschaft LB. Dr. Har» Thyriot.


