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Nr. 198 Zweites Blatt "■»■•KT- «I «H -luva-» - Ttz-ICL’vtmHMMOKr
Geheimdipwmatie und Weltfrieden.
Don Senator William E. D 0 rah. Washington. Vorsitzender des Senatsausschusses für auswärtige Politik.
Es gibt eine niedliche klein- Anekdote im Zu- ^mmenpang mit dem Friedensschluh zwischen Deutschland und Fraickreich nach dem Kriege von 1870/71 Sie wirst ein interessantes Li«cht aus die Methoden der damaligen Geheimdiplo- Ette. Frankreich war sehr besorgt, die Festung ^velfon^ im Elsaß zurückzuerhalten. Einer der Urrterhündler war ein energischer und zäher Oe« schäftsmann, ein vorzüglicher Menschenkenner und gewiegter Diplomat mit Damen Pouyer- Quertier. Die Vertreter der beiden Großmächte hatten bereits bis spät in die Dacht ver- handelt, ohne sich zu einigen: Bismarck, der sich unzugänglich zeigte, teilte endlich mit, daß er müde sei und sich zurückzuziehen wünsche. Pouyer-Quertter bestand indessen darauf, noch eine Flasche Wein zu triicken, unt> Bismarck gab schliehlich nach. Bevor diese Nasche ausgetrunken war, war Belfort Frankreich wieder zurückaeaeben worden. (? D. Red.)
Seit beinahe drei Jahrhunderten werden hinter verschlossenen Türen bei Empfängen und Gelagen, die mit den Interessen und mit der Wohlfahrt der daran beteiligten Völker doch wirklich nichts zu tun haben, ganze Dattonen verschachert. Die Geheimdiplomatte und die Methode, über lebens« wichttge Interessen der Dationen hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, bildeten eine der Hauptursachen für den Ausbruch des Weltkrieges. Die Geschichte der Diplomatte etwa von der Marokko-Affäre bis zum August 1914 ist in der Tat nichts anderes, als die Geschichte vom Beginne des Weltkrieges. Die Völker, auf die eine so große Last fiel, wußten wenig oder gar nichts von dem, was beschlossen war, sie kannten die Verpflichtungen nicht, die man auf ihre Schultern gelegt hatte, sie ahnten nichts von den Beziehungen, deren Fäden im geheimen gesponnen waren. So wurde die Welt an den Rand eines Abgrundes gebracht, ohne daß irgendwer in der Lage war, rechtzeitig zu warnen.
Eine maßgebende politische Zeitschrift führte bereits im Jahre 1912 aus: „Wer macht denn eigentlich die Kriege? Die Antwort finden wir in den Geheimkanzleien der europäischen Großmächte, in den Archiven der Leute, die schon zu' lange mit Menschenleben als Nguren in dem Soßen polittschen Schachspiel gespielt haben.
Menschen, die so in dem diplomattschen Formelkram und in der Geheimsprache ihrer Politik befangen sind, daß ihnen die ungeheuere Verantwortung ihres Amtes gar nicht mehr bewußt ist. Kriege werden die Menschheit weiterhin bedrohen, bis die großen Vollsmassen, die der Spielball von berufsmäßigen Ränkeschmieden und Phantasten sind, das große Wort aussprechen, Das zwar nicht den Weltfrieden bringt — denn Idas ist unmöglich — aber den Entschluß verkündet, daß Kriege nur für gerechte und lebenS- Vichttge Fragen der Dattonen geführt werden Mrfen I"
Trotz des Weltkrieges und seiner fürchterlichen [ Lehren kehren wir doch mit großer Zähigkeit sowohl in Europa wie in Amerika, im Osten wie im Westen wieder zu dem alten System zurück. Während einige politische Angelegenheiten infolge des Druckes der öffentlichen Meinung nunmehr der Krittk von selten der Allgemeinheit unter- I liegen, hat die Tendenz, sich bei internationalen I Llnterhaltunaen der Methoden der Gehettndip- ; lomatte zu bedienen, doch wieder die Oberhand I gewonnen. Heute werden wieder lebenswichtige I und hochbedeutsame politische Fragen mehr und rnehr im geheimen verhandelt.
Weniger wichttge Angelegenheiten von Tages- »ickeresse werden der Oefsentlichkeit preisgegeben, eher bei den Lebensfragen der Völker ist das System genau dasselbe wie vor dem Kriege. Verpflichtungen und Abkommen werden in ge- | Heimen Sitzungen fest gelegt, die auswärttge Poli- )ttc im geheimen entworfen. Europa und die j Vereinigten Staaten sind fürwahr heute noch ebenso weit von einer Kontrolle durch die Oeffent- lichkeit in allen internationalen Angelegenheiten entfernt, wie sie es je gewesen sind.
Tiro und Haro.
Eine jagdliche Plauderei. Don Dr. Ludwig Roth.
Wieder ist die Zeit gekommen, wo es auch ben Stadtbewohnern vergönnt ist, einen Blia in bes Getriebe des Weidwercks zu tun. wenn sie btt ihren Spaziergängen die Jäger die Felder wach Rebhühnern, vom Jäger kurz „Hühner" genannt, mit ihren mehr oder minder „firmen“ ? < Hunden absuchen sehen! Vielleicht bietet sich auch til Gelegenheit, wenn die Wälder sich herbstlich färben und der Wind über die Stoppeln weht, eine >;■* Treibjagd auf Hasen mitanzusehen. Bemerkt sei N hier, daß die so häufig zu beobachtende Suchjagd 3 auf Hasen bei der streng weidgerechten Jägerei verpönt ist. Genaue Beobachtungen haben ergeben, daß dabei fast 70 Prozent Häsinnen erlegt werden. während der schlaue Rammler sich immer rechtzeitig salviert. Wer seine Jagd also hegen uAd schonen will, der schießt auf der Suche keinen Hasen.
Bei solchen Beobachtungen jagdlicher Detätt- gung klingen die Rufe „Tiro" oder „Haro" häufig an das Ohr des „Schlachtenbummlers“. Was bedeuten sie? In arauer Vorzeit erhoben unsere Vorfahren in Fällen „gemeiner Rot“ und bei der Verfolgung von Verbrechern das „Ge- ruft". Der landschaftlich sehr verschiedene Ruf W in erster Linie aus Erzeugung eines weithin schallenden Tones berechnet, daher wurden besonders Verbindungen mit „io“ gewählt, so „Feurio“, .Mordio“, oder der alte clamor ad arma (Alarm): .Feindio"! Der Ruf „Haro“ wird von einigen Forschern aus dem Dormannischen hergeleitet (Ogi. Llasion, „Etüde historique sur le clameur de : drw").'Das germanische „Gerüst" soll „hus-haro- fxxro" gelautet haben, wobei „haro" bedeuten soll chrr zu mir" - „herbei" - „hierher“ Auf diesen Ruf erschienen die Rachbarn und alle. Oie das „Gerüst“ hörten, und folgten als „Schrei- mannen“ dem Verbrecher, bis sie seiner habhaft iDurben. Der von den „Schreimannen“ ergriffene Verbrecher wurde, wenn man ihn nicht als .friedlosen Mann" sofort tötete, nebst den körper- iichen Beweisen gebunden vor Gericht geführt und
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
®Qb$L 9l&t es keine wichtigere Frage für die Dationen. keinen grundlegenderen und die Zukunft mehr bestimmenden Faktor als das System des diplomatischen Verhandelns. Wie lange werden wir es im Hinblick auf Die furchtbare Katastrophe, die wir soeben erlebt haben, noch zulassen, daß die Interessen der Dationen ohne die Mitwirkung derjenigen bestimmt werden, die die Krise durchleiden müssen mit allem, was sie haben. die kämpfen und st erben müssen, wenn die Folgen der Politik der Geheimdiplomatie eintreten?
Es mag ausnahmsweise auch einmal Bestimmungen in einem Vertrage geben, die nur den Unterhändlern bekannt sein dürfen. Aber das müßten eben Ausnahmen fein, die nicht die Regel bilden dürften. Solch eine Geheimnis- krämerei sollte nie über den Punkt hinausgehen, an dem die Politik einer Ration in entscheidender Weise beeinflußt wird, und der politische Kurs dürfte nur festgelegt werden, nachdem vorher in voller Oefsentlichkeit eine Diskussion über die verschiedenen Fragen stattgesunden hat. Der Abschluß eines Bündnisses, welches gegenseitige Der- pflichttrngen enthält, oder das den politischen Kurs eines Volkes richtunggebend bestimmt, sollte der Entscheidung der Allgemeinheit unterliegen, Das Voll hat ein Recht darauf, die großen Linien der Politik, die Beziehungen seiner Regierung zu anderen Regierungen, die Grundlagen dieser Beziehungen, den Zweck dieser Politik kennenzulernen. Es ist berechtigt, über den Laus der Dinge von Zeit zu Zeit unterrichtet zu werden, und zwar nicht etwa nur aus den Zeitungen, sondern authentisch und autoritativ von den verantwortlichen Sollen.
In keinem Fall ist diese Regel von größerer
Wichtigkeit, als bei der Haltung der Großmächte den Heinen Rationen gegenüber. Es scheint mir, daß die wichtigsten Probleme der internationalen Politik in den Beziehungen der Großmächte zu den machtlosen Rationen bestehen: nirgend nämlich existiert soviel Verheimlichung von Tatsachen, soviel Täuschung und soviel Unrecht.
China, Mexiko, Syrien und Ricaragua sind Beispiele dafür, wie die Geheimdiplomatie Versprechen gibt, nur um sie nachher zu bred)en, toie sie Bündnisse schließt, die nachher nicht eingehalten werden, und wie die sd)wächeren Rationen behandelt und. unter dem Mantel der Gerechtigkeit gewaltsam unterdrückt werden. Der Grund für die Maßnahmen, den die Großmächte angeben, ist nicht der wahre Grund; das Ziel, das man dem Volk gegenüber zu verfolgen vorgibt, nicht das wahre Ziel. Beschühung des Lebens ist nur ein Vorwand, mit Hilfe dessen Regierungen gestürzt, Völker ausgebeutet und versklavt werden, unter demProtektorateent- stehen und sid) Blutsauger bereichern. Die Haltung der so unterdrückten Länder bietet aber auch Anzeichen für den neuen Geist, der die kleinen Rationen heute beseelt, ein Geist, mit dem die Großmächte besonders seit dem Weltkrieg zu rechnen haben werden. Die Rückwirkung dieser geistigen Einstellung auf die eigenen Völker wird die Regierungen auch mehr und mehr unter den Einfluß der öffentlichen Meinung bringen und sie zwingen, ihre Politik mit einem wachsamen öffentlichen Gewissen in Einklang zu bringen. Ohne furchtlose, offene Behandlung internationaler Probleme, ohne volle Würdigung der wichtigen Rolle, die das Volk in den Beziehungen zwischen den einzelnen Rationen zu spielen hat. ist jede Demokratie eine Täuschung.
Donnerstag, 25. August 1927
Eine Anziehungskraft eigener Art bilden die großen Kasinos in fast allen größeren Badeorten durch ihren ausgedehnten H a s a r d betrieb, und vor allem durch die stark besud)ten Bakkaratsäle, in denen um hohe Summen gespielt wird. Diese Anziehungskraft erstreckt sich besonders auf die zahlreichen internationalen Spiel.n, die in den Sommermonaten in Scharen nach Biarritz, Deauville, Le Touquet und in die Bretagne ziehen, und dem Badclebcn einen unsoliden Cliaraller verleihen, der cs Samen wenig empfehlenswert erscheinen läßt, allein zu reisen.
Wer von der Auffafssung ausgeht, daß Deutsd)- land und tfranfreid) einen modus \ ivendi für die Zukunft finden müssen, wird einen dcutsch-franzäsi- schenFremdenaustausch begrüßen, jedoch nur unl.r der Voraussetzung, daß die Franzosen auch nach Deutschland kommen, um sich Land und Leute an- zusehen, die sie bisher nur durch die Augen ihrer chauvinistischen Presse kennen. Wie wäre es, wenn die Reichsreaierung, ebenso wie die französische, ein französisches Haus in Berlin errichten will, daran dächte, auch in Paris ein deut- s ch c s Haus, eine Propagandazentrale für Reisen der Franzosen nach Deutschland einzurichten? Die Franzosen haben sich Berlin als ersten Ort sur ein französisches Haus ausgesucht. Sollten wir Deutsche nicht gleichfalls mit Paris ansangen >
Die gleichen Gesichtspunkte, die die beiden Re- gtcrungen bei den Handelsvertragsverhandlungen leiteten, müßten auch hier zu gelten haben: Zwei Nachbarländer, wie Deutschland und Frankrciä), können auf die Dauer ebensowenig ohne einen Waren- wie ohne Menschenaustausch auskommen.
Damit dürste auch die Frage beantwortet sein, ob Deutsche nach Frankreich und Franzosen nach Deutschland zur Erholung gehen sollen. Wie wichtig der Besuch Deutschlands durch die Franzosen ist, wird einem täglich klar, wenn man mit ihnen in Berührung kommt. Der Franzose ist immer noch feindlich gegen den Ausländer, vor allem gegen den Deutschen, in dem er den unkultivierten und plumpen Boche erblickt. Er ist daher angenehm überrascht, wenn er häufig unter dem reisenden Publikum Deutsche findet, die in ihrer zurückhaltenden und im allgemeinen doch recht bescheidenen Art einen angenehmen Gegensatz zu den Angelsachsen mit ihren zahllosen Ansprüchen bilden.
Das einfache französische Volk hat im Verkehr mit den Fremden eine natürliche Liebenswürdigkeit. Bei dem Arbeiter, dem Handwerker, dem kleinen Kaufman ist weder in Paris, noch in der Provinz viel von Deutschfeindlichkeit zu finden: ausgenommen die Fälle, wo ein schweres Kriegserlebnis den Haß wachgehalten hat. Ganz anders bei den Angehörigen der oberen Schichten, die hauptsächlich für einen Fremdenverkehr nach Deutschland in Frage kommen. Je höher die soziale Schicht ist, der die Franzosen angehören, um so stärker die ablehnende Haltung uns Deutschen gegenüber, die sich vielfach erst bei näherer Bekanntschaft deutlich zeigt. Denn die gebildeten Franzosen verstehen es besser als wir Deutsche, hinter der Maske der Höflichkeit ihre wahre Gesinnung zu verbergen.
Tagung desDeutschenForstverems
Dritter Tag.
WER. Frankfurt a. M., 24. Aug. In der heutigen Vollversammlung tm Psvlmengarten stand ein Thema zur Beratung, das vom forstwirtschaftlichen Standpunkt von überragender Bedeutung ist. Es sprachen der erste Vorsitzende des Deutschen Forstvereins Ministerialrat Dr. W a p- pes (München), älniversitätsprosess-or Dr. Da Ilse low (Gießen) und Llniversitätspvofessvr Freiherr von Tubenf (München) über „Die allgemeine Bedeutung und waldbauliche Behandlung der Weymouthskiefer“. Dr. Wappes erklärte. daß man die Weymouthskiefer bereits seit dem Jahre 1705 in Deutschland kenne. Ihr Anbau habe jedoch erst in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts stattgefunden. Erweiterte Verwendung habe sie etwa um 1880 gefunden, nachdem ihr waldbaulicher Wert erkannt war. Insgesamt sind gegenwärtig in Deutsck)land etwa 5000 Hektar damit bepflanzt. Ihre größte Verbreitung habe sie in Hessen, der Pfalz, sinter franken und den preußischen Regierungsbezirken Kassel, Lüneburg. Münster und Vr'es-
der französische Fremdenverkehr
Von unserem ständigen Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Die französische Regierung beabsichtigt, einer Pressemeldung zufolge, Propaaandazentra- l e n in allen Großstädten des Auslandes zur Hebung des französischen Fremdenverkehrs einzurichten.
Wer die beiden letzten Sommer in französischen Kur- oder Badeorten verlebte, wird diesen Wunsch recht begreiflich finden. Der Sommer 1926 hatte einen gewaltigen Fremdenstrom nach Frankreich gezogen. 3m Gegensatz zu früheren Jahren war es vor allem der unbemittelte, aber bildungs- und naturhungrige Mittelstand, der in Scharen erschienen war, angelockt durch den niedrigen Stand der französischen Währung, und die damit verbundene Möglichkeit, den Urlaub, trotz der zum Teil weiten Reise, billiger als in der Heimat zu verleben. Deutsche, Spanier, Engländer und Nord- und Südamerikaner waren vor allem vertreten: am stärksten unter ihnen die Deutschen und Engländer. Die Italiener dagegen kommen während der Sommermonate nur in geringer Zahl nach Frankreich. Zum größten Test trägt hieran die zwischen der französischen Demokratie und dem italienischen Faszismus bestehende Antipathie Schuld. Paris hat allerdings auf die Italiener seine Anziehungskraft noch nicht verloren, so daß man von der „Pariser italienischen Saison im September und Oktober spricht. Aber auch die Franzosen selbst waren 1926 viel zahlreicher als in früheren Sommern in die Badeorte gezogen, da viele von ihnen während der Inflationszeit sehr gute Geschäfte gemacht hatten.
1927 hat sich dies Bild völlig geändert. Vor allem haben die großen Badeorte an der Küste gelitten, da sie den Franzosen selbst zu teuer und für die Ausländer die Preise um mehr als das Doppelte in ihrer eigenen Währung gestiegen find. Die immer noch vorhandene geringe Preisdifferenz zwischen Frankreich und dem Ausland reicht heute nicht mehr aus, um die Reifeunkoften zu decken. Ein Beispiel soll dies erläutern. Während es im Sommer 1926 noch möglich war, für etwa 40 Franken — etwa vier deutsche Mark — bei nicht allzu hohen Ansprüchen in einem eleganten Badeort Zimmer mit voller Verpflegung zu finden, mußte man
in diesem Sommer bei den gleichen Ansprüchen 60 bis 70 Franken — 10 bis 12 deutsche Mark — bezahlen. Der Unterschied in den Preisen stellte sich also für den Ausländer bei einem Vergleich der Sommer von 1926 und 1927 wie 1:3, für den Franzosen aber nur wie 1:11.
Die Rückwirkung ist, wie zu erwarten war, nicht ausgeblieben. Das schlechte Wetter, das während des Juni un Juli herrschte, hat das (einige zum Rückgang des Fremdenverkehrs beigetragen. Erst mit dem Beginn der Ferien, Anfang August, hat die Zahl der Sommergäste in geringem Umfange zugenommen.
Wenn die französische Regierung wirksame Propaganda für die Hebung ihres Fremdenverkehrs machen will, wird sie nicht umhin können, auch innerhalb des Landes viel zu ändern und den Ausländern diejenige Bequemlichkeit zu bieten, die sie in ihrer Heimat gewohnt sind.
In den großen Badeorten und vor allem in den teueren Pariser Hotels ist naturgemäß für alle Bequemlichkeit gesorgt. Wer aber abseits von der all- gemeinen Heerstraße seine Erholung sucht, der wird über die große Unsauberkeit, die auch in Paris noch vielfach fehlende Kanalisierung, die Bau- fäUigteü der Häuser, die dunklen Flure und Korridore und vieles andere erstaunt fein. Das Essen dagegen ist fast überall oo/ttefflich, die französische Küche ist nicht umsonst berühmt in der Welt. In der Frage der Verpflegung der Fremden auf kulinarischem Gebiet könnten wir Deutschen recht viel von den Franzosen lernen.
Völlig unzureichend ist in Frankreich der Eisenbahnverkehr. Die Züge fahren, mit Ausnahme der großen Luxuszüge, lehr langsam. Die Verbindungen sind schlecht. Man braucht oft unglaublich lange Zeit, um von einem großen Badeort zum nächsten zu gelangen, weil die Züge erst nach vielen Stunden Anschluß haben. Schlafwagen 2. Klasse fehlen in Frankreich. Die Schlafwagen 1. Klasse smd dagegen für den mit irdischen Gütern nicht übermäßig Gesegneten völlig unerschwinglich.
Ueber die Schönheit der französischen Badeorte am Atlantischen Ozean braucht kaum ein Wort verloren zu werden. Sie stehen unseren Nordseebädern nicht nach.
auf Klage und eidliche Aussage des Verletzten und einer genügenden Anzahl von „Schreimannen" als „Eideshelfern" sofort verurteilt.
Wenn heute das „haro, haro“ ertönt, dann pflegt ein kurzer Knall bald darauf zu verkünden, daß der arme Verbrecher Lampe sein Ende gefunden, wenn nicht seine Gewandtheit ihn doch noch im letzten Augenblick vor den Verfolgern gerettet hat. Wie Lampe seit grauer Vorzeit verfolgt wird, hat niemand treffender geschildert, als Altmeister Wildungen:
„Menschen, Hunde, Wölfe, Lüchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Ilhu, Raben, Krähen, jeder Habicht, den wir sehen, Elstern ja nicht zu vergessen, alles, alles will ihn — fressen.“
In der ältesten Zeit ist Lampe zu Tode „gehetzt" worden. Jäger zu Fuß und zu Pferd zogen über das Stoppelfeld, um ihn aufzusuchen: stand ein Hase aus dem Sager auf, so wurden! auf den Wink des Jagdleiters die Windhunde gelöst, die ihn nach dem Spruch „viele Hunde sind des Hasen Tod" meist bald ereilten. Auch in Rehen wurde Lampe gefangen. Ein Feld-- oder Waldesteil wurde mit „fängisch" gestellten Fallnehen eingelappt bzw. umstellt und zwar auf drei Seiten: von der vierten Seite gingen die Treiber mit Hunden derart vor, daß sie das Wild nach den Rehen hindrängten. Das Wild jagte gegen die Rehe, in die es sich so verwickelte. daß die Rehe über ihm zusammenfielen. Das Wild wurde dann von den Jägern „abgefangen“, eine wenig weidmännische Iagdart. Es hat übrigens eine Zeit gegeben, in der sogar die Jäger von Beruf auf Hasenwechseln Schlingen stellten, eine Betätigung, die heute nur noch der Schlingensteller und Wilddieb betreibt. Von dem Erlegen des Hasen mit der Armbrust ist mir kein Rachweis bekannt: im 16. Jahrhundert verdrängte die Büchse die Armbrust. Jim 1517 wurde in Rümberg das „Radschloß" erfunden, welches die Lunte überflüssig machte, die neuen Gewehre wurden als „zielselbstzündende und geschraubte Büchsen" ober „Pirschrohre" bezeichnet. Der Magister Johannes C 0 l e r u s. ein geistlicher Herr, rät in seinen „viginti libri
oeconomici de re rustica et de re venatoria“ ums 3df>r 1632 dem Jäger, er solle, wenn er einen Hasen im Lager fit)en sähe, einen Stab in die Erde stecken und darauf feinen Hut sehen. Lampe schaut dann unentwegt nach diesem „Geßler- Zeichen" und der Jäger hat Zeit, ihn „zu erschießen“.
Bei Fleming, dem „vollkommenen teut- schen Jäger" finden wir um 1719 den Rat, den Hasen mit Rehen zu umstellen und ihn in die Maschen zu jagen: er sagt aber selbst, daß sie mit dem Reh-Jagen „gar zu sehr vertilgt" würden und rät zum „Klopf-Jagen", d. h. zur Treibjagd mit Schrotschuß, oder dazu, sie auf flachen Feldern mit Windhunden zu Hetzen, mit dem Habicht zu beizen oder in Gruben und Schlingen zu fangen.
Durch die Einführung leichter Gewehre, über- haupt durch die fortschreitende Verbesserung der Feuerwafien, kam das Fangen und Hetzen der Hasen allmählich ganz ab: der Schrotschuh auf Suche, Ansih und Treibjagd wurde üblich. Eine weidgerecht betriebene Treibjagd auf Hasen ist ein Genuß, wenn jeder Teilnehmer „weidmännisch jagt, wie's sich gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt". Etwas Gräßliches sind die großen Treibjagden, die „Hasenschlächtereien"! Jeder Berg- und Wald-Jäger, der einmal einen solchen Massenmord mitgemacht hat. bleibt ihm für die Folge fern. Geschrei der Treiber, lärmende Schützen, die geängstigten Tiere, die sich in verkleinerten Kesseln zusammen dräng en I Dort schleppt sich ein Hase mit durchschossenem Rücken mühsam unter Angst und Schmerzen auf den Vorderläufen weiter: dort sind einem anderen die Vorderläufe weggeschossen, er hoppelt auf den Hinterläufen — kein schönes BlldI Wie ganz anders, wenn der Hase auf schmaler Waldschneise im Feuer das Rad schlägt! Blitz und Knall: ein schmerzloses Ende.
Der bei der Jagd auf Rebhühner oftmals M hörende Ruf „Tiro" hat mit der Ableitung des Rufes „haro" nichts zu tun. Es handelt sich um das französische „tirez haut“ — „schieß hoch" — „in die Höhe". Die Rebhühner wurden im „Treibzeug", „Tyraß", Steck- und Hochgarn mit und ohne Hcckicht gefangen: daneben trat nach
Einführung leichter Feuerwaffen das Schießen, das heute allgemein üblich ist. Die Jagd auf Hühner mit einem guten Vorstehhunde ist der schönste Genuß für den Weidmann: Altmeister Diezel sagt von der schönen Zett der Hühnersuche:
„Heute will ich suchen, morgen gehts ans Treiben und übermorgen winkt der Vvgelherd:
0 könnt es Herbst im ganzen Jahre bleiben, dann hätt' ich alles, was mein Herz begehrt." Weidmannshell l
Ausgrabungen in Pergamon.
In der Preußischen Akademie der Wissenschaften berichtete der Archäologe Museumsdirektor Geheimrat Dr. Th. Wiegand über die im Frühjahr dieses Jahres mit Hilfe der Rotgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft wiederaufgenommenen Ausgrabungen in Pergamon. Auf der Hochfläche der Burg wurden fünf große Arsenal- und Magazinbauten für militärische Zwecke frei gelegt, deren Fundamente verschiedene Systeme der Entlüftung zeigen. Das Alter der Bauten wurde inschriftlich auf das Ende des dtttten Jahrhunderts v. Ehr. fest- gestellt. Außerhalb der Arsenale fanden sich etwa 900 Steintugeln für Abwehrgeschütze: die Große der Kugeln bewegt sich zwischen 14 und 40 Zentimeter Durchmesser. Das Höchstgewicht beträgt 76 Kilogramm (drei Talente), das Mindestgewicht 6 Kilogramm. Die Anlagen entsprechen den von dem hellenistischen Kriegsschriftsteller Philo von Byzanz gegebenen Vorschriften und zeigen, daß die von ben Römern später vielfach gebauten granaria unb horrea (Getreidespeicher) auf hellenistische Vorbilder zurückgehen. — Das zweite Ausgrabungsobjekt dieses Jahres ist eine etwa 50 Meter lange und 40 Meter breite palastähnliche Anlage der Königszeit mit großem Innenperisthl (18:18 Meier) und Kultraum ander Rordseite. Der Bau liegt nordöstlich unweitz des großen Altars. Die Freilegung ist noch nicht beendet, der Inhaber des Heiligtums inschriftlich noch nicht bestimmt. Die Arbeiten werden im nächsten Jahre weitergeführt.


