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Die Begründung des Rerchsschulgefetzes. Eigener Drohtbericht desGießener Anzeigers*.

Berlin, 25.2lug. Nach langem Warten, das genug Gelegenheit gab, über das kommende ReichsschulgeseK Voraussagungen zu veran­stalten, wird nunmehr die Begründung des Neichsschulgesetzes, oder wie es richtig heißt, die Be­grünung zu dem Entwurf eines Gesetzes zur Aus­führung der Artikel 146, Abs. 2 und 149 der Reichs­oerfassung veröffentlicht. Der Entwurf ist, so heißt es wörtlich, von der Absicht geleitet, das bestehende Volksschulwesen der Lander möglichst vor Er­schütterungen und tiefgreifenden U m g e - staltungen zu bewahren und die entstehen­den Kosten auf ein möglichst geringes Maß zu be­schränken. Er mußte deshalb an den in den einzel­nen Ländern und Gebieten des Reichs bestehenden Zustand anknüpfen und den Versuch machen, hier­auf aufbauend eine stetige Entwicklung des V o l k s f ch u l w e s e n s in der durch die Vor­schriften der Reichsoerfassung gegebenen Richtung anzubahnen. Als Folge dieses Aufbaues des Ent­wurfs, so heißt es im Abs. 4, 1. Teil, hätte sich die Notwendigkeit ergeben, auch Anträge auf Einrich­tung von Gemeinschaftsschulen vorzusehen, obwohl im Artikel 146 der Reichsverfassung davon nicht die Rede gewesen sei. Der Entwurf sucht in Anknüpfung an das bestehende Schulwesen und un­ter Einbeziehung der durch die Reichsoerfassung neu geschaffenen bekenntnisfreien Schule dem Zusam­menprall der unüberbrückbaren weltanschaulichen Gegensätze, die im deutschen Volke vorhanden sind, dadurch seine Schroffheit zu nehmen, daß er den verschiedenen Weltanschauungen in der Volksschule ihr Sonderrecht gewährt, in­dem er, unbeschadet der staatlichen Schulhoheit die Möglichkeit schafft, den Willen der Erziehungs­berechtigten bei der Erhaltung und Einrichtung von Gemeinschaftsschulen, Bekenntnisschulen und be- fenntnisfreien Schulen weitgehend zu berücksich­tigen. Sie Entscheidung über die Genehmigung oder die Ablehnung der A n t r ä ge der Erziehungs­berechtigten sei Sache der Landesbehör­den. Um aber Sicherheit dafür zu bieten, daß eine Entscheidung nicht im Widerspruch mit der Reichs­verfassung stehe, müsse die Möglichkeit gegeben fein, diese Rechtsfrage durch ein Organ des Reiches nach­prüfen zu lassen, das nach Artikel 107 der Reichs­verfassung als ein Reichsverwaltung sge- richt einzureichen sei.

Der Entwurf stellt die Schule in den Dienst der deutschen Volksgemeinschaft und betont die im Ziel und in der. Gesamtausgabe unzerstörbare Ein­heitlichkeit des deutschen Volksschul­wesens, die ein Ausdruck des nationalen Willens sei. Für die nach Bekenntnissen nicht getrennte Volksschule mit Religionsunterricht sei der Name Gemeinschaftsschule gewählt worden. Die drei Schul­formen sollen, da sie alle verfassungsmäßig seien, von Reich, Ländern und Gemeinden im Rahmen der Bestimmungen des Entwurfs gefordert werden. Die Gemeinschaftsschule sei die Schulform, die grundsätzlich allen schulpflichtigen Kindern offenstehe, ohne daß der Besuch an Voraussetzungen geknüpft werde, die mit einem Bekenntnis Zusammenhängen. Im Gegensatz zur Gemeinschaftsschule soll die Be­kenntnisschule nur zur Aufnahme von solchen Kindern dienen, die einem bestimmten Bekenntnis angehören. Die bekenntnisfreie Schule hat die allgemeinen Aufgaben der Volksschule ohne jede bekenntnismäßige oder weltanschauliche Bindung.

Soweit die Begründung des Gesetzentwurfes. Sie vermeidet es, sich irgendwie mit Bestimmtheit auf eine besondere Fassung festzulegen. Sache des Reichs­tags wird es also nun sein, diese mehr andeutenden Bestimmungen in solche festerer Formen umzu­wandeln, was jedoch kaum ohne größere Ausein­andersetzungen vonstatten gehen dürfte.

Flaggettslreit in Berlin.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 25. Aug. Seit einigen Tagen ist hier zwischen dem Berliner Magistrat einerseits und den Besitzern der großen Hotels anderseits ein Flaggen st reit entbrannt, der seinen Aus­gangspunkt in der Tatsache hat, daß die großen Hotels und auch zahlreiche mittlere beim diesjäh­rigen Verfassungstag die R e i ch s f a r b e n Schwarz-Rot-Gold nicht gehißt hatten. Der Berliner Oberbürgermeister hatte infolgedessen eine Einladung zu einem Bankett anläßlich der Funkausstellung in einem großen Hotel mit dem Begründen abgelebnt, daß laut Magistratsbeschluß in Zukunft alle diejenigen Hotels zu meiden seien, die am Der- fasstmgstage die Reichsflagge nicht ge­zeigt hätte. Jetzt ist nun auch eine Einladung für ein Bankett für den Neuyorker Oberbürger­meister Walker aus den gleichen Gründen a b - gelehnt worden. Es verlautet übrigens auch, daß von feiten des Auswärtigen Amtes gegen die Hotels Schritte in denselben Angelegenheit unternommen worden seien. Dazu können wir melden, daß das Auswärtige Amt offiziell bei den einzelnen Hotels keine Aktion in der angeführten Richtung unternommen hat. Es find allerdings un­verbindliche Besprechungen erfolgt, in denen darauf aufmerksam gemacht worden ist, daß es internatto­nal einen nicht erwünschten Eindruck gemacht habe, daß die Hotels am Derfassungstage nicht die deut­sche Reichsflagge gehißt hätten. Die Berliner Hoteliers haben nun gestern lange und ein­gehende Besprechungen miteinander geführt, in denen sie zu der Haltung der Behörden Stellung genommen haben. Es nahmen an diesen Bespre­chungen die Vertreter der größten Berliner Hotel- imternehmen, sowie der mttteleren Hotels teil. Die Beratungen dauerten den ganzen Dormi.ag über an und waren erst in den Nachmittagsstunden beendet. In den Besprechungen kam allgemein zum Ausdruck, daß die Berliner Hotels immer Wert darauf geleat hätten, außerhalb jeder Politik und fo auch außerhalb der politischen Flag­ge nf rage zu bleiben. Aus diesem Grunde hätten ie auch bei verschiedenen Gelegenheiten nicht die chwarz-rot-goldene Reichsflagge, s/.dern lediglich üe preußisches) la gge und die Hotelflagge gezeigt. Als auch diese Art der Flaggung bei einem Teil der Bevölkerung Widerspruch hervorrief, war man zu der Ansicht gekommen, daß es besser sei, in Zukunft überhaupt keine Flagge zu zeigen. Die Hotelbesitzer sind der Auffassung, daß die schwarz-rot-goldene Flagge zwar die offizielle Reichsflagge, daß sie aber gleich­zeitig das Streitobjekt unter den politischen Parteien sei. Aus diesem Grunde sind die Hote­liers Ijeute übereingetommen, auch in Zukunft nicht die schwarz-rot-goldenen Farben zu zeigen, um auch weiterhin niemandem Anlaß zu politischen Auseinandersetzungen zu geben. Die Berliner Ho­

tels, ht denen gegenwärtig die prominenten Ame­rikaner wohnen, werden diesen zu Ehren das Flaggenbanner, jedoch nicht die deutsche Reichsflagge zeigen. Das gleiche wird auch anläßlich des Banketts für den Neuyorker Oberbürgermeister Walker im HotelKaiseryof" der Fall (ein. Im übrigen wird sich der VereinBerliner Hotel" gegen Ende näch­sten Monats in einer Versammlung mit der Flag­genfrage offiziell beschäftigen. Sie wollen mit ihrer Haltung aber auch gleichzeitig einen Gegendruck auf den Berliner Oberbürgermeister und den Magistrat ausüben. Der Berliner Magistrat will sich keineswegs mit der Stellungnahme der Hoteliers zufrieden geben. Preußische parlamen­tarische Kreise wollen übrigens wissen, daß sich auch die preußische Regierung den vom Ber­liner Magistrat eingenommenen Standpunkt zu eigen machen will.

Der Arbeitsausschuß der Vereinigung Republikanische Presse hat einstimmig einen Beschluß gefaßt, in dem es heißt:Die Vereinigung Republikanische Presse begrüßt den Be­schluß des Berliner Magistrats, in Zukunft diejeni­gen Berliner Hotels zu meiden, die am Verfaffungs- tage nicht in den Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold geflaggt haben, und ebenso die Schritte, die das Aus­wärtige Amt in derselben Angelegenheit unternom­men hat. Die Vereinigung Republikanische Presse empfiehlt ihren sämtlichen Mitgliedern, an De r - anstaltungen in denjenigen Berliner Hotels, die am Verfassungstage nicht in den Reichsfarben flaggen, nicht teilzunehmen.

Wie dieVoss. Ztg." aus amerikanischen Kreisen erfahren haben will, soll Botschafter S h u r m a n beabsichtigen, dem Oberbürgermeister von N e u y o r k, Walker, für die Dauer seines Ber­liner Aufenthalts Wohnung in der amerikani­schen Botschaft anzubieten.

Anmaßende MmderheiLenvertreter.

Genf, 25. Qlug. (CBCB.) Der dritte euro­päische Rationalitätenkvngreß be- endete gestern abend seine CBeratungen mit der Annahme einer Anzahl Resolutionen betreffend die Staatensvuveränität und die Minderheits­rechte, die inner- und zwischenstaatliche Zu­sammenarbeit der Aationalitäten, die Gefähr­dung des europäischen Friedens durch die natio­nale Unduldsamkeit, sowie betreffend die Rcttio- nalitätenkunde. In einer besonderen Resolution wird an den Völkerbund appelliert, unver­züglich an die ernsthafte Behandlung des Minderheitenproblems heranzu­treten. In der letzten Kongressihung kam es zu einem lebhaften Zwischenfall, in dem einer der Führer der polnischen Minderheit in Deutschland namens dieser Gruppe, so­wie der übrigen nationalen Minderheiten Deutsch­lands erklärte, daß sich die Vertreter dieser Gruppen vorläufig vom Kongreß zurück- zögen. Der Delegierte protestierte da­gegen, daß der Kongreß auch in diesem Jahr die Friesen in Deutschland nicht zugelassen habe. Ferner behauptete er, daß auf dem Kon­greß einseitige machtpolitische Tendenzen zur Geltung gelangt seien. Der Vertreter der dä­nischen Minderheit in Deutschland schloß sich dieser Erklärung an, worauf diese Gruppen zusammen mit den Vertretern der slawischen Minderheiten anderer Länder den Saal verließen. Der Präsident des Kongresses bedauerte dats Vorgehen dieser Gruppen und erklärte, daß der Minderheiten­kongreß für einseitige machtpolitische Bestrebungen keinesfalls mißbraucht wer­den solle. Er hoffe, daß es gelingen werde, später die aufgetauchten Schwierigkeiten zu über­winden. Der Kongreß beschloß, ein erweitertes Komitee einzusetzen, welches für die nächstjährige Zusammenkunft einen Statutenentwurf des Ver­bandes der Minderheiten auszuarbeiten hätte, der auch die Grundsätze für die Aufnahme neuer Gruppen regeln soll.

Internationale Pressekonferenz in Genf.

Genf, 24. Aug. (Wolff.) Im Reformationssaal, der bisher mit einer einzigen Ausnahme, derjenigen der Weltwirtschaftskonferenz, den Völkerbundsver­sammlungen vorbehalten blieb, ist heute vormittag 11.30 Uhr die vom Völkerbundsrat einbe­rufene Internationale Pressekonfe­renz unter dem Vorsitz des englischen Zeitungsoer­legers Lord B u r n I) a m , zusammengetreten. Die Konferenz ist nach verschiedenen Gesichtspunkten zu­sammengesetzt. Entsprechend der Struktur der oor- angegangenen drei vorbereitenden Konferenzen sind die Telegraphen-Agenturen, die Berufsjournalisten, die Presseressorts der Regierungen und, ohne beson­dere Vorkonferenz, und deshalb in großer Anzahl, die Zeitungsverleger vertreten. Die Zusammen­setzung innerhalb der Konferenz, die gegen 130 Mit­glieder zählt, erfolgt nach Ländern, und zwar sind 40 Staaten vertreten. Die deutsche Delega­tion setzt sich zusammen aus Dr. Montier, Direktor des Wolff-Bureaus, Mejer, Direktor der Telegra- phen-Union, Chefredakteur Gefell, Telegraphen- Union, Alfringhaus, Direktor des sozialdemokrati­schen Pressedienstes, Dr. Earbe, Generalvertreter des Zeitungsverlags Rudolf Moste, Professor Wolff, Chefredakteur derDresdener Neuesten Nachrichten", v. Bötticher, Generalsekretär des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, o. Herwarth, Vertreter des Ver­lags Georg Stifte, Ministerialdirektor Zechlin, Chef der Presseabteilung der Reichsregierung, Ministe­rialrat Daentzschel, Reichsministerium des Innern, und als Vertreter der internationalen 3oumaliften= Organisationen, Chefredakteur Georg Bernhard und Chefredakteur Dr. Stern-Rubarth vom Wolff- Bureau.

Die Eröffnungsansprache von Lorb Burnham unterstrich die Bedeutung der Kon­ferenz als der ersten derartigen Veranstaltung des Völkerbundes und als eine außerordentliche Gelegenheit, die für das Gebiet der Presse wichtige Probleme der Tagesordnung, wie Er­leichterungen für den berufstätigen Journalisten, Schuh der Preflenachrichten usw. mit den all­gemeinen verständigungswürdigen Aufgaben des Völkerbundes in Einklang zu bringen.

Die Konferenz beschäftigte sich heute nach­mittag in einer grundsätzlichen Aussprache mit den Fragen der vorzugsweisen Beför­derung von Pressetelegrammen und der Ermäßigung der Telegramm- Tarife. Sie nahm Resolutionen an, die eine solche Priorität für gewöhnliche und dringende Pressetelcgramme und verschiedene näher begrün* dete Tarifermäßigungen für iniernalionalePresse- telegramme und Kabelnachrichten fordert. Ein

Geschäftsordnung sausschuh von 14 Mitgliedern, in dem die vier Gruppen der Zei- tungSverleger, der Rachrichienagenturen, der be­rufstätigen Journalisten und der amtlichen Presse- abtcilungen verireten sind, übernahm die Organi­sation dcr Arbei.en der Konferenz. Deutscherseits gehören dem Ausschuß Dr. C a r b e und Georg Bernhard an.

T .5 Wettrüsten zur See.

V a 11 e j o (Kalifornien), 24. Aug. (WB.) Der Marinesekretär Wilbur hielt heute bei der Ma­rinewerftkonferenz eine Rede, in der er erklärte, er beabsichtige, vom Kongreß in der nächsten Session eine lOOprozentige Vermehrung des Bauprogramms für die Marine zu ver­langen, das gegenwärtig den Bau von 18 Kreuzern mit einer Tonnage von 10 000 Tonnen und mehre­ren kleineren Einheiten vorfieht. Das Scheitern der Marinetonferenz in Genf müßte zu dem Ergebnis führen, daß die amerikanische Marine verstärkt wird.

Keine allgemeine Amnestie.

Berlin, 24. Aug. (Priv.-Tel. des CBTB.) CBie dieB. Z." aus zuverlässiger Quelle er­fährt, ist in Preußen ebenso wie im Reiche zum Geburtstag des Reichspräsidenten v. Hin­denburg keine Amnestie zu erwarten. Die preußische Regierung wird mit der Reichs­regierung in dieser Frage konform gehen, und diese hat ihrerseits beschlossen, keine Amnestie zu erlassen, sondern ledigllch eine Reihe von Einzelbegnadigungen auszusprechen. Der Stellungnahme Preußens werden sich voraussicht­lich auch die Regierungen sämtlicher anderer deut­schen Länder anschließen. Dagegen wird in Preu­ßen zum Geburtstag des Reichspräsidenten eine Reihe von Einzelbegnadigungen ausgesprochen werden. CBie hoch sich die Zahl beläuft, steht noch nicht fest. Immerhin ist mit einer erheb lichen Anzahl zu rechnen, da das preußische Staats­ministerium für die Begnadigung aller Personen zuständig ist, die vor preußischen Gerichten ab­geurteilt worden sind. Bei den Gnadencckten, die der Justizminister dem Staatsministerium Vor­schlägen wird, handelt es sich nicht lediglich um politische Straftaten. Für die Begnadigung kommt auch eine Reih'e von Fällen in Betracht, in denen die Tat in schwerer sozialer und wirt­schaftlicher Rollage begangen ist.

Frredensschlust

in der NhemschiMhrt.

Mannheim, 24. Aug. (CBTB.) CBie der Deutsche Derkehrsbund mitteilt, haben heute mit­tag sowohl das Deckpersonal als auch die Maschi­nisten und Heizer auf den Rheinschiffen die Arbeit wiederaufgenommen, so daß der Str e i k auf dem Oberrhein als beendet anzusehen ist.

Das Kolonialmandatsystem.

Paris, 24. Aug. (WB.) Der Unterausschuß der Interparlamentarischen Friedens- Union, der mit dem Studium der Kolonial* fragen beauftragt ist, hat heute unter dem Vor­sitz des früheren holländischen Ministerpräsidenten Heemskerck eine Sitzung abgehalten. Nach sehr angeregter Aussprache, in der sich besonders der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Dr. S cy n e e, und der französische radikale Senator Roustan beteiligten, wurde ein Resolutionsent­wurf angenommen, der der Vollversammlung unter­breitet werden soll. Dieser Entwurf bezweckt, dem Kolonialmandatsystem seinen Charakter des K u r a t e l s , ausgeübt unter Ueberwachung des Völkerbundes, zu wahren.

Das schwierige

Reparationsproblem.

Williamstown, 24. August. (WTB^) In feinem letzten Vortrag im Institut für Politik Kberte Dr. Reinhold, wie durch die Ab- ing wichtiger Rohstoffgebiete und durch die Be­schlagnahme deutscher Schiffe und deutschen Ver­mögens die deutsche Zahlungsbilanz passiv geworden sei. Es bestehe wenig Hoffnung auf eine Aenderung, so daß der Transfer der Reparativ szahlungen in Zukunft große Schwierigkeiten bereiten werde. Neue Vereinbarungen im Sinne einer größeren Elastizität des Dawesplanes seien deshalb in ab­sehbarer Zeit nötig. Im Anschluß daran sprach Dr. Reinhold über den Seift und Z u - kunftswillen des neuen Deutschlands. Er erklärte, die neue Staatsform sei durch die Präsidentschaft von Hindenburg außerordent­lich gestärkt worden, und schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung auf einen langsamen Wiederaufstieg Deutschlands.

Rückkehr ValdwinsnachLondon

London, 24. Aug. (CBTB.) Baldwin ist heute nachmittag von seiner kanadischen Reise nach London zurückgekehrt. Er gab keine andere Erklärung ab, als daß er prächtig emp­fangen worden sei.

doolibge und die

Präfidentschastswahlen.

Paris, 25. Aug. (WTB. Funkspruch.)Neu- york Herold" berichtet, der frühere Privatsekretär des Präsidenten Coolidge hat gestern bei seiner An­kunft in Paris erklärt, CG o l i d g e werde seine Kandidatur zur Präsidentschaft auf­stellen lassen, wenn die Republikanische Partei ihm dies a n b i e t e. Die jüngste anders lautende Erklärung des Präsidenten erläutert der ehemalige Privatsekretär dahin, daß Coolidge diesen Verzicht damals ernst gemeint habe, um zunächst die Möglichkeit zu bieten, daß andere ihre Kandi­datur aufstellen lassen, wenn sie dies für opportun halten.

Verstärkte Beschießung Nankings.

London, 25. Aug.Daily Mail" berichtet aus Schanghai: Bezeichnend ist, daß Truppen und Beamte Ranking verlassen und sich nach Schanghai begeben. Die Beschießung R a n k i n g s durch die R o r d t r u p p e n erfuhr gestern eine Verschärfung. LautDaily Telegraph" ist der Zeitpunkt der Abbeförderung der britischen Fliegertruppe aus China noch nicht festgesetzt. Man hofft jedoch, daß sie sobald wie möglich stattfinden werde.

Aus aller Welt.

Schweres Eisenbahnunglück in England.

Ein Personenzug der Südbahn ist bei Seven- oaks in Kent e n t g l e i ft. Sämtliche Personenwagen bis auf drei stürzten um. Während der ganzen Nacht waren Bergungscommandos damit beschäftigt, die Eisenbahnlinie frei zu machen. Die Zahl der Toten beläuft sich bis jetzt auf 15.

Vas Weiter auf dem Atlantik.

Reuter meldet aus Reuhork: Die CBetter* störungen, die von den Bahamas gemeldet wer­den, sind jetzt von großer Heftigkett und von Sturmwinden begleitet. Das Wetterburoau in CBashington warnt vor den gefährlichen CBinden, die auf der Höhe der Küste bei Hatieras herrschen.

Schwerer Sturm in Südwales.

Das Rhymneytal in Südwales mit einer Be­völkerung von 120 000 Menschen war gfrftern ganz in Dunkelheit gehüllt infolge eines schweren Stur­mes, der stundenlang anhielt und die Zuleitungen für das elektrische Licht unterbrach. Zahlreiche Be- zirke sind überflutet. Zwei Häuser wurden vom Blitz getroffen. Telegraphenstangen wurden um* gerissen.

vorerst fein Start Könneckes.

Der Flieger Könnecke erklärte gestern abend, daß infolge der schlechten Wetternachrichten vor­aussichtlich für die nächsten Tage mit einem Start zum Ozeanflug nicht zu rechnen sei.

Durchschwimmung des Frischen Haffs.

CBie die KönigsbergerHartungsche Zeitung" meldet, ist es gestern der 23jährigen Anni CB e y - n e l l aus T a p i a u, bekannt durch die ilm- schwimmung Helgolands, gelungen, das Frische Hass zu durchschwimmen. Sie startete 7.52 Uhr in Pillau und bestieg zwischen Patersort und Brandenburg in Höhe des Brandenburger Ha­fens um 17.30 Uhr wieder das Land. Die Schwimmzeit betrug demnach 9 Stunden und 21 Minuten. Das Frische Haff ist an dieser breitesten Stelle von 20 Kilometern zum ersten­mal durchschwommen worden.

26 000 Mark unterschlagen.

Mit 26 000 Mark ist der Kassierer der Kreis* und Stadtbankkasse in Marienwerder, Friedrich Blum, flüchtig geworden. Blum hat seinen Posten vier Jahre inne, obwohl er erst 23 Jahre alt ist.

Aus offener Straße die kehle durchschnitten.

Gestern früh durchschnitt in der Friedrichstraße in Berlin ein Mann nach heftigem Wortwechsel auf offener Straße seiner früheren Braut, wahrscyeinlich aus Eifersucht, mit einem Rasiermesser den Hals, so daß sie tot zusammenbrach. Polizeibeamte nahmen die Verfolgung des Täters auf. Doch bevor sie ihn erreichen konnten, durchschnitt er sich ebenfalls den Hals. Beide Personen wurden in die Universitäts­klinik eingeliefert. Der Täter liegt in bedenklichem Zustande darnieder.

Schwerer Zusammenstoß zwischen Lastwagen und Eisenbahn.

Auf der WarschauBrester Eisenbahn kam es gestern zu einem schweren Unglücksfall. Bei der Ueberfahrt zwischen Radzyn und Miedzhrzek wartete ein Lastwagen, in dem 12 Personen saßen, auf die Vorüberfahrt eines Güterzuges. Als dieser vorübergefahren war, suchte der Last­wagen das Dahngleis zu überqueren. Hierbei wurde er jedoch von dein aus entgegengesetzter Richtung kommenden WarschauBrester Per­sonenzug erfaßt. Drei Personen wurden getötet, sechs schwer und die übrigen leichter verletzt.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

In Deutschland hat sich heute morgen eine Regenfront heraufgeoildet, die beim Zusammen- treflen von südwestlichen mit nordöstlichen Luft­massen entstanden ist. Sie verläuft von Borkum in südöstlicher Richtung über Hannover, Dres­den, Breslau. Von Westen her breitet sich ein Hochdruckgebiet nach dem europäischen Kontinent aus. Der Luftdruck nimmt auch bei uns weiter zu. Die an der Vorderseite des Tiefs vordrin­genden kühlen Luftmassen lassen es in der kom­menden Rächt vielfach zu Rebelbildung kommen. Morgen nimmt unter dem Einfluß hohen Druckes die Bewölkung ab. Gleichzeitig steigen die Tem­peraturen infolge Sonnenstrahlung etwas an.

Wettervoraussage: Stellenweise Frühnebel, dann wolkig mit Aufheiterung, tagsüber etwas wärmer und trocken.

Witterungsaussichten für Samstag: Noch vielfach aufheiternd und meist trocken.

Lufttemperaturen: 24. August vormittags 18.3 Grad Celsius. 24. August nachmittags 15.7 Grad Celsius. 25. August vormittags 13,6 Grad Cel­sius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: 24. August 18.3 Grad Celsius. 25. August 14.3 Grad Celsius.

Gestr.^e Tagestemperaluren: Maximum 18.8 Grad Celsius, Minimum 11,8 Grad Celsius. Riederschläge: 4,5 Millimeter.