Obsrhessen.
Gieren
t Treis a. d. Lumda , 24. 3uli. Die für i .ule mittag festgesetzte Hebung der hiesigen Pflichtfeuerwehr tourte praktisch .ingeleitet durch ein heute nacht ausgebrochenes Schadenfeuer, Um 1lt4 Uhr stand plötzlich die dem Heinrich Kehr dahier gehörige, in einem offenen Schuppen stehende Dreschmaschine in Flammen. Die rasch herbeigeeilte Feuerwehr fonnte das Feuer schnell löschen, doch sind außer dem Dreschwagen noch andere daneben stehende landwirtschaftliche Maschinen bis zur Unbrauchbarkeit beschädigt. Auch das Dach der Halle ist teilweise verbrannt. Die Ursache des Feuers ist noch nicht geklärt.
Kreis Friedberg.
ff. Friedberg, 24. 3ulL Die Studentenschaft am Polytechnikum Friedberg feierte dieser Tage ihr erstes akademisches Sportfest. Auf dem Platze der Schutzpolizei, die sich auch als Kampfrichter ufto. zur Verfügung gestellt hatte, kämpften am Vormittage etwa 80 junge Leute im Fünfkämpfe. Die erzielten Leistungen standen durchweg auf beachtlicher Höhe. Sieger blieb stud. ing. Seipp mit 17 Punkten. Nachmittags trugen die studentischen Korporationen und Vereine zwei Stafselläufe aus. 3m Endlauf der 4 mal 100-Meter-Staffel und der olympischen Staffel ging die Mannschaft der Landsmannschaft Cim- bria jedesmal als Sieger hervor. Am Schlüsse der Veranstaltung trat die Mannschaft des Akademischen Sportklubs noch zu einem Handballspiel gegen eine Mannschaft der Schutzpolizei an, die dankenswerter Weise in letzter Stunde für einen nicht erschienenen Gegner eingesprungen war. Das Spiel verlief sehr flott und spannend und endete mit einem Sieg des Polytechnikums von 4 :2. Die Kämpfe hatten sich alle rasch und in größter Ordnung abgewickelt, was Wohl nicht zuletzt ein Verdienst des Leiters des Sportunterrichts am Polytechnikum, Hauptmann a. D. Dick - l e r, war, der bei dem Leiter des studentischen Sportsamtes Schäfer und bei Studienrat Schuchm a nn kräftige Hilfe fand. 3m Hotel Trapp fand das Sportfest abends durch einen Kommers seinen würdigen Abschluß. Vektor Dr. Schäfer überreichte den Chvenwanderpreis der Stadt und des Akademischen Sport-Klubs an die Sieger der beiden Stafselläufe und die Erinnerungsplaketten an die Sieger im Fünfkampf, die Studenten Seipp, Georg und Hermann.
Kreis Büdingen.
!! Büdingen, 24. Juli. In der letzten Ge- meinderatssitzung standen in erster Linie die in letzter Sitzung vertagten Punkte auf der Tagesordnung. Eine Anzahl in letzter Zeit neu angelegter Straßen erhalten Namen, und zwar: Die seitherige Schlachtyausstraße führt in Zukunft die Bezeichnung: „Pferdsbacher Weg", die untere, der beiden am Südabhang des Pfaffenrvaldes angelegten Straßen heißt „Am Gebäck", die obere Straße „Wingertstraße". Die drei Straßen des zu Bauzwecken erschlossenen Küchenackers erhalten die Namen Beethoven-, Goethe- und Schillerftraße, die parallel mit dem Schulhaus laufenden Straßen heißen in Zukunft Pestalozzi- und Freiligrath- Straße, die über den Schlagacker führenden Straßen geben die Bismarckstrahe und Ebertstraße. Für Verdienste um die Stadt Büdingen, welche sich die Familie Hanner erworben hat, erhält die Straße von der Hindenburgstraße nach dem Gaswerk den Namen Hannerstraße. — Der Voranschlag der Gewerbeschule für 1928 wurde durchberaten und die Uebernahme von 20 Proz. der ungedeckten Kosten auf die Stadtkasse genehmigt, desgleichen 25 Proz. von dem Voranschlag des Wolfgang- Ernst-Gymnasiums. Abgelehnt wird ein Beitrag zu den Verwaltungskosten der Beamtenkrankenkasse als sachliche Ausgaben und somit die Beitragspflicht der Stadt bestritten. Die aus früheren Bauvorhaben und Darlehensbeträgen zurück- fließenden Summen sollen zu neuen Vermögensanlagen Verwendung finden. — Ein Antrag auf Bewilligung eines Zuschusses zur Oberstes- fischen K u n st a u s st e l l u n g in Büdingen wird grundsätzlich gutgeheißen, jedoch soll vorerst ein Voranschlag über die Höhe der Kosten beschafft werden. — Der Waldwirtschaftsplan 1927128, ateBBseösrxrMTTx»
in dem bedeutende Wegbaulen vorgesehen sind, fand die Genehmigung des Gemeinderats. Eingehend besproct)en wurden die Mängel, welche sich an der Wasserleitung seit Inbetriebnahme der neuen Hochdruckleitung zeigten. Am Mittwoch besichtigte der Gemeinderat die Behälter, zu welcher das Hochbauamt Friedberg einen Sachverständigen gesandt hatte. Letzterer ist der Ansicht, daß ein Teil des Wassers durch befette Stellen in der alten Lei tung, entweicht, was nicht zu verhüten ist, solange die alten Rohre nicht ousgewechselt sind.
# Ober-Widders heim, 24. 3uli. Die Nachfrage nach den Erzeugnissen der Basalt- i n d u st r i e hat sich in den letzten Wochen weiterhin gesteigert. Die immer mehr in Anwendung kommende Vetonbauweise erfordert große Mengen Basaltgrus und Basaltkleinschlag, und Pflastersteine werden für den modernen Straßen- bam benötigt. Täglich werden von den beiden hiesigen Basaltwerken 40 bis 50 Eisenbahnwagen von 20 Tonnen Fastungsraum verladen und teilweise bis nach Südbayern und besonders nach Norddeutschland verfrachtet. Die großen E r - weiterungs bauten am Hartbasaltwerk sind beendet, für den sogenannten Ge- Gemeindesteinbruch, seit 3ahressrist an die Luppe, Abt. A. G. verpachtet, soll jetzt eine Verladerampe mit Anschlußgleis errichtet werden, um den Transport vom Bruch aus wirtschaftlicher zu gestalten. Während im letzten 3ahre in beiden Basaltwerken nur 80 bis 90 Mann beschäftigt wurden, ist die Belegschaft jetzt auf über 200 Arbeiter gestiegen. Infolgedessen sind Erwerbslose in den Dörfern der Umgebung nicht mehr vorhanden. — Neben den beiden am Bahnhof in diesem 3ahre errichteten und schon bezogenen Doppelwohnhäusern sind noch drei Einfamilienhäuser im Dohbau vollendet. Als Baumaterial werden hier hauptsächlich Beton-Hohl- blocksteine verwandt.
# Unter-Widdersheim, 24. 3uli. Obwohl die Bautätigkeit hier sehr gering ist — es wird in diesem 3ahr nur ein Wohnhaus errichtet — herrscht in dem Gemeindesteinbruch, der seit Jahresfrist an den Unternehmer Weber verpachtet ist, rege Nachfrage nach Bausteinen. Gegenwärtig wird eine große Lieferung Basaltsteine nach der Grube „Friedrich" bei Hungen gebracht, wo sie bei den Hm- und Neubauten der „Hesrag" Verwendung finden.
# Echzell, 23. 3uli. Das von der Gemeinde erbaute Sechsfamilienhaus geh! seiner Vollendung entgegen. Gegenwärtig werden die letzten Innenausbauarbeiten ausgeführt. Da seitens des Gemeindevorstandes die Wohnungen schon vergeben sind, ist mit dem Bezug derselben in den nächsten Tagen, jedenfalls zum !. August, zu rechnen. Leider fehlen jegliche Wirtschaftsgebäude, wie Stallungen usw. 3m Laufe des Jahves sind hier weitere sechs Wohnhäuser errichtet worden, bzw. noch in Errichtung begriffen, darrunter ein großes Geschäftshaus (Bäckerei). — Mit der Neufassung des rühmlichst bekannten Schwalheimer Sauerbrunnen „Vorn a n i s" wird jetzt begonnen. Die Arbeiten, 210 Kubikmeter Grdaushub, 40 Kubikmeter Be- tvnmauerwerk und 300 Quadratmeter Bodenbelag wurden vergeben. Diese 3nstandsehungs- arbeiten erfordern einen Kostenaufwand von 8000 Mark.
Kreis Schollen.
—8 Schotten, 24. 3uli. Aus der letzten GemeinderatSsihungist zu berichten: Da das der Stadt gehörige Krankenhaus im Laufe der Jahre völlig unzureichend geworden iift, hat der Gemeinderat, um dem lebhaften Wunsch der Bürgerschaft endlich zu entsprechen, einmütig den Neubau eines einfachen Kranken- hcruses, das für die Bedürfnisse der Stadt ausreicht, beschlossen. Die Stadt hatte für ein Krankenhaus die altbekannte Pension Posthäuschen angekauft, bei näherer Prüfung ergab sich, daß die Hmänderung des gekauften Objekts aus große Schwierigkeiten', stieß, die Kellcrräume reichten nicht aus, es mußte noch sehr teures Gelände zugekauft werden. Daher sah der Gemeinderat auf sachverständiges Anraten von der Hmänderung ab und wird das gekaufte Haus für andere Zwecke verwenden. Als Platz für das neue Krankenhaus hat die Stadt durch Hmtausch von der Kirche die sogenannte Pfarrhalle erworben,
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einen außerordentlich geschützten, sonnigen Platz. Der Hmtausch wird vom Gemeinderat genehmigt. Für das Krankenhaus werden etwa 12 bis 14 Betten vorgesehen, die Kosten sollen 40 000 Mk. nicht übersteigen. Einem b ringen beh Bedürfnis wird mit der Herstellung des Krankenhauses für die Stadt entsprochen. — Mehrere Fragen, die sich auf den vom nächsten Sonntag bis Mittwoch, 3. August, hier stattfindenden altbekannten Schottener Sommer markt beziehen, werden besprochen. Ein neuer Platz für den Pferdemarkt ist angekauft und neu her- gerichtet worden. Zahlreiche Meldungen liegen vor. der Markt verspricht einen sehr großen Umfang anzunehmen und seine alte Anziehungskraft auLzuüben. — Den Steueraus schlag für Vj. 1927 setzte b:r Gemeinderat wie folgt fest: 15 Pf. für je 100 Mk. Steuerwert von Gebäuden und Bauplätzen, 28 Ps. für landw. Grundstücke, 40 Pf. für gewerbliches Betriebskapital. 40 Pf. auf je 1 Mk. staatlichen Gewerbeertragssteuersoll, 28 Pf. auf je 1 Mk. staatliche Son der steuer für Gebäude. — Der Schütz en verein plant einen völligen Neubau seiner Schießanlagen. Auf sein Gesuch stellt ihm der Gemcinderat einen größeren Gebäudekomplex an der Ameisenweide am Stadtwald gegen mäßige Pacht zur Verfügung. Eine Besichtigung an Ort und Stelle soll näheres bestimmen.
Kreis Alsfeld.
XlX Vuppertenrvd, 24.3uli. An den Folgen eines Gehirnschlages starb der älteste Einwohner unseres Dorfes, Herr Heinrich Vei- b e r im 84. Lebensjahre. — Ein hiesiger Landwirt hielt das Bein seiner Kuh, um es von einem Nagel zu befreien. Er kam zu Fall, wobei ihm eine Nippe gebrochen wurde. — An einem der letzten Vegentage stürzte ein hiesiges Mädchen aus ziemlicher Höhe von einem Kirschbaum auf den Erdboden. Nahe dabei weilende Leute hörten die Gestürzte jammern und eilten herzu. Die Verletzungen sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. — Durch den Straßenschlamm geriet zwischen hier und Ermenrod an der „roten Weide", die sehr steil abfällt, ein Lastauto ins Schleudern und sauste den Straßenrain hinab. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen.
StarhenbutQ.
* Darmstadt, 24. 3uli. Bei der Einweihung der neuen städtischen Fest- Halle, öte zum ersten Male bei den großen Turnfesten, die am Sonntag beginnen, in Benutzung genommen wird, hielt Bürgermeister und Stadtbaurat B u x b a u m, der Erbauer der Fest- Halle, eine Ansprache, in der er u. a. ausführte, daß die Halle nicht nur den Verkehr nach Darmstadt ziehen, sondern auch als Ausstellungshalle für Handel, Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft, Kunst und Kunstgewerbe dienen solle. Das 33. Mittelrheinische Kreisturnfest und die Hessische Landwirtschaftliche Ausstellung seien der Stadt willkommener Anlaß gewesen, die Festhalle zu errichten. Die Halle hat eine Gesamtlänge von 80 m, eine Breite von 62 m und bedeckt eine Fläche von 5200 qm. Sie saßt 5233 Sitze ohne Tische und 4320 mit Tischen. Aus der Bühne können 400 Sänger untergebracht werden. Bürgermeister Mueller übernahm die Halle und stellte sie dann öem Vertreter der Darmstädter Turnerschaft, Rechtsanwalt Kalb- Henn, für die Turnfeste zur Verfügung.
Rheinhessen.
WEN. Mainz, 24. 3uli. Der siebenjährige Sohn eines Mainzer Fuhrmanns spielte am Zollhafen am Sande. Während des Spiels rutschten die Sandmassen ab und zogen das Kind mit in den Rhein, wo es in den Fluten verschwand.
Preußen.
Kreis Marburg.
sch. Marburg. 24. 3uli. 3n Anwesenheit von Vertretern der städtischen, staatlichen, kirchlichen Behörden und der Universität, sowie unter riesiger Beteiligung der Marburger Bürgerschaft fand fr~.de die Neueinweihung der
Farben und es mache sich bemerkbar eine große Vorliebe für den Hall»-, den Diertelton.
Er nickte und wies auf einen Acker, in dem sich alle gelben und orangenen Feuer der Sonnenuntergänge über Wüstenhorizonten zusammendrängten, vermengt mit Pfirsich und mit Safran, mit Aprikose und Zitrone. Er ging ein paar Schritte weiter und zeigte ein anderes Feld: einen Taumel von Rosen, Kupfer und Salm, Koralle und Lachs, übergoldet, überfilbert. Hnd hier und da ein Kirschrot eingenistet, ein Ziegelrot, ein Rot wie von zertropftem Taubenblut.
Das Auge trank. Hndenkbar saft, daß es sich je aus diesem Rausche lösen könne, der über ihm zusammenschlug. Jede Sekunde verlängerter Schau steigerte die Lust. Aus zwei Schattierungen, eben gewittert und unterschieden, wurden vier, wurden acht. Das Spiel der Schatten in den Mulden der Blütenblätter, an den glatten und den umgeschlagenen Rändern, gegen die Tiefe der goldenen Staubfäden zu. fügte sich in den Fluß der Farbe selbst, schuf famtne. seidne Milde, schuf Dichtigkeit unb Auflichtung, schuf innere Form im Bann der äußeren Gestalt.
Nun fielen Namen: „Golden Ophelia": ein Kelch auS hellstem Gold, ruhend aus schlankem Stiel: „Roselandia": ihre Tochterblume, weichen Dustes, größer, vom reinsten Sonnengelb: „Golden Emblem": dunklere Sonne, ein breiter, durch- glühler Pokal: Betty Hprichard": mit Blüten- ?(ättern doppelten Schimmers, rosa und golden nutzen, innen verhauchend nach Orange, träum« wlles schweres Haupt, ein wenig rnüd vielleicht: ,3ohn Mensing". fleischfarben zart, als Bild .im edelsten in halbgesprengter Knospe: „Reverend Page Roberts": orange, von heimlichem Brvkatbraun übersickert, im Grunde rvtgvldnen Hort bergend, der die erschlossene Blume von innen durchdämmert: „Mrs. Henry Morse": ge- tränkt mit Duft, strahlendes Rosa, an wundervoll gezogenes Rund geschmiegt, Zinnober ahnen lassend und stumpfes Gold im Boden: noch leuchtender aus vollem Kelch, doch mit eckig auf» geschlagenen Blütenblättern: „Souvenir de Georges Pernel". Korallenrosa, gelbverwafchen. klar von Gestalt, glänzend imb kühlen Hauches: „Los Angeles" ...
Schon formte sich der Strauß in den Händen des Führers, ein Strauß aus Sonnenuntergängen aus Abendrot und Abendgvld. Er wählte die zartesten Farben erreichter Veredelung ötc seltensten — — und konnte nicht wissen, daß
nach so langem Derweilen bei den Gesichten erbarmungsloser Wüsten und lafurener Himmel, gelbgoldner Mittagsträume Aegyptens, gipfelnd in der Hybris des Echnaton, ein andre: Durst in unsren Augen brannte: Dunkel und Purpur ...
O Feld voll roter Nachtglut! Doch weicher Salbenbalsam, flieg der Duft aus vielen offnen Kelchen der „Chateau de Clos Dougeöt", legte sich über die matten Lider und schloß sie... Da waren alle heißen Wüstengesichte verflogen, besiegt von anderen, milderen, die langsam herauf- ftiegen: Parktiesen mit stillen Weihern und bunt- stäuvenden Springbrrrnnen, Platanen- und Ulmenalleen mit langsam brausenden Wipfeln im Morgenlicht, fernem Kinderlachen und Tarcben- gurren, und irgendwo an einer Wegkreuzung auf tauchend und vorüberslüfternd, weißes Frauengewand... Da waren, in alten Schlössern, grün» durchdunkelte Gartenzimmer mit geschlossenen Fensterläden, auf niederen Konsolen flache Schalen, gefüllt mit schwarzem Rosenpurpur, aus dem ein kühlender Weihrauch niederfloß... Da war alles, was reich und schön in diesem Leben war: bis rückwärts in die Tage des Knaben, dem sich am Duft und Bild der Rose der Sinn der Welt erschlossen hatte.
Der Führer war weitergegangen Er stand vor einem anderen Beet, unser Nachkommen erwartend. 3n seinen Zügen lag Spannung, und die Hand, welche in neue, etwas hellere Rosen- gluten wies, wollte sagen: Hier ist das Kostbarste, das menschliche Mühe zu züchten vermochte: Karmin und Scharlach, Blut und Rubin, Zinnober und Carmesin, ®erani umrot und chinesischer Lack... Hnd wie schon das Auge des Knaben sich immer wieder an den schwarzen Tiefen jener „Samtrose" des heimatlichen Gartens sestgesogen hatte, an jenem Abgrund, in den das Blut der Blütenränder langsam niedersickerte: so suchte nun das wissende (und doch nicht wissende) die dunkelsten aus dem Gewühl der Blumen die schattenvollsten, aus denen — hoffnungslos — olle Trauer der Erfüllung das cw'ge Fragen der Seele anweht. „Gloire de Hollande" „Had- leh" „van Vossem. „Vohan", „Dickson" und „Lieutenant Chaurs": Vosen der Versunkenheit. trunken am eignen Sein, fast schon den Gott besiegend, der sie schuf. Da war die Grenze da war das Nicht-mehr-weiter-können, Vicht- mehr-wei ter-wollen. Die Sinne Ichlvssen das Tor. Das Auge wollte nicht mehr scheu.
Durch spätes Abenddämmern schlenderten wir zurück in die Stadt, oft stehen bleibend, oft im Hmkreis das langsam entschlummernde Land messend, das unsre Heimat war ... Heimat, die wir so leicht verlassen, wenn Hnraft der achtzehn 2ahre uns durch die Länder und Meere treibt, die wir erst ganz begreifen, wenn unser Schicksal uns gelehrt hat. wie sehr wir ihres Lebens Gleichnis sind.
Dann flutet ja Gelebtes wieder in die Buchten des Anfangs: aus allen Himmeln, unter denen w:r jemals erfüllt und glücklich waren, regnen die Vosen zurück in das Herz der Großen Mutter, die schweigend wiedernimmt, was sie an Traum und Kraft zu blühen uns oftmals Un- g et reu eri mitgab. _____
HochschulnachrichLen.
3n der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften der Technischen Hochschule zu Aachen habilierte sich der Schriststeller Dr. Wilhelm Hermanns für das Fach der Zeitungskunde. — Amtlich wird die Ernennung des o. Professors Dr. Alfred B e r r o t h von der Berliner Landwirtschaft- schastlichen Hochschule zum ordentlichen Professor der Geodäsie an der Technischen Hochschule in Aachen bestätigt. — Die Privatdozentin für Zoologie an der Hniversität Berlin, Dr. Paula H e r t w i g , ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ebenda ernannt worden. Frl. Dr. Hertwig, eine geborene Berlinerin, widmete sich dem Studium der Naturwissenschaften in Berlin, besonders bei ihrem Vater, Professor Oskar Hertwig, und war von 1915 bis 1918 Assistentin am Berliner anatomisch - biologischen Institut. 1919 erhielt sie die venia legendi in der Berliner philosophischen Fakultät. Z. Zt. bekleidet sie eine Assistentenstelle am 3nftitut für Vererbungsforschung in Berlin-Dahlem. — Zum Vektor der Hniversität München für das Studienjahr 1927/28 ist der Ordinarius für Forst einrichtung, Holzmassenermittelung, Geodäsie und Wegbaukunde Geh. Vegierungsrat Dr. Vinzenz S ch ü p - f er, gewählt worden. — Professor Dr. Sakin von der Hniversität Heidelberg hat den an ihn ergangenen Vuf als Ordinarius für Nationalökonomie an die Hniversität Basel angenommen. — Der bisherige Honorarprofessor für Geschichte des Mittelalters und der neuen Zeit an der Hniversität Münster t W.. Dr. Adolf Gottlob, iss zum Honorarprofessor an der Hniversität Dr es7 a u ernannt worden.
Hniversitätskirche statt, deren vollstäw» diger Hmbau zum 3ubiläum jetzt vollendet ist. Die Kirche, deren Chor um 1300 von den Dominikanermönchen errichtet worden ist, wurde später stillos vollendet. Das Schiff wurde ein flache >', kastenartiger Bau. Hm es mit dem Chor in Einklang zu bringen, griff man auf die 3i)ee des ersten Baumeisters zurück. Man vollendet« die abgebrochenen Strebepfeiler, riß die überall eingebauten Emporen weg, der Kastenbau der Orgel verschwand aus der Mitte des Chores. Nun wölbt sich eine buntbemalte Decke wie ein prächtiger Teppich über das Schiss, an der Hinterwand des Chores erhebt sich ein schlanker Orgelturm, vor dem der Altar mit einem mächtigen Kreuz, von der Künstlerhand Otto Kösters, Barmen, aus Bronze gegossen und ziseliert, errichtet worden ist. Das gotisch Empov- strebende kommt jetzt voll zur Geltung. Die farbenprächtige, in neuer evangelischer Form gotisch vollendete Kirche kann sich jotzt neben der Elisabeth- uni der Marienkirche sehen lassen. Mit kurzen Worten weihte Generalsuperintendent Dettmering-Kassel die Kirch» und übergab sie von neuem ihrer Bestimmung. Pfarrer Dr. Frankenberg-Marburg hielt Darauf die Festpredigt. Eine liturgisch-musikalische Abendfeier beschloß das Fest.
11 Marburg, 23. Juli. Heute nachmittag sand in der Aula der Universität die Wahl des Netto r s der Universität und der Dekane für das Amtsjahr 1927/28 statt. Als Rektor wurde Pofefsor Dr. theol. Freiherr o. Soden gewählt. Die Wahl der Dekane hatte folgendes Ergebnis: Theologische Ja- kultät: Prof. Dr. theol. Friedrich N i e b e r g a l l; Juristische Fakultät: Prof. Dr. jur. Tiani gf; Medizinische Fakultät: Prof. Dr. med. Walter Uffenorbe; Philosophische Fakultät: Prof. Dr. phil. Paul Jacobsthal. — Während in früheren Jahren die studentischen S t i s t u n g s f e st e und Fäßck)enpartien schon in den ersten Julitagen ihren Anfang nahmen, blieb es in dem gegenwärtigen Jubiläumssemester bis jetzt verhältnismäßig till. Erst in den letzten Tagen haben die studenti- chen Veranstaltungen eingesetzt. Aus diesem Grunde irangt die Stadt, besonders die Straßen der Alt- tadt, in prächtigstem Fahnenschmuck der verschiedensten Verbindungsfarben. Viele Alte Herren der Verbindungen, welche auch an dem kommenden Freitag seinen Anfang nehmenden 400jährigen Uni» versitätsjubiläum teilnehmen wollen, sind bereits eingetroffen.
WSR. Marburg. 23. 3uli. Der Marburger Verein für Luftschiffahrt errichtet zur Zett auf den Afföller Wiesen eine neue große Flugzeughalle. Man hofft, die Halle in der kommenden Woche fertigstellen zu können. Damit ist ein wesentlicher Fortschritt erreicht worden. Der Bau der Halle ist um so mehr zu begrüßen, als zur 400»3ahrfeier der Hniversität Rundflüge unternommen werden sollen, für die man auswärtige Piloten gewinnen will.
sch. Marburg, 24. 3uli. Infolge geistiger Störung stürzte sich dieser Tage eine junge Patientin aus dem Fenster im zweiten Stock der hiesigen Hautklinik. Glücklicherweise fiel sie auf einen Apfelbaum, wodurch der Fall erheblich gemilixct wurde, so daß die Selbst- rnordkandidattn, soweit bisher festgestellt werden konnte, ohne erhebliche Verletzungen davon kam. — Bei den gestrigen Wahlen zur Studentenkammer entfielen auf die Hauptliste der Marburger Korporationen 31 Sitze (873 Stimmen), auf die Lifte der Freistudentenschaft 9 Sitze (267 Stimmen), auf die Liste der Studentinnen 5 Sitze (144 Stimmen), auf die Liste der nationalen Korporattonen 20 Sitze (541 Stimmen), auf die Liste der nationalen Freistudenten 5 Sitze (140 Stimmen). Die Wahlbeteiligung war gut. 70 Prozent der Marburger Studierenden wählten.
Dillkrcis.
bl. Dillenburg, 23.Juli. Durch die Anstellung eines Kreiskommunalarztes im Sill frei je finden z. Z. Schuluntersuchungen statt. Zweck dieser Untersuchungen soll es sein, bei den Schulkindern schon in der Jugend evtl. Krankheitsherde (insbesondere Tuberkulose, Rachitis usw.) aufzudecken und für entsprechende fachärztliche Behandlung der Kranken besorgt zu sein.
bl. Dillenburg, 23. Juli. Die Stadt hat an einigen Stellen im Stadtwalde Kinderspiel-
Die Ausdehnung des Himmelsraumes.
Von Professor Dr. Adolf Marcuse, Berlin.
Der Sophokleische Ausspruch: „Vieles Gewaltige gibt es, doch nichts Gewaltigeres als den Menschen", kommt einem unwillkürlich in Erinnerung, wenn man die neuesten Fortschritte in der Wissenschaft vom Weltall sich vergegenwärtigt. 3n den letzten 3apren ist es der Astronomie mit Hilfe der ganz großen Fernrohre und neuer Methoden gelungen, bis in die Tiefen des Weltraumes, sogar jenseits des Weltennebels der Milchstraße vorzudringen. Nun kommt von der kalifornischen Dergfternwarte Mount Wilson, wo sich das größte Spiegelteleskop mit einer Oeffnung von zweieinhalb Metern, in reinster Höhenluft arbeitend, befindet, die Nachricht von einer höchst eindrucksvollen Entdeckung aus dem Bereich der entferntesten Fixsternwelten. Man hat durch neue photographische Aufnahme unb Ausmessungen einen schm früher bekannten Nebelfleck im Sternbilde des „Schützen" untersucht und gesunden, daß dieses Weltsystem weit jenseits unseres durch die Milchstraße begrenzten Stemsystems in einer Entfernung von etwa neun Trillionen Kilometern liegt. Auch über die räumliche Ausdehnung dieses Nebelflecks ton: te man eine Vorstellung gewinnen, ja sogar üb r die Lichtintensität jenes Weltgebildes. Danc ^) nimmt dieser Nebelfleck -inen Rarun ein, den das Licht mtt seiner Sekun'engeschwindig- keit von 300 000 Kilometern erst in etwa 3000 Lichtjahren durcheilt, wobei einem Lichtjahr der ^aum von 9,4 Billionen Kilometern entspricht. Dre Lichtstärke jener Nebelwelt dürfte um ungefähr zwanzigmillionenmal größer fein als die Strahlungsintensität unserer Sonne. Gegenüber solchen ungeheuer großen Dimensionen und Licht- intenfitäten erscheint selbst unser Sonnensystem' mit seiner Ausdehnung von etwa 9-000 Millionen Kilometern sehr klein und unser lichte und wärmespendendes Zentralgcstirn nur ganz schwach leuchtend. Braucht doch das Licht von unserer Erde bis zu dem bisher äußersten Planeten Neptun nur etwa vier Stunden, während es zum Durchlaufen jener sernsten Nebelwelt allein schon fast 3000 Lichtjahre nötig hat. So stehen wir staunend vor der Größe des Weltalls, dessen Durchdringung aber dein Menschengeiste in unaufhaltsamen Fortschritten gelingt.


