Ausgabe 
25.3.1927
 
Einzelbild herunterladen

die Streichung von 20 Millionen Mark auS dem Etatsposten Mittellandkanal von Hannover bis Magdeburg einlegte, auch in dem sehr schwach besetzten und von den umfangreichen Erörterungen des auswärtigen Etats noch erschöpften Hause als eine Art Sensation gewirkt.

Diese Kundgebung könnte nun troh ihrer etwas ungewöhnlichen Form und Schärfe als eine Verwahrung ohne praktische Be­deutung für den Augenblick angesehen werden, trenn nicht die beteiligten Länder in der notwen­digen Zustimmung des Reichsrates zum Etat die Mittel in der Hand hatten, eine Berückslch- tigung ihrer Auffassung zu erzwingen. Wenn sämtliche preussischen, braunschweigischen, sächsi­schen und anhaltischen Stimmen und vielleicht noch einige andere den Etat a b l e p n e u, so­lange die 20 Millionen für den Mittellandkanal nicht eingesetzt sind, so kann der Etat jedenfalls bis zum 31. März nicht verabschiedet wer­den. Da andererseits das jetzt vorsi-gen 'e Re­gierungsprojekt das Ergebnis einer Vereinba­rung zwischen Regierung und Koalitionsparteien ist. so könnte die Reichsreg'.erung ohne Zustim­mung der Parteien und ohne eine zweite ein­schneidende Veränderung des Ctatsentwurfs die Wiederherstellung des Kanaletats gar nicht vor­nehmen. Sie befindet sich also in einer Schwierig­keit, die über den materiellen Wert des um­strittenen Projekts hinausgeht und kaum noch c-twas mit der grundsätzlichen Frage zu tun hat. wie hoch man die Rotwendigkeit einer beschleu­nigten Fortführung des Mittellandkanals bcmißt.

Das Gesetz zum Schutze der Rcpubuk

Die prcuftischc Negierung gegen eine Rückkehr des Kaisers.

Berlin, 24. März. (Priv.-Tel.) Die ..Bos'. Zig." veröffentlicht ein Schreiben des preußischen Ministerpräsidenten Braun an den Renbs^mzlsr Marx, in dein i» u a. heißt: Nil dem Ablauf des Nepublikfchutzgcsetzes mürb? es, nicht bejondr.e gesetzliche Besttmmungc: lassen werden, in Zukunst an bei Möglichkeit fehlen, cegen Bestrebungen und Organisationen, die stnats- feinbliche Ziele unb Zwecke verfolgen, kurzufchreit. w Da es ferner der preutzischen Staatsrsgiernng im Cmtereffe der öffentlichen Ruhe unb Drbi.nng unb zur Vermeibung außen und innenpolitischer Bor wichlungsn unbedingt geboten j.i auch weiter­hin eins rechtliche Handhabung dafür zu besitzen, daß die Rückkehr des e h e in a 1i g e n Ka i - f e r sprach Deutschland untersagt, sowie bei einer ctuJnigwr Rückkehr seine Freizügigkeit Beschränkungen auferlegt werden können, hält sie es für dringend erforderlich, daß das Re- pnblrkfchuhgssetz über die Dauer feiner jetzigen Gül­tigkeit den 21. Juli 1927 hinaus verton gert wird.

Der preilßifche Rünifterpräsident bittet iveiter uni eine bald gefällige Mitteilung der Stellungnahme der Reichsregierung zur Frage dieser Verlängerung des Republikfchutzgefetzes besonders deshalb, weil sich die preußische Staatsregierung gegebenenfalls schon jetzt darüber schlüssig werden müßte, welche Maß­nahmen sie für den Fall treffen müßte, daß das Republikschutzgesetz aufgehoben werden sollte, ohne daß entsprechende gesetzliche Vorschriften an seine Stelle treten. Von den Entschließungen der Reichsregierung in Hinsicht auf die Verlängerung ober Aufhebung des Republikschutzgesetzes werde die preußische Staatsregierung es abhängig machen müffen, ob sie der Frage eines Antrags an die Reichsregierung auf eine vorbeugende A u f- enthaltsuntersagung bzw. Aufenthaltsbe­schränkung für den ehemaligen Kaiser vor Auf­hebung des Republikschutzgesetzes näher treten solle.

Der preußische Staatssekretär Weißmann hat an den Generalbevollmächtigten des Hohenzollern- hauses, Oberst a. D. o. Kleist, ein Schreiben ge­achtet, in dem es heißt:Zeitungsnachrichten zufolge b-absichtigt die Gemahlin Dos früheren Königs Demnächst das Palais Unter den Lin den 37 zu beziehen. Die preußische Staats regierurig würde die Ausführung dieses Planes für politisch in höchstem Maße bedenklich, halten. Ansamm­lungen vor dem Palais sind mit Sicherheit varaus- zusehen. Die Uebernahme irgendeiner besonderen Gewähr für die Sicherheit ber Bewohner des Hau­ses müßte die Regierung unter diesen Umständen oblehn en."

Oberst a. D. v. Kleist hoc mit einem Schreiben geantwortet, in dem gesagt wird:Ich möchte noch­mals feftstellen, daß an ein Residieren der Kaiserin Termine im Palais Unter den Linden 37 nicht gedacht ist. Einige wenige Räume des Palais sollen etwas wohnlicher hergerichtet werden, um 6er Gemahlin des vormals regierenden Kaisers für vorübergehenden Aufenthalt als Unter­kunft zu dienen."

Preußens innenpolitischer Kurs

Berlin, 24. März. (VDZ.> Der Preußische Landtag setzte die allgemeine Aussprache zum Innenministerium fort. Minister des Innern, Grzesinski), erklärt: Die preußische Regierung arbeitet mit der neuen Reichsregierung bis her genau so einträchtig zusammen, wie mit jeder früheren. Das liegt zum Teil daran, daß auch die neuen Herren im Reick-e wissen, daß nur mit Wasser gekocht wird und bann, daß jeder sich im Rah­men s e i n e r Z u st ä n d i g k e i t hält. Unb jo wird es auch bleiben. Preußen niacht mit seinen parla inentarischen Körperschaften seine Gesetze, führt die Reichsgesetze aus unb fuhrt seine Verwaltung und Personalpolitik im Sinne ber beftebenben Reaierungs toalition. Es geht hier wie die ganzen Jahre in Preußen dank der politischen Einsicht ber bisheri­gen Regierungsparteien alles ruhig seinen Gang weiter in der Richtung der Festigung ber heutigen republikanischen Staatsform im Interesse ber Wie- Derausrichi mg unseres Staates zum Wohle des ganzen Volkes. Unser Volk bat in seiner Mehrheit nun einmal die Ueberzeugung gewonnen, daß die Republik dtc Staatsform ist, die allein heute die v'-ewähr für innere Ruhe unb Ordnung bietet und damit die Voraussetzung auch für den wirtschaftlichen Aufbau DeutschlcmDs ist.

Ich muß die llntcrfrellung zurückweisen. daß hier in Preußen lediglich das Parteibuch bet der 2krnmenuefei)ung entscyetdek. (Gelächter rechts, j Mir ist ein charaktervoller tüchtiger Be­amter lieber als einer, der aus Besch vceungs- grünben feine politische Uebergcugung wechselt. Ich lest« in erster Lime auf die Tüchtigkeit des Beamten. Der Beamte fann im übrigen denken was er will. Ich muß über von ihm ver­langen. daß er in seinem öffentlichen uf tret en denSatt und die Zurstckhai'ung an den 5og legt die von ihm als Beamten fett öftere ber ver­langt Worden ist. Ebenso wie bei den Offi­

zieren der Schupo, muh ich bei den politischen Beamten verlangen, dah bei der dienstlichen Be­tätigung die staatsbejahende Einstellung des Be­amten zum Ausdruck kommt. Der Staat unb seine Einrichtungen stehen fest. Schließlich haben ja auch die Kreise der Wirtschaft eingesehen, daß es sich in der Republik ganz gut verdienen läht. lind nachdem die Drutschnatisnalen im Reiche die Verfassung beschworen haben und ihren Schwur halten werden, haben sie vorerst mit ihren Wählern zu tun. um chnen ihr Tun plausibel zu machen, statt an etwas anderes, etwa an den Umsturz zu denken.

Abg. Severing lSoz.): Ich wollte die große Koalition, damit wir Versassungs- reformen durchsetzen konnten, denn mit einer Stimmenmehrheit kann man ein so großes Werl nicht fördern. Die D. Dp. sollte in die Regierung einbezogen werden, aber sie ist draußen gs- blicoen. Dir Bereitschaft der Sozialdemokraten zu einer großen Koalition und zu einer Unter­stützung ber Regierung der Mitt« fei lediglich durch das Verhalten der Volkspartei nicht zur Auswirkung gelangt. Roch heute seien in der preußischen Regierung die deutfchnationalen Be­amten in der Mehrheit. Zweifellos müsse man immer mehr dahin kommen, nach der Quali­fikation eines Beamten zu fragen.

Die Verwendung der Mieterhöhung in Preußen.

Berlin, 25.März. (WTD. Junkjpruch) LautGermania" ist in Preußen zwischen den Regierungsparteien über die Verwendung der Mieterhöhung um 10 Prozent eine Vereinbarung zustandegrlommen. wonach die Zinssteuer nur bei den Häusern, die vor dem Kriege mit mehr als 45 Prozent ihres Wertes hypothekarisch belastet waren, um 2 bis 8 Prozent erhöht wird. Aus diese Weise wird aus der Erhöb'ina am 1. April ein Betrag von nun« lettene 120 Millionen tut Jahn für die öf­fentliche Hand sichergestellt. Von dem Mehr- t: trag der Hauszinsskeuer sollen s . für den Wohnungsbau verwendet toerben. wäh­rend 1 den Gerne i üben überwiesen tverden feff

Das Rsichsschuigesetz.

Tic Horderimgeu der evangelischen Kirche.

Berlin, 24. März. (Wolfs.) Zu chut Aus­sprache über dos Reichsschulgeseh hatten üch gestern abend aus Einladung des Evangelliichen Pressederbandcs für Deutschland eine große An­zahl von Parlamentariern, ferner die Mitglieder des Dcuttchen evangelischen Kirchenauslchusfes und Vertreter der Lehrerschaft und der Berliner theologischen Fakultät imRbeingold" eingesun­den. Der Reichsminister des Innern Dr. v. Keudell und der preußische Minister jur Wiisenschaft. Kunst und Volksbildung, Dr. f_>. Becker, waren persönlich zugegen. Die Aus­sprache über das Reichsschulgesetz wurde einge­leitet durch den bayerischen Kirchenpräsidenten. D. V eith - München, der betonte, daß das Mißtrauen endlich verschwinden müsse, als ob es in den Beziehungen zwischen Kirche und Schule um irgendwelche Mochtsragen gehe. Es Handke sich um eine gemeinsame Arbeit im Geiste gegen­seitigen Vertrauens. Die Kirche sei die letzte, die den Fortfall der geistlichen Schulaus,icht bedauert. Für das kommende Reichsschulgesetz lautet die Forderung der evangelischen Kirche: Für evan­gelische Kinder evangelische Schulen, nicht im Sinne der Unterdrückung der anderen verfassungsmäßigen Schularbeiten. Es solle den Eltern unbenommen bleiben, sich ihrer zu be­dienen. In der geschichtlich gewordenen chr ist - lichen Simultanschule sei, zumal in Ge­genden besonders starker Konfessionsmischung, etwas Wertvolles zu erblicken: aber wo immer die Vekenntnisschule gewünscht werde, müsse ihr freie Bahn gegeben werden. Die angeregte Erörterung brachte bei mancher Verschiedenheit der Auffassungen den Millen zur gegenseitigem Achtung und zur Lösung der Fragen im Geiste gegenseitigen Vertrauens zum Ausdruck.

(ßeldftraje für einen Führer der Reichsbankgläubiger.

.Berlin, 24. März. (WTB.) Wegen unbe- fügtet Geldfammlung ist hier ber Prooin- ziallanbtagsabaeorbnete Beer, einer ber Führer ber sog.Reichspartei für Aufwertung unb Recht", Deren Angriff« a u f b e n Reichsbankprä- f i b e n t e n zu verschiebenen Verurteilungen wegen Beleibigung geführt haben, zu 600 Mk. Gelb' ft r a f e verurteilt worben. Beer hatte nach ber Ver­urteilung des Vorsitzenben ber Organisation in einer am gleichen Tage abgehaltenen öffentlichen Ver­sammlung sowie in dem Organ des Verbanbss bie Mitglieber aufgeforbert burch Gelbspenben ben Strafbetrag oufzu bringen, eine Aufforberung, bie nach ben strafgesetzlichen Bestim­mungen u n ; u l ä s s i g ist. In ber Begründung heißt es, bas Gericht habe lange geschwankt, ob nicht ber Angeklagte mit Gefängnis zu bestrafen sei: denn es seien bei ihm k e t n e i b e a le n Gesichts­punkte vorhanden, fonbern es hanble sich um einen ber Fälle, m Denen aus eigennützigen Motive n bie Unruhe in ber Bevölkerung infolge Des Ausganges ber Inflation weiter aufrecht erhalten ;mb nerffär'i mürbe?

Gewerkschaften

und Arbeirszeilnolgesetz.

Berlin, 25. März. (Priv.-Tel.) Reichs- arbeitsminister Brauns empfing heule nach­mittag die Vertreter der freien Geweillchaften unb des freiheitlichnationalen Gewerkschafts- ringes, um ihnen Kenntnis zu geben von den Abänderungsvorschlägen der Reichsregierung zur Arbeitszeit Verordnung vom Dezember 1923. Wie das Rachrichtenbureau des VDZ. hört übten die Vertreter der Gewerkschaften an Dem vorliegenden Entwurf lebhafte Kritik und erklärten, daß daß der Entwurf der Reichs- legicrung für die Arbeitnehmerschaft keine be­friedigende Lösung des Arbeitszeitpro­blems k-arsteNe.

Eine Rundfunkpredigt" Crrspiens.

Berlin. 24. März. : vttv.-Tsl des G. A., Die vielfach in ber Oeffentlichkeit stark Irüifterte Predigt". Die der linkssozialistifche Abgeordnete <2 r t f t> i e n am vergangenen Sonntag bei der Morgenfeier der treireligiöfen Ge » in eind c im Berliner Rundfunk hielt, und die sich

-hier parteipolitischen Provngandarede «k-

stattete, ist Gegenstand einer Aussprache im interfraktionellen Ausschuß der Regierungspar­teien im Reich gewesen. Ein Beschluß ist in der Angelegenheit noch nicht gefaßt worden. Man g<cht wohl nicht fehl m der Annahme, daß bei der Besprechung eine besondere Rolle der Parla- mentarifche Ueberwachungsausschuh des Rundfunks gespielt hat. d.m die Rede Criipiens vorher zur Billigung vor­gelegen hat.

Aus dem Finanzausschuh des hessischen Landtags.

Darmstadt, 24. März. Der Finanzausschuß beschäftigte sich mit einer Regierungsvorlage über die einstweilige Zurverfügungstellung der im Staats oocanschlag vorgesehenen B a u k r e b i t e. Die Vo. läge würbe jetzt schon beraten, damit bald Gelb mittel zur Verfügung stehen, um bie günstige Jah­reszeit zurn Bauen auszunützen. Abg. Haury erstat­tete über bie Vorlage Bericht: es breht sich um bie Kosten für bie Unterhaltung von Bauten, für ange­fangene Bauten unb für Neubauten. Es lagen zahl reiche Anträge hierzu vor. Die Regierung stellte fest, bas gegen bas Vorfahr ein A b st r i ch von 10 Pro;, an ben Kosten vorgenommen worben sei. Die Abg. Dr. Leuchtgens unb Glaser verlangten aber in einem Antrag, baß an ben Baukrediten weitere zehn Prozent zu kürzen feien; ber Regierung soll es überlassen bleiben, sich bie für Abstrich« geeigneten Positionen auszusüchen. Dec Antrag rourb« gegen zwei Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Lur unb Gen. würbe angenommen; biefer lautet: Wir bean tragen, ber Landtag möge beschließen, bie Regierung zu ersuchen, bie Loraloerwaltungen schärfer zu über- wachri'. sowie bie K o st e n a n s ch I ä g e ber I v - [ a I e n Bau Verwaltungen unb dafür zu sorgen, baß bie erforberlichen Reu-, Um- unb Aus. bauten möglichst einfach, unter Vermeidung von jeg­lichem Luxus unb mit Rücksicht auf bie ernste Fi- nanznot des Laubes durchgefuhrt werben. Die Re» gierungsvorlag«. in der 8 893 000 Mk. angeforbert werden, wurde gegen zwei Stimmen ange­nommen.

Adle znung des Tch^d-Verrrags.

Den Haag, 25. März. (E>IB.) Der hollän bisch-belgische Vertrag über die Sdjehemanbung würbe >c>n ber niebs'-iändifchen Ersten Kammer in namentlicher?1bstimmung mit 33 gegen 17 Stimmen I abgelehnt. Außenminister 2khi van Karne - beek. ber Baler des Bectrages, hat ber Königin seine Demission angeboten.

*

Die Ablchnuna des Scheldeverrrages durch die holländische Erste Kammer hat in amtlichen Kreisen Belgiens lebhaftes Bedauern ausgelöst. Man beklagt insbesondere, daß die so zustande gekom- menc Entscheidung zur Folge haben muß, daß für die Zu kirnst eine weitere Entwicklung in Der Zu- iainmenaroeit ber beiden Länber auf Dem Gebiete Der internationalen Politik unD insdesonbere im Rahmen Des Völkerbundes unmöglich gemacht wird. Die öffentliche Meinung Belgiens äußert sich für Aufrechterhaltung ber belgischen Ansprüche in ooUem Umfange bes Vertrages, da es sich um Lebensfragen handele, von denen bas wirtschaftlich« Bestehen des Lanbes abhangt.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident empsing gestern nachmittag den Rcichsminister der Finan­zen Dr. Köhler zum Vortrag über finanz­politische Fragen, sowie den Reichswehrminister Dr. Gehler, ferner den deutschen Botschafter in Rom, Freiherrn v. R e u r a t h. und den? deutschen Gesandten in Helsingfors, Dr. Hau - schild.

Entsprechend der allgemeinen Erhöhung der Mieten ist der Wohnungsgeldzuschuß für die Beamten jetzt ebenfalls um 10 Pro­zent erhöht worden. In Preußeii erhalten die Staatsbeamten den Mehrbetrag bereits zum 1. April. 3m Reiche wird der Mehrbetrag Den Beamten zum 1. Mai gezahlt werden., da der Reichshaushalt noch nicht verabschiedet ist.

*

Der Kaufmann Albert He y d e n r e i ch aus Ludwigshafen wurde vom französifchen Kriegs- a e r i ch t in Landau unter Ausschluß Der Ooffont- lichkeit wegen Berrates militärischer Geheimnisse und Pahvergehens zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten verurteilt. Heydenreich soll an­geblich in den Jahren 1923 bis 1925 in Mann­heim und München militärische Geheimnisse der französischen Besayungsarmee verraten und Die Rheinbrücke rn Ludwigshafen ohne im Besitz eines Personalausweifes zu fein, pasfiert haben.

DerDemokratische ZeitungSdienst" verbreitet eine Meldung, wonach der Vorstand der Deutschen Studentenschaft 15 000 Mk aus einem Fonds, der als Grundstock derGe- sallenen-Gedenkstistung der Deutschen Studenten­schaft" bestimmt war, für feine Geschäfts­führung verwendet habe. 3n den Dlät- lern, die diese Nachricht abdrucken, wird Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft aufgefor­dert. sich zu diesen Behauptungen zu äußern.

Von Der demokratischen Reichstagssraktion wird geplant, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den Der Schutz vor gesellschaftlicher Aech- tu n g politisch Andersdenkender ge­währleistet werden soll.

Kunst und Wrsie Fchast.

wie Beethovens Geburtsslabt den hunbeitjährigen Todestag des TNeisters begeht.

Die bedeutendsten Beeethooenseiern. Die aus An­laß des hundertjährigen Todestages des großen Meisters begangen werden, wird bas A11g« meine deuts ch« Beerhovenfest 21. bis 26. Mai in ber Gcburtsstadt Beethovens in 'Bonn. sein. In Bonn wurde Beethoven am 16. De­zember 1770 geboren. Roch heute fann man das Zimmerchen besichtigen, in dem feine Augen das Licht biefer Well zum ersten Male iahen Man wirb von einem eigenartigen Gefühl ergriffen, wenn man diese niebrig«. kleine Dachkammer betritt AiaW unb büfter finb Sie Wände ausgetreten und morsch die Dielen des Fußbodens. Aber Dort au dem kleinert Fenster ber Kammer stehr eine Marmorbüste bes Meisters gerabe an ber Stelle, an ber damals seine Wiege stand. Und vor unb neben ihm liegen große, feierliche Ruh rrev'ränze. Der Besuch in dieser Meinen Dachkammer ist einer der gewarrigsten Einbrücke, bf man je an historischen Stätten in Deutschlanb hat.

Gerade diese ärmliche Einrachheit des Raumes, bieir unenbliche Nüchternheit ber kahlen, falten Wände wirkt ro eigenrumlich gegensätzlich zu ber strömenden menjchKchen Wärme, mit ber jene Marmarbuste bes Genies bie nübrige Kammer zu erfüllen scheint. Das Becthovenhaus enthalt auch ein Beethoven- archiv, bas am Tobestag feierlich eröffnet wirb, dazu kommen. Fast alle Bilbnisie unb Büsten, die von unzähligen beutjchen und ausländischen Kunst lern angefertigt wurden, sind in Originalen ober Kopien bzw. Abaüssea in biesem Museum zii sehen. Auch bie Handschriiten, bie Briefe, bie M isikinstru- mente bes Schöpfers ber 9. Sinfonie unb ber Oper Fibelio" kann man betrachten. In biesem Jahre bes hunbertstcn Todestages Beethovens werben es sicherlich Unzählige jein, bie sich bie Geburtsstätte des großen Genies anschen werden unb bie ber be- beutenben Feier beiwohnen werben.

Deutschlanb auf ber Lyoner Beethooen-Gedenkseier.

Auf Einladu.ig d«S iranzosi chen Unterrichts- Ministers Herriot in feiner Eigenschaft al3 Bürgermeister von Lyon begibt sich der Bon n e r © t r. D11 a t Bädors nach Lyon zur Teil­nahme an der Beethoven-Feier Der Stadt Lyon Der Bonner Oberbürgenneifter hatte Herriv zunächst mit geteilt, daß die Tei^nahnv Bonns im Hinblick auf die fortdauenide ^e schlag- nahme der Goethe-Andenken aus dem Frankfurter Archiv, die im Jahre 1914 zu der großen Ausstellung nach Lyon geliehen wurden nicht angängig fei. Den Bemühungen Herriot^ ist es nunmehr bekanntlich gelungen, die Zurü c* gäbe der Goethe-Andenken durch bie franzö fischen Behörden durchzusehen.

Bcethooenkeler in der deutschen Gesandtschaft Kopenhagen.

Der deutsch» Gesandte und Frau v. Harfe! gaben aus Anlaß ber 100. Wiebcrkehr des Lobes tage» Ludwig van Beethovens in ber Gefanbl schürft einen musikalischen Abend, zu dem etwa 150 Geladene erschienen waren. Unter den Gästen befanden sich Prinz und Prinzessin Vig- g o von Dänemark mit zahlreichen Damen und Herren der Hofgesellschaft. Ministerpräfident Madsen-Mygdal. die leisten Minister mi' ihren Damen, ferner Vertreter der Ministerien iowie die Damen und Herren des diplomatischen Korps. Mitglieder der Gesellschaft für deutsch- Dänischen Kulturaustausch. Vertreter der däni­schen Musikwclt und schließlich Vertreter ber dänischen und der deutschen Presse. Das Pro­gramm bestand ausschließlich aus Beethovensche. Mukik.

Gustav Jrenjfen in Oslo.

Der Dichter Gustav Frensfen wellte einige Tage als Gast des Deutschen Geschäftsträgers Dr. Jordan in Oslo, um deutsche und nor- wegifche Freunde zu besuchen. 3hm zu Ehren gab der Geschäftsträger ein Essen, an dem u. a. der Prä iv-mi der norwegischen Rationalversamm- lung, E. 3. Ha m b r o , und der Vorsitzende des norwegischen Schrißstellerverbandes. Peter Egge, teilnahmen. Am gleichen Sage fand ein 5anriltenabcnD der deutschen Kolonie statt, auf dem Frenjsen launig und schlicht von feinen Ein­drücken und Erlebnissen bei den Deutschen in Amerika erzählte. Der Besuch schloß mit einem Abendessen beim Pfarrer Der deutschen Gemeinde. Dr. Günther, ab. auf dem zahlreiche Vertreter der Universität Oslo und der akademischen 3u- genb Gelegenheit ha'len. den Dichter zu begrüßen.

Aus aller Welt.

Schulslreik in Schwedt a. d. 0.

3n Schwedt hat ein Schul streit eingesetzt. Die Stadtverordneten hatten vor einer Woche das Gymnasium in die Räume der Mädchen- Volksschule zu verlegen' beschlossen, well die jetzigen Räume d4s Gymnasiums für den Schul- betrieb nicht ausreichten. Da das Gebäude der Vollsschule aber neuzeitlicher und besser ist. als die jetzigen Gymnaiiumsräume. sind die Eltern der Bolls chülerinnen mit dem Tausch nicht einverstanden, weil sie für die Gesund­heit ihrer Kinder fürchten. Um ihrem Protest mehr Rachdruck zu verleihen, haben die Eltern die Kinder .vom Schulbesuch fernge­halten. Der Schulbelrieb ruht vollständig. Etwa 450 Kinder find von dem Streik betroffen. Der Minister ist von dem Streik durch ein Telegramm benachrichtigt worden. Der Streik soll vorläufig einen Tag Dauern, wenn nötig aber für längere Zeit wiederholt werden.

Di« Revision des 3uroelenräu6ets Spruch verworfen

Der zweite Strafsenat des Reichsgerichts be­schäftigte sich mit der Revision des Angestellten 3ohannes Spruch, der wegen De3 aufsehenerregen­den Raubüberfclles auf ein 3uwe!engeschäft am 25. September 1926 in der Tauentzien-Strahe in Berlin vom Dortigen Schöffengericht am 17. Rv- vember zu fünf 3ahren Zuchthaus unb fünf 3ayren Ehrverlust unb wegen unerlaubten Waffenbesitzes z u einem 3ahr Zuchthau­verurteilt worden war. Gegen die Verurteilung wegen unerlaubten WaffenbefiyeS hatte Spruch Revision eingelegt, die aber vom Strafsenat verworfen wurde.

Schweres Fuhrwerksunglück 3 Personen getötet.

Bei Elmshorn (Holstein) scheuten die Prerde eines mit 6 Personen besetzten Fuhrwerkes. Die In­sassen, die von einer Sonfinnationsfeier zurückkehr­ten, suchten sich durch Ab pringen zu retten. Dabei erlitten eine Frau und ein Ehepaar so schwere Der letzungen, daß sie kurze Zell darauf ftarben. Der einen Frau waren bei dem Sturz die Haar­nadeln in die Schädeldecke gedrungen.

Daldbrand Im Spessart.

In der Gemarkung Röllseld bei KlinHenberg ent­stand am Dienstagnachmitiag ein größerer Wald brand, dem infolge des herrichenden scharfen West windes drei bis vier Hektar Wald zum Opfer fielen. Der Schaden ist sehr erheblich. Es wird vermutet, !xiß Der Brand infolge fahrlässigen Ab brennens einer Hecke entstanden ist.

Ein unmensckflicher Batet.

3n Stetten am Kalten Markt fiel es dem Leichenbefchaucr auf, daß ein Maurer inner­halb dreier 3 ahre das dritte Kind bv.rd) den Tod verlor unb daß die Leiche jedes Kindes bis auf Haut und Knochen abgemagert war. Durch ärztliches Gutachten wurde festgestellt, daß der Va:«r. ein notorischer Trinker, das Kind buchstäblich verhungern Heß unD auch schwer mißhandelte

^'2tzcrVirraüoiage.

WechjelnD bewölkt, etwas wärmer und stellen­weise Niederschläge.

Gestrige Tagcsiempetaturcn. Maximum 10,6 Grad Celsius. Minimum: 3,5 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 1,2 Grad Celsius.

Wder

- ZJ5 StMhetUer nuten" für fiirW Saalbau Saue

ä; lafliibinö a u laazbühne in dm grohe ftauÄ die - Der E stattet am 3or mtttenabcnd. r Strfen |"prid)l.

$er

»i'6L

»i«I

' j s ? ® 'lJA Ml'chu i ? 'eben. Das l

'umer w>

bis b-u'e nach nerlehr auf d sicher

" Berfa ajiH6 -düngen, wurde aui |eim hr. Aus d Lnsuche, die bi lifästn Stier; angefteiH hübe, zuipnchen. ®e am Sonntag J rufenen Äünftii gelungen, roieö kitchenmuf Sonntag Loeta StoMfird)«), 31 Übend von de der Mallhäusg 3amtn Hedwig iopron), 3. S ^ammermuftfq 'm. unb jun., der Organist bi 3um Vortrag Duette von B Mes Nähere if yn Umgang e M bofan, d roü 'm zur würdig«,

Dßolh

Mrz, vo! bienslete Ehr iahr. Tiehl ^iegsteililehr -amte er fein ®wre Altvet. wrbe im 5>er g Aüdd mtigen Un Onbet durc ♦Sinder mit ^0, eine Srs