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veutschnationale AutzenpoliM.

BcdeutsameAußerungenProfessorHoetzschs

Paris. 24. Febr. (WT2.) Der Sonder­berichterstatter desSoir" in Berlin veröffent­licht Erklärungen, die Professor Dr. Hoetzsch von der deutschnattonalen Reichstagsfrakttvn über­mittelt hat. Meine Partei, so erklärt Professor Hoehsch, ist für die Annäherung aller europäischen Staaten. Graf Westarp hat sich nicht gescheut, im Reichstage zu erklären, es wäre vorzuziehen, alle europäischen Grenzen zu behalten, als einen neuen Krieg au führen. Die Deutschnationalen haben keine feindselige Empfindung gegenüber Frankreich. Aber mit der Besetzung des Rheinlan­des kann sie sich nicht absinden Diese feind­selige Maßnahme ist nicht vereinbar mit den pazifistischen Erklärungen der französischen Regie­rung. Die deutsch-französische Annäherung ist unerläßlich für die Stabilität in Europa. 3n bezug auf die Entwaffnungsfrage erklärt Prof. Hoehsch: Meine Partei nimmt sie an und ist außerdem glücklich, feststellen zu können, welchen Fortschritt der Gedanke der Abrüstung in der öffentlichen Meinung der Welt gemacht hat. Was man aber nicht zulasfen kann, ist, daß eine große Ration wie Deutschland behandelt wird wie ein unter Mandat stehender Völ­ker st a m m. Die Deutschnationalen wollen ent­schlossen für die Entwaffnung eintreten unter der Bedingung, daß die deutsche Entwaffnung der allgemeinen Abrüstung vorangeht, und daß die Entwaffnung dem deutschen Volke nicht alseineStrafmaßnahmeaufgezwun- g c n wird. Zu den Daweslasten übergehend, erklärte Hoehsch. daß der endgültige Verfalltag noch in weiter Ferne liege. Es müsse aber schon heute darauf hingewiesen werden, daß die Daweszahlungen seit 1924 mit dem in Ame­rika geborgten Gelde geleistet wer- den. Die Zahreszahlungen würden drückend wer­den und sich für Deutschland zu einer uner­träglichen Last auswachsen. Der Dawes- plan muß. wie alle Abmachungen über die Regelung der Schulden zwischen den Staaten, die im Krieg gegeneinander gestanden haben, re­vidiert werden. Zur deutsch-polnischen Spannung erklärte Prof. Hoehsch, daß Deutsch­land das Opfer brutaler Vergewaltigung durch Polen sei. Seine Partei werde niemals einem deutsch-polnischen Locarnovertrage zustimmen. Rach der Stellung der Deutschnationalen zur Weimarer Verfassung befragt, erwiderte Hoehsch: Die Republik ist eine Tatsache, die wir nicht bestreiten. Wir haben nicht die geringste Lust, die Regierungsform durch einen Gewaltstreich zu ändern. Gs ist Sache des Volkes, zu sagen, wie es von dem Regime denkt. Wenn es der Ver­fassung treu bleibt, können wir es nur nach­ahmen.

Die Arbeitszeit.

B e r l i n . 24. Febr. (WB.) Die heuttgen Der- Handlungen des Interfraktionellen Ausschusses über die Reuregelung der Arbeitszeit haben noch nicht zu einem Abschluß geführt. 3m wesentlichen stehen sich zwei Vorschläge gegenüber: Die Deutsch« DolkSpartei verlangte, daß di« Einschränkung der Möglichkett von Lleberar- beit nicht auf V o rb e r« i t u n g S - und Ergänzungsdienst« bei wichtigen Anlässen ausgedehnt, wird, wenn ein« Schädigung des Betriebes damit verbunden sein würde. 3m Zentrum ist man offenbar bereit, hierin ent­gegenzukommen. Die Gewerkschaften ver­langen aber, daß di« 25prozentig« Zuschlags- b e z a h l u n g , die für die behördlich genehmigte Plehrarbeit vorgesehen ist, auch auf die tarifmäßig zulässigen Üeberstun- »den ausgedehnt wird. Die Deutsch« DolkSpartei , hat nunmehr «irre neue Sitzung beantragt, um eine Einigung in diesem Punkte herbeizuführen, und zwar unter Zuziehung des Reichswirtfchafts- Ministeriums der Post und der Reichsbahn.

Schwere Erkrankung des Neichstagsprästdenten.

Berlin. 25. Febr. (DDZ.) Reichstagspräsi- dent Löbe ist von einer Blinddarmentzündung befallen worden. Sein Befinden machte eine Ope­ration notwendig, die gestern nachmittag im Bei­sein des Abg. Dr. Moses von Geheimrat Borchert vorgenommen wurde. Sie bestätigte die Diagnose der Aerzte in vollem Umfaiwe. Es handelt sich einerseits um innere Verwach­sungen. andererseits um eine frische, aber sehr schwere Entzündung des Blinddarms mit eiterigen Belägen. Es war auch schon eine kleine Durchbruchs stelle vorhanden. Die Operation, die 3 ,t Stunden dauerte, nahm einen guten Ver­lauf. Der Patient hat eine ruhige Rächt ver­bracht. Sein Besinden ist zufriedenstellend.

Der deutsche Einheitsstaat Ein Vortrag des preußischen Minister­präsidenten Braun.

Berlin, 24. Febr. (WB.) Auf Einladung der Vereinigung sozialdemokratischer Studenten hielt der preußische Ministerpräsident Braun heut« in der Berliner Universität einen Vortrag über den deutschen Einheitsstaat, in dem er aus- sührte, cs sei der Rattonalverfammlung gelungen, gewisse Einrichtungen unseres öffentlichen Le­bens für das ganze Reich einheitlich zu gestalten. An der Gliederung des Reiches in Einzelstaaten jedoch habe die Verfassung nichts geändert. Der Schaffung eines idealen Jöderativstaates ständen vor allem die Größenunt er schiede der deutschen Länder im Weg« Dieser abnormen Gestattung habe auch im Reichsrat Rechnung getragen werden müssen. Auch in der Weimarer Verfassung blieb die Bestimmung aufrecht er­matten, daß Preußen nicht mehr als zwei künstel der Stimmen im Reichsrat hab«. Dadurch sei der politische Einfluß des preu­ßischen Volkes in der Reichspolitik erheblich ve r- sälscht. Auch in der finanziellen Lei - Üungssähigkeit prägten sich diese Intern» U ensurablen Größenverhältnisse aus. Bon Preu- ßen werde immer die weitestgehende solidarische Unterstützung verlangt, aber an Gegenseitigkeil werde nicht gedacht. DaS völlig verarmte und von hohen Kriegslasten bedrückt« Deutschland l mm« sich den Luxus eines so teuren und un­zweckmäßigen Staatsaufbaues für die Dauer nicht leisten. Wir hätten in Deutschland außer dem RcichSminisreriurn 18 Ministerien mit ins­gesamt 5 8 Ministern, zu denen noch je 42 Senatoren der drei Stadtstaaten kommen, ferner 17 Landparlament« und 17 Reichsrats- tx rt r« tun gen. Da« alles kostet dem deutschen

Dolle etwa 15 Millionen, ferner ein Mehr an Verwaltungsausgaben, das mit dem Zehnfachen dieser Summe fast zu niedrig ge­schäht sei. Ob die Länder als Zwischenstufe noch weiter notwendig seien, das sei die Frage, die entschieden werden müste. AlS einzig praktisch durchführbarer Weg schwebe ihm das folgende vor: DaS Reich müsse all« Möglichkeiten, die ihm die Reichsverfassung auf legislativem wie administerativem Gebiete gibt, restlos ausnutzen, waS allerdings in einer die Länder finanziell befriedigenden Weis« geschehen müsse. Dann wür­den die Länder allmählich ihrer Eigen st aatlichkeit entkleidet und be­trächtlich zu Verwaltungsorganen her­abgedrückt werden. Sollte die Umgestaltung Schwierigkeiten machen, so würde eine Volks­bewegung gegenüber allen lleinlichen Parti- kularisten entfacht werden können Das Deutsch­land der Zukunft müsse nach einem Worte des Reichsministers Dr. Preuß ein deutsches Deutschland sein.

Deutscher Reichstag.

Berlin. 24. Febr. (D.D.Z.) Die zweite Le­sung des Haushaltsplans wird fortgesetzt beim Iustizetat. Iustizminister Hergt beant­wortet die kommunistische 3nterpellatton. die eine Amnestie für die wegen Abtreibung Verurteilten verlangt. Eine Rundfrage bei den Ländern Anfang 1926 hat ergeben, daß die verhängten Strafen zum weitaus größten Teil an der unteren Grenze des Straf­maßes bleiben. Dom Gnadenrecht haben die Länder weitestgehenden Gebrauch ge­macht. Eine erneute Anfrage. beim preußischen Justizministerium ergab, daß die Staatsanwälte nach Inkrafttreten der milderen Bestimmungen angewiesen wurden, zu prüfen, ob Gnaden­erweise zu beantragen seien. Gnadenerweise sind in weitestem Umfange ergangen. Danach liegt für eine Amnestie kein Bedürfnis vor. Den sozialdemokratischen Antrag, das Reichsge­richt von allen Sachen erster Instanz (Hochverrats zu entlasten, lehnt der Minister ab, weil das die Rechtseinheit stören würde. Auch die Wieder­herstellung der Schwurgerichte bekämpft er, und alle Länder mit Ausnahme Hamburg« hätten sich für das erweiterte Schöffengericht ausge­sprochen.

Abg. Brodaus (Dem.): Wir haben nicht krittsiert, daß die Richter die wirtschaftliche Um­stellung zu spät berücksichtigt haben, sondern nur. daß sie sich nicht auf den neuen Staat ein« stellen konnten Die Vertrauenskrise der Justiz kann man nicht mit einer Handbewcgung abtun, denn das Mißtrauen aller Republikaner in die Rechtsprechung ist nicht etwa künstlich in das Volt hineingetragen worden Die Staatsanwalt- schast ergebe Anklage immer nur gegen das Reichsbanner, nie gegen den Stahlhelm, selbst wenn nachweislich die ersten Tätlichkeiten von den Hakenkreuzlern ausgegangen seien. Bezeich­nend sei, daß Marx erklärt habe, er sehe von Anträgen auf Strafverfolgung gegen Beleidiger ab. nachdem er so schlechte Erfahrungen mit ber Justiz gemacht habe. An der Unabhängigkeit der Richter will der Redner allerdings nicht rütteln Entpolttisieren dürfe man sie aber nicht. Mit dem Antrag auf Wiedereinführung der Schwurgerichte kann sich der Redner nicht be­freunden.

Dr. f) a m p e (D.-Hann.) fordert die Wiederein­setzung der Schöffengericht« an Stelle der Ein^el« richter. Er lehnt jedoch die Wiedereinführung der Schwurgerichte ab. Ilie Recht sanwaltsgebuhren- ermäßigung sei zu weit gegangen.

Weiterberatung: Freitag. Ehe die Sitzung geschlossen wird, spricht Vizepräsident Esser den Wunsch aus, daß Präsident Lobe die Opera­tion mit gutem Erfolg« überstehen und baldigst seine volle Gesundheit wieder erlangen möge. (Beifall.)

Der Marineetat.

Berlin, 24. Febr. Der HaushaltSouSschuh des Reichstags beschäftigte sich mit dem Marine - etctt. Berichterstatter Abg. Stücklen (Soz.) gab eine Ueberficht über die Mehrforderungen in Höhe von 25 Millionen Mark, die in der Haupt­sache auf die notwendigen (Erneuerung« - bauten entfallen. In der Marine würden na­tionale Vereine im Gegensatz zu den Gewerk­schaften gegründet, die anscheinend von der Ma- rineDertoaltung gefördert würden.

Abg. Er sing (Zentr.) wies auf die große Zahl der Störungen der Maschinen hin und er­klärte es als rationeller, solche überalterten Schiffe lieber außer Dienst zu stellen. Der Beamtenapparat im Ministerium erscheine ihm zu hoch.

Mit zur Beratung gesteltt werden zwei Ent­schließungen der Demokraten, die sich gegen das künstlich geschaffene Monopol einiger weniger Fabriken für Herstellung von Waffen und Muni­tion wenden und durch internationale Verhand­lungen die Schaffung einer auf dem Miliz- s tz st em beruhenden Wehr fordern.

Abg. Dr. Schreiber (Zentr.) wie« darauf hin, daß die A u s l a n d f a h r t e n unserer Kreuzer einen hohen Wert für die Mannschaft und für die deutsche Weltgeltung hätten und forderte weitere Entwicklung des Schulwesens an Bord.

Abg. Rönneburg (Sem.) bat das Reichs- Weh rministerium um Auskunft, welches Ziel e« mit seiner Flottenpolitik überhaupt nerfolg:. An­gesichts des außerordentlich geringen Kampf- wertes unserer Marine, und im Hinblick auf die erschreckend hohen Kosten, müsse man sich die Frage vorlcgen, ob die bisherige Flottenpolittk richttg sei. Von Sparsamkeit fei im Marine- Etat nichts zu merken. Die neuangeforderten Admiralstellen und die des Ministerialdirektors wurden die Demokraten nicht bewilligen. Die Preise der Monopolfirmen seien unerträglich hoch. Daher oertauge seine Fraktion, den Preis dieser Monopolfirmen zu durchbrechen und Kon­kurrenz zu schaffen, ileberau« bedauerlich fei die planmäßige Verminderung der Stabsoffiziere. Diese haben der Repu­blik die größten Dienste geleistet. Man komm auf die Frage, ob sie vielleicht deswegen jetzt beseitigt werden sollen.

Äbg. Treviranus (Dntl.) stellte fest, daß der Anteil am Desamthaushalt deS Reiches in hen Jahren 1925 1927 mit 2,6 Prozent konstant geblieben fei. Die hohe Zahl der marinetech­nischen Behörden sei durch die Gigenatt der Kriegsschiffe bedingt. Sr empfahl eingehend, die Anregung hinsichtlich der Indiensthaltung aller Schiffe zu prüfen.

Re i chS weh rm i n i st « r Dr. Gehler be­tonte. daß ein großer Teil der Aufwendungen, die

für Heer und Warin« gemacht werden, doch toie- der der allgemeinen Volkswirtschaft zufliehen. Der Ausschuß vergesse also nicht, daß er bei Bewilligung der Marineetatsgelder auch ein gutes Stück sozialer Arbeit leiste. Der Minister wandte sich dann gegen d«Lärm- presse, die seinerzeit den unbedeutendn Zwnchen- all der .Hamburg", wo ein Steward gegen die Anordnungen seiner Vorgesetzten einmal eine Flasche Bier verkauft habe, derart aufgebauscht habe, als seien durch diese Kleinigkeit die guten Beziehungen zwischen Deutschland und den Ver­einigten Staaten von Amerika gefährdet worden.

Preußischer Landtag.

Berlin, 25. Febr. (Dolfs.) Im preußi- chen Landtag wurde trotz der Mahnung des Präsidenten Bartels, die Beratung des Land- wirlfchaftsetats zu beschleunigen, auch die Don­nerstagssitzung mit der Beratung dieses Etats ausgefüllt. Es wurde hauptsächlich das Sied- lungsproblem behandelt. Hier teilte ein Regierungsvertrcter mit. daß bisher 26 000 Hek­tar Siedlungsfläche zu Lasten des Reichskredits und über 15 000 Hektar zu Lasten d?'- preuhi- chen Kredits angekauft worden seien. Landwirt- chaftsminister Steiger teilte u. a. mit. daß die Angelegenheit wegen der rechtselbischen Moore soweit gefördert sei, daß alsbald ein Anleihegesetz kommen werde.

Hessische Politik.

Aus dem Finanzausschuß.

Darmstadt, 24. Febr. Die erst« Lesung des Gewerbe st euergesehes wurde been­det. Bemängelt wurde bei Artikel 14, daß in den Gesetzentwurf nicht di« wichttgsten Grund- ätze der reichsgesehlichen Regelung über die Ab­zugsfähigkeit hineingearbeilet worden sind: das bedeute ein« Veranlagungserschwerung. Eine doppelte Veranlagung müsse vermieden werden. Abgeordneter H a u r h beantragte zu Artikel 14, Absatz 2, Ziffer c und e zu streichen. Gin« aus­giebige Debatte entstand bei Artikel 16, der den der Besteuerung unterliegenden Srtragswert kaffelt. Ein Abgeordneter wünschte u. a., daß für Familienmitglieder, die unent­geltlich im Gewerbebetrieb mitarbeiten, ein Steuerabzug gewährt werden müsse. Don einer Seite wurde angeregt, das Verhältnis der Besteuerung von Gewerbekapital und Gewerbe­ertrag im Gesetz selbst in gewissem Umfang, etwa »/5:/5 sestzulegen. Von anderer Seite wurde dem entgegengehalten, daß das Verhältnis sich erst nach der ersten Veranlagung übersehen lasse und daß die beteiligten Kreis« (Handwerk, Handel, und Industrie) sich mit einem Verhältnis 50:50 einverstanden erklärt haben. Bei Artikel 23 wurde über die weitverbreitete unzulässig« Aus­übung des Wandergewerbes Klage ge­führt. In der morgigen Sitzung soll das Ge­meindeumlagengesetz in erster Lesung beraten werden. In der nächsten Woche soll von Mitt­woch ab mit der Beratung des Etaatsvoran- schlags begonnen werden, während die über­nächste Woche für di« zweite Lesung des Son­dergebäudesteuergesetzes verwendet werden soll.

Aus dem

Gesetzgebungsausschutz.

D a r in ft a ö t. 24. Febr. Der Gefehgebungs- ausschuh beriet gestern den Antrag des kom­munistischen Abgeordneten G a l m über die In­ternierung des Ingenieurs P l a u e l n zu Offenbach a. M. Es wurde di« nachstehende Ent­schließung einstimmig angenommen, welche be­sagt:

I. Daß zwar eine strafbare Verletzung der Dienstpflicht bei der Behandlung des Falles Plaueln keinem Beamten zur Last gelegt toer- dden kann, jedoch kann das Festhalten und die Unterbringung im festen Dau nicht gebilligt werden.

II. Daß eine Ergänzung der Dienstanweisung seitens des Ministeriums des Innern bzw. des Ministeriums der Justiz in der Richtung an­gebracht erscheint, daß 1. die zwangsweise Verbringung eines auf freiem Fuß befind­lichen Beschuldigten oder Angeklagten z w e d i Untersuchung auf seinen Geistes- ä u ft a n ö auf Grund richterlichen Beschlusses nur dann erfolgen darf, falls der Betreffend« di« freiwillige Gestellung in der Anstalt auf Ladung verweigert: 2. daß derartige Be­schuldigte oder Angeklagte im festen Bau der Gießener Anstalt nur dann untergebracht werden dürfen, wenn deren Gemeingefähr­lichkeit auf Grund der Akten oder ärztlichen Beobachtung hinreichend festgestellt ist. (Ergänzung der Dienstanweisung in Reg. 3 L Ar. 35 vom 30. 12. 1911); 3. daß vor Beschluß­fassung des Gerichts über di« Anordnung der Anstaltsuntersuchung die verantwortliche Vernehmung des Beschuldigten oder Ange­klagten durch die Staatsanwaltschaft zu beantragen ist.

Parlamentarische Ansragen.

Darmstadt, 24. Febr. Dem Hessischen Landtag sind mehrere neue Anträge zugegangen: bemerkenswert davon sind folgende: Abg. Kindt (Dn.) beantragt: Wenn ein Beamter vor feinem 60. Lebensjahr wegen Krankheit oder besonderer Umstände halber in den Ruhestand ber- setzt wurde und sich dann wieder verheiratet, muß im Falle seines Todes Witwen- und Waisengeld nach Maßgabe der geiehlichen Bestimmungen über die Hinterbliebenenfürsorge gewährt werden. - Die Zentrumssraktion bean­tragt. für rückständige Steuerbetrug« im Betrage bis einschließlich 25 Mk. Verzugs- zinsen nicht zu berechnen und für Beträge über 25 Mk Verzugszinsen, solange sie den Betrag von 30 Pf nicht erreichen, nicht in Ansatz zu bringen. Ferner soll bei der Reichsregierung auf die Erweiterung der Steuerzinsverordnung hingcwirft werde.' Die Zentrumsfraktion bean­tragt ferner, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden, daß alle von der Rentenbank- kreditanftalt gemachten Reingewinne, so­weit sie nicht zur Speisung der gesetzlich vor- geschriebenen Rücklage und Sonderrücklage not­wendig sind, zur Tilgung von Renten- banklcheinen verwendet werden, um da­durch raschelt möglichste Liquidierung der Renten- bankgrundschuld herbeizuführen und somit eine fühlbare Entlastung der Landwirt­schaft zu erreichen.

aller Welt.

Tcr Jürgen sprozctz.

Vor dem Schwurgericht des Landgerichtes III "Berlin begann der Prozeß gegen Landgerichts­direktor 3 ü r gc n i unö seine Frau wegen Mein­eides, Hehlerei und Dersicherungsschwindels und zahlreicher , Ile des Kreditbetruges. Ss wird üesem zunächst vorgeworfen, in einem *21 a * laßftreil mit der Mutter d«S verstorbenen ersten Mannes der Frau Jürgens wissentlich einen Meineid geleistet zu haben. Frau 3ür» gens ist ferner angeilagt, zahlreich« K r e d it - fchwindeleien beim Bezug von Waren bei Stargarder Bürgern verübt zu haben und der Mann, sich teilweise aktiv daran beteiligt zu haben. Unter falschen Vorspiegelungen soll au- jerdern Frau 3ürgen8 sich Darlehen von Stargarder Kollegen ihres Mannes und anderen Bekannten verschafft haben. Schließlich wird dem Ehepaar 3. Dersicherungsschwindei durch Fingie- rung von Einbruch in ihre Wohnung vorgeworsen. Rach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses betonte der Angeklagte 3ürgend. daß er sich nicht als Angeklagter, sondern als ein Mann fühle, dem chwerstes Unrecht zugesügt worden sei und dem daran gelegen sei. dieses so schnell wie möglich aufzuklären. Sine unwahre persönlich« Hetze, vielleicht aus durchsichtigen politischen Be­weggründen, vielleicht in der Absicht, der 3ustiz etwas am Zeuge zu flicken, habe ein Bild ent­worfen. das mit den Tatsachen im krassen Wider­spruch stehe. Mit Politik und feinem Dienst habe dieser Prozeß nicht das geringste zu tun. Ss lägen schwere 3ustizirrtümer vor, die im Interesse der Rechtsidee wiedergutgemacht werden müßten. Im Verlaufe der Vernehmung betonte der An- geHagte Jürgens immer wieder, daß seine Frau in allen Geld- und Wirtschaftsangelegenheiten vollste Selbständigkeit gehabt habe und daß sich feine eigenen Konten sämtlich in bester Ordnung befunden haben. Seine Frau fei chm stets äußerst sparsam erschienen. Ss fei chm schleierhaft, woher die großen Verpflichtungen gestammt haben. F r a u 3 ü r g e n i gab auf Be­fragen des Vorsitzenden an, daß sie selbst nicht wisse, wie das Anwachsen der Schulden zu er- flären fei. Heber ihre Schilden habe fie ihren Mann nicht alles gesagt, weil sie ihn nach Mög­lichkett habe schonen wollen.

welhylalkoholvergiftungen.

Die .Magdoburgiiche Zeitung" meldet auS Bitterfeld: Der Rechtsanwalt undRotar Men de ist an einer Methylalkoholvergiftung gestorben. Vor einigen Tagen wurde gelegentlich einer Ge­sellschaft in ber Wohnung des Herrn Mende Likör gereicht. Am Tage daraus trat bet Mende eine starke Schwächung des Sehvermö­gens ein. Die Vergiftung führte jetzt zum Tode. Auch bei weiteren Teilnehmern der Gesellschaft soll bereits Erblindung eingetreten fein. Bei anderen find schädliche Folgen bisher nicht zutage getreten, da kurz nach dem Genuß des Likörs Erbrechen eintrat.

Frecher Raub auf einem Berliner Bahnhof.

Ein dreister Kaffenraub wurde auf dem Potsdamer Bahnhof beruht. 3m Dor- raum bet Fahrkartenschalter hatte sich bereits fett längerer Zett ein Mann in verdächtiger 'Weis« bemerkbar gemacht und die Aus merks am- kett der Bahnhofsbeamten auf sich gelenkt. Die­ser Verdächtig« schlug plötzlich mit dem Schaft eines Revolvers vor den Augen zahlreicher Passanten eine Schalterscheib« ein und raubte den Kassenbestand der Fahrkartenausgabe für den "Fernverkehr. Dem Täter fielen mehrere Hundert Mark in die Hände. Auf die Rufe Haltet den Räuber!" richtete der Täter auf seine Verfolger den Revolver. Ss gelang dem Burschen, nach dem Potsdamer Platz zu flüch­ten und hier im Gedränge zu verschwinden.

Zuchthaus wegen Aktenbeseitigung.

Zum vierten Male hatte sich ein Berliner 3ustizinspektor wegen mehrmaliger Altenbeseiti­gung und Bestechung vor dem Großen Schöffen­gericht Berlin-Mitt« zu verantworten. Mttange- tlagt waren zwei Händler aus der Zentralmarkt­halle, sowie eine Frau, deren Strafakten der Iustizinspektor gegen Zahlung von mehreren Hundert Mark beseitigt hatte. Er erhielt eine weitere Strafe von einem Jahr und sieben Mo­nate Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe oder weitere 30 Tage Zuchthaus und drei 3ahren Ehrverlust. Ein Angeklagter erhielt ein 3aht Gefängnis und die beiden anderen sechs Monate Gefängnis.

Eine Hochzeitsgesellschaft unter Derfentrümmere begraben.

Ein anatolisches Dors wurde von einem schweren Unglück heimgesucht. Eine größere Hoch­zeitsgesellschaft saß gerade beim FestschmauS, al« die Decke des Zimmers einbrach. Aus den Trümmern wurden sechs Tote und zehn Ver­letzte hervorgezogen.

Eine Million für einen Rembrandt.

3n Neuyort veranstaltet« die American Att Galleries eine Auktion von 37 Bildern der Samm­lung Stillmann, die insgesamt 716 950 Dollar ein- brachte. Etwa 1200 Personen füllten den Auktions­raum. RembrandtsTitus nn Lehnstuhl" c Hielte den höchsten Preis ber Versteigerung von 270 000 Dollar.

Schneefälle in Rorditaiien.

Die Blätter melden ständige Schneefälle in Qlorbitalien In Bergamo und in den um­liegenden Tälern liegt der Schnee so hoch, daß die Sisenbahnzüge mit größeren Verspätungen eintrafen. Auch auf den Bergen und in den Tälern von Lecco und Pacenza liegt der Schnee 30 bis 70 Zentimeter hoch

Wettervoraussage.

Wolkig biS bedeckt. Temperaturen ansteigend, auch nachts über 0 Grad, vereinzelt RiLderschläge.

Gestrige Tagestemperaturen' Maffimmn 9.7, Minimum 3.7 Grad Eelsius. Heuttge Morgen- temperatur: 2 Grad Eelfius.

Wetterlage auf dem hoherodskops vom 25. Febr.. vorm. 8 Uhr:

Windrichtung: Ost. Windstärke: Mittel. Temperatur, minus 1 Grad TelsiuS. Gesamt­schneehöhe. 40 Zentimeter. Beschaffenheit der Schneedecke körnig. Dportmöglichkett für Ski. gut

Sauerland (Winterberg).

Temperatur: minus 0,5 Grad CelsiuS. Schnee­höhe: 35 Zentimeter. Gefallener Reuschnee: 6 bii 10 Zentimeter. Sportmöglichkeit für Ski gut

Win gen.

Temperatur: 0 Grad LelsiuS. Schneehöhe ch Höhenlagen über 700 Meter: 60 bis 80 Zenti­meter. Ski bahn: gut.