Samstag, 24. Dezember 1921
UZ. Jahrgang
Ur. 501 Erstes Blatt
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GietzeiierAnzeigel
ZMr General-Anzeiger für Oberhessen
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Weihnachtswunder!
Bon -Zßatlt*r Ultad-etel». V'ar” <" bet Xallrt'CSilbtlm^rbäcbtnKrtnbt -u 'Berlin.
Da bist du Bitbar. Fest der Wt. Wunder- reichste '.'loch! de« Jahre«! Der wär, kein Men Ich der 11* deiner stillen Gewalt entzöge Luch die dich mit Stillschweigen übergehen, ja. die dich lüstern - Denn es laiche gibt - h« H. inn etnt Sehnsucht nach dir zu betäuben. Unb doch liegt STO? die gern au« voller Seele Weihnachten Idem mbchren. ein Schleier der Drtbn-mt darüber. «4 gibt drei Stadien der Weihnacht«, stimmung die die meisten Degenwart»rnenschen durchmache" müllen, mrnn Ile nicht nur mit Weihnachi«gedenken 'plden. sondern Ernst damit machen wollen. 3uerfl haben wir da« holde Fest al« Kinder begangen. Da standen Wir um da« »unber»orte Bild von Bethlehem her. und alle« war uns greifbare Wirklichkeit da« Ämb mit dem Strahlenkränze um« Haupt. die begnadeten altem, die Hirten und die Könige. die davor knieten, hoch darüber der Wunderstern und der Engelreigen, der au« dem Wolkentvre sich niederlchwang und in Wenlchen'prache unb -Melodie da« göttliche Kind begrüßte So unmittelbar nahe war un« ba» alle«, al« |ei e« gestern ge- schehen. und wir wären babei gewelen Manchem erwachlenen Menlchen mag e« noch heute Io letn. Cie Unb in dreier Hinsicht Ähnber geblieben, bene, den «werte Kinder
Aber die Mehrzahl hat doch wohl eine Entwicklung? iei! bur gemacht, wo ihnen Weihnachten völlig entleert wurde O« ward ihnen |o au Sinne wie wenn der Ehristbaurn abgeputzt wirb: man bläst die dichter au«, t>Hudt den bunten «littet l>rab. cntlcmt bie fltmmcmbcn Silber- strähnen, xulcbt von ber Spitze ben Otern. Dann steht ber Baum kahl unb nüchtern ba, bie Babeln lauen, er ist zu nicht« mehr nühe. al« in den den geworfen zu werden War e« nicht |o? Der Stall von Bethlehem verdunkelte |ich un«. da« kritische Denken kam unb bie unerbittliche Wiflen- 1*aft. löschte da« Wunderlich! au«, verlcheuchte die unbewei«baren Engel, schloh die unwissen- Ichaltliche Himmel«tür zu unb st,eh bie Fenster ber Weihnachlsstube auf. bah bie kalte Winterlust au« ber allein wahren Natur hereinzog Unb Wit fasten im Dunkeln unb froren. Höchsten«, daß einer wag!-, ein Llchlstümplchcn ciuuA-mbcn und ein wenig Stimmung zu machen, und sprach: E» war doch eine poetifche Sache, dieser kindliche Deihnachtsglaude Und der Mensch braucht am Ende ein wenig Poesie. Rust die Kinder herein, die sollen un« fingen: .Stille Nacht' unb ,.O bu fröhliche . Wir Beiteten hören zu und träumen un« zurück in vergangene*läge. — 3n diesem zweiten Stadium sind Unzählige ftcbengcblkbrn, die sich damit begnügen, mit dem Dichter zu
sagen
.E« finkt auf meine Augenlider Ein golbncr Kindertraum Hemieder Ich fühl «. ein Wunder ist gefchehn."
Jedoch gibt e« wohl noch eine dritte Stufe, auf der ber Mensch von heute eine wirkliche Deihnachls eier begehen kann Wir muffen etwa» weiter au«holen. um ba« zu begrünben. Wa« an bem Bilbe ber Heiligen Nacht auch ben Unfrommen auch immer ergreift, wa« alle Kunst gottbegnadeter Maler und Dichter nicht auslchöplt. ist die« dast gerade diese« Kind unter solchen Umstände« in« Leden tritt, aller Welt verborgen. In elendem Lande, in armseligem Dorse. von der obdachloien Mutter, die keinen Baum In ber Herberge gefunden In ben Futtertrvg ber Tiere gebettet Welch ein ungeheuerlicher ®eaen'ab zwischen dem äußerlichen Gclchehni« unb seiner Welt- beöeurung! Nun wohl, I ißt der Poesie, wa« igr zugehört — drückt sie mcht eine tiefe Waknchdt au»? Betflef nicht da« ganze ÖrbenMdn diese« Menschmfoh cS in einer Enge unb Schlichtheit dast man kaum Worte findet, um ben Widerspruch Zwilchen der Erfcheinungölorm unb dem Werte dieser Persön- llchke.t ausiv'prechen? "Wahrlich, hier triumphiert da« Gesest de« Geistesleben«, dast die edelsten Blüten am Baume der Menschheit sich still unb anlpruch« o» entfalten Ucber Nacht, ungeahnt, springen sie auf unb überraschen bie Bklt. bie jle oft erst erkennt unb würbigt. wenn ihre Erden »eit vorüber ,ft. Wir Heutigen im Zeitalter der breiten und flachen Ocsicnt sich keil, ber ge- räuschvollen Reklame de« Scheinwesen«, sollten zu "Weihnachten lernen, dast die blaue Blume der Wahrheit nicht an den Mcrwcllsstrahen wächst, sondern meist tm fernsten, tiefsten Tal. Unb mögen bie neunmal Klugen einer mistver» ftandenen .wil'enchaftlichen "Weltanschauung" übet .Ammenmärchen' lächeln, wenn wieder einmal die .gute alte Mär" erklingt —es bleibt doch wahr, unb kein Bcrftanb enträt'elt e«: da« Höchste. Beste, wa« wir m unseres Herzen« Tiefe erleben, wird un« au« einer uncrtor'ch- lichen Welt geschenkt, kommt al« ein Bun- berxu un«.
Boer nicht nur ber Degenlatz zwilchen äußerer Tatsache unb innerlicher Bedeutung ergreift un« vor dem Bilde von Bethlehem. In dieser Geburt. so künden himml sch« Heerscharen, ichlägt eine Weltenstunde. E» ist in Wahrheit eine heilige Nacht. Denn nichts, was geschieht, ist blinder Zufall. So wie wir cklle zur "Welt kamen al« Srgebni« einer unergründlichen Entwicklung. so reicht erst recht bei diesem Kinde die Kelte der Ursachen zurück in die Unendlichkeit. Nicht Bater und Mutter sind leine Urheber, die Ewigkeit hat e« geboren. Alle«, was ist. hat teil an ihm. Unb hinter dem unermeßlichen Ganzen stehl der große Wille, ber aller Dinge Ursprung ist. Und er muh es von Ewigkeit an gewollt haben. So lebte auch biefe« Kinb ungeboren.
Kuliffenkämpse um die Verwaltungöresonn.
Eigener Drahwrricht bet Gießener Anzeiger»".
Berlin. 24. Dez. Dir Flut der Ber- öfsenlltchungen von allen Seiten über bie Ber- waltungf Ttlorm erweckt allmählich ben Eindruck. al« ob irgendwo doch eine große Initiative sitzen muffe, ber e« eine« schönen Tage« gelingen würde, all bie Mißstände unsere« Bet- waltungöapvarate« im Neich unb in den Ländern zu beseitigen. Aber wenn man näher zu- ,eht. ist bie Lage heute doch noch ganx ander« unb bie Schwicngkeiten, bie sich um biefe« Problem auftun, viel größer, al«, man denken könnte.
Die Reichsreaierung bereitet bekanntlich eine große Konle renz zwischen ihr unb ben "Vertretern der Länder zur Berwal« tung«re|orm für Mitte Januar vor. Aber um diese ersten Vorbereitungen hat sich inzwi- chen innerhalb ber Ne ich «re gi e r una . wie wir au« zuverläfsiger Quelle erfahren, ein recht lebhafter Kampf entwickelt. Bor einiger Zeit wurden bie auch an biefer Stelle wieder- regebenen Richtlinien für bie kommende Äon- erenz veröffentlicht, bie aber in einer so unbestimmten und abstrakten Form gefaßt flnb, daß sie kaum dazu bienen können, bei den kommenden "Verhandlungen bie praktischen unb konkreten Probleme zu fördern. "Der auf einer solchen Konferenz etwa« Tatsächliches unb Greifbare« erreichen will, muß mit einem ganz fachlichen unb feftumriffenen Programm zu den Ber» Handlungen kommen. 11m diese« Programm ging e« in ber langen M i n i st e r ko n f e r e n z am Donnerstag unb darüber verhandelt heute auch wieder ber Dreierausschuß — Ne.chsinnenminister Dr. Äeubel l. der Neich«finanzminister Köhler und der Nei ch«|pa r komm l f sa r. Die stärksten Widerstände gegen eine entschiedene unb bem Einheit«staate Menenbe Formulierung geben non ben beutschnationalen Ministern ber Reichs- regierung au«.
Nun bat sich in den lebten Tagen aber diese für die Ianuarkonferenz recht gefährliche Situation etwa« gewendet. Allem Anschein nach Ist e« In der Neich« reg.erung denjenigen Kreisen, die an einer erfolgreichen Arbeit zur Bcttoaftimgirrt arm tm 6imw ein s Einheitsstaates mit gemäßigter unb klarer Dezentralisation interessiert sind, unter ihnen wird vor allem auch der Reichswirtschallsminister Dr. Gurtiu« genannt, gelungen, ba« Kabinett von der dringenden 7lol Wendigkeit zu überzeugen, endlich su konkreten Entschlüssen für die JamZarkonferetiz zu tornntm. Trotzdem werden immer noch Stimmen au« Kreisen laut, die der Negierung nahost.chen und die vor übertriebenen Hoffnungen auf die Ergebnisse der Neich«.Länder B r&anb!ungcn warnen. Bor allem darf man nicht übersehen, daß es ohnedies schon ungeheuer schwer ist. auf einer Besprechung mit vielen Part ien au« e;ner so mit Widerständen gesegneten Materie wenigsten« einige klare Grgbnllfe h-rau« zu arbeit en.
Der Kampf gegen die (5plitierparteien.
Eigene Drahtmewung de» „Gießener Anzeiger»'.
Berlin, 24. De«. Dieser Doge ist im Zusammenhang mit der Entscheidung de« Staars- gerichtshol« über die Ungültigkeit ber Wahlen in Hainburg unb Wecklenburg-Strelitz eint Meldung durch bie Presse gegangen, wonach man In Reichstagskreisen Maßnahmen zur Ber- Hütung be« AustretensvvnSplitter- par t eien im "Dege von Berfaffung«-, bzn>. ®e|efie«änberungen erörtere Im Januar sollen Besprechungen zwischen allen größeren Parteien in dieser Frage ftattfinben.
Man erwägt babei besonder« zwei Möglichkeiten ersten« die Erhöhung der nach dem Reichswablgrtetz notwendigen Unterschrlf- l e n z a h l für die Einreichung von Kreiswahl- vorschlägen. die bisher 500 beträgt, unb zweiten« einen Zusatz zu Artikel 17 ber Neich«- Verfassung, weil dieser schon gewisse Ein- schränkungen für Gemeindewahlen ul®, mittelbar ermöglicht. Damit ist freilich erst bie technische Seile der Frage angeschnitten. Heber bie p r I n- Aipiclle wirb babei noch mancherlei zu sagen fein, bevor man die Möglichkeit neuer Bestimmungen praktisch in Angriff nimmt. Die Schaffung von Splitterparteien ist zweifellos unerwünscht. Unb zwar schon deshalb, weil die politische Urteilsfähigkeit be« deutschen Balke« durch eine übergroße Bielfältigfcil von £ rvg ramm en nicht vermehrt, sondern Im
-il beeinträchtigt wird. Vie ist weiter unerwünscht, weil bk idealen Ziele ber Politik. bie ethischen Grundgedanken, bk für bie Bildung einer Partei im echten "TDortfimre unerläßlich scheinen, von den vorhandenen großen Parteien vollkommen ausgeschöpft werden unb sich infolgedessen neue Splitterparteien, wenn sie sich überhaupt von ihnen unterscheiden wollen. In der Siegel auf ganz spezifische, einseitige unb dem Gemeinwohl beshall» eher abträgliche materielle Interessenunterschiebe stützen müssen. Die Splitterparteien führen alfo, wie übrigens auch die Erfahrung ber letzten Jahre lehrt, auf den Weg zu einem rein ständischen Parlarnemari«mu«. Ob man sich als Aufwertung«-. al« Hausbesitzer-, als Mieter-, als Schrebergarten- ober schließlich al« Zuckerbäckeroder Schron steinseger paNei auftut — da« ist nur noch ein gra bucker Unterschied mehr. Dabei lind sich die Anhänger solcher Parteien gar nicht klar darüber, daß sie mit ber Vertretung solcher beruflichen Sonderintereflen doch nur ben kleinsten Teil ber parlamentarischem Aufgaben ,hrer Abgeordneten frttlcgcn Daß sie fich infolgebrtlen der fortwährenden Gefahr aussetzen, in viel grundlegenderen und auch für sie
selbst entscheidenderen Fragen, wie der ötmer- gefepgebung. der Aeichsverfaffung. der Außenpolitik ufw, von bleien unter einer cnaen Parole getoäb'.ten Aboeorbneten ,n einem Sinne vertreten zu werven. der Ihren eigenen Absichten unb Interessen auf« schroffste zuwiberiäust
Wir haben ba* im Kelche bei der Wirtschaft»- partel gesehen, die |a in Wirkiichkcit eine ganz heterogene Zusanunensetzung au* mitteiltandlichen /)andwerker> unb Kaufmannakretsen, der Wmschast- lichen Vereinigung, aus bayerischen unb milrttcm. bergischen kleinlandwlrtfchastlichen Interessen, dem Bayerischen Bauernbund, den Deingürtnern ulw. und au» großagrarisch pattikularist sch. ii Interessen, den Drillich Hannoveranern, darstelll Demgemäß hat schon die Wittschofteoartel bei bestimmten {fragen oftmals gegen sich selbst gestimmt und In ber nämlichen Sitzung vier oder fünf verschiedene Voten abgegeben, weil e» ihr einfach unmöglich iff, die entgegengesetzten Interessen ihrer Anhänaer aus einen Nenner zu bringen. Da* gleiche mürben mir bei kleineren Fachgruppen erleben, wenn diese zu Entscheidungen in der großen Politik berufen würden. (E* bedarf also zunächst einer intensiven A u f • Märungearbrlt darüber, daß in der Tat solche Sonderzustimmenschlüsfe gerade die Interessen ihrer Wähler auf* schwerste gefährden.
Was man nicht alles arünbef.
Eigene Drahtmeldung be» „Gießener Anzeiger»*.
Berlin. 24. Dez Die Berein«meierel be« Deutschen Ist bekannt 3m Auslände begrcl’t man eine derartige Haltung überhaupt nicht. Diese Grundungswut macht sich leibet auch In ganz erheblichem Maße im politischen Fahrwasser geltenb. Wir konnten bereit« bie Partrt- zersplitterungen in einzelne Verbände bi* «.um Häußerbunde erleben, und letzt kommt plötzlich dne groß ausgemachte Nachricht von einer ebenso beschaffenen Splitterpartei, nämlich der deutsch-völkischen Frelhelt«partei. in der e« mit vielen Worten, bie nicht« befugen, heißt .Eine große Nelhe vaterländischer unb völkllcher Verbände unb Gruppen erkennt bie Schassurtg eine« überparteilich vater« länbifchen Block« ber Opposition gegen die Erfüllung«- unb Entwasf - nungepolt tlf unb bie sich Hierau« zwangsläufig ergebenbe Bcrdenbung be« ganzen beul- schen Bolle« unb Enteignung ber deutschen Wirtschaft für die kommenden Neich«tags- wählen al« Gebot der Stunde Die Gründung dirtes Block« ist deshalb am 22. Dezember ll#2Z beschlossen. Die Gründungsversamnllung findet am Sonntag. 22. Januar 1928 ,ln Berlin statt" Wer an der Gründung diese« .Block«' teiltiv- nommen hat, ist nicht bekannt. E« spielt schließlich auch keine Nolle. Man wird wobt bald Hörern können, wer bapInter steht unb wa« geplant ist.
längst gedacht vor aller Zeit In bem ewigen Batet
• Unb noch eine» kennzeichnet biefe W.ibnachtä» geschichte daß Himmel und Erde sich über bie Geburt d'.e'es Knäblein« freuen. Ist benn eine« Menschen Geburt wirklich immer Anlaß zur Strube? BJeun man vorau« ehen könnte, was ihm dereinst bevorsteht ob man nicht eher darüber trauern müßte? Cln "Wei er Israel« verfluchte einmal den Tag feiner Geburt. Unb unter ben leben«*reubiflen Griechen ging ba« Wort um: .Gut ist« zu leben, aber besser, nicht geboren zu lein'. Ueber bem Äinbe Manen« aber Ichwebt Ichon ein Dornenkranz, unb seine Händlern find rn.i Du denmal n gezeichnet Unb doch hat et der aus vielem Kinde erwuchs, gewagt zu g l a'u b e n und daraus zu ft erben, baß ewzge Liebe über bieser bunklen Bklt wallet. 3a. wa« wäre Wc hnachtrn ohne ben Liebe«g banken! Da« (üblen auch bie De hnachtslofen. bie sich um bie Festlreudr bemühen, mbem sie Gelb bafür ausgeben. Ichenken unb sich beschenken lasten. Denn der Men'ch Ist einmal so ge'chaslen. daß er Liebe braucht, ohne biefe« belebenbe 5euer erstarrt unb erstirbt er
Sonderbar nur. daß Io viele, bie bie Liebe al« da« Höchste pret'ea. nie darüber nachbenken, woher ihnen biefe Wertschätzung kommt. Da doch Liebe kein Eigennutz ist. ke ne kluge Berechnung. vielmehr cm Opfer, da« man nicht ohne Schmerzen bringt Wa« mag biete Tatsache bedeuten. bie eben o>;ut eine Erllänmg forbett. wie irgenbei”. kosmi cher Borgang' Wenn biefdben Naturgeletzc bie auf unterer Erde wirken, bi« in den Organ-«mu« untere« Körper« hinein, auch im Bk;lall au» ben fernsten Gestirnen gelten, dürfen wir nichr auch von ben feellfchen Bor- gangen in un« baä elbc annehmen? Sollte untere kleine Erde eine Oa’c in einer grenzenlosen Wüste der Lieblosigkeit fein? Sollte bie heiligste Empfinbung untere« Herzens aus einer ZufallSmi'chung der Atome hervor gegangen sc in? Unb wenn nur cm einzige« Mal auf un’crem Planeten da« Wunder ber Liebe geboren warb, bie alles trägt, hofft und duldet — wahrlich, von biticm Punkte au« muh sich bie Bklt aus den Angeln heben lasten' Hier muh ber Schlüffe! stecken zu dem grohen Rätsel, wa« eigentlich .die Welt im 3nnerftcn zu»ammcnhält
Das ist Weihnachreglaube, bah bet Sinn bet Bklt die tragende, schenkende Liebe ist. sie, aller Dinge Urprung unb Ende. Das ist aller» hing« kein leichter Glaube für einen GegenwartS-
menfchen. ber bas letzte 3ahrzchnt mit Bewußt- I fein durchlebt hat. nicht leicht für einen, ber die 1 Kinderfchuhe ausgezogen unb einmal im eisigen Weltenraum ber Distenfchaft geatmet hat. Der bie Grausamkeit des Tode« gefühlt unb bas scheinbar blinde Spiel be« Glück« unb aus scheiterndem Schiss seiner 3beale gestanden ilnb doch ist es möglich, sich durch all ben Nebel ber licbe- armen ErschcinuogSwell h ndurch»utas'.en zu ber Quelle von Licht unb Därme, bie von "Dcih- nachlen ausgeht. Denn in Nacht und Grauen, In tiefen Schmerzen wurde dieser Liebesglaube geboren Zwilchen ber Krippe unb bem Kr uze Ott- läuft da» schlichte Erbenwallen voll Niebrig- keit unb Schmach, da« doch voll wclterfchütternber Größe ist und bleibt. Aber die'e Lebcrislinie muß nach rückwart« unb vorwärts ins llnenbttche verlängert tpcrben 3n gewaltiger Kurv« steigt sie vom Himmel herab, senkt sich in der heiligen Nacht auf die Erde, finkt tief hinunter bi« ins Grab, hebt lich dann wiederum himmelwärts unb verläuft in ber Ew gleit. Nicht .ein enger Ning begrenzt bie'es Leb.m'. unb wir bürten glauben auch nicht ba« unlerc. Da» ist ber Sinn de» göttlichen Drama» ba» man bie heil gc Gc chichte nennt Unb mag ich mir heute ben Schauplatz unb die Personen birte» Drama« ander« oorfteUen al» in Kindertagen, wo mir ber Himmel etwa» Räumliche« tocr — dennoch ist mir ber Sinn der "Weihnacht unverkummert. ja. immer größer ausgegangen, da ich im Bilde von Bc'.y!ehern da» Gehcimni» meine« eigenen Leben» wieder- finde, w.c e» Gellert in bem schönsten aller Deih- nachi»verte au»fpricht
."Denn ich biefe» Dunber fasten will. Steht mein Deist vor Ehrfurcht still. Er bei ei an unb er ermißt.
Daß Gotte» Lieb' unenblich ist."
^eichstanzler Mars an General Meinhardt.
Berlin, 23. D«. ("BB.i Rdch»kanzler Dr. Marr har an ben Oberbefehls barer de« Grup- penkvmmanbo« II. General ber 3nfautm Rein- Ha r b l iKastel». anläßllch bellen bevorstehenden Ausscheidens aus dem aktiven Dienst im Reichs- Heer ein Schreiben gerichtet, in dem er auch im Namen der Reich«regierung dem General in warmen Dorten für die um Staat unb Wehrmacht erworbenen großen Berbienfte seinen Dank ausspricht.
Oie Treichsminifter bleiben in Berlin.
Berlin, 23. Dez (Bolff) Die lsteich *. m i n i ft t r bleiben über die Weihnacht »tage fast alle in Berlin, nur die Minister GeßI» r unb Braun» verreisen.
Oie ^eparationsfrage in der französischen Kammer.
Paris, 23. Dez (DB.) Die Kammer hält heute eine Nachtsitzun^ ab um sich mit dem vom Senat abgeänberten Budget von 1 928 zu belasten. 3n der allgemeinen Aussprache tommrntiertr der der Gruppe Marin angchörende Abgeordnete Dubois (srüheres Mitglied der ReparationSkommisstoi) die Artikel des sranzösischen Senators B <• r e n g « r über die Anwendung be» Daw«»plane». Diese Artikel bewiesen, erklärte Duboi«. bie Unmöglichkeit, ba» Abkommen Mellon-B« renger zu ratifizieren. Betreffenb ben Bericht Parker Gilbert« über bie Ausführung be» DaweS- planes suchte Dubois nachzuweilcn, baß der Dawesplan nur ein neuer Z'ahluna « - plan fei. ber nicht bie Gesamtheit ber Lchulb Deullchlanb». bie am 22. April 1921 auf 132 Milliarden Golbmark sestgefetzt worben lei. än- bem könne.
Ministerprälibent PoincarL erfl.-rte. was bk Interpretation de» Berfailler Bertrage» be* treffe, so habe D u b o 16 in ber Kritik des Berichte» Parker Gilbert» recht. Der Betrag ber deutschen Schuld sei hon ber Re - varation»kommilsion festgesetzt worben. Die Reparation»öommistion selber habe n'cht bo» Recht, btden Betrag zu änbem. Bur b. Regierungen würben in gemeinsamer Bcrhünbißung ben Betrag änbern können. Man habe eine Berwechsclung begangen: bet Gesamtbetrag ber Annuitäten könne geändert werben, aber nicht bet Gc'amtbetrag der deutschen Schuld. PoincarL schloß mit ber Erklärung. bah er bereit» vorgestern an ben Bor- sitzenben der Revaratwn-kommission ae chrieben habe, bamit hier feine "Verwechselung ein treten könne.
Die Kammer hat bann bas oom Senat mit einigen Abänderungen zurückoenviefene Budget für 1928 mit einigen Aenderu' gen erneut angenommen, unb zwar mu 393 gegen 125 Stimmen.


