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„Nein, ich bin nicht krank, Ethel, es mar gar nichts, ein kleiner Schwächeanfall... Ich hatte wie
Metitta schaute dem Auto nach, das die Straße herunterfuhr zwischen den entlaubten, naßgeregneten Gärten.
„Soll der Salon abgeschlossen werden, gnädige Frau?"
„Nein ... doch, lassen Sie alles stehen, wie es steht, bedecken Sie die Sessel mit alten Vorhängen.
„Gnädige Frau, ein auswärtiges Gespräch."
Sie flog von ihrem Schreibtisch aus, stieß die Schublade zu und schüttete die zerrissenen Briefe von ihrem Schoß in den Papierkorb . . .
„Hallo . . . wer ist dort? —"
Die fremde, tiefe Stimme eines älteren Herrn klang aus der Ferne.
„Hier Valentin . . . Valentin sknior ... Sie wünschten mich zu sprechen?"
Ihr erstarv der Ton in der Kehle, ihre Hand zitierte . . . „Ah, Herr Valentin — senior?... Ich wollte Ihren Herrn Sohn--"
„Mein Sohn ist verreist..."
„Verreist? Für--lange?"
„Nein, für ein paar Tag«. Er ist mit ein paar Freunden zu dem Autorennen nach Berlin ... Soll ich ihm etwas ausrichten?"
„Nein... es war nur etwas ganz Unwesentliches ... wegen der Adresse eines Hotels in Meran ... Ich verreise--nach dem Süden . . ."
„So? Dann gute Fahrt, gnädige Frau. Ich werde es meinem Sohn ausrichten. Er will heul' abend zurück sein . . . Und Ihre Nummer? Wer ist denn dort?" —
Als die Köchin mit dem Teegeschirr über die Diele kam, fand sie die Telephonzelle erleuchtet. Sie ging hin, um das Licht auszudrehen, aber sie fuhr zurück... Auf dem Boden lag Melitta, das Gesicht in den Armen, leblos . . . wie eine Tote . . .
der nicht g^chlafen ... und kann nichts eflen ... das rst's... Sobald ich einmal von hier fort bin, ist alles wieder gut..."
Die Freundin, die in Pelzjack« und Hut auf dem Bettrand Melittas faß, strich Melitta über die Stirn. Sie war heiß wie im Fieber...
„Erzähl' mir, wie es kam, ich bin entsetzlich erschrocken."
Melitta schwieg. Ihr schönes Gesicht war verfallen ... Abgemaaert ... und gealtert.
„Melitta ... geh' fort, warte nicht mehr. Oder soll ich hinsahren ... in lein Haus ... ihn stellen? Auge in Auge--ihn fragen? Ich nehme mir ein
Auto, einen Mietswagen, niemand kennt mich dort. . . . Ich muß eine Antwort erzwingen ... Zu einem Sportfest ist er gereist mit Freunden! ... Das ist so fürchterlich ... die ganze Geschichte ... ich fass' es nicht ... Die Männer haben sich sonst umgebracht für ein Lächeln von birl Weshalb muß es dieser sein ... gerade der ...?"
„Wissen wir das? Ich liebe ihn. Wenn man mich heute vor die Wahl stellte, ihn noch einmal zu sehen, allein, in dem kleinen Zimmer, und dann zu sterben, bei ihm, von ihm, mit ihm--ich
würde es einem Leben vorziehen, vor dem mir graut ... einem Leben ohne ihn!--"
Ethel packte sie bei den Schultern ... „Melitta!"
„Nein, Ethel. Ich hab' kein Fieber, bin ganz ruhig. Ich sage dir, was ich mir jeden Morgen sage, wenn ich erwache ... kann ich nicht m i t ihm leben, so will ich nicht mehr--ohne ihn sein."
„Gut," sagte Ethel, „ich fahre ..." Sie stand auf, schloß ihre graue Fehjacke mit dem Deilchen- b ufert.
„Du hast dejne Jacke schief zugeknöpft, Echel, erlaube ..." Melittas schöne Hände öffneten und schlossen die Jacke der Freundin. „Wie gut der Silbertan dir steht ... Du siehst so jung aus, so ... unberührt von allem ... Genügt dir das? Das bißchen Photographieren ... ein netter Flirt ..."
„Ja, es genügt mir ... Augenblicklich wenigstens. Wir Frauen sind ja nicht immer gleichgestimmt ... Ich war als Mädchen ganz kalt und unnahbar ... Ich bildete mir ein, die Männer seien mir gleichgültig ... Keiner meiner Freunde konnte sich rüh- men, je mehr erhalten zu haben, als meine Finger- spitzen zum Kuß ... Dann sah ich Leslie ... und ich verliebte mich in ihn ... blind, wahnsinnig. Ich
Die Bilder nehmen Sie herunter, mein Schreibtisch ist leer ... Die Garderobensckränke schließen Sie ab, alles übrige bleibt ... oi» ... ich wieder- komme ..."
Nach Tisch rief sie bei Echel an.
Der alte Diener antwortete. „Frau Gräfin sind bis jetzt noch nicht nach Haus gekommen ..."
Echel war noch nicht zurück? Eine Unruhe war in ihr. Sie litt unter den forschenden Blicken der Dienerschaft: Wann gehst du endlich? Auf was wartest du noch? Sie hielt es nicht mehr im Hause aus. Sie chng durch die Anlagen nach der Stadt. Ein paar Bonnen mit Kindern und alte Paare in Regenmänteln wanderten im rieselnden Regen zwischen den kahlen, entlaubten Sträuchern, die Vögel saßen so traurig und sttll auf den naßen Zweigen, als frören sie. Die Promenaden um das Kurhaus waren beleot, Autos fuhren vorbei, dis-. Fontäne plätscherte in der Anlage, Musik klang aus den Kaffees ... man tanzte in den Bars, konzertierte im Kurbaus, kaufte Theaterkarten in den Kolonnaden. Im Lesezimmer lasen ältere Herren und Damen die neuen Zeitunge, oder spielten Schach ... der Zeitvertreib der Alten. ... Im Wintergarten flüsterten junge Paare in verschwiegenen Ecken . . . Am Weiher sprach sie jemand an ... Ein« geschminkte Alte stand mit vor Frost zitternden Händen, die in Filethandschuhen steckten, vor ihr. „Geben Sie mir etwas, gnädige Frau — — ich bin die frühere Souflleuse vom Theater, ich habe keine Stellung . . ."
Sie erkannte die Frau aus dem Wal-, die sie gewarnt hatte, weiterzugehen. Sie griff in da» gol- bene Täschchen, nahm ein Geldstück heraus un$ gab es der Alten.
„Taufend Dank . . . vergelt's Ihnen der liebe Gott . . ."
Ach ja! der liebe Gott... Dort stand die Kirche, in der man sie einst getraut, grau und ernst mit ihrer leeren, breiten Treppe, im Dämmern eines sinkenden Wintertages auf dem freien Platz, sie war verschlossen. Der Markt sah aus wie leergefegt, «in kalter Wind trieb welke Blätter vor ihr her . . .
Sie sah von weitern zwei Herren die Straße her- untertommen und erkannte den Intendanten mit Bender ... Sie wollte ihnen um keinen Preis jetzt begegnen und trat rasch in ein Caf6 am Markt ein.
(Fortsetzung folgt.)
füllte, daß er mich nicht so liebte, wie ich ihn, oaß er mir nicht lange treu sein würde, daß er mtch vielleicht — schon als Verlobter betrag... Ich wurde gewarnt von allen Seiten, mein Vater verbot mir die Heirat, ick verfeindete mich mit meiner Familie ... Ich ging yeimlich mit ihm fort Wir ließen uns trauen ... in London ... Ich war so glücklich ... — ein Jahr ungefähr ... Mein ganzes Leben drehte sich nur um diesen Mann. Bis ich die andere Fran kennenlernte, mit der er mich betrog ... Leslie war der geborene Verführer, den nur die Eroberung interessierte. Dann kam eine andere ...Ich ahnte, was hinter meinem Rücken oorging . . . aber ich wußte nicht, wer die andere war. Bis zu einem Frühjahrsrennen ... Er behauptete, verhindert zu sein. Ich war zu Tisch bei Freunden eingeladen, sie nahmen mich mit in ihrem Wagen zur Rennbahn. Als wir hinfamen ... seh« ich gerade unser Auto ankommen, und Leslie steigt aus und hilft „ihr" aussteigen ... der anderen. Und so haben wir uns zum erstenmal gesehen ... die beiden Frauen des Grasen Leslie ... Da hab' ich mich umgedreht, bin heimgefahren, habe meinen Anwalt bestellt ... und nach sechs Wochen waren wir beide frei . . . Ich bin nicht geschaffen für das Abenteuer, ich bin keine romantische Frau, keine Künstlerin. Ick brauche Klarheit und Wahrheit um mich . . . Ich habe unter seinen Betrügereien zu sehr gelitten, um ein« Wonne in meinem Leiden zu finden. So — — liebe ich nicht, Melitta ... Es mag ein Fehler (ein, ich rechne mir diese „Vernunft" nicht zur Tugend an ... aber es ist so ... Ich will nicht gemartert werden, wenn ich liebe. Muß denn so viel Leid dabei sein? Du schweigst? ... Ich versteh' das nicht ... Ich weiß mir eins, daß man das Schmerzliche, das sie uns antun, vergißt — aber das an- bere bleiet ... Die Männer sind mir nicht gleichgültig geworben, sie haben nur ihre Macht über mich verloren ... Aber vis man einmal bahin kommt --das ist ein weiter, steiniger Weg ..."
Zwischen fönsnnd sieben
Roman von Lieebet Dill.
Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin.
22. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Ach, Ethel.. Wir begreifen so vieles nicht... und müssen es schließlich doch...
,Zch würde depeschieren ... mit Rückantwort... Das ist das einzige ... Diese ... antworten nur auf Depeschen."
„Ich soll ja nicht depeschieren!" klang es verzweifelt. „Er hat es mir verboten. Das Warten, Echel... bringt mich um ..."
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