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arbeiten und dabei feststellen können, welche großen Gaben des Geistes ihm gegeben waren. Ms er nach Washington ging, stand er vor einer schwierigen Aufgabe. 3n verhältnismäßig kurzer Zeit ist es ihm gelungen, sich dort eine große Position zu schassen. Beziehungen anzuknupfen und Vertrauen und Freundschaft sich zu er­werben, die den Beziehungen zwischen Deutsch­land und den Vereinigten Staaten zugute ge­kommen sind. Wir hofften, daß er, der auf der Mittagshöhe des Lebens stand, in der Lage sein würde, in seiner heutigen Stellung und vielleicht in anderen großen Tätig­keiten noch vieles für Deutschland auf­grund seiner Erfahrungen und Fähigkeiten zu wirken. Cs ist so unendlich schmerzlich, sich vor- ftellcn zu müssen, wie seine Frau ihn ertoortet, um mit ihm zusammen die Rückreise nach Wa­shington anzutreten, und dann statt des Gatten die Rachricht von seinem Tode erhält. Ich glaube, es gibt viele unter uns. vielleicht sind es die meisten, die ihm auch persönlich näher stan­den und deshalb nicht nur den Tod des Diplo­maten, sondern auch den Tod des Freun­des beklagen. In diesem Sinne möchte ich seinem Gedächtnis diese Worte weihen. Sein Andenken wird in uns unvergessen bleiben.

Die Teilnahme Amerikas.

Washington, 24. Sept. (WTD. Funk­spruch.) Die deutsche Botschaft wurde vom De- kanntwerden des tödlichen Unfalls des Mis­sionschefs bis in die späten Abendstunden von vssiziellen Vertretern der amerikanischen Re- gierung und des diplomatischen Korps aufgesucht. Präsident Coolidge sandte seinen Adju» tonten. Staatssekretär Kellogg und sämtliche Referenten des Staatsdepartements gaben Bei- leioskarten ab. Unter den ersten Kondulenien erschien der französische Botschafter Claudel auf der deutschen Botschaft und sprach dem Geschäftsträger Dr. Kiep zugleich nut der Ditte um Uebermittelung an die Gattin des Vctschasters von Malhan und an die deutsche Regierung, wärmste Teilnahme aus. Der 6rt» tische Botschafter sandte ein herzlich ge­haltenes Beileidstelegramm. Senator Borah rühmte die Popularität von Malhans und be­dauerte den großen Verlust, den beide Länder durch fernen Tod erlitten haben. .Associated Preß" veröffentlicht die Beileidstelegramme des Präsidenten und Kelloggs sowie Kelloggs Kom­munique und fügt hinzu: Deutschland werde aus diesen spontanen und ganz ungewöhnlichen Kund­gebungen des offiziellen Amerikas ersehen, wie sehr hier die Arbeit eines deutschen Berufs­diplomaten geschäht wurde. Cs sei zu hoffen, daß sein Rachfolger mit gleichem G e- schick die Fäden aufnehmen werde, die ein grausames Schicksal Freilerrn von Malhan aus der Hand riß. ,

Staatssekretär Kellog würdigte auf die Rachricht von der Flugzeugkatastrophe hin die Verdienste Malhans in warmen Worten. Er führte u. a. aus:Malhan hat hier in Washrng- ton seine Fähigkeiten bewiesen, wie er sie schon vorher in Berlin bewiesen hatte. Was Malhan in den Vereinigten Staaten außer seinen Amts­pflichten noch anstrebte, war, erneut herz­liche Beziehungen zwischen dem ameri- konischen und dem deutschen Volke zu schaffen. Seine Bemühungen waren in hohem Maße von Erfolg gekrönt. In den ganzen Vereinigten Staa­ten war er eine ollgemrtn bekannte unb beliebte Persönlichkeit."

Der Staatssekretär hat an den Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin. Shur­mann, folgendes Telegramm gerichtet:Der vorzeitige Tod des Botschafters Freiherrn von Malhan hat mich tief bewegt und betrübt. Seine trefflichen persönlichen Eigenschaften, der große Takt und das kritische Urteil, die in den von ihm gesührten Verhandlungen zutage traten, werden seinen Tod in ganz Amerika als einen schweren Verlust erscheinen lassen. Seine hervorragende Persönlichkeit machte ihn besonder- geeignet, die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern zu erhalten."

Präsident Coolidge an Hinden­burg.

Berlin. 23.Sept. (WB.) Der Reichs­präsident hat folgendes Telegramm des Präsidenten Coolidge erhalten:Ich drücke Eurer Exzellenz mein aufrichtiges Beileid anläßlich des bedauernswerten Hinscheidens des deutschen Botschafters aus, der während seines Aufenthalts in Washington seinem Vater- lande hervorragende Dienste gelei- ft c t hat. Die Regierung der Vereinigten Staaten wird dem Verstorbenen nicht nur als einem Diplomaten von besonderen Fähigkeiten, sondern auch als einer Persönlichkeit, deren große Qua» litä'.cn ihm die Hoch chlung aller erwerben haben, ein ehrenvolles 0:1)2tuen bewahren. Ich bitte, meiner Frau und meine Anteilnahme der Baro tun Malhan zu übermitteln.

Calvin Coolidg e.

Botschafter Shurman zum Tode Maltzans.

Berlin, 23. Sept. (WTB.) Ms erster der hier beglaubigten fremden Diplomaten über­brachte heu'e in den Rachmittagsstunden der ame- rikLnische Botschafter Dr. Shurman das Bei - leid seiner Regierung und des ame­rikanischen Volkes zu dem tragischen Tode des deutschen Dokschafters, Frrtherrn v. Malhan. Botschafter Shurman sprach zunächst in der Reichskanzlei vor, wo in Abwesenheit des Reichskanzlers, der sich heute in Magdeburg auf Der Tagung des Deutschen und Preußischen S ädiciages befindet, Ministerialdirektor Dr. von Hagenow den Botschafter empsing und ihm für Den Ausdruck der Teilnahme dankte. Im Anschluß hieran begab sich der Botschafter ins Aus­wärtige Amt zu dem V.rtreter des Reichs» oußenministers, Ministeriald.reltor Köpke, der ihm gleichfalls für die bekundete Anteilnahme wäcniften Dank aussprach.

Botschafter Shurman hat den Vertretern der amir1tan:fG..n P.e.se eine Würdigung des Bot- schaftcrs Freiherrn v. Malhan gegeben, in der er erilurte, daß ibn der Tod seines Freundes von Malhan, mit dem er sich noch Mittwoch abend un erhol'en habe, unsäglich erschüttert habe und hinzugefügt: Mal''ans größter Wunsch war es. dc i zu helfen, die durch den Krieg zerrissenen Fäden der Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem deut.chen Volke zusam­men z u k n ü p s e n: mit welchem Erfolge er sein Ziel erreicht hat, das wissen alle, die die Ergeb­

anwesenden Besuchern, die ihr Eintritts­geld zurüclverlangten. Ein Sturm auf die Kasse blieb erfolglos, da die Einnahmen in­zwischen von Gläubigern bereits mit Beschlag belegt worden waren. Polizei mußte schließlich die zwangsweise Schließung der Räume vornehmen.

An den folgen eines Schnakenstichs gestorben.

In Oberlahnstein erhielt eine junge Frau einen Schnakenstich in den Arm, der, trotz recht« zeittger Amputation desselben, jetzt den Tod oer Frau zur Folge hatte. Es scheint sich um eine Infektion mit Verwesungsgift zu handeln.

Massen-Fleischvergiftungen.

In einem Dorfe bei Cüllichau (Mark) liegen etwa 60 Personen unter schweren Vergift unas- erscheinungen krank darnieder. Siner der Er­krankten ist bereits verstorben. Die Erkrankungen sind auf den Genuß von im Dorfe verkaufter Wurst zurückzuführen, in der, wie man an­nimmt, Paratyphusbazillen waren.

5für) vom Triumphbogen.

E:n 61 Jahre alter, anscheinend geistes­gestörter Mann hat sich in Paris von dem Triumphbogen herunterge stürzt. Er war sofort tot. In seinen Taschen fand man einen Bries, in dem er die -^eberzeugung ausspricht, baß der unter dem Triumphbogen begrabene unbekannte Soldat sein während des Krieges vermißter Sohn sei.

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nisse seiner Täftgkeit in Washington beobachteten. Sein Werk wird leben und es wird andauern, weil es mit den edelsten Idealen der Menschlich­keit und mit der moralischen Weltordnung in Einklang steht.

Aus aller Welt.

Erneutes Änschwellen der Kinderlähmung.

Die Zahl der in Leipzig an spinaler Kinder­lähmung euranlten Personen hat vom 21. bis 22. September erneut einen Zuwachs um zehn Fälle erfahren, ebenso sind z w e i n e u e Todesfälle zu verzeichnen. Die Gesamtzahl von Erkranlungsfällen beträgt nunmehr 105, von denen 73 im Krankenhaus behandelt werden. Die Gesamtzahl der Todesfälle ist achtzehn. Von den 105 Fällen betreffen 66 Kleinkinder, 31 Schul­kinder einschließlich Berufsschüler und acht Er­wachsene. Auch in T r e u e n b r i h e n ist ein Fall von spinaler Kinderlähmung festaestellt wor­ben. Es handelt sich um einen fünfjährigen Kna­ben, der sofort in das städtische Kraul.ichaus gebracht wurde.

Tumult im Berliner Apollo-Theater.

Zu unliebsamen Szenen kam es im Berliner Apollo-Theater. Die Direktion war dem Künstler-- personal schon mehrere Tage hindurch die Gage schuldig geblieben. ( e-tern abend stellten nun die Darsteller mitten in Der Vorstellung die Arbeit ein. Es entstand ein Tumult unter den

Strefemann zur Tannenbergrede.

Dolle Uebereinstimniung mit den Worten des Reichspräsidenten.

Paris, 24. Sept. (WTB. Funksprüch.) Dr. Stresemann erklärte dem Außenpolitiker desBio­tin in Genf in einem Interview: ,,3d) bin nicht nur überrascht, sondern erstaunt, daß die vom Reichspräsidenten in Tannenberg gehaltene Rede in Frankreich in diesem Blaße Aufsehen erregt hat. Zunächst bringt diese Rede nichts anderes, als schon off ausgesprochene Ansichten. Rian muß daran denken, daß in Deutschland viel weniger als in Frankreich Kriegerdenkmäler ent­hüllt und dabei Rlinifterreden gehalten wurden. 3n Frankreich ist die (Erinnerung an den Krieg und der Rückblick auf die Vergangenheit f a ff all­täglich. Der Reichspräsident hat, wenn ich mich recht erinnere, seit seinem Amtsantritt noch nie­mals ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Aber Tan­nenberg ist fein Merk, ein Werk, mit dem seine Person und seine Existenz verbunden sind. (Er be­fand sich da auf einem historischen Boden und alle Kriegsereignisse, die sich an seinen Hamen knüpfen, ebenso wie seine spätere Tätigkeit als Staatsober­haupt sind ihm gewissermaßen im Gedächtnis wie­der aufgestiegen.

Was er bei dieser Gelegenheit gesagt hat, alles das ist ein allen deutschen Gemütern eigenes Gefühl. Der wesentliche Punkt der Rede des Reichspräsidenten ist, daß ein unpar­teiisches Schiedsgericht prüfen und 6e- stimmensoll, was sich im Sommer 1914 im Laufe des diplomatischen Hofen- ausla usches abgespielt hat und auch

was noch viel bedeutender ist die Ereig­nisse, die sich in den ooraufgegangenen 3 ab re n entwickelt haben, präzisieren soll. Selbst B r i a n ö hat in seiner Rede in Gens am Schlüsse gefordert, den Frieden durch das Schieds­verfahren zu schaffen. Rian fordert das Schieds­verfahren für Wirlfchaftsfragen und für finanzielle Probleme, also für die verschiedenartigsten Kon­flikte. Wenn dieser Grundsatz der einzig wirkungs­volle ist, um die Befriedung der Völker herbeizu- sühren, warum soll er nicht anwendbar sein bei Fragen, die auf einem Volk schwerer lasten, als ungünstige schiedsgerichtliche Entscheidungen in einer Debatte rein materieller Art?

Das deutsche Volk empfindet die These, die allein auf der deutschen Initiative die schreckliche Katastrophe des Weltkrieges lasten läßt, als eine schwere Beleidigung, und es ist sehr begreiflich, daß es sich vor einem Urteil nicht beugen kann, bei dem Ankläger und Richter die gleichen waren. Diese tiefe Empfindung steh', nicht im Widerspruch zu der Friedens- Politik, die wir mit unerschütterlichem vertrauen fortsehen. von dem im Völkerbunde herrschenden Standpunkt aus kann niemand den Gedanken eines derartigen Schiedsspruches tadeln. Wenn er nicht schon jetzt eine konkrete Form annimmt, bann wird er durch die Gesamtheit derer, die die Ge­schichte schreiben, gefällt werden, vor dem endgültigen Urteil der Geschichte können und müssen alle Völker sich beugen.

Gemeinden und Reichsfinanzen

Reichsfinanzminister Dr.Köhier spricht auf dem DeutschenStLdtetag

Magdeburg, 23. Sept. (Wolff.) Die Ta­gung des Deutschen Städtetages hat etwa 1400 führende Männer der deutschen Kommunalver­waltungen nach Magdeburg gebracht. Zahlreich sind die Regierungen der Einladung gefolgt. An der Spitze der Vertreter der Reichsregierung ist der Reichskanzler mit dem Reichsfi - nanzminister erschienen. Die preußische Re­gierung vertritt der Minister des Innern und der W o h l f a h r 1 s m i n i st e r. Als Ehren­gäste sind die ehemaligen Reichskanzler Scheide mann und Dr. Luther, die ehe­maligen Minister Hamm und Jarres und Reichstagspräsident Löbe anwesend. Eing:leitet wurde die Tagung gestern abend durch eine Fest- Vorstellung im Stadtthew.r. Heute begannen in den Vormittagsstunden die Sitzungen Der ein­zelnen Fraktionen. An diese schloß sich um 1/,11 älhr die Hauptversammlung in der Stadt- Halle an.

Reichskanzler Dr. Marx von lebhaftem Beifall begrüßt, nimmt das Wort zu einer Ansprache. Er betonte, daß er der Ein­ladung zur Teilnahme an der Tagung mit großer Freude gefolgt fei, beruhe doch die Wohlfahrt des Reiches in hohem Maße auf der verständnis­vollen und bereitwilligen Zusammenarbeit zwi­schen Städten, Ländern und Reich Eine er­drückende Fülle ernster Probleme sei den Ge­meinden aus der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Llmwälzung des letzten Iahr-ehnts er­wachsen. Mit vorbildlicher Tatkraft und bestem Erfolg seien die Städte an dem wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbau unseres Vaterlandes, dessen Abschluß noch keineswegs erreicht sei, her­angegangen. Der Reichskanzler wies auf das Problem eines gerechtenFinanzaus- gleiches zwischen Ländern, Gemeinden und k^m Reich und das Problem der Abgrenzung des Eigenlebens der Städte gegenüber den Ländern und dem Reich hin und fuhr fort: Aber auch wir, die auf allen Gebieten des Lebens wirken, stehen unter dem ehernen Zwang, zwischen dem an sich Wünschenswerten und dem tatsächlich Möglichen einen Ausgleich zu schassen, daß ein Höchstmaß an Leistung für die Ration erzielt werde.

Rachdem Oberbürgermeister Böß-Berlin dem Reichskanzler für seine Ausführungen ge­dankt hatte, führte

Präsident Dr. Mulert überReichspolitik und Städte" u. a. aus, die Gesamtsteuereinnahmen der Gerne nden seien, auf den Kops der Bevölkerung verrechnet, gegenüber 1913 nur 75 v. H. gestiegen, während die Steuer- einnahmen der Länder um 159 v. H., die des Reichs um 245 v. H. zugenommen hätten. Heute verschiebe sich das Schwergewicht in der Be­handlung wichtiger kommunaler Fragen immer mehr nach dem Reiche. Eine st a a t l i ch e Rechts beziehung der Städte zum Reich sei aber nicht hergestellt. Keine der ge­setzlichen Verwaltungsstellen im Reich oder in den Ländern habe die volle Zuständigkeit, keine habe infolgedessen auch die volle Verantwortung

für die Gemeinden. Vereinheitlichung sei nur dann ein Fortschritt, wenn sie gleichzeitig getra­gen werde von weitgehender Dezentralisa­tion. Der Redner forderte bann die Einrichtung einer Kommunalabteilung beim Reichs­ministerium des Innern nach dem Muster dieser Abteilung beim preußischen Jan-,., . iftlerium. Darüber hinaus mi i:e den Gerne in.-en eine aus­reichende Vertretung in dem zur CGor' :tei» tung oder zur M ' riung bei der Gesetz­gebung berufenen . .r^ erschaff en gr eben wer­den. Im weiteren Verlauf der Bern ung n nahm Reichsfinanzmimster Dr. Köhler das Wort. Der Wiederaufbau Deutschlands, so betonte er, könne nur durch den bewußten Willen zum Leben geschaffen werden. Riemand werde bestreiten wollen, daß an tem Wiederaufbau Deutschlands der Haug anteil den Gemeinden zufalle. Selbstverwaltung und SelbstveranlWor­tung seien ein wichtiges Gut. Selbstverwaltung könne aber nie Selbstzweck s.ia, sondern nur Mittel zum Wohle der Gesa.n^ u des Volkes. Das große Problem: älnitaris.n 16 und Födera­lismus gehe nicht nur um Wirtschu, Lgrenzen und Detätigungskompejenzen, es gehe dab i vielmehr um die Seele vieler Millionen deutscher Volks­genossen, besonders in Süddeutschland: es gehe um d i e Einheit des deutschen Volkes, man müsse in dics.r Frage besonders Vorsicht walken lassen. Durch die Reparationslasten sei die allgemeine Belastung von Ländern und Ge­meinden naturgemäß hervorgerufen. Das Steuer­aufkommen reiche heute nicht mehr aus, um den Ausgaben der Gemeinden gerecht zu werdrn. Das Steuer vereinheitlichungsgesetz ver­danke seine Entstehung nicht einer länder- oder gemeindefeindlichen Einstellung, sondern ist die logische Fortsetzung der Politik der S t e u e r - Vereinfachung und der endgültigen Rege­lung der R e a I ft c u e r n. Es müsse der deut­schen Wirtschaft erm.-glicht werden, jederzeit im großen und ganzen sich ein genaues Bild über die Realsteuern machen zu können. Dieselbe Mög­lichkeit müsse dem Steuerschuldner verschafft wer­den. Man könne nicht einerseits fortgesetzt in Deutschland die Vereinfachung und Re­form der öffentlichen Verwaltung verlangen und andererseits eine Kritik an dem Steuervereinh.'i lick'ungsg:seh üben, das gerade diese Reform durchfuhren soll.

Dr. Köhler erklärte, daß von einer 20proj. Senkung der Realsteuern, von der gelegentlich hier gesorochen worden sei, keine Rede sein könne. Wenn auch die Reichsregierung die Ab­sicht habe, eine allgemeine Senkung der Real­sfeuern herbeizuführen.

Wenn die Reichsregierung zu Beschränkungen in den Ausgaben ermahne und namentlich vor den kurz- triftigen Verpflichtungen warne, so wolle sie nicht die private oder öffentliche Wirtschaft drosselrn Die dauernde Verschuldung sei eine schwere Gefahr, da müsse die Rcichsregicrung eingreifen. Die Mahnung zur Sparsamkeit gelte nicht nur den Gemeinden allein, sondern auch den Ländern und erst recht dem Reiche. Das fei auch das Ziel des steuerlichen Ber

einfachungsgesctzes. Im übrigen stelle die Reichs­regierung Grundsätze auf, die beachtet werden sollten, aber nicht beachtet werden müßten. Die Länder sollten darüber beschließen im Zusammengehen mit den Gemeinden. Auch bezüglich der Berechnung nach dem Ertrag ober nach der Lohnsumme usw. sei die Entscheidung in die Hände der Länder gelegt. Der Charakter der Grund- und Gewerbesteuer müsse auf­rechterhalten werden, aber die weiteren Bestimmun­gen müßten den Ländern überlassen bleiben. Jede Uniformierung liege dem Entwürfe fern, aber die Vereinheitlichung sei so wichtia, daß eine Beschrän­kung der örtlichen Bewegungsfreiheit unter Umftäm den mit in Kauf genommen werden könne. Er sei zur Vereinfachung bereit und hoffe, daß die großen Selbstverwaltungskürper ihm die Hand reichen und dafür sorgen würden, daß auch auf diesem Gebiete ein wirklicher Fortschritt erreicht werde.

Gegen die kommunistischen Stimmen wurde bann eine

Enlschttehung des Vorstandes angenommen, in der von den Vertretern der deutschen Städte gefordert wird, daß bei der in Gang befindlichen älmgestaltung der inneren staatspolitischen Verhältnisse d i e Lebensnot­wendigkeiten der deutschen Städte berücksichtigt bleiben. Als weitere dringende For­derungen werden bezeichnet: Eingehende De­zentralisation der Verwaltung und unmittelbare Verbindung der Ge­meinden zum Reich, stärkere He-anftehung der kommunalen Epitzenverbände zur Mitarbeit Errichtung einer Kommunalabteilung im Reichsministerium des Innern, ausreichend« Be­teiligung der Gemeinden im Reichswirtschaftsrat, dauernde Fühlung mit Reichstag und Abgeord­neten, Wiederherstellung der finan­ziellen Selbständigkeit und Lei­stungsfähigkeit der deutschen Städte und Abänderung ^es Finanzausgleiches. Schließlich beanspruchen i ? Vertreter der deutschen Städte, daß den beult -en Städten die organisatorischen und finanz e en Voraussetzungen gegeben werden, um ihre öffentlich-rechtlichen Ausgaben zu erfüllen, ihren sozialen Verpflichtungen nach­zukommen unö an dem wirtschaftlichen und kultu­rellen Aufstieg Deutschlands mitzuwirken.

Dis hessischen Landtagswahlen.

Darmstadt, 23. Sept. (TU.) In der heu­tigen Sitzung des Gesetz^ebungsausschusses de- Landtages wurde die Regierungsvorlage betr. Abänderung der hessischen Verfassung beraten. Der Artikel:

Die Abgeordneten werden unbeschadet der Vorschrift in Artikel 24 Absatz 4 gleichzeitig auf den am Wahltag beginnenden Zeitraum von drci Jahren gewählt"

wird ergänzt durch den Zusatz:

Die Wahl des n :uen Landtages soll v o t Ablauf dieser Zcst ftgitfinben.

Des weiteren wurde für den Artikel 22 fol­gende neue Fassung beschlossen:

Der Landtag tritt kraft eigenen Rechts am 18. Tag nach der Wahl und, falls dieser Tag vor Ablauf der Dauer des vorhergehenden Land­tages fällt, an dem unmittelbar hierauf folgenden Tag, im Falle der Auflösung am 18. Tag nach der Reuwahl am Sih der Landesregierung zu­sammen. Fällt einer der vorgenannten Tage au einen Sonn- oder Feiertag, so tritt der Landtag er am darauffolgenden zweiten Werktag zu­sammen."

Weiter wurde eine Abänderungsvorlage be­raten, wonach die Wahlvvrschläge von mindestens 7000 Wählern unterzeichnet sein müssen und für jeden Wahldorschlag 5000 Mark I einzuzahlen sind. Der eingezahlte Betrag ver­fällt der Staatskasse, wenn kein Bewerber des Wahlvorschlags zum Abgeordneten gewählt wird, andernfalls wird der Betrag zurückgezah ft. Hier­durch soll die Bildung von Splitterparteien un­terbunden werden. Der Antrag wurde einstim­mig angenommen.

Der demokratische Antrag, die Legislatur­periode des Landtages von drei auf vier Jahre zu verlängern, sand nicht die vorge­schriebene qualifizierte Mehrheit und ist somit als a b g e l e h n t zu betrachten.

Preußen und der Reudellsche SchulgesetzentNurs.

Eine geeignete Berhandlungsgrundlage.

Berlin, 24. Sept. Gleichzeitig mit den An­trägen der preußischen Regierung zum Reichsschub gesetz ist gestern dem Reichsrat' eine Begrünbung der Anträge, die das Wesen det Vorlagen nicht de- rühren, zugegangen. In der Begründung wird der Reicbsschulgesetzentwurf nach seinem Aufbau, seiner Gliederung und seinem Gesamtinhalt, alle Einzel­heiten zunächst vorbehalten, als eine geeignete Grundlage für die Erörterung über die reichs- gesetzliche Ausführung des Artikels 146, Absatz 2 der Reichsverfassung bezeichnet. Rach dem Kämpfend wurs des Jahres 1926 bedeute er einen fo außer­ordentlichen Fortschritt zur Erreichung einer Mittellinie, daß unter allen Umständen der Versuch gemacht werden müsse, ihn in vertrauens­voller Zusammenarbeit mit den Reichs- Instanzen so auszubauen, daß er eine segens­reiche Wirksamkeit ausüben könne.

Hindenburgs Geburtstag.

Tas Berliner Programm des 2. Oktober.

Berlin, 23. Sept. (Wolff.) Arn 1. Oktober vormittags wird der Reichspräsident auS den Händen eines Vertreters der Hindenburg- spende die Urfunbe über die ile&ertragung dcr Verfügung über die Mittel der Hindern- burgspende entgegennehmen. Daran wird sich ein Empfang von Abordnungen von Kriegs­teilnehmerverbänden anschließen. Am Abend des 1. Oktober wird der Reichspräsident voraussichtlich auf einige Zeit an einem E m v- sangsabend der Offizierverbände im früye- ren Landwehrkasino im Zoo teilnehmen. Um 21.15 Uhr veranstaltet die Reichswehr zu Ehren Hindenburgs einen Zapfenstreich im Vor­hof des P räsidentenhauses.

Der 2. Oktober beginnt mit einem Morgen- ständchen einer Reichswehrkapelle im Garten des Reichspräsidenten. Danach wird der Reichs­präsident die Kirche besuchen. Hierauf finden Empfänge statt. Es werden dem Reichspräsi­denten ihre Glückwünsche barbringen: Die Reichsregierung mit den Chefs der ober­sten Reichsbehörden, die Chefs der Landes­regierungen mit den Bevollmächtigten zum Reichsrat, der apostolische Runtius als

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