Einzelbild herunterladen

Nr. 70 Erster Blatt

177. Jahrgang

Donnerstag, 24- Mär; 1927

Grlchein' täglich, avtzei Sonntag» und Feiertag».

Beilagen;

Gtetzener Jamilienblüttet Heimat rm Bild Die Scholle

Monair.kezvosrrel»; 2 9teid)»marii und 20 Sleid)»Pfennig fix Träger, lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüffe: 51. 54 und 112 Anfchrift für Drahtnach­richten Anzeiger Siehe».

poftfch.ckkosto: gronfjurt am Main 11688.

TietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnick und vttlo-: vrihl'lchk Unioerfttäts.Bnd). unö Sttinötudtrei H. lange In Sieben. Sdjrtftleitung und ScschSst,»klle: Schillerte 7.

lenabme Ml lajdaen für die Tage» nummer di» zu» Nachmittag vorher.

Preis für l ®<n höhe fix Anzeigen v»a 27 mm Brette ärthd) 8, auswärts 10 Reichepfennig; für Re- Hameanjeiqen von 70 mm Breite 35 Re>ch»pfennlg. playvorschritt 20* , mehr.

Chefredakteur

Dr Frredr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange- für Feuilleton Dr H.THgnot; für den übrigen Teil Ernst Mürrischem; für den Sn« jeigenteil i. Dertr. H Deik, sämtlich in (Biefjen.

Der serbisch-italienische Konflikt.

wetterleuchten über der Adria.

Don unserem römischen ^Korrespondenten.

Rom. 22. März.

Als vor einigen Lenzen die beiden Adrianach­barn beschlossen, fortan nicht nrchr Rivalen zu sein, sondern die Friedenspfeife zu rauchen, konnten sich die Auguren eines Lächelns nicht erwehren. Dieser ttdriavertrag war einer der unnatürlich st en, die je von Diplomaten unterschrieben wurden. Ich habe damals betont, er losic sich überhaupt nur unter dem Gesichtspunkt verstehen, bah sich Italien, weil mit seinen Rüstungen noch nicht fertig, gegen ein unerwünscht vorzeitiges Losgehen der Flinten von der andern Seite her schützen wolle. Also nur an eine zeitlich bedingte Freundschaft dachte, an einen Sicherimgsvertrag. Daß Italien heute oder morgen seinen Zweifrontenkrieg haben werde, konnte ein Laie merken, aber wer ein Pul- versah ein Pulverfaß nannte, wurde als schlechter Ifuropäcr verschrien. Denn logisch, wie nun einmal die Berufspazisisten sind, heißen sie den einen Drandstister, der auf ein gefährlich glimmendes Feuer hindeutet, und preisen sich selber mit schönen Reden, weil sie glauben, dah es genügt, dem Brand­herd den Rücken zu kehren und sich an die schönen Gestade der Insel der Seligen zu begeben, schlimm« stenfalls des Genfersees. Aber die Stunde ist nicht fern, wo sie wieder einmal aus ihrem Wölken­kuckucksheim auf die rauhe Erde stürzen und Ge­legenheit finden werden, Asche aus das Haupt der bösen andern zu streuen.

Derer, die sich ihrer Haut wehren müsien. Denn schon heute ist, wie immer, jeder der '21 n ge­griffene. Einer schiebt dem andern dieS.chuld" zu. In Belgrad wie in Rom behauptet man, es könne der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn gefalle, seine Kanone aus dem Stall zu ziehen. Man rüstet fieberhaft auf bei­den Seiten, stürmischer noch als vor 1914, und der Völkerbund ist erstaunt. Geradezu ärgerlich, wie man seine Opiumverhandlungen, das Wichtigste vom Wichtigen, stört. Einmischen, das wisien wir noch von fldrfu her, ist nicht ratsam, also wird es halt in Gottesnamen so kommen, wie es schon immer gekommen ist.

In Italien selber diskutiert man wenig ober nicht. Im Moniteur, dem für alle Zweige und Be­triebe des neuen Ordnungsstaates maßgebenden Verordnungsblatt, dem Foglio d'Ordini, erschien kurz und bündig die Parole:Schweigend handeln!" Und eine Warnung für jeden, der Ohren hat:

Das faszistische Italien beobachtet mit absoluter Ruhe die zügellose Agitation der Belgrader Clique. Unter Clique ist die hohe serbische Militärkamarilla zu verstehen, an deren Spitze einige unverantwort­liche und zu jedem Verbrechen fähige Größenwahn- sinnige stehen. Italien hat nicht verloren und wird im Bewußtsein seiner Kraft und feine» Rechts sein kaltes Blut nicht verlieren. Mit derselben Kalt- blütigkeit betrachtet es die sich abzeichnenden Soli­daritäten, denn es weiß, woher die Ratschläge und die Unterstützungen für Belgrad kommen. Das faszistische Italien, vollauf beschäftigt mit feinem wirtschaftlichen Aufbau und seiner riesenhaften An- ftrengung für die Schaffung eines neuen Regimes, hat keinerlei Absicht, auf irgendeine Weise den t'sne­ben Europas zu stören. Das weiß die ganze Welt, trotz der antifaszistischcn Vendee. Aber die ganze Welt soll auch wissen, dah das faszistische Italien weder Drohungen noch Erpresiungen ober Attentate halben wird."

Wir sind also in der Zeit zwischen Sera- jeroo unb bem 1. August. Nur der Schauplatz hat ein wenig gcänbert, die Worte sind dieselben geblieben. Belgrad muß wieder einmal von seiner verbrecherischen Militarkamarilla" abrücken ober ins Feld rücken. Muß seine Attentatspolitik aufgeben ober bic Folgen tragen.

Um die Kräfte zu erkennen, die den Becher für das eiserne Würfelspiel zu halten sich an- schicken, muß man den casus belli betrachten: Albanien. Wenn es zum Kriege kommt, was der Himmel verhüten möge, nachdem die zu diesem Zweck geschaffene Weltorganisation ander­weitig beschäftigt ist. wird das Land der Skipe­taren die Ehre haben, den diplomatischen und den ersten miiltärischen Schauplatz zu stellen. In Albanien, diesem Verlegenheit-Produkt der europäischen Diplomaten, kreuzten sich bis vor einiger Zeit viele Interessen, bis zum Vertrage von Tirana, mit dem sich Italien dte Dor- Hand auf den gegenüberliegenden geographisch bequem und wirtschaftlich aussichtsreichen, nicht unlieblich nach Petroleum duftenden Adria­balkon sicherte. Von diesem Tage an hat man in Belgrad nicht mehr richtig geschlasen. und auch in Paris nicht, das in dem Balkon ein Sprungbrett für den ganzen Balkan witterte Ohne Partei zu ergreifen L darf und muß man aber hier rundheraus erklären, dah Italien auf Albanien ebensoviel Recht haben würde, wie Ser­bien auf Montenegro. Jetzt rächt sich eben die merkwürdige Anwendung des Eelbstbestim- mungs rechtes aller Völker, für welches die Entente bekanntlich den ..großen Kreuzzug" führte.

Belgrad ist werter deshalb verärgert und ängstlich, weil sich Rom die über Budapest und Bukarest führende Landbrücke zum Schwarzen Meer gesichert hak. Hilsehei- schend nxmben sich die serbischen Bücke aus der .Einkreisung" nach dem großen französischen Bru­der. Paris tut. was im Foglio d'Ordini fo gelassen, mit so unheimlichem Kraftbewußtsein festgenagelt wird. II nb hier kommen wir auf die Kardinalfrage: dieselbe, die für den Weltkrieg

entscheidend wurde Die wird sich England verhalten?

Die Antwort entscheidet in jedem Falle Italiens diplomatischen oder militärischen Zwei­frontenkrieg. Eine wohlwollende britische Reu- tralität ist das Mindeste, was Italien im Hinter­gründe haben muß. wenn es sich zu dem kühnen Gange anschickt. Eine Unterstützung Englands aber käme nahezu einem durch Versicherung ge­deckten Siege gleich. Daher neigen nicht wenige Politiker der Ansicht zu. Chamberlain habe feit langem die Hand im Spiele, wie ja schon aus der Billigung des Vertrages von Tirana und der italienischen Ratifizierung des Vertrages über Bessarabien hervorgeh« Wenn Italien sich damit die russische Freundschaft verscherzt habe, so werde es wohl auch Kompensationen Dafür erhalten haben.

Die Unbekannte in der Gleichung spielt Griechenland. Die plötzlich so offenherzig gewordene römische Prelle reiht Athen zwar ohne weiteres in die .Solidaritäten" ein. aber galt der Grieche nicht bisher alsenglischer Soldat". Es müßten also auch über ihn in Lon­don und Rom, oder auf Chamberlains Jacht Beschlüsse gefaßt worden fein. Allerdings heißt es. der französische Gesandte in Athen betreibe ein griechisch-s erbisches Bündnis unter fron- zösischen Protektorat und damit stehe die Reise des serbischen Königs nach Paris im Zusammen­hang.

Wie vor 13 Jahren Rußland, so stehe heute, wenigstens nach italienischer Behauptung,F r a n k- reich hinter Serbien. Mit Hilfe franzö­sischer Elemente soll der jugoslawische General­stab, den der König in Person leite, den kurz nach dem Abschluß des Vertrages von Tirana ausgebrochenen Auf stand in Albanien angezettelt und geschürt haben: mit französischer Hilfe soll jetzt dort eine .Revolution" gemacht werden, die Italien zum Einschreiten veranlassen und damit zum Friedensbrecher stetnpeln würde. Man sieht, alles hat aus dem Weltkrieg gelernt, jeder möchte die Schuldfrage schon vor dem ersten Kanonenschuß bereinigt scheu.

Sicher ist, baß die Möglichkeit für eine Konflikts- lofung heute in Paris, wie seinerzeit in Peters- bürg, liegt. Ist kaum anzunehmen, baß Italien ohne englische Zustimmung marschiert, so mit Sicherheit, baß Serbien bei feiner inneren Zerrissenheit ohne französische Hilfe keinen Krieg gegen Italien wagen wirb. Cs würbe zerschmettert werben. Freilich könnte auch bas Zurückziehcn der französischen Hand von Belgrad nur verzögern, nicht verhindern, was in der Luft liegt, doch wäre damit schon manches gewonnen: vor allem bie Beschränkung bes Brandherdes. Frankreich unb Italien könnten bann wenigstens enblich einmal versuchen, dem Problem, bas ein übervölkertes von einem bobenreichen Land trennt, energisch auf den Leib zu rücken. Mit schönen Worten ist Italien nicht geholfen, es verlangt Sicherheit, Ellenbogenfreiheit, Raum.Das gebt uns, wenn ihr nicht wollt, daß bie Pulvermine explodiert!"

Wer soll etwas geben? Frankreichs National- stolz verträgt kein zweites Foschoda, und die gewal« ligen Rüstungen auf beiden Seiten drohen mit ihrem Wasfengettirr die allzu zage Stimme von Genf zu übertönen.

Die Vermittlung öer Machte.

England für eine Beteiligung Teukfchlands.

Paris. 23. März. (1DIB.) Heber den Stand der Verhandlungen zur Behebung der italienisch- südslawischen Spannung berichtet Haoas. daß die deutsche, die englische und die französische Regierung nunmehr darüber einig seien, durch eine auf breite­ster Grundlage gebildete Kommission an der albanisch-serbischen Grenze eine Untersuchung vornehmen zu lassen. Zu regeln sei mit der südslawischen Regierung noch das endgültige Pro­gramm der anzustellenden Erhebungen. Italien werde allerdings noch feinen Standpunkt zu diesem Verfahren mitzuteilen haben.

Rach einer Meldung des Reuterbureaus unler- stüht man in britischen Kreisen den Gedanken einer Untersuchung an Ort und Stelle durch militärische Sachverständige. Man sei der Ansicht, daß das An­gebot der südslawischen Regierung, eine wiche Un- tersuchung zu erleichtern, viel dazu beigetragen habe, die Lage zu entspannen. Heber eine etwaige Beteiligung Deutschlands au dieser Enquete schreibt der diplomatische Korrespon- dent desDaily Telegraph":Britische kreise stim­men dem französischen Argument nicht zu. daß Artikel 179 des Versailler Vertrages Deutschland an der Ernennung von Offizieren zur Teilnahme an der Unlersuchungskommission o e r - hindern würde. Ls scheint, daß die Mitarbeit Deutschlands, das in dieser Angelegenheit als neutral" betrachtet werden kann, in London lebhaft gewünscht wird.

Ungarns Balkanpolitik.

Budapest, 23. März. <D. B.) Im Ober­haufe erörterte der Minister des Aeuhern Dr. Wallo das Verhältnis zu Lüdflawien und Ita­lien. Der Minister erklärte, dte ungarische Re­gierung fei feit Jahren planmäßig und konse­quent bestrebt, mit allen Staaten in Freundschaft zu leben, ohne ihre Aktionsfreiheit in irgendeiner Richtung einzulchränlen. Insbesondere fei sie bestrebt gewesen, mit den Rachbarn, mit denen sich infolge des Friedensvertrages naturgemäß zahlreiche Reibungsflachen zeigten.

ein normales Verhältnis zu schaffen. Reben den mit Sübflawien geführten Schiedsgerichts- und Ausgleichsverhandlungen ergreife Ungarn mit Freuden bie Gelegenheit, fein gutes Ver­hältnis mit Italien zu bekräftigen. Zu diesem Zweck werde der ungarische Winisterprälident in naher Zukunft nach Rom reifen, wo er mit Mussolini einen Gedankenaustausch über die aktuellen politischen Fragen, darunter die Benutzung des Hafens von Fiume, bei der Abwicklung des Seeverkehrs Ungarns pflegen werde. Bei dieser Gelegenheit werde voraussichtlich auch der Abschluß eines Freundschaft-- und Schiedsgerichts- Vertrages erfolgen.

Entspannung in Schanghai.

Schanghai. 23. März. (WTB. Reuter.) Die Loge in Schanghai ist infolge der Ankunst der natio« nalistijchen Truppen ruhiger geworben. Diese stellen bic Ordnung roieber her, obwohl einige Abteilungen der Nordtruppen noch Widerstanb leisten. Einige chinesische Verkaussläden in der Vorstabt Tschapei Hoden schon roieber aufgemacht. Die Zahl der Strei tenben beträgt jetzt runb 16Ö 000. Nunmehr sind auch bie chinesischen Angestellten der Zollverwaltung in den Streik getreten. Dieser Streik in Verbindung mit bem der Postbeamten, durch den der internatio­nale Postverkehr vollständig lahmgelegt worden ist, droht, wie Reuter jeststellt, den Geschäftsverkehr in Schanghai zum völligen Erliegen zu bringen.

Der Kommandant der südchinesijchen Streitkräfte in Schanghai, General Tai, der als gemäßigter Na« tionolist angesehen wird, hat ein Manife st an das chinesische Volk erlassen. In diesem werden bie im­perialistischen Frembmächte beschuldigt, im Lause von 80 Jahren durch die ungleichen Verträge China zu eine m Vasallen st oat herab« gedruckt zu haben. Nach der chinesischen Reoolu« tion von 1911 hätten diese Mächte der chinesischen Reaktion Waffen für einen IZfährigen Bürgerkrieg geliefert; mährend sich bie Auslänber immer wieder Sondervorrechte zugesichen haben, hätten sie das chinesische Bildung.« wesen unb die chinesische Industrie in ihrer Ent- Wicklung zu hindern gewußt. Chino fei endlich auf«

Berlin, 23. März. (D.D.Z.) Auf bet Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Lesung deS Etats des Auswärtigen Amts.

Abg. Dr. Haas «Dem.» klagt bie Regierung an. daß sie in Genf sowohl in der Saarfvage wie in der vberschlesischen Schulsrage auf ein­wandfreie deutsche Ansprüche ver­zichtet hat; das Zugeständnis eines militäri­schen Bahnschuhes an der Saar scheint uns auch für die Zukunft außerordentlich bedenklich zu fein. Für Deutschland wie für Frankreich ist die Verständigung so sehr eine Lebensnotwcndig- keit, dah eine glückliche Entwicklung dieser Be­strebungen nicht hätte leiden müssen unter einer stärkeren "Betonung des deutschen Rechtsstand­punktes. Wir treiben keine demagogische Oppo­sitionspolitik und erkennen bie Schwierigkeiten, in denen sich der Reichsaußenminister befand, an. Trotzdem wir nie bie jetzige Grenze im Osten als zu Recht bestehend anerlennen, müssen wir uns doch bemühen, durch eine Besserung des Verhältnisses zu Polen eine Lösung dieser Pro­bleme zu erreichen.

Abg Dr. Drebt (Wtrisch. Dgg.) erklärt: Wirklich zufrieden ist keiner mit dem Ergebnis von Gens. Für die Rheinlandräumung hat Thoirh keine günstigere Lage geschaffen. Die französische Regierung hat niemals anerfannt, daß ihr auS dem Gespräch von Thoirh Ver­pflichtungen erwachsen Man hätte damals im deutschen Volke nicht so übertriebene Hoffnungen auf Thoirh sehen sollen.

Abg. Emminger (Bahr. Vp.): Die außen- politifche Lage Deutschlands hat sich in den leh­ren QHonaten nicht unwesentlich verschlech­tert Es ist aber ein Unsinn wenn man den Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung dafür verantwortlich machen will. In der polni- schen und in der Saarfrage stand das Recht aus unserer Seite. Eineinhalb Jahre seit ßoeatno hört man nichts von der endgültigen Räumung d^s besetzten Gebietes, nichts von deutschen Kolonialmandaten und nicht- von der allgemeinen Abrüstung. Der englisch-russische Ge­gensatz bedeutet jetzt noch keine Kriegsgefahr. Aber Deutschland muh bei jedem Gegensatz neu­tral bleiben und muß auch das von Driand verlangte Durchmarschrecht mit aller Ent­schiedenheit ablehnen, lBeifall) Strengste Reu- traluät ist auch geboten bei bem italienisch-jugo­slawischen Gegensah.

Reichsautzenniinister Dr. Strefemann:

Auch ich Halle das Ergebnis Der letzten Genfer Verhandlungen für unbefriedigend. Sie werden aber schwerlich einen Minister finden, der Ihnen jedeSmal von Genf befriebigenbe Er­gebnisse mitbringen kann. Jede Lösung die der Völkerbund findet, wird seiner Ratur entsprechend ein Kompromiß fein. Man sagt, wir hätten

gewacht, und Schanghai, ba» größte Handels zentrum im Fernen Osten, werde nicht nur eine Hochburg des chinesischen Nottonaliemu», sondern auch eine starkeDasissürdie Wellrevo I u t i o n werben. Dos chinesische Volk müße aber in einen Angriffen den fremden Imperialismus von ben Ausländem selbst unterscheiden. Kein friedlich lebender Ausländer dürfe beleidigt werden, auch fein Eigentum dürfe nicht angetastet werben. Zum Schluß fordert der General die schiedsge­richtliche Beilegung von kleinen Streitig­keiten zwischen Ausländern unb Chinesen unb ver­urteilt alle übertriebenen Streikforderungen, die nur der jungen chinesischen Industrie schaden wurde». Der Befehlshaber der nationalistischen otreitfräfte hot ben ÄonfuIarbcJbörben der Internationoien Nie­derlassung die Versicherung abgegeben, daß er be­strebt sei, bie Orb nung in her Stabt wie« derherzu st eilen. In einigen Stadtteilen außerhalb der Postenkette wird noch geschoßen. In der Niederlasiung herrscht Ordnung. Nach einem Reutersunkspruch soll die Weisung zur Einstel­lung des General st reiks ergangen fein.

Die Streitkräfte der Konzessionsmächte in Schanghai.

London. 23. März. (WV.) 3m Unterhaus erklärte Chamberlain, daß bie britischen ötreitlrähe in Schanghai aus acht Infanterie- Bataillonen unb Hilfsmannschaften bestünden Außerdem verfüge Großbritannien dort über fünf Kreuzer mit 1000 Marinesoldaten Die Vereinigten Staaten haben, we Eham« berlain weiter erklärte, einen Kreuzer unb drei Zerstörer mit 1200 Marinesoldaten. Japan vier Kreuzer und drei Zerstörer. Frankreich. Italien, Spanien und Holland je einen Kreuzer nach Schanghai entsandt.

Eine Niederlage der Kantonlrup^en.

London. 24. März. (WTB. Funkspruch.) Der Militärgouverneur von Tschitt und Befehlshab. r des zweiten (nördlichen) Armeekorps der Armee TschangtfoUns, die den von Hankau nach bem Nor ben vor rückenden Truppen Kantons entgcgepgefrekB ist, berichtet, daß die Kontontruppen bei Tschui)ai' und Lifhiu geschlagen seien (Eine Bestätigt'! dieser Meldung war noch nicht zu erlangen.

uns lieber im Döllerbundsrat überstimmen lassen sollen. ES gibt ungeschriebene Gesetze in bet Politik, bie von größter psychologischer Bedeu­tung sind. Im VölkerbundSrat war eS bisher Tradition, daß nicht nach Rationen abgcstünmt, sondern immer eine Einigung gesucht wurde. ES wäre vielleicht bedenklich gewesen, diese Tradition zu verletzen, in dem Augenblick, wo zum erstenmal der deutsche Außenminister den Vorsitz führte. DaS Objekt hätte kaum den Einsatz gelohnt und ein möglicher Sieg in einer Einzelsrage wäre vielleicht ein Pyrrhus­sieg gewesen, der unS die Bahn für weiters Fortschritte versperrt hätte. Der Vahnfchuh im Eaargebiet war nicht eine Erfindung der Saar- regierunq, sondern eine Einrichtung, auf die sich der VölkerbundSrat schon vor Deutschlands Ein­tritt festgelegt hatte. Schließlich war doch unser Ziel, ebenso wie das deS VölkerbundSrat-, daß endlich die französischen Truppen auS dem Saargebiet entfernt werden. Auch in der oberschlesischen Frage ist ausdrücklich fest­gelegt worden daß durch die Kompromißlösung in keiner Weise der deutsche Rechtsanspruch an» getastet wird. Untere eigenen deutschen Volks­genossen in Polnisch-Oberschlesien sind mit ihren Forderungen an ben Völkerbund nicht so weit gegangen, wie die deutschen Vertreter in Genf.

Dr. Stresemann beschäftigte sich bann mit der Rede des deutschnationalen Abgeorbneten Dr. Spahn, der

ein enges Vertrauensverhältnis zwischen den einzelnen Mitgliedern des Kabinett»

gefordert habe. Wenn Sie glauben, daß man für internationale Verhandlungen feststehende unb starre Verhaltungsmaßregeln geben kann, so irren Sie. (Zustimmung.) Da- Vertrauensverhältnis zwischen Außenminister und Kabinett ist an und für sich etwa- Selbstverständliches. Die Verantwortung für die Führung solcher Ver­handlungen. bei denen die Entscheidung in Stun­den wechselt. ist überhaupt mehr als man einer einzelnen Person zumuten kann. Im übri­gen. so ruft der Minister ziemlich erregt, ist der Vertreter eine- Landes natürlich keine Grammvphvnplatt«, die nur eine be­stimmte Melodie wiedergibt. Die Ausführungen des Abg. Dr. Brcdt über die Wirkungslosigkeit von Thviry könnten unsere Situation sehr schä­bigen. Wir wollen doch festhalten an dem. was damals der Führer der franzö'ischen Außenpoli­tik für möglich und durchführbar hielt. In einem amtlichen Kommunique wurde mijgc- teüt, daß die beiden Außenminister in Thviry sich einig geworden seien über eine Gesamtleistung. Die noch der Zustimmung Der Gesamtkabinette bedürfe. ES bestand kein Zweifel Darüber, daß die Basis der deutsch-französischen Verständigung die Rheinlandräumung sein müsse. Rach Thoiry begann nun ein lebhafter Ansturm Der Gegner Briands. Der Kampf ist dort noch n i ch

Strefemann antwortet feinen Krittlern.

Fortsetzung der außenpolitischen Debatte im Reichstag.