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entschieden. Don dem weitgehenden Opti­mismus des französischen Außenministers vom September sind wir zurückgekommen, aber wir sind doch überzeugt, dast diejenigen schließlich sich durchsetzen werden, die aus Locarno mehr als einen bloßen Rheinpakt machen, die daraus die europäische Verständigung auf der Valis der deutsch-französischen Verständigung erreichen wollen. Es bedeutet nicht eine Verschiebung der deutschen Demarche ad calendas graecas. wenn ich Sie bat. uns den Zeitpunkt dafür bestimmen zu lassen Zur Abrüstungsfrage muß ich sagen:

Locarno märe ein Unsinn, wenn man sich als Friedensstifter bekennt, aber rings um Deutsch­land Bajonette auf Bajonette häuft. Auch die Dawespotitik wäre ohne eine allgemeine Ab­rüstung auf die Dauer kaum denkbar.

Das Haus nimmt nunmehr die Abstimmun­gen über den Haushalt des Innrrn vor.

Eine Reihe von Anträgen wird den Aus­schüssen überwiesen. Der Haushalt selbst wird in der vom Haushaltsausschuß vorgeschlagenen Form angenommen. Der Ausschuß hat Erhö­hungen vorgenommen, u. a. zur Förderung von Wissenschaft und Kunst von 1.2 auf 1,7 Mlll.. von kulturellen gemeinnützigen Derelnigungen von 0 5 auf 1 Million, für die Monumenta Germaniäe historica von 40 000 aus 68 000 Mark, für Turn- und Sportwesen von einer aus 1,5 Millionen, für nie Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft auf 1,1 Mill., tüt Durnstättenbauten von 0,5 auf 0,9 und zu-r Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche von 0,5 auf 1.2 Millionen Reu eingestellt hot der Ausschuß u. a. 2,5 Millionen für hie Junglehrer und 250 000 Mark für das Haus des Deutsch­tums in Stuttgart.

Darauf wird die Aussprache über den Haus- halt des Auswärtigen Amts fortgesetzt.

Abg. Graf Reventlow (Rat.-Soz.) be- .cichnet das Ergebnis der Genfer Verhandlungen als einen neuen Beweis dafür, daß dic deutsch? Außenpolitik falsche Methoden anwende.

Abg. v. Graefe (Völk.): Der große Auf­wand an Geld und Beamten im Auswärtigen Amt steht in keinem Verhältnis zu den Leistun­gen. Dr. Stresemann habe sich in Genf offenbar zu sehr berauschen lassen von gelegentlichen Schmeichelworten Vriands. Das sei vielleicht eine E'.tlürung für den kläglichen Mißerfolg von Genf.

Vor der Abstimmung über das kommunistisch? Mißtrauensvotum gegen den Außenminister er­klärt Abg. Dr. Br eit scheid (Soz.), daß die Sozialdemokraten sich der Stimme enthalten würden. Sie hegten kein Mißtrauen gegen den Minister, würden aber die Derainwer- jung für die Regicrungspolitik den Regi^runys-- Parteien überlassen. Der Mihtrauensantrag wird gegen die Kommunisten und Völkischen abge­lehnt. Der Etat wird nach den Ausschußvor­schlägen bewilligt.

Es folgt di? zweite Beratung des Haus- Halts desR e l ch s v e r k e h r s m i n i st e r i u m s. 9 eichsverkehrsmimster Koch geht auf die Pläne zum Ausbau her deutschen Wasserstraßen em. Der Ausschuß hat bei der Wasserstraßenprojek­ten 36 Millionen gestrichen. Das bedeutet nicht die Ablehnung dieser Bauten. Der Minister er­klärt dann, er werde bemüht sein, die Ein­bürgerung des Kraftfahrzeugs nach Kräf­ten zu fördern. Einheitliche Vorschriften für den gesamten Straßenverkehr seien notwendig, ebenso der Ausgleich der Interessen der Kraftfahrzeug­halter und der Wegeunterhaltungspflichtigen. Im Luftverkehr werde die Regierung auf eine fortschreitende Beseitigung der Rachteile hin­arbeiten, welche für Deutschland anderen Staaten gegenüber noch immer bestehen. An einer Lust- . Derbinbung von Europa nach Ostasicn und nach der Türkei werde gearbeitet. 3m Eisenbahn- t wesen hat sich das Verhältnis zwischen Re­gierung und Reichsbahngesellschaft erfreulich ge- I bessert? Der Vorwurf, daß die Reichsbohngesell- schäft die Reichskredite zur Bautätigkeit und Ar- beitsbeschaffung nicht in befriedigender Weise verwendet habe, sei unberechtigt. Die Gefellkchaft boffe, für die Belebung des Arbeitsmarktes im Iahre 1927 noch mehr tun zu können, als im 3ohre 1926.

D.. Ausgleich im Reichshaushalt.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 24. März. Wie schon lurz gc- gcmeltet, ist zwischen Reichsregierung und Re­gierungsparteien eine Verständigung über ute Frage erfolgt, wie das Defizit des Reichs' Haushalts von 725 Millionen beseitigt werden soll. Die bisher bekannt gewordenen Einzel­heiten lassen erkennen, daß man dafür den Weg gewählt hat, das Aufkommen aus der Ein­kommen- und Körperschaftssteuer mit 260 Mil­lionen höher anzusehen, die lieber schüsse aus dem Haushaltsjahr 1926 mit 200 Millionen und den Betriebs mittel fvnds mit 190 Millionen heraiuuziehen. Die Differenz von rund 75 Millionen hofft man einsparen zu können, wobei besonders die produktive Er- werbSlosenfürsorge um 50 Millionen niedriger in den Etat eingesetzt wird.

Man wird nicht umhin können, dieses Ver- sahren zum Ausgleich des ordentlichen Etats etwas sonderbar zu finden. Denn man schasst nicht etwa mehr Geld, man reduziert auch die Ausgaben nur um einen Bruchteil des Fehl­betrags und man behilft sich im übrigen mit der Preisgabe der Sicherheit skoeffi dienten, die in der Erhaltung der von Luther seinerzeit zuerst geschaffenen und für u.iregel- mäßige Zeiten als unerläßlich bezeichneten Be­triebsmittelfonds und in der Reserve gewisser Einnahmeüberschüsfe aus dem Vorjahr besteht. Bezüglich der letzteren wird man dos durchaus billigen können, denn es ist nicht Auf­gabe der Finanzverwaltung, eine DhefaurierungS- politik mit Hilje von ikfxrfteucrung zu treiben. Anders liegt es schon mit bezug auh den Be­iri e b s m il t e l f o n d, da wir ja auch heute noch keine Gewißheit haben, daß alle etwaigen Anforderungen, wie in Friedenszeiten, vom Geld­markt befriedigt und nötigenfalls mit Hilfe kurz- frifüger Schatzwechsel gedeckt werden formen. Am anfechtbarsten erscheint aber das Verfahren, die bereits etatifierten Einnahmen aus Ein- tomnien- und Körperschaftssteuer kurzerhand u m einen erheblichen Betrag, um f a st 10 Prozent höher anzusetzen. Denn ent­weder war dann der vorige Ansatz von vorn­herein zu n i e b r l g und das ist in einem Etat genau so gut ein Fehler, wie das Gegenteil oder odc"-: man bat auch heute nicht die Gewißheit oder selbst Wahrscheinlichleit einer solchen Mehreinnahme, unb dann ist ihre &ta»i- fieruug unzulässig. Wenn auch lein Etat ganz genau mit den wirklichen Ergebniksen üb?r*

einstimmen kann, so soll er jedenfalls auf Grund sorgsamster Beobachtung aller Entwicklungskurven und aller Momente zur Vorausberechnung der zahlenmäßigen Entwicklung ausgestellt sein, darf also einen derartigen Spielraum ..auf Befehl gar nicht enthalten. .

Auch unter Reinhold war mit einem Defiz'.t gerechnet worden: aber daS wurde offen erklärt, und es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß man für werbende Ausgaben In höherem Maße den Anleihemarkt werde in Anspruch neh­men können. Dieser letztere Gedankengang scheint neuerdings wieder in den Hintergrund getreten zu sein, so daß man sich bemüht hat, nicht nur das Defizit des ordentlichen, sondern auch das­jenige des außerordentlichen Haushalts aus regulären Einnahmen zu decken: deshalb sind auch bei dem letzterwähnten Etat in Höhe von 500 Millionen zunächst 50 Millionen abgestrichen worden, die zum großen Teil zu Lasten des Kanalbau-Programms gehen wer­den. Der geplante Etatsausgleich zeugt also von einem größeren Optimismus in oezug auf die Einnahmen, von einem größeren Pessimismus in bezug auf die Möglichkeit von Anleihen.

Die vertagte Arbeitslosenversicherung.

Dic neue Lastenvertcilung ou4 der Lrwerbsloscnsürsorgc.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

B e r l i n . 24. März. Hinter den außen- volitifchen Erörterungen des Reichstages find für die öffentliche Aufmerksamkeit Vorgänge etwas zurückgetreten. die uns doch recht nahe angehen. Die Regierungsparteien haben einen Entwurf eingebracht, mit dem sich der Steuerausschuß des Reichstages zu befassen hatte, durch den die Frage der Erwerbslosenlasten. zugleich aber diejenige der Arbeitslosenversiche­rung auf ein neues Geleise geschoben werden soll. Danach soll das Reich den Ländern und Gemeinden die Beträge erstatten, die sie nach der Verordnung über die Erwerbslosensür- sorge von 1924 vom kommenden 1. April ab bis zum Inkrafttreten des Arbeitslosenversicherungs» geietzes beizusteuern haben. Das Reich soll auch auf die anaeforderten Beträge Vorschüsse leisten, im übrigen aber die Rotwendigkeit dev Ausgaben prüfen und erst nach Feststellung und Anerkennung endgültig auszahlen.

Es handelt sich hier also um eine aus­gesprochene Hcbergang^verordnung. die nur so lange tn Krall treten soll, bis das Gesetz über die Arbeitslosen­versicherung tottiiam wird und es wird als Beginn dafür in dem Antrag der 30. Sep­tember 1927 vorgesehen, so daß diese Leistun­gen des Reiches durch diesen Termin begrenzt werden. Es ist jedoch der Einwand erhoben worden, daß vor dem 1. Januar nach dem gegenwärtigen Stand der Beratungen des So­zialpolitischen Ausschusses das Inkrasttreten des Gesetzes ausgeschlossen sei. Trotzdem ist der An­trag im Stcuerausschuß in der vorliegenden Form angenommen worden und damit die Last der Erwerbslosenunterhaltung zunächst für die Dauer eines halben Iahres ganz auf das Reich übernommen worden, vorausgesetzt, daß das Plenum zustimmt. Damit wird ein Zu­stand vorweggenommen, der eigentlich erst ein­treten sollte, nachdem das Gesetz über die Ar­beitslosenversicherung in Kraft getreten ist. das diese Lasten zwischen den Versicherungsnehmern -- Arbeitgeber, Arbeitnehmer und dein Reich nach einem ziemlich komplizierten Schlüssel der­artig verteilen soll, daß die nach Ablauf einer gewissen Versicherungsdauer notwendigen Auf­wendungen zu Losten des Reiches gehen.

Bei der Frage des Defizits ist offenbar auf ine Dispositionen des OteucrauLschusses, wie sie sich jetzt in dem angenommenen Entwurf auSwiclen bereits Rücksicht genommen worden. Ob man dabei die auf das Reich entfallenden Lasten richtig eingeschätzt hat, und sich nicht nachträglich eine Erhöhung des Defizits er­gibt. wird von der Entwicklung des Arbcits- Marktes abhangen. Iedenfalls wird das Reich >n der vorliegenden Form den Landern und Ge­meinden eine erhebliche Sorge a b i. c h m e n und damit eine Konzession machen, die über die bis­herigen sichtbaren des Finanzausgleichs recht er­heblich hinausgeht. Denn selbst wenn die Aus- tocr.oungcn der Länder -ür Erwerbslose nzwecke bei der Dcirchnung der Au^gleichsanspricche eine gewisse Roll.- gesisielt haben, ft es noch ein erheblicher Unterschied, ob sich die Länder und Gemeinden s e t b ft mit ihren in sich durchaus verschiedenen Lasten für die Erwerbslosenfür- Jorge abfinden ober ob sie diese Last in dieser hre Verantwortung herabmindernden Form kurzerhand auf das Reich qbwälzen können.

Das Arbeits^eitnotgrfetz.

Berlin, 24. März. (WTB. Funkspruch.) Heber das Kompromiß der Regierungsparteien in der Frage der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit teilt die j Lägt. Rundfch." folgendes mit:Zunächst wird die Heberjchreitung der Arbeitszeit in Ausnahme- fällen nuj 10 Stunden täglich begrenzt. Eine Ueberjdjreitung, jo heißt es weiter, ist nur oiis dringenden Gründen des Gemeinwohls mit be­fristeter Genehmigung zulässig, wenn es sich um Vorbereitungs- und Ergänzungsarbeilen handelt, bei denen eine Vertretung des Arbeitneh­mers durch andere Arbeitnehmer des Betriebes nicht möglich ist, und die .Heran­ziehung betriebsfremder Arbeitnehiner dem Arbeit­geber nicht zugemutet werden kann." Der § 1'1 wird wie folgt geändert: Die Beschränkungen der Arbeits- Aeit finden keine Anwendung bei Arbeiten in Not - fällen und in anderen außerordentlichen Fallen, Die unabhängig vom Willen der Betei­ligten cmireicn und nicht auf andere Weife zu beseitigen find, besonders wenn Rohstoffe ober Le­bensmittel zu verderben drohen, oder wenn ein Arbeitoerzeugnis zu mißlingen droht. Das gleiche gilt, wenn eine geringe Anzahl von Arbeit­nehmern an einzelnen Tagen mit Arbeiten beschäf­tigt wird, deren Richterledigung das Ergebnis der Arbeit gefährdet, ober einen verhältnismätzig großen wirtschaftlichen Schaden zur Folge hoben würde.

Pesutzifcher Landtag.

In der Mittwochssihung des Preußischen Landtags wurde ein Initiasivgefeyentwurf der Regierungsparteien über die Abänderung des Grunbvecmögenssteuergeletzes dem Hauptaus- schuß überwiesen. Die darauf folgende allgemeine Ausiorache über den Haushalt des Innenmini­steriums wurde durch eine Rede des Innenmini­

sters Grzefinski eingeleitet, die sich Haupt- sächlich mit den Rechts- bzw. Linsvrganisalionen und mit den Pflichten der Polizei beschäftigte. In der Aussprache kam es bei der Rede des deutsch­volksparteilichen Abgeordneten Dr. v. Richter zu stürmischen Unterbrechungen, und nur mit großer Mühe gelingt es dem Präsidenten, die Ruhe wiederherzustellen.

Die Regierungsbildung in Thüringen wiederum gescheitert.

Weimar, 23. März. (Wolff.) Die Ver­suche zur Bildung einer rein bürgerlichen Re­gierung führten auch unter der Verhandlungs- ieitung des Abg. Bauer-Sondershausen (D. Vp.) zu einem negativen Ergebnis. Der Ab­geordnete gibt seinen Auftrag an den Land- tagsvorstand zurück. Dis zur Einberufung des Landtags am 30. März, der sich mit der Frage der Regierungsbildung befassen wirb, wollen bie Demokraten den letzten Versuch unternehmen, um endlich nach vierwöchigen vergeblichen Be­mühungen der Parteien die Regierung zustande zu bringen.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 23. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags beriet heute die Regie­rungsvorlage über dieStaatsdienftanwär- 1 er: amtlich heißt sie: Gesetz, die elfte Ergänzung des Gesetzes vom 14. Oktober 1921. die Besoldung der Staatsbeamten betreffend. Zugleich mit der Regierungsvorlage wurden auch die dazu gestell­ten Anträge mitberaten. Ein Antrag Birn­baum und Genossen will, daß mit dem 31. März 1927 dic Aufrückungssperre für die Staatsdienstanwärter fällt. Ein Antrag Dr. Leuchtgens-Wolf besagt u. a.: Ein ver­heirateter Staatsdienstanwärter tritt 10 Iah re nach Ablegung seiner letzten, ihn zvr endgültigen Verwendung im Staatsdienst berechtigenden Ab­schlußprüfung in die Gehaltsbezüge eines fest­angestellten Beamten seiner Kategorie. Ein An­trag Schreiber und Genossen wünscht, daß Bestimmungen darüber getroffen werden, daß die Zahl der mit Anwärtern besetzten, dauernd not­wendigen Stellen in ein bestimmtes für alle Dienstzweige möglichst gleiches Verhältnis zur Zahl der definitiv besetzten Stellen gebracht wird. Die Regierung soll ermächtigt sein, provisorisch besetzte Stellen in definitiv besetzte umzuwandeln. Ein Antrag Dingeldey und Gen. lautet: Der Landtag möge beschließen, die Regierung um eine Vorlage zu ersuchen, durch die noch für den Staatsvoranschlag des Iahres 1927 ein für alle Dienstzweige gleiches Verhältnis von mindestens 1:10 für die dauernd notwendigen, von Anwär­tern besetzten Stellen gegenüber den von fest­angestellten Beamten versehenen Stellen hcrbei- gesührt wird. Abgeordneter H ei n st o d t criudjt in einem Antrag die Regierung, dem Landtag eine Aebersicht übet das Verhältnis der plan­mäßigen zu den außerplanmäßigen Stellen, ge­trennt nach >en Ministerien und Deamtengr uppen, vorzulegen und nach Durchführung der Abbau- anträge dieses Verhältnis nach und nach überall auf mindestens 8:1 zu bringen. Abgeordneter Kindt beantragt, die Bezüge der Staatsdienst- anwarier gemäß der Reichsregelung zu staffeln. Abgeordneter Delp und Gen. beantragen, die Regierungsvorlage über die Anwärierbesoldung wie folgt abzuändern:

1. Dom ersten bis zum fünften Anwärterjahr werden die Sätze der Regierungsvorlage über­nommen.

2. Vom sechsten bis zum neunten Anwärterjahr werden 100 Prozent der in Betracht kommenden Besoldungsgruppen gewährt und

3. beim zehnten Anwärterjahr erhalten die An­wärter die Reichssätze.

Ferner lag eine Eingabe des Hessischen LandesLehrervereins ttnd des K a t h o« l i f cf) e n Lehre »Vereins in Helsen vor, in der um Gleichstellung mit den Reichssützen gebeten wird. Rach eingehender Aussprache wurde die Ab­stimmung über die Vorlage und die Anträge ver- tagt, da die Regierung eine weitere Vorlage in Aussicht gestellt hat, in der das Anstellungsver- ßältnis der Staatsdienstwärter in Verbindung mit der Vorlage geregelt werden soll. Aus Wunsch non Mitgliedern des Ausschusses soll zugleich mit der Regierungsvorlage über die Staatsdienstanwärter auch die Regierungsvorlage zur Aenderung des Ge­setzes über die Altersgren^ erledigt werden. Die Debatte über die Vorlage soll nächsten Dienstag fortgesetzt werden. Einstimmig angenommen wurde eine Regierungsvorlage über öffentliche Rot- stands arbeiten (Arbeitsbeschafsungsprogramm 1926 27). Ferner stimmte der 'Ausschuß einer Re- ; gierungsvorlage über den Beitritt Hessens zur 5t r e b i g e m c i n f d) a f t gemeinnütziger Selb st Hilfeorganisationen Deutschlands G. m. b. H. (Kageso) in Berlin zu. Hessen über­nimmt hiernach »wei Anteile und tritt als Gesell­schafter in die Gesellschaft ein. Arn Donnerstag wird über die einstweilige Zurverfügungstellung von Baukrediten beraten und am Freitag über das Schwelkraftwcrk in Wölfersheim. Das Ple - n u tn des Landtags ist auf Dienstag, 29. März, einberufen worden. Man rechnet mit einer drei tägigen Tagung.

Der Schekdevertrag.

Lcharfc Opposition in her holländischen Ersten Kammer

Amsterdam, 24. März. (TU.) Rach fast dreiwöchiger Dauer wurden die Beratungen der Ersten holländischen Kammer über den hollän­disch-belgischen Vertrag gestern beeiltet Rur sechs der 27 Redner traten für den Vertrag ein, während der Rest sich dagegen aussprach, da der Vertrag durch seine politischen und wirt- schastlichen Konzessionen und die Verpflichtung Hollands für Mitarbeit an dem Dau und Unter­haltung einiger Kanäle und Wafferstraßen eine schwere Gefährdung der holländi­schen Wirtschaft und eine Belastung seiner Finanzen bedeute und die Beziehungen beiter Länder in ungünstiger Weise präjubiziere. Außenminister van Karnebeek, wies auf die Umstände hin, unter denen ter Vertrag zu- Üantegciommen fei. Es sei bamals iufclgc der Reutrakität Hollands im Kriege notwendig ge­wesen. die Beziehungen Hollands zu Belgien neu zu regeln, wobei es für Holland von Inter­esse gewesen sei. daß Belgien hierfür nicht wieder die Garantie ter Großmächte anrufx.

Die holländische Regierung habe von An­fang an kategorisch jede Annektion sfor- bet un g Belgiens abgelehnt und ein Entgegenkommen in anderer Weise für besser

gehalten. Holland fei cf gelungen, ferne PoÜ- tische und milttärifche Freiheit zu bewahren und den Vertrag ohne eine Intervention ter Groß­mächte zustande zu bringen. Holland nehme auch weiterhin das Recht in Anspruch, bie Schelde für Kriegsschiffe ab z »»schließen. Auch ter Dau des vielumftrittenen Antwerpen-Rheiw» Kanals werte weit weniger nachteilig für die holländische Schiffahrt fein als man befürchte. Zweifellos werde hierdurch eine Verschiebung in der Schiffahrt eintreten, doch werte R otter- dam wegen seiner ausgezeichneten Hafenanlagen auch in Zukunft feine Stellung für den Massen­transport beibehalten. Die entscheibente Ab­stimmung über den Vertrag wird für Donners-, tagvormittag erwartet

Aus aller Welt.

Acht Todesopfer eines Autounglücks.

Ein Lastauto, das 70 Arbeiter von der Arbeits­stätte nach hause beförderte, stürzte aus der Lhcmssec zwischen kudowaSackifch und Get­tenau, an der böhmisch-schlefischcn Grenze, in eine Schlucht und begrub {amtliche Insassen unter sich. Acht lote und 17 Schwerverletzte wurden geborgen. Das Unglück ereignete sich in einer scheuen steigen­den Kurve. Aus bisher unaufgeklärten Gründen rifz plötzlich die Kette des Lastauto». Die Bremse ver jagte, und der wagen roste mit unheimlicher Se Ichwindigkeit rückwärts bergab, knickte an einer Brücke das Geländer um und stürzte von der Brücke herab in die Schlucht.

Die Ermittelungen über dic Schuidsrage haben ergeben, daß der Lhousseur zum mindesten sehr sa hrläffig gehandelt hat. Der Lastkraft­wagen durste höchstens mit fünfzig D er­tön e n belastet werden. Er hat mit ihm jedoch, um eine größere Einnahme zu erzielen, achtundfech- sio Personen befördert. Außerdem befand sich der wogen in mangelhaftem Zu st and e. Vic Kette, deren Abglcilen die Katastrophe verursacht hat. war bereits vor acht lagen einmal gerissen und vermutlich nur oberflächlich repariert worden. Der Lhousseur versuchte, sich iu erschießen, wurde aber von der Polizei daran gehindert und in Schuhhajt genommen. Die c regte Wenge versuchte, ihn zu lynchen.

Die wiener Bcethooen-Jeier.

Der bet Wiener Beethoven-Feier werden eine Reihe von Staaten durch offizielle Delegierte vertreten fein. Deutschland entsendet Reichs­innenminister v. K e u b e 11 und Reichs finanz- minister Dr. Köhler. Frankreich den Un- terrichtSminister Herriot. Großbritan­nien Sir Percy Allan von der Universität. Orford. Italien Mascaani, Delgitn' feinen Außenminister Dandervelde. bie Riederlande Ionkhcer van Dernstehn. Rumänien den Direktor des Dukarester Kon­servatoriums. O f f e s c u . die Schweiz den Komponisten Doret, die Tschechoslowakei den Unterrichtsminister Hodga. Ungarn den Minister des Innern v. Scytcotofky, der Päpstliche Stuhl wird durch den aposto­lischen Runtius Msgr. Sibilla, die Ver­einigten Staaten durch den Gesandten Washturn, Polen durch Den Minister a. D. v. Twardowski und Iugoflawien durch den Gesandten M i l o w i t s ch vertreten sein.

(Eine Umwälzung in der Narkose.

In ter Sitzung der Berliner Mebi- zinischen Gesellschaft berichtet«, laut Deutscher Allgemeiner Zeitung", ter Berliner Ehirurg Prof. Dr. Unger über ein von ter I. - G. - Farbenindustrie neu hergcstelltrS und von ihm zunächst versuchtes R o r k o t i f u m , da­von» Mastdarm aus eingespritzt wird, und ge­genüber den bisher gebrauchten Betäubungsmit­teln in ter Wirkungsweise und hinsichtlich der Annehmlichkeit der Rarkose bedeutende Vorzüge aufweist, ebenso die Person des Rarkotiseurs bet Operationen überflüssig macht

Das Eisenbahnunglück Im polnischen Korridor.

Am 1. Mai sind es zwei Iahre her, daß sich das Eisenbahnunglück im polnischen Korridor er­eignete. Ein Schiedsspruch hatte seinerzeit eine Vernachlässigung ter Strecke seifen- ter polnischen Eisenbahnverwaltung nicht festgestellt. Die polnische Regierung hat nachträglich keinerlei Erklärungen abgegeben und versucht zeht, in einem Prozeß- den eine geschädigte Person gegen bie polnische Regierung angestrengt hat, unb der eine grundsätzliche Entscheidung bringen dürfte, sich mit einem Attentat herauszureden. Die deutsche Regierung hat ter polnischen Regie­rung vorgeschlogcn. den übrigen Betroffenen gegenüber auf einen Verjährungsein­wand, - die Entschädigungsansprü<che verjähren nach zwei Iahren, zu verzichten, bis der laufende Prozeß entschieden sei. Da die polnische Regierung dies abgeletznt hat, werten diejenigen Personen, welche durch das Eisenbahnunglück im polnischen Korridor vor zwei Iahren geschä­digt wurden, daraus aufmerksam gemacht, bah sie. um einer Verjährung vorzubeugen. Klage gegen die polnische Regierung er­heben müssen. Rähere Auskunst erteilt das ReichsvcrkehrSministerium in Berlin.

Eisenbahnunglück im Untercngobin.

Dienstagabend ereignete sich vor der Einfahrt zum Tunnel bei Schuls ein Eijenbahnunfall. Der letzte von St. Moritz kommende Zug stieß gegen einen Felj« nblock unb entgleiste. Zum Gluck wurde die Lokomotive gegen den Tunncleingang ab gedrängt, und jo ein furchtbares Unglück oerhin tert. Die Lokomotive wurde zusammengedrückt unb und der Lokomotivführer getötet. Von den Rei senden sind sechs verletzt worden, darunter zwei schwer.

Drei italienische Touristen von einer Lawine verschüttet.

Drei italienische Touristen sind in ten Bergen bei Saint Foy (Savoyen) von einer Lawine ver­schüttet worden.

Dic Jolgen eines anonymen Briese».

In Koblenz hat sich die 35jährige Ehesrau Johanne Buchmüller nachts von einem Zuge Überfahren lassen. Der Grund hierfür soll etn namenloses Schreiben fein, das bie Ehe­leute vor einigen Tagen erhielten, in dem ihnen grundlos große Schlechtigkeiten vorgeworfen torir» den, was die z»rr Schwermut ueigente Frau i n den Job getrieben hat.

Wettervoraussage.

Weiterhin unbeständig, wechselnd bewölkt, kühl mit sirichweijen Niederschlägen.

Gestrige Tagestemperaturen: 'JRarinwm: 15,9 Grad Celsius. Minimum: 7 Grad Eelfius. Meder jchläg« 0.K Millimeter Heutige Morgentemperatur: il 4 Grad Celsius.